(
(
Jahrbuch
der
Königlich Preussischen geologischen
Landesanstalt und Bergakademie
Berlin
für das Jahr
1889.
Berlin.
ln Commission bei der Simon ScHROPP’schen Hof-Landkartenhandlung
(J. H. Neumann).
Inhalt
I.
Mittlieiliingen aus der Anstalt.
Seile
1. Bericht aber die Thätigkeit der Königi. geologischen Landesanstalt
im Jahre 1889 ix
"2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1890 . . xx
3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landes-
anstalt über Ei’gebnisse der Aufnahmen im Jahre 1889 xxvi
K. A. Lossen: Ueber geologische Aufnahmen auf dem Blatte Harz-
burg XXVI
M. Koch: Ueber Aufnahmen im Oberharz, am Osteröder -Polster-
berger Grünsteinzug und am Bruch- und Ackerberg . . xxxiii
W. Dambs: Ueber die Aufnahme des Blattes Wegeleben .... xxxv
A. VON Koenbn: Ueber die Aufnahmen -westlich und südwestlich
vom Harz xxxv
H. Loeetz: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Schwarzburg,
Königsee und Ilmenau xxxvii
Scheibe und Zimmeemann: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse
der Aufnahmen auf dem Blatte Ilmenau XLi
R. Scheibe: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse der Auf-
nahmen auf Blatt Friedrichsroda XLVU
E. Zimmeemann: Ueber Aufnahmen auf den Blättern Stadtilm und
Plaue XLViii
H. Proeschoedt: Ueber Aufnahmen und Revisionen im Bereich
der Blätter Römhild, Rentwertshausen, Ostheim und Sond-
heim Liv
K. Oebbeke: Ueber den Abschluss der Aufnahme auf den Blättern
Niederaula und Neukirchen LVii
A. Dbnckmann: Ueber Aufnahmen im Gebiete des Blattes Waldeck-
Kassel (1 : 80000) LViii
A. LErvLA: Ueber Aufnahmen im Gebiet des Blattes Waldeck-
Kassel (1 : 80000) Lxv
F. BEyscHLAa : Ueber Aufnahmen im Gebiete des Blattes Waldeck-
Kassel (1 : 80000) Lxx
a*
Seite
E. Kayser: lieber Aufnahmen in der Gegend von Dillenburg und
Marburg Lxxvn
Holzapfel: Heber die Aufnahmen auf Blatt St. Goarshausen . Lxxix
E. Dathe: Heber die geologischen Aufnahmen der Blätter Rudolfs-
waldau, Friedland und Reichenbach Lxxx
G. Bekendt: Heber wissenschaftlich neue Ergebnisse bei der Auf-
nahme des Blattes Stettin Lxxxv
G. Lattermann: Heber Aufnahmearbeiten auf den Blättern Ringen-
walde und Colbitzow Lxxxviii
M. Scholz: Heber die Aufnahmen auf der Insel Rügen .... xc
H. Grüner: Heber die Aufnahme des Blattes Glöwen .... xcv
4. Personal- Nachrichten c
II.
Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen
Landesanstalt.
Heber Thalbildung im oberen Werragebiet. Von Herrn H. Proescholdt
in Meiningen. (Tafel I.) 1
Heber einige Carbonfarne. Von Herrn H. Potonie in Berlin. (Tafel II — V.) 21
Das Grundgebirge des Spessarts. Von Herrn H. Bücking in Strassburg i/E.
(Tafel XIV.) 28
Heber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines zwischen Bingen
und Lahnstein und Weiteres über Thalbildung am Rhein, an der Saar
und Mosel. Von Herrn H. Grebe in Trier. (Tafel XV — XVII.) . . 99
Beiträge zur Beurtheilung der Frage nach einer einstigen Vergletscherung
des Brocken-Gebietes. Von den Herren K. A. Lossen und F. Wahn-
schaffe in Berlin 124
Die Rudisten der Oberen Kreide am nördlichen Harzrande. Von Herrn
G. Müller in Berlin. ( Tafel XVIII.) 137
Der baltische Höhenrücken in Hinterpommern und Westpreussen. Von
Herrn K. Keilhack in Berlin. (Tafel XXVI.) 149
Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp. Von Herrn Th. Ebert in Berlin 215
Der Zechstein in der Gegend von Blankenburg und Königsee am Thüringer
Walde. Von Herrn H. Loretz in Berlin 221
Der im Lichthof der Königl. geologischen Landesanstalt und Bergakademie
aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln aus dem Carbon des Piesberges.
Von Herrn H. Potonie in Berlin. (Tafel XIX— XXII.) 246
Vergleichende Studien über die Gesteine des Spiemonts und des Bosen-
bergs bei St. Wendel und verwandte benachbarte Eruptivtypen aus
der Zeit des Rothliegenden. Von Herrn K. A. Lossen in Berlin . . 258
Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit des thüringischen Keupers
(Trematodiscus jugatonodosus). Von Herrn Ernst Zimmermann in Berlin.
(Tafel XXVII.) ' 322
Seite
Beitrag zur Lössfrage. Von Herrn F. Wahnsciiaffe in Berlin .... 328
Die Soolbohrungen im Weiclibilde der Stadt Berlin. Von Herrn G. Bekendt
in Berlin (Tafel XXVIII.) 347
Abhaudlnngen von ausserhalb der Königl. geologisclien
Landesanstalt stellenden Personen.
Die Tiefenverliältnisse der Masurisehen Seen. Von Herrn W. Ule in
Halle a. S. (Tafel VI — X.) 3
Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden bei Barsinghausen
am Deister. Von Herrn C. Struckmann in Hannover. (Tafel XI — XIII.) 55
Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischen Silurgeschieben gefundenen
Ostracoden. Von Herrn J. Kiesow in Danzig. (Tafel XXIII u. XXIV.) 80
Beiträge zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Oberharzes, ins-
besondere in der Umgebung von Lautenthal und im Innerstethal. Von
Herrn Wilhelm Langsdorfp in Clausthal 104
Ueber das Gebiss von Lepidotus Koeneni Br. und Hauchecornei Br. Von
Herrn W. Branco in Königsberg i. Pr 124
Untersuchungen eines Olivingabbros aus der Gegend von Harzburg. Von
Herrn A. Martin in Bonn. (Tafel XXV.) 129
I.
Mittheilungen aus der Anstalt.
1.
Bericht über die Tliätigkeit
der Königlichen geologischen Landesanstalt
im Jahre 1889.
I. Die Aufnahmen im Gebirgslande.
Im Gebiete des Blattes Harzburg (G. A. 56; s) wurde von i. Der iiarz.
dem Landesgeologeu Professor Dr. Lossen die Gliederung und
Kartirung der Granit-, Gabbro- und »Ecker- Gneiss« -Massen
zwischen dem Ilse- und Radau - Tliale fortgesetzt. In Blatt
Blankenburg (G. A. 56; le) wurden einige topographische und
geologische Revisionen und Ergänzungen ausgeführt, welche durch
die Neueinzeichnung oder Vervollständigung des Wegenetzes ver-
anlasst waren.
Im Ob er harz setzte Bezirksgeologe Di\ Koch die Revision
der Aufnahmen des verstorbenen Bergraths Dr. von Groddeck
im Bereich der Blätter Osterode , Zellerfeld und Riefensbeek
(G. A. 55; 18. 56; 7, is) fort und richtete seine Bemühungen be-
sonders darauf, die Altersfolge und die Lagerungsverhältnisse der
Schichten am Bruchberg- Acker und am Osteröder -Polsterberger
Grünstein - Zuge klai’zustelleu.
Am Nordrande des Harzes wurde von Professor Dr.
Dames die im Vorjahre begonnene Aufnahme des Blattes Wege-
leben (G. A. 56; 12) bis auf einen kleinen Theil in der Nordost-
ecke und einige Revisionen zu Ende geführt. Auch kartirte der-
selbe auf Blatt Wernigerode die Zechsteinformation von Nausen
X
2. Thüringen.
zvir Herbeifülirimg der Uebereinstimmimg mit dem beuaclibarten
Blatte Derenburg (G. A. 56; 9, lo).
Westlich des Harzes beendete Bezirksgeologe Dr. Ebert
die Aufnahme des Blattes Gelliehausen (G. A. 55; 35) fast voll-
ständig.
Professor Dr. von Koenen brachte das Blatt Göttinnen
o
(G. A. 55; 28) durch eine letzte Revision zum Abschluss und be-
gann die Aufnahme des Blattes Reinhausen (G. A. 55; 34). In den
Blättern Gandersheim, Seesen, Westerhof und Osterode (G. A,.
55; 11, 12, 17, 18) fügte derselbe die Ergebnisse einiger neuer Auf-
schlüsse hinzu und setzte ferner durch eine Anzahl von Orien-
tiruugsbegehiiugeu die erste Untersuchung der Blätter Freden,
Eimbeck, Moringen und Nörten (G. A. 55; 4, 10, I6, 22) fort.
Nördlich des Thüringer Waldes wurde von dem Berg-
ingenieur Frantzen im Bereiche des Blattes Creuzburg (G. A.
(G. A. 55 ; 60) eine Revision des Muschelkalkgebietes nördlich von
der Creuzburg -Iftaer Strasse ausgeführt und die Aufnahme des
durch Verwerfungen sehr zerschnittenen Terrains südlich jener
Strasse dem Abschluss nahe gebracht.
Im Thüringer Walde wurde von dem Hülfsgeologen
Dr. Scheibe im Gebiet der Blätter Brotterode und Friedrichsrode
(G. A. 70; 7, 8) im Rothliegenden die Abtrennung der TuflFe von
den übrigen Sedimenten bewirkt. Von demselben wurde sodann
innerhalb des Blattes Ilmenau ((G. A. 70; 22) in Gemeinschaft mit
dem Hülfsgeologen Dr. Zimmermann die Aufnahme im westlichen
Theil des Blattes fortgesetzt, während im Anschluss au diese
Arbeiten Laudesgeologe Dr. Loretz die Untersuchung des öst-
lichen Theils des Blattes weiterführte.
Die Kartiruug und Revision der Blätter Königssee und
Schwarzburg (G. A. 70; 23, 24) wurde von Dr. Loretz in den
durch den Zechsteiu und den Buntsandstein eingenommenen
Theilen dieser Blätter fertig gestellt.
Professor Dr. von Fritsch vollendete die Aufnahme des
Blattes Remda (G. A. 70; I8) und führte eine Anzahl von Revisionen
innerhalb der von ihm bearbeiteten Blätter Tambach, Schwarza,
Suhl und Schleusingeu (G. A. 70; 14, 20, 21, 27) aus.
Das au Remda westlich augrenzende Blatt Stadt Ilm ((G. A.
70; 7), zu welchem eine erste Aufnahme von E. E. Schmid vor-
lag, wurde durch Dr. Zimmermann einer vollständigen Revision
unterzogen und druckfertig bearbeitet, so dass nunmehr eine aus
den Blättern Stadt Ilm, Remda, Königssee, Schwarzburg, Breiten-
bach und Gräfeuthal zusammengesetzte Lieferung (G. A. 70; 17, 18,
23, 24, 29, 3o) zur V eröffeutlichuiig fertig gestellt ist.
Behufs der Vorbereitung des Abschlusses und der Veröffent-
lichung der Arbeiten über das westlich von hier liegende Gebiet
des inneren Thüringer Waldes wurden von Dr. Beyschlag, Dr.
Zimmermann und Dr. Scheibe gemeinschaftliche vergleichende
Begehungen innerhalb der Blätter Ilmenau, Masserberg, Schleu-
siugen und Suhl ausgeführt.
Im südlichen Thüringen nahm Bezirksgeologe Dr. Bey-
SCHLAG zur Herbeiführung einer gleich mässigen Behandlung der
Schichten des mittleren Keupers mit den angrenzenden Bayerischen
Aufnahmen eine Revision auf den zur Veröffentlichung bestimmten
Blättern Römhild, Rodach, Rieth, Heldburg und Coburg (G. A.
70; 38, 39, 44, 45, 46) vor.
Dr. Proescholdt bewirkte eine letzte Revision des Blattes
Rentwertshausen (G. A. 70; 31) zur Anschliessung an das ver-
öffentlichte, nördlich angrenzende Blatt Meiningen, sowie des
Blattes Römhild (G. A. 70; 38) und führte demnächst die Aufnahme
der Blätter Sondheim und Ostheim weiter (G. A. 69 ; 35, 36).
In Ost-Thüringen brachte Hofrath Professor Dr. Liebe
die Aufnahme des Blattes W altersdorf (G. A. 7 1 ; is) unter Hülfe-
leistuug des Dr. Zimmeemann zum Abschluss, wodurch eine aus
diesem und den Blättern Weida, Naitschau und Greiz (G. A. 71;
17,23, 24) zusammenzusetzende Lieferung zur Veröffentlichung fertig
gestellt worden ist. Ausserdem setzte derselbe in Gemeinschaft
mit Dr. Zimmermann die Untersuchung des Gebietes der Blätter
Lobenstein, Mielesdorf und Gefell (G. A. 7 1 ; 32, 28, 34) fort.
Im Regierungsbezirk Cassel wurden von Professor Dr.
Kayser die Aufnahmen in der Gegend von Marburg fortgeführt
und insbesondere der auf die Blätter Wetter, Freisbach- Caldern
und Marburg (G. A. 68; 3, 8, 9) fallende Wollenberg mit seiner
Umgebung kartirt.
3. Die Provinz
Hessen-Nassau,
a) der Regie-
rungsbezirk
Cassel.
XII
b) der Regie-
rungsbezirk
Wiesbaden.
4. Die Rhein-
provinz.
Von Professor Dr. Bücking wurden die im vorigen Jahre
nicht revidirten Theile der bereits in den Jahren 1873 bis 1876
aufgenommenen Blätter Langenselbold, Bieber und Lohrhaupten
(G. A. 68; 53, 54. 69 ; 49) behufs der Veröffentlichung einer Revision
unterworfen. Demnächst wurde von demselben die für die früher
begonnene Bearbeitung der geognostischen und bergbaulichen Ver-
hältnisse von Bieber und die zugehörige Specialkarte erforder-
lichen Untersuchungen ausg-eführt.
Professor Dr. Oebbeke beendete die Aufnahme der Blätter
Neukirchen und Niederaula (G. A. 69; 7, s).
Ausser diesen Arbeiten für die Specialkarte wurden im Re-
gierungsbezirk Cassel unter Leitung von Professor Dr. Kayser
durch Dr. Leppla und Dr. Denckmann die Untersuchungen für
das im vorigen Jahre in Angriff genommene Blatt Waldeck-Cassel
der geologischen Uebersichtskarte von Rheinland -Westphalen im
Maassstabe 1 : 80000 weitergeführt und unter Hülfeleistung des
Bezirksgeologen Dr. Beyschlag, welcher die Umgegend von
Cassel bearbeitete, zum Abschluss gebracht.
Im Regierungsbezirk Wiesbaden führte Professor Dr.
Kayser die Aufnahme der Gegend von Dillenburg fort und voll-
endete die östliche Hälfte des Blattes Dillenburg nebst Theilen
des angrenzenden Blattes Tringenstein (G. A. 67; 18. 68; 13).
Professor Dr. Holzapfel setzte die Aufnahme des Blattes
St. Goarshausen (G. A. 67 ; 5i) fort und brachte sie dem Abschluss
nahe. Derselbe begann zugleich die Bearbeitung des Blattes
Algenroth (G. A. 67; 52).
In dem linksrheinischen Theile der Rheinprovinz wurde von
dem Landesgeologen Grebe die Revision der früher auf der topo-
graphischen Unterlage älterer Messtischblätter bearbeiteten Auf-
nahmen zur Uebertragung auf die Grundlage neuer Messtisch-
blätter der Landesaufnahme fortgesetzt. Sie betreffen die Blätter
Mettendorf (G. A. 79; 2), Oberweiss, Bitburg, Landscheid, Wittlich,
Bernkastel, Neumagen, Morbach und Hottenbach (G. A. 80; 1, 2,
3, 4, 5, 10, 11, 12). Die Revisionen dieses Gebietes wurden so weit
abgeschlossen, dass die Veröffentlichung von 11 Blättern der
Gegend von Trier hat in Angriff genommen werden können.
XIII
Ausserdem brachte Landesgeologe Grebe noch Revisionen
in den an dieses Gebiet nördlich angrenzenden Blättern Hillburg,
Hasborn und Alf (G. A. 66 ; 56, 58, 59), sowie in dem Nahegebiete
und bei Saarbrücken zur Ausführung.
In der Provinz Schlesien vollendete Landesgeologe Dr.
Dathe die Aufnahme des Blattes Rudolfswaldau (G. A. 76; 19).
Derselbe führte die Aufnahme des Blattes Reichenbach (G. A.
76; 14) weiter und begann die Kartirung des Blattes Friedland
(G. A. 75; 2i), sowie die Untersuchung der Lagerungsverhältnisse
der Eruptivgesteine und Tuffe in dem Blatte Waldenburg (G. A.
75; 18).
Bergrath Schütze begann die Untersuchungen in den Blättern
Kupferberg, Ruhbank, Schmiedeberg und Tschöpsdorf (G. A. 75;
10, 11, 16, 19).
II. Die Aufnahmen im Flachlande
unter besonderer Berücksichtigung der agronomischen
Verhältnisse.
In dem Vorpommern’schen Arbeitsgebiet führte Landes- 6
geologe Professor Dr. Berendt in der durch Revisionsarbeiten nicht
beanspruchten Zeit unter Hülfeleistiing des Ciiltiirtechnikers Hü-
BINGER und zeitweise auch des Kulturtechnikers Wölfer die Kar-
tirung des Blattes Gr. Christiiienberg ganz und des Blattes Stettin
zum grösseren Theile aus (G. A. 29; 33, 32).
Landesgeologe Dr. Wahnschaffe bewirkte mit Hülfe der
Cultiirtechniker Toellner und Gossner die Aufnahme der Blätter
Podejiich und Alt-Damm (G. A. 29; 38, 39).
Dr. Lattfrmann nahm die Kartirung des Blattes Colbitzow
(G. A. 29; 37) in Angriff’.
Dr. Müller begann und beendete die Aufnahme des Blattes
Kreckow (G. A. 29; 3i).
Im Hinterpommern’schen Arbeitsgebiet brachte Bezirks-
geologe Dr. Keilhack unter Hülfeleistiing der Cultiirtechniker
Pohlitz, Baldcs und Burck die Blätter Bublitz, Gramenz,
>. Die Provinz
Schlesien.
. Vorpommern.
7. Hinter
pommern.
XIV
8.- Uckermark.
9. Havelland.
10. Priegnitz.
11. West-
preussen.
12. Ost-
preussen.
Wurchow und Kasiinirshof (Gr. A. 31; 2, 7, 8, 9) zum Abscliluss
und begann sodann die Aufnahme der Blätter Bärwalde, Per-
sanzig und Neu -Stettin (G. A. 31; 13, 14, 15), von welchen die
beiden letzteren gleichfalls fertig gestellt wurden.
Im ückermärkischen Arbeitsgebiete brachte Landes-
geologe Dr. Wahnschaffe mit Beihülfe des Culturtechnikers
Toellner die Aufnahme des Blattes Hindenbiu’g (G. A. 28 ; 45)
zum Abschluss.
Dr. SCHROEDER vollendete die Kartirung des Blattes Wallmow
(G. A. 28; 41).
Dr. Beushausen führte die Aufnahme des Blattes Gramzow
zu Ende und begann diejenige des Blattes Pencun (G. A. 28 ; 47, 48).
Dr. Lattermann brachte das Blatt Ringenwalde (G. A.
28 ; 57) durch Aufnahme des östlichen Theiles desselben zum Ab-
schluss.
Im H avelländischen Arbeitsgebiete führte Dr. Keil-
hack eine Schlussrevision des durch den Landesgeologen Dr.
Läufer aufgenommeuen Blattes Lehnin (G. A. 44; 39) unter be-
sonderer Berücksichtigung neuer wichtiger Aufschlüsse in den
Thongruben bei Lehnin und Michelsdorf aus.
Dr. Beushausen stellte durch Bereisung eines seiner nassen
Lage wegen bisher nicht zugänglich gewesenen Theiles der Blätter
Gross -Kreutz und Brandenburg (G. A. 44; 33, 32) während der
trockensten Jahreszeit diese Blätter druckfertig.
Im Arbeitsgebiet der Priegnitz brachte Professor Dr.
Grüner zunächst das Blatt Wilsnack (G. A. 43; 4) zum Abschluss
und begann sodann die Aufnahme des Blattes Glöwen (G. A. 43; 5).
Dr. Klockmann beendete die Aufnahme des Blattes Tram-
nitz (G. A. 44 ; 2).
Im Westpreussischen Arbeitsgebiet führte Professor
Dr. Jentzsch die Bearbeitung des Blattes Riesenburg (G. A.
33; 18) zu Ende und ging sodann auf Blatt Gross -Rohdaii über
(G. A. 33; 12).
Im Ostpreussischen Arbeitsgebiet begann und voll-
endete Dr. Klees die Aufnahme des Blattes Gross -Schwansfeld
und begann diejenige des Blattes Laugheim (G. A. 18; 52, 53).
Dr. Schröder führte die Ueberarbeitung des Blattes Bischof-
XV
stein (G. A. 18; 58) so weit, dass zur Fertigstellung nur noch eine
Schlussrevision erforderlich bleibt.
Iin Arbeitsgebiet der Insel Ilügen führte Professor 13, Rügen.
Dr. Scholz Nachträge zu den Blättern Bergen, Lubkow, Vilm-
nitz, Middelhagen, Zickersches Ilöwt und Gross -Zicker (G. A.
11 ; 5, 6, 8, 9, 11, 12) aus und brachte dadurch diese Blätter mit Aus-
nahme von Bergen, zum Abschluss.
Im Laufe des Jahres sind zur Publikation gelaugt; stand der
Publikationen.
A. Karten.
1. Lieferung XXXIII, enthaltend die Blätter
Schillingen, Hermeskeil, Losheim, Wadern,
Lebach . , 6 Blätter.
2. Lieferung XXXVII, enthaltend die Blätter
Altenbreitungen, Oberkatz, Wasungen, Hel-
mershausen, Meiningen 5 »
3. Lieferung XXXIX, enthaltend die Blätter
Gotha, Neu- Dietendorf, Ohrdruf, Arnstadt 4 »
4. Lieferung XL, enthaltend die Blätter Saal-
feld, Probstzella, Ziegenrück, Liebengrüu . 4 »
5. Lieferung XLH , enthaltend die Blätter
Tangermünde, Jerichow, Vieritz, Scherne-
beck, Weissewarthe, Genthin, Schlagenthin 7 »
zusammen 26 Blätter.
Es waren früher publicirt 206 »
Mithin sind im Ganzen publicirt • . . 232 Blätter.
Was den Stand der noch nicht publicirten Kartenarbeiten
betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender:
1. In der lithographischen Ausführung sind noch beendet:
Lief. XLI, Westerwaldlieferung .... 8 Blätter.
Lief. XLHI, Gegend von Marienwerder 4 »
Lief. XLV, Gegend von Melsungen . . 6 »
zusammen 18 Blätter.
Die Veröffentlichung dieser Blätter wird
binnen Kurzem erfolgen.
XVI
Transport 18 Blätter.
2. In der lithographischen Ausführung begriffen
sind :
Lief. XLIV, Gegend von Ems .... 5 »
Lief. XLVI, Gegend von Birkenfeld . . 6 »
Lief. XL VII, Gegend von Heilsberg . . 4 »
Lief. XL VIII, Gegend von Genthin . . 6 »
Lief. XLIX, Gegend von Bieber ... 4 »
Lief. L, Gegend von Trier 6 »
Lief. LI, Gegend von Gemünd .... 5 »
Lief. LII, Gegend von Halle a/S. ... 7 »
Lief. LV, Gegend von Remda .... 6 »
Lief. LVI, Gegend von Hildburghausen . 8 »
3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch
noch nicht zur Publikation in Lieferungen
abgeschlossen 122 »
4. In der geologischen Bearbeitung begriffen . 115 »
Summa 312 Blätter.
Einschliesslich der publicirten Blätter in der
Anzahl von 232 »
sind demnach im Ganzen bisher zur Unter-
suchung gelangt 544 Blätter.
Ferner ist die 1. Harzlieferung, Gegend von Nordhausen, in
2. Auflage begriffen; eine geologische Uebersichtskarte und eine
Höhenschichtenkarte vom Thüriuo;er Wald im Maassstabe 1 : 100000
befinden sich in der Vorbereitung.
B. Abhandlungen und Jahrbuch.
1. Baud VIII, Heft 4. Anthozoen des rheinischen Mittel-Devon
von Dr. Clemens Schlüter. Mit 16
lithographirteu Tafeln.
2. Band IX, Heft 1. Die Echiuiden des Nord- und Mittel-
deutschen Oligocäns von Dr. Theodor
Ebert. Hierzu 1 Atlas mit 10 Tafeln
und eine Texttafel.
XVII
3. Band IX, Heft 2. R. Caspary: Einige fossile Hölzer Prenssens.
Nach dein handschriftlichen Nachlasse des
Verfassers bearbeitet von R. Friebel. Hier-
zu ein Atlas mit 15 Tafeln.
4. Band X, Heft 1. Das norddeutsche Uuteroligocän und seine
Mollusken-Fauna von Dr. A. von Koenen.
Lief. I : Stroinbidae — Muricidae — Buc-
cinidae nebst Vorwort und 23 Tafeln.
2. Jahrbuch der Köuigl. Prenss. geol. Landesanstalt und Berg-
akademie für 1888. CXLl und 519 Seiten Text und 15 Tafeln.
Nach dem Berichte für das Jahr 1888 betrug die Gesammt-
zahl der im Handel debitirteu Karteublätter
Im Jahre 1889 wurden verkauft:
20 628 Blätter.
von
Lief. I, Gegend von
Nordhauseu
48 Bl.
»
11,
»
Jena ....
11
y>
HI, .
Bleicherode
13
»
»
»
IV,
»
Erfurt ....
12
>)
»
»
V, »
»
Zörbig ....
15
»
»
VI, »
»
Saarbrücken
I. Theil . .
2
»
»
»
VII,
»
11. *
2
»
»
»
VIII, »
»
Riechelsdorf .
21
»
»
»
IX, »
des Kyffhänsers
55
»
»
»
X, »
von
Saarburg
6
»
»
»
XI, »
»
Berlin Nordwesten
18
»
»
»
XII, »
»
Naumburg a. S. .
18
»
»
»
XIII, »
»
Gera
36
»
»
»
XIV, »
»
Berlin Nordwesten
20
»
»
»
XV, »
»
Wiesbaden
63
»
»
»
XVI, »
»
Mansfeld .
32
»
»
»
XVII, »
»
Triptis ....
14
»
»
»
XVIII, »
»
Eisleben
23
»
Jahrbuch 188y.
409 Blätter.
Latus 21 037 Blätter,
b
Debit der
Publicatioiieu.
XVIII
Transport 21 037 Blätter.
von
Lief. XIX, Ge
gend von Querfnrt . . .
29
Bl
»
»
XX,
»
» Berlin Süden
65
»
»
»
XXI,
»
» Frankfurt a. M. .
14
»
»
»
XXII,
»
» Berlin Südwesteu
55
»
»
»
XXIII,
»
» Ermschwerd . .
27
»
»
»
XXIV,
»
» Tennstedt .
3
»
»
»
XXVI,
»
» Berlin Südosteu .
70
»
»
»
XXVII,
»
» Lauterberga. Har?
32
»
»
»
XXVIII,
»
» Bndolstadt
19
»
»
»
XXIX,
»
» Berlin Nordosten
51
»
»
»
XXX,
»
» Eisfeld in Thür.
36
»
»
»
XXXI,
»
» Limburg .
71
»
»
»
XXXII,
»
» Gardelegen .
30
»
»
»
XXXIV,
»
» Liudow
6
»
»
»
XXXV,
» Bathenow
10
»
»
»
XXXVI,
»
» Hersfeld . . .
27
»
»
»
XXXVII,
»
» Meiuiuoreu
263
»
»
»
XXXVIII
?»
» Stendal
31
»
»
»
XXXIX,
,»
» Gotha ....
204
»
»
»
XL,
»
» Saalfeld in Thür.
254
»
»
»
XLII,
»
» Taugermüiide
231
»
1528
so dass im Ganzen durch den Verkauf deliitirt sind: 22 565 Blätter.
Von den sonstigen Pnblicationen sind verkauft worden:
A b b a n d 1 n n g e n.
Baud I, Heft (Eck, Bttdersdorf) 2 Exempl.
» » » 2. (Schmidt, Kenper des östlichen
Thüringens) 1 »
» » » 4:. (Meyn, Insel Sylt) 3 »
» II, » 3. (Berendt, Umgegend von Berlin) 9 »
» » » 4. (Kayser, Devon- Ablagerungen) . 1 »
» III, » 2. (Läufer u. Wai-inschaffe, Boden-
uutersucbungeu) 1 »
xrx
\
Band III, Heft 3. (Meyn, Schleswig -Holstein) ... 9 Exempl.
» IV, » 2. (Koch, Honialonotus- Arten) ... 1 »
» V, » 2. (Weiss, Steinkohlen-Calainarien) . 4 »
» » » 3. (Läufer, die Werder’sclien Wein-
berge) .2 »
» » » 4. (Liebe, Schichtenanfban Ost-Thü-
ringens) 1 »
» VI, » 1. (Beushausex, Oberharzer Si)iriferen-
sandstein) 2 »
» » » 3. (Noetling, Fauna des sainländ.
Tertiärs) 1 »
f » VII, » 2. (Berendt, Märkisch -Ponunersches
Tertiär) 1 »
» VII, » 3. (Felix, Weiss, Potonie, Carbon-
pflanzen) 3 »
» » » 4. (Branco, Lepidoten) 2 »
» VIII, » 1. ( Oeologische Karte von Berlin und
Umgegend) 18 »
» » » 2. (Denckmann, Umgegend V. Dörnten) 2 »
» v> » 3. (Frech, Umgegend von Haiger) . 3 »
» » » 4. (Schlüter, Anthozoen) .... 45 »
» IX, » 1. (Ebert, Echiniden) 45 »
» » » 2. (Caspary', Fossile Hölzer) ... 45 »
» X, » 1. (von Koenen, Unter-Oligocän) . . 31 »
F erner :
Jahrbuch für 1884 2 Exempl.
» » 1887 3 »
» » 1888 30 »
Weiss, Flora der Steinkohleuformation 27 »
Lossen, Geognostische Uebersichtskarte des Harzes 18 »
» Höhenschichtenkarte des Harzes .... 4 »
h*
XX
2.
Arbeitsplan
für die geologische Laiidesanfiiahine
ini Jahre 1890.
I. Der Harz und seine Umgebung.
Professor Dr. Lossen wird die Aufnahme des Blattes riarzl)urg
(G. A. 56;s) und die petrographisch- geologische Untersuchung
des Brockeiigebietes fortsetzen.
Bezirksgeologe Dr. Koch wird zunächst die Untersuchung
des Bruch- und Ackerberges und des südöstlich augreuzeudeu
Gebietes und nach deren Abschliessuug die Revision der Blätter
Seesen, Osterode, Zellerfeld und Riefensbeek weiterführen (G. A.
55; 12, 18. 56; 7, 13).
Westlich des Harzes wird Professor Dr. Kloos die Auf-
nahme des Blattes Lamspringe und des nicht hercynischen Theiles
des Blattes Hahausen in Angriff nehmen (G. A. 55; 5, g).
Professor Dr. von Koenen wird die Untersuchung des
Gebietes der Blätter Eimbeck, Gandersheim, Moringen, Westerhof
und Nörten, sowie des westlichen Theils des Blattes Lindau
(G. A. 55; 10, 11, IG, 17, 22, 23) fortsetzen.
Bezirksgeoloo-e Dr. Ebert wird die Kartirnuo: des Blattes
00 O
Gelliehausen (G. A. 55; 35), welche fast vollendet ist, abschliesseii
XXI
und diejenige des östlichen Theils des Blattes Lindau (G. A. 55; 2s)
in Angrifi' nehmen.
Zur Untersuchung des Zusammenhanges zwischen dem geo-
logischen Bau des Harzes und den in demselben wahrgenommeneu
besonderen erdmagnetischen Erscheinungen wird Dr. Eschenhagen
an einer Anzahl in Gemeinschaft mit dem Landesueologen Professor
ö O
Dr. Lossen auszuwählender Punkte Beobachtungen zur weiteren
Erforschung jener Erscheinungen austeilen.
II. Thüringen.
Bergingenieur Frantzen wird die Arbeiten zur Revision des
Jflattes Creuzburg (G. A. 55; 60) und des nördlichen Theils des
Blattes Eisenach (G. A. 69; 6) weiterführeii.
Bezirksgeologe Dr. Beyschlag wird die im Vorjahre nicht
zur Ausführung gelaugte Schhissrevision des Blattes Eisenach in
dessen mittlerem und südlichem Theile fertig zu stellen suchen.
Dr. Leppla wird, soweit ihm übertragene anderweitige Auf-
gaben ihm Zeit lassen werden, die älteren Aufnahmen der Blätter
Langula, Langensalza und Henningsleben zu revidiren beginnen
(G. A. 56; 49, 50, 56).
Im inneren Thüringer Walde werden Landesgeologe Dr.
Loretz, Dr. Scheibe und Dr. Zimmermann au der Untersuchung
des Blattes Ilmenau (G. A. 70; 22) Weiterarbeiten. Zur Ver-
gleichung der hier erlangten Ergebnisse mit den Verhältnissen
insbesondere des Rothliegenden und seiner Eruptivgesteine und
Tuffe in den benachliarten Blättern werden die Genannten in
Gemeinschaft mit dem Bezirksgeologen Dr. Beyschlag Begehungen
der Gegend von Tambach, Schwarza, Suhl und Schleusingen vor-
nehmen (G. A. 70; 14, 20, 21, 27).
Dr. Zimmermann wird ausserdem noch in den Blättern Cra-
winkel und Plaue (G. A. 70; 15, le) und Dr. Scheibe in dem
nordöstlichen Theil des Blattes Tambach (G. A. 70; 14) eine ge-
naue Revision ausführen.
Professor Dr. von Fritsch wird den von ihm bearbeiteten
südöstlichen Theil des Blattes Tambach, sowie die Blätter Schwarza,
XXII
Suhl und Schleiisiiigou iiuter Beihülfe des Bezirksgeologen Dr.
Beysciilag mit Rücksicht auf die Zusaminenfiissuna: mit den
übrigeu Blätteru des Thüringer Waldes zu einer üebersichtskarte
im Maassstabe 1 : 100000 einer Schlussredaction unterziehen.
Im östlichen Thüringen wird Ilofrath Professor Dr. Liebe
die Aufnahme der Blätter Schleiz, Mielesdorf, Schönbach und
Lobenstein weiterführen (G. A. 71; 27, 28, 29, 32). Ausserdem wird
derselbe unter ITülfeleistnng des Dr. Zimmermann eine specielle
Untersuchung des oberen Rothliegenden und des unteren Zech-
steins, sowie gewisser cambrischer Schiefer innerhalb der Blätter
Weida, Waltersdorf und Naitschau (G. A. 71 ; 17, 18, 23) vornehmen.
Dr. Proesciioldt wird die Untersnchnng der Blätter Sond-
heim und Ostheim (G. A. 69; 35, 3g) fortsetzen.
III. Provinz Hessen -Nassau.
a) Regierungsbezirk Cassel.
Im Regierungsbezirk Cassel wird Professor Dr. Kayser
die Aufnahmen in den Blättern der Umgebung von Marburg
weiterführen.
Dr. Denckmann wird die Bearbeitung der Blätter Fritzlar,
Frankenau, Kellerwald, Borken, Felsberg und Homberg (G. A. 54;
54, 58, 59, GO. 55; 49, öö) im Maassstabe 1 : 25000, unter Zugrunde-
leenng; der für die Section W aldeck - Cassel bewirkten Aufnahme
O O
im Alaassstabe 1 : 80000, in Angrifi' nehmen.
Professor Dr. Bücking wird die Untersuchung des Gebietes
der Blätter Neuswarts, Kleinsassen und Hilders fortsetzen (G. A.
69; 22, 28, 29).
b) Regierungsbezirk Wiesbaden.
Im Reofiernnfisbezirk Wiesbaden wird Professor Dr.
Ö O
Kayser die Aufnahme der Blätter der Umgegend von Dillenburg
lind Herborn weiterführen.
Professor Dr. Holzapfel wird die Aufnahme des Blattes
St. Goarshansen (G. A. 67 ; 5i) zum Abschluss bringen uud die-
jenige des Blattes Algenroth fortsetzen (G. A. 67 ; 52).
XXIII
IV. Rheinprovinz.
In der lllieinproviuz wird Laudesgeologe Grebe die Ar-
beiten für die Uebertragung seiner Aufnahmen in der Gegend
nordöstlich und östlich von Trier auf die von der Königlichen
Landesaufnahme hergestellten neuen Messtischblätter zu beenden
suchen.
In dem Nahegebiet wird Dr. Leppla die bisher vorliegenden
Untersuchungen der Eruptivgesteine und Tutfbildungen des Ivoth-
lieixendeu einer vera;leicheuden Revision unter Zimrundele^uun;'
der bei der Landesanstalt neuerdings nach den Vorschlägen Prof.
Dr. Lossen’s eingeführten Classification unterziehen und dabei
von dem Landesgeologeu Grebe unterstützt werden.
Professor Dr. Lossen wird sich zeitweilig bei dieser Revision
betheiligen.
V. Provinz Schlesien.
Landesgeologe Dr. Datiie wird die Aufnahme der Blätter
Freiburg, Waldenburg, Friedlaud und Reichenbach (G. A. 75; 12,
18, 21. 76; u) weiterführen und insbesondere die Verhältnisse der
Conglomeratporphyre auf den Blättern Waldenlmrg und Char-
lottenbrunu, sowie die specielle Gliederung des Cuhn zu Gegen-
ständen seiner Untersuchungen machen.
Bezirksgeologe Halpar wird die Aufnahmen des Blattes
Ruhbank (G. A. 75; 11) beginnen.
VI. Das Aufnahmegebiet des Flachlandes.
a) Uckermärkisch-Vorpoinmersches Arbeitsgebiet.
Landesgeologe Professor Dr. Berendt wird in der durch
Revisionen nicht in Anspruch genommenen Zeit unter zeitweiser
Zuziehung des Culturtechnikers Wölfer das Blatt Stettin (G. A.
29; 32) zum Abschluss bringen und demnächst das Blatt Schwedt
(G. A. 28; 60) in Angriff nehmen, bei dessen Bearbeitung Cultur-
techniker BaldüS Hülfe leisten wird.
XXIV
Lanclessreolofie Dr. Watinschaffe wird mit Hülfe des Cultur-
technikers Gossner und in der ersten Hälfte des Sommers auch
des Culturtechnikers Baldus die Blätter Podejuch und Alt-Damm
(G. A. 29; 38, 39) abschliessen. Daneben wird derselbe die Aus-
bildung des neu eingetretenen Culturtechnikers Reimann über-
nehmen.
Dr. Müller wird nach einer Scblnssbejrehuna: des Blattes
Kreckow (G. A. 29; 3i) die Anfnahme des Blattes Löcknitz (G. A.
28; 36) bewirken und demnächst eventuell auf Blatt Polssen
(G. A. 28 ; 52) übergehen.
Dr. Lattermann wird die Anfnahme des Blattes Colliitzow
(G. A. 29; 37) zu Ende führen und demnächst Blatt Hohenholz
(G. A. 28 ; 42) bearbeiten.
Dr. Beushausen wird Blatt Greifenhagen (G. A. 29; 43) auf-
nehmen nnd nach Beendigung dieses und des Blattes Pencun
(G. A. 28 ; 48) die Bearbeitung der Blätter Passow und Cunow
beginnen (G. A. 28; 53, 54).
Dr. Schröder wird nach Fertigstellung der von ihm be-
o O
arbeiteten ostprenssischen Blätter (s. unten) die Anfnahme der
Blätter Greitfenberg i. Uck., Angermünde (G. A. 28; 58, 59), Gross-
Ziethen und Stolpe (G. A. 45; 4, 5) in Angrilf nehmen.
b) Arbeitsgebiet der Insel Rügen.
Professor Dr. Scholz wird zunächst das Blatt Bergen (G. A.
1 1 ; ö) vollenden nnd alsdann durch Bearbeitung der Blätter
Altenkircheu, Rappin und Zudar (G. A. 11; 1, 2, lo) die Aufnahme
der östlichen Hälfte der Insel zum Abschluss zu bringen suchen.
c) Hinterpommersches Arbeitsgebiet.
Bezirksgeologe Dr. Keilhack wird mit Plülfe der Cultur-
techiiiker Pohlitz und Bürck die Blätter Gr. -Voldekow und
Bärwalde (G. A. 31 ; 1, 1.3) fertig stellen nnd demnächst auf die
nördlich an die bisher dort bearbeiteten Blätter angrenzenden
Blätter Kösternitz, Alt-Zowen, Pollnow, Klanin, Knrow, Sydow
(G. A. 14; 28, 29, 30, 34, 35, 3g) übergehen.
XXV
tl) Westpreussisches A rlj e i tsg eb iet.
Professor Dr. Jentzsch wird zunächst das Blatt Gr.-Rhodau
(G. A. 33; 12) zum Abschluss bringen und sodann die Aufnahme
der Blätter Niederzehren und Freistadt beginnen (G. A. 33 ; 2:5, 24).
e) O s t p r e u s s i s c h e s Arbeitsgebiet.
I)r. Klebs wird die Aufnahme des Blattes Langheim (G. A.
18; f)H) vollenden und alsdann die Blätter Dönhofstädt und Lam-
garben bearbeiten (G. A. 18; 48, 54).
Dr. SciiKÖDER wird das Blatt Bischofstein fertigstellen und
demnächst die Blätter Rössel und Ileiligelinde durch Begehung
auf Grund der neuen topographischen Grundlage zum Al)schluss
bringen (G. A. 18; 58, 59, 60).
f) Arbeitsgebiet der Priegnitz.
Professor Dr. Grüner wird nach Fertigstellung des Blattes
Glöwen (G. A. 43; 5) die Bearbeitung des Blattes Demertin
(G. A. 43; 6) ausführen.
Dr. Klockmann wird das von dem Landeso-eologen a. D.
Dr. Läufer seiner Zeit zu einem Theile aufgenommene Blatt
Kyritz (G. A. 44; 1) fertig stellen und sodann auf Blatt Lohm
(G. A. 43; 12) übergehen.
g) Mittelmärkisches Arbeitsgebiet.
Landes<2:eoloo:e Dr. Wahnsciiaffe wird nach Abschluss der
O O
Arbeiten in den Blättern Podfyuch und Alt-Damm die Aufnahme
der Blätter Prötzel, Möglin, Trebbin, Straussberg, Müncheberg
und Trebnitz beginnen (G. A. 45; 22, 23, 24, 28, 29, 30).
XXVI
3.
Mittheilungen
der Mitarbeiter der Königlielieii geologisclieu
Laiidesaiistalt über Ergebnisse der Aiifiialiuieii iin
Jahre 1889.
Mittheiliing des Ilerru K. A. Lossen über geologische
Aufiialiineu auf dem Blatte Harzburg.
Der vorjährige Bericht hat eingehendere Bemerkungen über
die Gliederungsfähigkeit desEckergneisses nach petrographischen
und geologischen Gesichtspunkten gebracht. Es wurde diese
Gneiss-Eormation als eine besonders deutlich krystalliuische Um-
waudlungspoteuz der Oberharzer Culm- Schichten innerhalb der
Contactzone um Granitit und Gabbro erkannt. Als ein zumal
beweiskräftio;er Umstand für diese Deutuno; wurde unter Anderem
hervorgehoben, dass mitten zwischen den Gneiss- Gesteinen echte
Schiefer- nnd Grauwackenhornfelse als Glieder ein und derselben
geschichteten Formation im allerengsten Verband Vorkommen.
Nach den fortgesetzten Untersuchungen kann hinzugefügt werden,
dass in dem Forstfahrwege, der sich in halber Höhe des west-
lichen Ecker -Ufers durch den Diebesstieg zieht, zwischen den
schieferigen Eckergneissen (Thon- und Grau wackenschiefer-
Aequivalenten) auch Fleck- oder Knoteuschiefer beobachtet
wurden, welche morphologisch durch den Gegensatz zwischen den
Knoten und der lichter gefärbten Schiefermasse an die ei’ste Um-
XXVII
Wiindlungspoteiiz der Tlioiiscliiefer in den Contactzoneu der
Enirranite erinnern und auch mineralisch durch das Vorwalten
o
von lichtem Glimmer vor Biotit neben Chlorit sich dieser Potenz
annähern, während ihre krystalliuische Ausbildung doch die des
gewöhnlichen Knotenschiefers übertritft.
Die körnigen Eckergneisse (Granwaeken- Aeqnivalente)
längs desselben Forstweges lassen örtlich deutlich erkennen, dass
echter Granit, der znm Theil Turmalin führt, in ganz schmalen
Trümchen oder Aederchen innig mit ihrer Gesteiusmasse, schein-
bar zu einer einheitlichen Bildung, verwachsen ist.
Neu nachgewiesen wurden sehr stark veränderte und da-
her bisher übersehene Grauwacken mitten im Gabbro, die ober-
halb der Sennhütte am Mittelberg über dem Touristeuweg nach
dem Molkeuhaus austelien und als Fortsetzung der Culmgrau-
wacken des Sachsenberges anzuseheu sind. Weiter gegen SW.
mögen demselben Cirauwacken-Zuge die gneissähnlieheu Gesteine
angehören, welche zwischen der Ettersklij)pe und dem Wintei*-
berg, in SO. von der genannten Klippe, ebenfalls mitten im Gabbro
scholleuförmig i) Vorkommen.
Ueberhaupt mehren sich mit der fortschreitenden Detail-
kartirung die Schollen metamorphosirter Sedimente,
welche sozusagen im Gabbro oder in dem Theile des Brocken-
granits, der von Jasciie bereits als zum Gabbro gehörig lietrachtet
wurde, schwimmen. Unter diesen hat ein besonderes Interesse
diejenige, welche am weitesten vorgeschoben gegen den Brocken-
Gipfel unterhalb des Schneeloches am Kellbeeke und
dem von der Buchhorst-Klippe demselben zurinneuden
Wässerchen angetrotfen wurde. Bereits früher hatte ich, wie
im vorigjährigeu Berichte erwähnt ist, im Gerinne des Kelllieek’s
Cordierit, Granat und Spinell führende gneissige Ilorufelse lose
gefunden bei gelegentlichem Vorübergehen. Eine erneute Be-
gehung dieser Gegend ergab, dass bei der Brücke, mit der die
') Zahlreiche kleinere Fragmente, ähnlich dem Vorkommen im Gabbro-
bruche im Riefenbachthale oder in dem Bruche oberhalb des Bärensle'ns im
Radauthale.
XXVIII
zur Bucbhorstklippe ansteigende Forststrasse den Keilbeek über-
sebreitet, eine solche Menge von Hornfels- Gerollen im Bacbbette
liegt, dass das Anstehende der veränderten Sedimente in unmittel-
barer Nähe zu erwarten ist. Die Region des Kellbeek’s unter-
halb des Schneeloches blieb zunächst ununtersucht. Dagegen ge-
lang es an der zur genannten Klippe aufsteigenden Fahrstrasse
im Seitengerinne des Hauptwassers dieses Anstehende ganz deut-
lich zwischen Granitit zu beobachten:
Hat man beim Aufstieg die Stelle passirt, wo der llsenburger
Brockenpfod abzweigt, so folgen nach 48 Schritt Granitit 23 Horn-
fels, dann nach einer Unterbrechung von 17 Schritt Granitit
4 Hornfels, alsdann stets Granitit. Der Gesteinsart nach treten
nicht nur jene demKinzigit verwandten gneissigen Horn-
fels e auf, sondern auch solche Hornfelse, welche keinen Granat
erkennen lassen und nicht so deutlich krystallinisch sind, sowie
ein Hornblende- Gestein, dessen verhältnissmässig grobstrahliger
Strahlsteintilz ausser der grünlichgelb oder bräunlichgelb pleo-
chroitischen Hornblende und einem dem Diabas-Chlorit gleichenden
chloritischen Mineral sehr wohlerhaltene Reste von primär aus-
geschiedenem Augit, mit Kaliglimmer erfüllte Pseudomorphosen,
titan haltiges Eisenerz und Titanit u. s. w. enthält.
Betrachtet man, gestützt auf die seither aus den Contacthöfeu
um die Harz -Granite gesammelten Erfahrungen, diesen Amphi -
bolit, dessen Strahlstein zum Theil noch deutlich als Uralit
nach Augit auftritt, als einen metamorphosirten Diabas-
Lagergang, so bietet nach dieser Hinsicht die Hornfels-Scholle
am N o r d o s t a b h a n g der Wo 1 f s k 1 i p p e n südlich von der
Plessenburg (Bl. Wernigerode) und diejenige an der
Bauerngleie (ebendaselbst), welche beide Hornblende -Gesteine
als Einlagerungen zeigen (die erstere zugleich biotitreiche Plagio-
klasporphyre des Diabas) die meisten Vergleichspunkte; denn
auch cordieritreiche Gueiss- Horufelse kommen in nächster Um-
gebung der Bauerngleie auf der südlichen Fortsetzung des Hippelu-
Kammes, wie auch weiter unten neben dem Amphibolit vor.
Eine gründliche Untersuchung des Kellbeek’s und seiner Um-
gebung lässt weitere Aufschlüsse erhoffen. Vorläufig sei noch
XXIX
bemerkt, dass unter den ITornfels - Geschieben des Kellbeek’s
auch solche nicht fehlen, die lagenweise reich an Malakolith
sind und überdies Körner eines lebhaft roth und gelb pleo.chroi-
tischen, stark lichtbrechenden Minerals zeigen, die nach der hier
und da deutlicheren Krystallform auf Titauit hiuweisen, wie er
auch in Kalksilicathornfelsen am Bocksberg bei Friedrichsbrunn
im Contacthof um den Rammberg-Granit beobachtet worden ist.
Die Gesammtheit der in der Gegend unter dem Schneeloche
bisher beobachteten Hornfelse erinnert demnach auch recht
sehr an die im vorjährigen Berichte eingehender geschilderten
schieferioren Eckergneisse und Cordierit - Hornfelse des Culm-
Schiefer- Horizonts und der darin vorkommenden Einlagerungen
zwischen Ecker und Ocker. Es ist aber nicht gestattet, aus dieser
petrographischen Aehulichkeit deu Beweis der Gleichalterigkeit
abzuleiten. Vielmehr ist aus der grossen Uebereinstimmung der
verschiedenalterigen Schiefersysteme des Harzes mit kalkigen oder
kiesel- bis wetzschiefer- oder adinolartigen Einlagerungen und mit
Einschaltungen eruptiver Diabas -Massen zunächst zu schliesseu
und auch thatsächlich zu erkennen, dass dieselben trotz ihrer ver-
schiedenzeitlichen ursprünglichen Bildung unter nachher gleich-
artig darauf eiuwirkendeu metamorphosirenden Bedingungen zu
wesentlich gleich oder ähnlich ausgeprägten Umwandlungsproducten
auskrystallisirt oder umkrystallisirt sind. Gerade unter diesem
Gesichtspunkte ist vorher auf die Umgebung der Bauerngleie im
Westufer des Dumkidileiithales auf Blatt Wernigerode hingre-
wiesen worden, weil die Zugehörigkeit der metamorphosirten Dia-
base und der zu Cordieritgneiss umgewandelten Schiefer der dort
anstehenden, ringsum von den Eugraniten der Granit- Gabbro-Zone
umgebenen Schollen zum Unteren Wieder Schiefer in Anbetracht
der in nächster Nähe am Dumkidilenkopf geschlossen auftreten-
den veränderten und unveränderten Formationsglieder dieser Stufe
eine augeuscheiuliche ist.
Der Cordierit-Gehalt der im Contact mit deu Eugraniten
des Harzes metamorphosirten Massen ist nach unserer heutigen
Erfahrung wesentlich beschränkt auf die von Ocker her über
das Radau-, Ecker-, Ilse-, Holtemme-Thal Ins zum Dumkuhleu-
XXX
köpf oberhalb Hasserode auf Blatt Wernigerode streichende Zone,
d. h. auf die Coutactmetain orphose u au den Eugraniten
der Gabbro-Granit-Zoiie, und tritt besonders in den Schollen
in diesen Eugraniten oder in den von zahlreichen Eiuzelvorkommen
dieser letzteren gangförmig oder gangstockförinig durchbrochenen
norufelsgebieteu auf.
Der E ckergneiss ist sichtlich die grösste und am
intensivsten umgewaudelte Scholle, die z wischen Granit
und Gabbro eingesunken und davon durchbrochen ist.
Der Cordierit-Gehalt erscheint demnach nicht so sehr als eine
Folge der ursprünglich abweichenden chemischen Durchschnitts-
zusammeusetzuug der Culm-Schiefer, als vielmehr als eine Folge
einer besonders intensiven Metamorphose in den Um-
waudluugsproducten der verschiedenalterigen Schiefer,
die von den Eruptivgesteinen der Gabbro- Granit- Zone durch-
brochen worden oder eingehüllt worden sind.
Fasst man die räumliche Vertheiluug der verschie-
denen Schollen iu’s Auge, so findet man zwischen den culmischen
Eckergneissen und den durch Amphibolit- (bezw. Diabas) -Ein-
lagerungen ausgezeichneten, hochkrystalliuischen, Cordierit, Granat
und Kalksilicate haltigen Flornfels-Schollen des Kellbeek-Wasser-_
gebietes und der nordöstlichen Wolfsklippen- Abdachung die Quarzit-
Massen des Pesekenhäu’s am Wege vom Scharfeusteiuer Viehhofe zur
Ecker, sowie diejenigen des Ferdinandgartens und des Unteren
Meiueckeuberges in Berührung mit dem Grauitit oder den
basischeren Eugraniten jener Zone. Diese Anordnung: im NW.
Culm, im SO. Unterer Wieder Schiefer, dazwischen Bruchberg-
Quarzit, entspricht dem Querprofil über den Brnchberg zwischen
Altenau und Schlnft bei St. Audreasberg in so befriedigender
Weise, dass die Zurechnung der Keilbeek- Scholle zu den ITorn-
felsen der Unteren Wieder Schiefer auf Blatt Wernigerode dar-
nach gerechtfertigt erscheint. Die Schollen der Wolfsklippen und
der Banerngleie deuten nach dieser östlichen Richtung hin sicht-
lich den einstigen Zusammenhang an, während nach dem Brnch-
berg-Profil im W. hin der Mangel au Schollen im Hochgipfel-
XXXI
Granitit des engeren Brocken-Gebietes einen Nachweis dieses Zu-
sammenhanges nicht gestattet.
Das neu entdeckte Vorkommen von Granat-K rystallen
bei Harzburg, über welches schon kurz in der Zeitschr. der
Deutsch, geol. Ges. (Bd. XLI , S. 380) berichtet wurde: Wohl-
ausgebildete honigbraune Dodecaeder, zuweilen mit abgestumpften
Kanten, aufgewachsen auf Pr eh ui t über Amethyst oder
Quarz, oder auch den Quarzvarietäten direct aufgewachsen, ent-
stammt dem fiscalischen Gabbro-Steinbruche oberhalb des
Bärensteins im lladauthale und zwar einem hoch olieu im
Bruche, nur wenige Meter unter dessen Oberkante, abgebauten,
relativ umfangreichen Einschlüsse (Fragmente umgewandelten
Kalksteins?). Blaulichweisser Kalkspath, der au das Vorkommen
von Cziklova im Banat erinnert, Wollastouit, derber rother Granat,
Epidot u. a. setzen einen Theil der Scholle zusammen und kommen
mit den vorher genannten Ki’ystallen und Mineralien an ein und
demselben Blocke vor.
Marmorartige Kalksteine in geringer Ausdehnung sind
unter den Contactproducten der Harzburger Gegend überhaupt
nicht selten: Sie kommen z. B. vor auf dem Schmalenberg in
der Nachbarschaft des Wilhelmsblick’s, weisslich, grob-
späthig, ohne auffällige Silicatbeimeugung; am Promenadenweg in
der halben Höhe des Winterbergs zwischen Hessenthal
und Kunstmauusthal, feiuköniig mit rotliem Granat; ähnlich
auf dem Gläsekenberge und im Gl äse kenthale südwestlich
von Bündheim, zuerst durch E. Kay.ser entdeckt und auch von
M. Koch in seinem vorjährigen Berichte erwähnt.
Derben Granat führt ferner ein Kalksilicatgestein,
welches am Fusse des Harzburger Burgberges hinter der
Restauration unter den Eichen ansteht. Ihn führen auch in aus-
gezeichneter Weise, wie E. Kayser meines Wissens ebenfalls zu-
erst beobachtet hat, die metamorphosirteu Eruptivgesteius-
massen aus der Umgebung des Wilhelmsblick’s und im
Riefenbachthale; daselbst ist er tief braunroth von Farbe.
Kleine zierliche gelbgrüne bis -graue Dodecaederchen kommen
XXXII
dagegen auf dem Pap en berge in einem relativ wenig meta-
morpliosirten Diabas vor, der am Fass desselben Berges auch
grossblätterigen Kalkspath mit zeisiggrünem Epidot führt.
Durch die Contactmetamorphose, welche diese ante-
grauitischeu Eruptivgesteine (Diabas, Orthophyr, Kera-
tophyr?) zwischen Ocker und Radau erfahren haben, erscheinen
dieselben äusserlich bald als massige, dichte, schwere Diabas-
horufelse, bald als Amphibolite, bald als glim me r reiche
Gesteine, die im Extrem scheinbar quarzlosen Biotit-Glimmer-
schiefer mit Granat-Gehalt darstellen. Die Sonderung: in die ur-
sprünglich nach Structur und Substanz verschiedenen Typen ist
sehr erschwert. Geht man dabei indessen von solchen Vor-
kommen aus, bei welchen die primäre Structur zum
wenigsten, oft aber auch noch ein Theil der primären
Substanz erhalten geblieben ist, so wird mau gleichwohl
hoffen dürfen, annähernd die Aufgabe zu lösen. So z. B. lässt
der D i a b a s - H 0 r n f e 1 s von dem trigonometrischen Punkte
auf der Stiefmutter im Ockergranit die Umbildung des
Diabas-All gits in braune Hornblende unter Erhaltung der
divergentstrahlig - körnigen Diabasstructur und die Neubildung
eines lichtgelblicheu mikrolithischen Aimits innerhalb der in die
Hornblende eiugezapften Plagioklas -Leisten auf das Klarste er-
kennen. Ebenso wohl erhalten ist, besonders auf dem B reiten -
berg, jene Variolitstructur der Oberharzer Diabase, die für
den Hangenden Theil des Osteroder Diabaszuges und überhaupt
für die Diabase vom Goslarer Schiefer bis an die Basis des
Culms als charakteristisch seiner Zeit von mir bezeichnet und
dementsprechend auch in der Gegend von Wildlingen wieder auf-
gefundeu worden ist. Endlich geben porphy risch aus ge-
schiedene primäre Orthoklase und deren P seu do-
rn orphoseu aus neugebildetem Orthoklas mit Augit, Biotit und
Turmalin in biotit- und augitreichen durchaus umkrystallisirten
Grundmassen erwünschten Anhalt zur Wiedererkennung der
Augit-Orthophyre, so besonders auf dem Schmalenberge (SO.-
Seite und nahe beim Wilhelmsblick).
XXXIII
Mittlieilung des Heira M. Kocii über Aufnahmen im
Oberliarz, am Osteröder-Polsterberger Grüusteinzug
u u d a m B r n c h - und A c k e r b e r g.
Die Revision der Anfnalunen Herrn v. Groddeck’s in dem
erstgenannten Gebiet bat zu Ergebnissen geführt, welche die bis-
herigen Beobachtungen und Auffassungen sowohl hinsichtlich der
Zusaiumensetzuug wie der Lagernngsverhältuisse der am Grüu-
steinzug anftreteuden Schichten nicht unwesentlich ergänzen. Da
eine ausführlichere Darstellung der letztjährigeu Beobachtungen
in einer besonderen Mittheihing beabsichtigt wird, sollen an dieser
Stelle nur einige der wichtigeren Ergebnisse kurz Erwähnung
finden. Zu diesen gehört vor Allem der Nachweis von sedimen-
tär (' m O b e r d e V o n in der hangenden Zone der körnigen
Diabase V. Groddeck’s^) und zwar von Cypridinenschieferu
im Liegenden der Diabase, ferner von veränderten adinolartigen Ge-
steinen, in denen sich neben spärlichen Brachiopoden und Trilobiten
als Iiezeichneudster Rest Posidonomya venusta gefunden hat, im
Hangenden derselben. Die ersteren treten sowohl im Hauptdiabas-
zim wie in dem kleineren Nebenzime auf, in dessen Endifrnufr am
Schönenberg sie besonders günstig aufgeschlossen sind, die letzteren
bilden dauegeii ein nur schmales aber weithin fortsetzeudes
Schichtenband zwischen Bärenbrucher Teich und Polsterberg im
Hanptzng. Die durch v. Groddeck gegebene und auch nach
der Auffindung der Homalouoten in den Wisseubacher Schiefern
A. ROmer’s noch aufrecht erhaltene Deutung des Grüusteiuzngs
als eines aus Culmschichten hervortreteudeu Sattels devonischer
Schichten mit parallel einfallenden Flügeln, wobei der hangenden
Zone der körnigen Dialiase die Rolle des Gegenflügels zu der
liegenden Zone mit den Wisseubacher Schiefern A. Römer’s
■znfiel, muss nunmehr nach Auffindung von Oberdevou in der
ersteren fallen gelassen werden. Es liegt nicht ein vollständiger
Sattel mit Flügel und Gegenflügel sondern nur ein halber Sattel
') Abriss d. Geognosie des Harzes 1883, S. 104.
A. Halfae u. E. BEYKieii, Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XXXTfl,
1881, p. 502 u. 518.
Jahrbuch 1889.
C
XXXIV
vor, entsprecliencl einem einseitigen Profil vom Oberdevon bis zum
Unterdevon. Die Verschiedenheit der liegenden nnd hangenden
Zone spricht sich auch abgesehen von den Sedimenten in der
sehr von einander abweichenden Beschaffenheit ihrer Diahas-
einschaltungen aus; während die Gesteine der ersteren nämlich
mittel- bis grobkörnig divergentstrahlig oder als Labradorporphyre
entwickelt sind und demnach den unterdevonischen Diabasen des
Ostharzes nahe stehen, zeigen diejenigen der hangenden Zone
ganz vorherrschend variolitische Structur, eine Ausbildungsform,
die man im Harz nach den bisherigen Beobachtungen nur an
Diabasen jüngerer Ablagerungen, vom oberen Mitteldevon an
aufwäi’ts, kennt.
In den vollständigsten Pi'ofilen grenzen die Schichten der
hangenden Zone folgerecht an Culmkieselschiefer, während die
Glieder der liegenden Zone, körnige Diabase und Wissenbacher
Schiefer A. Römer’s, welche nach Auffindung der ITomalonoten
in der Huhthaler Widerwage allein mit den gleichen Schichten
Nassaus in Parallele zu stellen sind, überall anormal auf Cuhn-
grauwacken auflageru. Es kann dies, wie schon v. Groddeck
als wahrscheinlich hinstellt, nur als eine Folge von am Liegenden
des Zuo-es auftretenden Faltenverwerfuno-en gedeutet werden.
O O
Ausser diesen für die Auffassung der Lagei’ungsverhältuisse am
Grünsteinznge wichtigsten Störungen und vereinzelt auch vor-
handenen streichenden Spaltenverwerfungen, welche ein Absinken
der Schichten am Hangenden bewirkten, werden Haupt- wie
Nebenzug noch durch eine Reihe von Querverwerfungen gestört
und in einzelne oft sehr erheblich gegen einander verschobene
Abschnitte zerlegt. Ein Theil dieser in Bezug auf Fallen und
Streichen sich den Oberharzer Gängen anschliessenden Querspalten
fällt mit Störungslinien zusammen, die sich in der von Herrn
Baurath Dr. Langsdorff veröffentlichten geologischen Karte jenes
Gebietes eingetraofen finden, wenn auch im Einzelnen sehr vielfach
Abweichungen von dem dort angegebenen gradlinigen Verlauf der
Spalten zu verzeichnen waren.
Die Revisionen am Bruch- und Ackerberg konnten in
diesem Jahre noch nicht zum Alischluss gebracht werden. Obgleich
XXXV
bisher eine vollständig befriedigende Lösung der Fragen, welche
in diesem schwierigen Gebiete eine Rolle spielen, noch nicht
erzielt wurde, haben sich doch einige nicht unwichtige Beob-
achtungen ergeben, von denen hier nur die Auffindung von
Schichten mit typischer Haupt<|uarzitfauna an der Südostseite
der Quarzitmassen des Ackerbergs, am Lonauer Jagdhaus unweit
der Ackerchaussee, Erwähnung finden möge.
Mittheilung des Herrn W. Dames über die Aufnahme des
Blattes Wegeleben.
Die nahezu abgeschlossene Begehung und geologische Kartirung
des Blattes Wegeleben hat zwei neue Ergel>uisse gehabt. Einmal
wurde südlich von Gatersleben, auf der Spitze eines Hügels an-
stehend, Arieten-Lias, der kuppenförmig aus dem umgebenden Di-
luviallehm hervorragt, aufgefunden, in Gestalt eines gelben oder
bräunlichen, etwas oolithischen Kalkes mit kleinen Belemniten,
genau so entwickelt, wie östlich von Quedlinburg. Der Punkt
lieo't g-enau in der Streichlinie des auf der EwALD’schen Karte
südlich von Halberstadt angegebenen Vorkommens von Arieten-
Lias. — Ferner wurde als Liegendes des Diluvialschotters westlich
und nordwestlich von Friedrichsaue (am Ostrand des Blattes ge-
legen) glaukonitischer Sand mit grösseren weissen Q.uarzgeröllen
beobachtet, der unbedenklich der Tertiärformation zuzurechnen ist.
Hiernach dehnt sich dieselbe weiter nördlich aus, als bisher be-
kannt war.
Mittheilung des Herrn A. von Koenen über die Aufnahmen
westlich und südwestlich vom Harz.
Die Aufnahmen der Blätter Reiuhausen, Göttingen, Nörten etc.
ergaben eine Reihe neuer Lias -Vorkommen, wenn auch meist nur
in kleinen Schollen, aber zugleich von Stufen des Lias, die zum
Theil nicht so weit südlich bei uns bekannt waren.
Auf Blatt Reiuhausen wurden die Schichten mit Ammonites
angulatus nördlich von Sieboldshauseu und zwischen Mariengarteu
und Elkershausen gefunden, ausserdem Tertiärgebirge westsüd-
westlich von Molleufelde, am Rande des Blattes.
c
XXXVI
Auf Blatt Göttiugeu sind jetzt nacligewiesen:
die Schichten mit Ammonites Jolmstoni“^ als dunkle, braun
verwitternde Kalke mit Ostrea^ ca. 400 Meter nördlich von der
Irrenanstalt und an der Strasse von Göttingen nach Holtensen,
etwa 1000 Meter von diesem Ort;
die Schichten mit Amm. angulatus treten in grösserer Aus-
dehnung zu Tage rings um die Irrenanstalt, südöstlich vom
Ceutralkirchhof von Göttingen und unter den Häusern der »Herz-
herger Chaussee«, vor dem Albanithore von Göttingeu;
die Schichten mit Amm. Bucklandi sind anscheinend südlich
von der Irrenanstalt voidiauden , sowie nordöstlich vom Lohberg
bei Boveudeu;
die Schichten mit Amm. -cjeametricus waren zeitweise in einer
Thougrube, ca. 300 Meter südlich von den Gebäuden der Irren-
anstalt, aufgeschlossen.
Amm. plwriicosta findet sich zwischen Leuglern und Emmeir-
hausen, am Nordwest-Fusse des Ilolteuser Berges und, nebst Amm.
ziphus, in kleinen Eisensteiuuieren auf den Feldern nordöstlich vom
Lohberg, bei Boveuden.
Die Schichten des Amm. Jamesoni sind vertreten durch ülier
3,.ö Meter mächtige grüne, braun verwitternde, oolithische Eisen-
steine, welche nordwestlich von Holtensen und bei Elliehausen
zu Taffe treten; ähnliche Gesteine finden sich auch südöstlich von
Göttingeu.
Die Schichten des Amm. ihex (u. A. centmcrus) und des
A. Davoei (A. ccrpricornus') sind auch jetzt nur östlich und süd-
östlich von Göttingen bekannt, ebenso die Schichten des A, spG
natus und des A. m,ar g ar itatus.
Auf Blatt Nörten ist der untere und mittlere Lias vermuth-
lich in allen Zonen zwischen Mariaspring und dem Maiberge bei
Angerstein vorhanden.
Gefunden habe ich dort bis jetzt Amm. angulatus , Gry-
phaea arcuata., Amm. planico sta.^ Amm. centaurics A. spi-
natus u. a. m. Amm. angulatus findet sich aber auch westlich von
Parensen und südöstlich von Schnedinghausen, an ersterem Orte
auch Amm. geometricus etc.
XXXVII
Bei Northeim findet sich da, wo auf älteren Karten Lias an-
gegeben ist, grösstentheils Thon und Saud resp. Sandstein von
jung -tertiärem Alter mit Braunkohle -Resten etc. Zum Theil ist
al)er auch Lias vorhandeu zunächst dem »Wieter«, und dieser
Lias erstreckt sich über 4 Kilometer weit nach Süden. Darin
finden sich namentlich auch die Eisensteine der Amm. Jamesoni-
Schicliten und andere Zonen des mittleren Lias, ferner Posidouien-
Schiefer mit Amm. horealis., Beloiieltis ampidlaris etc. und die
Schichten des Amm. jurensis mit A. jurensis.^ A. Germaini., A.
dispansiis etc.
Mittheilung des Herrn Loretz über Aufnahmen auf den
Blättern Schwarzburg, Köuigsee und Ilmenau.
Von den Blättern Schwarzburg und Königsee wurden die
nördlichen, vor dem cambrischeu Schiefergebirge gelegenen Theile,
welche vorzugsweise von Zechsteiu und Buntsaudsteiu eingenommen
werden, revidirt, und ihre Aufnahme zum Abschluss gebracht.
Was die diesbezüglichen Ergebnisse betrifit, so kann hier auf das
im vorigen Bande p. LXXIII tt‘. Gesagte und auf die Beschrei-
bung des Zechsteius in vorliegendem Baude S. 221 fi:’. verwiesen
AVer den.
Auf Blatt Ilmenau wurden die Aufnahmearbeiteii im östlichen
Theile des Blattes weitergeführt und die Verbindung mit den von
den Herren ScilEiRE und ZiMMERMztNN im westlichen Theile be-
Avirkteu Aufnahmen zunächst südlich von der Stadt Ilmenau, im
Gabelbachthal u. s. w. hergestellt. Es hat sich hierbei gezeigt,
dass das vorwiegend aus porphyrischem, nur untergeordnet auch
aus Schiefergebirgs-AIaterial gebildete Trümmergestein (Trünimer-
tufi‘, Breccie), welches im östlichen Theile des Blattes eine so be-
trächtliche Ausdelmuug erlangt, am Lindenberg bei Ilmenau von
einem dünner geschichteten Complex von deutlich sedimentärer
Natur überlagert wird; derselbe besteht aus vorherrschenden
gröberen und feineren Tuffen, mit untergeordneten Schieferthonen
(mit Ptlauzeuspuren) und auch sandigen und kalkigsaudigeu
Schichten. Besonders charakteristisch für diese Schichtengruppe
sind dichte, plattige Lagen von streifigem oder gebändertem Aus-
XXXVIII
sehen des Querliruchs, indem die hellfarbige Hauptmasse mit
äusserst dünnen, dunklen Zwischenlagen wechselt. Diese Schichten-
folge mag vorläufig als »Tufte von Kefersteinsruhe« bezeichnet
werden. Dieselben werden nun ihrerseits am Lindeubercr von
Glimmerporphyrit überlagert, der dort das hängendste Lager bildet.
Die drei genannten Glieder, nämlich Trümmertuff' oder Breccie,
Tuff'e von Kefersteinsruhe und Glimmerporphyrit setzen sich auch
westlich über das Gabelbachthal fort und lassen sich in die für
die dortige Gegend von den genannten Geologen aufgestellte Lager-
folge einordneu.
Gehen wir nun aus jenem Trümmertuff' iu der Lagerfolge
abwärts, so treff’eu wir bereits an der östlichen Seite des Lindeu-
bergs unter demselben au verschiedenen Stellen wieder Glimmer-
porphyrit, der mithin ein älteres Lager darstellt als der oben an-
geführte. Mit diesem älteren Glimmerporphyritlager dürfte wenig-
stens ein Theil der Gliinmerporphyritmasseu gleichstehen, welche
zunächst östlich vom Lindenberg und Schortethal, dann aber auch
weiterhin über den östlichen Theil des Blattes zerstreut auftreteu.
Die Aufuahmearbeiten müssen iudess dort noch weiter fortgesetzt
werden, um iu dieser Beziehung mehr Klarheit zu schaff'en, wie
auch darüber, iu welchem Lageruugsverbande der dort in erheb-
licher Verbreitung vorkommeude Felsitporphyr zu den genannten
beiden Gliedern steht; vorläufig muss es dahingestellt bleiben, ob
sich jedes einzelne Vorkommen dieser drei Gesteine mit Sichei’-
heit auf ein bestimmtes Glied einer gewissen Lagerfolge wird be-
ziehen lassen, und ob diese letztere sich mit der jenseits des
Gabelbachs bis jetzt angenommenen Folge decken wird. So viel
haben die bisherigen Begehungen gezeigt, dass das porphyrische
Trümmergesteiu, der Trümmertuff’, nach Verbreitung und Mächtig-
keit im östlichen Theile des Blattes eine entschieden bedeutendere
Rolle spielt als im westlichen; und als weiteres Ergebniss darf
wohl auch ausgesprochen v erden, dass dieser Trümmertuff’ nicht
überall die genannten porphyrischeu und porphyritischeu Erguss-
masseu überlagert und durch solche von den ältesten Schichten ge-
trennt wird, sondern, dass er dort, wo jene fehlen, beziehuugs-
XXXIX
weise nicht hingelangt sind, unmittelbar auf den ältesten Schichten
lagern, wenn nicht sogar in Wechsellagernng mit solchen treten
kann. Diese letzteren Schichten nun sind die in der entsprechenden
voijährigeu Mittheilnug bereits erwähnten Sedimente, nändich Sand-
steine, Kalksandsteine, Schieferthone und Couglomerate, welche
besonders bei Gehren und Möhrenbach aufgeschlossen sind und
unseres Erachtens für identisch gehalten werden dürfen mit ent-
sprechenden, früher bereits auf Blatt Eisfeld und Blatt Masserberg
gefundenen Schichten, die dort zunächst auf dem alten Schiefer-
gebirge liegen, als unterster Theil der gesammteu, diesem Grund-
gebirge ungleichförmig anfgelagerteu klastischen Bildungen und
Massengesteiusergüsse. Wir haben diese untersten Schichten bis-
her als Unteres liothliegeudes betrachtet, iudess mag ihre Alters-
stelluug, wie auch ihr Verhältuiss zu den im westlichen Theile
von Blatt Bmenan vorkommenden, bisher für carbonisch ange-
sehenen, znm Theil ähnlichen Schichten, zunächst noch uuerörtert
bleiben. Auch bei Gehren und Möhrenbach ist als Unterlage der
genannten Sedimente das cambrische Schiefergebirge auznnehmen,
welches im äussersten südöstlichen Winkel des Blattes Ilmenau,
im Langen Berge, ohne Bedeckung durch jüngere Schichten heraus-
tritt.
Dagegen tritt an der Ilm, abwärts von Ilmenau, Granit als
Untei’lage hervor, aber es lässt sich hier, wegen Unterbrechung
durch Diluvium, nicht wie im oberen Ilmthal die Auflagerung des
Kothliegenden (bezw. Carbon) auf den Granit wahruehmeu. Weiter
südlich wurde auch im Wildthal bei Oehrenstock das Vorkommen
von Granit, und obendrein in der Nachbarschaft desselben, das
Vorkommen der quarzigen Arkose beobachtet, welche im oberen
Ilmthal zunächst den Granit bedeckt; leider kommen im Wildthal
diese Gesteine nicht anstehend, sondern nur lose, doch in Menge
vor, und so mögen sie immerhin auf ein örtliches Hervortreteu der
granitischen Unterlage zu beziehen sein. Dass diese hier in einer
ganz anderen Höhenlage erscheint als bei Ilmenau, kann nicht be-
fremden, denn abgesehen von Verwerfungen kann man sich auch
nach anderen Beobachtungen den Boden des gesammten Roth-
XL
liegenden (bezw. Carbon) nur als eine sehr um'egelniässig gestaltete
Fläche vorstellen 1).
Zwischen Langewiesen, Oehrenstock und dem Schortethal und
in dem letzteren auch noch weiter aufwärts, an den Gehängen des
Lindeubergs und Mittelbergs, kommen in beträchtlicher Verbrei-
tung besondere trüininex’tufiartige Gesteine von wechselndem Aus-
sehen vor, welche jedoch kaum von einander zu trennen sind;
während sie einerseits in flaserige Abänderungen verlaufen, wird
eine andere Varietät einem Glimmerporphyrit auf den ersteu Blick
so ähnlich, dass Täuschungen Vorkommen können. Die nähere
Untersuchung, besonders auch die mikroskopische, zeigt jedoch
stets, dass man es hier nicht mit Ergussgesteinen, sondern mit
trümmertntfartigen , verschiedenartige Einschlüsse enthaltenden
Massen zu thun hat. Wir fassen diese kleine Gesteiusgruppe,
welche als »Tuftgesteine von Oehrenstock und Langewiesen« be-
zeichnet werden mag, als Zwischenlager in unserem weiter ver-
breiteten Trümmertuft' oder der jDorphyrischen Breccie auf, zu
welchen auch petrographische Uebergänge stattfinden, so dass die
Abgrenzung etwas erschwert wird. Auch an anderen Stellen finden
sich Andeutungen dieser eigenthümlichen Tujffgesteine.
Ö o o
In petrographischer Hinsicht sei schliesslich noch bemerkt,
dass wir mehrere Vorkommnisse von Eruptivgesteinen, die weder
als Porphyr, noch als Porphyrit, noch als Kersantit bezeichnet
werden können, vorläufig als »Alelaphyr« kartirt haben, ohne da-
mit einer richtigeren, nur durch genauere mikroskopische und
chemische Untersuchung zu gewinnenden Bezeichnung vorgreifeu
zu wollen. Es gehören dahin besonders die Gesteine vom Trag-
berg und einigen anderen Stellen bei Langewieseu, und vom Gottes-
kopf, unweit Gehren, in welchen auch ein Theil des von E. E. Sciimid
aufgestellteu »Paramelaphyr« enthalten ist.
’) Nock wurde am reckten Ilmtkalrande, eine Viertelstunde okerkalb Lange-
wiesen, gegenüber dem Ebrenberg, ein Vorkommen von Gi-anit kartirt, der liier
zwiseken stark verändertem, anscheinend zu Knoteusckiefer und Hornfels um-
gewandeltem cambrischem Schiefer auftritt.
XLI
Mittheilimg der Herren R. Scheibe und E. Zimmermann über
die wi SS e u scli aftli eil en Ergebnisse der Aufnahmen auf
dem Blatte Ilmenau unter Ber ücksiebtigung angren-
zender Gebiete.
Die Untersucliuugen des Jahres 1889 umfossten den Ostbaug
des Kickelliabns bis zum Gabelbach und erstreckten sieh naeh
Süden bis zu einer in Ostwestriehtung durch Stützerbach gezogenen,
dann im Schortethal nordwärts verlaufenden Linie.
Das im Vorjahre von uns festgestellte Profil vom Porpliyr
des Kiekelhahns, Hirschkopfes u. s. w. abwärts bis zum Glimmer-
porphyrit (vgl. in unserem Bericht in diesem Jahrbuche für 1888,
S. Lxvii die No. 4 — 7) findet sich auch an der nordöstlichen und
östlichen Seite des Kiekelhahns wieder. Wir haben dasselbe
ferner auf Blatt Suhl am Eisen- und Döllberg nachweisen können.
In dem genannten Glimmerporphyrit tritt ein Sediment-
zwischeulager auf, welches vorwiegend aus einfarbigen oder ge-
bänderten Thonsteinen und aus Breccien (oberer Gabelbach) besteht.
Letztere bilden immer den liegenden Theil des Lao-ers. Unter-
geordnet finden sich in den Thonsteinen dichte Sandsteine
(Langebachs-Kopf) und graue Schieferthone (Ascherofeu). Dieses
Zwischenlager wird, wie die Untersuchungen des Herrn Dr.
Loretz ergeben haben, nach Südosten hin rocht mächtig, während
unsere Aufnahmen eine allmähliche, zum Verschwinden führende
Auflösung desselben nach AA'esteu hin nachgeMÜesen haben. Kleine
isolirte Partien von Breccie, die wir an der Wilhelmsleite und
Kammerberger Alühle gefunden hatten, haben sich nun als die
letzten Ausläufer der Gabelbachbreccie ergeben. In dieser Breccie
finden sich neben den vorheri-scheuden Porjihyr- und Porphyrit-
brocken auch Schiefer-, sowie bis über kopfgrosse qiiarzreiche
Arkose- und Granitgeröll e.
Am Ascherofen wurde in den Schieferthonen der Thonstein-
zone ein Rest von Walchia 2yi>iiformis gefunden.
Wird nun durch dieses Sedimentzwischenlager der Glimmer-
porphyrit schon in zwei Lager zertheilt, so wird das untere der-
XLII
selben nochmals zerlegt clnrcli eine Decke von Porphyr, welcher
auch petrographisch eine besondere Art bildet. Durch seine weiss
verwitternde Grundinasse, durch Auftreten von kleinen Feldspäthei)
und rothverwitterndeu Glimmertafeln und durch Mangel an Quarz-
einspreugliugen gleicht dieser Porphyr dem des Kickeihahns,
unterscheidet sich a1)er von demselben durch Fehlen von Sphäro-
litlieu und Lithophysen und öfters eintretende Häufung von Würfeln
zersetzten Schwefelkieses. Mit Ausnahme einiger kleiner afana'för-
miger Vorkommen gehören hierher alle Porphyre der nächsten Um-
gebung von Stützerbach, der Flohen Tanne, des Erbskopfes (Stützer-
bacher Porphyr).
Die drei zu unterscheidenden Glimmerporphyritergüsse sind
petrographisch nicht unterscheidbar, lassen sich also bei Aussetzeu
der Zwischenlager nicht getrennt darstellen.
Unter No. 3 a) unseres vorjährigen Idealprofiles führten wir
an der Basis des Glimmerporphyrits das Schueidemüllersko])f-
gestein (Enstatitporphyrit) auf. Wir haben dieses charakteristische,
bisher nur von wenigen Orten bekannte Gestein au zwei neuen
Stellen aufgefuuden (Hohe Tanne, Schortethal am Erbskopf).
Zu beiden Seiten des Taubachgruudes westlich von Stützer-
bach taucht unter dem Glimmerporphyrit und neben Granit ein
Sedimentgestein in geringer Ausdehnung empor, welches als
Gliminerfels zu bezeichnen uud als diirch Granit stark umge-
wandelter alter Thouschiefer zu betrachten sein dürfte.
Im Jahre 1888 hatten wir auf Grund des nördlichen Einfalleus
des an der Kammerberg-Stützerbacher Strasse am Goldhelm
anstehenden Porphyrcouglomerates mit den darüber liegenden
grauen, plattigen Sandsteinen, Sandschiefern und conglomeratischen
Sandsteinen (No. 8a des vorjährigen Berichtes) aniiehmen müssen,
dass diese Schichten an der Basis des eigentlichen Manebacher
flötzführeuden Carbons liegen. 1889 am Schluss der Aufnahmezeit
dicht über der Strasse am Goldhelm gemachte Funde von Wulcliia
piniformis (häufig), Odontopteris obtusa (spärlich), Cardiocarpus und
anderen Resten werden aber die Zurechnung der vorgenannten
Schichten uud damit auch eines Theils unserer über den Flötzen auf-
tretenden conglomeratischen Sandsteine uud des Porphyritmandel-
XLIII
feteincongloinerates (No. 8/ des voijährigeu Berichtes) zum Unter-
rothlieireudeu nothwendiff machen. Die vorgerückte Jahreszeit
schloss die Möglichkeit aus, die pflaiizeuführende Schicht durch-
seheuds zu verfoDen uud die Abgrenzung der Abtheilungen im ein-
zelnen genau durchzuführen. Im oberen Gartenthal am Foi’stmeisters-
weg sind auch Wcdcliien gefunden worden. Daneljen kommen aber
auch in sandigen Schieferthonen folgende Reste vor: Aateroiiliyllites
equisetiformis , Taenioptens midtinervia , Pecopteris cf. Pliickeneti^
P. cf. pteroideSi P. cf. Miltoni, P. arborescens und eine Odontopteris,
deren Aussehen an 0. Reichiana erinnert. Ein sicherer Entscheid,
ob man hier Carbon, oder Rothliegendes, oder beides vor sich
hat, lässt sich auf Grund dieser Reste, insbesondere wegen ihrer
noch nicht unzweideutig durchführbaren Bestimmung zur Zeit
nicht fällen. Es ist aber, soweit es bis jetzt übersehbar ist, an-
zunehmen, dass die Conglomerate und Sandsteine mit Pflanzen
am Goldhelm (8 o des vorjährigen Berichtes) mit den über den
Flötzen des Mauebacher Carbons folgenden grauen couglomeratischen
Sandsteinen und Conglomeraten (8/ des vorjährigen Berichtes)
identisch sein werden. Nur liegen dann diese gleichmässig
und ungestört auf dem flötzführendeu Carbon, jene befinden
sich in gestörter Lagerung, sind durch Verwerfung tiefer, schein-
bar ins Liegende des flötzführendeu Carbons gerückt. Die ge-
naue Erkenntniss der schwierigen Lagerungsverhältnisse muss
von den im Jahre 1890 vorzunehmenden Untersuchungen erwartet
werden.
Das ideale Gesammtprofil nun, welches wir im vorjährigen
Berichte (d. Jahrb. 1888, S. Lxvii u. f.) aufgeführt haben, wird
durch die diesjährigen Aufnahmen in nachstehender Weise ergänzt
und erweitert:
Theil I. No. 1) Granit. Dieser ist neben den im Contact
mit ihm veränderten alten Thonschiefern das älteste Gebirge.
Dasselbe wird überlagert von Sedimenten, die bald aus
No. 2 a) conglomeratischer Arkose mit Geröllen von Granit,
Quarz, cambrischem Quarzit, Kieselschiefer, Feldspath in der oft
kieseligen Grundmasse, daneben aus rothen, grauen und schwarzen
Schieferthonen und Sandsteinen bestehen, bald durch eine
XLIV
No. 2 b) Breccie von Porpbyrit, Porphyr, Schiefer repräseutirt
sind. — Hierauf folgen in örtlich beschränkten Ergüssen
No. 3 a) Quarzporphyr des Meyersgrundes.
No. 3b) Schneidemüllerskopfgestein, dann aber drei ausge-
dehnte, durch Zwischenlager theilweis getrennte, mächtige Ergüsse
von Glimmerporphyrit, und zwar
No. 4 a) Unterster Glimmerporphyrit.
No. 4 b) Stützerbacher Porphyr.
No. 4 c) Mittlerer Glimmerporphyrit.
No. 4d) Breccie und Thonstein des Gabelbachs.
No. 4e) Oberster Glimmerporphyrit.
In Uebei’einstimmuug mit den Ergebnissen des Vorjahres
bildet das Hangende des Glimmerporphyrits eine Eolge von
No. 5) Thonsteinen, welche von
No. 6) Eeldspathporphyrit und
No. 7) Porphyren und Tuffen (des Kickeihahns, Hirschkopfes,
der Hohen Schlaufe u. a., überlagert werden.
Hier bricht das Profil zunächst ab. Ob nun eine Lücke
folgt, welche bisher von uns als wahrscheinlich angenommen wurde,
haben wir noch nicht entscheiden können. Weiter unten ist des
Lagernugsverhältnisses gedacht, in welchem die Schichteuglieder
No. 1 — 7, also des vorzugsweise aus Eruptivgesteinen bestehenden
Theils I des Profils zu dem nun anzuführenden , die Glieder
No. 8 — 1 1 umfassenden hauptsächlich sedimentären Theil II stehen,
und sind Bedenken geäussert, welche gegen die von uns im Vor-
jahre angenommene, auf das Karteubild begründete Altersfolge
sprechen. Trotz dieser Bedenken sind wir noch geneigt anzn-
nehmen, dass als uächstjüugeres Glied auf die Schichtenfolge
No. 1 — 7 das allerdings stets durch Verwerfung von dieser ab-
"etrenute
O
Theil II, No. 8) Obere Mauebacher Carbon folgt. Dassdbe
schliesst die Plötze ein (im vorjährigen Bericht No. 8 ß). — Von
ihm trennen wir aber gegenüber der im Vorjahre angenommenen
Auffassiiug auf Grund der oben erwähnten Pflauzenfunde am
Goldhelm ab, zunächst als Rothliegendes :
XLV
No. 9 a) Das Porphyrcoiiglomerat an der Kainmerberg-Stützer-
bacher Strasse.
No. 9 ß) die Walchia fübrenden Plaltensandsteine am CToldbelm
No. 9y) die couglomeratiscbeu , buutzusammeugesetzten , be-
sonders quarzfübrenden Sandsteine des oberen Gartentbals (im
vorjährigen Bericht unter 8 a) znsammengefasst). — Als identisch
mit No. 97 sind die über den Flötzen liegenden polygenen con-
glomeratischen Sandsteine (im vorjährigen Bericht 87 znm Theil)
zn betrachten, auf welche
No. 9 6) das Glimmerporpliyritmandelsteinconglomerat (im vor-
jährigen Bericht 87 znm Theil) folgt.
Wir bezeichnen als
No. 10a) die rotheu Sandsteine und als
No. 10 b) die Couglomerate des Bundsehildskopfes (im vor-
jährigen Bericht No. 9 lind 10), welche gleichmässig auf den vor-
hergehenden Schicliteu lagern.
In jüngere)! Gliedern als dem
No. 11) Quarzporphyr des Bundsehildskopfes haben wir 1889
keine neuen Begehungen gemacht, sodass auch unser bishei’iges
Profil von da ab unverändert bleibt.
Was mm die Frage anlangt, ob es zweifellos ist, dass der
die Glieder No. 8 — 11 umfassende Theil II des Gesammtprofils
jünger ist als der die Glieder No. 2 — 7 umfassende Theil I, so
muss zugestandeu werden, dass dies nicht ganz der Fall ist. Bei
den Begehungen, welche zum Theil in Gemeinschaft mit dem
Bezirksgeologeu Herrn I)r. Beyschlag auf den Blättern Ilmenau,
Schleusingen und Suhl stattfanden, ist noch nii’gends eine directe
Ueberlagernng der Gesteine des Theils I durch solche des Theils II
des Profils beobachtet worden. Wo beide Theile sich berühren,
sind die Treunungsliuien fast immer als z. Th. recht Iredeutsame
Bruchlinieu und Verwerfuno-eu erkannt.
O
Es sprechen aber folgende Giainde für die Aunabme, es sei,
entgegen unserer bisherigen Meinung, der Theil I des Profils
jünger als der Theil II, und da letzterer die regelmässige Schichten-
folge von den oberen Ottweiler Schichten (M:i!iebacher Carbon)
XLVI
zum Rothliegeudeu darstellt, demnach ersterer jünger als das
unterste Rothliegende :
a) In den schwarzen Schieferthouen (vgl. 2 a), welche über
der Arkose und unter dem Schueidemüllerskopfgestein auftreten,
sind im Melmthal (Bl. Suhl) und au der Wilhelmsleite (Bl. Ilme-
nau) Brauchiosaurusreste gefunden worden.
b) In den grauen Sandsteinen, welche am Teuschlesberg
(Bl. Schleusingeu) gleichfalls zwischen Arkose, rotheu Schiefer-
thoueu und Glimmerporphyrit liegen, also in einem Profil, welches
dem unteren Theil desjenigen am Dachskopf und Schueidemüllers-
kopf (Bl. Ilmenau) entspricht (vgl. No. 2 a), wurde Calamites gigas
gefunden.
c) In den Thonsteineu des Gabelbaches (No. 4d) fand sich
am Ascherofen eine Walchia 'piniformis neben anderen unbe-
stimmbaren Resten.
Dagegen lässt sich für die Annahme, dass Theil I (die
Glieder No. 2 — 7) im Profil älter sei als Theil II (Glieder No. 8 — 11),
also jener carbouisch sei, ausser dem Kartenbilde folgendes
geltend machen :
a) Nur die Arkose (No. 2 a), die Breccie (No. 2 b), der Meyers-
grundporphyr (No. 3a) und der Glimmerporphyrit (No. 4) liegen
nachweislich auf Granit, dem ältesten der als Unterlage des Car-
bonrothliegendeu hier in Betracht kommenden Gebirgsglieder,
auf. Von jüngeren Gesteinen ist es erst wieder der Zechstein,
welcher am Ehrenberg (Bl. Ilmenau) auf Granit liegt.
b) Wenn der Profiltheil I nicht carbonisch, sondern Roth-
liegend ist, so müsste mau doch bei der im übrigen grossen räum-
lichen Ausdehnung der Gesteine desselben mit ziemlich grosser
Wahrscheinlichkeit erwarten, diesen Gesteinen in dem weiten
Gebiete rothliegender Schichten, welches sich von Ilmenau über
die Blätter Suhl, Crawinkel, Tambach hin erstreckt, wiederum zu
begegnen; das ist bis jetzt aber nicht der Pall.
c) Endlich müsste sich, wenn Theil II älter als Theil I wäre,
bereits auf dem kurzen Raum von kaum 800 Schritt, um welche
der Granit des Dachskopfes (Bl. Ilmenau) südlich liegt von der
das Mauebacher flötzführeude Carbon abschneidenden, quer durch
XLVII
das Ilmtlial setzenden Verwerfung das gesaminte Manebach-
Kammerberger Carbon sich ansgekeilt haben, oder es müssten
ausserordentlich tiefe Einkesselungen in der Granitoberfläche an-
genommen wei’den, deren Tiefstes mit Carbon erfüllt wurde,
während die benachbarten Ifänder unbedeckt blieben.
Muss also der sichere Entscheid von weiteren Untersuchungen
erwartet werden, so haben sich dieselben eiuestheils auf Aufsucheu
leitender Versteiuernugen in den Sedimenten, anderutheils auf
Auffindung von Stellen ungestörten Lagerungsverbandes der
Theile I und II des Profils zu richten.
Mittheiluug des Herrn R. Scheibe über die wissenschaft-
lichen Ergebnisse der Aufnahmen auf Blatt Friedrich-
rod a.
Die Untersuchungen bezweckten im Wesentlichen die Aus-
scheidung von Tuffen innerhalb der von dem Laudesgeologeu
Professor Dr. Weiss gegebenen Darstellung der rothliegendeu
Schichten. Diese Tuffe besitzen sehr wechselndes Aussehen. Von
ganz dichten, z.Th. pisolithischeu Arten (Thonsteiueu) an, finden sich
Uebergäuge bis zu recht grobstückigen, breccienhaften Trümmer-
gesteinen. Sie sind fast sämmtlich Quarzporphyrtnffe. Hierbei
mag noch bemerkt werden, dass diese Gesteine im Gegensatz zu
den auf Blatt Ohrdruff, Crawinkel, Ilmenau, Suhl verbreiteten,
meist massig und nngeschichtet anftretendeu Tuffen, immer deut-
lich, z. Th. in dünnen Lagen geschichtet sind und dass deshalb
auch ihre Abgrenzung gegenüber anderen Sedimenten (Sandsteine,
Schieferthou, Couglomerate) mehrfach schwierig und nur annähernd
ansführbar war.
Von besonderem Interesse dürfte aber ein Fund sein, welcher
in der mittleren Abtheilnug der von Seebach und Weiss als
Oberrothliegeud anfgefassteu Schichtengruppe gemacht worden ist.
Gemeinhin ist diese Gruppe in 1) ein liegendes Porphyr-Conglo-
merat (klotzig), 2) eine Folge von Schieferthouen. und besonders
Sandsteinen und 3) ein mehr polygeues hangendes Conglomerat
getheilt worden. Dass sie oberrothliegeud sei, wurde dadurch
gestützt, dass sie die hängendsten Partien des dortigen Roth-
XLVIII
liegenden umfasst und als frei sowohl von Ernptivgesteineu und
Tuffen, wie von Fossilien befunden worden war.
In den Sandsteinen südlich von Georgenthal am Vitzerod
wurden nun mehrere Pflanzenreste gefunden, die als schlecht er-
haltene, kräftige Zweige von Walcliia inniformis angesehen werden.
Aus einem Steinbruch, welcher weiter südlich., an der Seeberger
Fahrt, in den gleichen Schichten angelegt ist, stammt eine Platte
mit Fusstapfen eines Thieres, dessen fünfzehiger Fuss etwa lOCenti-
meter lang war. Diese Platte befindet sich im Museum in Gotha.
Wenn mehrfach betont worden ist, dass als Charakteristikum
für das Oberrothliegende Freiheit von Eruptivgesteinen und Mangel
an organischen Resten festzuhalten sei, so muss nunmehr im
Auge behalten werden, dass hier eine Ausnahme statt hat.
Mittheilung des Herrn E. Zimmermann über Aufnahmen
auf den Blättern Stadtilm und Plaue.
Gemäss seiner fast am weitesten gegen Frankeji (Meiningen)
hin vorgeschobenen Lage hat von den thüringischen Muschel-
kalkblättern das Blatt Stadtilm nebst dem Nachbarblatt Plaue
eine Reihe von bemerkenswerthen Anklängen an die meiningische
Buntsandstein - Muschelkalk - Entwicklung aufzuweisen.
Da ist zunächst schon früher mehrfach auf die petrographische
und paläoutologische Uebereiustimmung der obersten »Röth-
kalke mit Modiola hinidiniformis<<. von Meiningen mit den »unter-
sten ebenen Kalkschiefern oder Cölestinschichten« E. E.
Schmid’s bei Jena hingewiesen worden. Auf den beiden hier in
Rede stehenden Blättern ist die Uebereinstimmung ganz die
gleiche, und wenn sich durch grössere Seltenheit der Modiola
und grössere Häufigkeit der Beneckeia Buchi das östlicher gelegene
Stadtilm mehr an Jena anschliesst, so thut es durch das umge-
kehrte Verhalten das westlicher gelegene Plaue mehr an Meiningen.
Den schönsten Aufschluss dieser (und der zunächst hangenden
und liegenden) Schichten bietet der Wasserriss neben dem Fuss-
weg von Oberilm nach Hainmersfeld; kaum weniger schön sind die
Aufschlüsse in den zahlreichen Wasserrissen, die vom Muschelkalk-
plateau herab in allen Richtungen nach dem merkwürdigen Thal-
XLIX
kessel von Döllstedt führen. Nicht ganz so schön sind die Auf-
schlüsse auf dem Blatte Plane. — Im erstgenannten Anfschlnss
beträgt die Mächtigkeit der hellen, eben- und dünnschiefrigen
Alergel und darin eingelagerten harten Kalkplatten 8,5 — 9 Meter.
Zuunterst liegen etwa 2,5 Meter Mergel mit nur einer oder zwei
Kalkplatteu; dann folgen 4,5 Meter einer vielfachen Wechsel-
lagerung von Alergelschiefern und versteinerungsreichen, 2 bis
8 Clentimeter starken Kalkplatten, dann folgen wieder Alergel-
schiefer in 1,5 — 2 Meter Mächtigkeit, ohne Kalkplatten. Das
Liegende dieser ganzen Zone bildet eine feste, dichte, nicht zellige
gelbe Kalkbank von 75 Centimeter Stärke. Darunter lagern etwa
7,5 Meter graue dünnblättrige, in Letten übergehende Thonmergel
mit vielen kleinen nnd dünnen, durch Faserkalk ausgefüllten Quer-
rissen und endlich folgen die gewöhnlichen rothen Letten des
Böth. Das Hang ende der »eltenen Kalk- und Mei'gelschiefer«
bilden graue, sich leicht zersetzende, meist zellige Thonmergel
von etwa 6 Metern Alächtigkeit, deren weisslicher, mehlig-sandiger
Verwitterungsboden demjenigen mancher Mergel des Mittleren
Muschelkalks gleicht. Etwa ^/4 Meter über ihrer Basis haben
diese Thonmergel eine röthliche Farbe, und man kann aus ein-
zelnen »Zellen« auch ganz rothe Letten hei'auslösen: wir haben
hier den letzten, aber sehr deutlichen Anklang an die bei Mei-
ningen mächtigere (bis 5 Meter) und intensiver rothe Schicht,
welche dort z. B. am Jahnsberge aufgeschlossen ist, wo sie das
Profil schliesst. Höher oben folgen in den zelligen Thonmergeln
eingelagei’t noch einige härtere zellige Ockerkalke, und den Ab-
schluss nach oben bildet eine ebensolche zellige Ockerkalkschicht
von 75 Centimeter Mächtigkeit, welche ganz der »gelben Kalk-
bank« entspricht, die von Aleiningen so oft erwähnt wird. lieber
ihr folgen mit scharfer Grenze die gewöhnlichen, bekannten grauen
Wellenkalke. Die Mächtigkeiten der einzelnen Schichten stimmen
hier — von der röthlichen Schicht, bezw. den obersten rothen
Thonen abgesehen — in recht guter Weise mit denen bei Mei-
ningen überein. Da sich die letztgenannte gelbe, (nicht immer)
zellige Kalkbank meist recht gut verfolgen lässt (besonders auf
dem Blatte Plaue), so wird auch auf den zu veröffentlichenden
d
Jahrbuch 1S89.
L
Karten von Plaue und Stadtilm, um die Analogie mit den Mei-
ninger Verhältnissen anzudeuteu, die ganze darunter lagernde,
24 — 25 Meter mächtige Zone bis zu den normalen Röthletten
kenntlich gemacht werden, und es wird nur der Unterschied be-
stehen, dass diese Zone nordöstlich vom Thüringerwald zum
Muschelkalk, — südwestlich davon zum Röth gerechnet wird.
Auch in höheren Schichten des Unteren Wellenkalks finden
sich auf unseren beiden Blattgebieten lebhaftere Ankläuge au die
fränkis(;he Ausbildung als sonst in Thüringen. So zeigte sich auf
Blatt Plaue die » O olithbank ß « besonders gut entwickelt und
auf den Kämmen fast aller Muschelkalk -Berge der Osthälfte des
Blattes vortrefflich verfolgbar; sie ist etwa ^/4 Meter mächtig und
zeichnet sich petrographisch vor der oft recht ähnlichen »Tere-
öratula-liiiuk (Du 2t« durch ihre meist auffällig dünn- und flasrig-
schiefrige Beschaffeuheit aus; kleine Bruchstücke von Terebratel-
schalen haben sich, wenngleich sehr selten, darin gefunden. —
Nur in Spuren auf der Osthälfte von Blatt Plaue, dagegen
ausgezeichnet schön auf Blatt Stadtilm, besonders in der Umgebung
der gleichnamigen Stadt, ist die zweite besonders auffällige und
zuerst von Meiningen besonders beschriebene Bank entwickelt:
die Spiriferina-Jian]<.. Die von Fuantzen in der »Uebersicht
der sxeolooischen Verhältnisse bei Meiningen« geo-ebene Beschrei-
billig Hesse sich für Blatt Stadtilm Wort für Wort wiederholen;
die Mächtigkeit, conglomeratische Beschaffenheit, der Reichthum
an Sjnriferina fragilis (die Exemplare sind immer kleiner als im
Oberen Vluschelkalk) und an Criiioidenstielgliedern, sowie an
schön erhaltenen Hinnites comtus finden sich hier wie dort; zu
erwähnen ist noch, dass einzelne der conglonieratisch eingebackenen
Kalkgerölle reichlich mit Ostrea sessilis besetzt sind.
Aus höheren Triasschichten ist hier nur der Fund einer
neuen Nautilusart im Grenzdolomit (ku2) bei Görbitzhausen
zu erwähnen, die ich unter dem Namen Trematodiscus jugatono-
doms lieschreiben werde.
Benierkenswerther Weise hat auch das Oligocän auf den
beiden Blättern seine Spuren hinterlassen in Gestalt meist von
Braunkohlenquarzitblöcken (der grösste Block hat über 1 '/3 Meter
LI
grössten, Meter kleinsten Dnrchinesser, noch grössere sollen
vergraben sein), zuweilen auch von miss- bis über fanst-
grossen Qnarzgeröllen. Am Hohen Kreuz liegen solche Blöcke,
von allerdings mir geringer Grösse , auf dem Mnschelkalk-
platean in über 1075 Fnss Höhe, wenig südlich von dieser
Stelle, jetzt durch die Wasserscheide getrennt, findet mau
ebensolche (kleine) Blöcke noch reichlicher und zusammen
mit Qnarzgeröllen in etwa gleicher Höhe. Die grossen Blöcke
finden sich besonders zwischen Willingen, Roda und Brauche-
winde in Höhen bis zu 975 Fuss, auch in der Umgebung
des oben ausführlich beschriebenen Profils des untersten Muschel-
kalks bei Oberilm ; sehr spärlich liegen Blöcke zwischen Gross-
liebringen und Döllstedt in etwa 11 50 Fuss und bei Kleiuliebringen
in 1100 Fuss, wieder reichlich zwischen Nahwinden und Ehren-
steiu an der Ostgrenze des Blattes Stadtilm in 1150 — 11 75 Fnss
Höhe, einige auch nordwestlich unweit Grafenau in 1125 Fuss
Höhe. Ich halte es für nöthig, diese Angaben zusammen zu
tragen, im Interesse einer etwaigen späteren Constrnction der alten
Flussläufe. Es wird sich anderswo Gelegenheit bieten, meine
Ansicht über die auffällige Thatsache zu entwickeln, dass in geo-
logisch verschiedenst zusammengesetzten und weit auseinander
liegenden Gebieten sich Reste alter, auf die Oligoeänzeit zu be-
ziehender Flussablagerungeu finden , die mir ans Qnarzgeröllen
oder (losem oder zu Quarzit verkittetem) Quarzsand bestehen.
Das Dilnvinm (vielleicht z. Th. mit Plioeän) zeigt auf dem
Blatte Stadtilm und in der äussersteu Nordostecke von Blatt
Plane (sowie den austosseuden Theileu der Blätter Arnstadt und
Osthauseu) in seinen Flnssschotteru sehr bemerkenswerthe Ver-
hältnisse, deren Untersnclmng aber noch nicht ganz abgeschlossen
werden konnte und deren genaue Beschreibung für später auf-
geschoben werden muss. Die genannten vier Blätter gehören in
den hier in Betracht kommenden Theilen zu den Flnssgebieteu
der Ihn, der Gera und der mit der letzteren sich vereinigenden
Wipfra. Nur die Hm und die (aus der Wilden und Zahmen ver-
einigte) Gera entströmen dem Thüringer Walde, das Flussgebiet
der Wipfra liegt ganz innerhalb der Triaslandschaft. Danach
d*
LII
müssten sich die Flnssschotter in folgender Weise ziisammen-
setzen: die Ilmschotter müssen aus dem Oberilm-, dem Schorte-
nnd Schobsethal stammende Glimmerporphyrite und quarzfreie
Porphyre (es finden sich im Quellgebiet fast keine quarzhaltigen),
sowie seltener (wegen spärlicheren Vorkommens oder leichterer
Zerstörbarkeit) Melaphyre, Tafte, Granite, metamorphische Thon-
schiefer und Amphibolite enthalten, aus dem Wohlrosethal Glimmer-
porphyrite und die charakteristischen conglomeratisch- körnigen
Quarzite des Laugen Berges, aus späteren Zuflüssen nur Trias-
gesteine; — im Quellgebiet der Wilden Gera hat die Kartirnng
ergeben ganz vorwaltend quarzführende, ja meist quarzreiche Por-
phyre und zwar sowohl dichte und fluidale mit kleinen Krystallen
(oft bloss von Quarz), als auch solche mit reichlichen mittel-
grossen Krystallen von Quarz und Feldspath (darunter besonders
die Mühlsteinporphyre des Lütschegrundes), ferner Conglomerate
ans Porphyren, Porphyriteu und grünen quarzitischeu (cambrischen)
Schiefern, endlich verkieselte Zechsteine; im Gebiet der Zahmen
Gera treten auf Porphyre, häufiger quarzführend als quarzfrei,
Conglomerate aus meist quarzführenden Porphyren, Porphyrite
u. a. m., in beiden Gerageljieten natürlich auch Triasgesteiue; —
die Wipfra endlich kann nach ihrem heutigen Verlauf nur Trias-
gesteine führen. Es hat nun die Untersuchung der alluvialen
Schotter in Bezug auf Art und relative Menge der einzelnen
Geschiebe die aus obigen Beobachtnugeu zu machenden Ver-
muthungen als richtig bestätigt: es finden sich also in der Ihn
vorherrschend Glimmerporphyrite, quarzfreie Porphyre und conglo-
meratische cambrische Quarzite, in der Gera qnarzführende Por-
phyre und nicht selten verkieselter Zechstein, in der Wipfra nur
Triasgesteiue. Ebenso stimmen zu jenen Vermuthuugeu die
z. Th. hoch über dem jetzigen Flussniveau gelegenen Dihivial-
schotter jeweils im Gebiet der Gera und Ilm. Dagegen findet
mau im jetzigen Fluss- und Znflussgebiet der Wipfra dilu-
viale Schotterlager, welche nicht nur Triasgesteine, sondern
stets auch noch, und z. Th. fast ausschliesslich, Thüringerwald-
gesteine enthalten. Diese letzteren weisen nach meinen bisherigen
Beobachtungen sammt und sonders auf das Quellgebiet der Gera
LIII
liiu; es sind ganz vorwiegend Qaarzporphyre, spärlicher verkieselte
Zechsteine, sehr selten quarzfreie Porphyre und Gliininerporphyrite,
nie cand:)rische cougloineratische Quarzite ^). Die hierher ge-
hörigen Schotterlager bilden einen von NW. nach SO. verlaufenden
Zug von Oberndorf bei Arnstadt (Käfernburg und Gipfel des
Hains, am letzteren Orte auf der verötFentlichten geologischen
Karte von Blatt Arnstadt nicht angegeben) über Dannheiin und
Branchewinde nach Willingen, in Höhen von 950 — 1050 Fuss
und lassen hier den südwestlichen Uferrand des ehemaligen
Flusses deutlich erkennen ; nördlich vom Tännreisig bei Nieder-
will Ingen kommen diese alten Geraschotter, wie ich sie ohne Zögern
benenne, örtlich den diluvialen Ilinschottern nahe, und das alte
Gerathai tritt in Verbinduno- mit einer seitlichen Ausbreitunjx
des heutigen Ilmthales. Aber auffälliger Weise lässt sich unter-
halb dieser Stelle iin diluvialen Ilmschotter keine bemerkenswerthe
Beimischung von Geraschotter nachweisen, so dass man wohl an-
zunehmen hat, der Abfluss der alten Gera habe durch das heutige
mittlere und untere Wipfrathal stattgefunden, denn es finden sich
dem Lehm auf der linken Thalseite überall eingfcstreut kleine Por-
phyrbröckchen, und zwischen Elxleben und Kirchheim (Bl. Ost-
hausen) bilden Quarzporphyrgerölle ziisammen mit Buntsandstein-
und Muschelkalkbrocken unter dem Lehm ein zusammenhängendes
Schotterlager, in etwa 50 Fuss Höhe über dem heutigen Fluss-
niveau.
Die Lagerungs Verhältnisse der Trias auf dem Blatte
Stadtilm sind recht interessant, bemerken will ich hier aber doch
nur weniges. Während die Nordost- und die Südwesthälfte fast
völlig ungestörte Lagerung zeigen, also wenig geneigte Schichtung
und wenige Verwerfungen, zieht sich in der Diagonale des Blattes
von Südost nach Nordwest ein 2 — 3 Kilometer breiter Streifen
mit verhältnissmässig enger Faltung, oft steiler Schichtenneigung
und zahlreichen Verwerfungen hin. Innei’halb dieses Streifens ist
*) Zwei ebenfalls gefundene Stück Feuerstein gleichen denen aus der Kreide
recht sehr, aber doch noch nicht so, dass ich sie als zweifellos nordisch be-
zeichnen möchte.
LIV
ein Sattel beinerkenswerth, der unter den nianclierlei Formen
seiner Ausbildung auch eine solche zeigt, wo in der Axe des
Sattels als ältestes Glied Mittlerer Muschelkalk hiuzieht und mitten
daraus eine nur ganz kleine (800 und 200 Schritt Durchmesser
zeigende) linsenförmig umgrenzte Stelle zu Tage tritt, gebildet
vorwiegend von Mittlerem und daneben von etwas Oberem Buut-
saudstein: kartographisch ist das Bild dieses Auftretens eines
tiefei'en Gesteins zwischen höher gelegenen, im Kern eines Sattels,
mehr ähnlich dem eines Eruptivstockes, als dem eines Horstes! —
Ich kann hier zugleich noch kurz hervorheben, dass ich in der
Fortsetzuna: derselben Störungszone noch au mehreren Stellen
liöth in einer Weise habe auftreteud gefunden, dass das Karten-
bild ganz au das eines Eruptivgesteiusganges erinnert, welcher
bald eine mit Verwerfung verbundene Spalte benutzt, bald eine
Spalte, neben welcher keine Verwerfung nachweisbar ist. Wegen
der Sonderbarkeit dieser Vorkommen muss ich dieselben noch-
mals, zugleich in Verbindung mit den gleichen Erscheinungen
auf Blatt Plaue, untersuchen und werde im nächsten Jahrbuche
darüber berichten.
Endlich möchte ich nur noch kiu’z das Vorkommen von
Faltungen in O. — W. -Richtung neben der weitaus vor-
herrschenden NW. — SO. -Richtung erwähnen. Ein verhältniss-
mässig langer Sattel dieser Art findet sich zwischen Stadtilm und
Geilsdorf, — eine Alulde zieht sich von Dauuheim westlich gegen
Siegelbach hin.
Mittheilung des Herrn H. Peoescholdt über Aufnahmen
und Revisionen im Bereich der Blätter Römhild, Reut-
wertshauseu, Ostheim und Soudheim.
Bei der Revision und Fertigstellung des Blattes Römhild
ö O
konnte unter Berücksichtigung der angrenzenden Blätter Dings-
leben, Rentwertshausen und Mendhausen folgende Gliederung des
Gypskeupers bis zum Schilfsandstein zur kartographischen Dar-
stellung gebracht werden:
LV
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
Schilfsandstein als Hangendes,
liothe Letten und Thone, darin bei Köinhild,
a) eine obere und
b) eine untere Zone von grauen Letten mit Gyps
in Wechsellageruug,
Estherieuschichteu,
Gi-aue Letten mit Gypsresiduen,
Vorherrschend rothe Letten,
Corbulabank,
Steiumergelbauk, dicht unter 5.,
llothe Thone mit Quarzbreccien in sehr schwankender
Mächtigkeit,
Graue und gelbe Letten mit Gypsresiduen und Gyps-
lagern; nördlich von liömhild in mächtiger Entwicklung,
bis gegen 30 Meter mächtig, verliert sich nach Süden
hin vollständig, darunter rothe Thone mit Quarzknauern
und einzelnen Sandsteiubäukchen, zuunterst mit massen-
haften Quarzbreccien,
Bleiglauzbauk mit Mijophoria Raihliana^ dicht darunter
Steiumergelbauk mit Lingula,
Rothe Thone mit Quarzbreccien, 10 — 12 Meter mächtig.
Greuzdolomit als Liegendes.
Am grossen Gleichberg und in seiner Umgebung wurde eine
Anzahl schmaler Basalta;änge in dem für das Grabfeld charakte-
ristischeu Streichen in h. 2 aufgefunden, deren Gesteine verschieden
unter einander sind, aber immer eine andere mineralogische Zu-
sammensetzung zeigen als der Basauit, der die Kuppe des Berges
bedeckt. Dieser gleicht durchaus dem der nördlich vorliegenden
Steiusburg.
Tufi'bilduugeu konnten am grossen Gleichberg nicht uach-
gewieseu werden.
Besonderes Interesse beanspruchten bei der Weiterführung
der geologischen Aufnahme der Blätter Ostheim und Soudheim
LVI
die LageruDgsverhältuisse der Hohen Rliöii in der Uingebimg der
Ulsterqnelle.
Die Triasschichten daselbst sind infolge nordöstlich nnd nord-
westlich streichender Bruche vielfach gegen einander verworfen,
stellen aber trotzdem oberflächlich ein nur wenig welliges Plateau
dar, so dass die Tertiärbildungen, Tufle, Braunkohlen und Basalt-
decken in nahezu gleicher Meereshöhe auf mittlerem Buntsandstein,
liötli, Anhydrit, Nodosenschichten lagern. Eine derartige Aus-
ebnung stark verworfener Schichten setzt, da in dem vorliegenden
Fall an Abrasion nicht zu denken ist, eine sehr lange Denudations-
wirkung voraus. Daraus geht unzweifelhaft hervor, dass die Ver-
werfungfen bedeutend älter sind als die Basaltausbrüche und Tei tiär-
O
Sedimente.
An der Zusammensetzung des Plateaus nimmt auch in grösserer
Ausdehnung Phonolith Theil, der in gleicher Höhe wie der Bnnt-
sandstein und die anderen Triasschichten von Basalttufleu, Braun-
kohlen und Basaltdecken überlagert wird.
Das Gestein, das im oberen Theil des Heuwiesenwassergrabens
gut aufgeschlossen ist, ist im frischen Zustand dunkel grünlich
grau; bei beginnender Verwitterung wird es sehr licht bis fast
weiss. U. d. M. zeigt es sich zusammengesetzt aus Sanidin,
Nephelin, Augit und spärlichem Magueteisen. Nosean konnte
weder chemisch noch mikroskopisch uachgewiesen werden. Unter
aenau analog;en Verhältnissen wie hier wurde ein Gang von ganz
gleichem Phonolith auf Blatt Gersfeld am Steiuküppel südlich
vom Rothen Moor beobachtet.
Der schmale, ungefähr westlich streichende Gang verliert sich
unter der hier deutlich aufgeschlossenen Basaltdecke, die er nicht
durchsetzt. Darin liegt ein unzweifelhafter Beweis des höheren
Alters des Phonoliths.
Ausser den erwähnten nordwestlichen und nordöstlichen Ver-
werfungen treten nordsüdliche auf, von denen bereits in den Mit-
theilungen des Jahrlinches für 1888 die Rede war. Ueber die
Altersverhältnisse der verschiedenen Dislocationen lässt sich in
der Umgebung des obersten Ulsterthals nichts Bestimmtes nach-
weisen; nach mir gewordenen Mittheilungen sollen thalabwärts in
LVII
der Uinofpceud von Balten und Hilders auf den Thalflanken mehr-
fach Tertiärverrutschnngen Vorkommen, die sich vielleicht als durch
Störungen hervorgernfeu erweisen werden. Falls sich dies be-
stätigt, so würde den nordsüdlichen Verwerfungen ein weit jüngeres
Alter zuzuschreiben sein als den anderen, und eine solche Alters-
ditferenz würde recht gut mit den bis jetzt bekannten Lagerungs-
Verhältnissen der Tertiärsedimente am Ostrand der Hohen Rhön
übereinstimmen.
Ueber die Altersfolge der verscliiedenen Basalte, die das
Plateau der Hohen Rhön zusammensetzen, hat sich bis jetzt ein
sicherer Anhaltspunkt nicht ergeben. Am Ostrand wird nördlich
vom Gaugolfsberg Feldspatlibasalt von Nephelinbasalt überlagert.
Am Westrand dagegen au den Hängen des Stirnbergs konnte
eine solche Reihenfolge bisher nicht coiistatirt werden, vielmehr
lagert hier ein Feldspath führender Nephelinbasalt zwischen Feld-
spath -freien. Der Nephelinbasalt besitzt eine sehr grosse Ver-
l)reitung auf der Hohen Rhön; durch ihn hindurch ragen an
manchen Stellen Kuppen von Feldspatlibasalt, so der merkwiirdige
Stellberg. Der höchste Punkt der Hohen Rhön, der Heidelsteiu,
besteht aus Nepheliubasalt. Es ist nicht nnwahrscheiulich, dass
die Verlireitung mancher Basaltströme auf der Hohen Rhön in Zu-
sammenhang mit vor der Eruption erfolgten Erosiouswirkungeu steht.
Mittheilung des Herrn K. Oebbeke über den Abschluss
der Aufnahmen auf den Blättern Niederaula und Neu-
kirche u.
In der zweiten Hälfte des August wurde mit Herrn Dr. Leppi.a
eine gemeinsame Begehung in dem ganzen Bereiche der Blätter
Niederaula und Neukirchen ausgeführt, um zunächst die Frage
der Trennung des unteren und mittleren Buutsandsteins für unser
Gebiet endgültig zu entscheiden. Das Resultat dieser Untersuchung
war, dass nur ein verhältnissmässig kleiner Theil des Buntsand-
steius im Norden des Blattes Niederaula als dem unteren Bimt-
saudsteiu angehörig zu betrachten ist, während der übrige Theil,
gemäss der Auffassung wie sie auf dem im Osten anstossenden
Blatte Uersfeld zum Ausdruck gebracht worden ist, dem mittleren
LVIII
Buntsandstein zugerechnet werden muss. Dank günstigerer Auf-
schlüsse iin NW. des Blattes Niederaula wurde sodann der Ver-
lauf der Störung Raboldshausen — Salzberg — Oberaula genauer
festgestellt und ergaben sich dabei einige Abweichungen von der
früher angenommenen Darstellung. Im September wurde sodann
die Revision des Blattes Neukirchen zu Ende geführt. Bezüglich
der Untersuchung der basaltischen Gesteine konnte für das ganze
Gebiet festgestellt werden, dass Tnfi'hildnngen im Allgemeinen
selten und dass im Grossen nnd Ganzen die jnngernptiven Gesteine
in der in diesem Jahrbuch für 1888, S. 390 — 416 angegebenen
Weise zu unterscheiden sind. Genauer Ijestimmt und abgegrenzt
wurden die Basaltvorkoinmen SW. Salzberg, welche znm Eisen-
berg— Teufelskanzel — Frauenhaus - Massiv gehören, jene SW.
II auptschwenda und NW. Neukirchen.
Zwischen dem Sieberts-Berg SW. Hauptschwenda und dem
nördlichen Theil der sogenannten Hütte NW. Christerode liegt
ein selbstständiges Feldspathbasaltvorkommen, welches wegen seiner
schönen, plattigen Absonderung in jüngster Zeit durch Steinbruch-
betrieb aufgeschlossen worden ist nnd besonders zu Bausteinen
eine ansgedehnte Verwendung findet. Im Steinwald NO. Neu-
kirchen treten nur zwei deutlich von einander getrennte EVldspath-
basaltmassen auf. Die eine, grössere bildet das Plateau und eine
kleinere, mehr gangförmige liegt SW. von ihr. Die Basaltkuppe W.
der Thonkuppe, im N. von Neukirchen zieht sich auf das Blatt
Schrecksbach hinüber und ei’reicht dort ihre Hauptverbreitung.
Dem Diluvium zuzurechuende Bildungen erreichen eine
grössere Ausdehnung auf Blatt Niederaula im Fuldathal und
auf der NW. Hälfte des Blattes Neukirchen. Ausser den bereits
früher angeführten Störungen konnten noch eine ganze Reihe
kleinerer festgestellt werden, welche im Allgemeinen aber eben-
falls, wie die grösseren, SW. — NO. oder SO. — NW. verlanfen
und zum Theil mit denselben in nachweisbarer Verbindung stehen.
Mittheilung des Herrn A . Denckmann über A u f n a h m e n
im Gebiete des Blattes Wal deck -Cassel (1:80000).
In die Untersuchungen des Sommers 1889 wurden noch die
Nordhälften der Blätter Rosenthal, Gilserberg und Ziegenhain
LIX
hiiieingezogen. Es geschah dies, damit durch das Schlussblatt
des VON DECHEN’scheu Kartenwerkes das Rheinische Schiefer-
ffehirg-e ohne Rest abo-eschlossen würde.
Die Zeit, welche für die Untersuchungen im älteren
Gebirge und für die Vervollständigung der vorjährigen Auf-
nahmen aufgewendet werden konnte, war äusserst knapp. Trotz-
dem ist es Dank einigen glücklichen Versteinerungsfnnden ge-
lungen, die Hauptfrage in diesem Gelnete, die nach dem Alter
des Kellerwaldquarzites ihrer Lösung erheblich näher zu bringen.
In diesem Jahrbuche für 1888, S. xciii hal)e ich unter 3.
eine Reihe von quarzitischen Grauwacken, Thonschiefern etc.,
welche im Hangenden des Kellerwaldquarzites auftreten,
für möglicher Weise unterdevonisch erklärt, weil sie den Ober-
col)lenz-Gesteinen bei Dillenburg, Biedenkopf und Gladenbach zum
Theil sehr ähnlich waren. Es ist nun gelungen, in diesen Gesteinen
Bänke mit Ol) er c ob lenz -F au na bei Oberurfund Jesberg nachzu-
weisen. Am Oberurfer Mühll)ach, wo diese Petrefaktenbänke
durch mitteldevonische Thonschiefer überlagert werden, hat sich
zwischen beiden Gesteinen ein Horizont von phyllitisch glänzenden
Thonschiefern mit Kieselgallen voll Versteinerungen gefunden, ein
Horizont, der in der Gegend von Dillenburg, Gladenbach und
Biedenkopf für die Grenze des Obercoblenz gegen die mittel-
devonischen Thonschiefer typisch ist. Auf ein derart leicht kennt-
liches Gestein musste Gewicht gelegt werden, weil dasselbe das
natürliche Uebergangsstadium von den quarzitisch-grauwackigen
Sedimenten des Obercoblenz zu den Kalkknollen-führenden Thon-
schiefern des tieferen Mitteldevon zu bezeichnen scheint.
Die Kieselgallen sind meist unregelmässig linsenförmige Körper
von nicht über 50 Millimeter grösstem Durchmesser, vom Aus-
sehen eines schwarzen Kalkes. In Salzsäui’e brausen sie nicht.
Sie finden sich in grosser Zahl den phyllitisch-glänzenden Thon-
schiefern eingesprengt.
Auf der Südostseite des Kellerwaldes, wo vielfach Mittel-
devonschiefer den Obercoblenz- Gesteinen eingemuldet sind, fand
ich die Kieselgallen an folgenden Stellen : am Oberurfer Midil-
bach, in den Wasserrissen obex’halb Densberg, am rechten Gilsa-
LX
Ufer Densberg gegenüber und an dem Fusswege, welcher von
der Oberförsterei Densberg über den Schlossberg nach Schönau
führt.
Das Hanptresultat der diesjähi'igen Aufnahmen ist demnach,
dass der Kellerwaldquarzit älter ist, als die obersten
Schichten des Unter de von. Welchem speciellen Horizonte
der Kellerwaldquarzit angehört, muss vorläufig unentschieden
bleiben. Ich halte es für bedenklich, die petrographisch so ausser-
ordentlich von ihm verschiedenen Gesteine, welche sich in seinem
Hangenden noch unter dem Obercoblenz befinden, ohne zwingenden
Grund mit ihm zu identificireu, um so mehr, da bei Densberg
(an der Kirche, am Wege nach Schönstein und am Rückling)
Gesteine auftreten, welche sich ihrem petrographischen Charakter
nach auf gewisse ältere Gesteine der Gegend von Siegen beziehen
lassen.
Für die im vorigen Jahresberichte S. xciii unter 2. be-
sprochenen quarzitischen Grauwacken des Halmberges etc. hat
sich der Beweis nicht finden lassen, dass sie dem Unterdevon
augehören. Sie sind daher auf der Karte als quarzitische Ein-
lagerungen im Mitteldevon bezeichnet.
Im Mittel- und Oberdevon hat sich immer deutlicher die
auffallende Thatsache herausgestellt, dass da, wo geschlossene,
zusammenhängende Kalklager des Ober- und Mitteldevon vor-
banden sind, dieselben zwar von Cypridinenschieferu, Quarziten,
“ Diabasen und Culmkieselschiefern überlagert werden, dass diese
letzteren Gesteine jedoch in der Mehrzahl der Fälle direct auf
mitteldevonischeu Schiefern liegen. Es lassen sich ferner (z. B.
am Gershäuserhofe bei Wildlingen) an der Basis der Kalke mittel-
devonische Thonschiefer uachweiseu. Es ist drittens eine Eigeu-
thümlichkeit der auf dem Blatte W aldeck- Cassel beobachteten
Kalke, dass es nicht leicht fällt, petrographisch die mitteldevonischeu
von den oberdevouischen zu trennen. Eine sichere Deutung der-
artiger Verhältnisse kann nur durch eingehende Specialkartirung
gewonnen werden.
Immerhin scheint es gewagt, lediglich durch tektonische Ur-
sachen erklären zu wollen, dass an der Ense bei Wildlingen
LXI
mächtige Mittel- und Oherdevoukalke von Cypridinenschieferii,
Diabasen und Quarziten überlagert werden, dass 2 Kilometer west-
lich davon bei Odersbausen in einem ausserordentlich klaren Profil
Cypridinenscbiefer, mit Diabasen wechselnd, den Mitteldevon-
schiefern auflagern.
Dass die als Quarzite und Arkosen der Aschkuppen zu-
sammengefassten Gesteine oberdevonischen Alters sind, wie im
vorigen Jahresberichte als wahrscheinlich aimenommen wurde,
hat sich durch die Kartiruug weiterhin bestätigt. Der sicherste
Beweis für das Alter dieser Gesteine hat sich in dem von Herrn
Professor Kayser untersuchten Gebiete am Wollenberge gefunden,
wo sie direct den Iberger Kalk überlagern. — Im Lohrgrunde
am Hohelohr und westlich des Klapperberges finden sich unter
den Culmkieselschiefern, mit zum Theil variolitischen Diabasen
vergesellschaftet, schwarze, glasige Quarzite, welche gleichfalls
zum Oberdevon zu stellen sind.
Der Culm der Südostseite des Kellerwaldes bietet ähnliche
Schwierigkeiten wie das Ober- und Mitteldevon auf der Nord-
westseite. Auch hier findet man einerseits im Hangenden Diabase,
Kieselschiefer, Grauwackenschiefer, Grauwacken, andererseits im
Liegenden unterdevonische Grauwackensaudsteine oder seltener
mitteldevonische Thonschiefer, die ersteren überlagernd. Man könnte
streichende Verwerfungen als Ursachen derartiger Ungleichmässig-
keiteu betrachten; gegen diese Deutung dürfte jedoch die Regel-
mässigkeit sprechen, mit der die beschriebene Lageruugsform
auftrltt. Die Specialkartiruug muss feststellen, ob sich nicht eine
andere Erklärung für derartige Erscheinungen finden lässt. Die
Kieselschiefer und die sie überlagernden Graiiwackenschiefer, Grau-
wacken und groben (Granit und Quarzporphyr führenden) Couglo-
merate habe ich wegen ihrer petrographischeu Uebereiustimmung
mit dem Culm der Nordwestseite des Kellerwaldes dem Culm
zugerechnet, obgleich ich Posidonomya Becheri in ihnen nicht uach-
gewiesen habe. Sollte letztere so selten sein, dass es nicht gelingt,
sie aufzufiudeu, so bleibt immer noch die Hoffnung, das Alter
der fraglichen Schichten iudirect nachzuweisen. Es finden sich
nämlich in den groben Conglomerateu, welche in den Grau-
LXII
wackeii vom Kahleberge bei Hundsbausen auftreten, zablreicbe
Kalkgerölle, in denen namentlicb Korallen und Bracbiopoden nicbt
selten sind. Vielleicbt gelingt es, in ibnen leitende Versteinerungen
zu finden, durcb die man beweist, dass das Conglomerat zersfiirte
Ober- und Mitteldevonkalke entbält, mitbin jünger ist als diese
Kalke.
Im Buntsandstein des kartirten Gebietes ist es aucb weiter-
bin ohne Sebwierigkeiteii gelungen, die untere Grenze des mittleren
Buntsandsteins zu verfoGeu. Die etwa 5 Meter mäcbtio-e Zone
o o
lockeren, groben Sandes und grobkörniger Sandsteine, welcbe
unmittelbar über den tbouigen, feinkörnigen Gesteinen der unteren
Abtbeilung dieser b^ormation auftritt, ist bei einigermaassen guten
Aufscblüssen unverkennbar und kennzeiebuet sieb sebou von Weitem
durcb bellere Färbung. Hierbei ist jedoeb zu berücksiebtigen,
dass über der grobkörnigen Bank zuuäcbst noeb 30 Ins 40 Meter
Gesteine folgen, welcbe von dem typiseben unteren Buutsand-
stein nicbt zu nutersebeiden sind. Erst über diesen feinkörnigen
Sandsteinen folgen weitere grobkörnige Sebiebteu. Das beste
Profil zur Erkennung dieser Lagerungsverbältnisse findet sieb uörd-
licb oberbalb des Dorfes Ijangendorf auf Blatt lloseutbal. Dem
entspreebeud wird die Grenze beider Formatiousabtbeiluugen am
leiebtesten dadureb gefunden, dass mau von der unteren aus kar-
tirt. Gebt man umgekebrt vom mittleren Buutsandstein aus, so
entstehen leicht Zweifel über die Zugebörigkeit feinkörniger
Sebiebteu zur unteren oder mittleren Abtbeilung. — An ver-
schiedenen Punkten des Blattes Kosentbal, so namentlicb au den
Hängen westlich Gemüuden tritt in den Grenzschichten des
unteren Buutsandsteins gegen den mittleren Geroillia Murchisoni
Geinitz auf.
In den Tertiär- und Basalt -Gebieten der östlicbeu Blätter
wurden noch folgende bemerkeuswertbe Funde gemacht: Am
linken Ufer der Obe (Blatt Ziegeubain), etwa 1 Kilometer ober-
balb Verna treten blaugraue Tboue mit weissen Kalkkuolleu zu
Tage, welcbe sandige Sebiebteu mit verkohltem Holz überlagern.
Frei in den Tbouen sowohl, wie in den Kalkkuolleu fanden sieb
Bruchstücke von Leda Deshayesiana und von einer Numla- K\'i.
LXIII
L. Deshayesiana habe ich ferner an der Strasse und in Draiii-
gräbeu zwischen Phiflenhaiisen und Marienrode in ähnlichen
Schichten, wie an erstgenannter Fundstelle gefunden. Derartige
Thone — entweder mit weissen Kalkknollen, oder mit Septarien —
bilden anf den Blättern Pelsberg, Ilomljerg, Borken und Ziegen-
haiu das Liegende der Sande und Braunkohlenquarzite. Bisher
ist es mir nicht gelungen, in diesen Thonen die marinen Schichten
von den Süsswasserablageruugen nach ihrer petrographischen Be-
schatfenheit zu trennen. Süsswasserfauna in Thonen mit weissen
Kalkkuollen wurde an folgenden Punkten nachgewiesen: An dem
Feldwege östlich des Dorfes Dissen (Melanienthon); am Südost-
ende des Dorfes Neuenhain (Melanienthon); oberhalb des Dorfes
Stolzenbach an der Strasse nach Freudenthal (Melanieuthon); in
den Thongruben der Thonwaarenfäbrik westlich Frielendorf (Thone
mit Kalkkuollen voll Dreysse?ia'); Kalke mit Laudschuecken fanden
sich nördlich der Strasse Frielendorf-Dillich, an dem Wasserlanfe,
welcher nach Dillich zu lliesst und in einer Ausschachtung an
der Eisenbahn nördlich bei Spieskappel. — In der Sammlung des
Ilei’rn Seminarlehrer Willig zu Homberg sah ich Fussknochen
einer Eqims- Art. Nach einer gütigen Mittheilung des genannten
Herrn stammen dieselben aus den gelben und weissen Sandeu,
welche in den Sandgruben ffCirenüber der Scharfsmühle bei Hom-
berg ausgebeutet werden. — Ein sehr merkwürdiges Gestein be-
obachtete ich au dem Wege von Verna nach Stolzenliach an dem
isolirten, bewaldeten Hügel, welcher etwa in der Mitte zwischen
beiden Dörfern liegt. Dasselbe liegt über tertiären Thonen etwa
in demselben Niveau, in welchem an den gegenüberliegenden
Hängen die Sande den Thonen auflagern. Es wird von den das
Gelände bedeckenden Braunkohlenqnarziten überlagert. Es be-
steht zum grossen Theil aus flach elliptischen, abgerollten Blöcken
von Muschelkalk jeglicher Grösse und aus den verschiedensten
Horizonten stammend. Daneben finden sich Blöcke eines gelb-
lichen Tertiärkalkes, voll von Laudschuecken ; ferner kleine runde
Kiesel, wie sie häufig den tertiären Sauden eingelagert sind.
Abgerollte Basaltstücke haben sich nicht gefunden.
Das Ganze ist durch ein lockeres, sehr kalkiges Bindemittel ver-
LXIV
kittet. Spuren von älmliclien Bildungen, namentlich grosse, flach-
elliptische Muschelkalkgerölle fand ich im Quellgebiete des kleinen
Wasserlaufes, welcher sich westlich bei Obervorschütz in die Ems
ergiesst.
Unter den mannigfachen Einschlüssen, welche die Basalt-
conglomeratbilduugeu des Blattes Felsberg bieten, ist eine grobe
conglomeratische Grauwacke erwähnenswerth, welche im Basalt-
tuff am Südraude des Maderholzes bei Böddio-er auftritt. —
O
Das schon in der älteren Literatur erwähnte Vorkommen von
in Opal versteinertem Holze asbestartigen Aussehens oberhalb
des Dorfes Böddiger ist neuerdings durch Verkoppelungsarbeiten
o-ut aufo:eschlosseu worden. — Am linken Ufer der Ohe oberhalb
der Thonwaarenfabrik westlich Frielendorf, auf der Feldmark
zwischen Frielendorf, Todenhausen und dem Sendberge, sowie
o-auz besonders in dem Waldo-ebiete zwischen Neueuhain, Michels-
berg und Todenhausen werden sämmtliche Basalte von massenhaft
angehäuftem Tachylit überlagert. Das Gestein selbst ist doleritisch
schlackig. Der Tachylit tritt in der Weise auf, dass er die Binde
über kopfgrosser, nach dem Centrum zu unregelmässig prismatisch
abgesonderter Basaltkugeln bildet. Zwischen den einzelnen Kugeln
findet sich gelber Palagonit. — In dem Wasserrisse oberhalb
Böddiger an der Strasse nach Deute zeie-t die Uuterkante des im
o o
voriweu Jahresberichte S. Ci erwähnten Basaltla^ers Palagonit und
Ö o O
Tachylit.
Ueber die allgemeinen Lagerungsverhältnisse des nunmehr
abgeschlossenen Gebietes ist den eingehenderen Ausführungen im
vorigen Jahresberichte nur wenig hinzuzufügen. Der auf das
Blatt Gilserberg entfallende südliche Vorsprung des alten Gebirges
wird im Westen dnrch die schon auf der CiiELius’schen Karte
im grossen Ganzen zu erkennende Südost-, Nordwest-Verwerfung,
im Süden durch eine Ost- Westliche Linie und im Osten durch
eine Nord-Süd- Linie, bezeichnet, an denen das jüngere Gebirge
im Westen, Süden und Osten abgesuuken ist. ln dem östlich
angrenzenden Buutsandsteingebiete des Blattes Ziegenhain tritt
bei Schlierbach ein Nord-Süd-Graben von Röth und Muschelkalk
auf. Eine in gleicher Bichtung über Dorheim und Michelsberg
LXV
verlaufende Verwerfung trennt auf dem Blatte Ziegenliain das
Buntsandsteiugebiet von der östlich davon stossendeu nieder-
hessischen Tertiärsenke.
Mittheilung des Herrn A. Leppla über die Aufnahmen
im Gebiet des Blattes Wald e ck - Cassel (1:80000).
Die Untersuchungen der im Sommer 1889 zum Abschluss
<iel)rachten Uebersichtsaufuahme des 1:80000 theilm-eii Blattes
Waldeck- Cassel wurden in drei verschiedenen, aber immerhin be-
nachbarten Gebieten ausgeführt: 1. am Ost- Abhang des Habichts-
waldes und Laugeuberges im Basaltgebiet, 2. im Cidm- und Zech-
steingebiet zwischen Stadtberge an der Diemel und dem Eder-
thal, 3. im Basaltgebiet am Nord -Abhang der basaltischen Hoch-
fläche des Knüll.
Hinsichtlich der C u 1 m - Schichten ergaben die Arbeiten einige
Ergänzungen der früher mitgetheilten Beobachtungen, wenn auch
an der durchzuführenden Gliederung nichts geändert wurde. So
sind zunächst im Kieselschiefer am Eisenberg bei Korbach gelblich-
graue, feinkrystalline, kalkige Einlagerungen bekannt geworden.
In den versteinerungsführenden Schichten an der Grenze zwischen
Kieselschiefer und Posidonienschiefer wurden in schwarzen dünn-
plattigen Kieselschiefern Ijei Kheua und Schweinsbühl im west-
lichen Waldeck noch Orthoceras scalare^ FhilUpsia^ Camarophoria
fcipi/racea, Goniatites crenintria, sowie Crinoideuglieder gefunden.
In den untersten Thonschiefern, welche unmittelbar über dem
Kieselschiefer folgen, fand sich die Fauna des letzteren in viel
zahl reicheren Exemplaren wieder: Phillipsia, Goniatites crenistria,
G. mixolohus^ Orthoceras, Myulina, Camarophoria, Chonetcs, Zaph-
rentis u. s. w. Die den untersten grauen Thonschiefern einge-
lagerten Bänke grauen kry stallinen Kalksteines bestehen stellen-
weise, z. B. bei Rhena, fast ganz aus Criuoiden und Bryozoeu.
Die Verbreitung des grauen Kalkes innerhalb des untersuchten
Gebietes ist eine sehr geringe und beschränkt sich auf die vou
Korbach aus nordwestlich gelegenen Culmfalten. Wir hätten also
wohl in den Kalken von Rhena die östlichsten Ausläufer vou ver-
steiiierungsführenden kalkigen Ablagerungen des Uutercarbons vor
O O ö o
Jahrbuch 1889. q
LXVI
ims. Ini Culm des Ederthales und cegen Wildunüen zu wurden
Kalke vom Alter des vorgeuauuteu Crinoidenkalkes gar uiclit uud
solclie aus höhereu Schichten nur gauz vereinzelt und nur in
Linsenform gefunden. Zahl und Arten der einzelnen Thierformen
nehmen in den höheren Schichten des Culm gegen die an Grau-
wacken reichere Region sehr ab. Selbst Posidonomya Becli.eri,
welche in den oI)ersten Kieselscbiefern in ausserordentlicher Zahl
auftritt und aiudi in den untersten Thonschiefern noch ziemlich
reichlich vorhanden ist, tritt im Bereich der Grauwacken sehr zu-
rück. Immerhin fehlen in diesen Schichten auch Reste von Gonia-
titen, Orthoceras, Camarojjhoria und vielleicht auch Area nicht.
In der unteren Stufe der mittleren Zech stein formation,
in dem sogen. Stinkkalke, wurden an mehreren Orten Versteine-
rungen gefunden, z. B. bei Alarienliagen : Nautilus Freieslebeni^
Schizodus obsmrus, heda S2)duncaria^ Pleurophorus costatus, Geroillia
keratophaga. Die im vorigen Bericht angeführten Formen von
Alaricnhagen gehören ebenfalls dem sogen. Stinkkalk au, nicht
wie dort augegeljen wurde, dem sogen. Hauptdolomit. Auch in
diesem letzteren wurden westlich Lengefeld und NordenI)eck Reste
von Gastropoden und Brachiopoden nachgewiesen. Ilervorhel^en
möchte ich in Bezug auf die petrographische Ausbildung der olderen
Stufe der mittleren Zechsteinformation die Thatsache, dass in einem
alten Tagebau am Eckefeld bei Giershageu der sogen. Ilaupt-
dolomit am Auflager auf Oberdevoii sich durch starke Geröll-
führnug auszeichnet und sogar stellenweise zu einem Conglomerat
wird. Von der Grenze gegen das Innere der Ilauptdolomitver-
breitung nehmen die Gerölle merklich ab; dafür kommt der Kalk
in’s Ueberorewicht. Nur einzelne di'iime Gerölllacren sind auch
noch 20 bis 30 Meter von der Auflagerfläche entfernt vorhanden.
1 Kilometer westlich Lengefeld wurden geringmächtige Congloiue-
rate mit kalkigem Bindemittel als unmittelbare Unterlage des sogen.
Hauptdolomit beobachtet.
Zur Ergänzung der im vorigen Bericht gegebenen Darstel-
luno- der oberen Zechsteinformation möchte ich insbesondere
O
noch auf den vielfachen Wechsel in der Ausbildung dieser Schichten-
gruppe, besonders des tieferen Theiles derselben hinweisen. Ausser
LXVII
rotlien Letten mit Gyps, rothen plattigen Sandsteinen mit kalkigem
Bindemittel, rotlien Conglomeraten und plumpen Zellenkalken be-
theiligen sich noch graue und weisse, dichte nud poröse, auch
oolithische Kalksteine am x4nfbau, welche den Gesteinen des sogen.
Hanptdolomites oft znm Verwechseln ähnlich sind. Fehlt nun,
wde es die Regel ist, in der Lettenzoue jeder Aufschluss oder
sind die Letten sehr wenig mächtig, so kann diese Aehnlichkeit
der stellenweise 10 Meter mächtigen Kalke mit Gesteinen dos
sogen. Hauptdolomites verwirrend für die Altersliestimmnng wirken,
und nicht selten scheinen die in Rede stehenden Kalksteine von
älteren Autoren den Schichten der mittleren Zechsteintormation
zugerechnet worden zu sein. Die Schichtenfolgeu östlich Adorf,
am Wege nach Vasbek und nach Herrmanushof, zeigen jedoch
mit Sicherheit, dass weisse und graue Kalke von feinporöser Be-
schatfenheit und ähnlichem Aussehen wie Hauptdolomit den Letten
über- bezw. ihnen eingelagert sein können.
Es hat sich im weiteren Verlauf der Kartirung bei Corbach
und nördlich davon gezeigt, dass die Conglomerate und Sandsteine
mit kalkigem Bindemittel, welche, die oliere Zechstcinformatiou
iiberlagern, nicht immer auf den dem Plattendolomit entsprechen-
den ixelben Dolomiten aufruhen, sondern mit ihrer Aufhmerfläche
bis zn den grauen und weisseu Kalksteinen über den rothen Letten
herabgehen. Es fehlen also au mehreren Stellen die gelben Dolo-
mite zwischen den mehrerwähnteu Kalken und den Conglomeraten.
Aus dem im vorigen Belicht und hier Gesagten geht hervor,
dass in allen Schichtengruppen der Zechsteinformation, insbesondere
bei Corbach, zwischen den rein kalkigen Aldagernngen auch lim-
nische auftreten, als Mergel, Letten, Sandsteine und Conglomerate.
Die "röste Abwechslnn" zeigen allerdiims die Gesteine der oberen
o <T> !r>
Zechsteiuformation. x\uch die stärkste Nei"un" zu Uferbilduimen
ist ihnen eigen.
Das die Buntsandsteinformatiou einleitende Conglomerat
erstreckt sich als regelmässiges Schichtenglied zwischen Zechstein-
formation und unterem Buntsandstein liis an den nördlichen Karten-
rand, bis Gembeck etwa. Von hier ab nach N., gegen Stadtberge
zn, treten die Conglomerate nur örtlich und mit grossen Unter-
LXVIII
brecliungen auf, und iu der Breite von Stadtberge selbst ist nichts
mehr von ihneu zu sehen.
An der Grenze des unteren Buntsandsteins gegen den mitt-
leren, also in den obersten feinkörnigen Sandsteinen unter der
ersten grobkörnigen Sandsteinzone, wurden an einigen Stellen (nörd-
lich und nordwestlich Wellen a. d. Eder) zahlreiche Abdrücke von
Geroillia Murcliisoni gefunden, welche bisher aus diesem Horizont
im nördlichen Hessen unbekannt war. Die im vorigen Bericht
mitgetheilte Schichtenfolge vom unteren zum mittleren Bnntsand-
stein und die darauf o-eo-ründete Ansicht über die Grenze beider
ö O
Stufen wurde iu diesem Jahre an mehreren Orten bestätigt ge-
funden. Sie gilt auch, wie die mit Herrn Professor Oebbeke
ausgeführten Begehungen gezeigt haben, für den Buntsaudstein
der nördlichen und östlichen Umgebimo- des Knüll.
Die grossen Basal tmassen westlich des Ilabichtswaldes
scheinen im Alla;emeineu deckeuförmio-e Ergüsse zu sein. Das-
selbe möchte ich auch für die breiten Rücken auf der Nordseite
des Knüll gegen das Tertiärgebiet, gegen Blomberg und Frielen-
dorf, anuehmen. Insbesondere gilt dies für die auf Tertiär und
Basalttuff aufruheuden Basalte. Dagegen dürfte man wohl die
kleinen, kuppenartig aus dem Buntsandsteiu, Röth oder auch Tertiär
hervortreteuden Basaltvorkommeu, soweit sie keine Längserstreckuug
besitzen, als ausgefüllte Eruptionskanäle, Stiele der Oberflächen-
ergüsse, ansehen. Am Lammsberg westlich Volkmarsen ist ein
solcher Eruptionskaual durch den Steinbruchsbetrieb aufgeschlossen.
Er wird allerseits von mittlerem Buntsaudstein umgeben und hat
etwa 50 bis 70 Aleter Durchmesser. Eine Seite der Begrenzung
zeigt sich deutlich, als Verwerfungsspalte.
In vielen Fällen sind unter den deckenförmigen Ergüssen
Tuffe iu guter Schichtung vorhanden. Neben diesen Tuffen triffl
man häufig um die kleineren, isolirten Basaltvorkommnisse (z. B.
am Ofenberg, westlich Wolfshagen) lockere, scheinbar ungeschichtete,
sehr grobe Anhäufungen von Basaltblöcken, Olivineinschlüssen,
Bruchstücken des Nebengesteines und Mineralausscheidungen
(Glimmer, Blornbleude u. s. w.). Das äussere Ansehen, der Mangel
an Schichtung, die ungleiche Grösse der einzelnen Gesteinsbrocken
LXIX
iintersclieideu diese tiifiartigen Gesteine von den mit Hülfe des
Wassers abgelagerten geschieliteten Tnflen. Im Kern dieser An-
liänfiingen steckt in der Kegel das eigentliche Eruptivgestein. An
einigen anderen Stellen (Wallenstein am Knüll, Züschen in Waldeck
n. s. w.) bemerkt man kleine, zum Theil gangartige, d. h. eine vor-
waltende Länü:serstrecknng besitzende Vorkommen von wenig ver-
kitteten, ungleich grossen Basaltbrocken und Kruchstücken des
Nebengesteines, also im Allgemeinen Gesteine, welche den vor-
beschriebenen tuftartigen Alassen gleichstehen. Als Reste von zur
Tertiärzeit auf horizontaler Unterlage abgesetzten Tuffen köunen
diese Anhäufungeu nicht angesehen werden, denn ihr heutiges
Auftreten steht in keiner Beziehung znm Verbreitungsgebiet der
tertiären Aldagerungen, verdanken sie vielmehr der Erosion. Auch
die Längsform der Vorkommen spricht dagegen. Dasjenige von
Wallenstein erhebt sich aus der Sohle eines nicht eben l>reiten,
ziemlich tiefen Thaies im Bniitsandsteingebiet. Ein anderes, das-
jenige am Waldrand 1200 Meter westlich Züschen, fällt unmittel-
bar mit einer Verwerfungsspalte zusammen. jVIan wird daher zu
der Annahme gezwungen, dass diese Trünnnerwerke von Basalt-
material Spalten beziehungsweise Eruptiouskauäle ausfülleu. Es
ist auch nicht ausgeschlossen, dass cs sich mit den unmittelbar
vorher beschriebenen tnffartigeu Massen ähnlich verhält.
Einer besonderen Erwähnung scheint die Thatsache zn be-
dürfen, dass manche Basalte au den Gebirgsstöruugeu im ein-
schlägigen Gebiet Theil genommen haben. So sind die Buutsaud-
steinschichten nördlich Oberhülsa (am Knüll) gegen Basalt ver-
worfen; ähnlich liegen die Verhältnisse bei Steindorf (am Knüll)
sowie bei den Basalttulfeu westlich Burffhasuno-en bei Wolfhao-en.
Hinsichtlich der Lagerung der Schichten in dem von
mir untersuchten Gebiet möchte ich auf das Auffällige des Mangels
an nachweisbaren Störungen am W estrande des Hal)ichtswaldes
hinweisen. Der Hasuuger Graben findet dadurch, dass die steil
gestellten Muschelkalk- und Keupei’schichteu nach SO. bei Burg-
hasungen und gegen Ehlen zu eine mehr normale Lagerung au-
nehmen, eine Art Qnerabschluss. Im Gebiet solcher weicher
Schichten, wie diejenigen des Köths und Tertiärs es sind, macht
LXX
es ohneliin Schwierigkeiten, Verwerfungen zu erkennen und fest-
zulegen. Nur zwischen Niedenstein und Breitenbach konnte ein
von S. nach N. gerichteter Abluaich des Roths und Tertiärs am
mittleren Buntsandstein verfolgt werden.
Eine für die heutige Verbreitung der Zechsteinformation wich-
tige Verwerfung fällt mit dem Westrande des Blattes Waldeck-
Cassel zusammen. Das Corbacher Zechsteingebiet bricht nämlich
längs einer N.-S. -Linie von Lelbach über Lengefeld, Nordenbeck
nach Immighausen an den Posidonien- und Kieselschiefern des
Culm ab. Nordöstlich Lelbach folgt die Grenze der Zechstein-
forniation gegen den Culm dem Streichen des letzteren bis Ilelm-
scheidt, und von hier ab wendet sich die Grenze wieder nach N.,
ohne dass indess auch hier dieser Umstand unmittelbar einer
N.-S. -Störung zuzuschreiben wäre. Wohl aber ist der Buntsand-
stein östlich der zuletzt bezeichneten Grenze gegen die nächst-
ältere Formation an Verwerfungen abgebrochen, welche die Ver-
längerungen derjenigen von Vöhl -Berndorf darstellen und über
Kanstein und Helmighausen bis zum Thal der Diemel verfolgt
wurden. Die nördliche Fortsetzung der Verwerfung Niederwerbe-
Sachseidiausen liess sich über Höringhausen bis Mengeringhausen
nachweisen . Eine dritte Hauptstörung verläuft von Afibltern a. d. Eder
über Waldeck nach Freyenhagen und Landau und betheiligt sich
von Külte aus nördlich an der Grabensenkung Volkmarsen -War-
biirg -Willebadessen. Alle diese S.-N. -Spalten haben ein staflel-
förmiges Abbrechen nach Osten zu zur Folge. Zwischen den ein-
zelnen S.-N. -Spalten stellen unter spitzem Winkel laufende Quer-
spalten die Verbindung her.
Mittheilung des Herrn F. Beysciilag über Aufnahmen
im Gebiete des Blattes Waldcck-Cassel (1:80000).
Die zur Herstellung des letzten Blattes der v. DECiiEN’schen
Karte von Rheinland -Westfalen ausgeführten Aufnahmen fallen
in den Bereich der Messtischblätter Cassel, Wilhelmshöhe, Ober-
kaufungen, Besse, Melsungen und Altinorschcn.
Die tiefsten Schichten gehören der unteren Abtheilung des
Buntsandsteins an. Dem allgemeinen, NW. gerichteten Schichten-
LXXI
fallen entsprechend verringern sich die anfänglich ausgedehnten
Flächenräuine, in denen dies Gebirgsglied auftritt, von SO. gegen
NW. immer mehr, bis gegen das Becken von Cassel, wo der
Obere Bnntsandstein in das Erosiousniveau der Fidda tritt. Wenia;
südlich und östlich des Gebietsrandes treten als Ausläufer des
Bichelsdorfer Gebirges die letzten Zechsteinpartien von Obern-
gude, Seifertshausen und Connefeld inselartig aus dem Unteren
Buntsandstein hervor, während der Mittlere Buutsaudsteiu nur in
langgezogeneii Firsten (Katzeustiru) oder runden Kuppen (Al-
heimer) die Berge krönt. Weiter Fulda abwärts, in der Gegend
von Melsungen , ist die 01)erflächeuverbreitung beider Sandsteiu-
stufeu schon ungefähr gleich, so dass in der Regel die Th.äler im
Unteren Bunten verlaufen, der auch noch die unteren vielfach
feldbedeckten Böschungen bildet, während die waldbedeckten
höheren Bergtheile aus Mittlerem bestehen. Schicliteutältuugen
und Grabenverseukungeu erzeugen mehrfach Abweichungen von
diesem Bilde. — Vom Zusammenfluss der Eder und Fidda an
tritt der Untere Bnntsandstein nur noch in kleinen Raudpartien
längs des Flusses hervor, der Mittlere sinkt iu’s Flussuiveau, um
bei Cassel selbst unter demselben zu verschwinden und dem Röth
Platz zu machen. Weiter flussabwärts hebt sich dann von Wolfs-
anger au als NO. -Rand des Casseler Beckens der Mittlere Bunt-
saudstein wieder heraus, um daun bis Münden in fast horizontaler
Lagerung die Fulda zu begleiten.
Auf die Gestalt des Fuhlathal- Profiles ist der Wechsel der
verschiedenen Stufen von überaus deutlichem Einfluss. Während
im Oberen Theile des Laufes, wo Unterer Buntsaudstein das Thal-
gelände bildet, die Ufer mässig steil austeigeu und das Thal von
mittlerer Weite, die Krümmungen des Laufes mässig stark sind,
werden die letzteren im Mittleren überaus stark, während sich
der Querschnitt des Thaies verengt und die Wände steiler wer-
den. Sogleich beim Eintritt in den Röth erweitert sich dann das
Thalprotil in der anffälligsteu Weise zum Becken von Cassel, in
welchem dann auch die Gelände den schwächsten Böschungs-
winkel zeigen.
Aus der Weite des Casseler Beckens erheben sich nun, durch
LXXII
die Fulda vou S. her benagt, wallartig steil die Seliicliten des
Muschelkalkes. Auf ihnen ist ein c;rosser Theil der Stadt Cassel
erbaut und verdankt derselbe ihrem steilen Ilervortreten aus der
Casseler Senke seine landschaftlich schöne und gesnndheitlich aus-
gezeichnete Lage. Einer OW. gerichteten , stellenweise zwei-
flügeligen Gralienversenkuug angehörend, laufen vom Weinberg
und Kratzenberg in Cassel schmale, znr Mitte des Bruches ein-
ander zugeneigte Muschelkalkstreifen bis zum O.-Fuss des Ilabichts-
waldes, wo sie im M^ilhehnshöher Park unter Tertiär und Basalt-
bedecknng verschwinden. Obwohl diese Grabenrichtung ihre
directe Fortsetzung im Bnrghasunger Graben hat, ist unmittelbar
am W.-Fuss des Habichtswaldes, da, wo die Triasscliichten unter
der Tertiärbedeckung wieder hervortauchen, keine Schichtenstörung
erkennbar. — Von Cassel ans gegen O. findet der Graben seine
Fortsetzung über das Eichwählchen, Niederkaufungen nach Gross-
almerode. In den gegenwärtig zugänglichen Aufschlüssen in und
bei Cassel ist nur der Untere Muschelkalk vertreten. Dagegen
sind bei gelegentlichen Aufgrabungen in der Stadt unfern des
Stände])latzes in der kl. Friedrichstrasse, ferner an der Ecke der
llohenzollern- und Annastrasse Gesteine zu Tage gefördert worden,
welche beweisen, dass längs der Cassel durchquerenden Ilaupt-
spalte kleine , schmale streifenförmige Schollen von Oberem
Muschelkalk, Keuper und Lias eingesunken liegen.
W^eitaus das grösseste Interesse aller in der Gegend von
Cassel verbreiteten Eormationen beansprucht das Tertiär. Ihm
entstammen die für die wirthschaftliche Bedeutung des Bezirkes
wichtigsten Producte : die Braunkohlen, Thone, Basalte und
Tufte; an sie knüpft sich eine für die Erkenntniss der Schichten-
folge im Tertiär Mitteldeutschlands nnd für das Studium seiner
Meeres- und Süsswasser- Ablagerungen grundlegende Literatur. —
Die Materialien, aus denen sich die tertiären Ablagerungen des
bezeichneten Gebietes zusammensetzen, bestehen vorwiegend aus
losen Sanden z. Th. mit Geröllmasseu, mehr oder minder reinen
Thonen, Braunkohlen, untergeordneten Kalksteinen, welch’ letztere
meist mir in Form vou Coucretiouen, seltener in dünnen Bänken
auftreteu, und endlich aus wenig jüngeren vulkanischen Gebirgs-
Lxxm
arten, tlen Basalten und Tiifl'en. Keines dieser Gesteine selieint
einem bestimmten geognostisclien Horizont in der Niederhessiscben
Tertiärformation ausseddiesslich anzimeliöreu und ist in FoGe
O Ö
dessen keins au und für sich geeignet als leitend für die Er-
kenntniss des a;er)-enseitia:en Altersvcrhältnisses der Tertiärbildiumen
augesproclien zu werden. In manniehfacliem Wechsel und Wieder-
holungen, die, ohne eine Parallelisirung von Aufschluss zu Auf-
schluss zu gestatten, doch eine gewisse Kegelmässigkeit der Auf-
einanderfolge im Grossen erkennen lassen, verbreiten sich diese
Gesteine ül)er beträchtliche Gebiete. Nicht allein in Folge der
Wirkungen diluvialer und alluvialer Erosion, sondern eben so sehr
als Er<irehniss bereits zur Tertiärzeit einofetreteuer Zerstöruuijen
und Abtragungen, stellen die Tertiärablagcrungen heute unzu-
sam menhängende Lappen verschiedener Grösse dar, welche in
ihrer iiecenwärtiofeu Verhreitunü; und Erhaltuim’ vorzimsweise an
Napf- oder Ilinnenförmige Vertiefungen in der unterlagernden
Trias geknüpft sind. Während die mittel- und oheroligocäneu
Meeresahhmeruim'en ihrer Entstehung gemäss als gleichmässig
flächenhaft auf grösserem llaume ahgesetzte Sedimente gedacht
werden müssen, deren Zusammenhang in weiter unten näher zu
erörternder Weise bereits zur Tertiärzeit verloren gegangen zu
sein scheint, deutet die Art der Verbreitung der Braunkohlen-
führenden Süsswasserablagerungen, die bald steilere, bald tlachere
Lagerung, das Vorkommen gleichartiger und wohl auch gleich-
alteriger Al)lagerungen in beträchtlich verschiedenen Meereshöhen
auf Aljsätze innerhalb praeexistirender bald engerer, bald weiterer
Thäler, welche sieh örtlich zu beckeuartigen Kesseln und Senken
erweitern. Es gilt dies in besonderem Maasse für den östlichen
und nördlichen Rand unseres Gebietes, d. h. für die Gegend von
Kaufungen, Grossahnerode, Stauffenberg, Landwehrhagen, Gahreu-
berg, Hohenkirchen etc., während gegen S. die Ablagerungen
geschlossener werden und sich zu der grösseren uiederhessischen
Tertiärsenke von Felsberg, Homberg etc. zusammenschliessen.
Die Eintlössung zahlreicher Gerolle aus dem Schiefergebirge
(Kieselschiefer, Quarzit etc. des Waldeck’schen, sowie von Kreide-
kalkgeschiebeu mit Inoceramus ^ RhynchoneHa und Feuersteinen
LXXIV
wahrscheinlich aus dem westfälischen oder einem an das Ohm-
gebirge anschliessenden Kreidegebiet) in die zwischen den Braun-
kohlenflötzen liegenden Sande, sowie in die jüngeren Basalttufte,
setzt Wasserabflüsse zur Tertiärzeit voraus, welche ebenfalls nicht
wohl ohne erodirende Wirkungen gedacht werden können, und
welche das Kelief des wahrscheinlich mindestens von der Zeit
des Oberen Jura bis zur Unteren Kreide als Festland liegenden
Bodens hier durch Anfüllung eiuehneten, dort durch Ausnagung
vertieften.
Auf Erosionswirkungen wahrscheinlich in der jüngeren Tertiär-
zeit ist es daun wohl zurückzuführen, dass in dem zu besprechenden
Gebirgsabschnitt nur noch vereinzelte Schollen und Lappen der
marinen mittel- und oberoligocänen Ablageruncien in den ver-
schiedensten Höhenlagen erhalten blieben. Für die Erklärung
des letzteren Verhältnisses scheint nicht lediglich die Annahme
einer Wirkuus: dislocireuder Verwerfumjeu zu genügen, vielmehr
sind wohl neben späteren Niveauverschiebungen auch ursprüng-
liche Tiefen - Unterschiede in dem verhältuissmässig schmalen
Meeresarme im Spiel. Alacht sich doch innerhalb der einzelnen
Fnndpunkte oberoligocäner Versteinerungen ein gewisser Unter-
schied durch das Vorherrschen dieser oder jener Formen geltend.
Die durch den Braunkohlenbergbau des Ilabichtswaldes an zahl-
reichen Orten aufgeschlossenen , in ihrer Umgrenzung oft weithin
verfolgten sogenannten Basaltrücken sind ihrer Gestalt und An-
Ordnung nach nichts anderes als Erosionsrinneu innerhalb der
tertiären Süsswasserablagerungen, welche von Basalttuften und zu-
sammeugeflössten Sand- und Geröllmassen erfüllt sind. In der
Braunkohlengrube Stellberg bei Wattenbach fand ich vor 2 Jahren
beim Befahren der Grube eine deutliche im Kohlenflötz einge-
schnlttene mit Saud und Kies erfüllte Erosionsriuue, welche durch-
aus den Eindruck eines Bachbettes machte.
Ueber das Alter der tertiären Süsswasseral)lagerungen der
Casseler Gegend kann ein endgültiges Urtheil heute noch nicht
gefällt werden. Lediglich die deutliche Lageruugsbeziehung zu
O o ö ö ö
mitteloligocäuem Septarienthon oder oberoligocäuem Meeressaud
ist beweisend. Danach gehören die bereits nahe dem östlichen
LXXV
Kartenramie hef^innendeu Brauiikohlenablagerungeii von Kaufungeu,
sowie diejenigen des Mönclieberges ini NO. von Cassel dem Unter-
oligocän an, weil sie vom mitteloligocänen Septarienthon über-
lagert werden. Für die Brannkohlenablagernngen anf der Söhre
lind dem Habiebtswald fehlt es bisher an derartigen sicheren
Lagernngsbeziebnngeu und kann m. E. weder die relative Ilölien-
lage noch auch die petrographische Beschaffenheit und Schichten-
folge Innerhalb der Süsswasserbildungen als entscheidendes Merk-
mal für eine Altersfeststellung dienen. — Die Flora, welche in
den Brannkohleiithonen und Basalttntfen des Ilabichtswaldes bei
Gelegenheit des Abtenfens des fiscalischen Maschinenschachtes am
»Grossen Steinhaufen« getrofien wurde, hätte vielleicht Anhalts-
punkte zur Bestimmung des relativen Alters dieser Ablagerung
liefern können, aber die seiner Zeit gewonnenen Stücken sind im
Privatbesitz verstreut und der Wissenschaft grösstenthcils ver-
loren. Ueber Tage sind gegenwärtig keinerlei Fundpunkte pflanz-
licher Versteinerun<ien zimäimlich.
Nach den bisher im Gebiete der Umgegend Cassels ge-
machten Beobachtungen neige ich zu der Vorstellung hin, dass die
sämmtlichen in dieser Gegend verlireiteten, Braunkohle führenden
Süsswasserablafterunffen gleichen und zwar nnterolicrocäuen Alters
sind. Die z. Th. erheblich geneigten Schichten liegen, wie be-
reits oben ausgeführt, in einzelnen Kinnen und Kesseln, welche
sich gegen S. mehr znsammenschliesson und werden bei Ober-
kaufinmen, am Möncheber«; und im Eselsf^raben bei Niederzwehren
von marinen Tertiärschichten bedeckt. Die letzteren sind nur in
kleinen Schollen und Lappen erhalten, welche ebenso häufig auf
tertiären Süsswasserablag;eruno;en als unmittelliar auf triadischem
Untergrund aufzuruhen scheinen. Gegen S., wo die vereinzelten
Tertiärablagerungen sich mehr nach dem Inneren des Ilanpt-
lieckens zusammengeschlossen haben, also südlich von Gunters-
hausen und Besse, scheint das marine Oberoligocän wiederum
durch Süsswasserbildungen, denen danach wohl miocäues Alter
znkommeu würde, bedeckt zu sein.
Innerhalb der Süsswasserabbrneruimen sind die an Kalk-
O O
concretiouen oft reichen Thone mit Melania horrida noch an einer
LXXVI
Reihe neuer Punkte anf'gefnnclen worden. Namentlich gegen
Besse und Felsherg hin scheinen dieselben eine beträchtlichere
Verbreitung zu gewinnen. — Von besonderem Interesse ist die
Auffindung einer geschlossenen Kalkbauk in diesen Schichten,
welche mit Steiukernen von Limnaeus facUygmter erfüllt ist. —
Bei Besse fällt eine Ablagerung auf, welche in enger räumlicher
Verknüpfung mit diesen tertiären Schichten zu stehen scheint.
Es sind überaus glatt und rund geschlitfene Muschelkalkgerölle,
die in grosser Meng'e zusammeno-ehäuft sind und von Diluvium
ö ö ö
bedeckt werden. Die Bestimmung ihrer Herkunft ist um so
schwieriger als am Ostfuss der »Langen Berge«, von denen her
die Wasser nach Besse fliessen, nirgends mehr Muschelkalk an-
stehend aufzufinden ist.
Auf den tertiären Gliedern verschiedenen Alters breiten sich
abweichend gelagert und vielfach bis auf die Trias übergreifeud
Basalttiffie aus, denen sonach wohl ein miocäues Alter zukommen
würde. Sie werden vielfach von mächtigen Basaltergüsseu be-
deckt oder von Gängen durchsetzt. Zu diesen demnach wohl
ebenfalls mioeäneu Basalten rechnen die meisten Platten und
Kuppen des Habichtswaldes und der »Langen Berge«. Nur auf
Blatt Felsberg ist es bisher gelungen, mit Sicherheit einen inner-
halb der tertiären Süsswasserbildunofen liegenden Basalterffuss
auszuzeichnen. Zu letzterem könnten niöffiicher Weise ijewisse
lagerförmige Basalte am Nord- und Südfuss des Habichtswaldes
zu zählen sein, die allerdings bezw. ihrer petrographischen Be-
schaffenheit sich weit mehr an jene jüngeren Basalte des Habichts-
waldes als an den älteren Erguss von Böddiger bei Felsberg an-
schliessen.
Es würde hier zu weit führen nun die einzelnen Tertiär-
ablagerungen nach Verbreitung, Lagerung und Zusammensetzung
zu schildern. Wenngleich bereits viel Material zu solcher Be-
schreibung iiamentlich der durch Bergbau erschlossenen Gebiete
zusammengebracht ist, muss dessen Veröffentlichung doch für
eine geplante zusamineufässende Schilderung und für die Er-
läuterungen der geologischen Specialkarte zurückgelegt werden.
Nur so viel sei noch ei’wähnt, dass mau als die hauptsächlichsten
LXXVII
folo-eiule ofetrennte Bramikolileualjlaa-eriino-on in unserem Gel)iete
zu unterscheiden hat:
1. Das Habichtswalder Brauukohlengebiet mit seiner süd-
lichen Fortsetzung über Hoof.^ Elgershausen zu den »Langen
Bergen«, und über Nordshansen znm Baunsberge. Die einzelnen
Gruben und Reviere bauen auf den verscbiedeu benannten und
durch die in Erosionsrinnen abgelagerten Tnftinassen (Basaltrücken)
«xetreunten Theilen eines und desselben Kohlenflötzes. Nur im
O
fiscalischen Förderschacht am »Grossen Steinhaufen« ist In’sher
ein zweites, höheres Flötz (Busse) getrofleu und auf kurze Er-
streckung verfolgt worden.
2. Die Braunkohlenmnlde von Bningshauscn- Möncheberg.
3. Die auf der Höhe der Söhre lagernde Braunkohlenmnlde
des Stellbergs bei Watteubach.
4. D ie Mulde von Malsfeld -Dagobertshausen -Ostheim.
Mittheilung des Herrn E. Kayser über Aufnahmen in
der Gegend von Dilleuburg und Marburg.
Die im Laufe des Herbstes 1889 in der Dillgegend aus-
geführten Aufnahmearbeiteu haben sich auf die FTmgebnng der
Stadt Dilleuburg, auf beiden Seibm der Dill, beschränkt. An der
Znsammensetznuo; dieses Gebietes nehmen mitteldevonische Thon-
bezw. Dachschiefer mit zahlreichen darin eingeschalteten Lagern
und Lagergängen von Grüusteiu, sodann Schalstein, Cypridinen-
schiefer mit begleitenden glimmerigeu Plattensandsteinen und end-
lich Culm-Kieselschiefer Theil. Das Vorkommen des letzteren ist
auf eine kleine zerrissene Mulde unmittelbar westlich von Dilleu-
biu’g beschränkt. Dagegen besitzt das Olierdevon, welchem nach
seinen Versteinerungen auch der Schalstein angehört, eine ansehn-
liche Verbreitung. Das Mitteldevon endlich, welches etwas weiter
nördlich den bekannten breiten Thon- und Dachschieferzng von
Wissenbach bildet, tritt bei Dilleuburg nur in ein paar schmalen
Bändern — stark zusammeugepressteu Sattelfalten — ans den
umgebenden jüngeren Ablagerungen hervor. Ebenso wie die er-
wähnte kleine Cuhnmulde sind diese mitteldevonischeu Schiefer
LXXVIII
bisher ihrem Alter nach verkannt worden und daher noch anf
keiner geologischen Karte zur Darstellung gelangt.
Eine ganze Reihe horalO — 1 D/2 streichender Querverwerfungen
durchsetzen die zu steilen Falten zusainineugeschobenen Schichten.
Die bedeutendste, mit einer ansehnlichen Querverschiebung der
Schichten verbundene, läuft mitten durch das Dörfchen Eibach
hindurch.
Als eine interessante Erscheinung sei endlich die ausgezeich-
nete, der des Basaltes ähnliche Säulenabsonderung erwähnt, welche
an einer Stelle (am Wege von der Ilauptkirche nach dem Schloss)
an der Diabasmasse des Dillenbur<rer Schlossberores zu beob-
O ö
achten ist.
In der Marbura:er Gebend wurde im Anschluss an die
ö O
für die Herstellung des Ergänzungsblattes Cassel -Waldeck der
v. DECiiEx’schen Karte im Kellerwalde ansgeführten Arbeiten eine
Aufnahme des Wollenberges (unweit Wetter) und seiner Um-
gebung ausgeführt. Wenn es auch bei der weitgehenden petro-
graphischen Uebereinstimmung, welche der Quarzit dieses ansehn-
lichen Berges mit demjenigen des Kellerwald-Rückens zeigt, und
Angesichts der Thatsache, dass der Wollenberg genau in der ver-
längerten Streichrichtnng des erstereu liegt, keinem Zweifel unter-
liegen kann, dass auch der Wollenbergsquarzit unterdevonischen
Alters ist, so gelang es hier doch nicht, wie am Kellerwalde,
hangende Grauwacken mit der Obercol)lenzfauna nachzuweisen.
Solche scheinen, ebenso wie das Alitteldevou, am Wollenberge
nirgends zu Tage zu treten; vielmehr werden die Abhänge des
Berges ausschliesslich von abgesunkenen Oberdevou- und Culin-
schichten zusammengesetzt, die beiderseits mit streichenden Ver-
werfungen unmittelbar an den stehengebliebeneu, die Hauptmasse
des Berges bildenden Unterdevon-Quarzit augrenzeu. Dem Obei-
devon gehört als ältestes Glied der korallenreiche (wesentlich
dem des Iberges im Harze gleichalterige) Kalk von Aniönau-
OI)erndorf an. Darüber folgt ein von grobkörnigen Dia-
I)asen begleiteter Quarzit, über welchem endlich Ciilm liegt,
welches zu unterst aus Adinolen und Kieselschiefern, zu
oberst aus mächtigen Grauwacken besteht, welche letztere in
jeder Beziehnng denen von Jesberg im Süden des Kcllerwaldes
LXXIX
ähnlich sind. Mit diesem und der Wildnnger Gegend hat die
Wollenber<''-Uino;ebun2: ancli den eben erwähnten, von Diabasen
begleiteten Oberdevon -Quarzit gemein. Während mir aber das
Alter dieses in anderen Theilen des rheinischen Schiefergebirges
nnbekannten Gesteins im Wildunijer Gebiete lana;e zweifelhaft
war, und ich somar eine Zeit laug e;euei<>:t war dasselbe dem Keller-
waldqtiarzit gleichznstellen , so ergiebt sich bei Amönau aus der
Uuterlagerung des Quarzits durch Iberger Kalk sein oberdevonisches
Alter mit aller Sicherheit. Dieses Ergebniss könnte auch für den
Harz wichtig werden, da nach meiner Erinnerung im Norden des
Acker- Bruchberg -Rückens, welcher genau aus demselben Quarzit
wie der des Kellerwaldes und Wollenberges zusammengesetzt ist,
den Wildnnger und Amöuauer sehr ähnliche, ebenfalls von Dia-
basen begleitete und daher vielleicht gleichfalls dem Oberdevon
angehörige Quarzite entwickelt sind.
Wie der Kellerwald, so wird auch der Wollenberg von grossen
Querverwerfnugen durchsetzt, die sich in auffälligen Verschiebungen
der correspondirenden Schicht änssern und die anch das dem Berge
im Norden vorgelanferte Rothlieo-ende in d('utlichster Weise mit
ö O O
verwerfen. An einer solchen, bei Caldern und Kernbach unter
sjutzem Winkel das Lahnthal kreuzenden Verwerfung hört der
Wollenbergsquarzit in voller, bedeutender Breite auf. Jenseits,
d. h. im Westen der Dislocation findet, sich überhaupt kein Unter-
devon mehr: das älteste Gestein Ijilden hier vielmehr die mittel-
devonischen, zum Theil als Orthocerasschiefer (mit Goniatites graeiUs
und latesrj.itatus, Orthoceras sp., Panenka, Tentaculiten u. s. w.) ent-
wickelten Schiefer von Kernbach mit ihren mächtigen Diabas-
stöcken (Rimberg, Feiselljerg u. a.). Auch weiter nach Süden
und Norden zu scheint diese bedentende Verwerfung, sich noch
auf weite Erstreckung hin verfolgen zu lassen.
Mittheilung des Herrn E. Holzapff-L über die Aufnahmen
auf Blatt St. Goarshausen.
Der südöstliche Theil des Blattes wird von IT nnsrückschiefern
eingenommen, der grössere Rest von den unteren Coblenzschichten,
durch welche hin und wieder schmale Sättel von nnnsrück-
schieferu durchstossen. Im nördlichen Theile sind 4, z. Th. mehr-
LXXX
fach zerrissene Züge von Quarzit vorhanden, welche im Terrain
als hohe , langgestreckte Rücken markirt sind. Die Unter-
Coblenzschichten bestehen vorwiegend aus Schiefern, mit eiime-
lagerten, verschieden mächtigen Granwacken, welche z. Th. qnar-
zitisch werden, und dann in den tief eingeschnittenen Thälern
schroffe, vorspringende Felspartien bilden (Schweizerthal bei St.
Goarshansen, Loreley). Einlagerungen von Porphyrolden sind sehr
zahlreich, und z. Tli. weit verfolgbar. Von besonderem Interesse
ist das häutige Vorkommen von Gesteinen, die dem »Weissen
Crebirge« der Werlauer und Holzappeler Bergleute vollkommen
gleichen. An mehreren Stellen stehen dieselben in Verbindung
O ö
mit Quarzgängen , welche zuweilen Erze enthalten , wie bei
Ehrenthal. Im Feuerbachthal scheint solches typisches »Weisses
Gebirge« in ein dunkel gefärbtes, diabasartiges Gestein überzugehen.
Vielfach, besonders wenn die Aufschlüsse schlecht sind, scheint
das genannte Gestein schmale, gleichförmige Einlagerungen im
Unter-Coblenz zu bilden. Au mehreren Stellen am Gehänge des
Rheiuthales tritt indessen die gangartige Natur klar zu Tage,
namentlich zwischen Ehreuthal und Kestert, bei Ehrenthal, und
bei St. Goarshausen. Bei Ehrenthal enthält das Weisse Ge-
birge häutig bis zollgrosse Krystalle von Apatit porphyrisch
eingeschlossen, deren Kauten gerundet zu sein pflegen. Da-
neben kommen Knöllchen eines phosphoritartigen Minerals einge-
schlossen vor. Im Urbachthal wird das Weisse Gebirge wohl
breccienartig, die scharfkantigen Bruchstücke sind daun durch
Gaugquarz verkittet. Bisher wurde dieses Gestein au etwa 25
verschiedenen Stellen (auf dem rechten Rheinufer) beobachtet. —
Auf den Höhen kommt in ziemlicher Verbreitung Tertiärkies vor,
doch wird derselbe meistens von weit ausgedehnten Flächen von
Löss bedeckt, und kommt nur an den Rändern derselben zum
Vorschein.
Mittheilung des Herrn E. Datiie über die geologischen
Aufnahmen der Blätter Rudolfswaldau, Friedland und
Reichenbach.
Auf dem Blatte Rudolfswaldau wurde bei der letztjährigen
Aufnahme der westlichste Theil der Gueissformatio u , das
LXXXI
Carbon und Rothliegende kartlrt. Beide letzteren Formationen
nehmen den westlichsten Theil des Blattes ein und finden ihre Fort-
setzung auf Blatt Friedland, mit dessen Aufnahme begonnen wurde.
Der aufgenommene Theil der Gneissformation wird im Osten
durch eine Linie bestimmt, welche in nordsüdlicher Richtung vom
Nordrande der Karte, beim Wolfsberg beginnend, über den Urlen-
berg, die Säuferhöhen nach dem Neumannsberg bei Rudolfswaldau
verläuft; die Westgrenze der Formation fällt zugleich mit der Carbon-
grenze zusammen und zieht sich in nordwestlicher Richtung von Ru-
dolfswaldau über Kaltwasser, Wüstegiersdorf nach Tannhausen hin.
In diesem Gebiete ist die Abtheilung der Zweiglimmergneisse
vorherrschend , und nur am nördlichen Blattrande greift ein
schmaler Streifen von Biotitgneissen von dem Blatte Charlotten-
brunn her auf vorliegendes Blatt über; er reicht vom Wolfsberge
bis nach Tannhausen. Die Gneisse wurden in beiden Abtheilungen
wiederum nach ihrem Gefüge 1. in feinkörnig-schuppige und fein-
schiefrige (I), 2. in grob- bis breitflaserige (II) und 3. in flase-
rige (I/II), welch’ letztere die Uebergänge zwischen I und II dar-
stellen, unterschieden. — Als besondere Structurvarietät der grob-
flaserigen Zweiglimmergneisse wurden die Augeugneisse ab-
getrennt; sie bilden zwei Zonen, wovon die eine die Fortsetzung
der früher schon festgestellten Zone ist, welche von den Otten-
steinen bei Glätzisch-Hausdorf im mittleren Eulengebirge über
Schlesisch -Falkenberg nach den Säuferhöhen nachgewiesen wurde,
und ihre Fortsetzung am oberen Nesselgrunde, am Ramenberge,
an der Vereinigungsstelle des grossen und kleinen Märzbaches
und am Märzbache findet.
Die zweite Augengneisszone im Hangenden wird durch
grobflaserige Zweiglimmergneisse von der ersteren getrennt; sie
beginnt am Heller Wasser, geht über den Langen Berg und den
vorderen Ramenberg, wo sie eine rein westliche Richtung annimmt,
nach Nieder-Wüstegiersdorf. — Von Einlagerungen sind in den
Gneissen wenig Amphibolitlager angetrofien worden. Von Gang-
bildungen sind Pegmatite, Barytgänge und Felsitporphyr zu nennen.
Bemerkenswerth sind zahlreiche F elsitporphyrgänge, welche
die Gneissformation nach Ablagerung des Carbons in der Nähe der
f
Jahrbuch 1889.
LXXXII
letzteren Forinationsgrenze durchbrochen haben. Für diese An-
nahme spricht das Anftreten eines mächtigen Felsitporphyrs süd-
lich von Rudolfswaldau, welcher daselbst aus der Gneissformation
in gleicher Richtung in das Obercarbon übersetzt. — Dieser letztere,
zwei Kilometer lange Gang gehört einem Gangsysteme an, das
vorzugsweise in zwei ziemlich parallelen Spalten bis zum Ramen-
berge fortsetzt, vielfach durch nordöstliche Spalten verworfen ist
und eine Länge von 5 Kilometern besitzt.
Das Carbon gehört in seinen liegendsten, auf den Gneiss
ungleichförmig gelagerten Schichten, den sogenannten Schatzla’er
Schichten Stur’s an; nur am Silberwald bei Tannhausen sind noch
Waldeuburger Schichten vorhanden; über erstere folgen röthlich ge-
färbte Couglomerate und Arkosesandsteiu ; sie gleichen petrographisch
den Schwadowitzer und Radowenzer Schichten des böhmischen
Flügels und müssen denselben bei regelmässiger Bildung des nieder-
schlesisch - böhmischen Beckens entsprechen ; nur hat man aber
deren Vorhandensein bis jetzt auf der schlesischen Seite nicht an-
genommen. Ist meine Annahme idchtig, was die Kartirung bei
Waldenburg zu entscheiden haben wird, so müsste man die Grenze
zwischen Rothliegendem und Carbon viel höher als bisher legen.
Der Versuch hierzu ist bei der Kartirung der Blätter Rudolfs-
waldai; und Friedland gemacht worden, und würde demnach die
untere Congloiueratstufe des Rothliegeudeu wahrscheinlich dem
Obercarbou Zufällen; die Grenze wäre dorthin zu legen, wo die
Couglomeratbilduug auf hört, ferner über derselben Sandsteine,
Kalksteine und Röthelschiefer lediglich herrschen und in gewissen
Theileu des Beckens ein Uebergreifen dieser letzteren Gesteine
(unteres Rothliegendes) auf ältere Carbonschichten stattfindet.
Zur unteren Stufe des Rothliegeudeu zählen ausser den
genannten Sandsteinen, Kalksteinen, Röthel schiefem (wozu auch
schwärzlich -graue Schiefer, Braudschiefer oder Walchienschiefer)
hinzutreten, noch ausserdem die Eruptivstufe, eine Schichteureihe,
welche aus deckeuförmigeu Ergüssen von Melaphyr, Porphyrit,
Quarzporphyr, blasigem Quarzporphyr und Porphyrtufi’ besteht.
Diese Eruptivstufe ist namentlich bei Lomnitz (am Stubenberge)
vollständig entwickelt, wo zwei Melaphyrdecken , die durch eine
LXXXIII
Decke von mittelköruigem Quarzporphyr getrennt werden, zu beob-
achten sind. In Lomnitz wird die untere Melaphyrdecke von einer
ellipsoidischen Partie von Quarzporphyr, dessen grösste Durch-
messer 225 Meter und 175 Meter betragen, durchbrochen. Die
gleiche Gesteinsbeschaffenheit, die Lage wie Form der Porphyr-
partie lassen es kaum zweifelhaft erscheinen, dass man in ihr den
Rest eines Eruptivschlottes , von dem die höher gelegene Decke
des Quarzporphyrs aus sich ergoss, zu erblicken habe, lieber den
Melaphyrdecken folgt im Hangenden eine Decke von blasigem
Quarzporphyr, die augenscheinlich aus mehreren Ergüssen besteht
und eine bedeutende Mächtigkeit aufweist; das Porphyrgestein ist
lichtröthlich-braun, enthält porphyrisch Quarzkörner und Krystalle
und Feldspäthe, zugleich aber vielorts kleine Einschlüsse von Milch-
quarz, Melaphyr, Thonschiefer etc. Die Structur des Gesteins ist
zum Theil blasig, zum Theil cavernös; es zieht sich in 1 — 2 Kilo-
meter breitem Streifen von Lomnitz über Wüstegiersdorf bis zu
den Vierhöfen hin. Porphyrtuffe sind ihm an mehreren Stellen in
geringer Mächtigkeit eingeschaltet. — Dasselbe blasige Porphyr-
gestein ist am Königswalder Spitzberge entwickelt, wo es von
einem Melaphyr, der in Dach und Sohle meist Mandelsteinbildung
zeigt, unterteuft wird. Bei Crainsdorf schiebt sich ein derartiger
Porphyr zwischen die untere und obere Melaphyrdecke ein, und
ein ähnliches Porphyrgestein ist bei Kunzendorf am rechten Ge-
hänge der Walditz am Scholzendorfer Thälcheu aufgefunden worden.
Die Lagerungsverhältnisse des Carbons — eine specielle
Gliederung in einzelnen Stufen im Gebiete der Blätter Rudolfs-
waldau und Friedland muss bis zur Durchführung derselben im
Waldenburger Becken verschoben werden — und des Roth-
liegenden sind im nördlichen Theile der Blätter überaus regel-
mässige, bei einem Streichen von NW. nach SO. und einem Fallen
von 20 — 30 0 gegen SW. folgen die beiden Foi’mationeu gleich-
förmig aufeinander. In der südlichen Hälfte des Blattes sind jedoch
in beiden Formationen Störungen von bedeutender Länge und Grösse
der Sprunghöhe vorhanden. An der äussersten Südostecke des
Blattes bei Kunzendorf tritt eine grosse Verwerfung in das
Kartengebiet ein, welche schon vor Jahren von mir an der
f*
LXXXIV
Ostseite des Grabhrozuges festgestellt wurde und deren Sprung-
höhe mindestens 300 Meter beträgt. Carbon und Rothliegendes
werden längs des Walditzthales bis zum Mölkener Thale in ein
tieferes Niveau gebracht; Querverwerfungen ermöglichen das Ab-
sinken der Gebirgscholleu. Während die Hauptverwerfung in
diesem Theile nach NW. verläuft, springt südöstlich der Tinzen-
koppe eine N.-S. verlaufende Verwerfung nach N. ab, welche den
westlichsten Theil des Feldes der Wenzeslaus- Grube dui’chsetzt
und die Culmgrenze bei Col. Städtisch -Eule erreicht. — Ein
anderes System von Sprüngen, theils nordsüdlich, theils nordwestlich
streichend, setzt sich am Südraude der Karte bis zur Col. Schulzeu-
dorf fort. Die grösste und längste der Verwerfungen wurde aber
westlich dieser, von Col. Achthäuser, über Col. Fichtig, den Königs-
walder Spitzberg, Königswalde bis Col. Goldwiese festgelegt, wo-
durch ein Carboustreifen westlich dieser in h. 10 verlaufenden Ver-
werfuugslinie stehen geblieben, ein anderer Streifen von Rothliegen-
dem und Carbon dagegen gesunken ist; nordöstliche und ostwest-
liche Querverwerfungen haben bei Goldwiese und Neu-Wüstegiers-
dorf das Absiuken dieser Schollen von den nördlichen ungestörten
Rothliegenden- und Carbon -Schichten bewerkstelligt. Zerstücke-
lunajeu innerhalb der Schollen treten namentlich am Könia^swalder
Spitzberge auf, wo die Porphyr- und Melaphyrdecken von Quer-
verwerfungen betroften worden sind. Ebensolche Verwerfungen
wurden in der Eruptivstufe bei den Vierhöfen und Köuigswalde
(Blatt Rudolfswaldau) sowie zwischen Lomnitz und Freuden-
burg (Blatt Friedland) nachgewiesen.
Auf Blatt Reichenbach befasste sich die Kartirung mit der
Festlegung Amn den inselartig aus dem Diluvium hervorragenden
Gneisspartien bei Gärtz, Faulbrück, Neudorf und Dreissighuben.
Die Gneisse sind Biotitgneisse und stimmen hinsichtlich ihrer
petrographischen Beschaffenheit sowie ihrer Einlagerungen mit den
Gneissen des Eulengebirges überein. Bemerkenswerth ist die
Auffindung von ächtein Granulit, der eine 5 — 6 Meter lange und
mehrere Decimeter starke Linse im grobflaserigen, stark wellig ge-
bogenen Biotitgneisse südlich Dreissighuben im dortigen Stein-
bruche bildet und neben zahlreichen kleinen Granaten reichlich
LXXXV
blass -bläulichen oder farblosen Cyanit (Distlien) führt; letzteres
Mineral wurde auch in manchen Feldspathflasern von granat-
führendem Gneiss aufgefunden; als Gemengtheil des Gneisses ist
das Vorkommen von Disthen bei Dreissighuben das erste in
Schlesien zu nennen.
Mittheiluno; des Herrn G. Berendt über wissenschaftlich
neue Ergebnisse bei der Aufnahme des Blattes Stettin.
So wenig sich allerdings erwarten liess, dass wirklich neue
Ergebnisse nach den namhaften Erfolgen, über die ich in Ver-
bindung mit dem Voi’schreiten der geologischen Kartenaufnahmen
im Flachlande im Vorjahre berichten durfte, schon jetzt wieder
' zu verzeichnen sein würden, um so erfreulicher ist es, dass dennoch
wenigstens für die genannten Aufnahmen neue Beobachtungen
vorliegen. Es ist dies die Folge davon, dass diese Aufnahmen
mit dem Beti’eteu der Stettiner Umgegend ein Gebiet erreicht
haben, in welchem das Tertiär vielfach durch die diluviale Decke
hindurchleuchtet oder dieselbe gänzlich zerrissen hat.
Das Hervortreten des Tertiärs, das mehr oder weniger
als eine Emporpressung desselben bezeichnet werden kann, und
andererseits die Berührung des Tertiärs m i t d e m D i 1 u v i u m
sind daher auch die beiden Punkte, welche — wenigstens in dem
beobachteten Umfange — als neu bei den Kartenaufnahmen im
Flachlande hierher gehören und auf kurze vorläufige Besprechung
Anspruch machen dürfen, ebenso wie drittens das Auftreten
von Schwarzerde in der Stettiner Gegend als für diesen Theil
des Flachlandes neu Erwähnung verdient.
Dennoch sehe ich mich vei'anlasst, von einem näheren Ein-
gehen auf die im ersten Punkte augedeuteten Lagerungsverhält-
nisse des Tertiärs jetzt noch abzusehen, weil ich eine Art des
Emportretens älteren Gebirges, der Kreide und des Tertiärs, aus
der Stettiner Gegend bereits früher beschrieben habe ^), während
die betreflPeuden neueren Beobachtungen noch nicht abgeschlossen.
b Kreide und Tertiär von Finkenwalde bei Stettin enth, in Zeitschr. d.
Deutsch. Geol, Ges., Jahrg, 1884, S. 866,
LXXXVI
namentlich noch nicht gleich weit gediehen sind. Soviel aber
muss zum Verständniss des zweitgenannten Punktes, der Be-
rührung zwischen Tertiär und Diluvium, auch hiervon schon er-
wähnt werden, dass das Tertiär innerhalb des Blattes Stettin,
wie des nach Norden austossenden Blattes Pölitz in einer flach
sattelförmigen Aufpressung des mitteloligocänen Septarienthones
besteht, welche einen Durchmesser von etwa 1 Meile besitzt.
Der Umstand, dass eine 5 — 8 Meter mächtige Bank des be-
kannten gelben Stettiner Sandes unweit des Hangenden des Sep-
tarienthones in demselben eingelagert sich findet, gestattet ein
Urtheil über das allmähliche allseitige Ansteigen der Schichten
des auf den ersten Blick fast ungeschichtet erscheinenden Septarien-
thones zur Höhe dieses Warsow-Stolzenhagener Tertiär -Plateau.
Das letztere erhebt sich um wenigstens 75 Meter über die etwa
25 Meter betragende durchschnittliche Höhe der Gesammt-Hoch-
fläche und erreicht unweit des Teufelsbruches nahe dem Nord-
rande des Kartenblattes Stettin mit 120,9 und 131,1 Meter Meeres-
höhe seine grösste Erhebung.
Ueberall an den Rändern und in den allseitig in diesen
hiuabführenden Schluchten und Wasserrissen zu Tage tretend,
bildet der Septarienthon auf der eigentlichen Hochfläche auf grosse
Strecken hin ganz oder unter nur dünner Decke die Oberfläche.
Diese dünne Decke des Diluviums ist es, welche als Berührungs-
schicht beider Bildungen, des Diluviums und des Tertiärs,
unsere Aufmerksamkeit erregt und bisher, wenigstens in so grosser
Ausdehnung, bei den Aufnahmen im Flachlande noch nicht beob-
achtet worden ist.
Von einer blossen Bestreuung mit mehr oder weniger dicht
gesäeten diluvialen Geschieben beginnend, ist nämlich der Septarien-
thon, oft auf weite Flächen hin in seinen obersten 2 oder 3 bis selbst
5 Decimetern bald mehr bald weniger durchknetet mit diesen Ge-
schieben, zuweilen auch mit Spath-Grand und Sand innig gemengt,
so dass er in letzterem Falle schon geradezu als ein allerdings
noch immer sehr fetter Geschiebemergel bezeichnet werden darf.
Dadurch aber, dass man auch in diesem Falle seinen Haupt-
bestandtheil sofort als den tertiären Septarienthon erkennt, welcher
LXXXVII
in seinem Liegenden dann nnmittelbar folgt, charakterisirt sich
diese Decke sogleich als eine durch Aufarbeitung und Durch-
knetung entstandene Gi’enzbildung, auf welche der von Herrn
Wahnschaffe s. Z. eingeführte Namen »Lokalmoräne« auzu-
wenden sein würde.
Eine solche Lokalmoräne bedeckt mehr oder weniger regel-
mässig aber auch da den Septarieuthon, wo die Kartenaufuahme
echten Geschiebemergel als Oberflächenbilduug angeljen musste,
nur dass sie hier nicht die Oberfläche, sondern wirklich die
Zwischenschicht beider Formationen bildet. In beiden Fällen ist
das Haupteigenthümliche , der wie gesagt diese Grenzbildung als
solche kennzeichnende innige, ein Uebergang zu ueuueude Zu-
sammenhang mit dem ungerührten tertiären Septarienthon selbst.
Dadurch unterscheidet sich eine solche wirkliche Grenzbildung
eben von den in gewissem Grade ähnlichen Uebergangsbildungen
innerhalb des Diluviums, welche ihre Entstehung aus zerstörten
Schichten älteren Gebirges mehr oder weniger deutlich erkennen
lassen.
Ich erinnere z. B. an die durch beigemeusrte Braunkohlen-
theilchen tiefbraun gefärbte Ausbildung manchen Unteren Geschiebe-
mergels, oder auch an die durch beigemengte Milchquarze u. dergl.
des zerstörten Tertiärgebirges in ihrem Bestand und Aussehen völlig
veränderten Diluvialsaude der Lausitz und angrenzenden Gebiete,
welche schon Girard Veranlassung gaben, dieselben als südliche
Diluvialbilduugeu zu unterscheiden.
Da aber nun in Folge des völlig undurchlässigen Thouunter-
gruudes der Stettiner Lokalmoräne, welcher einen selbst bei der
heutigen fleissigeu Beackerung nicht gänzlich auszumerzeuden
Rohrwuchs hier und da mitten zwischen der Halmfrucht zur Folge
hat, von jeher, und zwar schon in der Diluvialzeit beginnend, eine
starke Humusbilduug vielfach auf derselben stattfand, so begegnet
die Aufnahme hier zwischen Elbe und Oder zum ersten Male auch
der aus West- und Ostpreussen und andererseits aus der Altmark
westlich der Elbe bekannten Schwarzerde.
Diese Schwarzerde, welche durchaus zu trennen ist von
dem Vorkommen einer Moorerde innerhalb von Senkungen, wie
LXXXVIII
es mehr oder weniger jeder undurchlässige Boden aufweist, be-
schränkt sich aber auch hier, gerade wie an genannten übrigen
Stellen ihres Auftretens keineswegs nur auf den Thonboden
allein. Eher kann man einen solchen Zusammenhang mit dem
Thon-Untergrund nachweisen. Denn fast überall, wo ausserhalb
der Oberflächenverbreitung des Septarienthons, oder seiner Local-
moräne, in der Nachbarschaft auch die Rinde des Oberen oder
Unteren Diluvialmergel oder gar noch sandigerer Bildungen des
Diluviums auf 2, 3 bis 5 Decimeter zu Schwarzerde umgewandelt
ist, steckt doch — gerade wie in Westpreussen bei Mewe und
Pelplin der Diluvialthon — der Septarienthon, den tieferen Unter-
grund bildend, unter jenen Bildungen.
Analysen geeigneter Bodenprofile, wie sie sich ebenso auf dem
westlich an Stettin anstossenden Blatte Kreckow finden und von
Herrn G. Müller auch dort entnommen wurden, werden das
Gesagte in der Folge des Weiteren erläutern.
Mittheilungen des Herrn G. L attermann über Aufnahme-
arbeiten auf den Blättern Ringenwalde und Colbitzow.
Die vor mehreren Jahren von Herrn G. Berendt begonnenen
Aufnahmearbeiten auf Blatt Ringenwalde wurden in diesem Sommer
zu Ende geführt.
Wie in den übrigen Theilen des Blattes ergab sich auch in
dem östlichen Drittel ein starkes Ueberwiegen der oberdiluvialen
und alluvialen Bildungen gegenüber dem unteren Diluvium. Die
zusammenhängende Decke oberen Geschiebemergels, der mannigfach
und z. Th. auf grösseren Flächen durch oberen Sand verkleidet
wird, wird nur an wenigen Stellen von unterdiluvialen Bildungen:
Spathsand, Mergelsand und Thonmergel, unterbrochen. Im Süden
liess sich das Gebiet des alten Grimnitzsees über die Grenzen des
Blattes Joachimsthal hinaus bis in die Nähe von Glambeck und
Parlow hin verfolgen. Der jetzt trocken gelegte Mellnsee ist eben-
falls dem Gebiet des ehemaligen Stausees zuzurechnen. Eine wall-
*) Dieses Jahrbuch für 1886, S. 113 und 114,
LXXXIX
artige Fortsetzung der Endmoräuebildungeu auf der W.- Hälfte
des Blattes findet sich in dem neu aufgenommenen Gebiete nicht.
Nur ein Feldestheil N. Forsthaus Neuhaus weist eine starke Be-
streuung mit mächtigen Blöcken auf.
Blatt Colbitzow erwies sich reich an tertiären Bildungen.
Theils liegen diese innerhalb der diluvialen Hochfläche natürlich zu
Tage, theils sind sie durch die erodirende Thätigkeit des Wassers
am Odergehänge blossgelegt. Septarienthon ist namentlich um
Schmellenthin und weiter nördlich entwickelt, sodann am Oder-
gehänge bei Vw. Wilhelmshöhe und Nieder-Zahden. Neben dem
gewöhnlichen braunen , gelben oder grauen Septarienthon zeigt
sich au letzterer Stelle auch ein chokoladefarbener, gekennzeichnet
durch gelbe, feinsandige Ausscheidungen. Diesem kommt wahr-
scheinlich geologisch eine etwas höhere Stellung — über dem
Stettiner Sand — zu. Die Analyse ergab D/2 pCt. Kohle. Mehr
oder weniger thonige Glimmersande (oberoligocäne Meeressande)
sind mit dem Auftreten des Septarienthons örtlich eng verknüpft.
Sie sind deutlich geschichtet, stellenweis von zahlreichen feinen
Thonbänkchen durchzogen. Bei Vw. Wilhelmshöhe lagern sie sich
in saigerer Stellung an Septarienthon an , bei Niederzahden
liegen beide horizontal und werden vom Diluvium (Geschiebe-
mergel) concordant überlagert. Beim Septarienthon gehen die
Lagerungsstörungen, begünstigt durch die Plasticität des Materials,
so weit, dass man ihn wohl auch — so bei Nieder-Zahden —
auf oberem Geschiebemergel findet. Die märkische Braunkohlen-
bildung ist vertreten durch weisse Quarzkiese , die durch Kaolin
verkittet sind, oder Nester von reinem Kaolin einschliessen. Sie
treten, in ihrer räumlichen Ausdehnung unbedeutend, in der Um-
gegend von Hohen- Zahden, sodann bei Vw. Klein -Reinkendorf
zu Tage.
Das untere Diluvium ist schwach entwickelt, unterer Geschiebe-
mergel tritt überhaupt nicht zu Tage. Spathsande, in den hangenden
Schichten reich au Mergelsanden und Thonmergeln, stören nur au
wenigen Stellen den Zusammenhang der ausgedehnten Geschiebe-
mergelfläche. Von Interesse sind die Erosionsbildungen am Oder-
gehänge SO. Schöningen: Canonai'tige Schluchten in einem dick-
Xü
bäukigeu, gleichköruigeu Diluvialsaud, welcher von oberem Mergel
horizontal überlagert wird. — Grand- und Geröllbildungen im
unteren Diluvium erreichen eine aussergewöhnliche Mächtigkeit
(bis über 15 Meter) SO. Hohen - Zahdeu. Die dickbänkigen
Schichten sind verkittet durch ein eisenschüssiges, aus beigemengten
Septarien stammendes Gement. Au ihrer Basis, theilweise noch in
dem imterlagernden Septarienthon eingebettet, finden sich mächtige
Kuollensteinblöcke , die hier jedoch keine zusammenhängende
Schicht bilden.
Zwei Grauddurchraguugszüge durchziehen in SSW.-Richtuug
die Südhälfte des Blattes. Von dem einen, der bei Colbitzow be-
ginnt, entfallen 5 Kilometer auf das Blatt, von dem anderen, der
seinen Anfang bei Nadrense nimmt, 3. Ersterer ist besonders
schön und regelmässig in der Nähe von Neu-Rosow ausgebildet.
An dem Aufbau der Dnrchragungszüge sind vorwiegend geröll-
reiche oberdiluviale Bildungen betheiligt. Sie umschliessen mantel-
förmig einen Kern uuterdiluvialer steilgestellter Schichten.
Der obere Geschiebemergel besitzt die normale Ausbildung,
stellenweise jedoch wird er durch Aufnahme von Material aus dem
Untergrund thouig oder auch mergelsaudartig. Jede ueuneuswerthe
Steinbestreuuug ist an das Auftreten der Dnrchragungszüge ge-
bunden. Im NO. -Winkel des Blattes zeigen sich, unabhängig
von jeder Höhenlage, Bildungen von Schwarzerde auf dem Ge-
schiebemergel. Die Analyse lässt es ausser allem Zweifel, dass
sie ohne Umlageruug aus dem Mergel entstanden sind.
Was die Bildung des Oderthaies betritft, soweit es in den
Bereich des Blattes fällt, so hat man dieselbe wohl hauptsächlich
auf Erosion zurückzuführeu. Davon zeugt die Beschaffenheit der
Ufer. Stellenweise jedoch scheint der Oderlauf eine Anlehnung
an vorhandene Terraiuformen gefunden zu haben, z. B. um Schillers-
dorf und Unter -Schöuingen, wo der Geschiebemergel sich bis iu’s
Flussthal hinabzieht.
Mittheiluug des Herrn M. Scholz über die Aufnahmen
auf der Insel Rügen.
Die Aufnahmen erfolgten im Bereiche der Blätter Vilmnitz
östl. Theil, Middelhagen, Gross -Zicker mit Gross -Zicker-Höwt,
XCI
Lubkow und Bergen westl. Theil. Die iin südöstlichen Theile
von Rügen (Mönchgut), aber auch am ganzen Ostrande der Insel
stattgehabte Vernichtung des Landes durch Abrasion in Folge
der Brandung und durch Senkung ergiebt werthvolle Aufschlüsse,
welche z. Th. schon in der Abhandlung im Jahrb. 1886, S. 203 IF.
angedeutet werden konnten, aber durch die Aufnahmen wesentlich
und vollständiger ins Licht gesetzt wurden.
Im Jahre 1889 handelte es sich insbesondere um genauere
Feststellung des Küstencharacters von Mönchgut und der Granitz,
sowie der letzteren Fortsetzung als schmale Heide bis in den süd-
lichen Theil des Blattes Sagard hinein. —
Verfolgt man zunächst die Küstenländer und zwar in der
Richtung von S. nach N. an dem ganz besonders zerrissenen
Mönchgut bis zur Blattgrenze, so ergiebt sich Folgendes:
Das Thiessower Höwt oder Süd-Perd (nicht zu ver-
wechseln mit der an der Ostseite des kleinen Jasmunder Bodden
liegenden, in denselben hineinragenden Halbinsel Thiessow) ist
dem Göhren’schen Höwt (Nord-Perd) ganz ähnlich gebaut und
bildet nur eine Fortsetzung derjenigen Ablagerungen, welche von
dem zwischen beiden liegenden Alluvium unterbrochen sind. Aehn-
lich verhält sich die Erhebung von Klein-Zicke r, ferner das
sehr hügelige Terrain zwischen Gross -Zicker und Gager,
endlich die sog. Reddevitz, eine schmale Zunge, welche sich
vom Dorf Middelhagen nach SW. zu in die Ostsee hineinerstreckt.
An dem Höhenzuge von Lobbe, südlich von und ungefähr
pai’allel demjenigen der Reddevitz kommen Reste von Tertiär
(mittleres Oligocän) vor. Obwohl sich die hier von mir früher
gefundenen scheinbaren Septarien - Bruchstücke nachträglich als
Bruchstücke aus einer im unteren Diluvium liegenden Thoneisen-
steinablagerung herausstellten, so können doch die an derselben Stelle
noch auftretenden Reste eines braunkohlenartigen schwarzen Thones
nur für Tertiär, und zwar für Braunkohlenbildung, gehalten wer-
den. Der äussere Habitus dieser Kohle, welche bereits früher von
Plettner, einem bekannten Brauukohlenkenner, als Knorpelkohle
angesprochen wurde, spricht noch nicht für Lias- oder gar W ealden-
kohle, für welche sie von Deecke wegen ihres der Bornholmer
Kohle ganz gleichsehenden Habitus gehalten wurde (Deecke, Mitth,
XOII
uaturw. Verein f. Neuvorp. ii. Rügen 1888, 8. 3). Ferner spricht
auch das Vorkommen eines Glaukonit-führenden Quarzsandes bei
Lobbe eher für Tertiär, als für den bisher nirgends in der Gegend,
ausser in Geschieben, gefundenen Jura bezw. Wealden.
Das dem Thiessower ganz ähnliche Göhren’sche Höwt
lässt kein Tertiär erkennen. Während in einen Brunnen im
Dorfe Göhren noch bis 23 Meter Tiefe blaugrauer Geschiebe-
mergel verfolgt, aber nicht durchteuft wurde, fanden sich am Höwt
(Ausser, d. h. Ostseite) selbst von unten nach oben circa 30 Meter
blaugrauer Moränenmergel des unteren Diluviums und über dem-
selben circa 10 Meter aus jenem durch Oxydation entstandener gelb
gefärbter Mei’gel gleich Lobbe. Auf diesem liegt kalkhaltiger Spath-
sand und erst auf letzterem der gelbe Geschiebemergel des oberen
Diluviums. Für letztere Altersbestimmung entschied sich die
Versammlung d. Deutsch, geol. Ges., welche das Höwt am
13. August 1889 besuchte.
An Thiessow schliessen sich ihrer Lage nach die Erhebungen
von Klein-Zicker und dem sehr hügeligen Gebiet von Gross-
Zicker und Gross-Zicker-Höwt an. Klein-Zicker besteht
am Steilrande aus Unter-Diluvium, wie Göhren, nur seine Ober-
fläche ist, wie dieses, mit Ober-Diluvium bedeckt. Dasselbe ist
der Fall bei den Hügeln von Gross-Zicker mit ihrem west-
lichen Steilrande, den durch Abrasion verkleinerten Flächen von
Gross-Zicker-Höwt. Auf letzterem, d. h. dem Gebiete von Gross-
Zicker bis Gager ist ein Streichen der Höhen bezw. der zwischen
ihnen liegenden Thal -Einseukungen in der Richtung von SO.
nach NW. unverkennbar, welche Richtung sich auch über die
Reddevitzzuuge hin, z. B. in den Höhen und der Einsenkung
westlich von dem zu Alt-Reddevitz gehörigen Coinetbauern-Hofe,
ausspricht und selbst noch auf dem Halbinsel-Zipfel am Hof Gobbin
verfolgbar ist. —
Auf Blatt Putbus scheint ein Streichen der Höhen ähnlich
wde auf Gross-Zicker stattzufinden, erst auf Blatt Bergen ändert
sich dasselbe, indem die Höhen der hier entwickelten Moränen-
landschaft zwar zwischen der Stadt und dem Rugard deutlich
von SW. :NO., also entgegengesetzt demjenigen von Gross-
XCIII
Zicker liegen, sich aber fächerförmig im Knotenpunkte des Rugard
auorduen und nach SO. zu ebenfalls wieder entsprechend dem
Streichen Gross - Zicker/Gager in der Richtung SO. : NW. er-
strecken.
Die Faltungen des ganzen Gebietes fanden wahrscheinlich
zugleich mit denen der Kreide in der Glacialperiode statt und die
Oberflächen wurden erst später zur Zeit der Abschmelze von den
Schmelz- und den späteren Tagewässern vertieft, bezw. auch die
den Hauptstreichungsrichtungen SO. : NW. entgegengesetzt in der
Richtung streichenden NO. ; SW. -Thäler ausgearbeitet. —
Au der Küste der Granitz ist fast überall dieselbe Schichteu-
folge erkennbar und für die SO. -Küste, nördlich von Sellin, nur
der Umstand zu berücksichtigen, dass der die Granitz bildende
Decksand die Küstenprofile vielfach überrutscht hat und noch
überrutscht und diese dadurch nur au einzelnen Stellen hervor-
treteu lässt. Der Bau dieses Küsteutheils entspricht, wie dies
ja auch zu erwarten ist, demjenigen vom Göhren’schen Höwt.
Die schmale Haide ist nur wenige Meter über den Meeres-
spiegel erhoben und trägt au ihrer Aussenseite (Ostseite) Dünen
von circa 3 Meter Höhe. Ihre Basis besteht aus Flintablagerungen
von circa 3 Meter Stäi-ke, soweit dies die in ihnen nur schwierig
durchzuführendeu Bohrungen und einzelne, zum Gewinnen von
Flint für die Glasfabrikation gemachte künstliche Löcher nach-
zuweiseu vermögen. Indessen ist es nicht unmöglich, dass diese
Flintlager erheblich mächtig sind. Dies würde um so wahrschein-
licher sein, wenn man, wie ich glaube, diese Lager aus der senonen
Kreide entstanden denkt, so jedoch, dass dieselben nicht etwa aus
letzterer von Jasmund oder von Altenkamp her zur Quartärzeit
zusammengespült sind, sondern lediglich durch Abrasion der
unter Rügen ursprünglich eine Ablagerung bildenden Kreide nach
erfolgter Zerstörung der letzteren liegen blieben. Zu jüngerer Zeit
hat sich dieser Kreidezug wahrscheinlich von Jasmund nach S.
bis Haidehof und Prora eistreckt. Er verschwindet gegenwärtig
hier unter Diluvialsanden, legt sich aber im S. des Blattes Lubkow
nördlich von Hof Tribberatz sowie in einer Grube zwischen
Tribberatz und Dorf Carow wieder au. Wie weit er sich bis
xclv
Altenkamp fortsetzt, ist jetzt nicht zu erkennen, jedenfalls reicht
an letzterem Orte die Kreide kaum ’/2 Kilometer in das Ufer hinein
(bis Rosengarten?) und wird dann vom Diluvium bedeckt. Die
nordischen Gerolle, welche sich am Ostrande der Haide und
zum Theil in den Flintlagern derselben finden, sind jedenfalls im
Laufe der Zeit durch die Brandung in diese Flintlager hinein-
gespült worden.
Die von der schmalen Haide in den kleinen Jasraunder Bodden
sich hineinerstreckenden Halbinseln Bülitz im S. und Thiessow
im N. erheben sich jene bis zu 30,.3 Meter, diese bis 27,5 Meter
und bestehen aus Diluvium, indem sie mit Oberdiluvium bedeckt
sind und an den Steilrändern durch Abrasion blossgelegtes Unter-
Diluvium zeigen. Desgl. hat der in seiner westl. Hälfte schon
zu Blatt Bergen gehörige Pulitz, eine kleine geologisch zwischen
genannte Halbinseln gehörige vom Kl. Jasmunder Bodden um-
flossene Ganzinsel oben bis 28,5 Meter Höhe Decksand mit ober-
diluvialen Geschiebemergelschollen, während die Steilränder unter-
diluvial sind. Erst am Südende von Jasmund, am Hülsen-
kruge, tritt an der Ausseuküste die unterdiluviale Moräne auf
einer kleinen Kreidekuppe hervor. —
Kehrt man jetzt von hier noch einmal auf das Gebiet des
Blattes Vilmnitz zurück, dessen Osthälfte 1889 zur Aufnahme
kam, so ist zunächst aus der Aufnahme der schon 1888 kartirten
Westhälfte der Umstand wiederholt zu betonen, dass vor dem
sonst auf Rügen ausser bei Lobbe fehlenden Tertiär in den
Gruben bei Wobbanz östlich von Putbus eiu fetter, graublauer
Thon aufgeschlossen ist, welcher sich durch die in der Nähe am
Strande vorkommenden ächten Septarienbruchstücke mit Gyps-
krystallen als Septarienthon erkennen lässt. Diese Septarien-
Bruchstücke sind nicht zu verwechseln mit solchen Thoneisen-
steinschalen (vergl. das oben über Lobbe Gesagte), welche einer
in der Nähe am Steilrande liegenden nur wenige Decimeter
mächtigen und, wie anzunehmen, zum Unterdiluvium gehörigen
sandigen Schicht angehören, die ebenfalls Bruchstücke au den
Strand geliefert hat.
Die in den Rügen’scheu Bodden nördlich der Having hinein-
xcv
ragende Gobbiner Landzunge lässt zur Zeit kein Tertiär ent-
decken. Am Burg wall südöstlich von Gobbin findet man auf der
nach oben, wie am Göhren’schen Höwt zu gelben Geschiebemergel
oxydirten blaugrauen Moräne des Unter -Diluviums eine Schicht
von feinem diluvialthonartigen Fayencemergel, welche ihrerseits
von oberdiluvialem Spathsand bedeckt wird.
Auch die Steilküste au der Having von Seedorf bis Moritz-
dorf muss noch zum Unterdiluvium gerechnet werden, da sie zum
Theil aus Fayencemergel auf blaugrauem Geschiebemergel besteht.
Die mehrerwähnte Reddevitz-Zunge, welche im SW. in
das Reddevitz-Höwt endet, bildet ihrerseits die Fortsetzung
des Göhren’scheu Höheuzuges und ist auf ihrer Höhe mit ober-
diluvialem Geschiebemergel bedeckt, unter welchem, z. B. in einer
Grube südwestlich vom genannten Ausbau von Alt-Reddevitz,
kalkiger Sand aufgeschlossen ist. Das Steilufer der ganzen Zunge
besteht aus Unterdiluvium, wie Göhren-Höw't, ebenso ist Redde-
vitz-Höwt auch selbst gebaut. —
Die Insel Vilm lässt kein Tertiär erkennen, nur Qixartär.
Die di’ei Theile grosser, mittlerer und kleiner Vilm erinnern
an ein Streichen von SO.— NW. , wie Gross-Zicker-Gager. Die
Steilufer, z. B. das südöstliche Kochufer bestehen aus Unter-
diluvium.
Die neue Bahn Lauterbach-Putbus endlich schliesst
südlich von Bahnhof Putbus Unterdiluvium auf, welches in dem
Blatt Putbus allmählich in den das ganze letztere Blatt bedeckenden
oberdiluvialen Geschiebemergel übergeht. —
Das 1889 hauptsächlich in ihrem westlichen Theile aufge-
nommene Blatt Bergen ist in seinem höheren Theile (Rugard-
höhe bis Patzig) Moränenlandschaft. Der flachhügelige West-
theil ist, wie Blatt Putbus, aus oberdiluvialem Geschiebemergel
gebildet. —
Mittheilung des Herrn H. Grüner über die Aufnahmen
des Blattes Glöwen.
Von den auf Blatt Glöwen vertretenen Ablagerungen bieten nur
die tertiären und zum Theil die diluvialen einiges Bemerkenswerthe.
XCVI
Das oberflächliche Vorkommen der ersteren beschränkt sich zwar
nur auf vereinzelte kleine Striche zu beiden Seiten der Berlin-Ham-
burger Chaussee östlich von Kunow, in grösserem Umfange treten
sie aber im nordöstlichen Theile des Blattes in den Senken, Rinnen
oder beckenförmigen Vertiefungen, 1 bis 3,0 Meter mächtig von
Diluvium oder Abrutschmassen bedeckt, auf; und da sie auch auf
dem dortigen Plateau vielfältig durch Handbohrungen unter Resten
von Diluvialmergel nachgewiesen werden konnten, so scheint der
gesammte Kern der etwa 2 Quadratkilometer grossen Hochfläche
aus Tertiär zu bestehen. Da letzteres ferner auf dem anstossenden
Blatte Demertin bei Dölln und Gumtow an vielen Punkten un-
mittelbar zu Tage tritt, oder durch die zahlreichen Bohrungen er-
schlossen wurde, welche der dortige Bergbau veranlasste, so dürfte
die Längenausdehnung des Tertiärs auf etwa 12 Kilometer ver-
anschlagt werden. Ob dasselbe auf die nördlich anstossenden
Blätter Lindenberg und Kolrep übergreift, lässt sich zur Zeit
noch nicht feststellen, da keine Bohrungen vorliegen, es ist jedoch
wegen der am Kartenrande an den Gehängen bei Beckenthin und
Dölln auftretenden Tertiärablagerungen im hohen Grade wahr-
scheinlich.
Wie der in den Jahren 1860 bis 1865 bei Kunow umgegangene
Braunkohlenbergbau ergab, verbreitet sich aber das Tertiär unter
dem Diluvium nicht gleichmässig, sondern lässt sehr gestörte
Lagerungsverhältnisse erkennen. Die Braunkohlenmulden besitzen
hier nur geringen Umfang und enthalten ein bis zwei, seltener
drei mehr oder weniger stark einfallende, in einzelnen Fällen auch
völlig überkippte Flötze. Gleichen Verhältnissen begegnet man
bei Dölln und Gumtow. Hier finden sich bisweilen sogen. Luft-
sättel, deren Entstehung der Wirkung des zur Diluvialzeit in
Norddeutschland vorrückenden Gletschereises zugeschrieben werden
dürfte. Damit im Zusammenhänge stehen auch die abgeschliffenen
Braunkohlenstücke, welche man vielfach im Deckgebirge — dem
Diluvial -Mergel und -Sand oder -Grand — in jenen Gegenden
anzutreffen pflegt.
Die Tertiärablagerungen des Blattes bestehen hauptsächlich
aus kalkfreiem, äusserst feinkörnigem, schneeweissem, fast aus-
XCVII
schliesslich aus rundlichen Quarzkörnern zusammengesetztem Sand
(Formsand), lettenstreifigem Formsand, feinerem und gröberem,
mit Kohlenstaub und -Stückchen vermengtem Sand (Kohlensand),
glimmerreichem Quarzsand (Glimmersand), rothbrauner, glimmer-
haltiger oder durch innige Beimengung von Kohle intensiv schwarz
gefärbter Letten (Kohlenletten), sehr sandiger oder sandstreifiger
Letten, Thon, Braunkohlenthon, lettiger Kohle (Schmierkohle) und
klein- bis grossstückiger Braunkohle. Hierdurch ist das Tertiär
als zur Märkischen Braunkohlenbildung gehörig charakterisirt.
Mit dem starken Einfallen dieser Tertiärablagerungen steht
die eigenthümliche Erscheinung im Zusammenhänge, dass östlich
von Kunow die Bodenbeschaffenheit ausserordentlichem Wechsel
unterliegt und ein und dieselbe Bodenart sich nur über kleinere
Striche verbreitet. Wie gesagt, finden sich gewöhnlich nur 2 Brauu-
kohlenflötze und nur ausnahmsweise .3 Flötze, wie z. B. am Plateau-
abhang, nahe der Karthane -Wiesen. Hier zeigte sich deutlich das
Ausgehende von 2 übereinander liegenden Flötzen mit zwischen-
gelagertem, 0,6 bis 0,9 Meter mächtigem, feinem, weissem Glimmer-
sand. Das Liegende bildete röthlichbrauner Letten (ohne Formsand),
die wieder ein zwar geringmächtiges Braunkohlenflötz , aber mit
recht guter, grossstückiger Kohle einschloss. Das oberste Flötz
enthielt sehr feine, sogen, »knorpelige« Kohle — ähnlich Kien-
borke — , aber mit guter Breuukraft (gleiche Kohle wurde auch
an der Chaussee in dem zunächst dem Kartenrande liegenden
Abbau gefördert); das zweite Flötz besass sehr grossstückige Kohle,
und wurde die Förderung nur aus dem Grunde eingestellt, weil
die Flötze zu stark nach den Wiesen hin einfielen und das Deck-
gebirge in stark wasserführendem Sand bestand. Ueberhaupt ist
im Ganzen auf der Kunower Feldmark verhältuissmässier wenig:
Kohle gefördert worden, weil diese grösstentheils zu kleinstückig
war und jenseits der Karthane an den Steilgehängen bei Dölln
und weiterhin bei Gumtow sich solche von besserer Qualität
fand, die auch des geringen Wasserflusses wegen eine leichtere und
billigere Förderung gestattete.
Soweit die vorjährigen Untersuchungen festzustellen ver-
Jahrbuch 1889,
g
XCVIII
mochten, gehört die Braunkohle der Kuuower Feldmark den jüngsten,
obersten Bildungen, diejenige bei Döllu einer tiefereu Etage an.
Die am nordöstlichen Kartenraude in der Einsenkung-, un-
mittelbar an der Chaussee auftretende, 0,5 Kilometer lange Tertiär-
ablageruug bildet das Liegende der oberen Brauukohlenbilduug ;
sie enthält kein Flötz, sondern nur sogen. Schmierkohle, Kohlen-
lette, Form- und Glimmersand.
Auf den übrigen Hochflächen des Blattes war Tertiär nicht
nachzuweisen und scheint dasselbe erst in mehr als 30 Meter
Tiefe hier anzustehen, da die etwa 25 Meter tiefen, über ein
Kilometer langen Kiesgruben bei Bahnhof Glöwen, ein über
20 Meter tiefer Brunnen im Abbau von Alt-Schrepkow, sowie
die Steilgehänge zwischen Gr. Leppin und Kletzke nur Diluvial-
ablagerungen erkennen lassen.
Das Diluvium ist auf dem Blatte in allen seinen Haupt-
gliedern vertreten. Oberflächlich am meisten Verbreitung besitzt
das Untere Diluvium mit seinem blaugrauen und rothbraunen
Thon- bezw. Thonmergel, Mergelsand, Fayencemergel, Geschiebe-
mergel, Sand und Grand, die sich jedoch von denjenigen auf den
bisher aufgenommenen Blättern nicht wesentlich unterscheiden.
Nur wenige Worte mögen über die Unteren Grande folgen.
Der Abtragung durch die Gewässer weniger unterworfen,
sind ihre Fundpunkte gewöhnlich schon von Weitem an den
steileren, vegetationslosen Kuppen sichtbar, wie z. B. der Mühlen-
berg bei Gr. Leppin, die 1,5 Kilometer westlich von Kunow ge-
legene Kieskuppe und vor Allem die »Scharfen Berge« bei Glöwen.
Sie alle sind durch umfangreiche Gruben aufgeschlossen, ins-
besondere diejenigen bei Glöwen, welche die Kiesmassen zur Auf-
schüttung des hohen Eisenbahndammes bis Wittenberge und darüber
hinaus lieferten, wodurch über 20 Meter tiefe und 1 Kilometer
lange Grubenaufschlüsse entstanden, welche treffliche Einblicke in
den mineralischen Bestand, die Lagerung und Mächtigkeit des
Grandes gewähren.
In gleicher Richtung, wie die »Scharfen Berge«, finden sich
auf dem anstossenden Blatte Demertiu bei Zichtau 64 bis 73 Meter
hohe, langgestreckte, grandige, stein- und geröllreiche Rücken und
XCIX
Kuppen, die sich in dieser Weise 3,5 Kilometer weit verfolgen
lassen und den Asar im südlichen Schweden resp. den Durch-
ragungszügen in der Uckermark in Parallele gestellt werden
müssen.
In Uebereinstimmung damit stehen die von dem zweiten,
eben erwähnten Grandvorkommen bei Kunow sich nördlich 4 Kilo-
meter weit bis Lindenberg (Blatt Lindenberg) ausdehnenden grand-,
gerölle- und geschiebeführendeu Durchragungszüge bezw. -Kämme,
nämlich der Wolfshagener Berg mit den 78,9 Meter hohen Well-
schen Bergen, an die sich, 2,5 Kilometer davon entfernt, alsdann
der »Steinberg« auschliesst. Aufiallig ist hierbei die Erscheinung,
dass die zuletztgenannten Grandberge (Moränen) in nordsüdlicher,
die ersteren in nordost -südwestlicher Richtung verlaufen.
Ein grosser Theil der erwähnten Kieszüge (Asarbildungen)
dürfte sich unter Decken Oberen und Unteren Diluvialmergels
weiterhin verbergen bezw. diese streckenweise oder in Kuppen
durchragen.
*
c
4.
Personal - Nachrichten.
Am 15. Februar 1889 verstarb in Bonn das Mitglied des
Kuratorium der Bergakademie, der Wirkliche Geheime Rath, Ober-
berghauptmann a. D. VON Dechen.
Vom 1. April 1889 ab ist der bisherige Verwalter des Karten-
archivs, wissenschaftliche Secretär Halfar zum Bezirksgeologen
und der bisherige Bureau -Hülfsarheiter Bottmer zum Secretär
ernannt worden.
Vom 1. Octoher 1889 ab ist der Docent für höhere Mathe-
matik, Professor Dr. Bertram, ausgeschieden und an seine Stelle
der bisherige Privatdocent an der technischen Hochschule in
Charlottenburg, Dr. P. Kötter, getreten.
Die Kulturtechniker Toellner, Hübinger und Blüthner
sind ausgeschieden und der Landmesser Reimann neu eingetreten.
Der zweite Assistent im Laboratorium für Mineral - Analyse
Dr. Bragard ist ausgeschieden und seine Stelle dem bisherigen
Chemiker bei der chemisch - technischen Versuchsanstalt, Dr.
Schröder, übertragen worden.
Bei der chemisch -technischen Versuchsanstalt schieden die
Chemiker Schade und Dr. Jungfer aus und traten dafür die
Chemiker Dr. Hampe und Otto ein.
II.
AbhancIIungen
von
Mitarbeitern
der Königlichen geologischen Landesanstalt.
lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
Vou Herrn H. ProeSCholdt in Meiningen.
(Hierzu Tafel I.)
Iin Jahre 1830 veröftentlichte K. v. Hoff eine Abhandlung ')
über die Bildung des Werrathaies, der er allgemeine Betrach-
tungen über Thalbildung anschloss. Der hochbegabte Forscher
zeigt auch in dieser Arbeit, wie weit seine Anschauungen denen
seiner Zeit vorausgeeilt waren; und sie verdient deshalb der Ver-
gessenheit entzogen zu werden, nicht allein aus historischem,
sondern auch aus sachlichem Interesse, denn manche Theile der-
selben lesen sich, als wären sie in der Gegenwart geschrieben.
K. V. Hoff gründete seine Ansichten über Thalbildung vornehm-
lich auf die Beol)achtuugen, die er am sogenannten Nadelöhr bei
dem Dorfe Heufstedt, eine Stunde unterhallj Themar im Werra-
thal gemacht hatte. Er sah hier, wie ein altes, noch deutlich
sichtbares und mit Gerollen belegtes Flussbett in grosser Ser-
pentine um einen von der linken Thalwand auslaufendeu Sporn
oder Felsendamm sich herumwiudet und ein neues ohne Krüm-
mung gerade auf den Felseudamm losgeht und ihn in der
Alitte durchschneidet, sodass die Werra seiner Angabe nach
ungefähr 80 bis 100 Schritt weit zwischen senkrechten Felswänden
fliesst und so auf dem kürzesten Wege das jenseitige alte Fluss-
') Das Nadelöhr im Thale der Werra und Einif^es über Thalbildungen.
Jabrb. f. Mineral., Geol. etc. 1830, S. 4"-M~44'2.
Jahrbuch 1889.
1
2
H. Proescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
bett wieder erreicht, v. Hoff vermochte diesen Durchbruch aller-
dings nicht zu erklären, er weist aber nach, dass derselbe nicht
durch Menschenhand geschallen ist, ebensowenig durch ein Natur-
ereigniss, welches nur in dem Einsinken des betrofienen Damm-
theils bestanden haben könnte, da zu einer solchen Annahme die
Beschaffenheit der ringsum horizontal geschichteten und an beiden
Seiten sich correspondirend gegenüber stehenden Kalksteinlager
keinen hinreichenden Grund geben kann. Er weist schliesslich
auch darauf hin, dass die Annahme, »der oberhalb des Burg-
walles (des Felsendammes) gelegene Theil des Werrathals sei in
der Urzeit ein durch den Felsendamm geschlossener Landsee
gewesen, und der jetzige Kanal durch den ersteren sei durch den
Fluss eingeschnitten worden«, nicht zur Erklärung hinreiche. Denn
die Hauptschwierigkeit der letzteren liege in dem alten Flussbette,
das neben dem Damme besteht.
Daran schliesst er einen sehr interessanten Ueberblick über
die Wandlungen, die die Ansichten über die Ursachen der Thal-
bildungen erfahren haben. Die vornehmlich von Bourguet ent-
wickelte Erosionstheorie, die von Hutton, Playf’air, Heim u. a.
angenommen worden war, wurde verdrängt, als Saussure auf die
Verhältnisse der grossen Längsthäler aufmerksam machte. Dieser
suchte die Erklärung in einem Phänomen , das er »la graude
debäcle« (Sündfluth) nannte, und das in einem plötzlichen Zurück-
ziehen einer allgemeinen hohen Wasserbedeckung des Erdballs
von den höheren Punkten in die durch Einsiukeu der Erdrinde
entstandenen Tiefen bestand. Plierdurch sollten die Einfurchungen
in den Boden bewirkt worden sein, in welchen die Flüsse ihren
Lauf nehmen. Andere glaubten, dass Ströme im Innern des die
Erde bedeckenden Gewässers selbst den Boden tief genug hätten
einfurchen können, um ihm die Gestalt zu geben, die das trockne
Land mit seinen Thälern jetzt zeigt. La grande debäcle von
Saussure nahm dann Buckland auf und identificirte sie mit der
Sündfluth, und als L. von Buch die Idee von der Erhebung der
Gebirge von innen heraus entwickelt hatte, so glaubte mau den
Weg gefunden zu haben, auf welchem das Zurückzieheu grösserer
Wasserbedeekuno-en nach tieferen Stellen erklärt werden konnte.
O
H. Pkoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet. 3
K. VON Hoff schrieb dem von ihm angenommenen Phänomen von
der Erhebung des Gebirges, ebenso dem Vulkanismus allerdings
p-rosse Veränderungen im Laufe der Gewässer zu, aber er betont,
dass Ereignisse dieser Art, welche ihrer Natur nach von verhält-
nissmässig kurzer Dauer und vorübergehend gewesen sein müssen,
schwerlich allein vermocht hätten, den Charakter und das Wesen
unserer heutigen Flussthäler und der ganzen Stromsysteme der
Festländer und grossen Inseln und die gleichförmige Coufiguratiou
derselben zu bestimmen. Seiner VIeinuug nach werden sorgfältige
Beobachtungen der Eigeuthümlichkeiten in der Gestalt der Thäler
und in dem Laufe der Flüsse, von mehreren Gegenden verglichen,
unfehlbar dahin führen, mit einiger Wahrscheinlichkeit die Grenzen
der verschiedenen Wirkungen zu bestimmen, welche die Thäler
gebildet haben. Seiner Auffassung sucht er in der Darstellung der
Gestaltsverhältuisse des Werrathaies Beweiskraft zu geben.
Dort um die Quellen der Werra kann nach seiner Meinung
die Erhebung des Gebirges und die damit verbundenen Zer-
reissungen und Vertiefungen den kleinen Bächen ihren ersten
Lauf vorgezeichuet haben. Weiterhin erklärt er es für möglich,
dass die Scheiduugsliuie zwischen dem Buutsandsteiu und dem
Vluschelkalk, welcher der Fluss auf eine lauge Strecke folgt, von
oberhalb Hildburghausen bis Themar, eine ursprüngliche Depression
gebildet hat, welche der Fluss aufnahm. Dagegen ist das Thal
von Themar bis Meiningen, und wahrscheinlich noch viel weiter
hinab, zweifellos das Werk der Erosion.
Es dürfte überflüssig sein, noch weiter auf seine Schilderung
des Werrathals eiuzugehen, doch kann ich mir nicht versagen,
das Resultat seiner Untersuchungen auzuführeu. »Mau wird sich
durch den Augenschein überzeugen, dass die Erosion durch
fliesseudes Wasser diese Thäler nicht blos ausgefeilt und ab-
geglättet, sondern vom oberen Rande bis in den Boden der Flüsse
ganz hei’vorgebracht hat, und dass nur einige Läugenthäler, die
man für älter annehmen kann als ihre Flüsse, wie auch einige
Depressionen an den Flussquellen im höheren Gebirge, sowie an
einzelnen zerstreuten Stellen des Flusslaufes, durch andere Kräfte
entstanden sind, und dass diese nur mit dazu beigetragen haben,
1
4
H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
die Richtung des Flusslaufes au eiuzelueu Puukteu zu bestimmeu,
nicht aber sein ganzes Thal zu bilden.«
Das ist dasselbe Programm, nach dem mau gegenwärtig die
Thalbilduug zu erklären versucht, das namentlich Supan auf-
gestellt hat.
7 Jahre später als von Hoff sprach Engelhardt infolge
einer Verwechselung des Buutsandsteius mit Keuper die Ver-
muthung aus, dass das Werrathal bei Hildburghausen von einem
Verwerfungsspalt durchzogen und wohl vorgebildet sei. Vorüber-
gehend sei hier der eigenthümlichen Idee Herbst’s über die
Bildung der Muschelkalkthäler der Saale und Werra gedacht.
Nach ihm sollten die Risse, welche beim Trocknen und nach-
folgenden Erhärten der einst weichen Kalklageu entstanden
wären, die Thäler vorgebildet haben. In neuerer Zeit berührte
Emmrich infolge seiner eingehenden geognostischen Unter-
suchungen am Südraud des Thüringer Waldes die Frage der
Thalbildung der Werra und ihrer Nebenflüsse. Er erkannte
richtig, dass die Hauptthätigkeit der Gewässer erst nach den
Basaltergüssen begann, und dass ihr letztes Resultat die gegen-
wärtige Gestaltung von Berg und Thal ist. »Dass auch unsere
Thäler nicht als weite, klafieude Spalten entstanden sind, sondern
durch ihre Gewässer ausgehöhlt wurden, beweist die auffallend
geringe Tiefe, in der man bei Legung des Fundaments zu den
Eisenbahubrücken und zu Gebäuden auf die Unterlage des Schutt-
landes trifft. Damit ist aber nicht gesagt, dass nicht Spalten,
welche eine Folge der Erdbeben, die stets vulkanische Ausbrüche
begleiten, die festen Felsmassen zerreissen konnten, dem Wasser
den Weg gewiesen haben, dem sie folgen mussten.« Emmrich
kam somit in der Hauptsache auf die Ansichten von Hoff’s
zurück.
b Studien über die Thalbildung im östliclien Graubünden etc., Mittheilungen
der k. k. geograph. Ges. Wien 1877, S. 295.
b lieber die Formation, in welcher die Tatzenabdrücke etc. Jahrb. für
Mineral., Geologie etc., 1837, S. 379 — 384.
b Jahrb. f. Mineral., Geologie etc., 1842, S. 426 — 427.
b Programm der Realschule zu Meiningen, 1873, S. 14.
H. Peobscholdt, Ueber Tbalbildung im oberen Werragebiet.
5
Einer anderen Anffassiing begegnen wir bei Penck ^). Es
konnte diesem Forscher nicht entgehen, dass zwischen dem heutigen
Lauf der Werra und den tektonischen Verhältnissen des Fluss-
gebietes Beziehungen vorhanden sein müssen ; er verrnuthete sogar,
dass ehemals die Werra gar nicht nach Nordwesteu, sondern nach
Süden abfloss.
Auch Philippson erwähnt in seinen schönen Untersuchungen
über Wasserscheiden das Werrathal, geht jedoch nicht näher auf
die Entstehung desselben ein, sondern deutet nur an, dass die
Werra zu den Flusssystemen gehöre, deren Hauptrichtung vor-
gezeichnet war, ehe die heutigen Belief- und Lagerungsverhält-
nisse zur Ausbildung kamen.
Da zur Zeit die geologische Specialaufuahme des oberen
Werragebietes nahezu vollständig zu Ende gefühi’t ist, dürfte die
Untersuchung von Interesse sein, welche Beziehungen zwischen
dem Verlauf des Thaies und dem geologischen Bau des Landes
erkennbar sind. Jedoch möchte ich erst einio;e alUemeine Be-
merkungen vorausschickeu. Abgesehen von einigen später zu
erwähnenden Umständen geht aus einer Beobachtung Emmrich’s
hervor, dass das gegenwärtige Werrathal sehr jugendlichen Alters
ist. Emmrich fand an der Vorderrhön ül^er Friedeishausen und
Sinnershausen aus dem Thüriua;er Wald stammende Geschiebe
noch zwischen 500 und 600 Meter Meereshöhe. Er erklärte das
Vorkommen durch eine Massenerhebung, welche mit dem Haupt-
ausbruch des Basaltes zusammeufällt. Es bedarf wohl keiner
weiteren Erörterung darüber, dass diese Erklärung heute nicht
mehr für berechtigt erachtet werden kann. Nach der jetzigen
Anschauung können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit aunehmen,
dass zu einer Zeit, als die Berge bei Meiningen z. B. um die
läimst denudirteu Formationswlieder des Oberen Muschelkalks und
O O
Keupers und vielleicht auch um Basaltdecken höher waren, Flüsse
vom Thüringer Wald nach der Rhön hinüberliefeu, dass dieselben
wie die heutigen Abflüsse des Gebirges einen südwestlichen Lauf
*) Länderkunde des Erdteils Europa, Lief. 11, S. 329.
Studien über Wasserscheiden, S. 141 — 142.
a. a. 0. S. 12. Diese Beobachtung bedarf übrigens der Bestätigung.
6
H. Proesoholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
eiuhielten, vielleicht im ursächlichen Zusammenhang mit der älteren,
den hercynischen Brüchen voransgegaugenen Faltung in nordöst-
lich-südwestlicher Richtung 1).
Die Quellbäche der Werra verlassen bei Schirnrod bei Eis-
feld das alte Schiefergebirge, überschreiten hier die grosse Bruch-
liuie und laufen nach ihrer Vereinigung in südwestlicher Richtung
infolge einer Sattelbildung erst durch Wellenkalk, dann durch
Röth und schliesslich wieder durch Welleukalk nach Eisfeld. Hier
stösst die Werra auf die grosse Ueberschiebuug, welche in langer
Erstreckung die Triasschichteu am Südrand des Thüringer Waldes
durchsetzt und durchbricht fast rechtwinklig zum Streichen die
steil aufgerichteten und nordwestlich streichenden Schichten des
Mittleren Buntsandsteius und biegt dann im Röth nordwestlich
um, und zwar gerade an der Stelle, au der sie auf dem linken Ufer
einen Bach aufuimmt, der von Südosten kommt und von der zur
Itz laufenden Lauter durch eine ausgesprochene Thalwasserscheide
geschieden ist. Gegen 16 Kilometer behält die Werra die nord-
westliche und westnordwestliche Richtung bei, ein breites Thal
bildend , an dessen beiden Flanken rechts die Buntsandstein-,
links die Wellenkalkschichten ein gleichmässiges Einfällen nach
Südwest aufweisen. Das Thal ist asymmetrisch gebaut und lässt
im Verein mit den nahezu parallelen Thälern der Schleuse, des
Dambachs und der Rodach recht deutlich die Ungleichheit der
Böschungen erkennen , welche Uilber als allgemein verbreitet
Fig. 1.
') Vergl. Pboescholdt, lieber gewisse, nicht hercynische Störnngen am Süd-
westrand des Thüringer Waldes. Dieses Jahrb. 1887, S. 332 — 348.
Asymmetrische Thäler. Petermann’s Mittheilungen 1886, Heft IV, S. 171
bis 177.
H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
7
und ursächlich bedingt bei parallel verlaufenden Thälern mit
ungleich tiefer Erosionsfurche erkannt hat.
©
Die Asymmetrie des Werrathals ist aber an und für sich
bedingt durch den Umstand, dass die Strömungsrichtung des
Flusses dem Streichen der Schichten parallel ist. In einem
solchen Terrain erzeugt dann die Erosion, wie von Uichthofen
darstellt, ein Thal, das zur Linken eine steile Wand und zur
Rechten ein sanftes Gehänge hat.
Bei dem Dorfe Ebenharz nordwestlich Hildburghausen tritt
die Werra aus dem Röth in den Mittleren Buntsandstein, den sie
bis zum Dorfe Reurieth in sehr schmaler, seltsam gewundener
Furche durchbricht. Hier wendet sie sich scharf nach Norden;
das Thal folgt im grossen Ganzen einer Verwerfung, infolge deren
bis Trostadt am linken Ufer Wellenkalk, am rechten Chirotherium-
sandstein scheinbar horizontal anstehen. Nachdem bei Kloster
Vessra die Schleuse eiugeflossen ist, wendet sich die Werra nord-
westlich, das Thal liegt aber noch über Themar hinaus bis zum
Dorfe Henfstädt auf einer Verwerfung, sodass die beiden Thal-
flanken verschiedenes Gestein und auch sehr verschiedene Lage-
ruugsverhältnisse desselben aufweisen.
Auf der rechten werden die Schichten durch zahlreiche Bruch-
linien 2) so zu sagen zerstückelt, auf der linken liegen sie in un-
gestörtem Zusammenhang. Bei Henfstädt weicht das Werrathal,
in dem die am weitesten nach Süden vorgeschriebene Bruchlinie
verläuft, auf eine kurze Strecke rein westlich ab und kommt da-
durch ausserhalb des Bereichs der Störungen. Nachdem der Fluss
eine kurze Zeit im Röth geflossen, tritt er in Wellenkalk ein,
dessen Bänke in scheinbar horizontaler Lagerung an den steilen
Felswänden hinlaufen. So auch an dem früher erwähnten Nadel-
öhr, einer interessanten und leicht zu erklärenden Erosionserschei-
nung. Es sind hier 4 Flussthäler erkennbar, von denen die beiden
jüngsten am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Ent-
') Führer für Forschungsreisende, S. 166.
2) Die Marisfelder Mulde und der Feldstein bei Themar. Dieses Jahrb. 1882,
S. 190-218.
8
H. Pkoescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
stelumg des gegenwärtigen Zustandes ergiebt sich leicht ans
folgenden Zeichnungen i) :
Fig. 2.
Der Bau der Werrabahn, die durch das FelsrilF läuft, hat
abermals eine Flussverlegung veranlasst und dadurch die Schön-
heit des Nadelöhrs, so nennt man die alte Durchbruchstelle,
wesentlich beeinträchtigt. Die Werra nimmt nun ihre nordwest-
liche Richtung wieder auf und tritt bei Vachdorf aus dem Wellen-
kalk wieder in Röth über, infolge des südöstlichen Einfallens der
Schichten und bleibt darin bis nach Walldorf, obwohl die Schichten
der Thalwände in nordöstlich streichenden Sätteln und Mulden
auf- und absteigen. Bis Untermassfeld nimmt das Thal einen
rein westlichen, von hier über Meining;en bis geijen Wasungen
hin nördlichen Verlauf. Von Walldorf an tritt die Werra in den
Mittleren Buntsandstein über, der sich unter dem Röth hervor-
hebt und bleibt in demselben auf sehr lauge Erstreckung.
Um einen weiteren Einblick in den Charakter des oberen
Werrathals zu gewinnen, ist es zunächst iiöthig, Umschau über
vorhandene Diluvialablageruugen zu halten. Gleich nach dem
Austritt der Werra aus dem Schiefergebirge begleiten mächtige
Schottermasseu den Lauf des Flusses. Sie gehören den jüngsten
Diluvialsedimenteu au und haben weit weniger Bedeutung als
die Schotterablageruug, die auf der Wasserscheide der Werra und
der Itz auf der Stelzuer Höhe lagert und sich 200 Decimalfuss
über den Werraspiegel erhebt ^). Sie beweist, dass zur Zeit ihrer
b Vergl. Schneider, Studien über Thalbildungen der Vordereifel, S. 20.
b Blatt Eisfeld, aufgenommen von Herrn Loketz.
H. Proescholdt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
9
Bildung die Wassei’scheide zwischen W erra nnd Itz an einer
anderen Stelle gelegen haben muss, wenn überhaupt eine vor-
handen war. Geht man im Werrathal abwärts, so sind untere
Diluvialablagerungeu überall vorhanden ; eine obere Diluvial-
terrasse , die der Schotterdecke auf der Stelzner Höhe ent-
spricht, fehlt aber vollständig in der langen Strecke bis lieurieth.
Fast 3 Kilometer südlich vom Werrathal bei diesem Ort liegen
Diluvialdeckeu gegen 200 Decimalfuss über dem Werraspiegel;
und von hier fehlen sie thalabwärts auf beiden Flanken nicht,
auf dem harten Wellenkalkuntergrund immer schöner und cha-
rakteristischer erhalten, als auf dem leicht zerstörbaren Untersatz
von Ivöthschichten. Man kann nun in dem Fehlen der oberen
Diluvialablagerung von Eisfeld und Reurieth eine Zufälligkeit er-
blicken; es ist auch nicht ausgeschlossen, dass der im Schichten-
fall des Terrains begründete asymmetrische Bau des Thaies die
Erhaltung von älteren Diluvialstraten unmöglich macht; immerhin
ist die Thatsache auffällig. Bei weiterer Untersuchung ergab sich
nun, dass die Schotter südlich und auch westlich von Reurieth
nicht von der Werra, sondern von der Schleuse stammen. Es
ergal) sich dies zuerst aus den zahlreichen Sandsteinen des
Schotters, die vielfach der Gerölle- führenden Zone angehören.
Die heutige Werra durchbricht allerdings bei Eisfeld eine schmale
Zone von grobkörnigem und Gerölle-führendem Sandstein, trotz-
dem finden sich Gesteine aus dem Horizont wegen der leichten
Zerstörbarkeit nur ausserordentlich selten in den Unteren Diluvial-
ablagemngen bei Hildlmrghansen und El.)euharz, vielmehr herr-
schen in diesem Quarze und Phyllite derart vor, dass durch die-
selben eiuzis: und allein die Ablasxerunafen ffekennzeichuet werden.
Der Durchbruch der Werra durch den grobkörnigen Sandstein
bei Reurieth, der hier nur in seinen obersten Schichten zu Tage
tritt und nahezu horizontal liegt, ist ohne jede Bedeutung für die
betreffenden Diluvialbildungen südlich und westlich von Reurieth,
da zur Zeit ihrer Entstehung das heutige Werragebiet doch um
mindestens 200 Fuss höher war als jetzt, dasselbe also oberfläch-
lich aus Röth und Welleukalk bestand mit Ausnahme der steil
stehenden Buntsandsteiuzone bei Eisfeld. Ausser o-i’obkörnio-eu
O Ö
10
H. ProeschoijDt, Ueber Tbalbildiing im oberen Werragebiet.
Sandsteiuen und solchen aus der Gerölle-führeudeu Zone, welch’
letztere unmöglich aus der Gegend von Reurieth stammen können,
enthält der fragliche Schotter wenige Kiesel, Phyllite und Erup-
tivgesteine, Porphyrite, Melaphyre u. s. w. Die Heimath derselben
ist meines Wissens nach in dem oberen Schleusegebiet zu suchen.
Nach vielen sorgfältigen Vergleichen zwischen Werra- und
Schleuseschotter hege ich keinen Zweifel mehr , dass die be-
treffenden Diluvialablagerungen von der einstigen Schleuse ab-
gesetzt worden.
Es geht daraus hervor, dass die Schleuse älter ist als die
Werra. Damit steht wohl im Zusammenhang, dass mit dem Ab-
wärtsfallen der ersteren anch nahezu parallel die Meereshöhe des
durchflossenen Gebietes fällt, während die Werra von Eisfeld an
bis gegen Reurieth hin in immer höher ansteigendes Terrain
hineinläuft. Die Schleuse lief damals, wie aus Diluvialablage-
rungen hervorgeht, westlich von Ehrenberg nach Siegritz und
weiter südlich hin.
Aus der Karte (Taf. I) ist leicht ersichtlich, dass die heutige
Werra z. Th. im alten Schleusebett verläuft. Sie ist ein ehemaliger
Nebenfluss der Schleuse gewesen, der wahrscheinlich das gegen-
wärtige Werrathal in der Gegend von Hildburghausen benutzte,
aber um mindestens 200 Fuss höher lief als heute. Auf diese
Wahrscheinlichkeit deutet der Umstand, dass das Werrathal im
geologischen Bau des Terrains vorgebildet ist. Zwar erscheint
dem, der das Thal durchwandert, die Lagerung der Schichten
auf beiden Thalseiten gleichmässig geneigt, wie früher erwähnt;
bei der Aufnahme des Blattes Hildburghausen wurden aber auf
dem rechten Ufer Laijerunofsverhältnisse des Chirotherinmsand-
Steins beobachtet, die im Verein mit der scheinbaren, auffällig
grossen Mächtigkeit des Röths auf dem linken kaum eine andere
Deutung zulassen, als dass die Thalrinne z. Th. längs einer Mnlde
läuft, wie die beigegebene Figur 3 schematisch zeigt.
Derartige Faltungen sind in geneigten Schichten eine nicht
seltene Erscheinnng; bei Hildburghausen scheint nicht einmal eine
örtliche Falte vorzuliegen, sondern die Mulde scheint in Verbin-
dung zu stehen mit einer Verwerfung, die dicht bei Ebenharz im
H. PuoESCHOLDT, Uebei’ Tlialbildung im oberen Werragebiet.
11
Bnntsandstein bemerkbar wird, von dem Feldstein bei Themar
herkommt und die Richtunp; in das Werrathal einschläaft. Es ist
O O
Fig. 3.
kaum iiöthig zu erwähnen, dass die Umbiegung der Röthschichten
nicht secundärer Entstehung ist, d. h. durch Unterwaschuug des
Flusses erfolgt ist, welcher Vorgang ja auch in Thalwäuden häufig
zu beobachten ist.
Fragt mau nach den Factoren, welche den ehemaligen Zu-
stand und das 2:ea:enseitio:e Verhältniss der Schleuse und Werra
im Laufe der Zeit geradezu umkehrteu, deu früheren Hauptfluss
zum Nebenfluss und umgekehrt deu Nebenfluss zum Hauptfluss
machten, so dürften diese unter den gegebenen Verhältnissen einzig
und allein in der rückwärts schreitenden Erosion der einstigen
Werra zu suchen sein. Der Werth der rückwärts schreitenden
Erosion als Thalbildner wird sehr verschieden beurtheilt. Neumayr^)
lehnt die Anwendung dieses Processes zur Erklärung von Durch-
bruchsthälern entschieden ab, Penck will ihn nur unter ganz
bestimmten Voraussetzungen zulassen, Philippson dagegen tritt
als Vertreter desselben auf, und neuerdings vertheidigt Hilber^)
die Theorie der rückwärts schreitenden Erosion oder die Regres-
sionstheorie gegen die von Tietze und Neumayr vorgebrachten
Einwände. Dass die Thäler rückwärts schreiten, dürfte zur Zeit
wohl nahezu allgemein angenommen werden, und ist ja auch eine
') Erdgeschichte. Bd. I, S. 438.
Die Bildung der Durchbruchthäler, S. 42.
Studien über Wasserscheiden, S. 40. Ein Beitrag zur Erosionstheorie.
Petermann’s Mittheilungen 1886, S. 67.
b Die Bildung der Durchgangsthäler. Pbterjiann’s Mittheilungen 1889,
S. 13—16.
Einige Bemerkungen über die Bildung von Querthälern. Jahrb. d. k. k.
geolog. Eeichsanstalt 1882, S. 685.
®) a. a, 0.
12
H. Proescholdt, Ueber Tbalbildung im oberen Werragebiet.
Thatsache; Hilber hat deswegen Recht, wenn er sagt, dass die
Regressionstheorie der Dnrchgangsthäler nicht ansznschliessen ist,
da sie die Konsequenz der ersteren Theorie ist.
Die Regression der ehemaligen Werra führte nnn nicht zur
Bildung eines Dnrchgangsthales, sondern zur Anzapfung der ehe-
maligen Itz, die ihr mit ihrem Stromgebiet, soweit es oberhalb
des Erreichnngspnnktes lag, tribntär wni’dc. Piiilippson hat in
seinen Studien derartige Flnssanzapfnngen so genau geschildert,
dass ich nichts hinznznsetzen vermag.
Die Wirknngen der rückwärts schreitenden Erosion der ehe-
maligen Werra sind besonders an der Beschaffenheit nnd dem
Verlauf der jetzigen Wasserscheide zwischen Werra nnd Itz he-
merkl)ar, die im geologischen Anfhan des Terrains gar keinen, in
der Oherflächenbeschaffenheit nur theilweise Ausdruck findet. Die
Vlain-Weserwasserscheide folgt, von der Rhön kommend, auf lange
Erstreckung einem ost- südöstlich streichenden Sattel, allerdings
durch Denudation nnd Erosion vielfach abgelenkt. Nördlich der
beiden Gleichberge verflacht sich der Sattel, indem gleichzeitig
ans der Sattellinie eine Brnchlinie sich entwickelt, die in eine
nach Nordost o;erichtete Ueberschiebnng übergeht. Dieser folgt
die Wasserscheide mir kurze Zeit, sie verliert dann den tekto-
nischen Charakter vollständig nnd verläuft ohne Beziehung auf
Schichtenstellnng und Lagerung. Sie wendet sich zunächst dem
linken Werranfer zu und nähert sich au manchem Ort dem Elnsse
l)is auf 3 Kilometer. Durch Erosion zngeschärft, begleitet sie
denselben im zickzackförmigen Verlauft) bis nach Eisfeld hin,
biegt südlich von der Stadt weit vom Thal ab nnd zieht in ausser-
ordentlich grossen Vor- und Zurückliiegnngeu über die nordwest-
lich streichenden Schichten. Dann bildet sie in einem Läugsthal
zwischen einem zur Werra fliessenden Bach nnd der in die
Itz sich ergiessenden Lauter, zwischen Herbartswind nnd Rotten-
bach, eine ausgezeichnete Thalwasserscheide. Thalwasserscheiden
entstehen zumeist durch Auzapfnug eines Flusses durch einen
’) Studien über Wasserscheiden, S. 55.
Vergl. Philippson, Studien über Wasserscheiden, S. 96.
H. Peoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet.
13
auderen ; von den anderen Entstelmugsursaclien, die Philippson i)
und VON Richthofen ‘^) noch anführen , kann bei dem Bau
unserer oben ervrähnten nicht 'eine zur Erklärung herange-
zogen -werden. Man kann in ihr also nichts anders erkennen
als die Wirkung der zurückgreifenden Erosion der Wei’ra und
der erfolgten Ablenkung der Itz. Der Vorgang wird um so
begreiflicher, wenn wir auf den von Loretz aufgenommeueu
Blättern Eisfeld und Meeder durch alte Diluvialablageruugen einen
alten Flusslauf angedeutet finden, der nach der Thalwasserscheide
zuführt und der alte Itzlauf ist. Die diluviale Itz lief bis Eisfeld
im jetzigen oberen Werrathal und ging dann bei Steudach über
die jetzige Wasserscheide hinweg nach dem Lauterthal zu und
durch dieses in das heutige Itzthai.
Das gegenwärtige Itzthai verräth in dem Bau seines oberen
Theiles ein sehr geringes Alter.
Von der Thalwasserscheide läuft die Main -Weserwasser-
scheide daun in nördlicher Richtung der früher erwähnten Ueber-
schiebuugslinie zu und über die aufgerichteteu Schichten hinweg
in nördlicher Richtung an den Thüringer Wald heran, sodass sie
in der Nähe des Bruchrandes desselben vom Werrafluss kaum
noch 1 Kilometer entfernt liegt.
Es geht aus den dargestellten Verhältnissen mit grosser
Wahrscheinlichkeit hervor, dass es einer diluvialen Werra infolge
rückschreiteuder Erosion gelungen ist, eine diluviale Itz seitlich
auzLizapfeu und abzulenken, wodurch eine Verschiebung der früheren
Wasserscheide und Bildung einer Thalwasserscheide eintreten
musste. Durch das Wasser der Itz verstärkt, konnte die Werra
mit grösserer Energie an der Herstellung ihrer Erosionstermiuaute
arbeiten, deren Basis durch das Niveau des Eintritts in die
Schleuse bestimmt war. Die Herstellung der gesetzmässigen
Gefällscurve gelang der Werra noch vor der Absetzung der
unteren Diluvialterrasse und nachdem es der Schleuse gelungen
war, auf dem kürzesten Weg zwischen ihrer Schlinge, zwischen
') a. a. 0., S. 93—96.
Fülirei’ für Forscbungsreisende etc., S. 699.
Vergl. Blatt Meeder, aufgenommen von Loketz.
14 H. Proescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet.
Reurieth und Kloster Vessra, durchzubrecheu. Das geht aus der
Existenz von uuteren Diluvialablagerungen im Werrathal bis nach
Kloster Vessra hervor.
Es fragt sich schliesslich noch, wo die Wasserscheide zwischen
der diluvialen Werra und diluvialen Itz lag, ehe noch die Regres-
sionsthätigkeit der ersteren die Umgestaltung hervorrief. Es ist
unmöglich, bei der stattgefundenen grossen Denudation dieselbe
zu reconstruireu; aber es ist sehr wahrscheinlich, dass dieselbe
nicht allzuweit von der heutigen entfernt lag. Denn den Wasser-
scheiden ist eine grosse Konstanz eigen, und die erste Anlage
derselben scheint in einer älteren, nordöstlich gerichteten Faltung
der Schichten, sowohl der Trias als auch der Schiefer des Thü-
ringer Waldes gegeben gewesen zu sein, von der heute noch
Spuren in der Umgebung von Eisfeld sichtbar sind. Ich komme
auf dieselben noch zurück.
Durch die Anzapfung der diluvialen Itz ist die Werra zum
Hauptfluss geworden und hat die Schleuse zuin Nebenflüsse
degradirt. Es wäre nunmehr das Thal der letzteren auf seine
Entstehung zu untersuchen. Allein dasselbe bietet kein günstiges
Objekt, da es hauptsächlich im Bimtsandstein bis zum Eintritt in
den Thüringer Wald verläuft. Es zeigt überall den Charakter eines
Erosionsthaies, weist obere und untere Diluvialablageruugen auf
und überschreitet spitzwinklig eine grosse Anzahl von Verwer-
fungen. Seine Anlage erklärt sich am besten durch das starke
Ansteigen der Schichten infolge der Annäherung an den Thüringer
Wald und das dadurch verursachte stärkere Geßille.
Wenden wir uns nun zum Werrathal von dem Zusammen-
tritt der Schleuse und Weri’a bei Kloster Vessra abwärts. Die
früher angestellten Untersuchungen hatten das Resultat ergeben,
dass das Thal anfangs eine lange Strecke längs einer Verwer-
fungskluft läuft, also als ein tektonisches erscheint, dann aber als
Erosionsfurche angesehen werden muss, in diesem Abschnitt aber
durch nordöstlich streichende Sättel und Mulden hindurchläuft,
also ungefähr in folgender Weise (schematisch, siehe Fig. 4).
Trotzdem behält der Fluss im Allgemeinen seine nordwest-
liche Richtung bei. Was die erste Strecke anbetrifi't, so lässt
H. Proescholdt, Ueber Tlialbildung im oberen Werragebiet.
15
sich bei der Beschaffenheit der Verwerfung als sicher aiiuehnien,
dass das Thal hier voro-ebildet war und durch die Erosion nur
O
Fig. 4.
vertieft worden ist. Denn das Querprofil der das Thal bildenden
Schichten giebt an und für sich eine Vertiefung (Pig. 5).
Fig. 5.
Jltenberg 6. Themar
Dasselbe Profil beherrscht auch die Strecke von Kloster
Vessra nach Reurieth; hier steht fast in der Thalsohle noch
Wellenkalk neben unterem Röth an. Verwerfuno;en dieser Art
sind sicherlich als Thalbilduer auzuseheu, obgleich sie nicht als
weite, klaffende Spalten anftreteu. Sie rufen an und für sich
längs des Streichens Vertiefungen hervor, sie gewähren auch der
Erosiousthätigkeit des Wassers leichte Angriftspunkte, und sie
befördern die Thalbildung, wenn sie in geneigtem Terrain ent-
standen sind und mit dem Gehänge laufen, wesentlich durch die
in ihnen aufsteigeudeu Quellen, deren Wasser au der Spalte ent-
lang der Neigung des Bodens abläuft. Auch Verwerfungen von
anderem Charakter können unter solchen Umständen wohl als
Thalbilduer anftreteu. Es ist bemerkenswerth, dass auch die
Schleuse in ihrem diluvialen Lauf theilweise der Verwerfung
zwischen Kloster Vessra und Reurieth, die nur die Fortsetzung
der nach Themar hinziehenden ist, folgt; es ist ausserdem wichtig
hervorzidieben, dass diese Verwerfungen die äussersteu, d. h. die
am weitesten entferutcu vom Thüringer Wald, sind unter den
16 H. Peoescholdt, Ueber Thalbildung im oberen Werragebiet.
zahlreichen Störungen, die vom grossen Dollmar über die Maris-
felder Mulde nach dem Feldstein und weiterhin ziehen.
Bei Henfstädt, kurz vor dem Nadelöhr, verlässt die Werra
das tektonische Thal, wie schon erwähnt, und läuft nun, wie es
scheint, in einem reinen Erosionskanal, der durch prachtvolle
Diluvialterrassen ausgezeichnet ist, dahin. Aber nur scheinbar, denn
wenn wir auf beiden Thalflanken den Verlauf der geologischen
Horizonte verfolgen und in die Karten eintragen, so stellt sich
alsbald als ganz unzweifelhaft heraus, dass die Wei’ra inmitten
einer flachen, weiten Mulde läuft, deren Schichten gegen die
Tieflinie um 35 Meter einsinkeu. Die Mulde ist überaus deut-
lich zwischen Henfstädt und Vachdorf entwickelt und läuft genau
parallel zu den Alarisfelder Störungen, mit denen sie auch in
ursächlichem Zusammenhang steht. Denn die Mulde ist ofleubar
nichts anderes als eine Wirkung des Taugentialschubs, der auch
die tiefe Depression der Marisfelder Dislocation hervorgerufen hat.
Es läuft also die Werra bis in die Gegend von Vachdorf
auch in einem tektonischen Thal. Weiter abwärts lassen sich die
Verhältnisse nicht mehr so deutlich erkennen. Die Werra läuft
eine Strecke rein westlich, dann nahezu reiu nördlich. Wohl lassen
sich auch nordwestlich streichende Falten, Sättel und Mulden er-
kennen, aber sie treten hier hinter den schärfer auftretenden nord-
östlichen Faltuna:en zurück und kreuzen sich mit denselben. Es
ist schwierig zu entscheiden, ob die aus dem Zusammenwirken
dieser beiden Richtungen resultirende dritte Richtiuig, die die
Werra grösstentheils inuehält, in ursächlichem Zusammenhang mit
der Thalrichtung steht, da diese auch durch das Einmünden
grösserer Nebenflüsse, wie der Hasel, bedingt sein kann.
Versuchen wir nun unter Berücksichtigung der geologischen
Verhältnisse der Gegend, einen Einblick in die Geschichte der Ent-
stehung des oberen Werrathals zu gewinnen. Es ist im Jahre 1888
von mir i) darauf hiugewieseu worden , dass Nordostfrankeu
von 2 tektonischen Richtungen beherrscht wird. Die ältere, in
') Ueber gewisse nicht liercynische Störungen etc. Dieses Jahrb. 1887,
S. 332 — 348.
H. Proesciioldt, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
17
nordöstlifheiri Streichen verlanfend, äussert sich hauptsächlich in
Sattel- nnd Mnldenbildungen und entstand iin wesentlichen zn
einer Zeit, als der Thüringer Wald noch nicht als Horst einpor-
rao-te. Als dann Franken sich von dem Gelrirsfe ablöste nnd in
die Tiefe sank, entstanden gleichzeitig in dein sinkenden Gebiet
jene lang ansgezogenen, nordwestlich streichenden Dislocationen,
Ueberschiebnngen, Brüche, Mulden u. s. w. Sie erzielten im All-
gemeinen das Resultat, dass die Schichten nm so tiefer sanken,
je weiter sie vom Thüringer Wald entfernt waren. Dadurch er-
hielten die von dem Gebiro-e ablanfenden Gewässer die Neig'nno;,
sich möglichst weit davon zn entfernen, wurden aller in ihrem
Lauf beeinflusst durch die Niveauverschiedenheit infolge der älteren
Qnerfaltung in nordöstlicher Richtung. Die Schichten steigen,
wie früher gezeigt ^), aus der Umgebung von Benshansen, Meiningen
u. a. O. nach Südosten in die Höhe nnd erreichen in der weiteren
Umo-ebunij von Schiensingen bei ungestörter Lagerung eine nuge-
gewöhidiche Meereshöhe, senken sich aber weiter nach Südosten
wieder. Es liegt also in dieser Gegend ein alter »Sattel vor, und
es entspricht ganz und gar der überall Vorgefundenen CGnstanz der
Wasserscheiden, wenn wir sehen, dass dieser Sattel in der Nähe
der heutigen Wasserscheide zwischen Itz nnd Werra liegt. Denn
es ist nicht anznuehmeu, dass die Denudation bei fast horizontalem
Schichtenbau Niveaudilferenzen, wie sie von derselben Schicht bei
Schleusingeu und Benshansen vorliegen (gegen 250 Meter), voll-
ständig vernichtet oder gar umkehrt, und es darf dieser Sattel als
alte Wasserscheide angesehen werden. Sie gab den Gewässern
die Tendenz, nach Nordwesten und auf der anderen Seite nach
Südosten abznlaufen. Dieser doppelten Neigung des Terrains,
der vom Thüringer Walde her nach Südwest und der von der
Wasserscheide her nach Nordwest gerichteten, entsprachen die
Gewässer am eintachsten dadurch, dass sie die äusserste, d. h. die
am tiefsten gelegene natürliche Rinne znm Ablauf benutzten,
welche die jüngeren im hercynischeu Sinn wirksamen tektonischen
Kräfte geschaflen haben. Und darin finden wir auch die Werra
b Ebenda, S. 337.
Jahrbuch löo9.
2
18
H. PiiOEscHOLDT, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
in ihrem Oberlauf. Freilich erhebt sieh sogleich der Einwurf,
wieso der Fluss die auf- und absteigenden Schichten der nord-
östlichen Falten durchlaufen kann, ohne von seinem nordwest-
lichen Wege abzuweiehen. Der Vorgang erinnert au die Bildung
der epigeuetischen Erosionsthäler von Richtiiofen’s und muss in
entsprechender Weise erklärt werden. Man kann sich vorstellen,
dass die nordöstlichen Falten durch Abrasion oder durch Denu-
dation mehr oder minder ausgeebnet waren, ehe die im hercynischen
Sinn wirksamen Kräfte ihre Thätigkeit Ijeganuen.
Es wäre von Interesse, noch weitere Untersuchungen auzu-
stellen, ob zwischen dem ferneren Verlauf des Werrathaies und
dem tektonischen Bau des durchflossenen Terrains Beziehungen
nachweisbar sind. Diese Uutersnchungen sind indessen hinaus-
znschieben, bis die einschlä<3fiofeu o’eoa'uostischen Blätter veröffent-
licht sind; vielleicht ist daun auch die Zeit gekommen, sich an
die Lösung mancher Fragen betreffs der Thalbildung der Wrra
zu wagen, die sich anfdrängen und noch keine genügende Beant-
wortung gefunden haben.
Hieran möchte ich noch eiuioe Bemerkungen über die Thal-
bildnng an der Main-Weserwasserscheide knüpfen. 1882 besprach
ich 2) die Thalbildung des Bibrabachs bei llentwertshansen, der
eigenthümliche hydrographische Verhältnisse zeigt. Damals hatte
ich die Vermuthnng, dass der Bach ehemals umgekehrt geflossen
sei, dass aber durch Entstehung eines Sees in seinem jetzigen
Quellgebiet die Möglichkeit gegeben worden sei, seinen Lauf zu
verändern. Die letztere Ansicht vermag ich heute nicht mehr zu
theilen. Die Wasserscheide wird von mehreren ausgezeichneten
Durchbruchsthäleru durchsetzt, die bis auf eine Ausnahme nach
Süden, also dem Main zu, ansmüuden. Ich erwähne hier nament-
lich die merkwürdige Schlucht am Westabhaug des höchsten
Punktes der Wasserscheide, des Grosskopfes, deren Ausgangs-
punkt gegen 120 Meter niedriger liegt als die Höhe der dnrch-
brochenen Felswände beträgt. Der erstere liegt im Buntsandsteiu,
b Führer etc. S. 174.
-) Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Gesellschaft 1882, S. 674.
H. PiiOEScHOLDT, üeber Tlialhilduug im oberen Werragebiet.
19
die letzteren bestehen ans steil anfgericliteten, südlich fallenden
Mnschelkalkschichten; das Phänomen erklärt sich in überzeugender
Weise dadurch, dass das Quellgebiet der Schlucht, der Buutsand-
steiu, in weit grösserem Maasse den Einwirkungen der Denndation
und Erosion unterliegt, als die Muschelkalkschichten, sodass es
erniedriot wurde scegenüber den letzteren. Die Einfurchun<x der
Schlucht aber hatte begonnen, als der Buntsandstein infolge der
Sattelstelluncr noch über den Kalkschichten hervorrao;te, der Zu<r
der Gewässer ist aber l>is heute geblieben. Auf derartige Bildung
von Durchbruchsthälern, die Penck geologische Gefällsthäler
nennt, hat zuerst Gümkel^) aufmerksam gemacht (Hilber’s Super-
formationstheorie ^). Sie giebt in dem gegebenen Falle die ein-
fachste und natürlichste Erklärung; weder die Antecedenztheorie,
noch die Spaltentheorie, noch die rückschreitende Erosion RÜTi-
äieyer’s und Löavl’s genügen. Anders sind die Verhältnisse des
Bibrabaches. Er läuft nicht nach Süden, sondern nach Norden
der Werra zu, seine Quelle liegt weder auf dem First des
Muschelkalkrückens, noch in der Nähe der alten Sattellinie, sondern
weit draussen in der Ebene des Grabfeldes. Die Verhältnisse er-
scheinen im Profil (Eig. 6) folgendermaassen :
Fig. 6.
Einstiger
Satte!
Es stellt sich dann die Bildung des Thaies des gegenwärtigen
Bibrabaches in mehreren Phasen dar.
*) Die Bildung der Durchbruchsthäler, S. 50.
2) Bavaria, IV. Bd., XI. Heft, S. 11.
Die Bildung der Durcljgangsthäler. Petekmann’s Mitth. 1889, Heft I, S. 12.
20 H. PiioESCHOLDT, lieber Thalbildung im oberen Werragebiet.
Erste Phase: Von dem First des ehemaligen Sattels lief ein
Gewässer nach dem Grabfeld zu und schnitt sich in die Muschel-
kalkbänke au, ein zweites, entgegengesetztes lief nach der Werra
zu und wegen der grossen Nähe und relativ tiefen Lage der-
selben mit stärkerem Gefäll.
Zweite Phase: Durchbrechen des Sattels und der Wasser-
scheide infolge rückschreitender Erosion des nach Norden ab-
laufenden Baches. Der Buntsandstein wird infolge seiner leichten
Zerstörbai'keit durch Denudation und Erosion weit mehr fort-
gewaschen als der widerstandsfähige Muschelkalk, daher Heraus-
bildung eines Muschelkalkrückens und Verlegung der Wasser-
scheide auf denselben.
Dritte Phase; Angriff des nach Norden zur Werra gehenden
Baches auf die neue Wasserscheide infolge rückschreitender Ero-
sion, Durchbruch derselben in dem in der ersten Phase gegrabenen
Kanal und Einziehen eines Theiles des Grabfeldes zum Werra-
gebiet. Es kommt hier nicht zur Bildung einer Thalwasserscheide,
sondern zur Entstehung eines Bachbettes, das in seinem Ober-
lauf fast gar keine Neigung hat, denn der Bibrabach hat in den
ersten 10 Kilometern seines Laufes ein Gefälle von 1 : 666 und
erst, nachdem er die Rentwertshäuser Furche passirt, bekommt er
ein für den Oberlauf entsprechendes Gefäll von 1 : 94.
Hierzu ist noch zu bemei'ken, dass der Durchbruch des
Muschelkalkrückeus bei Rentwertshausen vielleicht gefordert worden
ist durch das Zusammenfällen mit einer Spalte, die sich nicht an
Ort und Stelle, sondern nördlich davon nachweisen lässt und in
genetischem Zusammenhang mit dem tektonischen Bau des Sattels
steht,, worüber au anderem Ort zu berichten sein wird. Zn der
Spalte hat aber sicherlich das in der Furche auftreteude Orbel-
loch Beziehung. Man bezeichnet damit Löcher i), durch welche
bei Ueberschwennnungen das Wasser in die Tiefe versinkt und
bei dem Schichtenfall dem Main unterirdisch zulaufen muss.
9 Emmrich, Zur Geologie dei- Umgegend u. s. w. Realscbulprogramm 1876,
S. 15. Bei dem Bau der bayrischen Bahn wurden dieselben möglichst ausgefüllt.
Uebei* einige Carboiifarne.
Von Herrn H. Potonie in Berlin.
(Hierzu Tafel II — V).
1. Hymenotheca Dathei n. gen. et sp.
Taf. II, Fig. 1 a — c.
Der Habitus der Hijmenotheca Dathei ist der der lebenden
Hyinenophyllaceen. Die Blätter machen den Eindruck, als wenn
sie sehr zai’t gewesen sein müssten, so dass man gern glaubt,
dass das Gewebe der Blattfläclie nur einzellscbicbtig gewesen ist;
die Nerven hingegen treten, wie das bei der Festigkeit und Viel-
zellschichtigkeit derselben bei den Hyinenophyllaceen zn erwarten
ist, scharf und erhaben hervor. Die Blätter sind mebrfach-geliedert.
Die Läppchen letzter Ordnung sind breit-lineal bis länglich oder
etwas lanzettlicb, nach ihrem Gipfel zn meist etwas verbreitert
nnd stumpf nnd tragen hier einen kugeligen, stark erhaben- ver-
tretenden Sorns, von welchem ein Nerv ansgeht, der sich gabelig
mit dem Nerven des Nebenläppchens vereinigt.
Die ganzen Fiedern zweiter Ordnung zeigen sich überhaupt
dichotom gebaut, denn auch der etwas llexnose Hanptnerv einer
solchen Fieder macht durchans den Findrnck sympodialeu Anf-
baus. Im Uebrigen giebt unsere Abbildung am besten Anfschlnss
über den Ban nnd das Aussehen der IJymenotheca Dathei. Ich
habe die beiden zur Verfügung stehenden Stücke aid' der Tafel H
so zusammengelegt,' wie die beiden grössten Blattreste auf den-
selben sich zn einem vollkommenen Blatt ergänzen können.
22
H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne.
Die für die Bestiuimung unseres Bestes als Hymenophyllacee
ausschlaggebenden Daten — nämlich der Bau der Sori und Spo-
rangieu — lassen sich au unseren Besten leider ebenso wenig
constatiren wie nach der Meinung F. Heyer’s (Botau. Ceutral-
blatt XIX (1884) p. 394), Solms-Laubach’s (Einl. in die Palaeo-
phytologie 1887, p. 157) und A. Schenk’s (die fossilen Pflanzen-
reste 1888, p. 37) an den von Sciiimper untersuchten Exem-
plaren von H ijmenophylhmi Weissi Sciiimper. Da aber das, was
sich constatiren lässt, alles nur für, nichts g§gen eine Hymeno-
phyllacee spricht, ja der Habitus unserer Pflanze sogar wahrhaft
auffallend dem mancher Hymeuophyllum- und Trichomanes- Arten
gleicht, so dürfte mau wohl berechtigt sein, die neue Art vor-
läufig zu dieser Gattung zu stellen.
Auch ich habe an dem aus der WEiSs’scheu Sammlung stam-
menden Stück von Hymenophyllum Weissi aus der Steinkohlen-
formation bei Engeberg bei Saarbrücken (legit Jordan) vergeb-
lich den Sorus-Bau zu ergründen versucht. (Tat*. II, Fig. 2a u. b.)
Ich finde in den Enden der Blattläppchen nur lang - elliptische
Eindrücke, die feine Querstreifung zeigen, während das übrige
Blattpareuchym eine glatte Oberfläche aufweist. Hier und da
nimmt man in der Längsachse der Ellipse als Fortsetzung des
Nerven einen strichförmigen — vielleicht von einer Columella
geschafieneu — Eindruck wahr. Auch hier spricht daher alles
nur für nichts gegen die Bestimmung als Hymenojihyllacee.
Um aber nicht vorzutäuscheu, als habe mau die für die Diagnose
von liyvienopliyllum resp. Trichomanes schliesslich doch haupt-
sächlich massgebenden Dinge auch bei den beiden in Bede
stehenden Arten gefunden, schlage ich vor, für dieselben die
besondere Gattung llymenotheca zu bilden. — Ausser Hymenotheca
Weissi und Dathei würde vielleicht auch llymenophyllites Humbolti
Göppert (Die Gatt, der foss. Pflanzen 1841, Fig. 1 der Taf. V
der Lief. 3 u. 4) vorläufig zu Hymenotheca zu stellen sein.
Die Stücke mit Hymenotheca Dathei gehören dem Museum
der Kgl. geologischen Landesanstalt und fanden sich unter einer
Sendung mit Besten von Steinkohlenpflanzen von Herrn Bergrath
Busse in Schwadowitz aus dem Schwadowitzer- Bevier, die aut
H. PoTONiE, Ueber einige Carbonfarne.
23
Veranlassung des Kgl- Landesgeologeu Herrn Dr. E. Dathe der
Anstalt 1 889 frenndliclist gespendet worden sind. Die Hiimeiiotheca
Dathei eutstainint dem Idastollener Flötzziig.
2. Uynieuotheca Beyschlagi n. gen. et sp.
Taf. III.
Habituell sehen die Rlatttheile der Lamina von Ihjmenotlieca
Beyschlagi solchen von Allostorus crisjnis Bep.niiardi ungemein ähn-
lich; mit der Lupe untersucht, zeigt sich jedoch bald, dass wir
es in den Blattendigungen der lIymenoth,eca Beyschlagi ofienbar
mit einzelnen, allerdings recht grossen Sori zu thun haben. Diese
Sori haben dieselbe Gestalt und zeigen dasselbe wie die Sori der
Ilymenotheca Weissi^ nur sind sie, wie ein Vergleich unserer Ab-
bildungen lehrt, viel grösser. Sie sind elliptisch, zeigen in ihrer
Ijäugsachse eine hei'vorragende Linie und sind der Quere nach
fein gestreift. Sie sitzen an ziemlich dünnen Stielen, welche ein-
zeln oder gabelig zu zweien in tiederiger Anordnung an einer ge-
meinsamen Achse sitzen, welche wiederum fiederig au der Haupt-
achse des grösseren der beiden Abdrücke auf unserem Stück au-
geordnet sind. Das ganze Farnkraut zeigt nur Sporaugien und
stengelförmige Achsen ; tlächeuförmig entwickeltes Blattparenchym
fehlt. Bei sterilen Blättern wird dassell)e wahrscheinlich — in
Analogie mit lebenden Farnen, deren fertile Wedel ja oftmals
des flächenförmig entwickelten Blattparenchyms ihrer sterilen
Blätter entbehren — vorhanden gewesen sein.
Das Stück mit zwei Abdrücken der Ilymenotheca Beyschlagi^
der vollständigere, von uns abgebildete, auf der einen, der kleinere
auf der anderen Seite, entstammt der Steinkohlenformation und
gehört dem Kgl. Bezirksgeologeu Plerrn Dr. F. Beyscheag, der
es 1882 auf der Kasberg - Halde der Grube von der Heydt bei
Saarbrücken gefunden hat.
3. Hymenopliyllites (Sphenopteris) gerniamca u. sp.
Taf. IV.
In ihrem Habitus steht die llymenophylUtes germanica der Zeil-
leria clelicatula (Sterne.) Kidston (in Qiiarterly Journal of the
24
H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne.
Geological Society Bd. XL p. 592 und Taf. XXV, London 1884)
am nächsten. Wenn die abweichende Fructification nicht da
wäre, müssten beide Arten für identisch erklärt werden. Die
vorliegenden Blattreste der Hymenophyllites germanica sind bis
fünffach gefiedert und zeigen sehr schmal -lineale Endfiederchen.
Die Fiedern aller Ordnungen stehen zum Theil fast senkrecht ab
oder bilden grosse, sich solchen von 90 o nähernde Winkel mit
ihren Abgangsstellen, so dass die Blätter ein sparriges Aussehen
gewinnen. Die Sporangien, die kugelig -ellipsoidische Gestalt auf-
weisen, zeigen eine deutliche Oberflächensculptur in Form maschen-
förmig verlaufender erhabener Linien (Zellwände?). Sie liegen nicht
auf der Blattfläche, sondern im Gestein neben derselben und
zwar, wie dies auch li. Zeiller (Tafel X seiner in den '»An-
nales des Sciences natureilese- 6. se'?’. , tome XVI, Faris 1883) für
UymenophylUtes cpuadridactylites (Gutbier) Kidston abbildet, in
der Fortsetzung der letzten Fiederchen, also vor diesen. Au
vielen Stellen scheinen die Sporangien dem Gipfel anzusitzen.
Das Stück gehört der Sammlung der Königl. Preuss. geolog.
Landesanstalt und stammt aus dem Hangenden des Flötzes Prinz
August der Grube Dechen bei Neuukirchen.
4. Oligocarpia (Pecopteris) Rliveri n. sp.
Taf. V, Fig. 2 a — e.
Oligocarpia Kliveri stellt einfach - gefiederte Blattreste mit
doppelt -gekerbten, länglichen, stumpfen Fiedern dar, welche am
Grunde zwar etwas eingeschnürt aber doch deutlich Pecopteris-
artig ansitzen. Durch die Fiedern zieht sich ein Mittelnerv, der
in die Plauptkerbeu (Läppchen) Seiteuuerven absendet, die ihrer-
seits in die Kerben zweiter Ordnung Zweige abgebeu. Jeder der
letzteren läuft bis in das Centrum eines kreisförmigen Sorus,
welcher von einer Anzahl Sporangien gebildet wird. Die Sporau-
ffieu haben in den Sori kreisförmige Eindrücke — meist durch einen
noch vorhandenen kohligeu liest intensiv schwarz erscheinend —
hinterlasseu. Hier und da tritt der kohlige Rest in der Form
scheibenförmiger Körperchen auf, die als fossile Sporangien an-
gesehen werden müssen. Einige dei’selben habe ich losgelöst und
— in Aulehuimg au eine besondei’s von C. W. v. Gümbel (»Bei-
H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne.
25
träge zur Kenutuiss der Texturverhältnisse der Mineralkohlen«
p. in den Sitzungsberichten der niath.-physik. Klasse der
Kgl. I)ayerischeu Akademie der Wiss. Rd. XIII, München 1884)
auf paläontologischein Gebiet angeweudete Methode — in Salpeter-
säure gelegt, zu der ich einige feste Stücke von chlorsaurem Kali
hinzufügte. Nach einigen Tagen hatten sich die Sporangien gut
aufgehellt, sodass eine mikroskopische Untersuchung möglich
wurde; aber die verworrenen Linien, welche die Sjioraugien zeigten,
Hessen sich nicht als Zellwände deuten; auch über das Vorhanden-
sein oder Fehlen eines Annulus Hess sich leider nichts ausmachen.
Nichtsdestoweniger ist es wohl praktisch, die in Rede stehende
Art bis auf Weiteres zur Gattung Goppert zu stellen,
weil unser Farn von den bis jetzt bekannten Sjiorangien- tragen-
den Farnkräutern den Oligocarpieu, namentlich der von D. Stur
(»Zur Alorphologie und Systematik der Culm- und Carbonfarne«
in den Sitzungsber. der k. k. Akad. d. Wiss. in Wien, Rd. 88,
1883, p. 56 (688)) abgebildeten und neu beschrieltenen OUgocarpia
Brongniarti besonders hinsicbtlich der Sori am ähulichsten ist.
Das obige, dem Aluseum der Kgl. Preuss. geolog. Landes-
anstalt gehörige Stück wurde von Herrn Oberltergamtsmarkscheider
Kliver im MelHnschacht bei Saarbrücken gesammelt.
5. Reuaiiltia ( Splieiiopteris) iiiicrocarpa (Lesquereux) Zeiller.
Taf. 44, Fig. 3 a, b.
Der vorliegende Rlattrest ist dreimal Hederteilig. Die Fie-
derchen letzter Ordnung sind unregelmässig - kreisförmig - läng-
lich und tragen an ihrem Rande, oft das ganze Fiedercheu l)e-
deckend, elliptische Eindrücke, die otfenbar von den verloren ge-
gangenen Sporangien heri'ühren. An ihrer Rasis sind die Fieder-
chen ßphenopteris - -MiÄg verschmälert; sie setzen in Zahl von
6 bis gegen 1 1 längliche Fiedern zusammen, die an ihrem Grunde
stark eingesclmürt, fast gestielt sind. Sie Ijildeii in ziemlich
lockerer und abwechselnder Stellung die Fiedern erster Ordnung
des vorliegenden Restes.
Das Stück gehört dem Museum der Königl. Preuss. geolo-
gischen Landesanstalt und stammt von der Zeche Friedrich
Ernestine im Revier an der Ridir.
26
H. PoTONiE, lieber einige Carbonfarne.
6. Rliacopteris (Sphenopteris) snbpetiolata n. sp.
Die Sphenopteris oder, weun man lieber will, Rhacopteris sub-
p>etiolata ist am nahesten verwandt mit der von H. R. Göppert
1852 anf S. 143 seiner Fossilen Flora des Uebergangsgebirges
(Verhandl. der kaiserl. Leopold. Carolin. Akademie der Natnrf.
Supplement des XIV. Bandes. Breslau und Bonn.) besclu-iebenen
und Tafel XLIV Fig. 3 abgebildeten Spheno2)teris petiolata. Die
Unterscbiede der beiden Arten ergel)en sich aus dem Vergleich
der GöPPERT’schen und meiner Abbildung, sowie aus der folgenden
Gegenüberstellung der Diagnosen.
Rliacopteris snbpetiolata.
Die letzten Blatt zip fei
etwa Y.s Millimeter breit, sehr
schmal-lineal, in eine Spitze aus-
laufend. Sie setzen Fiederchen
zusammen, die durchaus dichotom
getheilt sind. Die erste Dicho-
tomie nächst der Achse, welche
die Fiederchen trägt, ist der
zweiten Dichotomie meist so
nahe gerückt, dass die Fieder-
chen — oberflächlich gesehen —
oft dreitheilig erscheinen. Je
zwei der Fiederchen stehen sich
an ihrer gemeinsamen Achse in
der Weise gegenüber, dass das
eine derselben etwas tiefer inse-
rirt ist als das andere. — Die
parallele Lage der beiden ab-
gebildeten vollständigeren Fie-
dern macht es wahrscheinlich,
dass sie einer gemeinsamen —
in unserem Rest allerdings nicht
vorhandenen — Achse ihren
Ursprung verdanken.
Sphenopteris petiolata.
Die letzten Blattzipfel
nach der Figur Göppert’s,
welche einer Fieder der Rhacop-
teris snbpetiolata entspricht, etwa
1 Millimeter breit, lineal. Nach
der Diagnose Göppert’s:
»Sphenopteris fronde pinnata
(bi-vel tripiunata?)primis strictis,
rhachi plana, pinnulis petiolatis
suboppositis subpatentibus bi-vel
tritidis, lacinis apice subdila-
tatis strictis iutegris , nervis
subsimplicibus?«
H. PoTONiK, lieber einige Carbonfarne.
27
F luidort der R. subpetiolnta: Fürstlicher Tiefhau hei Walden-
hurg. Feg. J. Breiter. Das Stück gehört dem Museum der
König;]. Pretiss. geologischen Landesanstalt.
D. Stur stellt in seiner »Carhontlora der Schatzlarer-Schichten«
S. 7 (Al)liandl. der kais. königl. geologischen Keichsanstalt, Bd. XI,
Ahtheilung 1, Wien 1880) tind auch s(;hon fnilier in seiner AI)-
handlnng »Zur Morphologie und Systematik der Cnlm- und Carhon-
farne« S. 643 (11) (des LXXXVm. Bandes der Sitzungsherichte
d. kais. Akad. der Wiss. I. Ahth. Jnli-IIeft. Wien 1883) die
Spl^enopteris pefiolata zur Gattung Rhucopterit^', man kann dies
thun, da diese Art und die Rhacopteris subpetiolata Zwischenglie-
der zwischen den Gattungen Sphenoj^teris und Rhacopteris dar-
stelleu, die daher zunächst ehenso gut hier wie da untergehracht
werden können. Stur gieht unter dem Namen Rhacopteris raco-
nicensis (1. c.) eine Art »mit zweimal fiederschnittigen Blättern«
(sonst ohne Diagnose) hekaunt; ich mache darauf aufmerksam,
weil die Rhacopteris stibpetiohita. — wie schon gesagt — oftenhar
ehenfalls mehr als einmal gefiedert war.
Das Grundgebirge des Spessarts.
Von Herrn H. BÜcking in Strassbnrg i/E.
(Hierzu Tafel XIV.)
In einer brieflichen Mittbeilnng an Herrn Geheimrath Beyrich,
welche im XXXI. Bande der Zeitsclir. d. Dentsch. geol. Ges. 1879,
S. 415 etc. zum Abdruck gelangt ist, habe ich angegeben, dass
aut Grund der Streich- und Fällrichtungen im krystalliuischen
Gebiet des Spessarts mehrere Zonen unterschieden werden können,
und zwar, von Süden nach Norden bezw. von unten nach oben,
die Zone des körnig -tlaserigen Gneisses (a. a. O., S. 418), die
Zone des glimmerreichen, schieferigen Gneisses (S. 419), die Zone
des Quarzitschiefers (S. 420 oben), und schliesslich die Zone des
körnig -tlaserigen Gneisses von Grossenhausen- Alzenau (S. 420
unten). Zugleich machte ich darauf aufmerksam, dass möglichei'-
weise in Folge einer grossartigeu Faltung der letzterwähnte Gneiss
demselben System angehöre, wie der ältere körnig -tlaserige Gneiss,
einem System also, das seine Stelle uuter dem glimmerreichen
schieferigen Gneisse eiunähme (S. 421).
Es lag ursprünglich in meiner Absicht, die petrographischen
Eigenthümlichkeiten dieser Zonen in den Erläuterungen zu den
schon vor dem Jahre 1877 im Maassstab ’/2ö000 aufgenommenen
geologischen Blättern Bieber und Langenselbold näher zu schildern.
Indessen hat sich die Veröftentlichung jener Blätter aus äusseren
Gründen wiederholt verzögert, und habe ich mich deshalb endlich
H. Bücking, Das Grundgebirge des S|)essarts.
29
entschlossen, schon vorher eine Uebersicht über die durch meine
mehrjährigen geologischen Aufnahmen im Spessart gewonnenen
Ergebnisse, soweit dieselben den Bau des krystalliuischen Grund-
gebirges betrefien, zu geben. Gedrängt wurde ich zu diesem Ent-
schlüsse auch durch Bemerkungen von C. Cheliüs und R. Lepsius,
welche offenbar meine oben erwähnte Mittheilung keiner genauen
Durchsicht gewürdigt oder nicht gekannt haben, wenn sie die Be-
hauptung aufwerfen, die von mir gemachten Angaben beruhten nur
auf Annahmen’) und die Lagerungsverhältnisse im Spessart seien
noch nicht genügend klargelegt ^). Ich hoffe, es wird Jedermann
beim Durchlesen der nachfoDenden Blätter sich die Ueberzeuffuim
verschaffen können, dass durch die bisherigen Untersuchungen der
Bau des krystalliuischen Spessarts in allen seinen wesentlichen
Theilen klar und durchsichtig geworden ist. Jedenfalls ist er ein-
facher und leichter verständlich, als man dies bis jetzt von dem lie-
nachbarten krystallinischen Odenwald behaupten kann, mit welchem
gerade bezüglich des Grundgebirges, auch von C. Cheliüs und
R. Lepsius, der Spessart so oft verglichen worden ist, in welchem aber
Störuno-en von noch nicht hinläng-lich p-enau bekannter Beschaffenheit
das krystallinische Gebirge in drei Theile zerlegt haben, deren
') C. Cheliüs, Neues Jalirb. für Min. 1888, II, S. 69, Mitte: »B. hält
allgemein ein norcl westliches fallen der Schichten im Spessart für wahr-
scheinlich, glaubt deshalb die südlicheren Gesteine für die ältesten halten
zu müssen, auf die dann nördlich der Kahl folgen sollen« etc.
2) R. Lepsius, Geologie von Deutschland. 1. Bd., S. 375: »Eine genaue Auf-
nahme des krystallinen Grundgebirges im Spessart fehlt noch, so dass über das
relative Alter der verschiedenen Gneisse und Glimmerschiefer
kaum eine Vermuthung ausgesprochen werden kann; doch glaubt
Gümbel, dass die südöstlich vom Aschaffthale lagernden » Körnelgneisse« älter
seien, als die nördlich dieses Thaies verbreiteten Glimmergneisse.« Gümbel ver-
tritt in seiner von Lepsius citirten, übrigens nach meiner oben erwähnten Mit-
theilung erschienenen Schrift (Deutsche geograpliische Blätter, Bremen, 1881, IV,
S. 5 etc.) im Wesentlichen denselben Standpunkt wie ich; er macht auch
a. a. 0. S. 9 ausdrücklich auf die Ergebnisse meiner Untersuchungen im Spessart
aufmerksam. Wenn hiernach trotzdem Lepsius die eben erwähnte Aeusserung
thun kann, so beweist das, dass er die über den Spessart vorhandene Litteratur
nicht genügend beachtet hat. Auch seine Bemerkungen über das Rothliegende
und den Zechstein im Main- und Kinzigthale entsprechen, wie ich bei einer anderen
Gelegenheit zeigen werde, nicht ganz den thatsäehlichen Verhältnissen.
30
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Stellung zu einauder, weuigsteus nach den liis jetzt vorliegenden
Verötientliclmngen zu schliessen, noch nicht hat ergründet werden
können ^).
Die folgenden Reinerkungen stützen sich wesentlich auf die
Ergehnisse der geologischen Specialaufnalune des Gebietes nörd-
lich von der Linie Bieber- Schöllkrippen - Mömbris - Alzenau und
auf Untersuchungen, welche ich in den Jahren 1873 — 1876
während der Aufnahme des nördlichen Gebietes in dem südlich
angrenzenden ausführen konnte. Weitere Beobachtungen habe
ich dann den früheren hinzugefügt in den letzten Jahren, als ich
die Geo'end südöstlich von AschaÖenburo- häutlo-er besuchte, um
meinen Assistenten, Herrn Gollkr, welchen ich dieses Gebiet
geologisch bearbeiten liess, in die Aufnahme einzuführen und zu
controliren.
Durch die späteren Beobachtungen und insbesondere auch
durch die petrographische Untersuchung der Gesteine habe ich
mich überzeugt, dass die in meiner oben erwähnten letzten Mit-
theilung über den Spessart als möglich hingestellte. Faltung der
krystallinischen Schiefer im grossen Maassstabe nicht vorhanden
ist 2). In einem durch uugestörtes Gebiet des krystallinischen
Spessarts cpier gegen das Streichen gelegten Normalprofil — als
ein solches ist etwa das Profil von Besseubach über Hösbach,
Schimborn, Mömbris, Bricken, bis zum Hof Trages zu betrachten
(vergl. Profil 1, Taf. XIV) — lassen sich von Süden nach Norden,
und, da das Einfallen der Schichten, wie ich schon früher (a. a. O.
') R. Lepsius sagt in seinem vorher citirten Werke 1889, S. 374: »Wie sie
(die drei Gneissgebiete) sich in ihrem relativen Alter gegen einander verhalten,
ist noch nicht bekannt.«
Die von Gümbei. in seiner erwähnten letzten Mittheilung über den Spessart
(1881) gemachten Angaben enthalten, insbesondere bezüglich der geogra]dnschen
Verbreitung verschiedener Gesteinszonen, mehrfache Unrichtigkeiten und Unge-
nauigkeiten, welche durch Aufnahme älterer Litteraturangaben ohne wiederholte
Prüfung in der Natur, veranlasst sind und, soweit sie nicht schon durch meine
ältere Arbeit vom Jahre 1879 ihre Erledigung gefunden haben, theils durch das
Folgende, theils durch die seiner Zeit erscheinende geologische Karte ihre Be-
richtigung erfahren werden. Auf die Einzelheiten hier aufmerksam zu machen,
halte ich nicht für nöthig.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
31
S. 417 oben) lietont halte, ein vorwiegend nordwestliches ist, somit
von unten nach oben, unterscheiden :
I. Aelterer Gneiss des Spessarts:
A. Grauitgneiss von Oberbessenbach,
B. Dioritgueiss mit Augengueiss,
C. Körui«:- llaserijrer Gueiss.
II. Glimmerreicher schieferiger Gueiss:
mit Einlagerungen von Quarzitschiefer und Iloru-
blendeschiefer.
III. Qu arzreicher Glimmerschiefer oder Quarzit-
glimm e r s c h i e f e r.
IV. Jüngster Gneiss des Spessarts:
A. Ilorubleiidegneiss wechsellagernd mit Biotitgueiss,
B. Biotitgueiss von Lützelhausen -Hof Trages.
Wir werden diese Zonen im Folgenden etwas näher be-
trachten.
I. Aelterer Gneiss des Spessarts.
Die an der Basis des krystallinischen Grundgebirgs im Spessart
auftretenden Gesteine (Granitgneiss, Dioritgueiss und unterste Zone
des körnig- flaserigen Gneisses) hat auf meine Veranlassung hin
Herr E. Goller zum Gegenstand einer eingehenden Studie ge-
macht. Die Ergebnisse, welche in einer zum Druck im Neuen
Jahrb. f. Min., Beilageband VI bestimmten Arbeit^) niedergelegt
wurden, sind im Folgenden mitberücksichtigt.
A. Granitgneiss von Oberbessenbach.
Als das tiefste und somit wohl als das älteste der krystallinischen
Gesteine des Spessarts tritt unter der weitverlireiteten Buntsand-
steiudecke südöstlich von Aschafienburg im Hintergrund des Sodeuer,
Die Lampropbyrgäuge des südlichen Vorspessart. Blgb. VI, S. 485.
32
H. Bücking, Das Gninclgebirge des Spessarts.
Gaill lacher und Bessenbacher Thaies, in verhältnissmässifr o-erino-er
Ausdehmmg nnd deshalb in allen seinen Theilen nicht genau zn
verfülgen, ein hell- bis dnnkelrothes, wesentlich ans Feldspath nnd
Qnarz bestehendes, körniges Gestein hervor. Mit Kncksicht auf
seine einigerinassen dentliche Schieternng iin Sodener Thal will
ich es als Gneiss nnd zwar als den Gran itgne iss von Oh er-
be sseuhach bezeichnen.
Der vorwaltende Orthoklas nnd der Qnarz bilden ein ziem-
lich feines, gleichmässig körniges Gemenge; nicht selten sind sie
mikropegmatitisch mit einander verwachsen. Beide Gemengtheile
z(‘io-en hänficr Drnckerscheinnugen, wie nndnlöse Anslöschunof und
zerfetzte Ränder. Neben dem Orthoklas findet sich auch Mikroklin,
an der gegitterten Zwillingsstreifung leicht kenntlich; seltener sind
Kalknatronfeldspathe. Biotit ist mir in vereinzelten Blättchen vor-
handen. Zirkon nnd Apatit werden in mikroskopisch kleinen Kry-
ställchen vielfach beobachtet; liesonders reichlich aber ist Magnetit.
Die Zersetznngsprodncte des letzteren verleihen dem Gestein seine
röthliche Farbe.
Bezeichnend für den Granitgneiss von Oberbessenbach ist
die sehr gleichmässig körnige Beschaffenheit nnd das massige Aus-
sehen. Es liegt desha.ll) die Annahme nahe, ihn für einen durch
(f ebirofsdrnck schieferio; a;ewordenen Granit zn halten. Hierfür
würde namentlich auch das Auftreten des gleichen Gesteins mitten
im Gebiet des ihn überlagernden Dioritgneisses im oberen Theil
des Gailbacher Thaies sprechen.
B. Dioritg'iieiss.
Der Dioritgneiss besitzt die weiteste Verbreitung in den
Thä.lern von Soden, Gailliach nnd Bessenliach. Gegen den Granit-
gneiss von Oberbessenbach ist er durch ein etwa 10 bis 20 Meter
mächtiges Lager von Quarzit, welches nahe der änsserston Gabelung
des Bessenliacbthales, zwischen Soden nnd Hessenthal, beobachtet
werden kann, abgegrenzt. Ancb Qnarzsekretionen nnd grobe
pegmatitische Ausscheidungen sind für diese Grenzregion sehr
bezeichnend.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
33
Der Dioritgneiss ist vorwiegend grob- Ids mittel -körnig und
im Ganzen von einer ziemlich gleichmässigen Beschaffenheit. Eine
ausgesprochene Schieferung besitzt er nur da, wo dunkele, basische
Streifen ihn durchziehen; immerhin ist dieselbe doch an vielen
Orten wahrnehmbar und für Kittel bei der Wahl der Bezeich-
nung »Syenit« ausschlaggebend gewesen i). Die mit blossem
Auge erkennbaren Gemengtheile sind Oligoklas, Orthoklas, Quarz,
Hornblende, Biotit und Titanit.
Die beiden Feldspäthe, nicht selten 8 — 10 Millimeter gross,
sind die vorherrschenden Gemengtheile; der farblose oder matt
bläulichweisse Oligoklas überwiegt den Orthoklas, welcher zu-
weilen frischer als jener und durch eine lichtfleischrothe oder
milchweisse Farbe ausgezeichnet ist. Der Quarz erfüllt in Form
einzelner Körnchen und mosaikartiger Haufwerke, in diesen öfter
hegleitet von kleinen secundär gebildeten Albitkörnchen , die
Zwischenräume zwischen den weit grösseren Feldspäthen und
Spalten in denselben, gleichsam den Kitt zwischen diesen Ge-
mengtheilen abgebend. Die Feldspäthe und auch der Quarz lassen
zumal unter dem Mikroskop zwischen gekreuzten Nicols Biegungen,
Knickunofen und Zerreissuno’en in der mannia:ta.chsten Weise er-
kennen, ein Beweis dafür, dass das ganze Gestein sehr starken
dynamischen Einflüssen ausgesetzt war.
Hornblende und Biotit betheiligen sich in etwa gleichem
Verhältniss an der Zusammensetzung des Gesteins. Sie sind
beide ziemlich frisch, weisen aber vielfach Spuren mechanischer
Umformung auf. In i’ingsum ausgebildeten , oft 1 Centimeter
grossen Krystallen findet sich Titanit, besonders häufig in ein-
zelnen Lagen, für welche er geradezu als ein wesentlicher Ge-
mengtheil bezeichnet werden könnte. Recht reichlich vorhanden
ist auch Magneteisen, oft mit blossem Auge erkennbar. Mikro-
skopisch klein sind Apatit und Zirkon.
b Kittel, Skizze der geognost. Verhältnisse der nächsten Umgegend Aschaffen-
burgs, 1840. Der Dioritgneiss ist dort als »Syenit« (S. 26 — 28} beschrieben.
Kittel versteht unter »Syenit« (vgl. a. a. 0. S. 40 unten) ein »regelmässig
geschichtetes Gestein« und fügt hinzu: »Die Diorite verhalten sich zum
Syenite, wie der Granit zum Gneisse.«
Jahrbuch 1889.
3
34
H. Böckisg, Das Gruuclgebirge des Spessarts.
VoD secnudären Mineralien ist Epidot sehr verbreitet. Er
hat sich in gelblich-grünen körnigen und wirrstengeligen Massen
vielfech aut Spalten und Rissen augesiedelt.
Verschiedenheiten innerhalb des Dioritgneisses entstehen nur
durch den im Ganzen unbedeutenden Wechsel des Korns und da-
durch, dass der Feldspath über die basischen Geinengtheile und
unter diesen bald Biotit bald Hornblende überwiegt. Mau könnte
deshalb hier und da Laoten von Biotito-neiss oder Horn-
blendegneiss auszuscheideu geneigt sein, würde sich aber bald
überzeugen, dass eine scharfe Grenze anzugebeu unmöglich ist.
Näher au dem Granitgneiss treten einzelne vollständig hornblende-
freie und oft ziemlich grobkörnige Lagen auf; auch diese lassen
sich nicht scharf geofeu den normalen Dioritffueiss beo-renzen.
Zuweilen begegnet man, besonders in der unteren Grenzregion,
auch saueren Ausscheidungen, welche hauptsächlich aus mehr
oder weniger regelmässig verwachsenem Orthoklas und Quarz be-
stehen, und in der Regel die Form von schmalen Linsen, Bändern
und Adern besitzen. Dieselben wechsellageru hin und wieder mit
dunkeleu basischen Gesteinen, die bei vorwalteuder Hornblende
in der Reael etwas feinköruig-er als der normale Dioriterneiss sind.
Gueisse, welche dadurch ein deutlich streifiges Aussehen erhalten,
hudeu sich z. B. in der Nähe des grossen Steinbruchs am Steugerts
bei Gailbach.
Ferner kommen als Einlagerungen hier und da in dem
Dioritgneiss eigenthümlich brecci euartig aussehende und von
glatten oder nach einer Richtung gestreiften AblösTingsflächen
durchsetzte Alassen vor, welche rothen, trüben Orthoklas, spärlicher
wasserhellen, frischen Plagioklas, beide mit dem unbewaffneten Auge
deutlich unterscheidbar, und unregelmässig begrenzte Qnarzbrocken
in einer durch Brauneisen staidc gefärbten, äusserst feinkörnigen,
(piarzigen Grundmasse eingebettet enthalten. Diese, offenbar durch
den Gebirgsdruck stark veränderten Gesteine bezeichnen keinen
o
bestimmten Horizont. Ziemlich reichlich liegen sie oberhalli der
Kirche von Oberbessenbach und an dem Weg von da nach
Dörrmorsbach.
An vielen Stellen wird der Dioritgneiss durchsetzt von Gängen
H. Bückin’g , Das Grundgebirge des Spessarts.
35
und Adern eines grosskörnig ansgel)ildeten Peginatits, dessen
Gehalt an Kaliglinnner grossen Scliwanknngen unterliegt. Zumal
an der Grenze gegen den Granitgneiss häufen sich, wie schon
oheu ano-edentet wurde, solche gaugartige Ansseheiduugen.
In der Grenzzone des Dioritgueisses gegen den körnig-flaserigen
Gneiss treten in Farbe und Korn inauuigfach wechselnde Gneisse
auf. Besonders charakteristisch ist ein durch grosse Orthoklas-
einsprenglinge ausgezeichneter Angengueiss, der fast in seiner
ganzen Ansdehunng, vom westlichen Abhang des Stengerts (Grau-
Irerg) bei Schweiuheim bis Strassbesseubach, schon im Jahre 1840
Kittel bekannt war^). Er bildet linsenförmige, räumlich oft sehr
beschränkte Einlagernugeu, welche in der Regel in den normalen
Dioritgneiss allmählich übergehen, an einzelnen Stellen aber auch
scharf gegen denselben abgegreuzt erscheinen.
O ö O
Der Angengueiss besitzt gewöhnlich durch secnndäres Eisen-
oxyd eine etwas röthliche Farbe und enthält ausser Orthoklas
untergeordnet Plagioklas, dann Quarz in kleinkörnigen Hauf-
werken zwischen den grösseren Feldspäthen, und Biotit, welcher
in dichten schuppigen Massen die augenartig hervortretenden
Feldspäthe umgiebt. Hornblende und Titanit sind im Ganzen
seltener zu beobachten.
Auf das Gebiet des Dioritgueisses durchaus beschränkt sind
zahlreiche Eruptivgesteinsgänge, welche Goller neuerdings
näher untersucht hat. Von Kittel waren die Gesteine (a. a. O.,
S. 29 und 30) als Grünsteiuporphyr und Granitporphyr
beschrieben worden, Gümeel^) hatte sie dann mit dem Namen
A schaffit bezeichnet, später wurden sie als augitführeude Graulte
und Glinunerdiorite gedeutet, bis sie nun ihre Stellung bei den
dioritischeu Lamprophyreu oder Kersantiteu gefunden haben. Aus
der oben erwähnten Abhandlung Goller’s geht hervor, dass die Ge-
steine Kersantiteu entsprechen, welche zum Theil in beträchtlicher
Aleuge eigeuthümliche Pseudomorphosen enthalten, die den früher
b Kittel, a. a. 0. S. 12.
b Bavaria, 4. Bd., I. Abtb. 1886, S. 23; ferner in der oben angeführten
Abhandlung, S. 12.
3
36
H. Bückisg, Das Grundgebirge des Spessarts.
von Becke mit dem Namen Pili t belegten nnd neuerdings von
Doss 2) näher beschriebenen Gebilden sehr ähnlich sind, von
Goller aber nicht auf Olivin, sondern auf eine maguesiareiche
Varietät von Angit bezw. Plornblende ziirückgeführt werden. Auf
einzelnen Gängen ist der normale Kersantit ersetzt durch einen
Camptonit, ein Gestein, welches sich durch Führung primärer
Hornblende nnd Alangel an Angit (nicht aber an den Pilit-ähn-
lichen Psendomorplmsen) zwar von dem Kersantit unterscheidet,
aber doch auch durch Uebergänge mit demselben verbunden ist.
C. Körnig’- flaseriger Giieiss.
Im Hangenden des Dioritgneisses, also nördlich von demsel1)eu,
dehnt sich in grosser Verbreitung die von Gümbel als »Aschaffen-
burger Körnelgneiss« bezeichnete Zone aus. Sie erfüllt das
Gebiet zwischen Aschaifeuburg, Schweinheim, Strassbessenbach,
Keilberg, Weiler und Frohnhofen und erstreckt sich jenseits der
Aschaff bis zu einer von Kleinostheim über Steinbach (hinter
der Sonne), Afferbach und Wenighösbach bis nach Eichenberg
gezogenen Ijiuie. Auch im Kahlgrund, zwischen Blankenbach
und Grosskahl, tritt sie mit ihren oberen Lagen sattelförmig aus
dem sie umgebenden hangenden Gneiss hervor^).
Sie setzt sich zusammen aus körnig -flaserigen Biotitgneissen
und zweiglimmerigen Gueisseu, aus mehr untergeordneten schiefe-
rigen Gneissen, glimmerreichen schuppigen Gueisseu, Ilornblende-
*) Tschermak’s Mitth. 1883, V, S. 163 etc. — Herr Professor Becke in
Czernowitz hat nach freundlicher Durchsicht der von Goller untersuchten Dünn-
schliffe sich dahin ausgesprochen, dass die von Goller als Pseudomorphosen nach
Angit beschriebenen Tremolitaggregato als Pilit zu deuten und demnach die
meisten der Aschaffenburger Kersantite als Pilitkersantite zu bezeichnen sind.
Ebenda 1889, X, S. 51.
Kittel sagt in seiner, für den Localkundigen immer noch sehr wichtigen,
für den Fernerstehenden aber sehr mit Vorsicht zu benutzenden, oben erwähnten
Schrift, S. 13: »Im Gailbacher Thale bildet er — (der Aschaffenburger Gneiss) —
selbst das Dach des Syenits, während er im nördlichen Gebirgszuge ... die
Unterlage des Glimmerschiefers wird«. Berücksichtigt man, dass der »Glimmer-
schiefer« Kittkl’s dem »glimmerreichen, schieferigen Gneiss« entspricht (vergl.
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1879, S. 419), so wird ersichtlich, dass Kittel
im Grossen und Ganzen doch eine richtige Vorstellung von dem Bau des Grund-
gebirges hatte, wenn er sich auch sonst nirgends klar darüber ausgesprochen hat.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
37
gneissen- iiml Schiefern, Quarzfels und körnigem Kalk. Das
Streichen dieser Gesteine, ist ein westsüdwestliches, das Einfallen
gewöhnlich ein nordwestliches. Nur an der Strasse vom Weudel-
berg nach Gailbach (Würzburger Strasse) und in dem Gebiet
zwischen Haibach, Keillierg und Goldbach wird öfter ein steiles
südöstliches Fallen (70 — SO^*) beoliachtet; es liegen hier vielfach
kleine Faltungen und fächerartige Stellungen vor^).
Die wichtigsten Gesteine dieser Zone, deren Mächtigkeit sich
auf mindestens 7000 Meter bestimmt (vgl. unten), sind der graue
körnig-flaserige Biotitgneiss, wie er in typischer Ausbildung
am Wendelberg und Herniesbuckel aufgeschlossen ist und von da
bis nach Schmerlenbach verfolgt werden kann, und der häutig
etwas röthliche körnig-flaserige zweiglimmerige Gneiss,
welcher für die obere Abtheilung charakteristisch, sich zwischen
Gottelsberg und Frohnhofen und besonders nördlich von dem
Aschatfthale in einem breiten Zuge von den Mainaschatfer Wein-
bergen bis nach Eichenberg hin erstreckt, dann auch kuppelartig
aus dem glimmerreichen schieferigen Gneiss im Kahlgruude zwischen
Blankenbach und Grosskahl sich eidiebt. Beiden Gneissen gemein-
sam ist das Zurücktreteu der Glimmerffemencftheile o'esxeuüber dem
Feldspath und Quarz. Ihre Gneissstructur ist sowohl durch die
parallele Anordnung der Glimmerblättcheu als durch den regel-
mässigen Wechsel von vorwalteud Quarz oder Feldspath ent-
haltenden Lagen bedingt; Kittel hat sie nur in dem Gneiss des
Wendelberges übersehen und diesen allein als »Granit« bezeichnet
(a. a. O. S. 8).
Der körnig-flaserige Biotitgneiss, wie er am Wendelberg,
am Hermesbuckel und bei Winzenhohl, oft in grossen woll-
sackähulichen Felsblöckeu zu Tage geht, besteht hauptsächlich aus
Orthoklas in unregelmässig begrenzten Körnern von 0,4 — 3 Milli-
meter Durchmesser und aus Quarz, welcher, ebenfalls sehr reich-
lich vorhanden, mit dem Orthoklas nicht selten lagenweise wechselt.
*) In der von Kittel a. a. 0. S. 36 u. 37 gegebenen Uebersicht herrscht im
Allgemeinen keine Uebereinstimmung zwisclien der angegebenen Streichrichtung
und dem aus der angegebenen Fallrichtung hervorgehenden Streichen. Fast
durchgängig ist das Streichen falsch und das Fallen richtig angegeben.
38
H. Bücking, Das Gniadgebirge dos Spessarts.
Grössere (bis 10 Millimeter lauge) Orthoklase verleihen dem Ge-
stein zuweilen ein angengueissartiges Aussehen. Plagioklas tritt
im Ganzen zurück und ist meistens zersetzt. Nicht allzu reichlich,
aber ziemlich gleichmässig durch das ganze Gestein vertheilt, ist
der Biotit. Muskowit ist zwar spärlich, aber doch fast stets vor-
handen. Da er als secundärer Gemengtheil angesehen werden
kann oder muss, ist der oben gewählte Namen »Biotitgneiss«
gerechtfertigt. Magueteisen in Krystallen und Körnern ist in
grosser Menge im Gestein vertheilt; Titaneisen kommt nicht selten
in mehrere Millimeter dicken, der Schieferung parallel verlaufen-
den Lagen besonders in dem Gneiss von Haibach vor.
Erwälmenswerth ist, dass am Plermesbuckel sowohl an den
freistehenden Felsen als in den Steinbrüchen oft mehrere Quadrat-
meter grosse, gestreifte oder geglättete Flächen, offenbar Drnck-
oder Quetschtlächeu, gewöhnlich den Schieferungsflächen parallel,
beobachtet werden können. Auch die mikroskopische LTntersuchung
lehrt, dass dieser Gneiss starken mechanischen Finflüssen aus-
gesetzt war. Sie haben eine Biegung nicht nur der Biotitblättchen
sondern auch des undulös auslöschenden Orthoklases und des
zwillingsgestreiften Kalknatronfeldspathes, sowie eine oft weit-
gehende Zertrümmerung der fast gar nicht mehr einheitlich erschei-
nenden Quarzkörner veranlasst. Auch mikrokliuartiger Feldspath
wurde beobachtet, und von mikroskopisch kleinen Einschlüssen,
zumal im Feldspath und Biotit, besonders Zirkon und Apatit.
Am Gottelsberg, am Jägerhaus und in der Nähe von Schmerlen-
bach geht der eben erwähnte Biotitgneiss durch Aufnahme von
mehr Muskowit in den körnig -flaserigeii zweigliiiimerigeu Glneiss
über, aber so allmählich, dass eine scharfe Trennung der beiden
Gneisszonen nicht möglich ist. Der zweiglimmerige Gneiss be-
sitzt im Allgemeinen ein - etwas gröberes Korn und ist durch-
schnittlich reicher an Glimmer als der liegende Biotit»;ueiss. Bald
enthält er Muskowit und Biotit, beide in Blättchen bis zu 5 Milli-
meter Durchmesser, in gleicher Menge, wie z. B. an der Berg-
mühle bei Damm, im Staedtischen Strütwald, an den Weinbergen
nördlich von Mainaschaff’ und weiter östlich an der Ziegelhütte
H. BüoiaNG, Das Grundgebirge des Spessarts.
39
bei Hösbach, bald waltet der Muskowlt vor oder in einzelnen
auskeilenden Lagen der Biotit ’). Auch der zweigliinmerige Gneiss
erhält durch einzelne grössere Feldspäthe hier und da eine Augen-
gneissstructur, z. E. hei Steinhacli hinter der Sonne am Wege
nach Oberafierbach.
Unter den Feldspäthen ist der Orthoklas der herrschende.
Er ist weiss oder roth gefärbt und bedingt zusainmen mit den
Glimmergemengtheilen die Farbe der Gneisse. Plagioklas ist im
Ganzen nicht häufig; nur in einzelnen Lagen hält er dem Ortho-
klas das Gleichgewicht. Der Gehalt an Quarz ist im Allgemeinen
ein grosser, in den aufeinanderfolgenden Lagen aber doch zuweilen
grossen Schwankungen unterworfen.
Besonders reich an Quarz sind gewisse Lagen an der Knie-
breche , bezw. am Bommich östlich von Glattbach. In diesen
bildet der Quarz äusserst feinkörnige Aggregate, welche von den
kleinen Muskowitblättchen in wechselnder Menge unregelmässig
durchzogen werden und sowohl die Feldspäthe als einzelne grössere
Blättchen oder Nester von Biotit wie Einsprenglinge umschliessen.
Die zum Theil sehr widerstandsfähigen Gesteine treten in grösseren,
wollsackartig gerundeten Felsen an dem Bergabhang hervor. Un-
hoher Quarzgehält verräth sich schon äusserlich, indem bei der
Verwitterung der Blöcke der Quarz scharf hervorragende zackige
Rijipen bildet, die um so dichter gedrängt bei einander stehen
und den Felsen eine um so rauhere Oberfläche verleiheu, je reicher
au Quarz die Gesteine sind.
Der körnig - flaserige Gneiss, sowohl der graue Biotitgneiss
als der öfter röthlich - gefärbte , zweigliinmerige Gneiss, zeigt,
wenigstens gegenüber dem liegenden Dioritgneiss, eine grössere
Alaunigfältigkeit, indem gleich- und feiuköruige mit grobkörnigen
oder augeugueissartigeu, glimmerärmere mit glimmerreicheren Lagen
wechseln. Auch Kittel ist der oft recht beträchtliche Unterschied
des Korns in den aufeinanderfolgenden Lagen aufgefalleu; die fein-
9 Vergl. über die Ausbildung dieses Gneisses in dem linksinainisclien Gebiet
(Abtswald bei Stockstadt) auch Chelius, Notizen aus den Aufnabmegebieten des
Sommers 1888, Notizblatt d. Vereins für Erdkunde zu Darmsladt 1888, Heft Ö, S. 38.
40
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
körnigen, bin und wieder Turmalin fülirenden Gesteine nennt er
Gueisse, die gröberen bezeicbuet er als »Granitlager« (a. a. O.
S. 13 n.). Letztere bilden nacb iliin mebrere »mit dem Gneisse
abwechselnde Scbicbteu von 1 — 2 Fnss Mächtigkeit«, sowohl bei
Ajfterbach als auch im Gueiss unterhalb Stockstadt (Abtswald) und
im Glattbacber Thal.
Au vielen Stellen gewinnt der Gneiss bei reichlicherem Ein-
tritt von Biotit oder Mnskowit und einer dadurch bedingten
dunkleren oder helleren Färbung eine mehr schieferige Strnctnr,
so besonders am Jägerhaus, an der Wildscheuer zwischen Aschaffen-
burg und Schmerleubach und an mehreren Stellen zwischen Schöll-
krippeu und Vormwald. Seltener ist durch Streckung der Gemeng-
theile, zumal der Glimmer und Feldspäthe, eine gewisse stengelige
Structur hervorgerufeu, wie bei gewissen mnskowitreichen Gneissen
von Hösbach.
Einzelne grössere linsenförmige Einlagerungen, in
welchen die basischen Gemengtheile über die saueren, Feld-
spath und Quarz, derart überwiegeu, dass letztere beinahe nur
noch auf dem Qnerbrnch sichtbar werden, kommen überaus häutig
vor, z. B. bei Keilberg, Weiler, Schmerlenbach, Winzenhohl,
Fasanerie, Schellemnühle und Jägerhaus bei Aschafienburg, an
der Eisenbahn bei Hösbach etc. Kittel, welcher sie mehrfach
als »Glimmerschiefer« bezeichnet, erwähnt sie aus der Gegend
von Schweiuheim, vom Eltergrund, vom Wiugertsberg bei Wald-
aschaff, also aus einem ziemlich tiefen Niveau, dann von dem
Ostabhaug des Schmerlenbacher Waldes, und von dem Galgen-
berg und der Bergmühle bei Damm, ferner ans dem »Thale der
Steinbach, des llanenthals, der Glattbach und Goldbach« (a. a. O.
S. 18 und 12). Letztere liegen nahe an der oberen Grenze des
körnig -flaserigeu Gneisses und nähern sich in ihrem ganzen Aus-
sehen lind auch in der Art der accessorischen Gemeugtheile sehr
dem in der folgenden Zone herrschenden gliminerreicheu schiefe-
rigen Gneiss.
Mit diesen glimmerreichen Einlagerungen sind sehr gewöhnlich
vergesellschaftet gröbere sauere Ausscheidungen, welche we-
H. Bücking, Das Grundgebirge des S]iessarts.
41
sentlich aus fleischrotliein Orthoklas und zuweilen regelmässig eiu-
gewaehseneiu Quarz bestehen, auch Muskowit, seltener Biotit in
oft mehrere Centimeter grossen Schuppen und Tafeln enthalten
können, also von pegm ati tar tige r Beschaffenheit sind.
Diese Ausscheidungen besitzen eine ganz unregelmässige Gestalt,
treten bald mehr uesterweise, liald mehr gaugartig auf, können
sich verästeln und rasch an Mächtigkeit zu- oder alniehmen.
Mantelartia: umschlossen werden sie nicht selten von sehr o-limmer-
reichen Partien des Gesteins, in welchen der helle muskowit-
ähuliche Glimmer gern über den dunkelen Biotit überwiegt.
Kittel nennt diese Ausscheidungen Granit (a. a. O. S. 8).
Sowohl jene glimmerreichen Einlagerungen als die zuletzt
erwähnten saueren Ausscheidungen sind reich an zum Theil sehr
schön ausgebildeteu accessorischeu Gern eno-thei len, auf
welche Kittel ebenfalls aufmerksam gemacht hat (a. a. O. S. 19 u. 9).
In den ersteren finden sich, von Magneteisen und Titaneisen ab-
gesehen, besonders häufig Staurolith, Granat und Turmalin, in den
letzteren Turmalin, Granat und Cyauit.
Einzelne Lagen im glimmerreichen schuppigen Gneiss von
Damm, z. B. an der Bergmühle und Aumühle, enthalten zoll-
grosse, von sehr glatten, uiigestreiften Prismentlächeu begrenzte
Turmaliukrystalle dichtgedrängt neben einander und auf den
Schieferflächen grünlich - und röthlich - graue faserige Alassen
von Fi br olith, während in den groben pegmatitischeu Ausschei-
dungen bei Haibach und an der Anmühle über 4 Centimeter lange
gut ausgelnldete Turmalinprismen und faustgrosse, aus nur wenigen
Individuen zusammeuofesetzte derbe Turmaliuap:gre2:ate und im
Quarz eiugewachsene hreitstengelige, zum Theil gebogene Cyauite
von bläulicher Farbe Vorkommen. Aus der Sammlung des Herrn
Prof. Benecke liegen mir ferner noch vor grosse Grauatkrystalle,
2 — 3 Centimeter im Durchmesser, von röthlich-brauner Farbe,
welche vorherrschend 2 0 2 und nutergeordnet oo O zeigen, und in
den 60-er Jahren ans dem quarzreicheu Pegmatit von Haibach ge-
sammelt wurden, ln diesem finden sich auch bis 3 Centimeter
breite Mnskowittafeln und bis 10 Millimeter dicke, breite Lagen von
derbem Titaneisen. Ferner sind aus der ebengeuaunten Sammhuig
42
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
ganz besonders beinerkenswertb zwei gleichfalls in den 60-er Jahren
erworbene Apatit krystalle ans dem Peginatit von Sclnnerlenbach.
Von diesen ist der eine, mit spiegelnden Flächen bedeckte, ringsum
ansgebildete Krystall 4 Centimeter lang und nahezu 3 Ceutimeter
dick, von grünlich - grauer Farbe, manchen Snarnmer Apatit-
kry stallen auch in der Condjination ooP.oP.P nicht unähnlich;
der andere, besser erhaltene und durchscheinende Krystall misst
15 Millimeter in der Höhe und 17 Millimeter in der Breite, hat
eine hellgrnuliche Farbe und zeigt die Combinatiou go P . o P mit
P und 2 P 2. Auch Sandberger hat (Neues Jahrb. f. Min. 1878,
S. 842) ebenso grosse Apatitkrystalle ans den »Qnarznestern« des
Gneisses der Anmühle bei Damm lieschrieben , sowie Beryll,
welcher in »grösseren bündelförmig znsanimeugehänften Krystallen
ooP.oP zum Theil noch frisch und von blass meergrüner Farbe,
zum Theil bereits durch Zersetzung gebleicht, mit Orthoklas und
schwarzem Turmalin« in den gleichen Quarzausscheiduugen vor-
kommt.
Grössere pegmatitische Ausscheidungen, welche entweder in
Form von Linsen oder mehr oder weniger mächtigen Lagen, ge-
wissen sehr (yrobköruio-en Vluskowito-neissen oder - Graniten ähn-
o O ö
lieh, in dem Gneiss, und zumal in dem glimmerreichen schuppigen
Gneiss, eingeschaltet sind, werden augetroffen am Gottelsberg, iind
in derselben Zone an der Schellenmühle, am Garteuberg und im
Schmerlenbacher Wald, ferner in der Fasanerie bei Aschaffenburg
und an der Bergmühle und Schwalbenmühle bei Damm.
In recht ansehnlichen und behufs Feldspathgewinnung früher
auf o-rössere ErstreckuiiG: aufgeschürften Gäno-en, deren Streichen
bald dem des Gneisses entspricht (h. 3 — 4) bald auch quer-
gei'iehtet ist (h. 7), tritt der Peginatit nördlich von der Aschaff
in der Gemarkuncf von Mainaschaff' am soa;enaunteu Dahlem’s
Buckel (»Afholder« der bayrischen Generalstabskarte) und in der
Nähe von Glattbaeh auf, hier sowohl in dem Hohlweg hinter der
Kirche (2 Gänge, von welchen der eine D/2 — 2 Meter, der andere
etwa 12 — 15 Meter mächtig ist), als auch an dem wegen seiner
schönen Aussicht vielfach besuchten » Grauen Stein « (»Bommich«
der Generalstabskarte). Der Peginatit von letzterem Punkte (und
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
43
vom Dahlem’s Buckel) steht an Scliönheit dem l)ekaimtcu Schrift-
granit von Bodeumais in nichts nach. Ausser feiuköriiigeren Ab-
arten kommen auch solche vor, bei •welchen die Feldspathindividuen
über einen Fuss im Durchmesser besitzen. Muskowit, der im
Pegmatit des Graiien Steins sehr reichlich vorhanden ist, fand
sich i. J. 1875 in ebenfalls fussgrossen Tafeln, an welchen sehr
deutlich die vom Zinnwaldit von Zinnwald so bekannte Fältelung
nach 3 unter etwa 60® sich schneidenden llichtuno-en zu sehen
O
ist. Besonders häufig waren solche grosse Muskowitl)lätter am Sal-
band des Ganges und hier so orientirt, dass die zn blumenl)lätterigen
Aggregaten zusammentretenden Glimmertafeln mit ihren Spaltungs-
tlächen nahezu senkrecht zum Salband standen.
Ausser den pegmatitischen Ausscheidungen finden sich auch
noch Quarzmassen von unregelmässiger Gestalt, theils als
linsenförmige Einlagerungen theils als Spaltenausfüllungen
in der Gneisszone zwischen Aschaffenburg und Glattbach, zumal
am Pfaffenberg, nicht selten. Kittel erwähnt sie (a. a.^ O. S. 14)
auch vom Gottelsberg, vom Büchelberg, vom Sternlierg, von der
Strüt und von Kleinostheim, und giebt an, dass besonders gern Rutil
in denselben eingewachsen vorkommt. Auch Einlagerungen von
Quarzit bezw. sehr quarzreichem, glimmerarmem und fast feldspath-
freiem Gneiss sind mehrfach beobachtet worden, so im Schmerlen-
bacher Wald, am Zeughause bei Aschaffenburg, au der Kliuger-
mühle bei Strassbesseubach, bei Ilaibach, am Wendelberg, ferner
an der Aumühle und bei Hösbach. Ihre Mächtigkeit ist zuweilen
ziendich beträchtlich.
Lager von glimmerarmen Gneissen, welche früher als
Grauulit oder Weissstein beschrieben wurden, sind elienfalls
nicht selten. Sie finden sich, oft nur 10 Centimeter oder noch
weniger mächtig, mit grauem Biotitgneiss wechsellagernd, und
vergesellschaftet mit Pegmatitlinseu, nahe bei Schmerlcubacli, nach
Kittel (S. 10, 14 und 32) auch an den Gartenhöfen, hinter Gold-
bach und bei Gailbach, hier oft reich au kleinen Granaten. Ein
derartiges Gestein von der Reisermühle bei Schweiuheim enthält
44
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
in grosser Menge tlieilweise zersetzten Feldspath von mikropertlii-
tiscliem Aussehen in einer feinkörnigen, die Feldspäthe gleichsam
mit einander verkittenden Grnndmasse von Quarz und mikro-
skopisch kleinen Körnern von Granat. Andere hiotitarme Gneiss-
varietäten, vrie solche an der Kniebreche und am Bommich hei
Glattbach Vorkommen, erhalten durch ihr gleichmässiges feines
Korn ein granulitartiges Aussehen; sie sind sehr reich an Feld-
spath, bisweilen mit Mikroklinstructur, enthalten Granat in runden
Körnern, und in der Regel auch etwas Muskowit.
Von nur geringer Verbreitung, und hauptsächlich auf die
höheren Lagen des körnig- flaserigcn Gneisses beschränkt, sind
Gt ne iss schiefer, welche keinen Biotit enthalten, dafür aber reich
an silberweissem Muskowit sind. Ein solcher Muskowitgneiss-
schiefer steht an dem We<re von Schimborn nach WeniMiösbach
O O
dicht vor dem EinQ'ana; in das letzta;enannte Dorf an. Er besteht
O O O
vorwaltend ans fleischrothem Feldspath und aus mehr zurück-
tretendem Quarz und enthält viele, verhältnissmässig grosse Magnet-
eisenkryställchen. Seine Schieferungsflächen sind fast ganz mit
dem hellen Glimmer bedeckt. Auch der Gneiss, welcher bei
Eichenberg am Wege nach Mittelsailanf, efwa in dem gleichen
Horizont wie das obenerwähnte Gestein von Wenighösbach an-
steht, ist dem letzterem sehr ähnlich ; nur bedeckt der silberweisse
Glimmer die Schieferflächeu des sehr düunschieferigen Gesteins
nicht vollständig, sondern erscheint mehr in einzelnen Blättchen
von durchschnittlich 1 Millimeter Durchmesser, die durch das
Quarzfeldspathgewebe von einander getrennt sind.
Ganz besonders mannigfaltig sind die Gneisslagen in der ver-
hältnissmässig breiten Grenzzone gegen den liegenden Dioritgneiss.
Man findet in dieser mit einander und mit normalem körnigem
Biotitgneiss wechsellagernd glimmerreiche und glimmerarine Lagen,
scheinbar fast nur aus körnigem Orthoklas bestehende Streifen
und röthliche Qüarzbänder, welche in mannigfachem Wechsel
auf einander folgend dem Gestein ein ausgesprochen streifiges
Aussehen verleihen. Mit Rücksicht hierauf mao; der Gneiss dieser
TT Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
45
Zone als körnig -streifiger Gneiss, also mit demselben Namen be-
zeichnet werden, welchen TiiÜRACll für den Gneiss von Haibacb,
der ebenfalls nnmittelbar anf den Dioritgneiss folgt, geAväldt hat
Der körnig -streifige Gneiss ist an einzelnen Stellen durch
den Mangel an Hornlilende dem Dioritgneiss gegenüber gnt ge-
kennzeichnet; an anderen Stellen aber, wo der Dioritgneiss an
seiner oberen Grenze hornblendefrei wird oder biotitreiclie Lagen
in grösserer Menge enthält, gebt er ganz allmählich in jenen
über (vgl. auch Kittel, a. a. O., S. 38 nnd S. 35 Mitte). Dazu
kommt noch, dass in dem körnig-streitigen Gneiss hin und wieder
hornblendereicbe Einlagerungen anftreten, welche manchen Ge-
steinen in der Dioritgneisszone zum Verwechseln älndich sind.
Kittel hat sie (a. a. O., S. 32 und 33) als »Syenitschiefer«, » Grün-
steiuschiefer « nnd » Ilornblendeschiefer « beschrieben, aber etwas
zu tief gesetzt, wenn er sie als »Dach des Syenits« (d. i. des
Dioritgneisses) von Gailbach bezeichnet.
Besonders beachtenswerth sind einige , zum Theil recht
mächtio’e Einlar>;erun<xen, welche, wenn auch an einzelnen Stellen
O O ö 7 7
auskeilend, doch ziemlich constant in demselijen Horizont im
körnig - streitigen Gneiss an verschiedenen Orten wiederkehren.
Es sind folgende :
1 . Ein etwa 20 bis 40 Meter mächtiger Zng von ziemlich fein-
körnigen II 0 r n b 1 e n d e g n e i s s e 11 bezw. II o r n b 1 e n d e s c h i e f e r n ,
welche häufig von helleren, saueren Lagen durchsetzt sind. Sie
stehen zwischen der Aninühle bei Schweinheim nnd dem Fussberg,
sowie an der Strasse nach Gailbach an und streichen über den
Elterbof bis in die Gegend des Klingerbofs und nach Weiler bei
Waldaschaff hin.
2. Ein Lager von weissem körnigem Kalk, das im Lie-
genden des eben unter 1. erwähnten Zuges au mehreren Punkten
zwischen dem Elterhof und Haibach aufgeschlossen ist nnd im
gleichen Horizont am Hammelsberg südlich vom Klingerbof beob-
achtet werden kann. Am Salband ist dieses Ivager reich an breit-
stengellgem Treinolit, nach Thürach (a. a. O., S. 56) auch an
0 lieber das Vorliommen milirosliop. Zirkone etc. Würzburg 1884, S. 56.
46
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
mikroskopisch kleiaeu Aiiatas- und Zirkoukryställclien ; gelbe luid
rothe Granaten werden von Kittel erwähnt (a. a. O., S. 32).
3. Ein schmaler, etwa in der Mitte zwischen dem körnigen
Kalk lind dem Dioritgneiss (bezw. Aiigengneiss) gelegener Zug, in
welchem die Gneisse, und zwar sowohl (n’obköruia:e, o-raultisch
oder pegmatitartig aiisgebildete, als glimmerreiche und glimmer-
schieferartige Gesteine, alle reich an zuweilen 1 Ceutiineter grossen
Körnern von braunem Granat sind. Auch diese Zone lässt sich
vom Graiiberg bei Schweinheim bis nach Strassbessenbach hin
verfolgen ^).
AVährend in der mächtitren mittleren Abtheiliins; des körnig;-
flaserigeu Gueisses characteristische, auf bestimmte Horizonte be-
schränkte Eiulag;erung;en fehlen , wenn man wenig;stens von den
oben schon erwähnten saueren Ausscheidungen und linsenförmigen
Lagen glimmerreicheu schieferigen Gueisses, welche durch das
ganze Gebiet des körnig-tlaserigen Gueisses verbreitet Vorkommen,
absieht, stellen sich in der oberen Region, also nördlich
vom Asidiaffthale, wieder Horilbleildegueisszüge in ziemlich
reffelmässig’er Weise ein. ITornblendegneisslag-en von wechselnder
Mächtigkeit und mehrfach ganz anssetzend, sind im Glattbach-
thale aufgeschlossen und scheinen sich von da bis zum Dahlem’s
Buckel bei Alaiuaschaff, in den Städtischen Strütwald, nach dem
Rauenthal und Steiubach, und andererseits bis in das Goldbach-
thal, bis zum Sternberg: bei Wenig'hösbach und bis nach Eichen-
berg’, wo sich das Grundg:ebiro;e unter dem Zechstein und Bunt-
Sandstein verbirgt, fortzusetzen (vgl. z. B. Kittel, a. a. O. , S. 35
über die Profile im Glattbacher Thal und au der Kuiebrech). Merk-
würdiger Weise sind sie dagegen in dem köruig-flaserigeu Gneisse,
welcher im Kahlthale sattelartig aus dem glimmerreichen schieferigen
Gneisse hervorragt und sich südwärts bis zum Kupferbergwerk
Wilhehuine bei Sommerkahl erstreckt (vgl. Profil 3), bis jetzt noch
nicht aufgefiiudeu worden, trotzdem dieser Gneiss dem normalen
*) R. Ludwig, Geognosie und Geogenie der Wettcrau, Hanau, 1858, S. 22
und 23, giebt das Streichen richtig an, hält aber die granitartigen Gneisse für
Granit.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
47
zweigliinaierigeu Gueiss von Maiiiaschaft', Steiiibach, Glattbach
und Goldbach iin Uebrigeu durchaus älnillch ist.
Kittel erwähnt von den Hornhleudegueisseinlageruugeu in
dieser Zone folgende: 1. »sclnnächtige Schichten« von »Syenit-
gneiss« iin Gneisse des Eaueuthals, in der Striet und hei Glatt-
hach (a. a. O., S. 12); 2. » Grün stein schiefer« als nuterge-
ordnetes Lager im Gueiss in der Nähe des Basalthruches hinter
dem Maiuaschatfer Weinberge, und »etwa 10 Fass mächtig im
Syenitgneisse und in der Nähe des L^rgrünsteins hinter Glatthach«
(S. 32); 3. » Hornhleud es chi efer « in grösserer Mächtigkeit
anstehend hei Steinhach hinter der Sonne (S. 33); 4. »Grün-
stein (Diorit)« hinter Goldhach, und bei Glatthach, an crsterem
Orte im grobkörnigen Gueiss (ähnlich soll er auch in der Fasanerie
auftreten), au letzterem Orte in dem Hohlweg hinter der Kirche,
hier nach Kittel vergesellschaftet mit Granit (d. i. Pegmatit),
Syeuitgneiss, llornhlendeschiefer und Glimmerschiefer (d. i. Ein-
lagerung von glimmerreichem schiefrigem Gueiss) mit Stanrolitheu
(a. a. O. S. 29). Endlich ist noch hierher zu rechnen: 5. »eine
ziemlich starke Schicht von Epidotgneiss, in welchem kleine
hlassgrüne Körnchen von Epidot die Stelle des Glimmers ver-
treten«, hinter Goldhach (a. a. O., S. 14): 6. dann »neben diesem
eine andere Schicht von Gueiss, in welchem der Glimmer durch
hlassgrüne, graue und schwärzliche, ziemlich grosse Hornhleude-
krystalle vertreten wird«.
Andere zersetzte Ilornhlendegneisse und -Schiefer aus dieser
Zone sind von Kittel als » Strahl stein gueiss und Proto-
gine« (S. 33) und sogar als »Gahhro« (S. 34) bezeichnet
worden. Die erstereu führt er von den schon oben genannten
Orten, ans dem stillen Tliale des Strütwaldes , aus dem Glatt-
hacher Thale vom Fuss der Kuiehrecli, ans dem Goldhacher Thal
gegen Unterafterhach hin, »hier überall derselben Schichte auge-
hörend«, an, und ferner weiter nördlich ans denselben Thälern,
ein zweites mächtigeres Lager bildend, das »am kenntlichsten, ob-
wohl im halhverwitterteu Zustande, hinter der Kirche von Glatt-
bach ist«. Sein »Gahhro« bildet auf dem Rücken des »Bergzuges
zwischen Feldkahl und Wenighösbach im Glimmerschiefer« —
O
48
H. Bückin’g, Das Grundgebirge des Spessarts.
rielitio-ei' an dem nach Weniafliösbach o'eneio’ten Abhano: an der
O ö o O Ö
Grenze des körnicr-flasericren Gneisses sregen den 2'linnnerreichen
schieferigen Gneiss (vergl. Profil 1) — »ein kleines Lager von un-
gefähr 6 Fnss Mächtigkeit. Die Grnndinasse ist Schillerspath«
— richtiger faserige Hornblende — »mit eingemengten kleinen
Körnern von Qnarz, Feldspath nnd körnigem Pistacit. Die Ab-
sonderung geschieht in nnregelmässigen , fanst- Ins kopfgrossen,
änsserst harten« — richtio-er zähen — »Stücken, oder in inassii»en
Blöcken, wie der dortselbsten gleichfalls anftancheude
G r ü n s t e i 11 « .
Die Beschreibungen Kittel’s habe ich hier etwas ausführ-
licher wiedergegeben, weil ans ihnen selbst am besten hervorgeht,
dass die obeiigenanuten von ihm mit so vielen verschiedenen
Namen belegten Gesteine sämmtlich mir Horiibleudegneiss (nnd
ITornblendeschiefer) von wechselnder Structnr und in verschiedenem
Zustande der Zersetzung sind. Ueber einige der erwähnten Vor-
kommnisse will ich noch FoDendes hinznfüofen.
ö Ö
Der Horiiblendeo-ueiss von Gold hach ist in einzelnen
O
Ijagen ziemlich grobkörnig, dabei aber doch ausgesprochen schiefe-
ria: bis feinflaseria:. Durch Eiuschaltuna: dünner, g:elea:entlich auch
wohl 5 Millimeter starker Streifen von körnigem Feldspath, Qnarz
und etwas Biotit zwischen die hornblendereichen Lagen erhält er
zuweilen ein streifiges Aussehen. Neben der etwas zersetzten, hell-
grün gefärbten, strahlsteinartigen Hornblende stellt sich oft recht
reichlich gelbgrüner Pistacit ein, in körnigen Aggregaten durch
das Gesteinsgewebe vertheilt; in einzelnen Bänken sind die ba-
sischen Gemengtheile sogar vollständig durch den secnndär ge-
bildeten Epidot ersetzt. Andere mit typischem Hornblendegneiss
wechselnde Bänke führen nelien der Hornblende noch ziemlich
grosse, etwas gebleichte, bräunliche Biotitblättchen in grosser
Alenge.
Der Hornblendegneiss, welcher in dem Hohlwege
hinter der Kirche von Glattbach etwa 100 Schritt weit auf-
geschlossen ist, ist im Allgemeinen ziemlich gleichmässig feinkörnig
nnd zeigt eine nicht gei’ade sehr in’s Auge fallende feinstengelige
Structnr. Die schwarzen, durchschnittlich 2 Alillimeter langen
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
49
Hornblendenadeln sind parallel gerichtet und umhüllen, dichtge-
dränst uehen einander liegend und von vereinzelten Biotithlättchen
begleitet, die ebenfalls in der Längsrichtung der Iloriiblendenadeln
gestreckten Aggregate der saueren Gemengtheile. T3ie letzteren
stehen den basischen an Menge nicht nach. Der Quarz tritt dem
Feldspath gegenüber entschieden zurück. Er umschliesst im fein-
körnigen Gewebe die iin Allgemeinen grösser entwickelten Feld-
späthe. Diese sind oft noch sehr frisch, und erweisen sich theils
als Orthoklas, theils als stark verzwillingter Plagioklas. Recht
reichlich durch das ganze Gestein zerstreut ist Titauit in mikro-
skopisch kleinen Kryställcheu.
Etwas gröber ausgebildet sind der titanitreiche Hornblende-
gneiss von Eiclienberg und das viel frischere Gestein vom
Sternberg und Löchl es graben bei Wenighösbach. Beide
entbehren der stengeligeu Structur, da die breit säulenförmigen
Hornblenden in ihnen keine parallele Anordnung besitzen. Das
etwas stärker zersetzte Gestein von Eicheulierg enthält wenig Quarz
und von basischen Gemeugtheilen nur Hornlileude. Dagegen ist der
Gneiss von Wenighösbach reicher an Quarz und fuhrt ebenso, wie
der Hornblendegneiss von Glattbach, auch noch Biotit und unter
den Feldspäthen, die vorwiegend Orthoklas und nur zum kleineren
Theil zwillingsgestreifte Plagioklase sind, auch solche mit deut-
licher Mikroklinstructur.
Au diesen biotitführeuden Hornblendegneissen (oder Glimmer-
amphiboliteu) der oberen Abtheilung des körnig-flaserigeu Gneisses
lässt sich übrigens die Beobachtung machen, dass mit zunehmendem
Biotitgehalt der Plagioklas gegenüber dem Orthoklas ganz ent-
schieden zurücktritt. Sowohl dadurch als durch Zunahme des
Biotits auf Kosten der Hornblende entstehen LTebergänge in den
normalen körnigen Gneiss.
Die von Kittel als »Gabbro« beschriebenen Massen liegen
bei Wenighösbach auf den Aeckern umher und sind als Einlage-
rungen in einem Zug von Plornldeudegueissen zu deuten, welchem
auch der zuletzt erwähnte glimmerführende Hornblendegneiss
vom Sternberg und Löchlesgraben angehört. Es sind grobkörnig
ausgebildete, fast nur aus Hornblende in verschiedenen Zer-
Jahrbuch 1'889.
4
50
H. B ücKiNo, Das Grundgebirge des Spessarts.
setzungsstadien bestehende, äusserst schwer zerschlagbare Blöcke,
welche eine gewisse Aehnlichkeit mit zersetztem Gabbro besitzen.
Sie haben entweder eine gleichmässig: schmutziir-olivengrüne Farbe
oder dadurch, dass sich in dem vorherrschend branngrünen Filz-
gewebe hier nnd da rothbraune, nni’egelmässig begrenzte Flecken
einstelleu, ein scheckiges Aussehen. Die mikroskopische Unter-
suchung lehrt, dass das Gestein aus einem Aggregat von breiteren,
farblosen bis schwach grün gefärbten, faserigen Hornblenden, vielen
dünnen farldosen Tremolitfasern und unregelmässig vertheiltem
Brauneisen besteht. Einzelne grössere Hornblenden, und unter
diesen Zwillinge des gewöhnlichen Gesetzes, scheinen noch die
Form der primären Hornblende zu besitzen; sie enthalten aber
viele unregelmässia: eiugelagerte Tremolitfasern und werden kranz-
förmig von einem Tremolitfilz umgeben. In den frischesten Stücken,
welche zur Untersuchung gelangten, ist die herrschende Hornblende
bereits faserig, von grüner Farbe und strahlsteinartigem Aussehen.
Eine Bildung von serpentinartigen Zersetzungsproducten wurde in
den von mir gesammelten Handstücken nicht wahrgenommen.
Die Gneisse, welche im Kahlthale zwischen Blanken-
bach und Grosskahl einerseits, und zwischen Sommerkahl
und Schöllkrippen andererseits, unter dem glimmerreichen
schieferigen Gneisse hervortreten, sind den normalen zweiglimme-
rigen Gneissen, wie sie für die obere Abtheilung der Zone der
körnig -flaserigen Gneisse weiter südlich bezeichnend sind, durch-
aus ähnlich.
In den Gneissen, welche zwischen Vormwald und Schöll-
krippen (Profil 3) und besonders in den Hohlwegen östlich und
nördlich von Schöllkrippen anstehen, überwiegt der Biotit den Mus-
kowlt. Die Structiir ist eine feintlaserige bis schieferige, die Farbe
eine hell- oder röthlichgraue. Unter den Gemengtheileu herrscht
der hell-fleischrothe Orthoklas Amr. Die Glimmermiueralien treten
im Allgemeinen sehr zurück; wenigstens bedecken sie nur sehr
selten in zxisammenhängenden Massen die Schieferflächen \mll-
ständiar; am häufia:sfen erscheinen sie entweder in von einander
getrennten Blättchen gleichmässig über die ganze Schieferfläche
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
51
zerstreut oder in einzelnen Streifen besonders geliänft, dadurch
eine Art von stengeliger Structur bedingend.
Grobflaserig und augeugneissartig entwickelte Varietäten
kommen in mehr oder weniger mächtigen Bänken zwischeu-
gelagert zwischen den herrschenden, feinflaserigen und schieferigen
Gneissen vor. Auch können echte Biotitgneisse und Biotit -freie
hellglimmerige Gneisse neben den gewöhnlichen zweiglimmerigen
Gneissen, ebenso feldspathreiche und quarzarme neben feldspath-
armen und quarzreichen Abarten uuterschieden werden. Ueber-
haupt ist die Mannigfaltigkeit der verschiedenen Gneissvarietäten
in dem oben abgegrenzten Bezirk, zumal wenn mau noch auf die
Zersetzungsstadien der einzelnen Gemengtheile und auf das häufige
Auftreten einzelner accessorischer Mineralien Rücksicht nehmen
wollte, eine so grosse, dass es nicht möglich ist, alle die ver-
schiedenen Abaideu hier ausführlicher zu beschreiben.
Nur das sei noch erwähnt, dass sieh auch glimmerarme,
granulitartige Gesteine in wenig mächtigen Bänken hier und da,
z. B. in der Nähe von Vormwald, einstellen, bald reicher an
Feldspath, bald reicher an Quarz, gewöhnlich recht feinkörnig
und im Querbruch manchen mürben Sandsteinen nicht unähnlich.
Der Feldspath dieser Gneisse ist nicht selten Plagioklas, der
spärliche Glimmer in der Regel Muskowit.
Interessant ist das Kupfererz Vorkommen in den eben be-
sprochenen Gneissen auf der Grube Wilhelmiue (»Ober-
mühle« der bayr. Generalstabskarte) bei Sommerkahl. Der durch
die bergbaulichen Aufschlüsse blosgelegte Gueiss ist ziemlich
grobkörnig und theils flaserig, tlieils mehr ebeuschieferig; Quarz
durchschwärmt ihn in Schnüren und Linsen von grösserer und
geringerer Ausdehnung. Die Mehrzahl der Gueissbänke enthält
nur weisseu Glimmer; doch ist in einigen auch dunkeier vorhanden,
mit dem hellem verwachsen, aber au Menge ihm gegenüber zui’ück-
tretend. Es hat den Anschein, als ob der weisse Glimmer zum
grossen Theil secundär ist und sich erst bei den Vorgängen, welche
die Erzführuug des Gesteins veranlasst haben , gebildet hat.
Der Feldspath kommt sowohl in grösseren, ziendich stark zer-
4
52
H. Bückisg, Das Grundgebirge des Spessarts.
setzten, von dem ungleicliköniigeu Quarzgewebe umsclilosseneu
ludividiieu voi’, welche dem Orthoklas zugebören, als auch in
kleineren, zwischen den Qiiarzkörnern unregelmässig zerstreut
liegenden, frischeren Körnchen, welche sich durch ihre Zwillings-
streithng als Plagioklas zu erkennen gehen. Der helle Glimmer
beherbergt dunkle, unter etwa 60® sich schneidende Säiilcheu,
welche als Rutil zn deuten sind ^). Aehnliche nadelförmige Mikro-
lithen finden sich auch mitten in den Zersetzungsproducten des
Feldspaths. Titanit, Zirkon und Apatit sind in ziemlich scharf
ausgebildeten Kryställchen vorhanden. Von secundären Mineralien
ist Calcit zu erwähnen; derselbe liegt in feinen Körnchen ziiweilen
mitten im Quarz - Plagioklas - Grundgewebe.
Von den Kupfererzen der Grube Wilhelmine finden sich die
Schwefelverbinduu2:en nur auf einzelnen unrea:elmässioc das Gestein
durchziehenden Spalten und Klüften, die kohlensauren Salze hin-
gegen allenthalben in dem klüftigen Gestein, die feinsten Spalten
desselben erfüllend und die Höhlungen krustenförmig überrindend.
Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Erzführung von dem im
Hangenden des Gneisses liegenden Kupferlettenflötz der Zechstein-
formatiou ihren Ausgang nimmt. Die gangartigen Spalten im
Gneiss mögen sich zu derselben Zeit mit Schwefelerzen gefüllt
haben, als sich anderwärts im Spessart die Kupfererzgänge und
Kobaltrückeu der Zechsteinformation bildeten. Von den Gängen
und dem hangenden Kupferlettenflötz aus haben sich dann die
unter dem Einfluss des Sickerwassers und der Luft entstandenen
Zersetzungsproducte allenthalben durch das Gesteiu verbreitet.
Die wichtigsten auf den Gängen auftretenden Erze sind Fahl-
erz, Buntkupfererz und Kupferkies ; jüngerer Entstehung sind
Malachit, Kupferlasur, Kieselkupfer, Kupferglimmer und einige
seltenere Mineralien, von welchen noch das von Sandberger mit
dem Namen Leukochalcit belegte Mineral ^), ferner der bisher von
') Der Rutil ist überhaupt im Glimmer der Spessartgneisse etwas häufiger,
als dies nach Tuürach, Vorkommen mikroskop. Zirkone etc., Würzburg 1884
S. 21 , der Fall sein soll.
N. Jahrbuch f. Min. 1881, I, S. 259; vgl. auch Th. Petersen, ebenda,
S. 2G2 — 64; ebenso Cotta, ebenda, 1876, 570, Referat über seine Abhandlung
in der Berg- u. Hüttonmänn. Zeitung, 1876, No. 14.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
53
der Grube Wilbelmine iiocli nicht bekannt gewesene Aragonit
(in kleinen sjaiessigen Krystallen) und der von Herrn Gruben-
verwalter Fischer aufgefundene Pharinakosiderit^) erwähnt seien.
Analoge Kupfererzvorkoininen sind in der Nähe von Sailauf,
bei Goldbacli, zwischen Hösbach und Wenighösliacb (Kittel,
a. a. O., S. 15) und an der Feldstufe bei Feldkahl zeitweilig in
Bearlieituncr gewesen.
1 11 der G r e n z z o n e g e g e n d e n g 1 i in m e r r e i c h e n schiefe-
rigen Gneiss findet sich an der Feldstufe östlich von Wenig-
hösbacli und ebenso weiter östlich bei Eiclienberg, am Wege nach
Alittelsailauf, und im Kabltbale am Fusspfad von Scliöllkrippen
nach Western, allenthalben demselben Niveau angehörig, ein
schieferig ausgehildeter, fein- bis mittelkörniger Gneiss von heller
Farbe, der vorwiegend aus Feldspath und Quarz besteht und nur
auf den Schieferflächen kleine dunkle Biotitblättchen enthält. Der
Feldspath, vorwiegend stark zersetzter Orthoklas, bildet, wie an
Schliffen quer durch das Gestein sichtbar wird, körnige Aggre-
gate und wird durchsetzt von kleinen flachen Quarzlinsen, die
sich aus mehreren Individuen körnig zusammensetzen. Auch secun-
däre, aus dem Feldspath hervorgegangene Muskowitblättchen,
von welchen man in der Kegel mit unbewaffnetem Auge nichts
wahrnimmt , durchziehen das Quarz - Feldspath - Gewebe , der
Schieferung ebenso folgend, wie die Quarzaugen.
Alit derartig ausgebildeten Gneissen wechsellagern an der oberen
Grenze des körnig -flaserigen Gneisses, zumal bei Wenighösbach
(Profil 1), bei Glattbach (Profil 2) und bei Kleiuostheim, einzelne,
zum Theil recht mächtige Einlagerungen von glimmerreichem,
schieferigem Gneiss, welcher von dem in der folgenden Zone
herrschenden Gestein petrographisch nicht unterschieden werden
kann. Es wird dadurch ein Uebergang in die folgende Zone ver-
mittelt; derselbe ist an vielen Stellen ein ganz allmählicher und
wird um so weniger auffällig, je zahlreicher und je weniger
mächtig jene Einlagerungen sind.
') Der schon länger bekannte Pharmakosiderit von Schöllkrippen kommt
nicht im Gneiss, sondern im Eisenstein der Zechsteinformation am Kalmus bei
Schöllkrippen vor.
54
H. Bücrisg, Das Gnmdgebirge des Spessarts.
li. Glimmerreicher schieferiger Gneiss.
Der gliimnerreiclie schieferige Gueiss ist ein durch
das entschiedene Vorwalten der Glinimergemengtheile sehr wenig
widerstandsfähiges Gestein. Er bildet ein von zahlreichen, wenig
tiefen Thäleru, mannigfach gekrümmten Schluchten und tief eiii-
geschnitteueu Hohlwegen durchfurchtes, flachwelliges Bergland, in
welchem fast allenthalben prachtvolle Aufschlüsse vorhanden sind,
die ein lehrreiches Bild von dem Gebirgsbau und der Gesteius-
beschaftenheit geben. Besonders in dem von der Kahl diirch-
strömteu Gebiet zwischen Oberafierbach- Rückersbach und Gross-
kahl-Huckelheim, welches nur noch zum kleinen Theil auf der von
Kittel entworfenen geognostischen Karte der Umgegend von
Aschafteuburg zur Darstellung gelangt ist, kann man die Aus-
bilduuo; des g-limmerreichen Gueisses am besten studireu und
beobachten, dass sein allgemeines Streichen von SW. nach NO.
o-erichtet ist und das Einfällen durchschnittlich 30 bis 600 NW.
O
beträgt.
Er entspricht, wie ich bereits früher (Zeitschr. d. Deutsch,
geolog. Gesellsch. 1879, S. 419) erwähnt habe, demjenigen Theil
der von Kittel zum Glimmerschiefer gerechneten Gesteine, von
dem er behauptet, dass der Glimmer drei Viertheile der ganzen
Masse bilde (a. a. O., S. 18—22). Von dem eigentlichen Glimmer-
schiefer unterscheidet er sich wesentlich durch das Vorhandensein
des Feldspaths, der, in der Regel schon in Kaolin zersetzt, nur
auf dem Querbruch leicht erkannt werden kann, bei manchen sehr
glimmerreicheu Varietäten, wie solche z. B. zwischen Schöllkrippen
und Western auftreteu, aber nur ganz im Innern der einzelnen
von dichten Glimmerlagen gebildeten Linsen enthalten ist, und sich
sehr leicht ganz der Beobachtung entzieht. Fast durchgängig ist
es der dunkle Maiiuesiumoi-limmer, der sich in so vorwalteuder
Weise au der Zusammensetzung des Gesteins betheiligt; doch ist
er, wenigstens zum Theil, nicht selten stark gebleicht oder in
goldgelbe und lichtbräunliche Blättchen verwandelt. Sehr häufig
ist er mit Kaliglimmer verwachsen. Der Quarz pflegt gern in
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
55
linseuförinigen Knauern, welche in seltenen Fällen eine Dicke von
einem Meter erreichen können, ansgeschiecleu zu sein; mau sieht
sie vielfach auf den Feldern zusammena:etrao:eu und als Chaussee-
material verwendet. Auch grobkörnige Massen von rothem Feld-
spath und Quarz, zuweilen Chloritbntzen enthaltend oder von
radialstengeligem Turmalin begleitet, kommen hier und da vor,
z. B. bei Mömbris.
Gewöhnlich wechseln Gneisse, welche reich au dunkelbraunem
oder gebleichtem und goldglänzeudem Biotit sind und Muskowit
in verschiedener Menge enthalten, mit Gneissvarietäten, welche
weniger Glimmer führen und schon auf der Schieferfläche zwischen
dem immerhin noch vorwaltenden Glimmer etwas Quarz und Kaolin
erkennen lassen oder auch wohl von mehrere Millimeter dicken
Quarzlageu regelmässig durchzogen sind. Die letzteren Gesteine
sind selbstverständlich fester, als die glimmerreichen; sie treten
allenthalben, auch da, wo sie in nur wenig mächtigen Bänken
vorhanden sind, in den an Mächtigkeit weit überwiegenden, aber
gewöhnlich ganz aufgelösten, weichen, glimmerreicheu Schichten
recht deutlich hervor. Andere Varietäten des glimmerreichen
schieferirren Gneisses nähern sich dem eia:entlichen Glimmerschiefer
dadurch, dass der Quarz auf Kosten des Feldspaths sich reichlicher
einstellt.
Die Gneissgesteine dieser Zone sind fast durchaus ziemlich
ebenschieferig oder zeigen eine feine Fältelung und Rippung der
Schieferfläche. Letzteres ist besonders bei denjenigen Gneissen
zu beobachten, welche hellen Glimmer ausschliesslich oder in reich-
licher Menge neben dem Biotit enthalten. Der helle Glimmer
ist dann nicht selten sericitisch ansgebildet und schmiegt sich in
dichtem Gewebe eng an die Runzeln und Falten auf den Schieter-
flächen au, so z. B. in den Gesteinen in der Nähe des Buch-
wäldchens zwischen Überschneppenbach und Ilofstädten und au den
Weinbergen von Kleinostheim. Andere Gneisse haben eigenthüm-
lich unebene , von vielen beulenartigen Erhebungen bedeckte
Schieferflächeu und auf dem Querbruch eine feine Axigengueiss-
structur, bedingt durch das porphyrartige Auftreten einzelner Quarz-
Feldspath- Körner oder grösserer Feldsj^äthe oder Granaten.
56
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Der gliinmerreiche Giieiss ist iii einzelnen Bänken ausser-
ordentlicli reich an accessorischen Geinengtheilen. Be-
sonders häufig ist Granat, der sich in Krystallen bis zn
Erbsen- und Haseluussgrösse findet, aber nur in den kleineren,
zumal in den mikroskopisch kleinen Kryställchen noch frisch er-
scheint. In der Regel ist er in Brauueiseu, oder in ein Gemenge
von Brauneisen und Chlorit oder Biotit umgewaudelt. Sehr schön
findet er sich, sowohl frisch in rid)inrotheu, ebenflächig begrenzten
Rhombeudodekaederu, als in den ebeuerwähuten Pseudomorphoseu,
zusammen mit Staurolith in dem Hohlweg nördlich von Königs-
hofeu, in einem zweiglimmerigen Gueisse, welcher neben Orthoklas
noch Plagioklas, allerdings nur in kleinen Kryställchen mitten
zwischen den Quarzköruern, und Zirkon und Apatit ziemlich
reichlich enthält. Ferner kommt Granat sehr schön bei Mömbris
in einem muskowltreicheu Gneiss und in einem in der Nähe an-
stehenden muskowitfreien , feldspatharmeu, von mehreren, bis
2 Millimeter dicken Quarzlagern durchzogenen Biotitgneiss vor.
Fast ebenso weit verbreitet als der Granat ist der Staurolith.
Seine ebenflächig begrenzten, bis zu 2 Ceutimeter laugen Krystalle
werden bei starken Regengüssen aus dem lockeren Gestein aus-
gespült und können daun auf den Fahrwegen und in den Gräben
an den Bergabhängen in Menge gesammelt werden. Hauptfuud-
stellen für den Staurolith sind Königshofen, wo ich ausser ein-
fachen Krystallen als Seltenheit auch Zwillinge nach ge-
funden habe, die Flöhe südlich bei Schimborn, der Hohlweg nörd-
lich von Feldkahl und der Abhang nördlich bei Mömbris. In
mikroskopisch kleinen Krystallen, welche ebenso, wie die grösseren,
Quarzköruer in grosser Aleuge umschliesseu und einen starken
Pleochroismus zwischen gelb- und röthlichbraun zeigen, kommt
der Staurolith fast in allen näher untersuchten glimmerreichen
Gueissen dieser Zone vor.
Im ganzen seltener als Granat und Staurolith, wenn mau
von den gewöhnlich vorhandenen mikroskopischen Kryställchen
absieht, ist der Turmalin. Er findet sich namentlich schön in
Form von mehrere Millimeter laugen uadelförmigen Kryställchen
in dem dunkeleu Burgberger und iiu hellen sericitischen Gneiss
H. Bücking, Das Gnindgobirge des Spessarts.
57
aus der Nachbarschaft der Erzgänge ini Lochboi-ner und Köhriger
Revier bei Bieber, etwa 5 Kilometer vom oberen Kabltbal entfernt,
wo der Glimmergneiss auf kurze Erstreckung noch einmal zu
Tage tritt, sonst aber besonders häufig in dmi Quarzlinsen in
Form radial- oder parallelstengeliger Büschel von dunkler Farbe.
Den von Flurl und dann von KiTTEL (a. a. O., S. 19 und 25)
beschriebenen » Schörlscbiefer «, welcher bei Scböllkrippen »eine
Schichte oder ein Lager bildet, was tast nur aus büscheligen
Krystalleu von gemeinem Turmalin besteht«, habe ich an diesem
Orte bis jetzt noch nicht auffinden können.
Auch das Vorkommen von Glankophan, welches Thürach
(a. a. O., S. 48) als grosse Seltenheit aus dem »Staurolith-Gneiss«
von Steinbach, ohne nähere Angabe, erwähnt, ist mir nicht ge-
nauer bekannt.
Dagegen habe ich zwischen Schöllkrippen und Unterschneppen-
bach, in einer in den glimmerreichen Gneiss tief eingeschnittenen
Scbhicht, ein für den Spessart neues Mineral gefunden, nämlich
Andalnsit. Derselbe bildet 1 bis 2 Centimeter lange Krystalle
der Combination coP.oP, von kurz gedrungenem prismatischem
Habitus. Randlich sind die Krystalle bedeckt mit silberweissem
Muskowit, nur im Innern sind sie noch frisch und von blass
röthlicher Farbe. Eine von Herrn Dr. Linck ansgeführte Analyse
des frischeren Materials ergab 37,52 Si 0-2 und 59,07 AI2 O3 (da-
neben noch kleine Mengen von Kalk, Magnesia und Alkalien, die
von dem eingewachsenen Mnskowit herrührten), was mit den be-
kannten Analysen sehr gut übereinstimmt. Vergesellschaftet mit
dem Andalnsit ist Muskowit in etwa 2 Centimeter grossen Kry-
stallen mit deutlicher Fältelung auf den Basisflächen (vergl. oben
S. 43) und Quarz in linsenförmigen, körnigen Massen. Die ge-
nannten Mineralien bildeten eine nicht sehr ansehnliche linsenför-
mige Ausscheidung mitten im glimmerreichen schieferigen Gneiss.
Das Magnet- und Titaueiseu ist in allen Varietäten des
glimmerreicheu Gneisses ein sehr o;ewöhulicher Gemengtheil. Nach
starken Regengüssen sammeln sich die kleinen Kryställchen und
Körner in den Wan'engeleiseu der austeio-enden Fahrwee:e und in den
Wasserrisseu an einzelnen Stellen als schwarzer, metallisch glänzen-
58
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
der Saud in grosser Menge an; dieser wird vielfach gewonnen
und als Streusand benutzt. Mit dem Magnet- und Titaneisen
zusammen finden sich nicht selten kleine Körner von Granat und
Staurolith, auch kleine Turmaline, ferner Kutil- und Zirkon-
kryställcheu.
Als Einlagerungen im glimmerreichen schieferigen
G ne iss sind bemerkenswerth Hornl)l e n degueisse und Quarz it-
schiefer, bezw. quarzreiche Glimmerschiefer.
Die Hornblendegneisse sind nur wenig mächtig, und im
Ganzen sehr ähnlich den oben erwähnten Ilornblendeofueissen von
(ilattbach und Eichenberg. Sie sind bekannt durch Kittel
(a. a. O., S. 29 und 32) von Fcldkahl, wo sie im Hohlwege nörd-
lich vom Dorf mit südlichem Einfallen ansteheu, sowie von Erlen-
liach und Kaltenberg. Ich kann weiter nennen ein etwa 2 Meter
mächtiges Lager, welches am Wege von Wenighösbach nach
Schimborn (Profil Ib), in dem gleichen Horizont liegt, wie das
von Erleubach, ferner ein Vorkommen von der Womburg bei
Schimborn und endlich aus dem nördlichen Theil des Gneiss-
gebietes ein Vorkommen von Unterwestern, wo an der Kreuzung
des südlich vom Dorf befindlichen, bogenförmig gekrümmten Hohl-
wegs mit dem vom Dorf aus gerade östlich verlaufendem Wege
ein wenig mächtiges Lager beobachtet wird.
Weit ansehnlicher sind die (tu.Tl’zitsclliefereiulagerungen. Sie
finden sich besonders in der mittleren und oberen Abtheilung
des trlimmerreichen schieferigen Gneisses. Am tiefsten liegt die
Quarzitschieferlinse, welche westlich von Grosslaudenbach, zwischen
diesem Dorfe und der Klotzenmühle, auf der Höhe des Gans-
berges ausstreicht. Einem höheren Niveau dürften die etwas an-
sehnlicheren und länger anhaltenden Lager südlich von Erlenbach
(am Wege nach Feldkahl) und südöstlich von Schimborn (im
Thale der Feldkahl, etwa 20 bis 30 Meter mächtig) angehören.
Der Quarzit von Erlenbach ist von grauer bis grünlich-
grauer Farbe und zerfällt durch Klüfte quer und parallel der Schiefe-
rung in mehr oder weniger dünne, parallelepipedisch gestaltete,
scharfkantige Stücke. Die Schieferung ist bedingt durch lageuförmig
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
f)9
angeordnete grünlich-weisse Gliinmerblättchen, die sich in einzelnen
Zonen sparsamer, in anderen reichlicher einstellen. Unregelmässig
in dem Gestein vertheilt sitzen winzige rothe Granaten, und in
Ilöhliingeu kleine dunkele Eisenglanzblättchen. Unter dem Mikro-
skop erweist sich das Gestein als ein fein- und ungleichkörniges
Quarzaggregat, welches wirr durch einander liegende, oft hin und
her ü;ebos:ene Muskowitblättchen in ziemlich jxrosser Memre enthält.
Ö o O O
Feldspath scheint sich nicht au dem Aufbau des Gesteins zu be-
theiligen; in einzelnen Lagen sind dagegen Pseudomorphosen von
Brauneiseu nach einem hexaedrisch krystallisirenden Mineral, ver-
muthlich nach Eisenkies, ziemlich häufig.
Anscheinend in dem gleichen Niveau, vielleicht ein wenig höher
liegt das durch Steinbruchsbetrieb blossgelegte Quarzitlager
vom Kalmus zwischen Schöllkrippen und Unter-Krombach. Der
Quarzit besitzt eine schon mit dem blossen Auge deutlich wahr-
nehmbare körnige Structur, ist also viel grobkörniger als der
Quarzit von Erlenbach. Dabei ist er viel ärmer au Muskowit,
der in manchen Lagen sogar ganz zu fehlen scheint, und enthält
in seinen durch Eisenoxyd etwas röthlich gefärbten Varietäten
zahlreiche Kaolinkörucheu, reihenförmig parallel den Schieferflächen
angeorduet. Auch mikroskopisch kleine Grauatkrystalle in Form
des Rhombeudodekaeders wurden im Quarz eingeschlossen beob-
achtet.
Etwa 200 — 300 Meter mächtig und über 8 Kilometer anhaltend
ist der Quarzitschieferzug, welcher bei der Heiligkreuz-
Ziegelhütte zwischen Kahl und Iluckelheim unter dem Buntsand-
stein und Zechstein hervortritt und sich von da in südwestlicher
Richtung bis nach Niedersteinbach im Kahlthal fortsetzt. Er
wird von den Thälern der Westernkahl und des Sclmeppeubachs
durchquert und ist in diesen, zumal bei Western, vortreft'lich auf-
geschlossen. Bei seiner sehr bedeutenden Widerstandsfähigkeit
gegen die Einflüsse der Atmosphärilien, besonders im Vergleich zu
dem ihn umgebenden glimmerreichen Gneiss, ragt er als ein beider-
seits ziemlich steil abfallender Grat aus diesem emjior und bildet
auf seinen unfruchtbaren und deshalb nicht vom Ackerbau lie-
nutzteu Höhen hier und da ansehnliche Eelsmassen. Er erinnert
60
11. B üciuNG, Das Graudgebirge des Spessarts.
somit iu seinem orographischen Cliarakter au den weit gross-
artigeren, von Gümbel iu seinem schönen Werk über das ost-
bayerische Grenzgebirge beschriebenen und durch charakteristische
Skizzen veranschaulichten Pfahl.
In dem Steiubrnch zwischen Ober- und Unterwestern, in
welchem der Quarzit als Chausseematerial gewonnen wird, wechseln
quarzreiche, durch dünne Glimmerlageu schieferige Quarzitbäuke
von durchschnittlich 10 — 30 Centimeter Mächtigkeit mit düun-
schiefei’igen glimmerreicheu Gesteinen. Die Quarzite haireu durch-
gängig ein feines Korn, viel feiner als der Quarzit vom Kalmus,
und besitzen demgemäss einen ansgesprocheu splittrigeu Bruch.
Der Glimmer, welcher in schuppigen Aggregaten die meist ebene
Schieferfläche nur zum Theil bedeckt, ist bald silberweiss, bald
wie der Chromglimmer grün gefärbt, ohne indessen eine deutliche
Chromreactiou zu geben ^). Als mikroskopisch kleine Einschlüsse
finden sich Kryställchen und Körner von Magneteisen, z. Th. um-
gewaudelt iu Brauueiseu, ferner Sänlchen eines bräunlichen und
eines grünlichen bis blänllchen sfark doppeltbrecheuden Minerals.
Die gelbbraunen Sänlchen gehören offenbar dem Rutil an, welcher
auch in vereinzelten herzförmio;en Zwillingen beobachtet wurde:
dagegen dürften die schwach grünlich und bläulich gefärbten Kry-
stalle wohl Zirkon sein. Eine eingehendere Untersuchung dieser
O O
kleinen Gebilde habe ich bis jetzt noch nicht vorgenommen.
Die glimmerreicheu Zwischeulageu des Quarzitzuges haben
verschiedene Mächtigkeit. Sie wechseln in ihrem Aussehen und
in ihrer Festigkeit je nach der Menge des Glimmers, der au
ihrer Zusammensetzung Theil nimmt. Zwischen Varietäten, welche
den Glimmer nur auf den Schichtungsflächen in noch zusammen-
hängenden Massen zeigen und bei seinem weiteren Znrücktreten
geradezu Uebeigänge in den eben besj^rochenen Quarzit bilden,
lind zwischen Varietäten, in welchen der Quarz ganz untergeordnet,
etwa nur noch iu Form von schmalen Linsen zwischen dem vor-
') Sandbergek will in ähnlichem Glimmer von Steinbach im Kahlthale durch
Löthrohrversuche das Chrom nachgewiesen haben, vergl. Neues Jahrb. für. Min.
1879, S. 368.
U. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
61
waltenden Glimmer erscheint, giebt es alle nur denkbaren Zwi-
schenstiifen. Einzelne der letzteren Arten sehen selbst dem glim-
ineiTeichen Gneisschiefer nicht unähnlich, besitzen aber gewöhnlich
einen etwas röthlichen oder bräunlichen Farbenton durch reichlich
vorhandenes Roth- oder Brauneisenerz, welches hier bei der durch-
2’äno'ia' lichteren Farbe des Glimmergemengtheils viel intensiver
färbt, als bei den dunkeieren glimmerreichen Gneissen. Ausserdem
ist aber ein wesentlicher Unterschied darin vorhanden, dass Feld-
spath an dem Aufbau des Quarzitschieferzuges sich gar nicht,
oder höchstens nur in ganz untergeordneter Weise, betheiligt.
Der Glinunergemengtheil der Schieferlageu ist nach seinem mikro-
skopischen Verhalten als Muskowit zu bezeichnen. An Ein-
schlüssen finden sich in den glimmerreichen Schiefern einmal die
gleichen, wie in den quarzitischen Lagen, dann aber noch ziem-
lich häufig Granat in zahlreichen kleinen Rhombeudodekaedern, aber
nicht mehr frisch, sondern umgewaudelt in ein Gemenge von Braun-
eisen, Quarz und hellem Glimmer, und ferner noch Turmalin in
braunen, bis 3 Millimeter langen Kryställchen.
Spalten innerhalb des Quarzitzuges sind mehrfach mit fein-
körnigem Quarz und blättrigem Schwerspath erfidlt. Am Buch-
wäldcheu bei Ilofstädten betheiligt sich auch Brauneisenstein und
am Steincheuberg bei Western brauner Glaskopf und Sammet-
bleude an der Ausfüllung dieser Spalten.
Erwähnt sei noch, dass in der Nähe vou Königshofen, in der
unteren Zone des glinunerreichen schieferigen Gneisses, zwei etwa
1 Meter mächtige, nordwestlich streichende Gänge eines stark
zersetzten Eruptivgesteins auftreten. Das Gestein ist weich,
zerreiblich, in feuchtem Zustande thonig - schmierig, hat eine
bräunlich - graue Farbe, ist theils compact, theils blasig ausgebil-
det, und im letzteren Falle manchen zersetzten Melaphyreu nicht
nnähnlich. Das Gestein als einen Kersautit aufzufassen, erscheint
nicht gerechtfertigt; die an einzelnen Stellen vorhandene blasige
Ausbildung spricht sogar dagegen. Am meisten Wahrscheinlichkeit
hat die Deutung dieser Gesteine als Melaphyr, umsomehr als im
benachbarten Gebiet ja mehrfach Gänge und Decken von Mela-
phyr auftreten, z. B. im Main unterhalb Offenbach, und in der
62
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Nähe von Urberach westlich von Babenhausen, also etwa 30 — 35
Kilometer von Königshofen entfernt.
Die mikroskopische Untersuchung des vollständig zersetzten
Gesteins gieljt keinen Aufschluss; man beobachtet nur Kaolin
in feinsten Körnchen, in innigem Gemenge mit Brauneisen.
Die bei Obersailauf auftretenden Quarzporphyre ent-
sprechen, ebenso wie die in den tieferen Regionen des Grundge-
birges an mehreren Orten in der Nähe von Aschaftenl)urg vor-
kommendeu Basalte und Phonolithe, Eruptionsstielen von
Gesteinen, welche dem Rothliegenden bezw. Tertiär zugehören.
III. Quarzreicher Glimmerschiefer oder Quarzitglimmer-
schiefer.
Die auf den glimmerreichen Gneiss foUende sehr mächtisre
ö o o
Zone des Quarzitglimmersehiefers beginnt auf der Linie Ober-
western — Hofstädten — Niedersteiubach — Molkenberg — Hohl-
Häuserackerhof und lässt sich nach Norden bis zu einer vom Eicher
Hof bei Gelnhausen über Grosseuhausen- Horbach nach Kälberau
und Hörstein gezogenen Linie verfolgen. Innerhalb dieses Gebietes
kann mau ein im Allgemeinen nordöstliches Streichen, und, von
ganz wenigen Stellen abgesehen, wo kleinere Störungen vorliegeu,
ein Einfallen von 30 — 80, durchschnittlich etwa 50® in nord-
westlicher Richtung beobachten.
Die Gesteine, aus welchen sich der Quarzitglimmerschiefer
zusammensetzt, sind, abgesehen von weiter unten zu besprechen-
den wenig auffälligen Einlagerungen, ausserordentlich ähnlich den-
jenigen, welche in dem Quarzitschieferzug von Western -Nieder-
steinbach Vorkommen, sodass sie deshalb etwas kürzer behandelt
werden können. Auch sei gleich hier darauf aufmerksam gemacht,
dass der Glimmergneisszug, welcher (in Profil 3) zwischen Polster-
hecke und Dörsenbach eine Mächtigkeit von etwa 500 Meter be-
sitzt, zwischen Dürrensteiubach und Niedersteiubach, also 6 Kilo-
meter weiter nach SW. hin, sich auskeilt, wodurch der an dieser
II. Bückinq, Das Gruntlgebirge des Spessarts.
63
Stelle ebenfalls weit weniger mächtige Quarzitzug von Western-
Polsterliecke sich mit dem Quarzitglimmerschiefer vereinigt. Erst
jenseits der Kahl treten zwischen jenem Quarzitzug im Liegenden
und dem Quarzitglimmerschiefer im Hangenden einige Glimmer-
gueissliusen von grösserer Mächtigkeit auf (vergl. Profil 2), welche
alter auf der Höhe des Halmeukamms wiederum auszukeileu scheinen.
Man könnte bei dieser Laorerung darüber streiten, ob es richtiger
ist, den Quarzitzug von Western -Polsterhecke als Einlagerung
im glimmerreichen Gneiss zu betrachten, oder den hangenden
Glimmergueiss als Einlagerung im Quarzitglimmerschiefer. Ich
habe im Jahre 1875 bei der geologischen Kartiruug des Blattes
Bieber, als mir die Lagerungsverhältnisse weiter im Südwesten
noch nicht bekannt waren, mich für die erste Annahme entschie-
den, lediglich mit Rücksicht auf die viel grössere Mächtigkeit
des hangenden Glimmergueisses gegenüber der des liegenden
Quarzitzuges, und möchte nun nicht ohne genügenden Grund von
meiner früheren Auffassung abgeheu. Jedenfalls folgt aus den
eben erwähnten und zumal ans den im Profil 2 wiedergegebeuen
Lagerungsverhältnissen an der Grenze vom glimmerreichen Gneiss
und Quarzitglimmerschiefer, noch mehr aber aus der Betrachtung
einzelner Profile in den Greuzregioneu selbst, dass auch zwischen
diesen beiden Zonen keine haarscharfe Grenze vorliegt, sondern viel-
mehr ganz ähnliche Uebergänge vorhanden sind, wie an der Grenze
des glimmerreichen Gneisses gegen den körnig -flaserigen Gneiss.
Im Gebiet des Quarzitglimmerschiefers lassen sich, ähnlich
wie in dem Quai’zitschieferzug von Wesfern, quarzreiche und quarz-
ärmere, glimmerreichere Abarten nnterscheideu. Diese treten ge-
wöhnlich zu grösseren Complexeu zusammen, so dass glimmer-
reiche und glimmerarme Zonen unterschieden werden können.
Die Mächtigkeit dieser Zonen ist eine sehr wechselnde, auch keilen
sie sich öfter aus; zumal bei geringer Mächtigkeit halten sie nicht
weit an.
Eine besonders quarzreiche Zone, in welcher Quarzitschiefer
mit wenig Glimmer, von weisser, röthlicher oder auch grünlicher
Farbe, herrscht und hier und da felsbildend zu Tage tritt, ver-
läuft vom Gleisberg; und Kreuzberfj bei Geiselbach über den
O Ö
64
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Schaiizeiikopf, dem Tenfelsgrimd entlang, nach dem Hahnenkamm,
liier die höchste Erhebung des Spessarts in seinem westlichen Theile
bildend. Eine andere quarzreiche Zone ist die unmittelbar über dem
glimmerreichen Gneiss lagernde, welche vom Müllersteiu zwischen
Geiselbach und Iluckelheim bis zum Stein bei Omersbach und
gegen Niedersteinbach hin verfolgt werden kann. Wieder andere
quarzreiche Zonen, z. B. am Wiedermark und Hässlich zwischen
Geiselbach und Grossenhausen , und nördlich davon am Iveulstock
und Pflanzenrain, sind durch eine wellig-schieferige und theilweise
stengelige Structur, auch durch feine Längsfltlteu und Runzeln anf
den Schieferflächeu, den vorher erwähnten mehr ebenschieferigen
Quarzitschiefern gegenüber also durch eine auftalleude Holzstructur
ausgezeichnet.
Glinunerreiche Lagen von sehr verschiedener Mächtigkeit
finden sich, gut aufgeschlossen, unmittelbar im Plaugenden der
obenerwähnten Quarzitschiefer-Zone des Müllersteins, sowohl am
Ziegelberg als auch westlich vom Stein bei Omersbach, dann in
dem vom Omersbach bis zum Falkeubach und in den Tenfels-
gruud herabzieheuden Thale, sowie im Teufelsgrnnd selbst. Die
Glimmerschiefer dieses Zuges sind bald von gelblich- oder grün-
lich-grauer, auch dnukelgrauer Farbe, bald durch Eisenoxyde roth
oder braun gefärbt, auch gefleckt und gestreift. Ganz regelmässig
wechseln in ihnen Lagen von Glimmer mit solchen von Quarz.
Aehnliche glimmerreiche Schiefer liegen zwischen den anderen
obenerwähnten Quarzitzügeu, die flachen Einsenknngen, Mulden und
Thalbildnugen zwischen jenen meist durch steilere Bergformen aus-
gezeichneten Zonen erfüllend.
Nahe an der oberen Grenze des Quarzitglimmerschiefers, am
Eicher Hof, bei Grossenhausen, Kälberau und Hörsteiu kommen
phyllltisch aussehende Glimmerschiefer vor, in welchen
die einzelnen Glimmerblättchen nicht mehr mit uubewafthetem
Auge unterschieden werden können. Kittel hat (a. a. O., S. 23)
zuerst auf diese von Hörsteiu und Alzenau ihm bekannt gewordenen
»Abänderungen des Glimmerschiefers, die zu dem Thonschiefer
hinueigen«, aufmerksam gemacht, und Gümbel hat daun später,
zuletzt 1881, a. a. O., S. 16, die Bedeutung dieser Beobachtung
H. Bücking, Das Gruiulgebirgo des Spessarts.
65
entsprechend hervorgelioben. Die seidenartig glänzenden Gesteine
sind weiss, oder von grauer, gelblicher und brauner Farbe, sehr
düunschieferig und gewissen Taunusgesteineu auf das täuschendste
ähnlich.
Ueber die Gemeiigtheile des Qiiarzitglimmerscliiefers mögen
hier noch einige Bemerkungen angereiht wei’den.
Der Glimmer ist in der Regel silberweiss. ln den glimmer-
c5 Ö
reichen Gesteinen bildet er zusammenhängende Lagen, während
in den quarzreichen Schiefern seine Blättchen, zu feinen Streifen
aneiuandergereiht, knapp den sechsten Theil der Schiefer fläche
bedecken. In den letzteren ist er zuweilen ganz oder theilweise
intensiv grün gefärbt. Derartige von Sanduerger als Chrom-
glimmer bezeichnete Blättchen finden sich besonders in sehr harten
Quarzitschiefern, welche in einem Steinbruch südöstlich von
Grossenhausen an der Strasse nach Huckelheim und an ver-
schiedenen Stellen im unteren Kahlthal als Chausseematerial
gewonnen werden. Das specifische Gewicht eines solchen grünen
Glimmers von Huckelheim wurde zu etwas höher als 2,85 bestimmt.
Reines, mit THOULEx’scher Lösung isolirtes Material ergab eine
nur schwache Chromreaction; die Phosphorsalzperle wurde nur
ganz hellgrünlich gefärbt, während mit der Natronschmelze gar
keine deutliche Chromreaction zu erhalten war. Jedenfalls ist der
Gehalt an Chrom, von welchem zweifellos die grüne Farbe her-
rührt, weit geringer als in den bis jetzt analysirten Chromglimmern
vom Zillerthal und von Syssert. Bei der Verwitterung des Ge-
steins wird der Glimmer gewöhnlich gelblich, braun oder roth
gefärbt, dadurch dass das secundär gebildete Braun- oder Roth-
eisen auf den Spaltungsflächen eindringt. — Biotit wurde im
normalen Quarzitglimmerschiefer niemals beobachtet.
Der Quarz bildet in den Quarzitschiefern entweder ein
regellos- und ungleichköruiges Gewebe, oder tritt, was noch
häufiger der Fall zn sein scheint, ausser in kleinen Körnern auch
noch in grösseren spindelförmig gestalteten Individuen auf, welche,
bald etwas gebogen, bald gerade und parallel gerichtet, eine erst
unter dem Mikroskop erkennbare Flasei’- und Schieferstructur des
Gesteins bedingen. Die erstere Structur, an die des oben er-
Jahrbuch 188y.
5
66
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
wälmten Quarzites vom Kalmus erinnernd, ist den Quarzitschiefern
von Huckelheim, die letztere manchen Gesteinen von Grossen-
hausen und vom Hahnenkamm eigenthümlich. Ein scharfer Unter-
schied existirt übrigens zwischen den beiden Structuren nicht; sie
gehen vollständig in einander über.
Die einzelnen Quarze sind gewöhnlich sehr unregelmässig
begrenzt und bieten im Durchschnitt recht zackige Umrisse dar,
sind also wie in einander verzapft. In manchen Gesteinen, wie
z. B. in dem körnig struirten Quarzit von Horbach, hat der Quarz
jedenfalls in Folge mechanischer Einflüsse, auf welche auch der
sericitisch ausgebildete Glimmer hinweist, eine striemige Beschaffen-
heit, oft von solcher Regelmässigkeit, dass man bei Betrachtung
im polarisirten Licht eher an Plagioklas als an Quarz denken
möchte. Oefter ist er auch unregelmässig verbogen.
O O O
Bemerkenswerth ist ferner, dass die Quarze einiger Quarzit-
schiefer (besonders von Horbach und von Huckelheim) reich an
Flüssigkeitseinschlüssen, anscheinend auch au solchen mit doppelter
Libelle, sind, die, zu einzelnen Reihen augeordnet, das ganze
körnige Quarzgewebe in paralleler Richtung durchziehen, ohne
irgendwie durch die Grenzen der einzelnen Körner in ihrem
Verlaufe gestört zu werden. Auch an dem obenerwähnten Quarzit-
schiefer von Western, der als Einlagerung im glimmerreicheu
schieferigen Gueiss vorkommt, kann man die gleiche Erscheinung
wahi’nehmen ^).
*) Auch Sauer und Cohen haben an Quarzitschiefern des Erzgebirges und
der Vogesen dasselbe Verhalten beobachtet. Sauer hebt hervor, dass zahllose
.Flüssigkeitseinschlüsse im Sinne der Schichtung zu weit fortlaufenden Streifen
angeordnet, den Quarzitschiefer der unteren Stufe des Freibergor Gneissterrains,
aus der Gegend südlich von Freibergsdorf, durchziehen, ohne nur im gering-
sten durch die gegenseitigen Grenzen und Verwachsungsnähte der
Quarzkörner in ihrem durchgehenden Verlaufe beeinflusst zu werden
(Erläut. zur Section Freiberg - Langhennersdorf der sächs. Specialkarte, 1887,
S. 14). — E. Cohen erwähnt von einem Quarzitschiefer aus dem Liegenden der
Weiler Schiefer in der Nähe von Urbeis (Abhandl. zur geol. Specialkarte von
Eisass -Lothringen, 111, 3, 1889, S. 186), dass Reihen von zahlreichen Poren,
welche mit Flüssigkeit erfüllt sein dürften, auf grosse Erstreckung ungestört
aus einem Quarzkorn in die benachbarten fortsetzen, und im ge-
wöhnlichen Licht in Folge dessen der ganze Dünnschliff aus einem Quarz-
individuum zu bestehen scheint.
H. Bückin’g, Das Grundgebirge des Spessarts.
67
Feldspath fehlt in der Hauptmasse der Quarzitglimmer-
scliiefei’gesteine vollständig. Nnr in einem im Allgemeinen wenig
ansehulicdien Gestein an der Grenze gegen den glimmerreichen
schieferiofen Gueiss erscheint Orthoklas als ein wesentlicher Ge-
mengtheil und macht es dadurch zu einem echten Gneiss. Derselbe
ist von röthlicher Farbe, ist nicht sehr reich an hellem Glimmer,
enthält den fleischrothen Feldspath und grauen Quarz etwa zu
gleichen Theilen und zeigt hei mürber Beschatfenheit eine Neigung
zur stengelio-en Absouderuno;. Am besten ist das Gestein aufffe-
schlossen in der Nähe von Niedersteinbach, wo es mehrere wenig
mächtige Bänke bildet. Ansserdem kommt Orthoklas nur hier und
da in einzelnen gröberen, linsenförmigen oder gangartigen, wesent-
lich aus Quarz bestehenden Ansscheidnngen innerhalb der glimmer-
reichen Gesteine, der eigentlichen Glimmerschiefer, untergeordnet
vor lind ist dann in der Regel in Kaolin umgewandelt; so z. B.
zwischen Rotheberg und Teufelsmühle. Sonst ist der Feldspath
lieschränkt auf verhältnissmässig schmale Einlagerungen eigenthüm-
licher, unten noch näher zu besprechender Gesteine.
Accessorisch erscheint in dem Qnarzitglimmerschiefer ausser
den Eisenerzen, welche frisch und in verschiedenen Zuständen
der Zersetzung allgemein verbreitet auftreten , besonders häufig der
Granat. Selten findet er sich noch in frischen rothbraunen
Körnern und kleinen etwa Stecknadelkopf- grossen Kryställchen,
wie in den quarzitischen Lagen an der Strasse zwischen Huckelheim
und Oberwestern unweit des ersten Dorfes; gewöhnlich ist er zer-
setzt und umgewandelt in ein glimmerartiges, sehr feinkörniges
Mineral, welches von Quarz- und Brauneisenadern durchzogen
wird. Viele solche Pseudomorphosen findet man in glimmerreichen
Lagen in der Nähe des Ilüttengesässhofes im Kahlthale und am
Rochusberg und Kreuzberg bei Geiselbach; einzelne Gesteine be-
stehen fast zur Hälfte aus ihnen.
Auch Turmalin ist, zumal in den granatführeuden Gesteinen
vom Hüttengesässhof, recht verlireitet. In grösseren nicht wohl
zu übersehenden Massen, und zwar in radlalstänglichen Aggre-
gaten von schwarzer Farbe, findet er sich ziemlich häufig in den
grossen Quarzausscheidungen innerhalb der glimmerreichen Lagen,
G8
H. Bücicing, Das Grundgebirge des Spessarts.
besonders zwischen Rotlieberg und Hüttengesässbof. In dem Ge-
steinsgewebe selbst kommt er meist nur in mikroskopischen
Kryställchen von brauner oder dunkelgrüner Farbe ganz allgemein
verbreitet vor, aber nur an einzelnen Orten in etwas ansehnlicher
Menge. Ziemlich reichlich findet er sich z. B. in den rothen
glimmerreichen Zwischenlagen, welche an der Gelnhäuser Strasse
nordwestlich oberhalb des Dorfes Huckelheim zwischen quarz-
reichen Schiefern liegen und mit diesen von einem ehedem ver-
suchsweise aborebauten Rotheiseustein2:aug durchsetzt werden. Sie
sind durch eine sehr deutliche Fältelung ausgezeichnet, führen
neben röthlichen, durch beigemengtes Eisenoxyd gefärbten Mus-
kowitlagen auch weisse sericitische Massen und enthalten verhält-
nissmässig nur wenig Quarz in einzelnen von dem bei weitem
vorwiegenden Glimmer augenartig umschlossenen Körnern und
Linsen.
In einzelnen Lagen dieser Gesteine liegen dicht gedrängt
O o o o
neben einander oft mehrere Millimeter grosse Krystalle von
Granat, die in der Regel nicht mehr frisch, sondern in eine
braune erdige Masse zersetzt sind. Ferner kommen in ihnen
in verhältnissmässig grosser Zahl scharf begrenzte Pseudomor-
O O ö
phosen von einer specksteinartigen oder sericitischen Masse nach
einem in hexagonalen Prismen krystallisirenden Mineral vor.
Nach ihrer Form, welche bei der vollständigen Umwandlung der
Krystalle allein in Betracht kommen kann, möchte ich sie für
Pseudomor phosen nach Beryll halten. Die Prismen er-
reichen eine Länge von etwa 10, und eine Breite von 2 — 3 Milli-
meter.
Ferner ist in allen näher untersuchten Gesteinen der Q.uarzit-
glimmerschieferregion Rutil in kleinen, intensiv gelbbraunen Pris-
men reichlich vorhanden. Ganz besonders häufig ist er in den
grünen Glimmer führenden Quarzitlagen in der Nähe des Ilütten-
gesässhofes. Er kommt gewöhnlich in einfachen Krystallen, seltener
auch in knie- und herzförmigen Zwillingen vor. Sagenitgewebe
wurden in den untersuchten Dünnschliffen nicht beobachtet.
Weniger sicher bestimmt ist der Zirkon. Kleine wasser-
helle und etwas bläulich oder grünlich gefärbte Kryställchen,
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
69
welche im Quarz eingewaehseu Vorkommen, dürften, wenn sie
sich nicht als Apatit erweisen, als Zirkon aufznfassen sein. Als
solche sind wohl auch die in den Gesteinen sehr verbreitet auf-
tretenden kleinen rundlichen Körner zn betrachten, die eine starke
Doppelbrechung zeigen und wasserhell bis schwach bläulich oder
rrriinlich erefärbt sind. ThÜrach erwähnt den Zirkon als einen
O O
häutigen Gemengtheil der Quarzitschiefer und Quarzitglimmer-
schiefer (a. a. O. S. 57) und giebt an, dass auch Brookit, Auatas
und Staurolith, hin und wieder sogar häufig, sich in ihnen ein-
stellen. Von den letztgenannten Mineralien habe ich in den von
mir untersuchten Gesteinen keines mit Sicherheit nachweisen
können.
Apatit wurde in grösseren hexagonalen Prismen und noch
frisch nur einmal in einem an grünem Glimmer reichen Quarzit-
schiefer, welcher im unteren Kahlthal zur Chausseebeschotteruug
verwendet wird, beobachtet. Bemerkenswerth war an diesen Apatit-
prismen, dass sie hin und wieder ein Kutilkryställchen umschlossen.
Im Quarz eingewachsen kommt Apatit in äusserst winzigen Kry-
stallen ziemlich verbreitet vor; er ist dann nicht leicht vom Zirkon
zu unterscheiden.
Ob einzelne in Brauneisen umgeAvandelte Krystalle von qua-
dratischem Querschnitt, welche sich am Kochusberg liei Geisel-
bach ziemlich häufig auf den Schichtflächen der Gesteine finden,
auf Eisenkies zurückzuführen sind oder auf Granat, lasse ich
dahingestellt.
Besonders bemerkenswerthe , von den oben beschriebenen
abweichende (Jesteine, welche in der unteren Abtheilung der
(tuarzitglimmerscliieferregion auftreten, sind folgende :
1. Gneissgl immerschiefer von Hörstein. Derselbe
gleicht einem biotitreichen, muskowitarmen Gneiss aus der Region
der glimmerreichen schieferigen Gneisse, ist aber dadurch aus-
gezeichnet, dass er in grosser Zahl Aveisse, erbsengrosse, rundliche
Körner eingestreut enthält, welche auf dem Querhruch augenartig
zwischen den umhüllenden Glimmerlagen hervortreteu und auf der
Schieferfläche als rundliche Erhebungen sich bemerklich machen.
70
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Diese Körner bestehen vorwaltend ans Feldspath, welcher mit
mehr znrücktretendem Quarz, Biotit und Granat unreffelmässifr
verwachsen ist. Granat ist in kleinen bis Stecknadelkopf- grossen
Krystallen von der Form des Ikositetraeders 2 0 2 durch das
ganze Gestein verbreitet, ist noch vollkommen frisch und zeigt
einen deutlichen Zouenbau, hervorgerufen durch zonar eiusrelatrerte,
kleine, prismatisch ausgebildete, hellbräuulich gefärbte Rutilkry-
ställchen.
Ob das Gestein von Hörsteiu genau dem oben (S. 67) von
Niedersteiubach erwähnten in seiner Lagerung entspricht, hat bis
jetzt noch nicht entschieden werden können. Jedenfalls gehört es,
ebenso wie jenes, der unteren Greuzregion des Quarzitglimmer-
schiefers au, nähert sich aber in seinem Aussehen, insbesondere
auch durch den Gehalt au dunkelem Glimmer mehr den in der
liegenden Region herrschenden Gesteinen, während jener durch vor-
walteudeu Feldspath und hellen Glimmer ausgezeichnete Gueiss,
eher au manche Gesteine aus der oberen Abtheiluusr der körnio--
flaserigen Gneisse erinnert.
2. Gneisse und Schiefer vom Kirbig bei Iluckel-
heim und aus dem gleichen Niveau von anderen Orten. Au dem
Fussweg von Oberwestern nach Huckelheini und in dem letzt-
genannten Dorfe selbst treten an der Grenze des glimmerreicheu
Gueisses gegen den Quarzitglimmerschiefer, — so gelagert, dass sie
am besten zu dem letzteren gezogen werden, — mehrere Züge von
Hornblende und Glinunergneiss auf, welche in ziemlich regel-
mässiger Weise mit Quarzitschiefer und Glimmerschiefer wechsel-
lageru, und wegen ihrer eigenthümlicheu petrographischeu Be-
schaftenheit eine nähere Betrachtung verdienen.
Die im Allgemeinen leidlich guten Aufschlüsse längs des ge-
nannten Fussweges und in Huckelheini selbst, sowohl im östlichen
Theil des Dorfes als an der Gelnhäuser Chaussee, erlauben fol-
gendes Profil festzulegeu. Es folgen über dem glimmerreichen
schieferigen Gueiss gegenüber der Grundmühle nach oben:
1. Hornbleudegueiss, im Ausstreicheu etwa 20 Schritt
breit.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
71
2. Muskowitschiefer, bestehend aus einzelnen etwas ge-
krümmten und linsenförmigen, auskeilenden Quarz-
lagen, welche durch dünne zusammenhängende
Schichten von ziemlich grossblätterigem bis schup-
pigem, silberweissem Muskowit getrennt sind, etwa
20 Schritt.
3. Hornblendegneiss, etwa 20 Schritt.
4. Quarzitschiefer, zumTheil sehr reich au ziemlich grossen
braunen Pseudomorphoseu nach Granat; etwa
80 Schritt.
5. Glimmerreicher schieferiger Gneiss; etwa 20 Schritt.
6. Hornblendegneiss, etwa 100 Schritt.
7. Glimmeri-eicher schieferiger Gneiss, zum Theil mit
dunkelgrünem Glimmer und einzelnen bis 3 Milli-
meter grossen Magueteiseukrystalleu; etwa 60 Schritt.
8. Hornblendeschiefer, etwa 100 Schritt.
9. Glimmerschiefer, etwa 100 Schritt.
10. Hornblendeschiefer, etwa 300 Schritt.
11. Glimmerschiefer, am Eingang in die östliche Seite
des Dorfes, etwa 100 Schritt.
12. Hornblendeschiefer — auf einem nahe dem Strassen-
kreuzuugspuukt hervorspriugendeu Felsen steht ein
kleines Kapellcheu — , etwa 200 Schritt.
13. Quarzitschiefer.
An der Strasse nach Gelnhausen, auf der anderen Seite des
Huckelheimer Baches, ist trotz der hier verhältuissmässig guten
Aufschlüsse der Glimmerschieferzug 11, nicht nachzuweisen. Es
liegt hier vielmehr da, wo jener Zug zu erwarten wäre, wenn er
in gleicher Mächtigkeit über den Wiesengrund hinüberstreichen
würde, an derStrassengabeluug, Horublendeschiefer, etwa 150 Schritt
weit längs der Gelnhäuser Strasse blossgelegt.
Dieser entspricht allem Anschein nach dem unter 12 erwähnten
Zuge. Darauf folgt im Hangenden eine Lage Glimmerschiefer,
72
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
daun Quarzitschiefer, beide zusammen etwa 300 Schritt lireit,
und jedenfalls dem unter 13 erwähnten Quarzitschiefer auf der
anderen Thalseite entsprechend. Weiter ist daun am nordwest-
lichen Ausgang des Dorfes zu beobachten:
14. Hornblendeschiefer, etwa 150 Schritt.
15. Quarzitschiefer, etwa 100 Schritt; und dann, weniger
gut aufgeschlossen,
16. Glimmerschiefer und Quarzitschiefer in Wechsel-
lageruug.
Weit anhaltend sind die unter 3, 5, 6, 7, 8, 10, 12 und 14
erwähnten Einlagerungen nicht, da weder im Thal des Hombaches
noch au dem nach Iluckelheim hin gewendeten Abhang des Müller-
steins oder au der Strasse von Oberwestern nach Iluckelheim
Spuren von denselben gefunden werden konnten. Nur am Süd-
westabhang des Müllersteins treten an zwei Stellen, am Dörsen-
bach und etwas weiter südwestlich, kleine, etwa 2 — 300 Schritt
weit verfolgbare, linsenförmige Lager von sehr stark zersetztem,
geradezu mulmigem, zwischen den Fingern zerreiblichem Horn-
blendegneiss hervor. Etwas beträchtlicher ist das Vorkommen
von Hornblende giieiss südwestlich von Omersbach und
vom Abts b erg bei Hörstein, welches etwa dem gleichen
Horizont, wie die Lager am Dörsenbach und in Huckelheim,
angehört. Auch bei Niedersteinbach im Kahlthal findet sich an
der untern Grenze des Quarzitglimmerschiefers sowohl Horu-
blendegneiss, als der unter 2 erwähnte Muskowitschiefer.
Der Feldspath in den oben genannten Gneissen, welche am
Kirbig zwischen Oberwestern und Huckelheim austeheu, ist zum
Theil Plagioklas. In den glimmerreichen Gneissen tritt er, ebenso
wie der Quarz, sehr in den Hintergrund. In grosser Menge be-
theiligt sich an dem Aufbau der fast durchgängig mehr oder
wenLer stark gefältelten Gneisse noch Magneteisen mit seinen
o ö o
Zersetzuugsprodukten und Granat in kleinen Rhombendodekaedern,
theils noch ganz frisch, theils in ein braungefärbtes Mineralaggregat
umgewaudelt.
Die Hornbleudegneisse des Kirbig haben im Allgemeinen
H. Bücking, Das Grundgebirge des Sjiessarts.
73
eine graugiüue Farbe und sind nicbt selten etwas stengelig strnirt.
Manche besitzen ein gebändertes Aussehen dadurch, dass helle
oder fleischroth gefärbte Lagen mit diinkeleren, horublendereicheren
mehrfach wechseln. Die duukelen Lagen enthalten neben der
vorwalteuden, stark pleochroitischen Hornblende etwas Titanit,
Epidot und winzige Itiitilkryställcheu ; die helleren , zuweilen bis
20 Ceutimeter mächtigen Bänder sehr reichlich Quarz in zapfen-
artig in einander gi-eifenden Körnern und oft von schwach röth-
licher Farbe, verhältnissmässig wenig gestreiften Feldspath, etwas
grüne Hornblende und in ziemlich grosser Menge Epidot, letzteren
in kurz gedrungenen prismatischen Kryställchen, die sich häutig
als Zwillincre oder als von Zwilliimslamellen durchsetzte einfache
O Ö
Individuen darstellen.
Mit zunehmendem Hornblendegehalt tritt der Feldspathgemeng-
theil ganz zurück und es entstehen eigentliche Hornblende-
schiefer, welche vielfach in wiederholter Wecliselhmei'uim mit
Quarzitschiefer und Glimmerschiefer angetrofleu werden. Die
dunkelgrüne Hornblende bildet in diesen Schiefern kleine, erst mit
der Loupe erkennbare prismatische Kryställchen, die parallel ge-
richtet in grösserer Zahl bündelförmig neben einander liegen. Der
etwa in gleicher Menge vorhandene Quarz erfüllt in fein-
körnia:en Affcrreffaten die Zwischenräume zwischen den Hornblende-
prismeu. Ausserdem ist noch Rutil in verhältnissmässig grossen
gelbbraunen Nadeln, und Magneteisen reichlich vorhanden. Die
parallele Anordnung der feinen Hornblendenadeln verleiht dem
"rauerrünen Gestein eine faserio^e oder feinsteimelia;e Beschaftenheit.
Hin und wieder stellt sich Epidot ein, bald nur vereinzelt, bald
in reichlicher Menge; es entstehen dadurch Uebergänge in eigent-
1 iche E p i d o t s c h i e, f e r.
Auch dunkelgrüner Biotit erscheint in manchen Ilornblende-
schiefern, bald in einzelnen das Gestein unregelmässig durch-
setzenden Schüppchen, bald in mehr zusammenhängenden Massen,
welche die Schichtflächen bedecken. Es entstehen dadurch Ueber-
gänge der Horn bl ende schiefer in die Glimmerschiefer,
welche in dem oben besprochenen Profil zwischen Oberwestern
und Huckelheim eine ganz gewöhnliche Erscheinung sind.
00 O
74
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spcssai’ts.
Auf stattgehahte Beweguugsvorgänge innerhalb der Quarzit-
gliinmerschieferregiou deuten gewisse Quarzitbreccien, welche
z. B. im Steinbruch am Kreuzberg bei Geiselbach und in der Nähe des
Ilüttengesässhofes und der Teufelsinühle Vorkommen. Die Breccien
führen Brauneisen als Bindemittel und liegen auf Spalten, welche
vermuthlich bei der Anfrichtnng der Schichten entstanden und mit
Brnchstückeu zertrümmerten Nebengesteins gefüllt wurden. Auch
die stark zerquetschten, von vielen Ablösungsflächen durchzogenen
phyllitischen Quarzitschiefer am Weinberg bei Michelbach weisen
auf gewaltige Druckkräfte hin , welche bei der Anfrichtnng der
Schichten und bei der Gebirgsbildung überhaupt zur Wirkung ge-
langten.
IV. Jüngster Gneiss des Spessarts.
Ueber dem Quarzitglimmerschiefer lagert in der Gegend
zwischen Grossenhanseu, Horbach, Michelbach, Alzenau, Hof
Trages und Lützelhausen, an einzelnen Stellen so, dass die Auf-
lagerung deutlich beobachtet werden kann, der jüngste Gneiss
des Spessarts. Obwohl vielfach vom Rothliegenden und Diluvium
bedeckt, tritt er doch, wie die in den Jahren 1874 und 1875
ausgeführte Aufnahme des Gebietes im Maassstab ^/25ooo gezeigt
hat, zwischen Grossenhausen, Horbach und Lützelhausen und
ferner zwischen Albstadt, Michelbach und Hof Trages in genügend
grossen zusammenhängenden Massen zu Tage, um durch deren
Untersuchung ein klares Bild von dem Bau und der Entwicklung
dieser Zone zu erlangen. Es zeigt sich, dass auch in ihr nord-
östliches Streichen und nordwestliches Fallen unter 30 — 500 durch-
aus herrschen und dass nirgends LasTerungfSverhältnisse vorliegfeu,
welche zu meiner früher (a. a. O. S. 421) ausgesprochenen An-
nahme »einer Faltung der krystallinischen Schiefer des Spessarts
in grossem Maassstabe« oder zur Annahme einer Verwerfung und
anderer Störungen nöthigen. Im Gegentheil, gewisse sehr wichtige
Gesteinscomplexe in dieser Zone haben, wie die nähere petro-
H. BüciaxG , Das Grundgebirge des S|)essarts.
75
graphische Untersuchung ergeben hat, eine so eigenartige jietro-
graphische BeschaiFenheit, dass sie sich von allen übrigen bis-
her betrachteten Spessartgesteinen mit Leichtigkeit unterscheiden
lassen.
Der jüngste Gneiss des Spessarts setzt sich vorzugsweise
aus Lagen von ziemlich grobkörnigem, flaserigem bis schieferigem
Gneiss zusammen, welcher im iA.llgemeinen durch das Vorwalten
der sauren Gemengtheile gegenüber den basischen gekennzeichnet
nnd dem älteren Spessartgneisse, zumal dem unteren körnig-
flaserigen Gneisse (vom Wendelberg etc.), sehr ähnlich ist. Am
gi obkörnigsten sind die Gneisse von Grossenhauseir- Horbach und
die jüngeren Gneisse bei Hof Trages, am feinkörnigsten nnd
ziemlich ebenschieferig ausgebildet die Gneisse von Lützelhausen.
Es wechseln sehr gewöhnlich glimmerarme und etwas glimmer-
reichere Lagen ; auch tritt in der unteren dadurch l)esonders
chai-akterisirten Abtheilunu; Hornblende sehr häutio; stellvertretend
für Glimmer ein. Nicht selten sind ferner granulitartige, bezw.
glimmerfreie oder glimmerarme gncissartige Einlagerungen,
weniger häutig quarzitische Bäidce. Die Mannigfaltigkeit der
Gneissgesteine ist demnach auch in dieser Kegion eine recht
grosse.
A. Hornbleiidegiieiss, wechsellagernd mit Biotitgneiss.
Die herrschenden Gesteine sind Biotit- und Horubleudegneisse.
Die Biotitgueisse sind in der Kegel körnig - flaserig und
zuweilen durch etwas grössere Feldspatheinsprenglinge augengueiss-
artig entwickelt. Bei sehr zurücktreteudem Biotit nnd regelloser
Anordnung der kleinen Biotitblättchen erhalten sie eine graui-
tische Beschaßenheit ; bei etwas reichlicherem Auftreten nnd
paralleler Anordnung des Biotits werden sie auch wohl schieferig.
Durch Streckung der Gemengtheile entsteht eine steuglige Struc-
tur; indessen kommt diese in der unteren Abtheiluug weit seltener
vor als in der oberen.
Im AlDemeinen sind die Biotitgueisse stark zersetzt. Stein-
brüche, in welchen frisches Gestein entblösst war, sind mir nur
von Horbach und Kälberau bekannt geworden. Die Gneisse
76
H. BücKiNa, Das Grumlgebirge des Spessarts.
haben hier eine körnig -flaserige oder granitartige Structnr, sind
von mittlerem Korn und enthalten bei Horbach einzelne grössere
Orthoklase von eckigem Durchschnitte, deren Grösse durch-
schnittlich 2 — 3 Millimeter beträgt.
Der Biotit ist fast durchweg von brauner, nur selten von
grüner Farbe. Zuweilen gesellt sich zu demselben, z. B. bei
JI orbach und bei Alzenau gegenüber dem Schloss, etwas Muskowit,
welcher dann oÖenbar secundär, bei der Zersetzung des reichlich
vorhandenen Orthoklas entstanden ist. Reichlicher erscheint
Muskowit neben dem Biotit, in einzelnen Lagen denselben gerade-
zu verdrängend, nur in der Nähe von Kälberau, besonders in
den Gesteinen, welche gegenüber der Mühle gewonnen werden. Hier
steht ein von einzelnen glatten oder längsgestreiften Ablösungs-
flächen durchsetztes, massig ausseheudes Gestein an, welches ei’st
bei näherer Betrachtung eine durch einzelne dickere Biotitlajxen au-
gedeutete Schieferung erkennen lässt. Es ist ein glimmerarmer,
körnig-flaserig struirter Biotitgneiss , welcher hellen Quarz und
röthlichen Orthoklas etwa zu gleichen Theilen führt und den Mus-
kowit auf den Ablösungsflächen in einzelnen Schuppen in gröberen,
gangartigen, pegmatitischen Ausscheidungen al.)er in grösseren, zu-
sammenhängenden Massen neben gleichfalls grösser ausgebildeteu
Feldspäthen enthält. Ausser den zum Theil undulös auslöschenden
einfachen Orthoklaskrystallen finden sich viele mikroklinartig ver-
zwillingte und ausserdem andere von einzelnen Lamellen durch-
setzte Feldspäthe, welche als Orthoklase mit Albiteinlagerungeu
angesehen werden können, sowie polysynthetisch aufgebaute Plagio-
klase. Verbogene, geknickte und zerbrochene Feldspäthe und
Quarze, Wirkungen des, wie schon oben erwähnt, auch in anderer
Weise zur Aeusseruug gelangten Druckes, dem die Gesteine aus-
gesetzt gewesen waren, sind in dem Gneiss eine sehr häufige Er-
scheinung. Offenbar steht auch das Auftreten des Muskowits und
des Mikroklins im engsten Zusammenhang mit den dynamometa-
morphischen Vorgängen, welchen die Gesteine von Kälberau unter-
worfen waren.
Der Feldspath in den herrschenden Biotitgueissen ist zum
Theil Orthoklas, zum Theil, nach der Streifung auf den Spaltungs-
II. Bückinq, Das Grundgebirge des Spessarts.
77
fläclieu und nach dem lamellaren Zwillingsbau der Durchschnitte
im Dünnschlift' zu schliesseu, Plagioklas. In einzelnen Bänken
und gewissen Zonen herrscht der Feldspath gegenüber dem Quarz,
dessen ineinander verzapfte Körner die Zwischenräume zwischen
den grösseren Feldspäthen erfüllen, in andei'ii überwiegt der Quarz
den Feldspath. Häutig sind auch Gueisslagen, in welchen die
Quarz- und Feldspath-Körner im Allgemeinen von gleicher Grösse
sind, wodurch bei zurücktreteuder Schieferung, bei spärlichem
Biotitgehalt, ein grauitisches Aussehen bedingt wird. Besonders
gilt dies von dem Gneiss, welcher gegenüber dem Schloss von
Alzenau austeht; dieser ist durch fein vertheiltes Eisenoxyd röth-
lich gefärbt und enthält in grosser Menge neben einheitlich aus-
löschendem Orthoklas auch mikrokliuartig verzwilliugte und nur
aus einem System von Zwillingslamellen aufgebaute Feldspäthe.
Pegmatiti sehe Ausscheidungen sind in den Biotit-
gneissen, die allerdings in der Regel nicht sehr gut aufgeschlossen
sind, nicht gerade häufig. Ausser bei Kälberau wurden sie noch
zwischen Albstadt und Neuses und in der Nähe von Michelbach
beobachtet; an letzterem Orte bildeten sie eine etwa 1 Meter
mächtige linsenförmige Einlagerung.
o o o o
Häufiger kommen feinkörnige, glimmerfreie oder glimmerarme,
früher gewöhnlich als granulitartig bezeichnete Gesteine in
o o o
Bänken von geringer Mächtigkeit (10 — 50 Centimeter) eingelagert
vor. Sie finden sich unter Anderem am Weg von Grossenhausen nach
der Birkenhaine!' Strasse (»Wüstenhausen« der Messtischkarte)
und in der Nähe von Horbach. In dem ziendich stark zersetzten
Gesteiu sind der gewöhnliche Kalifeldspath sowie der Mikroklin
und der spärliche Plagioklas mehr oder weniger kaolinisirt und
haben zur Bildung einzelner silberweisser Glimmerschüppcheu
Anlass gegeben. Ausser Varietäten, in welchen der Feldspath
herrscht, finden sich auch solche, in welchen der Quarz so ent-
schieden die Oberhand über den Feldspath, der dann gewöhnlich
als Plagioklas zu deuten ist, gewinnt, dass man sie besser als
Quarzit oder Quarzitschiefer bezeichnen würde. In den feldspath-
reicheren Lagen befindet sich zwischen den einzelnen grösseren
Feldspäthen zuweilen ein sehr feinkörniges Gewebe von Quarz und
II. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Feldspatli, iu welchem mau hier und da eine ziemlich regelmässige,
geradezu grauophyrische oder mikropegmatitische Verwachsuug von
Quarz und Feldspath zu erblicken glaubt.
Die HorilbIeil(leg'lieisse treten mit den Biotitgneissen vielfach
wechsellagernd auf. Sie sind bald grob-, bald feinkörnig, gewöhn-
lich ebenschieferig, häufig auch stengelig. Im Allgemeinen von sehr
fester Beschaffenheit, werden sie gern als Chausseematerial benutzt
und sind daher vielfach in Steinbrüchen entblösst.
Sehr typisch sind die Honiblendegneisse südlich von Grossen-
hausen, auf der Ruhe und längs der Hirtenwiesen, entwickelt.
Zum Theil sehr grob von Korn enthalten sie 1 — 2 Centimeter
grosse dunkelgraugrüne Hornblenden und nahezu ebenso grosse
weisse bis lichtfleischrothe Orthoklase, die zum Theil schon stark
kaolinisirt sind. In einzelnen mehrere Centimeter mächtigen
Lagen kann die Hornblende, in anderen der Orthoklas vorwiegen,
und entstehen dadurch sehr charakteristisch aussehende, schwarz
und weiss gebänderte Gesteine. Uebergänge von diesen grob-
streifigen Gneissen in massig aasgebildete, in welchen Hornblende
und Orthoklas ein regellos körnio-es Gemenge bilden, und anderer-
seits in feinkörnige Varietäten, welche ebenfalls sehr oft sauere
und basische Lagen oder auch wohl gar keine Spur von Schieferung
erkennen lassen, kommen ausserordentlich häufig vor.
Auffallend ist in diesen Ilornblendegneissen das starke Zurück-
treten des Quarzes. Er fehlt zwar nicht ganz, spielt aber doch
mehr die Rolle eines accessorischen Gemengtheils. Dafür ist der
Gehalt an Orthoklas, welcher auch den im Allgemeinen etwas
frischeren Plagioklas in allen näher untersuchten Gesteinen über-
wiegt, ein durchaus constanter. Der alte Namen »Syenitgneiss«
ist demnach für die jüngeren Hornblendegneisse des Spessarts
durchaus gerechtfertigt.
Auch iu den früher als Diorit bezeichueten hornblendereicheu
Schiefern, welche am Schloss in Alzenau austehen und ihre
Schieferung und steugelige Strnctur hauptsächlich den parallel
angeordneteu dünnen Horublendenadeln verdanken, waltet, von
ganz vereinzelten Lagen abgesehen, der Feldspath, welcher auch
II. Büciving, Das Grundgebirge des Spessarts.
79
liier vorwiegend Orthoklas und nur znni Theil Plagioklas ist,
gegenüber dem Quarz vor. Jedenfalls fehlt der Feldspath in den
Horubleiidegesteiuen dieser Zone niemals, während die oben-
erwähnten Amphiboliteinlagerungeu in der Qiiarzitschieferregion
gewöhnlich ganz frei von Feldspath sind. Eine gewisse Aehu-
lichkeit haben demnach die jüngeren Hornblendegueisse nur mit
den älteren im körnigstreifigeu Gneiss (s. oben S. 45) und mit den
viel höher im zweiglimmerigeu Gneiss gelegenen (S. 46 — 48); doch
auch von diesen unterscheiden sie sich sowohl durch ihre mehr
wechselnde Structur, ihren geringeren Gehalt an Quarz und vor
Allem auch durch die Verschiedenheit der mit ihnen weehsel-
lageruden Gueisse.
Im Ganzen selten stellt sich in den llorublendeoneissen brauner
O
Biotit in vereinzelten Blättchen oder gar in zusammenhängenden
Lagen auf den Schieferflächeu ein, wie dies bei einigen Gesteinen
von Grossenhausen der Fall ist. Chlorit und Epidot kommen als
Zersetzungsproducte imr hin und wieder vor. Dagegen ist Titanit
in Form von kautengerundeten Krystallen und Körnern in ein-
zelnen Gesteinen geradezu massenhaft vorhanden, während er
wieder in anderen, wenn er auch nicht gerade gänzlich fehlt, so
doch nicht häufig zu nennen ist. Apatit wird in verhältniss-
mässiof ffrosseu kurz credrunffenen Prismen, an einzelnen Stellen
sehr reichlich , an anderen nur spärlich beobachtet. Gleichmässig
durch das Gesteinsgewebe verbreitet ist das Magneteisen ; besonders
reichlich, und zuweilen einzelne schmale Lagen fast ausschliesslich
zusammensetzend, findet es sich in den schieferigen Ilornblende-
gneissen von Alzenau.
Interessant ist noch das Vorkommen von Aragonit, welcher
in feinfaserigen Massen die Spalten in einem ziemlich stark zer-
setzten Horublendegueiss an der Strasse von Michelbach nach
Albstadt erfüllt.
Eigenthümliche, stark zersetzte, fast nur aus Horn-
blende bestehende Massen, welche auf der Buhe südwestlich
von Grossenhausen und bei Horbach, am Ausgang des Dorfes an der
Strasse nach Grossenhausen augetrofieu werden, bedürfen noch der
Erwähnung. Die ziemlich weichen, aber wegen ihrer Zähigkeit
80
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
nur sehr schwer zertheilbaren Massen sind von schmutzifr-(rran-
O O
grüner und braunvioletter Farbe. Sie bestehen wesentlich aus
einem filzigen, von Eisenerzen und Chloritschüppchen durchsetzten
Gewebe kleiner lichtgrünlicher Hornblende- bezw. Strahlstein-
Nadelu, in welchem bis zu 1 Ceutimeter grosse Krystalle einer
bräuulichgrüneu schilfigen Hornblende und zu Nestern ziisammeu-
tretende Chloritblättchen gelegen sind. Auch die grösseren Horn-
blendekrystalle, welche aus der primären Hornblende mit Bei-
behaltung der krystallographischeu Orieutirung und der ungefähren
Form und Grösse hervorgegaugeu sind, enthalten, zumal auf den
Spaltungsdurchgäugeu, Chloritblättchen, Hämatittafelu und Brauu-
eiseu, letzteres oft in beträchtlicher Menge; dadurch wird ihre
lockere Beschafteuheit und ihre bräunliche Farbe bedingt. Die
Gesteine, ofteubar Zersetzuugsprodncte mächtiger basischer Aus-
scheidnugeu oder Lagen im grobkörnigen Hornblendegueiss, sind
zum Verwechseln ähnlich den oben erwähnten Einlagerungen
im Gueiss von Wenighösbach, welche Kittel früher als »Gabbro«
beschrieben hatte (s. oben S. 49).
Von den »granulitartigen« Gesteinen bezw. Ausschei-
ilungen, welchen man hier und da im Gebiete des Horublende-
g’ueisses begegnet, war schon bei dem Biotitgneiss die Rede.
Au der unteren Grenze der jüngeren Gneisse gegen den
Quarzitglimmerschiefer liegen in dem Aufschluss bei Grossen-
hausen ganz aufgelöste, mit den Fingern zerreibliche oder wie
Thon knetbare Gneisse, an welchen zwar noch Streichen und Ein-
fallen bestimmt werden kann, von denen es sich aber nicht mit
Sicherheit angelien lässt, ob sie neben den Biotitgueisslagen auch
noch Hornblendegueiss enthalten. Ebenso lassen bei Horbach
die Aufschlüsse au der unteren Grenze Zweifel über die Aufein-
anderfolge der verschiedenen Gueisslageu. Weiter nach oben
wechseln, wie mau bei Grosseuhausen, Horbach und besonders
schön bei Michelbach beobachten kann, mehrfach 50 — 60 Meter
mächtige Zonen von Hornbleudegneiss und Biotitgneiss. Erst
näher au der höheren Abtheilung treten die Hornblendegueisse
mehr und mehr zurück, bis sie schliesslich ganz ausbleiben. Die
H. Bücking, Das Gmntlgebirge des Spessarts. 81
obere Grenze der Zone der Horublendegneisse ist demnach keine
scharfe.
Gerade in dieser Grenzregion befindet sich der Steinbruch,
welcher westlich von dem Dorfe Neuses, an der Strasse nach
Somborn, in einer isolirten Gneisskuppe angelegt ist, die unter
dem mächtigen Ivothliegenden und dem weitverbreiteten Diluvium
hervortritt. Der hier aufgeschlossene Gneiss ist ein verhältuiss-
mässig glimmerreicher Biotitgneiss , von feinflaseriger bis gerad-
schieferiger Beschaffenheit. Er ist ziemlich stark zersetzt, auch
von zahlreichen, gestreiften Qnetschflächen durchzogen. Der
Biotit ist braun bis dunkelgrün; der Feldspath, welcher auf dem
Querbrnch augeuartig hervortritt, ist stark kaolinisirt; Quarz ist
im Ganzen spärlich vorhanden. In einzelnen, lichten, biotit-
ärmeren Streifen findet sich Granat in runden, bis erbsengrossen
Körnern, zum Theil noch recht frisch. Serpentin und hellgrün-
liche sericitische Zersetzungsproducte sind auf einzelne schmale
Klüfte beschränkt.
Einige etwa 10 Ceutimeter mächtige glimmerarme grauitische
Lagen, in welchen die Quarz- und Feldspathindividnen die sehr
beträchtliche Grösse von mehreren Ceutimeter erreichen , sind
den oflimmerreichereu Gueissen concordant einafeschaltet. Sie ent-
halten Granatkörner und hier und da ziemlich grosse, bis 5 Milli-
meter breite Blättchen von Muskowit.
Von besonderem Interesse ist eine Bank von Horubleude-
gneiss, welche im Jahre 1875 in diesem Steinbruch aufgeschlossen,
im Jahre 1889 aber nicht wieder anfzutinden war, wahrscheinlich,
weil sie hei der Ausdehnung des Steinbruchs sich auskeilte oder
verschüttet wurde. Dieser llornblendegneiss besitzt ein ziemlich
gleichmässig feines Korn, doch so, dass man Feldspath und
Hornblende noch mit blossem Auge von einander unterscheiden
kann. Quarz fehlt, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt,
vollständig; der Feldspath, fast durchaus stark kaolinisirter
Orthoklas, herrscht bei weitem vor. In ihm liegen die durch
eine gedrungene Gestalt ausgezeichneten Hornblenden, häufig um-
sänmt von einem schmalem Kranze von hellrothem Granat. Die
in ihrer Breite etwas wechselnde Grauatzoue umgiebt nicht nur
Jahrbuch 1889.
6
82
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
die Honiblendeeiusprengliuge, sondern hin nnd wieder auch ein-
zelne Feldspatlikörner; ancli auf den bi’eitereu Spaltungsklüften
des Feldspaths hat sich Granat augesiedelt; au einzelnen Stellen
bildet er zwischen den grossen Feldspätheu geradezu ein Mascheu-
gewebe, in dessen Knotenpunkten sieh die Ilornblendekörner be-
huden. Diese eigenartige Vertheiluug des Granats deutet auf eine
secundäre Entstehung.
B. Biotitg'iieiss von Lützelhausen nnd Hof Trages.
Die herrschenden Gesteine in dieser oberen Abtheilung sind
Biotitgneisse, welche iin Allgemeinen den zuletzt erwähnten von
Neuses tlnrchaus ähnlich sind. Sowohl in den tiefsten Lagen,
welche am Moncheweg und au der Birkenhaiuer Strasse bei Bern-
liach aufgeschlossen sind, als in dem höheren Niveau am Zeilberg
bei Ijützelhausen und an der Strasse östlich vor diesem Dorfe,
auch an der Sauerwiese nördlich von Grossenhauseu, wechseln
schmale, biotitreichere mit festeren, etwa 4 bis 20 Centimeter
mächtigen, glimmerarmen, sog. »granulitartigen« Gneissen. Der
Iiiotitarme Gneiss ist bald ziemlich grobkörnig und augeugneiss-
artig durch einzelne etwas grössere tleischrothe Orthoklase, bald
feinkörniger und plattig bis ebenschieferig bei regelmässig ab-
wechselnden Streifen von körnigem Quarz und Feldspath.
Die glimmeri-eichen Zwischenlagen werden durchschnittlich
^2 his 1 Meter mächtig, bestehen aus vorwalteudem Biotit, etwas
Kaolin und wenig Quarz, sind häutig bei dunkelvioletter Färlning
ganz aufgelöst und in feuchtem Zustande lettenartig. Sie sehen
zum Theil dem herrschenden Gestein in der Zone der glimmer-
reichen schieferigen Gneisse nicht unähnlich, schliessen auch, in
ähnlicher Weise wie jene, hier und da bis kopfgrosse Quarz-
liuseu ein.
Gesteine, welche eine gewisse Mittelstellung zwischen den
letzterwähnten und den glimmerarmeu »gramditartigen«, streitigen
Gneissen einuehmen, sind in dem tiefen Einschnitt, welchen die
Strasse nach Grossenhauseu am östlichen Ausgang des Dorfes
Jjützelhausen besitzt, und an der Sauerwiese nördlich von
Grossenhauseu zu beobachten. Es sind vorherrschend feinkörnige
H. Bücking , Das Griintlgobii'ge des Spessarts.
83
Biotitgueisse, in welchen Orthoklas und Quarz etwa in gleicher
Menge und von derselben Korngrösse über den gleichinässig durch
das ganze Gestein vertheilten braunen Biotit ganz entschieden
überwiegen. Die Schieferung dieser Gneisse ist bedingt durch
die im Allgemeinen parallele Anordnung der Biotitblättchen.
Accessorisch erscheint zuweilen Granat in kleinen und bis
erbsengrossen Körnern. Einzelne Bänke sind durch Zersetzuno's-
producte des Magueteiseus sehr intensiv roth gefärbt, andere durch
Mauganverbindungeu auch wohl schwarz. Eine Graphitführung,
welche Thüracii (a. a. O., S. 58) für den Gneiss von Eützelhausen
angiebt , aus welcher er auch Apatit und Zirkon als häutige,
Anatas und Rutil als seltene Gemengtheile erwähnt, ist mir nicht
aufgefallen.
Verhältnissmässig gut sind die Aufschlüsse in dem Thal, welches
von Michelbach nach dem »Oberen Sand« und dem Hof Trabes hin-
aufzieht. Hier liegt zunächst über den obersten stengeligen Horn-
blendegneissen ein etwa 30 Meter mächtiger granitartiger Biotitgneiss,
der allerdings liei näherer Betrachtung eine gewisse Schieferung,
r5 o O Ö 7
durch kleine parallel geordnete Biotitblättchen hervorgerufen, zeigt,
sonst aber massig abgesondert erscheint und in scharfkantige Stücke
zerfällt. Es folgt nach oben eine etwa 10 Meter mächtige Zone
von Gneiss, welcher sehr ähnlich dem von Neuses beschriebenen
ist, dann wieder ein, dem ersten ähnlicher granitartiger Gneiss,
der auf weite Erstreckung hin in gleicher petrographischer Aus-
bildung anhält, nur hin und wieder unterbrochen von einer Bank
biotitreicheu oder stengelig abgesonderten Gneisses. Die zuletzt
erwähnten im Allgemeinen biotitarmen und sehr feldspathreichen,
granitartigen Gneisse von mittlerem Korn zerfallen sehr leicht zu
einem lockeren, sandigen Kies. Der Biotit auf der Oberfläche
ist häufig gebleicht, muskowitartig, im Innern des Gesteins aber
stets von dunkeier Farbe.
Die Gneisse, welche in der Nähe des Hofes Trages anstehen
und mehrfach durch Steinbrüche entblösst sind, sind den biotit-
ärmeren Gneissen von Lützelhausen und Beruliach recht ähnlich.
Durchgängig überwiegt in ihnen der Orthoklas den Quarz sehr
beträchtlich. Sie enthalten ferner recht häufig einzelne über 1 Meter
84
II. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
mächtige Bäuke tmd Linsen eines nngeschichteten, groben, mus-
kowitfreieu peginatitischen Gesteins, in dem oft bis kopfgrosse
Qnarzknauern eiugesprengt Vorkommen. Eine regelmässige peg-
matitiselie Verwachsung von Feldspath und Quarz wurde in den
untersuchten Blöcken nicht wahrgeuommen Q.
Das höchste Niveau unter den im Spessart zu Tage treten-
den krystallinischen Schiefergesteiuen nimmt ein Gneiss ein, wel-
cher nördlich vom Hof Trages, am Ende des Galgengrundes ober-
halb Somborn, unter den mächtigen Porphyrconglomeraten des
Ober-Kothliegenden hervortritt und durch einen Steiubruch auf-
geschlossen ist. Es ist im Allgemeinen ein ziendich grobkörniger,
biotitarmer, granitartiger Gneiss, welcher nur in einzelnen Bänken,
insbesondere in einer grossen, 4 Meter langen und 2 Meter inäch-
tig-en, mitten iin Bruch blossgelegteu Linse eines slimmerreichen
und dabei wenige festen Gneisses, deutliche Schieferuno- zeis:t.
Der Feldspath (Orthoklas) überwiegt auch in diesem Gestein den
(^uarz; beide Gemeugtheile erreichen nicht selten die Grösse von
2 Centimeter. In grosser Menge ist Granat in kleineren, höchstens
ErbsengTösse besitzenden Körnern vorhanden: er ist theilweise
zersetzt. Winzige, durch die ganze Masse vertheilte Muskowit-
blättcheu sind wohl als secundär, bei der Zersetzung des Feld-
spaths entstanden, anzusehen.
Einlagerungen abweichend ausgebildeter Gesteine in der
oberen Abtheilung der jüngeren Gneisse sind im Ganzen sein-
selten. Zu erwähnen ist nur ein durch gänzliches Zurücktreten
des Feldspaths ausgezeichnetes Gestein, welches bankweise den
normalen l)iotitführeuden Gneissen im Grüudchen zwischen Lützel-
hausen und Grossenhausen eingeschaltet ist. Dieser Quarzit-
schiefer hat eine bräunliche Färbung, und enthält ausser dem
vorwaltenden Quarz und dem Biotit noch recht viel in Braun-
eisen umgewandelten Granat, sowie Rutil in kleinen Kryställchen.
In dem stark zersetzten Biotitgneiss, welcher zwischen Grossen-
hausen, Horbach und Bernbach an der Birkenhainer Strasse an-
Die Angaben von Ludwig , geognost. Beob. in der Gegend zwischen
Giessen-Fulda etc., Darmstadt 185-2, S. 23, ebenso in seiner Geognosie und Geoge-
nie der Wetterau, Hanau, 1858, S. 14 und 20, sind demnach ungenau.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
85
steht imd in der sogenannten »Bernbacher Hohle« sehr gut auf-
geschlossen ist, finden sieh einzelne durchschnittlich 5 Centinieter
mächtige, concordant den Gneissschichten eingeschaltete Lagen
von stark zersetztem Bra nnspath. Auch auf den Klüften und auf
feinen Sjialten im Gneiss sind solche braune Carbonate augehäuft.
DerFeldspath im Gesteinsgewebe selbst ist sehr häutig kaolinisirt
oder in Calcit und Branneisen nmgewandelt, während der Biotit
weniger stark verändert erscheint.
V. Mächtigkeit des krystallinischen Grundgebirges itn
Spessart
Nachdem im Vorhergehenden das Wichtigste über die Ver-
breitung, die Lagerung und die petrographische Beschatteuheit
der Gesteine des Spessarter Grundgebirges erörtert worden, bleibt
noch übrig. Einiges über die Mächtigkeit der verschiedenen
Zonen in ihrem Verbreitungsgebiet zwischen Main- und Kiuzig-
thal hinzuznfügen.
Nimmt man für die tiefste ansgeschiedene Zone, den Grauit-
gneiss, der im Sodener Thal ein einigermaassen deutliches Ein-
fällen unter 50*^ NW. zeigt, sonst aber im Allgemeinen richtnugslos
körnie ansffebildet ist und nur in seiner Verbreitnu'»: und in seiner
Abgrenzung dem allgemeinen Streichen der Gneissschichteu des
Spessarts folgt, jenen Fallwinkel von 50*^ als constant au, so
würde die Mächtigkeit des Grauitgneisses im Besseubacher Thal,
wo er in einer Breite von 400 Meter aufgeschlossen ist, minde-
stens 300 Meter betragen.
Der Dioritgneiss besitzt im Besseubacher Thal etwa die
gleiche Breite wie zwischen der Grenze gegen den Granitgueiss
im Sodener Thal und der Aunreimueisszone bei Gailbach am Grau-
berg (etwa 3500 Meter). Er lässt da, wo er eine eiuigermassen
deutliche Parallelstructur aufweist, ein steiles Einfällen nach NW.
erkennen; nur an wenigen Stellen ist auf kurze Erstreckung, offen-
bar in Folge kleiner für den Bau der Gesammtmasse kaum in Be-
86
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
tracht koinuiender Störungen, ein «iklöstliches Einfällen vorhanden.
So erwähnt Kittel für seinen »Syenit« von Soden NNW., von
Gailbach 76® NNW. und 35® S., von Strassbessenbach 87® N.
lind 63® SO.; Goller hat an den meisten Orten ein nach NW.
gerichtetes Einfällen oder Saiger- Stellung beobachtet; ich habe
zwischen Keilberg und Waldmichelbach das Einfällen zu 65® NW.
bestimmt. Legt man deshalb bei der Berechnung ein durch-
schnittliches Einfällen von 50® NW. zu Grunde, so ergiebt sich
für den Dioritgueiss eine ungefähre Mächtigkeit von 2700 Meter.
Der köruig-flaserige Gueiss streicht auf der Linie Strass-
besseubach-Hösbach- Wenighösbach (Profil la), welche senkrecht
zur Streichrichtuug verläuft, in einer Breite von 8300 Meter, auf
der Linie Granberg bei Gailbach über Aschatfenbnrg bis Stein-
bach hinter der Sonne in einer Breite von 9000 Meter zu Tace
aus, was bei einem durchschnittlichen Einfällen von etwa 65® eine
Mächtigkeit von 7500 bezw. 8100 Meter bezeichnen würde.
Davon käme auf die Zone der körnig-streifigen Gueisse, welche
im Gailbacher Thal und zwischen Strassbessenbach und Winzen-
hohl gleich mächtig entwickelt ist, etwa 800 bis 900 Meter, auf
den Biotitgneiss des Wendelberges in seinem westlichen Theile
am Wendelberg und Hermesbuckel etwa 1500 bis 1600 Meter, in
seinem östlichen Theile im Schmerlenbacher Thal etwa 2500 bis
2700 Meter, und für den zweiglimmerigen Gneiss nebst seinen
Einlag'ernns'en der Rest. Die letztere Zone würde also nach
Westen, nach dem Odenwald hin, ausserordentlich stark an-
schwellen, zum Theil auf Kosten des liegenden Biotitgneisses.
Die Mächtigkeit der folgenden Zone ist, wie ein Blick auf
die Profile 1 b, 2 und 3 lehrt, sehr starken Schwankungen unter-
worfen. Der glimmerreiche schieferige Gneiss hat in
dem östlichen Theil seines Verbreitungsgebietes (Profil 3) bei
einem durchschnittlichen Einfallen von mindestens 35® NW. eine
Mächtigkeit von etwa 1700 Meter, weiter westlich zwischen Schim-
boru und Niedersteinbacli (Profil 1 b) bei einem durchschuittlichen
Einfallen von etwa 50 ® die bedeutende Mächtigkeit von mehr als
5100 Meter, und noch mehr westlich auf der Höhe des Hahuen-
kamms zwischen Oberafierbach und Grosshemsbach (Profil 2, Ein-
fallen durchschnittlich 40®) die Mächtigkeit von etwa 3500 Meter.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
87
Ilierltei ist zu berücksiclitigcii, dass der auf dem Profil 3 aiige-
deutete Sattel Schöllkrippeii -Vormwald sich möglicherweise uoch
liis iii die Gegend zwischen Schimborn und Wenighösbach
(Profil 1 a) fortsetzt und hier eine sattelförmige Aufbiegung der
Gneissschichten bedingt; um dies nachzuweisen, bedarf es aber
noch weiterer Untersuchungen. Immerhin steht es fest, dass der
glimmerreiche schieferige Gneiss nach Westen hin sehr beträcht-
lich anschwillt, auch selbst dann noch, wenn man etwa die
zwischen Angelsberg -Gunzenliach und Grosshemsbach (Profil 2)
zu Tage tretenden Schiefer der folgenden Zone, zurechnen wollte.
J) ie Mächtigkeit dieses Schiefercomplexes beträgt etwa 600 Meter.
Der im Profil 3 angegebene Quarzitschieferzug ist etwa
220 Meter, die nördlich von diesem gelegene Abfheilung glimmer-
reicher schieferiger Gneisse etwa 500 Meter mächtig.
Der Qu arzitglim mer schiefer bildet zwischen Iluckelheim
bezw. Geiselbach undGrossenhausen (Profil 3) einen etwa 5000 Meter
breiten Ilöhenzug, und besitzt demnach bei einem durchschnitt-
lichen Einfallen von ungefähr 35® NW. eine IMächtigkeit von etwa
2800 Meter. Viel geringer ist die Breite des Quarzitglimmer-
schiefers im Kahlthale zwischen Niedersteiubach und Aliclielbach
(Profil Ib), während die Mächtigkeit desselben bei steilerem Ein-
fallen (durchschnittlich 65® NW.) ungefähr die gleiche ist, näm-
lich etwas über 3000 Meter. Weiter nach Südwesten hin tritt
aber doch ganz entschieden eine Verschmälerung der Zone ein,
da dieselbe auf der Höhe des ITahuenkammes zwischen Gross-
hemsbach und Kälberau (Profil 2, durchschnittliches Einfallen
etwa 40®) nur uoch etwa 1700 Meter und selbst, wenn man die
zwischen Augelsberg, Gunzenbach und Grosshemsbach gelegenen,
durch glimmerreichen schiefrigen Gneiss von dem Hauptzug ge-
trennten Schiefer noch nach oben ziehen wollte, nur 2300 Meter
mächtig ist. Dabei ist aber die Vlächtigkeit der glimmerreichen
schieferigen Gneisse (Zone II ) und der Quarzitglimmerschiefer
(Zone III) zusammengenommen im Osten (Profil 3) und im
W esteu ( Profil 2 ) nicht allzusehr von einander verschieden
(4500 bis 5200 Meter).
Die untere Abtheilung des jüngeren Gueisses erlangt
im östlichen Theil des krystallinischeu Spessarts, bei Grossenhausen,
88
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
eine Mächtigkeit von etwa 300 Meter (Profil 3), verkümmert daun
nach Horbach zu, um schliesslich weiter nach Westen hin wieder
derart anzuschwelleu, dass sie zwischen Michelbach und Albstadt
(Profil Ib) sogar bis zu 960 Meter mächtig wird.
Die obere Grenze des jüngeren Gneisses verbirgt sich
unter dem Ivothliegendeu und dem Diluvium der Main- und
Kiuzigebene. Es lässt sich daher nur sagen, dass von der oberen
Abtheiluug bei Grossenhauseu (Profil 3) etwa 640 Meter aufge-
schlossen sind, während sie weiter im Westen bei Plof Trages
in einer Mächtigkeit von mindestens 1200 Meter bekannt ist.
Die G e sammtmächtigkeit des krystallinischen Grund-
gebirges, welches im Spessart an die Erdoberfläche tritt, beträgt
darnach mindestens 17000 — 18000 Aleter.
VI. Vergleich des krystallinischen Grundgebirges im Spessart
mit ähnlichen krystallinischen Gebieten.
Vergleicht man das Grundgehlrge des Spessarts mit ähn-
lichen Bildungen anderer krystallinischer Gebiete, wie das Gümbel
in seiner oben erwähnten Abhandlung versucht hat, und trägt
mau dabei den Mächtigkeiten der einzelnen Zonen gebührend
lleehnung, so ergiebt sich zunächst, dass der ältere Gneiss
des Spessarts, da er sowohl körnige Kalke als Horublende-
gueisse einschliesst, am besten derjenigen Gueissformatiou zuzu-
weiseu ist, welche von Gümbel^) als das jüngere oder das
h e r c y n i s c h e G u e i s s s y s t e m ( Uebergaugsgneisssystem ) be-
zeichnet würd.
Von den auf den älteren Spessartgneiss folgenden Zonen
haben die beiden nächsten eine sehr grosse Aehulichkeit mit der
Glimmerschieferformation des Erzgebirges, wie solche besonders
0 Geognost. Beschr. d. ostbayer. Grenzgebirges. Gotha 1868, S. 480 etc.;
ferner Gümbel, Grundzüge der Geologie. Kassel 1888, S. 506.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
89
iin Gebiet der Blätter Schwarzenberg, Elterlein, Wiesenthal, Johann-
georgenstadt etc. der i25000 theiligen Karte zu Tage tritt. Der
glim in er r eich e sch ieferige G u eiss e n tsp rieh t de m Gn eiss-
glinimerschiefer (z. B. von der Scction Wiesenthal) i), der
Qnarzitgllmmerschiefer des Spessarts dein Gliniiner-
schiefer und -Qu arzgl ini in er seine fe r des Erzgebirges,
anscheinend auch in der Mächtigkeit. Ebenso scheinen die liegen-
den Gneissforinationeu iin Erzgebirge und Spessart mancherlei
Analogien zu besitzen.
Der gl iniiner reiche schieferige G ne iss, welcher, wie
oheu erwähnt wurde, sehr arm an Feldspath ist und in seiner
mineralogischen Zusammensetzung und in seiner ausgeprägten
Schieferung sich weit mehr dem Glimmerschiefer als dem typischen,
in seiner Miueralführuug dem Granit am meisten vergleichbaren
Gneiss anschliesst, auch so reich au oft sehr mächtigen Einlage-
rungen von Quarzit und Quarzitglimmerschiefer ist und nach oben
allmählich in den Quarzitglimmerschiefer übergeht, wird demnach
am besten mit dem hangenden Quarzitglimmerschiefer
zusammengefasst und der Glimmerschieferformation zugerechnet.
Der erstere ist daun als eine untere, der letztere als eine obere
Abtheiliiiig der hercyuischeu Glim nierschieferformation
Gümbel’s ‘^) (identisch mit Uuterhiiron- oder Glimmerschiefer-
system desselben Autors) ^) anzusehen.
Das Vorkommen phyllitähulicher Gesteine im Gebiet des
Quarzitglimmerschiefers, und zumal in den oberen Lagen des-
selben, würde auf die Nähe der Phyllitformation hinweisen.
Typische Vertreter derselben sind aber im Spessart nicht vor-
handen.
Gewisse Schwierigkeiten entstehen bei dem Versuch, den
jüngsten Spessartgneiss mit jüngeren Gneissen in anderen
Gebieten zu identiticiren. ln der Phyllitformation der benach-
barten Gebiete kennt mau so typisch ausgeliildete, feldspatbreiche,
') Vergl. Sauer, Erläuterungen zu dem Blatt Wiesenthal der sächs. geolog.
Karte im Maassstabe V25000; S. 21.
Ostbayer. Grenzgebirge, S. 480 etc.
Grundzüge der Geologie, S. 514.
90
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
griinit- und syenitälmliche Gneisse nicht; auch selbst in der oberen
Abtheilung der Gliininerschieferformation sind sie in dieser Aus-
bildung und in der Mächtigkeit von etwa 2000 Meter nicht be-
kannt. Leichter verständlich würde das Auftreten solcher Gesteine
auch an der ofieren Grenze der Gliininerschieferformation sein,
wenn mau sie, wenigstens zum grössten Theil, und soweit
ihre petrographische Ausbildung es znlässt, als durch den Ein-
fluss gebirgsbildender Druckkräfte schieferig gewor-
dene Syenit- und Granitgestei ne anseheu würde. Mächtige,
zwischen Sedimente eingepresste lagerartige Massen von Granit
und Syenit sind ja von vielen Orten bekannt; es würde also eine
solche Annahme ininierhiu zulässig sein. Dass auch der ältere
Spessartgneiss, zumal der Granitgiieiss und der Dioritgneiss, so-
wie die Hauptmasse des körnig - flaserigen Gneisses in ähnlicher
Weise aufgefasst werden können, ist entweder schon oben ausge-
sprochen worden oder geht aus der petrographischeu Beschreibung
der Gesteine zur Genüge hervor.
Nach diesen Ausführungen können wir die oben auf Seite 31
gegebene Gliederung des Grundgebirges im Spessart durch die
folgende ersetzen:
1.
I. Hercynische i 2.
Gneissformation |
des Spessarts, \ 3.
über 10,000 Meter j i
mächtig. I
(Ti'aiiitgneiss von Oberhesseiibach,
IMoritgiieiss mit Aiigengneiss, etwa 2700 Meter,
/ a) Körnig-streifiger Gneiss,
Körnig-llaseriger \ ca. 800 IMeter,
Gneiss. < b) Biotitgueiss, ca. 2000Meter,
/ c) 2-glimmeriger Gneiss, ca.
^ 5000 Meter.
1.
II. Glimmerschiefer- 1 2
formation I
des Spessarts, (
etwa 6000 Meter 1
mächtig. r
Gliinmerreicliei* schieferiger Gneiss, 2 — 3000 Meter
mächtig,
Gnarzitglimnierschiefer, 2 — 3000 Meter mächtig,
Sa) Syeuitgneiss, wechsellagernd
mit Granitgiieiss, etwa
300 — 1000 Meter,
I h) Graiiitgueiss , über 1000
' Meter mächtig.
O
H. Bückimg, Das Grundgebirge des Spessarts.
91
VII. Uebersicht über Streichen und Fallen der krystalli-
nischen Schiefer im Spessart.
Streichen
Fallen
Graiiitgiipiss.
Steinbruch am Steinets am oberen Ende des
Sodener Thals
7-8h
öO" NNO.
Dioi'itgiieiss.
An der Kirche bei Soden — nach Kittei, . .
—
Go" NNW.
Grauberg bei Gailbach — nach Goleek . .
5'>
80" NNW.
Gailbach, im Dorfe — nach Kittei
—
7G" NNW.
» , südlicher Fuss des Findbergs — nach
Kittel
_
3o“ S.
Oberbessenbach an der Kirche — nach Gollek
4h
NW.
Strassbessenbach — nach Kittel
—
G3" SO.
Wolfszahn bei Waldinichelbach
4h
65" NW.
Köi’nig- streitiger Giieiss.
Grauberg bei Gailbach — nach Goller . . .
5'’
80“ NNW.
Fussberg bei Gailbach — » » ...
4h
steil.
Zwischen dem Fussberg bei Gailbach und der
Aumühle bei Schweinheim — nach Goller
4 ''2
65" SSO.
Südwestlicher Fass des Findbergs — nach Kh-i-el
—
69" N.
Einlagerung des körnigen Kalkes bei Gailbach
— nach Kittel
65“ N.
An der Gailbacher Strasse im Hangenden des
körnigen Kalkes
4h
45" NW.
An der Würzburger (= Gailbacher) Strasse im
Hangenden des körnigen Kalkes — nach Kittel
30" N.
An der Wüi-zburger Strasse im Hangenden des
körnigen Kalkes am Elterwald — nach Kittel
_
50" N.
An der Gailbacher Strasse im Hangenden des
körnigen Kalkes im Hornblendegneiss . . .
3'’
50-60" SO.
An der Würzburger Strasse im Hangenden des
körnigen Kalkes gegen Aschaffenburg — naeh
Kittel
55" S.
An der Gailbacher Strasse östlich von der
Dimpelmühle bei Schweinheini (im Hangenden
des Hornblendegueisses)
4h
45" NW.
92
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Streichen
Fallen
]ni Elterliofgrund — nach Kittel . . . . .
41“ S.
Südlich von Grünmorsbach an der unteren Grenze
— nach Goller
5»
80” NNW.
Grünraorsbach — nach Kittel
—
43“ SO.
[ Am Hirschbach, Abhang des Hamraelsberges
1 bei Strassbossenbach
4h
- NW'.
] Am Hirsehbach, am Hammelshorn (Hornblende-
V gneiss) — nach Kittel .
—
87” N.
Körnig -flaseriger Gneiss.
a) Südlich von der Linie Aschaffenburg-
Hösbach.
Fuchsmühle bei Schweinheim — nach Kittel
—
65” NO.
; Hensbach (bei Schweinheim), Hohlweg nach den
\ Bischberg — nach Kittel
75“ NNW.
\ Liebeles -Grube — nach Kittel
—
75” NN Wh
l Hensbach, Weg nach Obernau — nach Kittel
—
74” N.
( Am Dörnbach, gegenüber dem Elterhof — nach
' Goller
4h
60” S.
1 Am Dörnberg, südlicher Abhang — nach Kittel
^ Wendelberg, Gipfel
4h
77—80“ SSO.
( 60-80” SO.
( bis 80” NW.
’ Dörnberg, Gipfel — nach Kittel
—
80” NO.
Dörnberg, nördlicher Abhang — nach Kittel .
—
73“ NO.
Hermesbuckel |
4h
bis 4‘/2^
80“ SO.
80” SO. bis 80“ NW.
Haibach — nach Kittel
—
60-65" SO.
Schindkante — nach Kittel .
—
67” N.
Ratzelburg .
4h
70“ SO.
Fischerhecken
4h
-SO.
Gegenspitze des Büchelberges und der Fischer-
hecke — nach Kittel
49” SO.
Gegenspitze des Büchelberges und der Fischer-
hecke Gipfel — nach Kittel
—
60” SO.
Büchelberg, Kuppe — nach Kittki
—
67“ N.
Büchelberg, nördlicher Abhang — nach Kittel .
—
72“ N.
Gottelsberg, Gipfel — nach Kittei
» , am Zeughause — nach Kittel . .
Schellenmühle, an der Strasse nach Aschaffon-
burg
20” S.
( 54” SSO.
( bis 70“ WSW.
70” SO.
n. Bückinq, Das Grundgebirge des Spessarts.
93
Streichen
Fallen
Schellenmüble — nach Kitteu
65“ SSO.
Sclimerlenbacher Wald, südlicher Aldiang —
nach Kittel
70“ SW.
Schmerlenbacher Wald, Jägerhaus
4h
30—40“ SO.
» » , Wildscheuer nördlich voip
Jägerhaus
3"
80“ SO.
Schmerlenbacher Wald, Mitte — nach Kittel .
—
SO“ n!
» » , nördlicher Abhang —
nach Kittel
67“ SSW.
Schmerlenbach, an der Strasse nach W inzenhohl
4"
SO" SO.
Winzenhohl
4h
70-80“ SO.
Zwischen Keilberg und Weiler
4I1
60“ SO.
b) Nördlich von der Linie Asch affen-
bürg - Hösbach.
Kapuzinergarten — nach Kittel
—
40“ NNW.
Galgenberg bei Damm — nach Kittel . . .
—
77“ N. g. W.
Bergmühle bei Damm
4h
90"
» » » — nach Kittel ....
—
75-85” NW.
Oelinöhle bei Damm — nach Kittel
—
75“ SO. u. 75“ NW.
Schwalbenmühle bei Damm
3 ',2 -4h
75“ SO
Pfaffenberg bei Damm — nach Kittel . . .
—
59“ NW.
» gegen Goldbach — nach Kittel
—
36“ NNO.
Goldbach im Dorfe — nach Kittel
—
75“ NW.
» am Bache — nach Kittel ....
—
75“ N. g. W.
Goldbachgrund gegen Oberafferbach — nach
Kittel
Goldbachgrund gegen Unterafferbach — nach
Kittel
—
1 75“ NNO.
\ 59“ NNW.
85-88“ SO
Glattbacher Weg — nach Kittel . . . . .
—
70“ NW.
» Thal — » » •
—
70“NW.u.85“N.g.W.
Glattbach, Weg nach Schimborn über die Knie-
breche — nach Kittel
64“ NO.U.70" NW.
Glattbacher Mühle — nach Kittei
—
75“ NW.
» »
4'*
80—90“ SO
Glattbach an der Kirche — nach Kittel . . .
—
72“ S.
» hinter der Kirche — nach Kittel . .
—
70“ NW.
» nördlich vom Dorfe — nach Kittei, .
—
43" NNO.
94
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
Streichen
Fallen
Glattbach nördlich vom Dorfe
» , über der Kniebreche — nach Kittel
» » » » gegen Oberaffer-
bach — nach Kittel
Glattbach, über der Kniebreche am Herraan-
stein — nach Kittel
Steinbach hinter der Sonne — nach Kittel . .
» , Steinbruch an dem Wege nach Ober-
afferbach
Zwischen Steinbach und Oberafferbach, am Rad
Kleinostheim im Feld — nach Kiti-ei
» südöstlich vom Bahnhof . . . .
Stockstadt — nach Kittel
» Grasbrück an der Strasse nach Seligen-
stadt
Mittelsailauf an der Kirche
» kurz vor der Brücke
Obersailauf .
2—
7-8>‘
9>‘
41.
IOV2''
91/2'“
2V2"
50—60° NW.
75° NNW.
74" N. g. W.
72“ N.
84” N.
45“ NNO.
25—30“ NO.
70" NW.
70“ SO.
85“ NNW.
60“ NW.
steil
steil
55“ NO.
30" 0.
c) Im Kahlgrund.
Blankenbach
Unter -Sommerkahl am Weg nach Eichenberg .
Zwischen Unter- Soramerkahl und Ernstkirchen.
» Unter- und Ober- Sommerkahl . . .
Grube Wilhelmine bei Ober- Sommerkahl . . .
Schöllkrippen, Weg nach dem Röderhof . . .
)> , » » » » , Aveiter
nach Osten horizontal, bis
Schöllkrippen, am Nordende des Dorfes . . .
» , am Fusspfad nach Westen . . .
» , » » » » an der
oberen Grenze
Grosslaudenbach, im Steinbruch am Südwest-
Ende des Dorfes
Zwischen Grosslaudenbaeh und Grosskahl . . .
Westlich von Grosslaudenbach an der oberen
Grenze
6>>
4-5"
3—4"
7"
1—2"
lV‘2-2"
1—2"
H-12V2"
1"
1—3-4"
2- 3"
3- 6"
1"
steil N.
steil S. u. N.
steil SO.
60“ S.
60“ WNW.
15-20“ WNW.
15-20“ OSO.
60" 0.
steil 0.
10-20“ NW.
20-30“ NW.
20“ NNW.
10—20“ NNW.
[I. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
95
Streichen
Fallen
GliniiHerreiclier scliieferigev Giieiss.
Kleinostlieim, am Wege nacli Hörstein, am Treppen-
graben
12—1'“
35" W.
Kleinosthoiin, östlich vom Bahnhof
4-6'*
75“ SSO.
Kleinostheim, in den Weinbergen nördlicli vom
Bahnhof
2"
35“ NW.
Oberafferbach, an der unteren Genze ....
4 — 5''
NNW.
Johannesberg
F‘
20-30“ 0.
»
2V'2'‘
NW.
Zwischen Riickersbacli und Hohl
2'/.j''
40“ NW.
Feldkahl, Weg nach Erlenbach
7'“
S.
Königshofen
1)''
S.
Klein-Blankenbach
3-4''
s.
Oestlich von Klein-Laudenbach
3'*
30-G0“ S.
Am Kalmus bei Schöll krippen
2-3"
15—40" NW.
Quarziteinlagerung zwischen Klotzenmühle und
Laudenbach, am Gansberg
1"
40“ WNW.
Waag bei Schöllkrippen
4"
40“ NW.
Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmühle, gegen-
über Schneppenbach . •
horizontal
Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmühle, weiter
südlich, am Keilrain
4"
10-20“ NW.
Zwischen Schöllkrippen und Klotzenmülile, weiter
nördlich am Nöll
5"
10-20" SSO.
Unterschneppenbach, am Hohen Berg ....
3-4"
10 und mehr NW.
Gegenüber der Klotzcnmühle
3"
20 — 30“ NW.
Zwischen Klotzenmühle und Unter-Western . .
4"
20" NNW.
Lnter-Western, südliches Ende des Dorfes
3"
30-60" NW.
» , im Dorfe
3"
30-50“ NW.
» , östlich
2"
20-40" NW.
Zwischen Unter -Western und Obersclmeppenbach
2 '/•_>"
35" NW.
Ober-Krombach
3—5"
25-40" NNW.
Zwischen Schimborn und Feldkahl
3"
NW.
» Mensengesäss u. Schimborn, am Schloss-
graben
3V2"
65" NW.
Zwischen Mömbris und Obersteinbach, Steinbruch
gegenüber der Frohnhofer Mühle ....
4I. 1
1
60" NW.
9ß
H. Bücking, Das Grunclgebirgo des Spessarts.
Streichen
Fallen
Zwischen Mömbris und Obersteinbacb, Steinbruch
gegenüber Strötzbach
3-4'‘
CO” NW.
Zwischen Mömbris und Obersteinbach , zwdschen
beiden Steinbrüchen
3— 4I'
40- 50“ NW.
Quarzitschieferzug Weste i’n-Dürren -
Steinbach.
Heiligkreuz-Ziegelhütte zwischen Gross-Kahl und
Huckelheim
4 h
GO“ NW.
Zwischen Unter- und Ober-Western, Steinbruch
an der Strasse
2—3''
30-45“ NW.
Buchwäldchen zwischen Schneppenbach und Hof-
stätten
21/3— 3i>
45-50“ NW.
Dürrensteinbach
3'»
50“ NW.
Glimmerreicber schieferiger Gneiss im
Hangenden des Quarzitschieferzuges
Western-Dürrensteinbach.
Ober- Western, südlicher Theil des Dorfes . .
5'^
30“ NNW.
» , nördlicher » » » . .
211
30-40“ NW.
Nördlich vom Polsterhof bei Western ....
Sti
N.
Eichenberg westlich von Ober-Western, Höhe .
l'>
N.
Hofstätten
3''
40“ NW.
Zwischen Hofstätten und Dürrensteinbach im
Strüttgrund
3-4'>
50“ NW.
Quarzitglimmerscliiefev.
Hornblendeschiefer am Kirbig bei Huckelheim .
4-4
40-70“ NW.
Quarzit an der Hombachmündung bei Huckelheim
4'/2''
30-35“ NNW.
Am Südende von Huckelheim am Fusspfad nach
Western
4‘/2'>
20-30“ NNW.
ln Huckelheim am Kapellchen
3-4I'
45 —50“ NW.
» » oben an der Gelnhäuser Strasse
3"
40“ NW.
Am Dörsenbach westlich von Huckelheim . .
31'
NW.
Quarzitlinse am Müllerstein, westlich von Fluckel-
heim
5-(ii>
N.
Quarzit an der Haardt bei Huckelheim, Geln-
häuser Strasse
3-^4''
70“ NW.
Quarzitschiefer im Steinbruch, nordwestlich von
Hofstätten
3I'
40“ NW.
Quarzitschiefer bei Omersbach
3"
30“ NW.
H. Bücking, Das Grundgebirge des Spessarts.
97
Streichen
Fallen
Hornblendescliiefer bei Omersbach
31'
45" NW.
Südöstlich von der oberen Teufelsmühle, süd-
westlich von Omersbach
3"
80“ NW.
Niedersteinbach im Kahlthal
3"
75“ NW.
Hüttengesüsshof •
12''
70—80“ W.
Steiuberg bei Michelbach an der Strasse mach
Hüttengesässhof
31
40-G0“ NW.
Grosshemsbach am Hahnenkamm
31'
40 -.50“ NW.
Waldsaum an den Weinbergen südöstlich von
Hörstein
2‘‘
80-90“ NW.
Eichelgarten zwischen Al! stadt und Omersliach
2— 4'“
50-G0“ NW.
Helgefeld westlich von Albstadt, südlich von Neuses
4 h
20“ NW.
Steinbruch am Kreuzberg bei Geiselbach an der
Gelnhäuser Strasse
0—10 1/2'’
40—80" NO.
Geiselbach, im Lochgraben
3— 4'>
NW.
» , am hinteren Gleisberg
5''
80“ NNW.
» , am Rochusberg
41.
40“ NW.
Horbach, Südost-Ende des Dorfes
21/2'“
NW.
» , Nordost-Ende » »
3— 4i>
20“ NW.
Grossenhausen, südöstlich oberhalb des Dorfes .
2— G'>
30-40“ NW.
» , Steinbruch am Pfefferberg an der
Strasse Gelnhausen-Huckelheim
4— 5i>
50— GO" NNW.
Grossenhausen, am Träuktrog, Graben neben dem
Feld
4 h
50-80" NW.
Südöstlich vom Eicher Hof, Steinbruch . . .
41/2''
30-45“ NNAV.
Jüngster Gneiss.
Grossenhausen, südöstlich oberhalb des Dorfes .
4I1
25-30“ NW.
» , auf der Ruhe
3i>
50 -GO“ NW.
» , an der Hirten wiese
3'' !
NW.
» , am Birkenstück , nahe an der
Strasse nach dem Eicher Hof
81'
25“ NO.
Grossenhausen an der Sauerwiese
4h
80“ SO.
Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen im
Lochgraben
711
30" N.
Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen , 500
Schritt weiter nördlich
4V2’>
50“ NNW.
Zwischen Grossenhausen und Lützelhausen , am
Gründchen
1
N.
Jahrbuch 1889.
7
98
H. Bückiing, Das Grundgebirge des Spessarts.
Streichen
Fallen
Lützelhausen, im Einschnitt der Strasse nach
( 1»
20° W.
Grossenhansen
( 11"
W.
Lützelhausen, Zeilberg
1 9h
80° S.
Bernbach, am rothen Graben
21'
41° NW.
An der Birkenhainer Strasse, nördlich von Horbach
51'
30° N.
Horbach, nördlich vor dem Dorf
5— 7 h
12° N.
» » in » »
1 1/2— 2 h
40° WNW.
Zwischen Horbach und Altenmittlau ....
2V2h
60° NW.
Weinberg bei Neuses
5-7V2h
30—40° N.
Albstadt, am Abtsberg
4h
30° NW.
Zwischen Michelbach und Albstadt
3-4h
30° NW.
Nahe bei Michelbach, nördlich von dem Dorf .
4h
40° NW.
Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold-
berg, Südostseite
3— 4h
steil
Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold-
berg, Südseite im Thal
fh u. 6h
60° 0. u. S.
Zwischen Michelbach und Hof Trages am Gold-
berg, Westseite im Thal
3 h
40° SO.
Steinbruch, östlich vom Hof Trages
3h
30° NW.
» , nördlich » » » im Galgen-
i 7 bis
45° N.
grund bei Somborn, gestaucht .....
( 2'/2h
78° NW.
Strass bürg i. E., im December 1889.
Lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten
des Rheines zwiscbeii Bingen und Lalinstein und
Weiteres über Tlialbildiing am Rhein, an der Saar
lind Mosel.
Von Herrn H. Grebe in Trier.
(Hierzu Tafel XV— XVII.)
Der Bericlit über Thalbildnng auf der linken Rheinseite in
diesem Jalirbncbe für 1885 bat auch in weiteren Kreisen einiges
Interesse gefunden nnd habe ich iin letzten Jahre nicht blos
zwischen Bingen nnd Coblenz noch eingehende Studien über
Thalbildnng nnternonnnen, sondern anch hei geologischen Revi-
sionsarheiten an der Saar nnd Mosel auf frühere Iflnsslänfe mein
Angenmerk gerichtet. Die Resnltate dieser Beohaclitnngen sollen
mm im Nachstehenden mitgetheilt werden.
Tertiär zwischen Bingen nnd Lalinstein.
Bei der früheren flüchtig-en Beg-elmno- eines Theiles der Hoch-
terrassen zn beiden Seiten des Rheines zwischen Bingen nnd
Coblenz wurden über den höchsten Dilnvialterrassen hier nnd da
Ablagerungen getroffen, die älter als diluvial zn sein schienen
nnd wurde ich in der Vermnthnng, sie seien Tertiär, dadurch
bestärkt, dass mir von einer Excnrsion im Jahre 1858 erinnerlich
war, dass 4 bis 5 Kilometer östlich von St. Goarshansen in der
100 H. Grebe, Uebor Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
Nähe von Reitzenhain bei etwa 300 Meter über dem Rheine
mächtige Lager von weissem und granem Thon anftreten. Es
wurde nun diesen Vorkommen bei der Beffehnncc des letzten
Jahres eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, nm festznstellen,
ob auf der ganzen Strecke zwischen Bingen nnd Coblenz solche
nachweisl^ar seien.
Als ich bei der Studie über die Bilduna; des unteren Nahe-
thales nnd des Rheines in der Biogener Gegend, die fast 200 Meter
über demselben gelegene Fläche von Weiler nnd Waldalgesheim
betrat, fand sich, dass hier vielhxch Tertiär verbreitet ist. Die
DEOHEN’sche Section Sinnnern giebt zwischen Weiler nnd Wald-
algesheim eine kleine Partie Dihivinm an, ebenso auch mehrere
Punkte weiter westlich von dem Soonwald nnd zwischen dem
Qnarzitriicken desselben. Bei näherer Besichtio-nno' hat sich er-
geben, dass wohl alle dem Tertiär angehören dürften. Dasselbe
dehnt sich auf dem Platean von Waldalgesheim weit ans, nörd-
lich über das Forsthans Alorgenbach bis zn den Vorstufen des
breiten Quarzitrückens des Bingener Waldes, südlich bis znm
Büdesheimer Walde, nnd umgiebt den schmalen nnd kurzen
Qnarzitriicken des Galgenbergs bei Genheim, setzt auf dem Platean
von Walderixach, Warmsroth nach Daxweiler fort bis znm hohen
Qnarzitriicken des Kandrich nnd auch westlich von Stromberg
auf dem gleich hohen Platean auf der rechten Seite des Giildcn-
bachs bis jenseits Dörmbach zwischen den Qnarzitriicken vom
Weissenfels nnd der Oppeler Höhe; es scheint sich noch weiter
westlich zwischen den Soonwaldsqnarzit- Rücken anf grössere Fr-
sti-ecknng zn verbreiten. Diese Vorkommen von Tertiär sind an
mehreren Stellen gut aufgeschlossen, namentlich durch Gruben-
baue nnd in nenerer Zeit beim Niederbringen von Schächten nnd
Bohrlöchern in der Nähe von Waldalgesheim, woselbst tertiärer
Braunstein gewonnen wird, ln dem Schachte nordöstlich vom
Orte traf man zunächst Lehm mit Qnarzitschottei' 3 bis 4 Meter
mächtig, dann folgte Sand mit Kies 4 bis 5 Meter, darunter
D/2 Meter Letten mit mulmigem Braunstein. Das Liegende
besteht ans verwittertem devonischen Schiefer. Im Bohrloche
zwischen Waldalgesheim nnd Genheim wurde angeblich von Tag
zwischen Bingen und Laimstein etc.
101
her Kies und Saud, daun sandige, lettige Massen olme Braunstein
in der Mächtio-keit von 20 Meter bis zum Thouschiefer durch-
O
snukeii. Südlich vom Galgenberg bei Geuheim ist eine grössere
Sand- und Kiesgrube; das 3 Meter mächtige Lager trägt eine
2 Meter starke Decke von Lehm; in der Sohle kommen grobe
Conglomerate vor. Hier, wie auch in der Kiesgrube von Rümmels-
heim, 2 Kilometer in östlicher Richtung, tinden sich viele Tertiär-
versteinernngen, ebensoiu dem mächtigen Conglomerate D/2 Kilo-
meter südöstlich von Waldalgesheim, in dem vom Andreasbanm
und an der Morgenbach, welche dem unteren Meeressande ange-
hören, am häufigsten :
Natica crassatina Lamk. sp.
Pectunculus obovatus Lamk.
Cyiherea splendida Mek.
Pecten fictus Goldf.
» Höninghausi Defr.
Weiter westlich triflt man grosse Aufschlüsse im Tertiär durch die
Tageljaue auf Brauusteiu xuid Brauneisenstein bei Seibersbach und
Daxweiler. Alit dem Eisenerz daselbst erscheint ein grobes
Quarzconglomerat. In gleicher Höhenlage etwa wie die Tertiär-
schichten bei Waldalgesheim und westlich von da kommen auch
solche rechtsrheinisch anf dem Plateau bei Aulhausen vor, die
ebenfalls auf der Südseite des hohen Quarzitrückens liegen, der
vom Bingener Wald nach dem Hauptquarzitrücken des Taunus
fortsetzt. Auf der Nordseite dieses über 600 Meter über d. M.
ansteigenden Rückens sind mir ausser den hochgelegenen Quarz-
geröllen von Kleinhahnenhof, rechts des Rheines und nordöstlich
von Bacharach, und denen weiter nördlich bei Sauerbei’gerhof
bei Dörscheid und Bornich, welche vielleicht tertiär sind, keine
Tertiärvorkommeu bekannt geworden, bis zu den 12 — 15 Kilo-
meter von da entfernten Thonablagerungen der Gegend von
Reitzenhain , die aber eine grössere Ausdehnung zu haben
scheinen (nordöstlich vom Ober - Walmenach bei Miehlen bis
6 Meter mächtig). Gleichzeitig damit sind weisse, ganz ab-
gerundete Quarzgerölle, weisser Sand und sehr feste Quarzcon-
J02 H- Gkkbe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
glonierate verbreitet. Ilierhiii gehören auch ähnliche Vorkommen
bei Casdorf, Nochern, Prath und Lykershausen. Auch die Ab-
lagerungen von Quarzgerölleu, Sand und Thon auf den etwa
250 Meter hohen Plateaus ülier dem Rheine auf der linken Seite
desselben, zwischen Urbar und Niederburg, auf den gleich hoch
gelegenen Flächen von Ilolzfeld und Rheinbay, auf dem Müller-
berg, südlich von Boppard, auf der Höhe westlich von Brey,
daun bei Waldesch sehe ich für Tertiär an. Auf die mächtigen
Ablagerungen von Thon, Sand und Kies der Hochfläche, wesilich
von Boppard, zwischen Buchholz und Oppenhausen habe ich schon
früher hiugewieseu. Es scheint, dass vor der Bildung des Rhein-
thales eine weit ausgedehnte Decke von Tertiär vorhanden war;
eine solche dürfte auch längs der Mosel weit aufwärts sich erstreckt
haben; kommen doch auf Hochflächen in der Trier’schen Gegend noch
stellenweise ähnliche Bildungen in grösserer oder geringerer Aus-
dehnung vor. Wie au der Mosel sich thalabwärts nach dem
Neuwieder Becken hin die tertiären Ablagerungen auf den Pla-
teaus mehr und mehr ausdehneu, ist dies in ähnlicher Weise am
Rheine abwärts vom Hauptquarzitrücken des links- und rechts-
rheinischen Taunus der Fall. Wiederholten Begehungen der
Plateaus zu beiden Seiten des Rheines muss es Vorbehalten
bleiben, ob sich auf denselben weitere Tertiärvorkoinmeu werden
uachweiseu lassen und ob solche auch innerhalb der Parallel-
rücken, welche den Hauptrücken bilden, vorhanden sind, Avie
zwischen den parallel verlaufenden Höhen im Bingerwalde und im
Soonwald. Wenn dies der Fall ist, daun könnte mau auch an-
nehmeu, dass all’ die tertiären Reste auf den Höhen zwischen
Bingen und Cobleuz vor der Thalbilduug des Rheins im Zu-
sammenhang waren und dass zur Tertiärzeit beide Seen, der des
Neuwieder mit dem des Mainzer Beckens in Verbindung standen.
Dass zu jener Zeit eine solche zwischen dem Limburger und dem
Mainzer Becken bestanden hat, ist durch C. Kocii nachgewiesen
worden ^).
') Beitrag zur Kenntniss der Ufer des Tertiärmeores im Mainzer Becken.
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
103
Diluviale Terrassen des Rheines zwischen Bingen
und Coblenz.
Von besonderem Interesse ist es, den ältesten Rheinlaiif
zwischen Bingen und Coblenz zu verfolgen, lieber die ehemalige
Itheingabelung bei Rüdesheim und die frühere Mündung der
ISIahe in den südlichen Rheinarm habe ich in dem oben erwähnten
Aufsatze ausführlich berichtet ^).
Rheiuabwärts von Bingen lassen sich eine grosse Anzahl
Terrassen in gleichen Niveaus liegend, und oft drei und vier über
einander von 20 Meter bis zu 250 Meter über dem Thale erkennen.
Meist zeigen die tieferen (jüngeren) Terrassen nur geringe, die
höheren eine grössere Ausdehnung; die höchsten lehnen sich mit
ihren Sand- und Kiesdecken an mehreren Stellen au tertiäre
Schichten an.
Wenn man den Rhein zwischen Coblenz und Bingen begeht
und betrachtet diese oft kaum 300 Meter breite Schlucht mit den
steilen, zuweilen senkrechten Thalwänden, die 200 — 250 Meter
über den Spiegel des Flusses hinaufrageu, so ahnt man nicht, dass
von den oberen Rändern der steilen Felsen sich tafelförmige Ebenen
oft weit ausdehnen; dieselben sind etwa 1 — 2 Kilometer westlich
und östlich vom Rheine von Höheuzügeu, nahe parallel mit ihm
verlaufend, begrenzt, die die ältesten Ufer gebildet haben zur Zeit,
als seine Gewässer in einem 200 — 250 Aleter höheren Niveau wie
heute verliefen. Zwischen diesen Ilöhenzügen liegt das ehemalige
Rheiuthal, welches eine Breite von etwa 3 Kilometer einnahm, im
Vergleich dazu erscheint dem Beobachter das heutige Rheinthal
nur als eine grosse Felseuschlucht. Diese Betrachtung kann man
nur von einem Höhepunkt aus machen. Man besteige einmal
etwa von Wellmich die 250 Meter über dem Thale befindliche
Höhe am alten Schacht über dem Sachsenhauser Zechenhaus, von
*) Lepsius hat in einer Anmerkung seiner Geologie von Deutschland (S. 219)
Zweifel ausgesprochen über die Richtigkeit meiner Beobachtung in Bezug auf die
Bildung des unteren Nahethaies, denselben aber wieder aufgegeben nach einer
persönlichen Besprechung.
104 H. Gkebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Kheines
da hat mau eineu weiten Blick iu südlicher Richtung nach
St. Goar hin; zunächst dehnen sich vom Standpunkt weite tafel-
förmige Tei’rassen aus, die zu beiden Seiten des Rheines über
St. Goar fortsetzen und nur durch das von hier ganz eng scheinende
mit steilen Felswänden begrenzte Rheinthal unterbrochen sind, das
e:leichsam eine tiefe Furche in den hohen und breiten Terrassen
bildet; westlich nud östlich von ihnen gewahrt man recht deutlich
die höher ansteigenden ehemalio;en Rheinufer. Noch auffallender
und interessanter ist die Ansicht über das jetzige enge und das
alte weite Rheiuthal, wenn mau seinen Standpunkt in der gleichen
Höhe von 250 Meter über dem Thale an der Kapelle Langgäh,
3 Kilometer südwestlich von Rhens, am Wege nach dem Nounen-
heckhof, wählt und seinen Blick in südlicher Richtung über Bop-
pard hinaus richtet. Dieser allmählich ansteigende Weg führt
über mehrere Terrassen; die höchste liegt 60 Meter, die folgende,
mit vielem Kies und vulkanischem Sand bedeckte, 140 Meter über
Rhens; daun folgt die höchste und 2 Kilometer breite Tafel, mit
weissen ganz abgerundeten Quarzgeröllen bedeckt, die vielleicht
schon dem Tertiär angehöreu. — Das westliche alte Rheinufer
tritt, von der Kapelle aus gesehen, besonders deutlich hervor, es
ist in dem Höheuzug gekennzeichnet, der sich nach dem Huns-
rück hin über den breiten hohen Flächen erhebt und von der
Höhe des Calmuth (westlich von Boppard) über den Müllerberg
(südlich von Boppard) nach der Fleckertshölf, nach Rheinbach
und Holzfeld weiter erstreckt. — In bequemer Weise gelaugt
man auch von den tieferen bis zu den höchsten Rheinterrassen
auf dem Wege von Filsen (unterhalb Boppard) nach Dalheim.
Die erste erhebt sich ebenfalls 60 Meter über dem Thale, die
zweite 140 Meter, ansteigend bis zu 160 Meter am Camper-
hausenhof. Die Quarzgerölle auf der 250 — 300 Meter hohen
Fläche von Plaseukopf über Dreispitz bis Steiningerhof, westlich
von Dalheim und Lyckershausen hin, sehe ich für tertiär an.
Auf dieser Höhe bemerkt man auch vulkanischen Sand, wie auf
vielen Hochflächen und Tei’rasseu zwischen Bingen und Coblenz,
oft auch Bimsstein, zumal von den Höhen westlich von Boppard,
selbst westlich der Fleckertshöhe, bei mehr als 500 Meter Meereshöhe.
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
105
Südwestlich von Bacharach aufsteigend nach Winzberg, lassen
sich vier Terrassen erkennen, bei 60, 80, 100 und 120 Meter über
dem Rhein — 140 Meter über demselben erstreckt sich östlich
von der Lurley eine grössere tafelförmige Terrasse, die nur spär-
lich mit Kies bedeckt ist, weiter östlich von der Lurley und
20— 30 Meter höher ist eine zweite, nur von geringer Ausdehnung.
Eine etwa 230 Meter über dem Rhein gelegene, mit Fhissgeschieben
bedeckte, weite Fläche verbreitet sich von Patersberg (bei St. Goars-
hausen) gegen SO. lieber derselben, in einem 20 Meter liöheren
Niveau beginnen auf Hauseck, am Wege nach Rettershain, die
tertiären Thone.
Das Material der diluvialen Ablagerungen besteht vorherrschend
aus Kies, Saud und Lehm. Bei Ijierscheid (3 Kilometer nordöst-
lich von St. Goarshausen) ist bei 160 Meter über dem Rhein eine
grosse Kies- und Sandgrube; in dem Saud sind nicht selten, neben
Geschieben von Quarz, Buntsandstein, auch solche von Quarz-
porphyr und verwittertem Melaphyr, Porphyrit und man erkennt
sofort, dass diese Eruptivgesteine von der Nahe stammen.
Bei dem Laufe des Rheins zwischen Bingen und Cobleuz
verdient wohl noch die Thalbildunfi bei Braubach einer Erwähnung.
Au der Martinskirche zeigt sich in dem schmalen Rücken, der
von der Marxburg in SO. nach der Höhe »Neuweg« verläuft,
eine tiefe Eiuseukung, die sofort beim Vorübergeheu auffällt und
die 30— 35 Meter über dem Rhein liegt. Nordwestlich davon be-
findet sich in etwa 10 Meter höherem Niveau eine kleine mit Kies
bedeckte Terrasse und eine solche auch in gleichem Niveau auf
der NO. -Seite der Marxburg. Hier ist noch eine 10 Meter höhere
kleine Terrasse, der in der Höhenlage eine andere auf der rechten
Seite des Grossen Bachs entspricht. Dieselben dürften einem
früheren Rheiulaufe zuzuschreibeu sein und mag sich der Rhein
ehemals gleich oberhalb Braubach gegabelt und der östliche Aian
die Marxburg umspült haben ; damals ist der Grosse Bach an der
Martinsmühle und Zollbach in der Nähe der Hammermühle in
denselben verlaufen. Nachdem er zurückgetreteu und die Erosion
des Rheins weiter vorgeschritten, haben auch beide Bäche ihr
Bett vertieft. Beide zeigen enge Schluchten, die aber bei 30 Meter
106 H. Ghebp:, TJeber Tertiär -Vorkümmen zu beiden Seiten des Rheines
über der Thalsohle besonders beim Grossen Bach in der Nähe der
Martinsiniihle sich merklich erweitern. Auf dem beigegebenen
Uebersichtskärtchen ist der ehemalige Rheinarm durch eine ge-
Fig. 1.
strichelte Linie anwedeutet und die Dilnvialterrassen durch Kreuz-
O
Schraftür.
Die liheingabelnng bei Braubach ist das dritte Beispiel einer
ehemaligen Flnsstheilnng vom Rheingan ab, die bei Rüdesheini
und bei Salzig sind früher näher beschrieben worden.
Thalbildiiiig- der Saar.
Eine ehemalige Bifurcation, die verdient, eingehend erörtert
zu werden, wurde au der oberen Saar beobachtet. In meinem
ersten Aufsätze über Thalbilduug und in den Erläuterungen zu
Blatt Saarburg ist angeführt, dass ihr unterer Lauf in der jüngeren
zwischen Bingen und Lalinstcin etc.
107
Diluvialzeit zwischen Saarburg und Conz ein ganz anderer war
wie heute. Bei Excursionen au der oberen Saar, in der Saar-
brücker Gegend, konnte die Wahrnehmung gemacht werden, dass
auch in der älteren Diluvialzeit grosse Abweichungen vom heutigen
Saarlauf bestanden, auf die man aber erst aid'merksam wird nach
längeren Studien über Thalbilduug, nach wiederholter Begehung
einer Gegend und im Besitze guter Karten, wie die neuesten
Generalstabsaid'nahmen. Oberhalb Saarbrücken in der Gegend
von St. Arnual fand zur Zeit, als die Saar iu einem ca. 40 Meter
höheren Niveau verlief, eine Theilung derselben statt. Wenn
mau seine Schritte von Saarbrücken nach den Spicherer Höhen
lenkt und auf die Höhe des alten Plxercierplatzes gelangt, so fällt
eine grosse Thalmulde auf, die zwischen dieser Höhe und den
Spicherer Bergen liegt , sie ist über 1 Kilometer breit , dehnt
sich östlich nach St. Arnual, westlich nach Forbach hin aus. Beim
Ueberblicken derselben lässt sich vermutheu, dass in dieser
Niederung ehemals ein grösserer Wasserlauf bestanden habe.
Begeht mau dieselbe, so finden sich auch diluviale Ablagerungen
und man wird in seiner Vermuthung bestärkt. Die WEiss’schen
Blätter Saarbrücken und Dudweiler geben zwischen dem Galgen-
berg (südlich vom alten Exercierplatz) und den Spicherer Höhen,
dann iu der Nähe von Ehrenthal und westlich von St. Arnual
Diluvium an. Dass die Diluvial -Tei’rassen westlich von diesem
Dorfe einem früheren Saarlaufe angehören, ist ofiPenbar und man
könnte glauben, dass der Fluss ehemals zwischen dem St. Arnualer
Stiftswald und dem Wiuterberg nur einen nach W. gerichteten
Bogen gemacht habe. Verfolgt mau indess die von St. Arnual
gen W . fortsetzeude Eiusenkuug nach der Goldneu Brenim hin,
so findet sich diluvialer Kies zwar in geringerer Verbreitung als
auf den vorerwähnten Terrassen von Arnual, al)er überall auf den
Feldern sind vereinzelte Geschiebe und Sand, der aber auch als
Verwitterungsproduct des Buntsaudsteius von den Höhen zu beiden
Seiten der Gebirgssenke herabgeführt sein könnte. Die diluvialen
Geschiebe nehmen indess weiter westlich aid’ den Terrassen der
Folster Höhe und im Stieringer Waldstück au Menge zu über
die lothringsche Grenze hinaus. Auch die Niederung setzt iu
108 H. Grebe, Ueber Tertiär -Vorkommen za beiden Seiten des Rheines
der Richtung nach Forbach und weiter fort auf der südlichen
Seite von dem steil abfallenden ITöhenzuge' begrenzt, der sich vom
Arnualer Stiftswalde über die Spicberer Höben, den Forbacber-
nnd Kreuzberg, Kleinwald, Fabrberg, Ilerapel nach dem Mors-
bacber Walde erstreckt.
Wie die Terrainbildung und die Verbreitung diluvialer Ab-
lagerungen westlich von Arnual über Forbach hinaus auf einen
früheren Fluss binweist, so kann auch bei genauer Betrachtung
der Berge und Thäler östlich von Arnual, sowie aus der Ver-
breitung diluvialer Vorkommen auf einen alten Wasserlauf ge-
schlossen werden, der den kegelförmig gestalteten Plalberg um-
spülte. Schon die Breite des Thaies zwischen der Haibergerhütte
und der Scbaafbrücke, in dem gegenwärtig der kleine Scheidter-
bacb verläuft, zumal aber die auffallende Weite des Thaies zwischen
dem Haiberg und dem Kaninebenberg, das kein Bach durchzieht,
lassen vermuthen, dass ehemals zwischen diesen Bergen ehedem
ein grösserer Wasserlauf sich durchzog. Die mit diluvialem
Kies bedeckten kleinen Terrassen zu beiden Seiten des Sebeidter-
baches entsprechen in ihren Höhenlagen den Terrassen westlich
von Arnual. Und es ist mehr wie wahrscheinlich, dass in der
älteren Dilnvialzeit zwischen Arnual und Güdingen eine Gabelung
der Saar statt hatte; der eine und wohl breiteste Arm ging von
Arnual in westlicher Richtung über Forbach — der andere über
Brebach, zwischen dem Haiberg und der Höhe östlich vom Hal-
berger Weiher in der Richtung nach der Scbaafbrücke, wo er
den Scheidterbach nnd den Grunffach aufnahm, er machte hier
einen scharfen Bogen und setzte seinen Lauf zwischen dem Hai-
berg und Kaninchenberg in westlicher Richtung weiter fort. In
jener Zeit war der Haiberg mit dem Winterberg im Zusammen-
hang. Die Barriere, welche beide Höhen verband, verschmälerte
sich mehr und mehr und wurde schliesslich durchbrochen. Die
Wenwaschuns: dieser Barriere zu erklären, könnte in der Weise
geschehen, dass man annähme, die ehemalige Theilung des Flusses
habe südlich vom Haiberg stattgefunden. Von hier aus machte
der westliche Arm auf der Südseite der Barriere allmählich einen
grösseren nördlichen Bogen, wodurch eine stetige weitere Ab-
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
109
spülimg derselben erfolgte. Eia gleiches Erodiren wird auf der
Nordseite der Barriere bei dem zweiten Saararm stattgefnuden
haben, indem dei’selbe nach Umspülung des Haibergs in einem
südlichen, sich mehr und mehr erweiternden Bogen an der Barriere
biufloss, die schliesslich sich so verschmälerte, dass wiederholte
Ilochfluthen der Saar, welche sich von S. her nach N. fortwälzteu,
dieselbe durchbrachen. Von diesem Zeitpunkte an und bei dem
weiteren ICinschneiden der Saar sind die Gewässer derselben dem
geraden Weg nach NW., der in der Barriere gebahnt war, be-
sonders bei höheren Wasserständeu, gefolgt. Die Gewässer ans
dem westlichen und nordöstlichen Arm traten allmählich zurück,
der Durchbruch der Barriere erweiterte sich mehr und mehr und
es entstand mit der Zeit das jetzt über 1 Kilometer (zwischen dem
Ilalherg und Wiuterherg) breite Thal.
Nachdem der Durchbruch der Saar durcli die Barriere unter-
hall) Arnual erfolgt war und der westliche Arm znrücktrat, fand
zwischen dem Wiuterherg und Halherg ein tieferes Eiuschneiden
des von da ab alleinigen Saarlanfes statt und bildeten fiir lange
Zeit die etwa 210 Meter über dem Meere oder 14—20 Meter
über der Saar gelegene und mit Kies bedeckte Terrasse von Bre-
l)ach, die östlich und nördlich von St. Johann das Saarhett. Die
breite gleich hohe Fläche des Saarbrücker Bahnhofs ist wohl
grössteutheils bei Erweiterung desselben auf künstlichem Wege
entstanden, aber eine kleine Terrasse war schon vor dem Babn-
ban vorhanden; sie findet westlich ihre Fortsetzung in der mit
einem mächtigen Kieslager bedeckten Terrasse von Malstadt, in
der am Bahnhof Bürbach und längs der Bahn bis Louiseuthal.
Der Anlass zur Flnsstheilung oberhalb Saarbrückens möchte
wohl darin zu suchen sein, dass die frühere Saar in der Nähe
von Güdingen , wo sie in Schichten des Bnntsandsteius eintrat,
ein durch grosse Gebirgsrisse sehr gestörtes Terrain erreichte;
der östliche Arm verlief nach dem durch zwei Klüfte um
70 — 80 Meter eingesunkenen Gebirgstheil bei der Schaafbrücke,
von da in NW. auf 1 V-2 Kilometer in der Vorgefundenen graben-
förmigen Vertiefung, der westliche wandte sich in dem um 50 l)is
GO Meter eingesunkenen Terrain westlich von St. Arnual nach der
]]0 H. Grebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Eheines
goldenen Breinin, über Forbach hinaus immer in eingesunkenen
Schichten, wie die Uebersichtskarte von Gr. Meyer zeigt ^). Dass
Gebirgsstöruugen nicht selten, wenn auch nur streckenweise, den
Lauf der Flüsse bestimmen, wurde schon früher bei der Mosel
und in neuester Zeit au der Sauer beobachtet.
Beigefügte Karte (Tafel XVII im Maassstabe 1 : 30000) bietet
eine nähere Orientirung über diese ehemalige Saargabelung ober-
halb Saarbrücken, auf der auch die gedachte Barriere und der
Lauf der beiden Saararme angedeutet ist ^).
Es ist gewiss von Interesse, nun auch den weiteren Vei’lauf
beider Arme der Saar zur Zeit ihrer Gabelung oberhalb Saar-
brücken zu verfolgen; ihre Wiedervereinigung, nehme ich an, hat
ca. 40 Kilometer thalabwärts gleich unterhalb Saarlouis stattge-
funden und folgere dies aus folgenden Beobachtungen. Beim Be-
gehen der Gegend zwischen Saarlouis und Saarbrücken, zumal
von Ilöheupunkten auf der rechten Seite der Saar, fällt in west-
licher Richtung sofort ein steil gegen O. nach dem Saarthale
hin abfallender Höhenzug ins Auge, der mit dem Limberg bei
Wallerfangen beginnt und sich von da auf ‘2 — 3 Kilometer zxi-
nächst nach W. erstreckt, dann aber nach S. umlnegt und
etwa parallel mit der Saar über Felsberg und Berus nach Bisten
verläuft.
Derselbe macht so recht den Eindruck als den ehemaligen
Rand eines grösseren Flusses und bildet den Abfall der Hoch-
fläche, der Saargau genannt, zwischen Geislingen und Felsberg
nach Osten hin. Zwischen demselben und dem heutigen Saarthal
dehnt sich eine ca. 230 Meter über dem Meere oder 40 Meter über
b lieber die Lagerungsverhältnisse der Trias am Südrande des Saarbrücker
Steinkoblengebirges.
b In ähnlicher Weise, nur in kleineren Verhältnissen hat eine allmähliche
Wegwaschung einer früheren Barriere beim Sauerlaufe, da wo jetzt Echternach
liegt, stattgefunden, wie in dem Aufsatz über Thalbildung im Jahrbuch pro 1885,
S. 145 gezeigt worden ist. — Der hakenförmige Bogen , den die Sauer zwisclien
Ealingen und Wintersdorf macht, kann nur den mächtigen Klüften zugesehrieben
werden , die zwischen beiden Dörfern durchsetzen. Die Höhe »Held oder Lay«
östlich von Ealingen, liegt zwischen zwei grossen Verwerfungen und ist ein um
etwa 5ü Meter gesunkener Gebirgstheil. Zur Zeit, als die Sauer in einem 30 Meter
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
111
der Saar gelegene Fläche aus, die schon von Weitem als eine
Hochterrasse erscheint. Man findet auf ihr an manchen Stellen,
besonders westlich von Lisdorf viele Plussgeschiebe und liegt die-
höheren Niveau iloss, muss auch hier eine Gabelung derselben statt gefunden
haben. Darauf deutet die Gebirgssenke südlich vom Bahnhof Rosport, in der
Flussgeschiebe liegen , hin. Es ragte damals die Held als Insel zwischen beiden
Fig. 2.
Armen hervor. lieber die Schwelle südlich von Rosport ging der südliche Lauf
des Flusses, der bogenförmige über Ralingen ; in den gesunkenen Gebirgsschichten
vertiefte er sich in denselben leichter, so dass er sich zum alleinigen und zum
Hauptlauf mit der Zeit entwickelte.
112 H. Gkebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
selbe in gleichem Niveau, wie die diluvialen Vorkommen westlich von
St. Arnual nach Forbach hin. Das Dorf Bisten liegt am südöst-
lichen Fusse des vorerwähnten Höhenzuges, an denselben lehnt
sich südlich und östlich von Bisten eine anso-edehnte Niedernug
in Form eines Beckens, das den Eindruck eines ehemaligen kleinen
Sees macht, lieber seine Entstehung soll weiter unten Näheres
angeführt werden. Von Bisten aus verläuft mit gleich steilem
Abfall der Hölienzno; auf 4 Kilometer in westlicher Richtung: über
Merten hin, biegt dann nochmals nach S. um und ist an den
Höhen, westlich der Bist, die mit dem Grossen Zoll bei Falk be-
ginnen lind im Hufwald westlich von Kreuzwald über Varsberg und
westlich von Porcelette fortsetzen, wieder zu erkennen. In der
Nähe von Porcelette macht der Ilöhenzug im St. Avolder Walde
einen südwestlichen Bogen und verläuft über Ob. Homburg,
Beniug:en- Merlenbach und Morsbach. Die Wendung: des alten
Saararmes vom St. Avolder Walde ans in nördlicher Richtnug
dürfte Gebirgssenki;ngen zuzuschreibeu sein, die in der Wasser-
scheide zwischen den Nied- und Saarzuflüssen Vorkommen.
Der ehemalige westliche Saararm durchzog die Niederung,
die sich östlich und nördlich der eben genannten Berge und Orte
ansdehnt. In derselben kommen an vielen Stellen mit Flnssge-
schieben bedeckte Terrassen vor, die in gleichem Niveau wie die
zwischen den Spicherer Höhen und dem Winterberg, sowie die
westlich von Arnual liegen. Mau trifit aber auch an manchen
Punkten Kiesterrassen, besonders in der Nähe von Porcelette, in
höherem Niveau an, also ältere Bette des alten westlichen Saar-
laufes. Früher wird die Bist zwischen Varsberg und Kreuzwald,
der Grosse Bach bei Merten in denselben gefallen sein. Von
Krenzwald ans geht die Bist in nördlicher und gleicher Richtung
wie der ehemalige Saararm. Bei Bisten wird schon damals in
dem weichen und leicht zerstörbaren Vogeseusandstein eine grosse
Thalweite bestanden haben, die sich etwa bis Friedrichweiler ans-
dehute. Erst nachdem der westliche Saararm zurückgetreten war,
haben sich die von Merten und Kreuzwald kommenden Gewässer
in der Thalweite von Bisten angesammelt und einen kleinen See
gebildet, ans dem sich später ein Abfluss, der untere Bistlauf,
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
113
über Difierteii nach der heutigen Saar entwickelte, und es wurde
bei dem weiteren Einscbueiden desselben der See nach und nach
entwässert. Noch bis in die neuere Zeit muss in der Thalweite
von Bisten eine grössere Wasseransammlung, nach den ausge-
dehnten Torfvorkommen zu scbliessen, bestanden haben. Ist die-
selbe doch jetzt noch sehr wasserreich und sumpfig.
Der zweite Saararm (vergl. Taf. XVII) floss nach Umspülung
des Ilalberges in nordwestlicher Bichtung weiter, etwa in gleicher
Ivichtung wie die heutige Saar. Es lässt sich aimehmeu, dass
nordwestlich der Schaafbrücke eine nochmalige Gabelung dieses
Armes statt hatte, und dass der Kaninchenberg zwischen dieser
Gabelung hervorragte. Einmal deutet die Alnnndung dieses Berges
auf seiner nördlichen Seite darauf hin, dann auch die Ablagerung
diluvialer Geschiebe auf der hier befindlichen, kleinen Fläche,
gleichfalls in 230 Meter Meereshöhe, wie die Terrassen westlich
von Arnual und die östlich vom Ilalberg. Auch die 230 Aleter
hohe mit Kies bedeckte, kleine Terrasse unterhall) Eschberg, über
welche die Strasse nach Saarbrücken führt, dürfte diesem Laufe
angehören. Die Terrasse in gleicher Höhenlage 1 — U/2 Kilometer
östlich und nordöstlich von St. Johann, des Vorlandes des
St. Johauner Stadtwaldes, ist das Bett des nördlichen bezw. nord-
westlichen Saararmes gewesen, ebenso die gleich hoch gelegene
Fläche nördlich von Saarbrücken nach dem Neuen Ilotheuhof hin,
sowie die nördlich von Malstadt und von Burbach. Weiter ab-
wärts waren die gleich hohen Flächen zu beiden Seiten der Saar,
westlich von Burbach, südwestlich von Louisenthal, dann bei
Fenne, Völklingen, Buss bis Saarlouis hin das ehemalige Bett
dieses Saararmes. Derselbe hat sicherlich seinen Lauf auch in
horizontaler Richtung vielfach geändert, so dass er zwischen Bur-
bach und Saarlouis theils nördlich, theils südlich der jetzigen Saar
ging. Die Breite des Saarthaies hier dürfte zur altdiluvialen Zeit
etwa auf 4 — 5 Kilometer zu schätzen sein. Von grosser Aus-
dehnung ist die 230 Meter über dem Meere gelegene, mit Kies
und Lehm bedeckte Terrasse von Scbaffhausen. Auf der Süd-
seite derselben steigt das Terrain merklich an und erreicht am
Hohen Berg 284 Vleter Meeresla'ihe. Das rasche Ansteigen des
Jahrbuch 1S89.
s
114 H. Grebe, Ucber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
Terrains fällt gleich beim Begehen der Fläche auf und dürfte hier
der südliche Uferrand des alten Saarlanfes zn suchen sein, der
am Weiher Berg und Rothen Berg in nordwestlicher Richtung
und jenseits der Bist am Buch-Holz bei Wadgassen fortsetzt.
Die beiden Saararme umgaben eine grosse Insel, eine Gebirgs-
partie, die sich von Arnual bis Wallerfaugen auf eine Länge,
wie olien angeführt, von ca. 40 Kilometern und in der grössten
Breite auf 15 Kilometer vom St. Avolder Wald bis Wadgasseu
ausdehnte. Die höchsten Punkte derselben sind der Hofberg bei
Friedrichweiler (235 Meter), die Halbe Welt bei Ludweiler
(260 Meter), der Hohe Berg bei Schaffhausen (284 Meter). Sie wurde
von der jüngeren Diluvial- bis zur Alluvialzeit vielfach durch quer-
vcrlaufende Gewässer, wie die Rossel, der Lauterbach, der Wer-
belenerbach, die Bist und eine Reihe kleinerer Bäche durch-
schnitten.
Eine zweite Flusstheilnng hei der Saar wird wohl auch ehe-
dem, vergl. Taf. XVI, etwa 5 Kilometer unterhalb Wallerfangeu be-
standen haben, innthmaasslich in derselben Zeitperiode, als die
grosso Gabelung zwischen Arnual und Wallerfangen bestand.
Wenn mau auf dem Woge von Dillingen nach Beckingen seinen
Blick westwärts wendet, so gewahrt mau eine fast 1 Kilometer
breite Einbuchtung zwischen der Siersburg und dem Galgenberg.
Die 230 Meter über dem Meere gelegene Fläche zwischen beiden
Bergen ist mit Flussgeschieben bedeckt. In gleicher Höhe ruht
2 — 3 Kilometer weiter westlich im Eichertswald bei Büren
wieder eine Kiesdecke und dann nach Gross-Hemmersdorf hin
eine dritte. Auch die kleine Kiesterrasse westlich von Siers-
dorf und die auf der linken und rechten Seite der Nied unter-
halb Eimersdorf liegen in demselben Niveau. Es könnten die di-
luvialen Absätze auf diesen Terrassen auch von der Nied her-
rühren, dann müsste man annehmen, dass diese sich ehemals unter-
halb Gross-Hemmersdorf gegabelt habe und der eine Arm fiber
Büren und von da zwischen der Siersburg und dem Galgenberg,
der andere in der Richtung der heutigen Nied von Siersdorf über
Eimersdorf nach der Saar verlaufen sei. Viel wahrscheinlicher
und natürlicher dürfte es sein, schon wegen der Breite der er-
zwischen BinMn und Lahnstein etc.
115
wälmten Gebirgsseiike, die auf einen grösseren Fluss scbliessen
lässt, dass die Saar in der Nähe von Pachten sich nochmals
gabelte, der östliche Arm in der Richtung des jetzigen Saai’thals
und der andere (westliche) zwischen dem Galgeuberg und der
Siersburg ging, in der eingesunkenen Gebirgspartie von Siers-
dorf einen Bogen nach Norden machte, und dass sieh beide Arme
unterhall) Rehlingen bei Beckingen wieder vereinigten. Damals wird
die Nied nahe unterhalb Gross-IIenimersdorf in den westliche)!
Saararm gemündet sein, wohl da, wo sie in fast rechtem Winkel
von S. nach O. umbiegt; später hat sie, nachdem der westliche
Arm der Saar zurücktiat, d;is von demselben vorgebildete Thal
zu weiterem Laufe benutzt und ihren Weg über Eimersdor-f foi’t-
gesetzt.
Ein sehr alter Saarlauf lässt sich in der Gegend von Mei’zig
ei'kennen. Blickt inaii von einem höhei’en Standpunkt in der
Nähe dieser Stadt gen W., so nimmt man wahi-, dass die 5 — 10 Kilo-
meter entfernten höchsten Berge in einem nach W. gerichteten,
halbkreisf()rmigeu Bogen von der Saar aus verlaufen. Am Fusse
dieses Höhenzuges, der einen auffallend steilen Abfall gegen das
nach N. und NO. etwa 100 Meter ülier der Saar liegende Vor-
land zeigt, während das westliche Plateau nahe 200 Meter über
derselben sich belindet, sind die Orte Büdingen, Welliugen,
Wehingen und Tünsdorf gelegen. Macht schon der steile Ab-
hang des südlich und westlich von diesen Dörfern verlaufenden
Ilöhenzuges den Eindruck eines sehr alten Flussufen-andes, so
lieo-en überdies auf den terrassenformiscen Flächen nördlich und
östlich derselben an vielen Stellen, wenn auch späidich, Fluss-
geschiebe; sie sind sicherlich ehemals in grösserer Menge hier
vorhanden gewesen, später fortgespült, und durch die vom Höhen-
zuge der Saar zufallenden, vielen Bäche weggeführt worden. Daher
ist auzimehmen, dass die Saar, zur Zeit als sie noch in einem
etwa 100 Meter höheren Niveau veidief, ihren Weg von Merzig
zunächst westlich längs des erwähnten PIöhenzTiges nahm und in
der Gegend von Wellingen nach NW. umbog bis Tünsdorf, wo
sie den Quarzitrücken Schwarzbruch, den südwestlichen Ausläufer
des linksi'heinischen Taunus -Quai'zit, erreichte. Von hier aus
116 H. Grebe, lieber Tertiär -Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
verlief die alte Saar in östlicher llichtuug über die Fläche von
Nohn. Damals wird auch die 100 Meter über dem Thale ffe-
legene Fläche zwischen Ponten und Mettlach, auf welcher eben-
falls Flnssgeschiebe Vorkommen, das Saarbett und nachweisbar
das älteste gewesen sein. In gleicher Höhe liegen auch die Kies-
vorkommen auf den Flächen oberhalb Saarhölzl^ach zu beiden
Seiten der Saar.
Grosse Aenderungen im Fhisslanfe, von der älteren Diluvial-
bis zur Alluvial- Zeit, lassen sich auch au der unteren Saar,
zwischen Saarburg und der Mosel, nachweisen. Die breiten Thal-
böden, welche ringförmig in westlichen und östlichen Bogen von
der Saar sich hier abziehen, sind fridier in den Erläuterungen zu
Blatt Saarl)urg (1880) und in dem Jahrbuche für 1885 näher be-
schrieben worden, lieber den fast kreisförmigen grossen Thal-
bogen, südöstlich von Conz folgt imteu M^eiteres.
Neuerdings wurde noch beobachtet, dass in der älteren Di-
luvialzeit ein Arm der Saar von Ayll aus in der Richtung über
Tawern und von da in dui'ch Gebirgsstörungen eingesunkenem
Terrain seinen Lauf gehabt haben dürfte, und dass der untere
Albach, der gleich oberhalb Wasserliesch in die Mosel fällt, in
einem von diesem Saararm vorgebihleteu Thale von Tawern aus
verläuft. Das zwischen diesem Orte und der Alosel ganz enge
Albachthal zeigt bei 50 — 60 Meter über dem Bachbett eine grosse
Breite von ca. 1 Kilometer, und man findet unterhalb Tawern auf
der an der Westseite des Rosenberg sowie gegenüber bei Fellerich
an den Ilöhenzug mit steilem östlichen Abfixlleu sich anlehuendeu
Fläche viele Flussgeschiebe, die sich auf gleich hohen Terrassen
weiter nach der Mosel ebenfalls zeigem Diese obere bedeutende
Thalweite kann nur von einem grösseren Flusse herrühren und
nicht von den beiden kleinen Wasserlänfen des Greulbachs und
des Mannebachs (Thalbachs) die nach der Vereinigung bei Tawern
den Albach bilden. Beide haben nur einen kurzen Lauf von
3 und 5 Kilometer in engen Thalschluchten und in nordöstlicher
Richtung bis Taweiai, von da wendet sich der Albach in NW.,
in gleicher Richtung wie der mnthmaassliche frühere Saararm von
Ayll her.
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
117
Der Verlauf desselben ist schon in der Terrainbilduug zu er-
kennen, einmal an der Einbuchtung im Hardtwald am besten von
der N. -Seite her, etwa von der Höhe Lück bei Tawern. Diese
Einbuchtung liegt 225 Meter über d. M., die Saar bei Hamm
130 Meter, es hat also, seitdem der westliche Saararm zurück-
betreten, ein weiteres Einschneiden des Flusses um 95 Meter statt-
gefunden.
Die Gegend der unteren Saar bedarf in Bezug auf Thal-
bildnng die eingehendsten und langjährigen Studien; dabei kommen
dem Beobachter die Neuaufnahmen des Generalstaljes, welche die
Terrainverhältuisse ungemein genauer zur Darstellung bringen
als die früheren, zu Statten. Ausser dem a. a. O. bereits und dem
vorher beschriebenen alten Lauf der unteren Saar muss auch
ehemals ein solcher in der 60 Meter über dem Thale gelegenen
und mit Flussgeschiebeu bedeckten Gebirgssenke, südlich von
Conz, durch die der Weg von da nach Wiltingen führt, bestanden
haben; eine 40 Meter hoch liegende muldenförmige Einbuchtung,
südlich von Hamm, deutet ebenfalls auf einen ehemaligen Fluss-
lauf hin. Ferner ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass die Strecke
der unteren Saar zwischen Wiltingen und Conz zur Zeit der
Entstehung des Thaies der Mosel von dieser vorgebildet worden
ist, dass ein Ann der Saar bei Wiltingen in die Mosel mündete
und ein zweiter bei Oberemmel, nach der ca. 100 Meter über dem
Thal beLgenen Einbuchtunb auf der SO. -Seite des Scharzl)erbs
zu schliesseu. Auf dem hier heigefügten Plaue (Taf XVJ) bemerkt
man, dass der breite Thalbodeu östlich von Wiltingen bei NW.-
Richtung in einen spitzen Winkel von ca. 60*^ nach dem Saar-
thal hin sich ötinet. Derselbe wird wohl uiclit von einem Saar-
laufe, wie früher angenommen wurde, heiTiUireu. Es wäre immer-
hin denkbar, dass der Fluss auch südlich und östlich von Wil-
tingen seinen Lauf gehabt und die 20 und 40 Aleter hohen
Diluvialterrasseu sein ehemaliges Bett luldeteu, und dass das Eiu-
schueiden des Oberemmeler Baches, der bei Wiltingen mündet,
die weitere Vertiefung 'des alten Thalbodeus bewirkt habe. Viel
wahrscheinlicher will es mir nach neueren Beobachtungen Vor-
kommen, dass ein von NW. gekommener grosser Wasserlauf hier
118 H. Grede, TJeber Tertiär-Voi'koimuen zu beiden Seiten des Rheines
eroclirt hat. Dafür sprecbeu die auf Hochterrassen südlich vou
Coiniuliugen liegenden Flussgeschiebe, die bis 170 Meter über das
Thal hiuaufreicheu , in welcher Höhe beim Saarlaufe solche nicht
wahrnehmbar sind, wohl aber vielfach zu beiden Seiten der Mosel
und dann die auffallend grosse Thalweite des Thalbodens von
Wiltingen über Oberemmel, Crettnach nach Couz. Es dürfte die
Entstehung desselben der Mosel zuzuschreiben sein. Dieselbe ver-
läuft, soweit sie Grenzfluss zwischen preussischem und luxem-
burgischem Gebiete bildet, von SW. nach NO. im Streichen von
grossen Klüften; oberhalb 'Wasserbillig auf eine Länge von 8 Kilo-
meter in einer grabenförmigen Einsenkung, durch welche hier ihr
Weg vorgezeichnet war. ln dem sehr gestörten Terrain zwischen
AVasserbillio’ und Conz verlässt sie ihre bisherige Richtung: von
der Sauermündung ab und wendet sich anfangs im O., dann im SO.
An der Grenze von Buntsandstein und Devon in der Nähe
vou Couz wird ehemals eine Gabelung des Flusses statt gehabt
haben, der nördliche Arm verlief nördlich von Conz, worauf die
hohen Diluvial-Terrassen in der Gegend hindenten, der andere in
SO., zunächst an der Grenze vou Buntsaudstein und Devon bis
Coeueu und machte in letzterem den grossen fast kreisförmigen
Bogen über Kanzem, AViltingen, Oberemmel, Crettnach nach Conz.
Damals wird bei Couz das nach NAV. etwas vorspringeude Devon
in dieser Richtung noch weiter fortgesetzt und hier eine Barriere
bestanden haben, ähnlich wie sie bei der Saar oberhalb Saai'-
brücken und der Sauer bei Echternach gedacht wurde, die beide
Aloselarme für einen grossen Zeitraum trennte, bis sie schliesslich
bei stets fortschreitender Erosion durchbrochen worden ist. Auf
dieselbe weisen die verhältnismässig geringe Thalweite bei Conz
und auf den früheren südlichen Moselarm die Thalweite bei Coeneu
hin. Erst nach erfolgtem Diu'chbruch der Barriere bei Couz ent-
wickelte sich der heutige Mosellauf, der südliche Arm über Coeueu,
AViltingen etc. trat zurück und es hat nun die Saar den von dem-
o
selben gebahnten Weg zu ihrem weiteren Lauf benutzt. Dies
fand in jener Zeit statt, als das Moselbett in einem etwa 90 bis
100 Meter höheren Niveau lag. Die höchste Stelle des breiten
Thalbodeus bei Crettnach ist 225 Meter über dem Meere, die
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
1 H)
Mosel ao der Saarmiiiuluiig 127 Meter. Damals wird auch der
oben erwähnte frühere Saarann von Ayll über Tawern nach
Wasserliesch znrückgetreteii sein; die Geltirgssenke iin Hardt-
wald liegt etwa in gleicher Höhe wie der Thalhoden bei Crettnach.
Thalbilduiig der Mosel.
Der weitere Verlauf des nördlichen Moselarnies lässt sich
nördlich von lliewer (hei Trier) verfolgen. Hier ist liei ca.
130 IVIeter über der Mosel zwischen dem Steigerberg und der
Höhe SW. von Ehraug eine Gebirgseinsenknng mit Fhissgeschic-
hen bedeckt, die man von einem höheren Standpunkt, etwa vom
Grüueberg bei Trier, oder auch von der Höhe, östlich von Ruwer
deutlich wahrnimmt. Dieselbe setzt durch den Schueesberg, nord-
westlich von Ehrang, wosellist eine starke Kiesdecke ist und nörd-
lich der Höhe, durch die der Qninter Tunnel geht, gegen O.
weiter fort. Besonders der linke Uferrand des nördlichen Mosel-
armes zeigt nach SO. ein steiles Abfallen vom Steigerberg an in
nordöstlicher Richtung durch den Ehrauger Wald. — Weiter in
NO. dürfte derselbe sich am Burgberg zwischen Salmrohr und
Dreis wiederum gegabelt haben, so dass ein Arm den Burgberg
auf der Westseite umspülte und daun seine Richtung über Dreis
nach Wittlich nahm, was sich sowohl aus der Terrainbilduug wie
aus diluvialen Ablagerungen ergielit; nämlich zwischen BurgTerg
und Asberg östlich von Dreis und dem Bergrücken, auf dem Ober-
Bergweiler liegt, ist eine muldenförmige Einsenkung, die sich auf
8 Kilometer von Dreis nach dem Lieserthal bei Wittlich ausdehnt
und die an vielen Stellen mit Flnssgeschiebeu bedeckt ist. Auch
die Geschiebeablagerimgen in der Gebirgssenke zwischen dem
o o o
Burgberg und Asberg lassen hier einen früheren grösseren Wasser-
lauf vermuthen.
Alan übersieht diese Einbuchtungen in den Höhenzug, der vom
Kauueckerberg, westlich von Dreis, nach dem Asiierg, nordöstlich
von Salmrohr verläuft, am deutlichsten von einem erhöhten Stand-
punkt südlich von Salmrohr, und bietet ein Blick vom Thomas-
lierg bei Clausen nach Dreis hin umstehendes Bild. (Eig. 3.)
120 H. Gkebe, Ueber Tertiär -Vorkonmien zu beiden Seiten des Rheines
zwischen Bingen und Lahnstein etc.
121
Ueber einen Theil des früheren nördlichen Mosellaiifes und
zwar der Stelle, an der er nach dem südlichen Arm der hentisxen
Mosel, nmbog, die sich auch durch eine tiefe Gebirgssenke von
Weitem bemerklich macht, hat man eine gute Ansicht von einem
höheren Punkt südlich der Mosel. Nebenstehende Skizze (Fig. 4),
von dem 300 Meter über der Mosel gelegenen Kasholz östlich von
Nenmagen ans anfgenommeu, lässt nicht mir die tiefe Einlnichtnng
zwischen Platten und Osann deutlich erkennen, sondern auch
hohe Flnssterrassen, westlich und östlich von Osann. Die spitzen
Kuppen im Hintergründe sind die alten Vulkane von Vlauderscheid
und Daun.
Aber auch nördlich von Platten, schon vom Bahnhof Wenge-
rohr ans, sieht man diese Gebirgssenke und in südöstlicher Rich-
tung eine zweite kleinere, hinter welcher Ilöhenzüge des rechten
Aloselufers, der Zeltinger Gegend hervortreten. Weiter östlich
macht sich eine dritte recht auffallende Lücke in dem Gebircs-
rücken bemerkbar. Durch dieselbe führt die Strasse von Uerzig
nach Bausendorf an der Alf. Eine vierte muldenförmige Ver-
tiefung in demselben Kücken, zwischen dem Mosel- und unteren
Alfthal, die jedoch vom Bahnhof Wengerohr nicht sichtbar, ist am
Keiler Hals bei Station Pünderich. (Fig. 5.)
Letztere drei Senken liegen fast in gleichem Niveau von
ca. 200 Aleter Meereshöhe und sind gewiss gleichfalls früheren
Moselläufen zuzuschreiben, die den nördlichen mit dem südlichen
Moselarm verbanden, zur Zeit, als der Wasserstand in einem un-
gefähr 100 Meter höheren Niveau lag, wie heute.
Diese Beobachtungen führen zu der Annahme, dass in der
älteren Diluvialzeit der nördliche Arm nicht blos bis in’s Wittlicher-
Thal, zur Dieser, sondern auch in’s untere Alfthal fortsetzte, in
der grossen Thalmulde zwischen dem Kondelwald- Quarzitrücken
und den Devonbergen der linken Vloselseite, an die sich im Alf-
und Lieser-Thal Oberrothliegendes anlehnt. Dieselbe dehnt sich
vom unteren Alfthal in SW. bis Schweich hin auf eine Länge
von nahezu 40 Kilometern aus und war für die Anlage der Mosel-
O
bahn günstig.
L4as untere Thal der Alf wurde von dem nördlichen Mosel-
]22 H. Grebe, Ueber Tertiär-Vorkommen zu beiden Seiten des Rheines
arm vorgebiklet, sie mag ehemals beim heutigen Dorfe Olkenbach,
an der Grenze von Devon und Oberrothliegendem in denselben
gemündet sein. Von Schalkenmehren her, wo sie durch die Ver-
einigung mehrerer Bäche entsteht, bis Olkenbach ist der Lauf der
Alf von NW. nach SO., dann macht sie über Bausendorf bis
Kinderbeuren einen südlichen Bogen und tliesst in NO. in breitem
Thalboden weiter.
Was den früheren Moselarm auf der Ostseite vom Schweicher
Morgenstern (Alehriuger Berg) anlangt, so will ich noch bemerken,
dass bei den Revisionsarbeiten auf Blatt Schweich und Neumagen
Wahrnehmungen gemacht wurden, die vermuthen lassen, dass
sich der südliche alte Vloselarm südöstlich vom genannten Berg
mehrmals getheilt hat. Darauf deuten wiederum Gebirirssenken
und diluviale Ablagerungen hin. Zwei Arme wandten sich nach
dem nördlichen Alosellauf, der über Schweich, Hetzerath und
Sahnrohr ging. Es befindet sich nämlich auf der südöstlichen
Seite des Mehrlnger Bergs eine fast ‘200 Meter über der Mosel
gelegene 1 Kilometer breite mit einzelnen Geschieben und Lehm
bedeckte Fläche, die eine Gel)irgssenke darstellt zwischen diesem
Berge und der Kuppe nordwestlich von Mehring. Diese Fläche
setzt anf der östlichen Seite des Alehringer Bergs nach Becond
fort und ist hier mit vielen Flussgeschieben bedeckt, welche auf
einen früheren Mosellauf hinweisen. Dicht bei Becond macht sich
besonders an der Terraiubildnng derselbe kenntlich. Ein zweiter
Moselarm in der Richtung von S. nach N. dürfte vom heutigen
Vlehrin" aus über die breite hohe Terrasse zwischen diesem Dorfe
und Ensch verlaufen sein und daun weiter in der Richtung des
unteren Salmbachs, worauf die gleich hohen Diluvialterrassen zu
beiden Seiten der Salm deuten.
Der weitere Verlauf der beiden Hauptarme der Mosel ist
früher näher erörtert worden.
Penck hat eine Uel)ersichtskarte in vergrössertem Vlaass-
stabe von diesen beiden Vloselarmen gezeichnet. Nach seiner An-
gabe verliefe der nördliche Arm über Clausen nach Osann; dies
o
0 Länderkunde Europas von Kirchiioff, I. Abtheilung, S. 319.
zwischen ßingcii und Lalinstein etc.
123
ist falsch aiifgefasst, er geht ül)er Scliweich, Hetzerath, Salinrohr
iri’s Wittlicher Thal. Auch der Verlauf des zweiten Aloselannes
hei Duseiuoiid — Burgen — Mülheim ist nicht richtig angegeben, von
diesem hat Lepsius eine bessere Zeichnung entworfen.
In dem Aufsatze des Jahrlmches für 1885 erwähnte ich
(S. 138), dass zur Zeit, als die Bifiircation der Alosel bei Schweich
bestand, die hohe Kuppe des Schweicher Alorgeustern (Mehringer
Berg) als Insel zwischen beiden Aloselarmeii hervortrat. Dazu be-
merkt Lepsius^): »Jedoch kann diese Ku])pe nicht als Insel zwischen
zwei o'leichzeitio: vorhandenen Moselarmen hervorijetreten sein,
denn ein Fluss kann zur selben Zeit wohl flache Inseln und Felsen,
aber niemals ganze Berge mit seinen Armen umfassen.« Wenn
er aber langjährige Studien über Thalbildungsverhältnisse an der
Saar und Alosel gemacht, würde er Beispiele gefunden haben, dass
ein Fluss nicht nur ganze Berge, sondern auch ganze Gebirgs-
strecken mit seinen Armen einschliessen kann; ich weise nur
auf die oben näher beschriebene eliemalige Theilung der Saar
oberhalb Saarbrücken hin, und auf die Alittheilung, wie Ijeide Arme
den ganzen circa 40 Kilometer langen Gebirgstheil zwischen
St. Arnual und ^Vado-assen umo-aben. — L^le führt in seinem
O O
Werke '^) (im 3. Kapitel »die Flüsse«) ein Beispiel vom Khein
an, der sich ehemals bei Sarjxans secrabelt hat, um in seinem
Laufe eine grosse Berg- und Felseninsel zu umfassen, die vom
Wallensee, dem Züricher- und Bodensee und dem heutigen Zu-
sammenfluss von Aar und Rhein umgrenzt wird.
') Geologie von Deutschland, 1. Band (S. 233, Plan 61).
") 1. c. S. 218, Anmei'knng 2.
Unio, Die Erde und die Erscheinungen ihrer Obertläclio. I. Theil.
Beiträge zur ßeurtheiliiiig der Frage iiaeli einer
einstigen Vergletsclierniig des Brocken -Gebietes.
Von den Herren K. A. Lossetl und F. WahnschafTe in Berlin.
Die bereits mehrfach erörterte Frage, oh der Harz während
der Eiszeit Gletscher besessen habe, namentlich aber der Umstand,
dass gewisse Ablagerungen im Odertluil von E. Kayser seiner
Zeit mit grosser Bestimmtheit als diluviale Moränen angesprochen,
gleichwohl nicht von dem sonstigen Thalschutt kartographisch ah-
gegrenzt worden sind, veranlasste die Obengenannten zu mehreren
gemeinsamen Ausflüoeii in der weiteren Umo-ebun" des Brockens.
Durch diese sollte ein Urtheil gewonnen werden, oh in der That
jene im Oderthaie als Moränen gedeuteten oder ähnliche in
anderen Harzthälern vorkommende Ablagerungen eine derartige
Ausbildung zeigen, dass daraus mit Nothweudigkeit eine ehemalige
Vergletscherung des Harzes abgeleitet werden müsse. Die Ver-
fasser haben sich in den Bericht über die Ergebnisse dieser
Untersuchungen derart getheilt, dass der erste von Waunsciiaffe
verfasste Abschnitt die gemeinsamen Beobachtungen im Brocken-
gel)iete enthalten soll, während Lossen im zweiten Abschnitt über
einige von ihm allein im Bodethal und anderen Thälern des
Harzes aimestellte Forschuno;en berichten wird.
O O
K. A. Lossen u. F. Wahnschapfe, Beiträge zur Beurtheilung etc. 125
1. Beobachtungen ini Rrockengebiete.
(F. Wahnschaffe.)
Die Fräse nach der ehemalisen Versletscherinis des Harzes
wixrde zuerst von Zimmekmann aufgeworfen, welcher Spuren der-
selben in der Umgebung des Brockens nacbweisen zu können
glaubte. Von ihm ist bereits die Ansicht ausgesprochen, dass in
der Diluvialzeit ein Gletscher westwärts über das Brockenfeld bis
weit hinter Oderbrück sich verbreitet habe. Die Moränen des-
selben slanbte er in der Anhäufuns ß-ewaltiger Granitblöcke zu
erkennen, welche auf dem Brockenfelde und am Wege vom Oder-
teich nach dem Rehherger Graben zu im Walde übereinander
aufgethürmt sind. Ebenso wurde von ihm bereits darauf hin-
gewieseu, dass wahrscheinlich ein Gletscher von der im Westen
durch den Steilabsturz des Renneckeuberges l)egrenzten Hölle
dui-eh das Thal der Steinernen Renne hinabgestiegen sei, sodass
die weiter unterhalb im wenio- geueig-ten Thale auftretenden Bloc-k-
wälle als Moränen zu deuten seien.
Nachdem Schreiber^) über das Vorkommen alter Harz-
geschiebe bei Wernigerode, in’sbesondere im Flussbette der Holt-
emme und Steinernen Renne eine Mittheiluug gegeben hatte,
worin er hervorhob, dass die bis zu 5 Meter Höhe über dem
heutigen Flussbette sich erhebenden Blockanhäufungen, sowie
namentlich die gewaltigen Dimensionen einzelner Blöcke auf sehr
bedeutende Wassermasseu schliessen Hessen, fühlte sich Zimmer-
MANN nochmals veranlasst, die Moränennatur dieser Block-
auhäufungeu wahrscheinlich zu machen.
Ein erneutes Interesse gewann diese Angelegenheit, als man
ausgehend von Torell’s Inlandeistheorie, die Frage anfwarf, ob
nicht der Harz, abgesehen von der nachweislichen Wanderung
nordischer Blöcke über seine Südostecke, Spuren einer selbst-
b K. H. Zimmermann, TJeber Gletscherspuren irn Harze. (Neues Jahrbuch
für Mineralogie u. s. w. 1808, S. 155 — 159.)
b ScHREip.EK, Giebei.’s Zeitschi’. f. d. ges. Naturwissenschaft 1872.
b Neues Jahrbuch für Min. u. s. w. 1873, S. 297—299.
126
K. A. Lossen u. F. Wahnschaffe, Boilrägo zur Bciirllieiluag
ständigen Vergletscliernng in seinem höchsten Erhebnngsgebiete
erkennen lasse.
Auf einer in Folge dessen von ihm und Lossen verab-
redeten Erockenbegehung, au der sich auf Einladung auch die
Iler reu W. Dames und F. Noetling betheiligten, glaubte Torell
im Holtemmethal zwei mit Granitblockwork bedeckte Gletscher-
böden oberhalb und unterhalb des Wasserfalls der Steinernen
Ivenne, sowie im llsethal oberhalb und unterhalb der llsefälle als
Moräuensclmtt zu erkennen, während ihm die amphitheatralischen
Reliefformeu am Renneckenberge, sowie im Schneeloche hoch oben
am Ilsenburger Brockenstieg als die Firnmulden des Holtemnie-
und llsegletschers erschienen.
Für Lossen und für die grosse Mehrzahl der deutschen
Geologen waren jedoch diese Beobachtungen noch keineswegs aus-
reichend, um daraus mit völliger Sicherheit auf das ehemalige
Vorhandensein von Harzgletschern zur Diluvialzeit schliessen zu
können. Die Frage erhielt erst eine andere Bedeutung, als
F. Kayser 2) gewichtigere Beweise für die Vergletscherung des
II arzes beibringen zu können glaubte und seine Ansichten mit
o-rosser Ueberzeng'ung vortrug. Es handelte sich dabei um Block-
O o O o
anhäufungen im Oderthal zwischen dem Andreaslxnger Rinder-
stalle und dem Oderteich, die von Zimmermann in diesem Gebiete
seiner Zeit noch nicht beobachtet worden waren.
x\ls beweisend für die Moränennatur dieser Ablagerungen
werden von Kayser hauptsächlich folgende Beobachtungen hervor-
gehoben.
Während die Oder zwischen der Forstcolonie Oderhaus und
der Stadt Lauterberg einen vollkommen ebenen Thalboden besitzt
und weiter thalaufwärts unterhalb des Andreasbero-er Rinderstalles
O
nur hier und da kleinere Blockanhänfungen über dem Thalboden
hervortreten, so beginnen weiter oberhalb des Andreaslierger
Rindei’stalles zahlreiche Steinwälle, die dem Thal parallel verlaufen
') Vergl. den Bericht Lo.ssen's in der Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1881,
S. 708 und 709.
-) E. Kayser, Ueber Glctschererscheinungcn im Harz. Verh. d. Ges. für
Erdkunde zu Berlin 1881.
der Frage eacli einer einsligen Vergletscliernng des Brocken-Gebietes. 1 27
und fast die ganze Breite desselben einneliinen. Diese zuerst
^delfacll niiterbroclienen, später luelir znsanunenliäugend und liölier
auftretenden Wälle erreichen olterlialb der Einmündung des Die-
triclisthales die grösste Erhebung von 15 — 20 Meter über dem
Oderspiegel. Die Wälle l)ilden hier 10 — 40 Meter breite Kücken,
die hier und da zusammeulaufen oder sich theilen und die, ob-
wohl sie im Einzelnen mancherlei Unree'elmässi'jkeiten zeicren.
dennoch im Grossen und Ganzen einen gewissen Parallelismus
erkennen lassen. Zwischen den M^ällen liegen flache rinnen- oder
muldenförmige abflusslose Einseukungeu von 10 oder mehr Meter
Tiefe.
Die künstlichen Entblössungen an der Chaussee zeigen, dass
diese Wälle aus einem Hanfwerk von Gesteinstrümmern liesteheu,
welche in einem lehmigen, feldspathreichen, hauptsächlich aus
zerriebenem Granit bestellenden Sande regellos eingebettet sind.
Die Grösse der kleineren Gesteinstrümmer schwankt zwischen
Nuss- und Kopfgrösse und viele der wild übereinander gethürmten
grossen Blöcke besitzen sogar 2 — 5 Meter im Durchmesser.
Das Material der Gesteinstrünuner besteht aus sämmtlichen
Granit- und Hornfelsabänderungen , die im oberen Thale vor-
kommeu. Dabei zeigt sich eine Unabhängigkeit des Materials von
der Beschaftenheit der Nachbargehänge, wie sich dies am süd-
lichen Theil der Hahnenklee-Steilwand beoliachten lässt, die aus-
schliesslich aus Hornfels besteht, während die Bloekwälle znm
o-rössten Theile Granit enthalten. Die Eorm der Blöcke ist p;anz
unregelmässig, die Hornfelstrümmer sind meist eckig und kanten-
gerundet lind dabei finden sich, wie Kayser hervorhebt, nicht
selten sehr charakteristische geglättete und gekritzte Geschiebe,
von denen die Sammlung der geologischen Eandesanstalt einige
schöne Stücke enthält.
Wenn man au eine Beurtheilung der von Kayser beschrie-
benen Ablagerungen des Oderthaies, sowie der ganz analogen,
doch nicht ganz so mächtigen und nicht so gut ihrer inneren
Zusammensetzuno’ nach anUeschlossenen Bildun2;en des Hollemme-
und Ilsethales herantritt, so muss man sich von vornherein sagen,
dass unter der Annahme einer atlgemeinen Inlandeisliedecknng des
128 K- A. Lossen u. F. Wahnschaffe, Beiträge zur Beurtheilung
norddeiitsclieii Flachlandes zur Diluvialzeit eine edeichzeitio-e luelir
O O
oder weniger ausgedehnte Vergletscherung der höchsten Theile
des Harzes als eine fast natürliche Folge erscheint. Es fragt sich
nur, ob Spuren davon im Harz gegenwärtig noch zuverlässig nach-
weisbar sind und ob das, was mau dafür gehalten, ausreicht, um
daraus unabhängio; von anderen Erwägungen die Gletscherbedeckung
O O O a!5
gewisser Theile des Harzes ableiten zu können.
Bei Begehung des Oderthaies beobachtete die Keisegesell-
schaft, der sich für einen Tag die Herren Dr. Schröder und
Dr. Rauf augeschlossen hatten, dass die auf der Thalsohle liegenden
Blöcke thalabwärts stetig au Grösse abnehmen. Besonders dentlich
zeigt sich dies wenn man die Blockauhäufuugen nördlich von der Ein-
mündung des Dietrichsthaies mit denjenigen unterhalb des Andreas-
berger Riuderstalles vergleicht. Während in dem erstgenannten
Theile des Thaies Blöcke von 2 — 5 Meter Durchmesser sehr häufig
Vorkommen, gehören solche von 1 Meter Durchmesser in dem anderen
Theile des Thaies bereits zu den grössten Seltenheiten und sie
nehmen hier mehr und mehr in ihrer Grösse ab, je weiter mau in
südlicher Richtung bis zu dem fast ebenen Thalboden fortschreitet,
welcher etwa 1,5 Kilometer unterhalb des Andreasberger Riuder-
stalles beginnt. Da es sich in betrefl:' des fraglichen Moränen-
Schuttes bei der Enge des Thaies wohl zum grössten Theile um
Obermoränen handeln dürfte, so wäre unter der Annahme, dass der
Gletscher etwa bis 1,5 Kilometer unterhalb des Andreasberger
Rinderstalles gereicht hätte, die Grössenabuahme der Blöcke mit
dem Transport durch Gletschereis nicht gut vereinbar. Dieser
Einwand gegen die Moränenuatur der Ablagerungen wird jedoch
sofort entkräftigt, wenn man den ehemaligen Odergletscher etwas
oberhalb des Audreasberger Rinderstalles endigen lässt und an-
nimmt, dass die Gletscherschmelzwasser, sowie die Wasser der
Postglacialzeit den Moränenschutt von hier ab thalabwärts trans-
O
portirt und nach der Grösse sortirt haben.
Autfallend ist es immerhin, dass nirgends das Thal quer
durchschueidende, halbkreisförmige Eudmoränenwälle die ehemalige
Endigung des Gletschers bezeichnen, jedoch könnten auch diese
der späteren Erosion des strömenden Wassers völlig zum Opfer
gefallen sein.
der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 129
Ein zweiter Punkt, der gegen die ehemalige theilweise Ans-
füllnng des Oderthaies mit einem Oletscher zn sprechen scheint,
wird durch die Beschaflenheit der Thalgehänge geliefert. Nirgends
beobachtet man an den zum Theil sehr steil aljgeböschten Thal-
rändern irgend welche, den ehemaligen Weg des Gletschers be-
zeichnende Abschleifnngsflächen oder Ahschleifnngsformeu des
Gesteins; nirgends sind in bestimmter Höhe über dem Thalboden
an den Gehängen erratische Blöcke oder Schnttanhänfnugen zn
entdecken, welche die obere Grenze des Eises augeben würden.
Allerdings kann man auch hiergegen die starke Verwitterung der
Gesteine im Harze anführen, welche in diesem Falle so schnell
fortgeschritten sein müsste, dass die Gehänge in postglacialer Zeit
vollständig nmgestaltet und alle Spuren der einstigen Vergletsche-
rung ganz und gar verwischt worden wären.
Auf grössere Veränderungen der Thalgehänge deuten aller-
dings die zahlreichen Sturzblöcke hin, welche man unterhalb der
Steilwand des Hahnenklees vielfach über den fraglichen Moränen
findet.
Was die Blockwälle selbst betrifft, so kann allerdings ihre
grosse Aehnlichkeit mit Gletschermoränen nicht in Abrede gestellt
werden und es scheinen hierfür auch die geschrammten Blöcke
zu sprechen, welche von Kayser seiner Zeit gesammelt worden
sind und welche aus der Grundmoräne stammen müssten. Wenn
von dem Verfasser und Herrn Prof. Eos.sen, sowie von den Herren
Dr. Schröder und Dr. Rauf keine derartigen geschrammten Blöcke
gefunden worden sind, so lässt sich dieser Umstand vom Stand-
punkte der Vergletscherung des Oderthaies aus dadurch erklären,
dass, wie gesagt, die Blockanhäufuugen der Hauptsache nach aus
Obermoräuen bestehen, und dass das Grundmoränenmaterial, in
welchem sich nur geschrammte Geschiebe hudeii können, zum
grössten Theile bedeckt sein dürfte.
Die von Kayser hervorgehobene Unregelmässigkeit der Ober-
fläche dieser Blockanhäufungen, vor allem das Vorkommen von
wanneuartigen Vertiefungen und rinnenartigen Einsenkungen
scheint der Reisegesellschaft nicht als Beweis für den glacialen
Ursprung angeführt werden zu dürfen. In einem besonders aus-
Jahrbuch 1889.
ü
130
K. A. Lossen u. F. Wahnsohaffe, Beiträge zur Beurtheilun;
geprägten Falle liess sich eine derartige Rinne ans einer anch
von E. Kayser erwähnten see- oder kesselartia;en Vertiefung;
rückwärts sehr deutlich bis an das Steilgehänge des Hahnenklees
verfolgen, sodass ihre Bildnug durch herabstürzeudes , durch
Regengüsse und Schneeschmelzen geliefertes Wasser eine aus-
reichende Erklärung findet. Die diu’ch stark strömendes Wasser
in dem Oberläufe eines engen Thaies zusainmeugehäuften Schutt-
masseu werden stets unregelmässige Oberflächenformen zeigen und
ebenso auch der Schichtung entbehren, die immer erst dann ein-
tritt, wenn das Material bedeutend an Grösse abgeuommen hat
und der Fluss dasselbe in den weiteren Thalflächen seines Unter-
laufes ausbreiten kann.
Die Grösse der Blöcke bietet ebenfalls kein Hiuderniss, um
ihren Transport durch die Stosskraft des Wassers zu erklären.
Allerdings reichen die gegenwärtigen, durchschnittlichen Wasser-
mengen der Oder, Ilse und Holtemme nicht aus, um die grossen
Blöcke fortzuschaffeu. Nimmt mau aber an, dass zur Diluvialzeit
die Menge der Niederschläge auf dem Harz bedeutender war, so
wurden dadurch die Wassermassen geliefert, welche in Thäleru
mit stark geneigter Sohle eine ebenso grosse Stosskraft besassen,
wie sie die heutigen Wildbäche der Alpen zeigen.
Das Vorkommen der gekritzten Geschiebe allein kann nicht
die Moränennatur der Blockwälle beweisen, da pseudoglaciale ge-
schrammte Steine, wie erst Penck^) vor einiger Zeit wieder hervor-
gehobeu hat, auch in uichtglacialen Ablagerungen Vorkommen und
demnach eine andere Entstehungsursache haben müssen. Solange
nicht geschrammte und geglättete Felsoberflächeu im Untergründe
der Schuttmassen des Oderthaies nachgewieseu sind, kann die
Entstehung derselben ebenso gut durch stark strömende Wasser
eiklärt werden. Ganz dasselbe lässt sich aber auch von den
Blockanhäufuugen der anderen Ilarzthäler, namentlich des Holt-
emme- und llsethales sagen. Die Möglichkeit, dass dieselben alte
Moränen der Eiszeit darstellen, muss zugegeben werden, aber ein
Beweis dafür ist solange nicht geführt, als derartige Ablagerungen
*) A. Pbnck, Pseudoglaciale Erscheinungen. (Das Ausland 18S4, No. 33.)
der Frage nach einer einstigen Verglotscliorung des Brocken- Gebietes. 131
sich ebenso ungezwungen als Aufschnttnngen der Flüsse iin stark-
2'eueia'ten Oberlaufe ihrer Tlnäler auffassen lassen.
2. Beobachtungen ini Bodetlial vom Dorfe Thale bis znni
Waldkater nebst einscblägigen Beinerkiingen ans dem
Aveiter aufwärts gelegenen Thalgebiete der Bode oder
anderen Harztliälern.
(K. A. Lossen.)
Die von E. Kayser seiner Zeit vertretene Auftassnng der
mächtigen Schnttanhäufungen im Oderthaie oberhalb des Andreas-
bero'er Rinderstalles und in dem Oberlauf anderer Thäler des
Ö
Brockenofebietes innerhalb und wenirr untei’hall) des anstehenden
Granits als diluvialer Aloränenwälle eines Brockenglet-
schers gewinnt nicht an Wahrscheinlichkeit, wenn man die
jetzigen und früheren Thal schuttbil düngen des Bode-
thales vom Dorf Thale aufwärts bis zum Waldkater
zum Vergleich herauzieht, wie ich dies Herbst 1888 gethan habe.
Hier fehlt der Zusammeuhang mit dem Brocken-
gebiete gänzlich, denn das, was man in den Thälern der
Warmen Bode bei Braunlage und der Kalten Bode bei Schierke
und Elend als Brockeno-letscherschutt im Sinne der von E. Kayser
O
adoptirten ToRELifschen Deutung aufzufassen haben würde, hört
ja in der allernächsten Umgebung der genannten Orte bereits
anf; dann folgt gewöhnlicher Thalschotter, sowohl im heutigen
Niveau des Thalbodens, als auch in einzelnen erhalten gel)liebenen
Terrassen -Resten eines früheren höheren Wasserstandes wie bei
Rübeland und Treseburg; erst mit dem Eintritt der Bode in die
Rammberg -Granit -Masse oberhalb der Rosstrappe beginnt aiif’s
Neue Blockschutt von auffallend grossen Maassverhältnissen vor-
zuherrschen in der Thalrinne.
Es ist nach dieser mehrere Wegestnuden langen Unterbrechung
zwischen den Blockanhäufungen bei Elend und Braunlage und
denen bei Thale, gleichwie nach der Uel:)ereinstimmung der Granit-
9*
132 K. A. Lossen u. F. Wahnschapfe, Beiträge zur Beurtlieilung
blocke im Bodebette bei Thale mit dem Kosstrappe-Granit, nicht
aber mit dem Brocken -Granit, ausser Frage, dass man es bei
Thale nicht mit Brockenmoräneu zu tlmn bat. Die Annahme
von Rammbergmoränen liegt, in Anbetracht der geringen Höhe
des Rammbergs, ganz fern; der ganze Oberharz und ein grosser
Theil des Mittel harzes müssten ja unter dieser Annahme ver-
gletschert gewesen sein, wofür Beweise nicht vorliegen. Es bleibt
also hier die Auffassung allein übrig, dass die Grösse der Block-
anhäulüngen und der einzelnen Blöcke einmal durch die Natur
des in den Thalwänden anstehenden Granits, das andere Mal durch
die steilen Wände der Thalrinne bedingt sind.
Der letztere Umstand giebt noch jetzt Veranlassung zu Sturz-
blöcken von der Höhe in die Tiefe des Thaies, welche ja ausser-
ordentlich grosse Alaassverhältnisse besitzen können. Dass aber
diese Erscheinung allein nicht die grossen Blöcke in der Thalrinne
erklärt, dass überdies vielmehr zunächst die dem Granit aus seiner
ursprünglichen Erstarrungsstructur her eigene Neigung zur Ver-
witterung in abgerundet grosswürfelige Theilkörper dabei in Be-
tracht kommt, leuchtet ein. Kleinstückige, zerklüftete Massen
würden nicht oder doch nur vei'einzelt derartig; grosse Sturzblöcke
liefern. Alsdann aber bleibt zu bemerken, dass Blöcke von sehr
namhaftem Kubikinhalte im heutigen Bodebett axmh da noch an-
getroften werden, wohin sie durch Absturz garuicht gelangen
konnten, d. h. fünf oder zehn Minuten unterhalb der Aussengrenze
des anstehenden Granits. Sie müssen also thalabwärts fortbewegt
worden sein und da hier nicht an Gletscher gedacht werden kann,
durch das Bode -Wasser oder die Eisschollen, welche beim Eis-
gang thalabwärts treiben.
o Ö
Ei nige Maasszahlen sollen das erläutern: Oberhalb dos Stau-
wehrs im ol)eren Theile des Dorfes Thale, etwa da, wo der
Rogensteinlager -Zug zunächst unter dem Mittleren Buntsandstein
die Bode in der festen Thalsohle schneidet, liegt ein Granit-Block
von 1,625 Kubikmeter Inhalt im Fluss. Granit- Blöcke von 1 Meter
Längsdurchmesser sind in diesem Alischnitt des Flussbettes über-
haupt nicht selten, erreichen dabei niehrfach auch 1 Meter Breite
und 0,7 Meter Dicke. Etwas weiter aufwärts wurde ein Granit-
der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 133
Block von 2,1 Kubikmeter Inhalt gemessen; in seiner Nähe liegt
ein Quarzit-Block von 2,56 auf 1,08 Meter Durchmesser, also
2,76 Quadratmeter Oberfläche, während die Höhe sich nicht er-
mitteln liess. Weiter aufwärts, oberhalb des zweiten Stauwehrs,
etwa in der Greuzregiou zwischen dem Flötzgebirge und den am
Aussenrande des alten Gebirgskernes anstehenden Unterdevon-
Schichten, folgen Granitblöcke im Bodebette von 2,657, 3,692,
3,864 und 3,92, ja 4,96 Kubikmeter Inhalt. Selbstverständlich
fehlen dazwischen auch nicht kleinere Blöcke, so z. B. ein Granit-
block von 2,929 Kubikmeter und daneben ein Gangquarzblock von
1,85 Kubikmeter. Iin Grossen und Ganzen aber ist die Zunahme
der Grösse flussaufwärts ganz nnverkeuubar, ganz so wie dies im
Oderthal oder Iloltemmethal der Fall ist, wenn man die als
Moränenschutt augesprocheuen Blockhaufwerke thaleinwärts ver-
folgt '). Alle diese aufgezählten Alaasszahleu rühren al)er von
Blöcken her, die bei günstigem niedrigen Wasserstand im Bode-
bett selbst gemessen wurden und noch ausserhalb des Gebirges
liegen.
Innerhalb des Gebirgs liegt vom Felsen, der den BiUows-
Altan beim liosstrappe-Wirthshaus trägt, abwärts bis unter der
Wolfsbnrg auf der linken Thalseite zwischen Fluss und Thalhaug,
dem Hidiertusbade und der Blechhütte gegenüber, ein hügelig-
ebener, grösstentheils mit Wald bedeckter Thalboden, der mit
Spazierwegen versehen ist und daher schwerlich mehr sein ursprüng-
liches Relief zeigt. Was mau aber von Unebenheiten erkennt,
erinnert an die Blockauhäufungen im Holtemmethale, die ja auch
ihren besonderen Thalbodenwald tragen, ebenso wie die anderen dem
Brockeugebiete angehörigeu Thäler; die Umgel)uug der Harzburger
') So wurden, um einige Zahlen zum Vergleich anzufiihren, im Holtemme-
thal gemessen: oberhalb der Abzweigung der Plessburg-Chaussee aus der Ilolt-
enimethal-Chaussee ein Granitblock von 3,53 Kubikmeter (circa 1300 Meter unter-
halb der Grenze des anstehenden Granits); ferner ein Granitblock von 5,4G Kubik-
meter einige Schritte oberhalb des Silbernen Mann’s, circa 450 Meter unterhalb
der Granit- Grenze; endlich Granitblöcke weniger als 250 Meter unterhalb der
Gi'anit- Grenze im Betrag von 8,7G, 8,8 und 10,5 Kubikmeter Inhalt. Für diese
letzten Maasszahlen sind die weiter unten auf S. 134 angegebenen entsprechenden
aus dem Bodethale zu vergleichen.
134
K. Ä. Lossen ii. F. Wahnschaffe, Beiträge zur ßeurtlieilung
Eicheu dient vielleicht am besten ziiin Vergleich für diesen waldbe-
standenen Thalschutt bei Thale, zunnd dort auch die Anlagen das
ursprüngliche Oberflächenbild vielfach verwischt haben; dass das
Blockicht in dem einen Falle aus GabI)ro, im anderen aus Granit
besteht, hindert den Vergleich nicht. Trotzdem dass gewiss schon
viele grosse Blöcke fortgeschafft, als Wege- oder Baumaterial ver-
nutzt sein mögen (ein 7,44 Kubikmeter grosser Block wurde
gerade, da ich beobachtete, zum Brückenbau gesprengt), lassen
sich doch noch zahlreiche wahrnehmen, darunter solche, welche,
wie bei dem die Blechhütte mit dem linken Ufer verbindenden
Steeg ^), eine Quadratoberfläche von 9,58 Quadratmeter, oder einen
Kubik-Inhalt von 6,33 und 7,44 Kidjikmeter aufweisen und noch
unterhalb der Grenze des anstehenden Granites liegen. Innerhalb
dieser Grenze, d. h. flussaufwärts, also im Bereich der Sturzblöcke,
trifft mau noch grössere Maassverhältnisse, so z. B. wurde unter-
halb der oberen, vom rechten Thalufer auf die Insel des ITubertus-
bades führenden Brücke ein Block von 12,83 Quadratmeter Ober-
fläche gemessen.
Während der Thalboden zwischen der Blechhütte und der
zum Kosstrappe -Wirthshaus aufsteigeudeu Thalwand höchstens
ca. 6 Meter über dem Wasserspiegel des Flusses (bei anhaltend
trockenem Wetter) erreicht, steht auf der rechten Thalseite zwischen
der Actienbrauerei und dem Waldkater Thalschutt in namhafterer
Höhe über dem Fahrwege an, der sich wohl bis 15,5 Meter über
dem durchschnittlichen Wasserspiegel (bei niedrigem Wasserstau d)
erhebt, also bis zu einer Höhe, die au die höchsten Blockau-
häufungeu der »Moränenwälle« E. Kayser’s im Oderthaie erinnert,
ohne dass jedoch von gleich günstiger Beobachtungsgelegenheit,
als die im Oderthaie ist, hier die Rede sein könnte. Im Gegen-
theil wird mau hier am Fuss der Homburg in der Umgebung der
Hexentreppe viel eher Sturzblockhaldeu erwarten als Flussterrasseu,
und so sind auch auf der 1885 durch W. Dames und den Bericlit-
erstatter bearbeiteten Karte der Umgegend von Thale diese Sclmtt-
inassen dem anstehenden Granit zugerechnet worden. Dass gleich-
') Circa 150 Meter nntcrhalb der Stelle, wo die vom Bülows- Altan nioder-
setzende Granit- Grenze den Thalboden erreicht.
der Frage nach einer einstigen Vergletscherung des Brocken-Gebietes. 135
wohl Thalsclmtt vorhanden ist, ergiebt ganz nnzweidentig der
petrographisch geinisclite Charakter des Schutts: Es fehlen darin
nicht die grossen Granit-Blöcke, die vor Allem anffallen (gemessen
z. B. die Hälfte eines Blockes, der ergänzt 4,184 Knbikmeter er-
geben würde), daneben aber finden sich Geschiebe kleinen und
sehr kleinen Formats zahlreicher anderer Gesteine, welche fluss-
aufwärts oberhalb des Rammberg- Granits anstehen, so z. B. die
Gesteine des Bodeganges, ferner Kersantit - Geschiebe ans der
Gegend von Tresebnrg oder Altenln'aak, Hornfels- und Schiefer-
geschiebe, zum Theil nur von der Grösse einer Alaudel oder Bolme,
grünliche schieferige Eruptivgesteine der Diabas- oder Keratophyr-
Familie, die aus der Elbiugeroder Mulde stammen mögen, etc.
Die Bewaldung des Hanges gestattet keine übersichtlichen zu-
sammenhängenden Beobachtungen, längs des Fahrweges nach dem
Waldkater und in den von da aufwärts führenden Promeuade-
wegen kann mau jedoch bei einiger Aufmerksamkeit die kleineren,
bis zu 1 Decimeter etwa an Maximalgrösse erreichenden Geschiebe,
die nicht aus Granit bestehen, zwischen dem Granit-Schutte leicht
nachweiseu, al.)er nur unterhalb der angegebenen Höheugrenze;
weiter aufwärts im Hang, wie z. B. an dem vom Steinl )achthale
her direct nach dem Waldkater oder dem Bodethale oberhalb des-
selben führenden Wege, tiudet man nur Granit oder Gangquarz,
der den im Granit anfsetzendeu Gängen entstammt. — Dass die
kleineren, nicht granitischen Geschiebe, welche zwischen den
grossen Granit-Blöcken liegen, wohlabgernndet, platt und oval,
also durchweg ohne schärfere Kanten gefunden werden, im Gegen-
sätze zu dem kantio-ereu Kleiuschntt der sogenannten Brocken-
moränen im Oderthal, Holtemmethal etc., rührt daher, dass diese
Geschiebe hier bei Thale von Heimstätten weit oberhalb des
Granits der Rosstrappe -Schlucht stammen, während der Klein-
schutt jener Thäler des Brockengebietes von einem Mnttergestein
herrührt, das theils nnterhall) des Granits austeht, theils damit
zusammen vorkommt, stets also ganz benachbarten Thalwäuden
angehört.
Die Zeit, um nach Schrammen auf den Geschieben zu
sneheu, mangelte; es wären solche, in Anbetracht der stark äb-
gerollten Geschiebeform, hier auch kaum zu erwarten; im Klein-
136 K- A.- Lossen u. F. Wahnschaffe, Beiträge zur Beurtheiliing etc.
Schutt der Holtemme - Blockanhäufimgeu fehlen dagegen nach
eigenen Untersuchungen kantige, geglättete und geschrammte Ge-
schiebe nicht ganz, ohne dass mir daraus allein die Moränennatur
dieser Anhäufungen zuverlässig nachgewieseu scheint , da sich
Harnischflächen mit Kritzung in den dortigen Thalwänden, so z. B.
ausgezeichnet an der im Gehänge des Bielstein aufsteigenden Fahr-
strasse, sicher als Resultate von Verschiebungen längs Gaugklüfteii
erkennen lassen. Dass das untere Bode- Thal aber trotz seiner
Blockanhäufuugen und trotz der durch kleine Wasserfälle im
Granit bewirkten Strudellöcher kein Gletscherthal sei, hat mir
Herr Hans II. Reusoh aus Christiania bestätigt. Damit scheint
mir ein Hauptgrund, den O. Torell 1880 für die Moräneuuatur
der Blockanhäufungen im Holtemme- nud Ilse -Thal geltend ge-
macht hat, der nämlich, dass Blöcke von solchen Dimensionen
auf einer Thalsohle von so geringer Neigung durch fliesseudes
Wasser oder den Eisgang nicht fortbewegt werden können, ent-
kräftet, insofern eben die grossen Blöcke im Thalschutte und im
Bode - Bett unterhalb der Granit - Grenze bei Thale das directe
Gegentheil beweisen ^).
Es sind in den vorstehenden Mittheilungen deutlich zwei ge-
sonderte Höheustufen in den Blockanhäufungen des Bodethals
bei Thale zu erkennen, jene auf dem linken Ufer bis zu 6 Meter über
dem Wasserspiegel bei trockenem Wetter höchstens ansteigende,
und jene andere weiter aufwärts auf dem rechten Ufer , die
15,5 Meter Höhe über dem niedrigen Wassei’stand erreicht. Erstere
ist auf der DAMES-LosSEN’schen Karte als Alluvium, letztere, wie
schon bemerkt, irrthümlich als anstehender Granit eingetragen.
Ich würde die untere Blockanhäufung am liebsten zum Alluvium,
die obere zum Juugdiluvium ziehen, indem ich der Höhenstufe
folge.
1) Ganz ähnliche Beobachtungen kann man im Ockerthal unterhalb der
Granitgrenze bis in’s Dorf Ocker hinein anstellen.
Die Rudisten der Oberen Kreide
am nördlichen Harzrande.
Von Herrn G. Müller in Berlin.
(Hierzu Tafel XVIII.)
Ewald 1) verdanken wir die erste Kunde über das Vorkommen
von Kudisten am nördlichen Harzrande. Derselbe fand diese
Zweiscbaler am Sudmeiberg, am Fuss der Teufelsmaner zwischen
Weddersleben und Thale und am südlichen Fuss der Teufels-
mauer zwischen Timmenrode und Cattenstedt. Ewald beschrieb
die von ihm untersuchten Stücke als BiradioHtes hercynius.
Vom Sudmerberg beschrieb 10 Jahre später A. Roemek^)
einen RadioUfes Gosae, ohne jedoch weiter auf Ewald’s Biradio-
lites hercynius Bezug zu nehmen. In meiner Abhandlung'^) über
die Obere Kreide am nördlichen Harzrande bezeichuete ich die
im Göttinger geologischen Museum vorhandenen Stücke als Radio-
Utes hercynius (nicht subliercynicus ^ wie es dort in Folge eines
Druckfehlers irrthümlich steht), da ich damals auf Grund dieses
Materials Radiolites hercynius Ewald und Radiolites Gosae Roem.
für verschiedene Namen einer und derselben Art hielt.
Bei meinen Ausflügen, welche ich zur Untersuchung des sub-
hercyuischen Seuons im Sommer 1887 unternahm, entdeckte ich
b Monatsberichte der Kgl. Akad. der Wissenschaften zu Berlin 185G, S. 596.
b Palaeontographica Bd. XIII, S. 196, Tafel 32, Fig. 5.
b Dieses Jahrbuch für 1887, S. 425.
138
G. Müller, Die Ruclisten der Oberen Kreide
noch einen neuen, äiisserst reichen Fundort für Rudisten in
der Nähe des Dorfes Stapelburg bei Ilseuburg a. H. Ungefähr
700 Exemplare habe ich daselbst bei einem zweimaligen Besuch
der Fundstelle gesammelt. Wie ich schon früher mitgetheilt
habe , liegt die Localität nördlich von Stapelburg am rechten
Ufer der »Stimmecke« zwischen dem Dorf und der Amtsmühle.
D ie Versteinerungen sind eingebettet in eiuen »Trümmerkalk«, wie
ihn Jasche^) trefiend bezeichnet hat, der ausser zahllosen Fossilien
aller Art aus Kalkstückchen und kleinen schwarzen abgerollten
Kieselschieferstücken zusammengesetzt ist. Der das Hangende
der Coeloptychienkreide bildende Trümmerkalk zerfällt leicht und
man kann dann die zerstreut umher liegenden Versteinerungen
auf lesen bezw. durch Waschen des Detritus in einer nicht zu weit-
maschigen Siebvorrichtuug in dem nahen Bache bequem ge-
winnen.
Durch das reichlich zusammengebrachte Material wurde ich
angeregt, die am nördlichen ITarzraude in der Oberen Kreide anf-
tretenden Rudisten zu beschreiben. Herr Professor B. Lundgren
war so gütig, mir Exemplare der von ihm beschriebenen schwe-
dischen Rudisten zu überlassen. Durch die grosse Liebens-
würdigkeit der Herren Geheimrath Prof. Dr. Beyrich und Geheim-
rath Dr. Hauchecorne sind mir die Sammlungen des naturhisto-
rischen Museums und der geologischen Landesanstalt zugänglich
gewesen. Herr Prof, von Koenen stellte mir gütigst die im
Göttinger geologischen Museum vorhandenen Stücke zur Verfügung.
Die Herren SchuCiit in Oker und Reitemeyer in Goslar über-
sandten mir freundliidist ihre am Sudmerberg gesammelten Rudisten.
Die EwALu’schen und RoEMER’schen Originale habe ich leider nicht
ansehen können.
D ie innere Schalschicht der untersuchten Arten ist zerstört,
und konnte in Folge dessen der Schlossapparat nicht zur Be-
stimmung des Genus verwandt werden. Ausserdem habe ich
') Dieses Jahrbuch für I8S7, S. 3!)R.
Gcbirgsformatioiien in der Gralschaft Wernigerode a. H., 1858, S. 88.
am nordlielieu Harzraude.
139
Deckelschalen trotz eifrigen Snchens nicht gefmulen. Der Gattung
llippitrites können jedoch die Kudisten vom Harzrande nicht an-
gehören, weil die durch Einschnürung der äusseren Schalschicht
gebildeten Kämme, Pfeiler oder Säulchen fehlen. Ewald ■) wies
die von ihm bestimmfen Formen der Gattung BiradioUtea d’Okb.
zu. Diese Gattung war von d’Orbiüny für diejenigen Kadio-
liten- Arten aufgestellt, die auf der Aussenseite der Unterschale
mit zwei durch die Sculptur von der übrigen SchalenoI)erfläche
sich abhebeuden Längsbändern versehen sind. Dieses Merkmal
ist jedoch von Ew'aijU) und späteren Autoren als ungenügendes
Gattungsmerkmal erkannt worden, da die Bänder auch l)ei typi-
schen Kadioliten auftreten. Vielmehr sind nach Ewald von den
echten Radiolifen jene Formen abzutrenneu, bei denen 1. die
Längsleiste in der kleineren Abtheiluug der inneren Höhlung
fehlt und 2. diese kleinere Abtheilung von der grösseren nicht
vollständig gesondert ist, vielmehr nach unten mit derselben com-
municirt. Den Gattungsnamen ßiradiolites trotz der Aenderuug
seiner Bedeutung beizubehalteu , bewog Ewald der Umstand,
dass auf mehrere der von d'Obbigny unter Biradiolites aufgeführten
Arten, so namentlich auf Biradiolites cormi-jjastoris , diese um-
geäuderte Gattungscharakteristik passt.
IvOEJJER stellt (a. a. O.) die von ihm untersuchten Stücke vom
Sudmerberg zur Gattung Radiolites , ebenso Lundgren die in
den Ignaberga-Schicliten vorkommenden Kudistenarten, die z. Th.,
wie später uachgewiesen werden soll, auch am nördlichen Harz-
raude Vorkommen.
ZiTTEL erklärt mit Bayle Biradiolites d’Orb. für synonym
mit Radiolites (Kadioliten ohne Ligamentfalte = Längsleiste
Ewald’s) und weist die Mehrzahl der früher unter Radiolites be-
schriebenen Arten zur Gattung Sphaendites de la Metii. emend.
Bayle (Kadioliten mit Ligameutfalte).
>) a. a. 0. S. 598.
Terr. cret. IV, S. 230.
3) Zeitschrift d. Deutschen geol. Gesellschaft Bd. IV, S. 503.
■*) Monatsberichte d. Königl. Akad. d. Wissensch. zu Berlin S. 593.
Ü Acta Universitatis Lundensis 1869.
Handbuch der Palaeontologie Bd. 1, S. 86 ff.
140
G. Müller, Die Rudisten der Oberen Kreide
Fischer stellt die lladioliteu mit Ligameutfalte zur Gattung
Radiolites (= Sphaeridites bei Bayle und Zittel), während er
für Radiolitideae ohne Ligainentfalte den Gattungsnamen Biradiolites
d’Orb. (= Radiolites bei Bayle und Zittel) wieder einführt.
Neuerdings hat sich Steinmann ^) ebenfalls für letztere Auf-
fassung entschieden, jedoch Biradiolites als Untergattung zu Radio-
Utes angenommen.
Ich ziehe die von Bayle, Zittel u. A. angewandten Gattungs-
namen vor, da, nachdem durch Ewald und Bayle eine gänzlich
von der D’ORBiGNY’schen verschiedene Gattungsbestimmnng fest-
gestellt war, der alte Name Biradiolites nur falsche Vorstellungen
in Bezug auf die Gattungsabgreuzung hervorzurufen geeignet ist'*).
Radiolites liercyiiiiis Ewald.
Taf. XVllI, Fig. 3 u. 4.
1856. Biradiolites hercynkis' MouatsbericLte d. Königl. Akad. d. Wissen-
schaften, S. 596.
1887. Radiolites suecicus Lundgr. var. costatus de Geer, Geol. Foren. P'ör-
handl., ßd. IX, S. 301.
1888. » hercynius E\v., Müller, dieses Jahrbuch für 1887, S. 425.
Ewald’s Artbeschreibuug lautet: Sie sind von conischer Form,
wo diese nicht durch das Ansitzen der Schale an fremden Körpern
gestört ist; die Oberfläche ist mit stark hervortretenden
Längsrippen besetzt, deren Zahl zwischen 7 und 9 schwankt.
Die Grösse, welche diese Species erreicht, übersteigt gewöbnlich
nicht einen, selten 1 Y‘2 Zoll.
Da am Sudmerberg, wie ich jetzt feststellen konnte, zwei
Arten auftreten, von denen die eine von Roemer als Radiolites Gosae
') Manuel de Conchyliologie S. 1065 ff.
Elemente der Palaeontologie S. 278.
Ewald (Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges., Bd. IV, S. 504) hielt es zunächst
für nothwendig, einen neuen Namen für die Radiolitideae ohne Ligamontfalte ein-
zuführen, behielt jedoch später aus dem oben angeführten Grunde die Bezeich-
nung Biradiolites bei.
am nördlichen Harzrande.
141
beschriebene die seltenere Art ist, so glanbe ich, dass Ewald ans-
seliliesslich nnr Stücke von der andern, am Sndinerberg vorkonnnen-
den Art, l)ei der die Rippen dnrebweg stärker liervortreten, Vor-
gelegen haben und bezeichne deshalb dieselbe als RacUoUtes
hercynius Ewald.
Zn der Ew.\LD’schen Artbeschreibnng wäre dann noch hinzn-
zrifügen, dass die Rillen zwischen den namentlich in der Jugend
sehr starken nnd scharten Längsrippen glatt oder wenigstens nur
mit ganz schwachen, kaum Ijemerkbaren Anwachsstreifeu versehen
sind. Die Abstände der einzelnen verschieden stark hervortreten-
den Rippen sind ungleich gross. Die Zwischenräume sind Itreiter
als die Rippen. An ihrem oberen Ende zeigen die Rippen im
angewitterten Zustande sehr häutiiT den zelligren Bau der äusseren
Schalenschicht, wodurch die Zimehöriokeit zu den Radioliten so-
fort klar wird. Im Alter verlieren die Rippen die Schärfe. Die
Alündung ist, wenn nicht verdrückt, kreisförmig, bei jüngeren
Exemplaren häufig ansgebogen, nnd überragt die Mantellinie. Ab-
gel)ildet konnten leider nur jüngere Exemplare von R. hei'ci/niiis
werden, da die Altersformen in Eolge der Erhaltung sich hierzu
nicht eigneten.
Die von de Geer von Barnakälla (Schonen) beschriebene
Varietät R. suecicus Lgn. o. costatus de Geer ist identisch mit
R. hercynius Ew. Die Rippen sind nach einer brieflichen Mit-
theilung Lundgren’s mehr oder minder scharf ausgeprägt, ebenso
wie an den Stücken vom Ilarzrande die Schärfe der Rippen
innerhalb gewisser Grenzen schwankt, jedoch stets stärker ist, als
bei R. pusülus Lgn.
Die Art findet sich am Sudmerberg nnd bei Stapelbnrg, er-
reicht jedoch an letzterem Fundorte bei weitem nicht die Grösse
der Sudmerbergformen (über 40 Millimeter gross), da das grösste
Exemplar von Stapelburg nur 18 Alillimeter misst.
') Unter dom in der Sammluno- der geologischen Landesanstalt liegenden
Material war z. B. kein einziger Radiolites Gosae Roem. vorhanden.
142
G. Müli.er, Die Rudisten der Oberen Kreide
Radiolites pusilliis Lundgren.
Taf. XVIII, Fig. 5-11.
1870. Radiolites suecicus var. pusillus Lgn., Acta Universitatis Lundensis, S. 9,
Fig. 8 — 15.
Nach einer freundlichen bi’ieflichen Mittheilung würde Herr
Professor Lundgren, da er sich jetzt iin Besitz eines grösseren
Materials betindet, die früher als Varietäten des R. suecicus be-
schriebenen Formen als besondere Arten von R. suecicus abtreunen.
Nachdem ich mehrere hundert Stück von R. j^usillus IjGN. von
Stapelburg untersucht habe, halte ich die neuere Ansicht Lund-
GREn’s für die richtige.
Die ausgewachsenen Individuen von R. 'pusillus zeigen nur
G — 9, in der Jugend durch gleichmässige Abstände von einander
entfernte Längsrippen, während R. suecicus im Alter 12 — 15 Längs-
rippen besitzt. Die conische Unterschale ist stets mit deutlichen
Anwachsstreifeu bedeckt, wodurch sich R. pusillus leicht von
R. hercynms trennen lässt. Ausserdem sind die Läugsrippen
weniger kräftig, als die der letzteren Art. Die Uebereiustimmung
mit den schwedischen Exemplaren i) dieser Art ist eine gute. Zum
Vergleich habe ich einige Formen von Östra Kamp (Hallaud) mit
abbilden lassen. (Taf. XVIII, Fig. 5a — 5c.)
Als Vai'ietäteu kann man zwei Formen ausscheiden, von
denen die eine eine kurze ki’eiselförmige, die andere eine conisch-
cylinderförmige Gestalt besitzt. Die erste Varietät benenne ich
R. pusillus var. brecis (Taf. XVIII, Fig. 8a — 8 d) und die ver-
längerte R. pusillus var. elongatus (Taf. XVIII, Fig. 7a — 7c).
R. brevis zeigt starke, stellenweis lamellöse Anwachsstreifen. Beide
Abarten sind mit der Ilauptform durch zahlreiche Uebergangs-
formen verbunden. Die Mündung ist bei der Stammform häufig
ausgebogen, was bei der schlanken Varietät jedoch nur selten zu
beobachten ist.
') Lundgren’s Beschreibung lautet: R. valva inferiore coiiica, 7 — 9 costis
longituclinalibus plus minus emiuentibus, striis transversalibus tenuibus ornata;
intervallis quam costis majoribus. Long. 8 — 20 Millimeter.
am nürdlichen Harzrande.
U3
B. imsiJlus tritt eiuzelu und in Kolonien auf. Ich fand eine
Kolonie von 8 Individuen, welche von dem spitzen Ende der
Unterschale an zusammengewachsen waren, ähnlich wie die unter
Fio-. Hau. 11b abo-ebildete Kolonie. Seltener ist der Fall zu
Ö Ö
beobachten, dass ein jüngeres Exemplar sich an einem älteren
Individuum festheftet, äusserlich vergleichbar einer Knospe, welche
seitlich aus dem Mutterthier hervorsprosst (Fig. 10).
R. 2^usilh(.s Lgn. ist mir bis jetzt im nördlichen Deutschland
nur von Stapelburg bekannt, dort ist er allerdings die häufigste
Versteinerung.
Radiolites siihlaevigatiis Lundgren.
Taf. XVIII, Fig. 12 a — 12c.
18G9. Radiolites suecici/s var. sublaeviyati/s Lundgren, Acta Universitatis Lun-
densis, S. 10, Fig. 16 — 24.
»Valva inferiore elongato-conica, superne elargita et saepius
in alam producta laevis aut costis perpaucis munita. Long. 7 bis
18 Millimeter« lautet die LuNDGREN’sche Beschreibung. Nachdem
ich anfänglich geneigt war, diese Art als Varietät der vorigen
zu deuten , habe ich herausgefunden , dass sie zur Zeit als selb-
ständig anzusehen ist. Es fehlen die Uebergänge, welche den glatten
R. suhlaevigatus mit dem längsgerippten R. 'jtnisillus verbinden. Nicht
zu verwechselu mit dem echten R. suhlaeoigatus sind angewitterte
Exemplare von R. imsillus, bei denen dann die Schalstructur er-
kennbar wird. Selbst ganz jugendliche Individuen von R. imsillus
sind mit deutlichen Längsrippen versehen. Anwachsstreifen fehlen
oder sind nur schwach angedeutet, ähnlich wie l>ei R. hercynius
Ewald.
Selten bei Stapelburg.
Radiolites Rosae Roem.
Taf. XYIII, Fig. 1.
1866. Radiolites Gosae Roe.mer, Palaeontogr. Bd. XIH, S. 196, Taf. XXII, Fig. C.
Diese Art ist nahe verwandt mit Radiolites suecicus Lgn.
(Taf. XVIII, Fig. 2). R. Gosae hat wie die schwedische Art im
144
G. Müller, Die Rudisten der Oberen Kreide
Alter etwa 12 Längsrippeu, die durch gleichmässige und ebenso
breite Zwischenräume von einander getrennt sind. Ausserdem ver-
laufen An wachsstreifen im Zickzack über die Oberfläche der
conischen Unterschale. Bei R. suecicus stehen die scharf sich ab-
hebenden, parallel der Mündung verlaufenden Streifen ge-
drängter als bei der subhercynischen Art. Die Rippen sind bei
der schwedischen Art durchweg gerundeter als bei R. Gosae.
Die Münduns des R. suecicus ist häufio- schwach nach aussen
gebogen, was ich bei R. Gosae bis jetzt nicht beobachtet habe.
Roemer giebt 6 — 8 schmale Längsrippen an. Das auf
Taf. XVIII, Fig. 1 abgebildete Exemplar ist etwa in ein Drittel der
Läuse unten abgebrochen. An dem unteren abgebrochenen Ende
waren blos 9 Rippen vorhanden, die durch Einschiebung von 3 oben
auf 12 augewachseu sind. Ein Jugendexemplar, welches sich im
Besitz des Herrn Schucht in Oker befindet, zeigt 9 Längsrippen.
Auch bei diesem Stück ragen die Anwachsstreifen in den Zwischen-
räumen zungeuförmig nach oben.
RadioUt.es Gosae findet sich selten am Sudmerberg.
Die Beziehungen der eben besprochenen Arten lassen sich
am besten durch folgendes Schema deutlich machen:
R. liercynius Ewald. R. Gosae Roem.
R. sublaevigatus Lgn. R,. pusillus Lgn. R. suecicus Lgn".
Was nun die zeitliche Verbreitung der eben beschriebenen
Arten anbelangt, so treten Radiolites liercynius Ew. und R. Gosae
Roem. im festen Sudmerbergconglomerat anf, welches ich als
gleichzeitige Bildung des Quaders bei Blankenbui’g auftasse.
R. liercynius findet sich dann noch in dem Trümmerkalk von
Stapelburg, wo er jedoch nicht mehr so gross wird. An der
letzteren Localität bilden R. pusillus Lgn. und R. sublaevigatus Lgn.
mit R. liercynius die gewöhnlichsten Versteinerungen. Da diese Ru-
disten-Arten nach Angabe von Lundgren’) nur in dem Ignaberga-
9 ÖlVersigt af Sveriges Mesozoiska Bildniiigar. Lund 1888, S. 30.
am nörcllichon Harzranclo.
145
kalk oder der Zone mit Actinocamax mnmmillatufi Nilss. in Schweden
(nach Schlüter synchronistisch mit der deutschen Qnadrateu-
kreide) Vorkommen, so liegt ein Vergleich des Trümmerkalks von
Stapelburg mit dem schwedischen »Grus- oder Trümmerkalk«
sehr nahe.
Sehen wir ganz von der petrographischen BeschaiFenheit des
Trümmerkalks ab, welcher sich unter denselben Bedingungen ge-
bildet hat wie der Ignabergakalk, so wird die Möglichkeit, dass
beide Bildungen in demselben oder wenigstens annähernd dem-
selben geologischen Zeitabschnitt entstanden sind, durch einen
Vergleich der bezüglichen Faunen sehr wahrscheinlich gemacht.
Lundgren (a. a. O.) führt von Versteinerungen aus den Igua-
bergakalken folgende Arten au:
Actinocamax mammillatus Nilss.
Belemnitella mucronata Schltii.
Ostrea auricularis Wahl.
» sidcata Blum.
» laciniata NiLSS.
» acutirostris NiLSS.
» curvirostris Nilss.
» vesicularis Lam.
» diluviana L.
Pecten subaratus Nilss.
» pidchellus Nilss.
Janira qiiinqtiecostata Sow.
Radiolites siiecicus Lgn.
Crania Ignahergensis Retz.
» craniolaris L.
Magas spathidatus Wahl.
» costatus Wahl.
Terebratidina striata Wahl.
Ceriopora stellatae Golde, aff.
Caratomus peltiformis Wahl.
cf. Cyclolites disco'idea Mich.
b Neues Jahrbuch für Mineralogie 1870, S. 9G3 und Palaeontographica Bei. 2t,
S. 196.
Jahrbuch 1889.
10
146
G. Müller, Die Rudislen der Oberen Kreide
Vou den aufgezählteu Versteinerungen haben ausser Radiolites
suecmtü Lgn. ihre Haiiptverbreitung in der Mammillatus-Zoxie:
Ostrea auricidaris Wahl, und Magas spat/ndatus Wahl. Belem-
oiitella mucronata Schloth. tritt schon vereinzelt in der Mammdlatus-
Zoue auf, während Actinocamax mainmülaüis^ii.^^. in der typischen
Mucronateukreide fehlt. In dem Stapelburger Trüinmerkalk fand
ich ausser zahlreichen Foraminiferen, Spongien, Korallen, Bryo-
zoeu und 6Vc7am-Stacheln , folgende bekannte Mollusken nnd
Brachiopoden :
Ostrea auricidaris Wahl.
» cancdiculata Sow.
» cf. sigmoidea Keüss.
» vesicidaris Lam.
» hippopodium Nilss.
» pusilla Nilss.
Vola quinquecostata Sow.
Radiolites pusillus Lgn.
» sublaevigatus Lgn.
» hercynius Ew.
Orania Ignahergensis^ var. paucicostata BoSQU.
Rhynchonella plicatilis Sow.
Terehratidina striata Wahl.
Magas spat/ndatus Wahl.
Thccdea cf. digitata Sow.
Ostrea auricidaris ist bei Stapelburg eine sehr häufige Art,
vou den Austern die häufigste.
Radiolites pusillus Lgn. und R. sublaevigatus sind mir bis jetzt
von keiner anderen Localität aus dem nördlichen Deutschland be-
kannt. Magas spat/ndatus Wahl. erreicht die Grösse der aus
den Ignaherga- Schichten herrülirendeu Formen und stimmt auch
sonst mit dem schwedischen Vorkommen gut überein. Orania Igna-
b ScHLÖNBACH (Palaeontogi'. Bd. XIII, S. 305, Taf. 39, Fig. 9, 10, 12) führt
als norddeutsche Fundorte für M. spatlnilatus Gr. Bülten, Klosterholz bei llsen-
burg und einen Punkt zwischen Harzburg und Schlewecke a. H. an. An den
beiden letzteren Fundpunkten hat Beyrich diese seltene Art zuerst gesammelt.
am nördlichen Harzrande.
147
bergensis var. 'paiicicostata ist bei Stajiell^urg eine der gewölmlicliereu
Arten. Thecideu cf. digitata^ welche in Schweden sowolil in der Zone
des Actinocumaw mammillaüis'i^i'L'i^B. als auch in der typischen Mncro-
nateukreide auftritt, ist bei Stapelbnrg nach den lladioliten die am
häufigsten ?a\ findende Versteinerung; über 100 Exemplare habe ich
dort gesammelt. Die Stücke von Stapelburg zeigen die grösste
Uebereinstimmung mit den von Lundgren abgebildeten Formen.
Allerdings fehlt bei uns Actinocamax maimnillatus Nilss., der
zur Zeit mit Sicherheit nur aus der baltischen Kreide bekannt ist.
Von den sonst für die Bestimmung des Horizonts so wichtigen
Cephalopoden habe ich nur unbestimmbare Bruchstücke von Belem-
nitideu gefunden. Jedoch zählt Jasche Belemnitella mucronata
ScHLOTH. vom Burgberg bei Stapelburg auf, wo dieselben Schichten
wie in der Wiese nördlich von Stapelburg aufgeschlossen sind.
Nach den Angaben Griepenkerl’s^) findet mau in der oberen
Quadratenkreide der Umgegend von Königslutter Actinocamax
quadrahis und Belemnitella mucronata neben einander vor, und zwar
so, dass unten Actinocamax quadratus, nach oben hin Belemnitella
mucronata in überwiegender Menge aiiftritt.
Wenn mm auch somit das Vorkommen von Belemnitella mu-
cronata Schl, kein bestimmter Beweis dafür ist, dass der Trümmer-
kalk von Stapelburg als untere Alucronatenkreide zu deuten- ist,
was ich früher als möglich angesehen hatte •'*), so bilden die Stapel-
burger Kalke jedenfalls die jüngsten Bildungen der oberen Qua-
1) a. a. 0. S. 108.
Yersteinerungen der senonen Kreide von Königslutter im Herzogthum
Braunschweig, S. 10.
Ich hatte mich auf die Angabe Schlüter’s (Palaeontogr. Bd. 24, S. 203) ver-
lassen, wonach B. mucronata Schloth. in der Quadratenkreide nur vereinzelt bei
Osterfeld in Westfalen gefunden ist und die früheren Mittheilungen über das ge-
meinsame Vorkommen beider Arten, auf Verwechselung beruhend, sich nicht
bestätigt hätten. Mir schien die ScHi.üxEE’sche Ansicht über das Auftreten von
B. mucronata die richtige zu sein, da ich selbst in der Zone der Becksia Soeke-
landi bei Biewende, Loehtuni u. s. f. kein einziges Exemplar von B. mucronata
angetroffen habe, dahingegen Actinocamax quadratus in grosser Menge. Bemerkt
sei noch , dass ich an allen von mir besuchten Eundpunkten der oberen
Quadratenkreide am nördlichen Harzrande die Gattung Coeloptgchium gefunden
habe.
10*
148
G. Mülleu, Die Riidisten der Oberen Kreide etc.
dratenkreide am nördlichen Harzrande ^). Dies würde jedoch
nicht mit der Annahme im Widersj^rnch stehen, dass die Ent-
stehung der Stapelbnrger Trümmerkalke und der Ignahergakalke
mit Actinocamax 7nanvmillatus jileichzeiticr vor sich o-ecrano-en ist,
O ö O O O 7
da letztere unmittelbar unter der typischen Mncronateukreide und
über der Quadratenkreide folgen.
b Jasche (a. a. 0. S. 92) lässt sich über die Lager ungsverliältnisse der
Trümmerkalke in der Grafschaft Wernigerode wie folgt aus; Den Trümmeikalk
wird man wohl, wo nicht als die jüngste, doch wenigstens als eine der jüngsten
Bildungen der Kreideformation anzusehen haben. Er kommt auf den von Mergel
gebildeten Anhöhen, z. B. auf dem Galgenberge bei Wernigerode und dem Burg-
berge bei Stapelburg vor. Vor dom aus Muschelkalk bestehenden Wienberge
bei Ilsenburg kommt er ebenfalls auf der grössten Höhe des Mergels, obwohl
nur in losen, abgerissenen Stücken vor.
Der baltische Höhen rücken in Hinterpommerii
und Westpreussen.
Von Herra K. Keilhack in Berlin.
(Hierzu Tafel XXVI.)
Zwisclien den gut gekannten Quartärgel)ieten der nördlichen
Mark, Mecklenl)urgs und Vorponinierns einerseits, des nördlichen
Ost- und Westpreussen jenseits der Weichsel andererseits hegt
zwischen Oder und Weichsel, Ostseeküste und Thoru-Eberswalder
Ilauptthal ein ausgedehntes Gebiet, welches geologisch bisher nur
an den Rändern, nämlich an der Küste und an den Ufern der
beiden grossen Ströme einigermaassen durchforscht war. Aber
auch hier hatte die Forschung zunächst an die interessantesten
Punkte, an das anstehende tertiäre, cretaceische und jurassische
Gebirge an den Odermündungen und einigen Küstenpuidcten an-
geknüpft, wogegen nur erst ganz wenige Mittheilungen über das
Quartär dieses weiten Gebietes zu nennen sind. Die älteste, aber
gleichzeitig bisher die umfassendste und mit feinem Verständniss
geschriebene Arbeit ist M. v. d. Borne’s »Zur Geoguosie der Pro-
vinz Pommern« Q. Ohne Keuntniss Hinterpommerns ist der Auf-
satz von Kowaleswski »Materialien zur Geologie Pommerns«,
') Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. IX, S. 473 f.
Jahresber. d. Ver. f. Erdk. zu Stettin, 1887.
150
K. Keilhack, Der baltische Höhenriicken
treschriebeu und bringt iu Folge dessen auch so gut wie gar
o O O O O
keine neuen Beiträge znr Kenntniss unseres Gebietes. Für die
Neuinark, speciell für den Kreis Königsberg, hat Zache versucht
die GElNiTz’schen sogenannten »Geschiebestreifeu« Mecklenburgs
über die Oder hinüber nach Südosten weiter zu verfolgen. Das
Gezwungene der einzelnen Schlussfolgerungen, die der Autor zieht,
erklärt sich daraus, dass derselbe ein mit Ueberschreiteu der Oder
einsetzendes Uitibiegen der Streichrichtuug des Höhenrückens um
fast 90® und damit verbundenes Umsetzen der Richtimg eines
Theiles derjenigen Bildungen, die hier den mauuichfach zusammen-
gesetzten GEiNiTz’schen Geschiebestreifeu entsprechen, nicht richtig
erkannt hat. Im übrigen gielit es über das Quartär dieser Ge-
biete nur noch einige Mittheilnngeu von Jentzsch, Ebert und
Berendt über das Diluvium der hart an der Weichsel liegenden
Blätter der Gegend von Mewe und Nenenbnrg. Die ofieubar sehr
zweifelhaften Angaben Friedel’s'^) über das Auftreten von Schichten
mit reicher mariner Fauna iu der Nähe von Colberg am Rande
des Persantethales übergehe ich hier.
Vor zwei Jahren, 1888, von der Direetiou der Köuigl. geol.
Laudesaustalt mit der Ausführung von Specialanfnahmeu im Maass-
stabe 1 : 25000 in der Gegend von Nenstettin und Bnblitz, süd-
lich von Cöslin, beauftragt, erhielt ich gleichzeitig die Anweisung,
die weitere Umgebung meines xVufuahmegebietos, soweit es für ein
Verständuiss der iu jenem anftreteudeu Bildnugen erforderlich
wäre, zu bereisen. So habeich es mir denn angelegen sein lassen, den
Regierungsbezirk Cöslin und die an densellien im Süden und
Osten angrenzenden Theile der Provinz Westpreussen auf einer
grossen Alenge von Linien, deren Gesammtlänge gegen 1200 Kilo-
meter beträgt, zu bereisen, um einen Ueberblick über den Auf-
') lieber Anzahl und Verlauf der Gescliieberücken im Kreise Königsberg
i. Neumark. Zeitschr. f. d. ges. Naturwiss. Bd. Gl, S. 3D — 59. Halle a. S. 1888.
2) Meist im Jahrb. d. Königl. preuss. geol. Landosanstalt und in den Ver-
öffentlichungen der physik. -Ökonom. Ges. in Königsberg.
Beitrag zur diluvialen Nordseefauna Hinterpommerns. Zeitschr. f. Malaco-
zool. 1884.
in Hinterpommern und Westpreussen.
151
bau des ganzen Landes von der Küste bis hinül)er über den Höhen-
rücken zu gewinnen. Die Menge der Beobachtungen gestattete
mir, in kleinem Maassstabe ein Uebersichtskärtchen (Taf. XXVI)
des Gebietes zwischen Colberg und Danzig zu geben, welches im
Grossen und Ganzen wohl Anspruch auf Richtigkeit machen kann,
während im Einzelnen die Grenzen durch die Specialaufuahmeu
zahlreiche kleinere Veränderuniren erfahren werden.
O
ln den folgenden Blättern erstatte ich über die auf diesen
Reisen und bei Gelegenheit der Specialaufnahmen gewonnenen
Ergebnisse Bericht. Ich werde zunächst den zonenweisen Auf-
o
bau des ganzen Landes beschreiben und sodann zur näheren Schil-
derung zweier dieser Zonen, die zusammen die baltische Seenplatte
bilden, übergehen.
Wie in Schleswig-Holstein durch Meyk ein parallel zur Küste
verlaufender zonenweiser Aufbau des Landes nachgewiesen wurde,
so gelang es mir, eine ähnliche Anordnung auch im östlichen
Hinterpommern aufzufinden, nur dass es sich hier nicht mehr um
3, sondern um 5 resp. 6 solcher Zonen handelt. Dieselben sind
an der Küste beginnend folgende:
1. Das Gebiet der Stranddünen, Haffseen und aus solchen
hervorgegangenen Moore. Anf der gesammten, 263 Kilometer
langen Küstenstrecke von der östlichen Odermündung bei Dieve-
now l)is Rixböft, wo die Halbinsel Heia sich abzweigt, tritt nur
auf einer Linie von 49 Kilometer das Diluvium, darunter auf
15 Kilometer mit Steilufern, an das Meer heran. An der ganzen
übrigen Küste aber liegt zwischen dem Strande und der diluvialen
Hochtläche ein Dünenzug, hinter welchem ausgedehnte, 1 — 4 Meter
tiefe Binnenseen, die Reste alter Haffe, oder durch Vertorfung aus
ibneu hervorgegaugene Moore, sowie alluviale oder jungdiluviale
ebene Sandflächen sich finden. Die bedeutendsten dieser Haffseen
sind, von Westen nach Osten gezählt, der Kamp-, Jamund’sche-,
Buckow’sche-, Vitter-, Vietziger-, Garde’sche-, Leba- und Sarbsker
See. Der Zarnowitzer See ganz im Osten ist in nordsüdlicher Rich-
tung zwischen diluvialen Ufern eingesenkt und gehört einem anderen
Typus an. Diese mehrfach unterbrochene Zone ist die schmälste.
152
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
erreicht aber au ihrer breitesteu Stelle immerhin einen Durch-
messer von 12 Kilometern, während derselbe im Durchschnitt etwa
3 — 4 Kilometer beträgt i).
Die einförmige, völlig ungegliederte Küste Hiuterpommerns
gewinnt ein ganz verändertes Aussehen, wenn wir alle diese Alln-
vialbildnugeu beseitigt und den Dilnvialraud als Küsteuliuie uns
denken. Daun sehen wir eine der meckleubui'gischeu und schles-
wigscheu ähnliche Küste mit voi’gelagerten Inseln, flachen B achten
und Audentnugen von Föhrdeu. Auf die Inseln oder den Süd-
raud dieser Zone fallen alle Punkte oberflächlich anstehenden
älteren Gebirges der Kreide- und Juraformation, die wir im nörd-
lichen Theile des Landes zwischen Oder und Weichsel kennen,
das Turon bei Lebbiu, Jura und Senou bei Cammiu, Seuon bei
Fiukenwalde, das jüngst von Dr. Krause anfgefuudene Aequi-
valeut der Arnager-Grüusande auf der Horst -Kevahrschen Dilu-
vialiusel und der Jura von Bartiu, südlich Colberg. Weiter nach
Osten ist älteres Gebirge nur erbohrt, nicht mehr anstehend beob-
achtet.
2. Die nächste Zone stellt orographisch ein flaches 10 bis
80 Meter ü. M. gelegenes Plateau dar, welches nur hier und da
von bedeutenderen Erhebnugeu überragt wird. Es wird durch-
zogen von ganz flach eingesenkteu, meist schmalen, moorerfüllten
Thälern, in denen die vom Höhenrücken nlederströmeudeu Küsten-
flüsse in trägem Laufe den letzten Theil ihres A¥eges znrücklegeii.
In geologischer Beziehung bestehen diese ansgedehnten Ebenen
zum weitaus grössten Theile aus Geschiebemergel, den mau ans
mehreren Gründen als zum Oberen Diluvium orehörio- rechnen
O o
muss; er ist es, der die hervorragende Fruchtbarkeit gerade dieses
Theiles von Pommern bediugt. In dieser Zone liegen 8 von den
20 Städten des Kegiernngsbezirks Cösliu und zwar die grössten,
durch sie zieht in ihrer ganzen Länge die Hauptverkehrsstrasse
Hiuterpommerns, die Stargard - Dauziger Eisenbahn, sich hin-
durch.
b Ausführliches über diese Zone siehe F. W. P. Lehma2<n, Das Küstengebiet
Ilinterpommcrns. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. 19, S. 332 — 404.
in Hinterponimern und Wcstpreusson.
153
Die z. Th. recht beträchtlich aufragenclen ITölien (Zitzower
Berge bei Rügeuwalde, Gollenberg bei Cösliu, Kevekol bei Schmolsin
am Garde’schen See, die Höhen südlich vom Lebamoor) bestehen
ans Banden des Unteren Dilnvinms und enthalten bisweilen, wie
die beiden zuerst genannten, einen tertiären Kern. Wie die
Uebersichtskarte zeigt, ist diese Zone von grosser räumlicher Ver-
breitung, da sie, nur durch unbedeutende Thäler unterbrochen,
von der Weichsel bis zur Rega und weiter sich erstreckt und
ausserdem eine wechselnde Breite bis zu 40 Kilometern besitzt.
3. Die fbUende Zone stellt bereits eine Vorstufe zum Höhen-
O
rücken dar, indem sie, au vielen Stellen ziemlich unvermittelt, aus
der grossen Geschiebemergelebeue sich heraushebt. Orographisch
ein l)ergiges, von zahlreichen oft tief eiugeschnitteneii Erosious-
thälern und breiten alten diluvialen Thälern durclifurchtes Gelände
darstellend, ist sie in geologischer Beziehung dadurch ausgezeichnet,
dass grösstentheils imterdiluviale Schichten an ihrem Aufbaue sich
betheiligeu. Es sind in den Bergen durchaus die Sande des
Unteren Diluvium vorherrschend, während an die Thäler z. Th.
ausgedehnte Abrasiousflächen sich auschliessen , auf denen die
losen Bildungen bis auf den widerstandsfähigen Unteren Geschiebe-
mergel fortgeführt sind, der nun im Vereine mit Thalschottern und
Tlialsaudeu diese thalartigen Ebenen bedeckt. Solche Flächen
schliessen sich an das Thal der Persaute und Raddüe in grosser
Ausdehnung au. In diese Zone fällt die grosse Mehrzahl der-
jenigen Punkte, au denen im Regierungsbezirk Cösliu das Tertiär
anstehend bekannt ist.
4. Haben wir von Norden nach Süden gehend dieses Gebiet
überschritten, so kommen wir, meist in ziemlich raschem Aufstiege,
auf den eigentlichen Höhenrücken und damit in die vierte unserer
Zonen. Dies ist das Gebiet der neuerdings mit dem Namen der
»Moränenlaudschaft« belegten Landschaftsform. Sie ist, abgesehen
von ihrer Höhenlage zwischen 120 und 300 Meter ü. M., charakte-
risirt durch die ungeheure Menge geschlossener Depressionen, die,
ursprünglich alle mit Wasser gefüllt, heute zum grösseren Theile
zugetorft und in Moore und Wiesen verwandelt sind. Das
zwischen diesen rings geschlossenen Becken liegende Gelände ist
154
K. Keilhack , Der baltische Höhenrücken
iu der unregelmässigsten Weise bewegt und besteht aus lauter
grösseren und kleineren Kuppen, Kegeln und kurzen Rücken.
Ebenen fehlen, von den Mooren abgesehen, dieser Landschafts-
foriii fest völlig und alle dein Terrain sich anschmiegenden Wege
zeigen einen ununterbrochenen Wechsel von Anstieg und Gefälle.
Die Grösse der Depressionen schwankt innerhalb der weitesten
Grenzen, von kleinen Löchern, die man fast überspringen kann,
bis zu Mooren und Seen von mehreren Kilometern Durchmesser.
Ein charakteristisches Bildchen von der Massenhaftigkeit dieser
Kessel, Sölle, Moore und kleinen Seen giebt der folgende Aus-
schnitt aus Blatt Persanzig in 1 : 25000 , worin die Höhen
schraffirt, die mit Alluvium erfüllten Einsenkungen weiss geblieben
sind, sowie das nebenstehende Profil durch einen Theil der Mo-
ränenlandschaft bei ATurchow. (Fig. 1 u. 2.)
In die Aloränenlandschaft fallen die höchsten Terrainerhebuiigen.
Während sie unter 120 Meter über Meereshohe kaum zu finden
ist, erhebt sie sich im östlichen Hiuterpommern bis 260 Meter, im
Thurmberg in W. Pr. soo;ar liis 330 Meter Höhe. Die Höhen-
unterschiede sind oft auf kleinem Raume höchst beträchtlich; so
beträgt derselbe zwischen den Breitenberger Höhen südlich von
Pollnow und der Sohle des Kalkbachthales bei Drawehn, die nur
1 Kilometer entfernt ist, genau 150 Meter und zwischen der Spitze
des Thurmberges und dem Spiegel des 2 Kilometer entfernten
Ostritz-Sees sogar 172 Meter.
In p^eoloKischer Beziehung ist die Aloränenlandschaft durch
das Vorherrschen des Oberen Geschiebemergels charakterisirt, der
tast allenthalben zu finden ist, da beinahe nur an den Rändern
der in die Moränenlandschaft einschneidenden Thäler Unteres
Diluvium zu Tage tritt. Diese Thäler verlaufen fast alle recht-
winklig zur Hauptrichtung dieser Zone und sind an ihren Rändern
häufiff mit Gehäimemooren bedeckt. Die Moränenlaudschaft ist
in ihrem westlichen Theile, in der Gegend zwischen Neustettin
und Callies in zwei Züge getheilt, die ziemlich parallel verlaufen
und von einander durch die im übrigen Theile die südliche Be-
grenzung bildende fünfte Zone getrennt sind.
5. Diese steht zur vorigen in einem überaus schrofien Gegen-
(1 : 25000.)
15H
K. Keilhack, Der baltische Hölienriicken
Satze. Ausjredehüte Ebenen mit p-erino'er ■wellenfönnio-er Bewesima’-,
O O O O O ö”
von vereinzelten Sandbergen durchragt, durchschnitten von vielen
oft tief eingeschnittenen Rinnen, in welchen zahlreiche meist lang-
gestreckte Seen liegen — das ist das orographische Bild dieser
grösstentheils in der Provinz Westpreussen liegenden Zone. Auf-
gebaut ist sie fast ausschliesslich aus Sauden und Schottern, die,
wenn sie feinkörnig werden, was meist im südlichen Theile dieser
Zone der Pall ist, Veranlassung zur Düneubilduug geben. Diese
»Haidesandlaudschaft« gehört bereits dem Stromgebiete der Warthe
lind Netze an, während die unter 1 bis 4 genannten Zonen durch
zahlreiche kleine Flüsse direct zur Ostsee entwässern.
6. Au diese gewaltigen Sandtlächeu schliesseu sich nach
Süden in unregelmässiger Weise von Neuem Flächen Oberen
Geschiebemergels an, die plateauartig die Sandebenen überragen.
Zwischen diesen eiuzeluen Hochflächen fliessen in breiten schotter-
erfüllten Thälern das Schwarzwasser, die Brahe, die Küddow, die
Drage und andere Flüsse nach Süden zur Weichsel, Netze und
Warthe. Der Parallelismus des Ganzen aber hört schon mit
Zone 5 auf.
Nach diesen einleitenden AVorteu wende ich mich zu einer
speciellen Beschreibung der Zonen 4 und 5, die in ihrer Gesammt-
heit die baltische Seenplatte darstelleu.
Die Sloräiieiilaiidscliaft.
Versetzen wir, um ein Bild von dieser vielleicht eigenthüm-
lichsten Landschaftsform Norddeutschlands zu gewinnen, uns mitten
in dieselbe hinein. Wir stehen am Hange eines Hügels und er-
blicken vor uns ein kleines Moor. Ringsum ist dasselbe von
ähnlichen Hügeln umgeben, wie der, auf dem wir stehen, so dass
unser Horizont ein ganz eng begrenzter ist. Wir gehen in die
Einsattelung zwischen zwei dieser Kuppen und erblicken vor uns
von Neuem ein Moor in gleicher Umgebung wie das erste. Nun-
mehr besteigen wir den höchsten Punkt unserer nächsten Um-
gebuug; jetzt können wir unter günstigen Umständen 20 bis 30
solcher Aloore überschauen, die inmitten eines regellosen Gewirres
in Hinterpommern und Westpreussen.
157
von Hügeln, Kegeln und kleinen Rücken in fast immer verschie-
denen Niveaus eingesenkt sind. Wenn wir uns im Jnni befinden,
so erscheinen inmitten der wogenden grünen Saaten die Moore
wie mit weissem Schleier überzogen; das rührt her von den
Tausenden und aber Tausenden von Wollgrasblüthen, die wie
eine leichte Decke alle die Moore überziehen, deren Ober-
fläche noch nicht von Menschen zur Torfgewinnung zerstört ist.
Wir erblicken in einiger Entfernung bedeutende Höhen und be-
schliessen, durch den Blick aus der Höhe noch weitere Gebiete
in unser Gesichtsfeld zu fassen. Auf ununterbrochen wellig auf
und ab steigcendem Wee:e streben wir unserem Ziele eutaesjen.
Da sehen wir uns plötzlich aufgehalten durch ein tief eiugesenktes
Thal. Kein ebener Thalboden bezeichnet seine Sohle, sondern
vom tiefsten Punkte, wo der Bach fliesst, steigen die Thalränder
in coucaver Kurve an und bis hoch hinauf am Gehänge zieht
sich üppig grüne Wiese, hervorgegangen aus künstlich berieseltem
Gehängemoore. Prächtio-e Buchenwälder bekleiden die höheren
Theile des Gehänges, an welchem hier und da starke Quellen hervor-
sprudelu. Nach Ueberschreiteu des Thaies auf serpeutiueuartig ge-
wundenem Wege erreichen wir bald den Fuss der steil aufragenden
Berge und sehen uns plötzlich in ein ganz verwandeltes Bild ver-
setzt. Rings um uns bedecken gewaltige Mengen grosser und
kleiner Geschiebe das noch immer stark bewegte Gelände; bald
sind sie zu langen und breiten Steinwällen zusammengetrageu,
bald in einzelnen, stumpf kegelförmigen Hügeln durch den Land-
mann zusammengehäuft. Oft auch haben unsere Vorfahren im
grauen Alterthum die Gräber ihrer Angehörigen durch darüber
gehäufte Steine vor grabendem Dachs und Fuchs gesichert. Wo
der Mensch, vor der Menge der Geschiebe verzagend, noch
nicht Hand an dieselben gelegt hat, da sehen wir sie in mäch-
tigen Packungen oder in regelloser dichter Bestreuung das Ge-
lände bedecken. Nunmehr besteig-en wir zwischen Blöcken und
über dieselben hinweg die Höhe: jetzt ofluet sich ein entzückender
Blick in die Weite auf breite Thäler mit dunklem Nadelwald, auf
grosse und kleine hellgrüne Buchenwälder, auf Hunderte weiss-
schimmernder Moore in grünem Saatfelde oder auf dunkler Haide
158
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
und auf grosse uud kleine Seen, deren klare, blaue Flutlien von
allen Seiten lieraufsclrinunern. Solcher Landscliaftsbilder kann man
von den hohen Bergen der Kassubei bis an die Grenzen der Neu-
mark im Gebiete der Moräuenlandschaft viele sehen und oftmals
übertreften sie weitaus an Schönheit die vielgepriesenen ITavelland-
schaften l:>ei Potsdam und Werder.
ln geologischer Hinsicht fallt der Lövvenautheil am Aufbau
der Moränenlaudschaft dem Geschiebelehm zu. In einem sehr
grossen, vielleicht dem grössten Theile derselben bildet er, nur
von geringfügigen Verwitterungsschichten bedeckt, die Oberfläche;
im anderen Theile ist er der olierflächlichen Beobachtung durch
jüngere ihn überlagernde Schichten entzogen, unter denen aber
zahlreiche Bohrungen, Gruben, Einschuitte, Gräben u. a. ihn an-
getrofieu haben. Es ist dies dasjenige Gebilde, welches von dem
Landwirthe der pommerschen Seenplatte allgemein mit dem
Namen »Schlick« bezeichnet wird, wohingegen der Name Lehm
für den später zu besprechenden Deckthon verwendet wird. Ich
behalte in meiner Auseinandersetzung natürlich die in die Wissen-
schaft eingeführten Namen bei. Der Geschiebelehm fehlt eigent-
lich nur an den wenigen Stellen, wo das Untere Diluvium in
durchragender Lagerung auftritt, und da, wo Erosionsthäler sich
tief in dasselbe eingeschnitten haben. Der allgemeinen Begriffs-
bestimmung des Geschiebelehmes als eines ungeschichteten, aus
feinsten bis grölisteu Gesteinsbruchstückeu unregelmässig ge-
mischten Gebildes (Reibungsbreccie) schliesst sich auch der Obere
Geschiebelehm Ilinterpommerus au. In einzelnen untergeordneten
Punkten aber zeigt er recht beträchtliche Abweichuno^en von dem-
jenigen der früher bekannten Gegenden Ostpreusseus und der
Mark. Der hauptsächlichste und in die Augen springendste
Unterschied drückt sich schon in der von mir auofewendeten Be-
Zeichnung Geschiebelehm aus. Denn während in der Berliner
Gegend auf den Plateaus des Oberen Geschiebemergels das intakte
Gestein, eben der kalkhaltige Mergel in zahlreichen Gruben, Gräben
uud Hohlwegen sowie bei fast jeder Ilandbohruug in weniger als 2,
oft in weniger als 1 Meter Tiefe angetroften wird, verhält es sich
anders mit dem gleichen Gebilde des Höhenrückens in Hinter-
in Hinterpommern und Westpreussen.
159
poiiuneru. Hier ist in grossen Gebieten Gesc-liiebemergel eine
Seltenheit; nur ganz ausnahmsweise wird er in besonders tiefen
Wegeeinschnitten, wie sie das stark coupirte Terrain öfters nöthig
macht, sowie in sehr tiefen, zur Moorentwässerung dienenden Gräben
oder in grösseren Gruben angetroften. Ueber ihm liegt allgemein
eine mächtige Decke eines ganz und gar kalkfreien Lehmes, die
ihrerseits wieder oberflächlich von wenig mächtigem lehmigen Ver-
witterungssande überlagert wird. Bei dieser Seltenheit des uuver-
witterten Gebildes erschien es angemessen, für einzelne Blätter
die Bezeichnung Geschiebe le hm, für andere, wo er häufiger auf-
tritf, diejenige: Geschiebemergel zu verwenden. Ueber die Mäch-
tigkeit dieser Verwitterungsriude liegen eine grössere Reihe von
Beobachtungen von 7 genau untersuchten Blättern der Moränen-
landschaft vor, deren ffegenseitUe La^e die nachfolo;ende Skizze
" o Ö o o o
zeigt :
Bublitz
Gr.
Carzenburg
Gramenz
W urchow
Bärwalde
Persanzig
Neustettin
Im Folgenden gebe ich eine nach Sectionen geordnete Reihe
von Mächtigkeiten der Verwitterungsrinde, in welcher alle die-
jenigen Punkte angeführt sind, an denen der Mergel Ijeobachtet
wurde, sowie alle diejenigen, an denen er trotz grosser Mächtig-
keit der der Beobachtung zugänglichen Schichten nicht aufgefundeu
wurde. In letzterem Falle ist der Zahl, die immer die Mächtig-
keit der gesammten Verwitterungsschicht in Decimetern angiebt,
ein -H angehängt. Es bedeutet also 35 = 3’/2 Meter Lehm, dar-
160
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
unter Mergel, dagegen 35+ = 37-2 Meter Lelnn, ohne dass
sein Ende damit erreiclit wäre.
1. Gr. Carzenbnrg: 50 + , 48 + , 46 + , 40 +, 40 +,
40 +, 36 +, 36 +, 33 +, 32 +, 25 + ; 40, 35, 28,
26, 22, 17, 13, 6.
2. Bublitz: 50 +, 50 +, 45 +, 45 +, 40 +, 35 +, 30 +,
30+; 41, 30, 30, 28, 20, 15, 13, 10, 4.
3. Wurcbow: 36+, 30+, 30+, 80 + ; 50, 50, 36, 32,
30, 30, 30, 29, 29, 27, 27, 25, 25, 25, 25, 25, 25,
25, 22, 20, 20, 20, 20, 20, 19, 19, 18, 18, 16, 16,
15, 15, 15, 13, 13, 11, 9, 9, 8.
4. Gramenz: 30+, 30 +, 24 + ; 40, 29, 28, 25, 24, 22,
20, 20, 20, 19, 17, 17, 15, 14, 14, 12, 12, 0, 0.
5. Neustettin: 40 +, 40 +, 35 +, 30 +, 30 +, 30 +,
25 +, 25 +, 25 + ; 32, 30, 25, 25, 24, 20, 20,
20, 17, 17, 15, 15, 15, 15, 15, 12, 12, 11, 10,
10, 10, 9, 8, 8, 8, 8, 5.
6. Persanzig: 36 + ; 35, 33, 21, 20, 18, 17, 17, 16, 15,
15, 14, 14, 14, 12, 12, 11, 10, 10, 10, 10, 10, 10,
8, 8, 8, 8, 6, 6, 6, 5, 5, 5, 5, 5, 5, 5, 4, 4, 0, 0.
7. Bärwalde: 70+, 40+, 30 + ; 40, 37, 30, 26, 20, 20,
19, 17, 16, 16, 15, 15, 15, 15, 14, 13, 12, 10,
10, 10, 10, 8, 7, 7, 5.
Aus dieser Zusanunenstellung gebt zunächst mit Sicherheit
hervor, dass von Nord nach Süd auf den einzelnen Blättern die
Zahl der Stellen, an denen der kalkhaltige unverwitterte Ge-
schiebemergel auftritt, zuuimmt, sowie dass Hand in Hand damit
die Mächtigkeit des ihn überlagernden Lehmes und lehmigen Sandes
abnimmt. Berechnet man nun die mittlere Stärke der Ver-
witterungsschicht für die Stellen, an denen dieselbe in ihrer vollen
Mächtigkeit beobachtet werden konnte, so ergiebt sich daraus für
die beiden nördlichen Blätter ein Mittel von 22,5, für die beiden
mittleren ein solches von 20,7 und endlich für die drei südlichen
von 13,6 Decimetern. Mit der Zunahme der Fundstellen des
in Hinterpommern und Westpreussen.
161
Mercrels nimmt die Zahl der Stellen ab, an denen er bei mebr
als 2 Y2 Meter Tiefe nicht nachgewiesen werden konnte.
Worin ist nun die Ursache dieser so sehr verschiedenen
Widerstandsfähigkeit eines annähernd gleichartig zusammenge-
setzten Cxebildes gegen die Einflüsse der Atmosphärilien zu suchen?
Etwa in der wechselnden Menge der letzteren in verschiedenen
Gebieten oder in besonderen Eigenschaften des Geschiebemergels
auf den verschiedenen Blättern? Der erste Umstand kann bei
der verhältnissmässig geringen Entfernung der äussersten Blätter
von einander, sowie bei der gleichartigen Lage aller sieben auf
dem Höhenrücken und in gleicher Entfernung von der Küste kaum
geltend gemacht werden. Wohl aber kommen in der chemischen
und mechanischen Zusammensetzung Unterschiede vor, mit denen
mau diese Erscheinung deuten kann. Diese Difterenzen treten
hauptsächlich in dem Gehalte an kohlensaurem Kalke und in der
relativen Menge der abschlämndiareu thonhaltigen Theile hervor.
Es wurden von allen oljigen Blättern mehrere Proben des .Oberen
Geschiebemergels auf ihren Kalkgelialt untersucht.
Diese Prüfung ergab folgendes:
o o o
Blatt
Gefundene Werthe für den Kalkgelialt
in Procenten
Mittel
in Procenten
Gr. Carzenburg . .
3,7; 1,7
2,7
Bublitz
7,8; 6,2; 5,6; 6,5
6,5
Wurcbow ....
5,3; 5,7; 2,8; 5,4; 5,7; 6,0; 5,3; 8,4; 7,0
5,7
Gramenz ....
6,4; 6,7; 6,9; 7,5
6,9
Neustettin ....
7,6; 9,5; 8,6; 6,9
8,2
Persanzig ....
9,8; 8,8; 8,4; 7,3; 8,5
8,6
Bärwalde ....
8,4; 7,1
7,8
Mit anderen W^orten; in den beiden nördlichen Blättern be-
trägt der Kalkgehalt im Mittel 5,25 pCt., in den beiden mittleren
6,1 pCt., in den drei südlichen 8,25 pCt.; also ist ein deutliches
Steigen des Kalkgehaltes in der liichtung von N. nach S. un-
verkennbar vorhanden.
Jahrbuch 1889.
11
162
K. Keilhack, Der bnltisclie HöheDrücken
Zu genau dem gleichen Resultate kommt man bei Betrach-
tung des Gehaltes der einzelnen Geschiebemergel an thonhaltigen
Theilen. Die foDeude Uebersicht möne dies zeigen:
Ö O Ö
Section
Menge der thonhaltigen Theile
in Procenten
Mittel
in Procenten
Gr. Carzenburg . .
25,1
25,1
Bublitz
10,9; 25,0; 26,6
20,8
Wurcliow ....
37,2; 35,6; 27,3; 29,5; 32,2
32,3
Gramenz ....
31,4; 30,9
31,1
Neustettin ....
38,9; 64,6; 39,8
47,8
Persanzig ....
45,0 ; 34,9
40,0
Bärwalde ....
38,3
38,3
Stellen wir die Mittelwerthe für die einzelnen Sectiousgrnppeu
mit den oben gewonnenen Werthen für die Mächtigkeit der Ver-
witterungsrinde und den Kalkgehalt zusammen, so ergiebt sich
ein fast gesetzmässiger Zusammenhang aller drei Eigenschaften
daraus :
Mittlere Stärke
der Verwitterungs-
schicht
in Decimetern
Mittlerer
Kalkgehalt
in Procenten
Mittlerer Gehalt
an thonhalligen
Theilen
in Procenten
Nördliche Blätter
22,5
5,25
21,9
Mittlei'e Blätter
20,7
6,1
32,3
Südliche Blätter
13,6
8,25
43,6
Es ist durch eine grosse Reihe von Geschiehemergel-Unter-
suchungen aus andereu Gebieten festgestellt, dass im Grossen
und Ganzen der Gehalt an kohlensaurem Kalk mit demjenigen
an thonhaltigen Theilen ab- und zunimmt, so dass mau beide
Erscheinungen als eng mit einander verknüpft lietrachten kann.
In ihrer Verbindung erklären sie jenen oben auseinandergesetzten
auffallenden Unterschied im Grade der Verwitterung vollkommen.
Die grössere Menge der thonhaltigen Theile bedingt eine grössere
in Hinterpommern und Westpreussen.
163
Undvirclilässigkeit des Bodens gegenüber den chemisch zersetzenden,
anslaugenden Atmosphärilien, und die grössere Menge des Kalkes
wieder hat eine Verlangsamung des Entkalkungsprocesses zur
Folge. So kann, da beide Faktoren Hand in Hand arbeiten, ein
Unterschied im Gehalte au kohleusaurem Kalk um 2 — 3 pCt., ein
solcher in der Menge der thoiihaltigen Theile um 10 — 20 pCt.
auf die Stärke der Verwitteruugsrinde von grossem Einfluss sein.
Um zu sehen, ob der Kalkgehalt des Geschiebemergels von
ol)en nach unten zunimmt, wurden 4 Proben von der oberen
Grenze des kalkhaltigen Gebildes mit 4 solchen der gleichen Auf-
schlüsse aus — 2 Meter grösserer Tiefe verglichen. Das im
Ganzen negative Resultat zeigt die folgende Zusammenstellung,
aus der gleichzeitig hervorgeht, dass auch rücksichtlich der thou-
haltigeu Theile keine durchgehende Zunahme stattfindet.
Ort
der
P robeeutnalime
Kalkgehalt
an der
oberen Grenze
Desgl. in
grösserer Tiefe
Gehalt
an thonhaltigen
Theilen an der
oberen Grenze
Desgl.
in grösserer
Tiefe
Grube an der
Chaussee nördlich
Wurchow
7,0
37,2
35,6
1. Chaussee-
einschnitt von
Zechendorf
nach Gramenz
G,02
5,34
29,5
32,2
2. Einschnitt
daselbst
G,35
G,72
—
—
3. Einschnitt
daselbst
G,87
7,50
31,4
30,9
Der Obere Geschiebemergel l>esitzt auf allen Blättern gleiche
Farbe in seinen oberen Theilen, die durchweg gelblich gefärbt
sind, wie in der Umgebung von Berlin ; dagegen kann mau mehr-
fach in tieferen Aufschlüssen beobachten, dass diese gelbe Farbe
auch nur Resultat der Verwitterung ist, dass die ursprüngliche
Farbe des Oberen Mergels aber eine dunkele, in feuchtem Zu-
stande schwarzgrane , in trockenem mehr hellgraue ist. In meh-
11
164
IC. IvEiLHACK, Dor baltische Höhenrücken
rereii tiefen Einschnitten der Bnblitz-Gramenzer Chaussee liess
sich das gut sehen. Diese Verfärbung, auf der Oxydation von
Eisenoxydulsalzen beruhend, reicht im Allgemeinen bis zu einer
Tiefe von 6 — 7 Metern herunter.
Wie mächtig der Obere Greschiehemergel im Durchschnitte
ist, lässt sich nicht sagen, da selbst in Tiefen von 8 — 10 Metern,
wie sie in einzelnen Wegeeinschnitten, Gräben und Gruben erreicht
werden konnten, sein Liegendes noch nicht angetroften wurde.
Am Rande der Erosionsthäler und in der Nähe der Durchragungen
des Unteren Diluviums ist natürlich seine Mächtigkeit viel geringer,
so dass man hier vielfach mit dem 2 Meter-Bohrer den ihn unter-
lagernden Sand erreichen kann.
Der Obere Geschiebemergel besteht in den meisten Fällen
aus nur einer Bank; indessen konnten an einzelnen Stellen, so
auf Blatt Gr. Carzenburg östlich von Porst und auf Blatt Per-
sanzig nördlich von Eschenriege, zwei verschiedene Bänke von
Geschiel)elehm unterschieden werden, von denen die obere nur in
kleinen dünnen Decken noch vorhanden und von der unteren
Bank durch eine stellenweise recht beträchtliche Sandfolge ge-
trennt ist. Ein Profil dieser Lagerungsverhältnisse an der erst-
genannten Lokalität, in welchem der vermuthete Zusammenhang
der unteren Bank durch eine puuktirte Linie angedeutet ist, möge
hier seinen Platz finden.
Fig. 3. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 : 5000.)
Oberer Geschiebcmergel. Gescblebesand. Moor.
Untere Bank. Obere Bank.
Eine Erklärung dieser Erscheinung wird weiter unten im
Zusammenhänge mit der Entstehung der gesammten Moränen-
o O Ö
landschaft zu geben versucht werden.
in Hinterponimern und Westpreussen.
165
Der Gescliiebemergel ist das Urspmngsproduct, aus dem auf
dem Wege einer natürlicheu uasseu Aufbereitung alle übrigen
diluvialen Gebilde der Moränenlandschaft hervorgegaugen sind.
Derartige aus dem Gescliiebemergel entstandene Bildungen finden
sich in dem von mir untersuchten Geliiete in allen Korn-
grössen als Thone, Sande, Geschiebe-Sande und Grande, Geröll-
beschüttungen und Blockanhäufungen. Ich werde sie der Reihe
nach beschreiben und mit den Gebilden geringster Korngrösse
beginnen.
1 . Thon resp. Thonmergel. Derselbe tritt in zwei überaus
verschiedenartigen Formen der Lagerung auf:
a. dem Geschiebelehm aufgelagert, ohne Saudbedeckung
oder Sandzwischenlagerung;
b. dem Geschiebesande des Oberen Diluvium eiuöfelajrert.
Die unter a genannte Form des Thones, für die der in Ost-
prenssen gewählte Name »Deckthon« als ein sehr glücklicher zu
bezeichnen ist, gehört durch ihre höchst eigenthümliche Lagerung
zu den auffälligsten und vorläufig auch zu den räthselhaftesten
Gebilden der Moränenlandschaft. Er tritt auf fast allen unter-
suchten Blättern in zahlreichen kleinen Flächen von meist rund-
licher oder elliptisclier Begrenzung auf, ausserdem aber bildet er
im südwestlichen Theile von Blatt Bublitz und der Nordhälfte von
Blatt Wurchow grosse zusammenhängende Flächen, die bis 3 Kilo-
meter Länge und 1 Kilometer Breite besitzen. Dieselben liegen
in der Regel deckenartig auf den Bergen und überkleiden grade die
höchsten Erhebungen dieses Gebietes. Von diesen Höhen, auf
denen sie manchmal ausgedehnte Ebenen bilden, ziehen sie sich
an den Gehängen herunter, aber nicht auf allen Seiten gleich
weit, sondern bald tiefer, bald weniger tief am Al)hange hören
sie auf, und der sie imterlagernde Geschiebelehm tritt überall unter
ihnen hervor. Zwei solcher charakteristischen Thouberge sind
der Lindenberg und der Bahrenberg auf Blatt Wurchow. In
den folgenden Darstellungen ist der erstere im Querschnitt und
im Kartenbilde, der letztere nur im Querschnitt gegeben.
166
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
Fig. 4. (1:25000.)
Oberer Deckthon. Moor.
Geschiebemergel.
Fig. 5. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 : 5000.)
Der Bahrenberg
Deckthon. Oberer Geschiebemergel. Moor.
Die Lagerung des Thoues auf zwei weiteren Tlionbergen,
dem Teiupelberg und Gruggelberg nordwestlich von Wurchow,
zeigt Protil No. 2, Seite 155. Dass hier überall der Gescliiebelehm
in der That den unmittelbaren Untergrund des Deckthones bildet,
geht nicht nur aus den Beobachtungen hervor, die man in jedem
der zahlreichen, die Flanken der Tlionberge durchtürchenden, tiefen
Wasserrisse machen kann, sondern wird auch durch Geschiebe-
in Hinterpommern und Westpreussen.
167
lehminseln bewiesen, die den Decktlion durcbragen. Mit dem
Bohrstocke kann mau deutlich ein Auskeileu des Thoues genen
Ö o
diese Lehminseln verfolgen.
Der Deckthon ist ein ausserordentlich feinkörniges Gebilde,
dessen Sandgehalt oft auf wenige Proceute herabsiukt, während
Kies und Steine ihm völlig fehlen. In Folge dieser ausserordent-
lichen Feinheit des Kornes ist er sehr undurchlässig, der Ver-
sumpfung in hohem Grade ausgesetzt und nur wenig mechanisch
verwittert, so dass von einer eigentlichen Verwitteruugsriude, wie
bei dem Geschiebelehm, kaum die Rede sein kann. Ich gebe im
Folgenden die mechanische Zusammensetzung des Deckthoues in
einem Profil und in einigen nnverwitterteu Uutergrundsbilduugen:
Ee
Ort
der
t n a h m e
Sand
Thoiihalti
Staub
0,05-
0,01“*™
ge Theile
Feinstes
unter
0,01™'“
Summa
2-
]^mrn
1-
0,5>imi
0,5-
0
0,2-
0,1 mm
o
5 1
Profil des Deckthoues bei
Althütten, Blatt Bublitz
0 — 2 Dec.
2 — 5 »
5—9 »
25,9
74,1
100,0
1,0
3,2
5,5
8,6
7,6
24,4
49,7
10,1
89,9
100,0
0,1
0,6
1,5
1,5
6,4
20,6
69,3
2,3
97,7
100,0
—
0,1
0,4
0,2
1,6
11,2
81,5
Deckthon vom
Tempelberg
bei Wurchow
9,5
90,5
100,0
—
—
—
1,8
7,7
44,6
45,9
Deckthon vom
Hüttentliess südöstl.
Schoofhütten,
Blatt Wurchow
20,0
80,0
100,0
0,2
0,6
1,6
5,5
12,2
20,4
59,6
Auch der Decktlion ist ein ursprünglich kalkhaltiges Gebilde;
indessen sind die oberen Schichten wieder entkalkt, aber bei
Weitem nicht bis zu der Tiefe, wie bei dem Geschiebemergel, viel-
mehr wird meist schon bei 8 — 12Decimeter Tiefe der Thonmergel
168
K. Keilhack , Der baltische Höhenrücken
augetrotten. Der Kalkgehalt zweier imtersuchter Proben betrug
7,2 resp. 12,2 pCt. Die Mächtigkeit der Gesamintscbicbt über-
schreitet 3 Meter wohl nur ausnahmsweise. In den kleinen Flächen
beträgt sie sogar selten mehr wie 1 Meter.
Bei dem Mangel einer Drainage und der Sitte des Abplaggeus
der Gras- und Haidekrautnarbe auf den Deckthouflächen gehören
dieselben heute grössteutheils zu den schlechtesten Kulturflächeu.
Nur an wenigen Stellen hat mau durch sorgfältige Behandlung
des Bodens denselben in Kultur gebracht und er erweist sich in
diesem Falle, wie vorauszusehen, als Weizenboden. In den mit
Deckthon überkleideten Bergen zwischen Bublitz, Wurchow und
Gramenz, die heute sumpfige, mit Wachholder und Erica be-
standene grasarnie Weiden und Haiden darstelleu, liegen Schätze
verborgen, zu deren Hebung allerdings ein beträchtliches Anlage-
kapital erforderlich ist.
In der zweiten Form, als Eiidagerung in den Sauden, die
über dem oberen Geschiebelehm lagern oder wenigstens jünger
sind, wie dieser, findet der Thon sich meist in Becken und
Rinnen, überhaupt in den niedriger gelegenen Theilen der Moränen-
laudschaft. Seine Mächtigkeit ist in diesem Falle meist unbe-
trächtlich ; er geht bis zu wenige Centimeter starken Einlagernngeii
herab und kann bis auf 1 ^2 Meter Mächtigkeit anschwelleu. Bald
bildet er in diesem Falle die Oberfläche, wie zwischen Grums-
dorf und Porst, bald liegt er unter dem Saude verborgen und
wirkt dann nur durch seine physikalischen Eigenschaften ver-
bessernd auf ihn ein.
Eine höchst auffällige Lagerung zeigt der Thon an einer
Stelle südlich von Bublitz unmittelbar uelien der Wurchower
Chaussee in der Nähe der Neudorfer Ziegelei. Er wird hier zur
Ziegelfabricatiou in zwei links und rechts der Chaussee liegenden
Gruben abgebaut. Beide Aufschlüsse stehen in verschiedenen,
oberflächlich nicht zusammeuhängeuden Thoulagern, deren Alters-
und Lagerungsverhältnisse aber offenbar die gleichen sind. Das
folgende, entlang der Chaussee von Nord nach Süd gelegte Profil
zeigt diese Lagerungsverhältnisse, soweit sie sich durch Aufschlüsse
und Haudbohrungen beobachten Hessen.
in Hinterpommern und Westpreussen. 169
Fiji. 6. (Länge und Höhe 1 : 5000.)
Steinbescliüttung.
An dem nach Norden geneigten Geliänge legt sich ein fein
geschichteter Thon nnt südlichem Einfallen direct anf den Ge-
schiel)elehm auf, welcher noch unter 51/2 Meter mächtigem Thone
erhohrt wurde. Auf den letzteren legen sich Sande aid', die nach
Süden immer mächtiger werden und in einer von der Chaussee
durchschnittenen Kuppe 10 Aleter stark werden. Diese Kuppe
wieder ist auf ihrer Spitze und an ihrem südlichen Gehänge mit
zahlreichen grossen und kleinen Geschieben bedeckt, so dass sie den
Charakter der später zu besprechenden Endmoränen auuimmt. Auch
weiter nach Süden beobachtet mau unter diesen Geschiebehilduugen
wieder den Geschiebelehm, der dann auch bald zu Tage tritt.
Der Thon ist in seinen oberen Schichten von gellter, in den
unteren Schichten von blauer Earbe; während der oberste Aleter
entkalkt ist, zeigen die unteren Schichten einen wechselnden
Kalkgehalt (8,8; 14,1; 14,7 pCt.) In Folge eines Wechsels von
thoureichereu mit mehr felnsandigeu Schichten sieht man in dem
ganzen Lager eine aussergewöhulich feine Schichtung. In der
Grube westlich von der Chaussee enthält der Thon in 2 — 3 Meter
Tiefe zahlreiche, leider ausserordentlich zerbrechliche Schalen
von Süsswasserschneckeu und Aluscheln, unter denen Planorbis
marginatus^ ein Limnaeus und ein Pisidmrn mit Sicherheit fest-
gestellt wurden.
2. Geschiebefreie Sande treten im Oberen Diluvium der
Moränenlandschaft verhältnissmässig selten auf. Sie sind in den
meisten Fällen an die Deckthone geknüpft in der Art, dass am
Rande einer Thonplatte gewöhnlich eine Stelle sich findet, an
welcher der Thon durch Saud ei'setzt ist. Es macht fast den
Eindruck, als ob in diesen Sauden eine Art Alüudungsdelta der-
170
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
jenigen Gew^ässer vorläge, welche den Thoiischlainm in diese alten
Seebeckeu liineiuführten. Da es an Aufschlüssen an der Grenze
von Sand und Thon fehlt, so ist es schwierig, diese Lagerungs-
Verhältnisse klar zn erkennen.
3. Geschieh esande und Grande sind in manchen Theilen
der Moränenlandschaft sehr verbreitet, während sie in anderen
wieder nur ganz untergeordnet anftreten. Zn ersteren Gebieten
gehören beispielsweise die kartirten Blätter Gross-Carzenbnrg und
Persanzig, sowie die Nordostecke und ein Streifen beiderseits des
Gotzelthales anf Blatt Bnblitz, zu den letzteren dagegen der west-
liche Theil von Bid:)litz, sowie die Blätter Grainenz und Wnrehow.
Man kann im Auftreten des Geschiebesaudes zwei Fälle unter-
scheiden: in dem einen ist er von geringer Mächtigkeit, 6 bis
15 Decimeter, von Geschiebelehm nnterlagert, meist ziemlich
lehmig, so dass es oft schwer wird, ihn von dem reinen Ver-
witternugssande des Lehmes zu unterscheiden. In dem anderen
Falle wird der Saud weit über 2 Meter, ja sogar 5 — 6 Meter
mächtig lind ist nur in der Ackerkrume noch etwas lehmig, im
Untergründe dagegen sehr rein ausgewaschen. In der mechanischen
Zusammensetzung sind beide noch dadurch unterschieden, dass
in dem ersteren die Geschiebe ziemlich häutig sind, während in
dem letzteren das graudige Element überwiegt. Dieser wird bei
seiner grösseren Mächtigkeit bisweilen auch noch kalkhaltig ange-
troöen, z. B. in der Kiesgrube gegenüber dem alten Chaussee-
hanse, 5 Kilometer südlich von Bnblitz an der Nenstettiner
Chaussee, wohingegen der lehmige Geschiebesand immer voll-
kommen entkalkt ist. Dieser zeigt auch in seiner Verbreitung
keine Gesetzmässigkeit, wohl aber kann man eine solche in der-
jenigen der mächtigen grandigen Sande erkennen. Dieselben
lassen sich nämlich mit mehreren Unterbrechungen in einigem Ab-
stande vom Südraude der Moränenlaudschaft von der Westgrenze
des Blattes Gross-Carzenbnrg bis zu derjenigen des Blattes Bär-
walde, also anf einer Länge von ungefähr 40 Kilometer ver-
folgen und stellen hier ein bald breiteres, bald schmäleres Band
dar, dessen grösste Breite südlich von Eschenriege 3 Kilometer
beträgt. Die räumliche Vertheiluug dieser Saude gewinnt an
in Hinterpommern und Westpreussen.
171
Interesse, wenn mau sie, wie weiter imteu geschehen wird, iu
ihrer Verknüpfung mit dem hinteren Endmoränenzuge betrachtet.
Es ist in hohem Grade wahrscheinlich , dass auch unter
diesen mächtigen Sanden der Obere Geschiehelehm lagert, aber
beweisen liess sich das eben wegen dieser Mächtigkeit nur au
wenigen Stellen, so südlich von Porst und Neuhof, südlich vom
Papenzinsee, am Rande des Persantethales, südlich von Eschen-
riege und in der Nähe des Gutes Schmitz, östlich von Bärwalde.
Im Folgenden gebe ich die mechanische Zusammensetzung
zweier Saudprofile, je eines von jeder Art:
Tiefe der
Probe-
entnahme
Grand
Sand
Thonhalt.
Theile
unter
0,05“''“
Summa
über
10'“'“
10-
in
5-
0mm
2-
] mm
1-
0,5üim
0,5-
0,2'“™
0,2- ' 0,1-
0,1™'“ 0,05'“™
Oberer Geschiebesand über
Gesehiebelehm, Vorwerk Dra-
wehn. Blatt Gr. Carzenburg
0—2 Dee.
2 — 5 »
5—8 »
0-2 »
2-5 »
5—15 »
6,4
77,3
16,3
100,0
—
—
—
6,6
20,0
25,4
10,6
14,7
6,6
80,4
13,0
100,0
—
—
—
8.2
22,6
23,2
19,4
7,0
7,4
79,3
13,3
100,0
—
—
—
8,4
20,7
25,5
16,2
8,5
Oberer Geschiebesand, nahe
dem Dorfe Persanzig.
Blatt Persanzig
10,6
77,9
11,5
100,0
1
i
—
8,7
22,1
27,8 j 15,4
3,9
22,9
73,8
3,3
100,0
11,2
2,1
9,6
12,6
33,6
23,5
3,5
0,6
25,0
73,5
1,5
100,0
14,7
1,6
12,5
29,2
25,3
6,1
0,4
4. Geschiebeb eschüttu ngeu und Packungen, die
gröbsten Rückstaudsprodnete bei der Zerstörung des Geschiebe-
mergels, zeigen sich räumlich eng miteinander verknüpft. Durch
West-Preussen, Pommern und die Neumark, von der Weichsel
172
K. Keilhack, Der baltisclie Höhenrücken
bis zur Oder, zieht sicdi, im Grossen und Ganzen parallel der
Küste, ein schmaler Streifen Landes, welcher durch die Staunen-
erregende Fülle der in ihm auftretenden Geschiebemengen in
hohem Maasse aufiallt. Diese Geschiebe sind entweder in
mächtigen Packunsfeu aimeordnet oder sie l)edecken die Oberfläche
des Bodens in solcher Menge, dass man von einer Beschüttung
desselben mit grossen und kleinen Blöcken reden kann. Im
ersteren Falle stellt die Packumr ihrer äusseren Form nach o-ewöhn-
lieh kleine Kegel oder schmale, in die Länge gezogene Rücken dar.
ln diesen, bisweilen mehrere Hundert Meter langen, 20 — 200 Meter
breiten Steinhügeln liegen Blöcke von allen Grössen , durch
grandige Zwischeumittel verbunden, so dicht auf einander, dass
man an keiner Stelle mit dem Bohrer in dieselben eiuzudringen
vermag. Diese gewaltigen Geschiebeanhäufungen tragen in jeder
Beziehung, d. h. nach Form, Inhalt und. Lagerung auf das deut-
lichste ihren Charakter als ausgedehnte Fnd- oder Stirnmoränen
zur Schau und stimmen völlig mit denjenigen Bildungen überein,
die man am F.usse der heutigen Gletscher beobachtet, wie sie sich
auch durch nichts von den als Endmoränen gedeuteten Bildungen
früher vergletscherter anderer Gelüete unterscheiden. Ich werde
sie daher im Folgenden einfach Endmoränen nennen.
In dem durch seinen Geschiebereichthum ausgezeichneten
Gebiete nehmen der Fläche nach die Endmoränen den kleineren
Raum ein. Die Hügel und Kammstücke sind entweder kurz
aueiuaudergereiht oder treten in grösseren Entfernungen von
einander auf. Dann sind die Flächen zwischen den einzelnen
Endmoränenstücken mit einer oberflächlichen Geschiebebeschüttung
von solcher Massenhaftigkeit versehen, dass es erst in einem
kleinen Theile derselben dem Menschen gelungen ist, einiger-
maassen im Kamjife um den Boden den Sieg über die Natur
davouzutragen. Da, wie wir weiter unten sehen werden, die
Lage des Geschiebezuges eine derartige ist, dass ihn auf einer
Seite nur spärlich bewohnte Gebiete begrenzen, da fernerhin die
Eisenbahn ihn auf seiner ganzen über 500 Kilometer betragenden
Länge zwischen Oder und Weichsel nur au 5 Stellen schneidet,
und der Verwerthung der Geschiebemengen aus beiden Gründen
in Hinterpommern und Westpreussen.
173
grosse, natürliche Hindernisse sieh in den Weg stellen, so
kommt es, dass in den meisten dieser Gel)iete der lleichtlmm an
Geschieben noch als eine Last empfunden wird, während er
anderwärts unter günstigen Transportbedingungen eine Quelle
lohnenden Gewinnes geworden ist. So hat denn der Mensch in
anderer Weise versucht, den Boden zu entsteinen und das massen-
hafte Steinmaterial zu beseitigen. In Folge dessen sieht man fast
uireends mehr auf <rrössereu Flächen die Gebiete der Geschiebe-
beschüttuno- in ihrem uaturwüchsig:en Zustande. Bald sind viel-
mehr die Geschiebe zu einzelnen mächtigen Steinhaufen zusammen-
getrageu , die inmitten der Felder, oft mit Buchen- und Hasel-
gestrüpp bewachsen, sich erheben, bald zu gewaltigen, l)is 1 ^2 Meter
hohen, bis 5 Meter breiten Steinmauern, in denen viele 1000 Kubik-
meter werthvoller Geschiebe für zukünftige Geschlechter aufgestapelt
liegen. Oft ziehen diese cyklopischen Mauern sich mehrere Hundert
Meter weit in die Felder, indem sie gleichzeitig die einzelnen Schläge
von einander trennen. Ein anderer Theil der Geschiebe ist der
Benutzung durcdi die Nachwelt dadurch verloren gegangen, dass
er in die Tiefen schwimmender Moore oder in Seen oder in
eigfeus zu diesem Zwecke geo-rabeue, gewaltigfe Steingfruben a’e-
worfen ist. Von der uralten künstlichen Geschiebeauhäufuug zum
Gräberschntze habe ich schon oben gesprochen. Erst der kleinste
Theil der Geschiebe ist zu Bauwerken oder zu Knnststrassen
verwendet worden. Wenn man aber das mehr und mehr sich
ausdehneude Chaussee- und Eisenliahnnetz Hiuterpommerns be-
rücksichtigt, so muss mau sich sagen, dass die Zeit nicht mehr
fern ist, in welcher mit dem Geschiebereichthum der Moräuen-
landschaft gründlich aufgeräumt werden wird. Schon jetzt sind
in der zweiten von mir beschriebenen Zone, die den grössten
Bedarf au Banmaterial für ihre Häfen und tjrossereu Städte be-
sitzt, die Geschiebe zu einer Seltenheit geworden, schon beginnt
man, au der Ostbahn bei Preussisch-Stargard, au der Neustettiu-
Stolprnünder Bahn südlich von Rummelslnirg und an der Nen-
stettin- Belgarder Bahn bei Dallenthin, den Iveichthnm des Ge-
schiebezuges anszubeuten und Danzig mid das Küstenland mit
Baumaterial zu versorg-en.
O
174
K. Kicilhack, Der baltische Höhenrücken
Ich wende mich nunmehr zn einer speciellen Beschreibung
der in den Hauptzügen ans der Uebersichtskarte Taf. XXVI leicht
ersichtlichen Verbreitung des Eudmoräneuznges von Westpreussen
bis zur Grenze der Nenmark und beginne im Osten mit derjenigen
Stelle, von welcher aus mir nach Westen hin der Zusammenhang
überall bekannt geworden ist. Dieses Gebiet, welches die Er-
scheinung nach der Menge der in ihm auftretenden Geschiebe,
sowie nach der Fläche, welche dieselben bedecken, in imponiren-
der Grossartigkeit zeigt und durch menschliche Eingriffe bisher,
wenigstens im Vergleiche mit den weiter westlich gelegenen Ge-
bieten, erst wenig Veränderungen erlitten hat, liegt in der Nähe
des Ursprungs des Stolpeflusses, 3 — 4 Meilen nordöstlich von
Bütow in der Ivichtung auf Carthaus. In diesem weit ah von
Eisenbahnen und Städten gelegenen, schwer erreichbaren Winkel
der Kassubei entströmt dem südlichen Theile des fast eine Meile
langen Gowidlinoer-Sees der Stolpetluss; derselbe durchtliesst dann
den Weugorczin-See ebeutälls von Norden nach Süden und wendet
sich hierauf in scharfem Umbiegen nach Westen. In dem auf diese
Weise gebildeten Winkel zwischen Snllenczyn , Friedrichsthal,
Kistowo und Borrek, sowie auf der gegenüber liegenden östlichen
Seite dieser Seeukette zwischen Bukowagora, Podjass, Tuchlin und
Vlischischewitz besten zwei mächtiofe Flächen mit Endmoränen
O O
und Geschieliebeschüttungen bedeckt , von denen die westliche
5 Kilometer lang und 3 Kilometer breit, die östliche 7 Kilometer
lang und bis 4 Kilometer breit ist. Südlich vom Thale des Stolpe-
tlusses, der wie ein brausender Gebirgsbach in enger Erosions-
schlucht über angehäufte Geschicbemengeu mit Stromschnellen
und kleinen Wasserfällen den Moränenzug durchbricht, findet
man beiderseits des Gr. Mansch -Sees die Gehänge noch eine
Strecke weit mit Endmoränen bedeckt, die sich bis zum Seespiegel
hinabziehen und dann verschwinden. Man gewinnt den Eindruck,
dass das Verschwinden des Zuges von hier ab nach Süden darin
seinen Grund hat, dass er unter die Finthen des Sees unterge-
taucht ist. Erst in der Nähe der Bütow - Bereuter Cli.aussee
zwischen Polzin und Nakel begegnen wir wieder grossen Geschiebe-
mengen, die sich l)is in die Nähe von Lonken nach Westen ziehen.
in Hinterponimern und Westpreiissen.
175
Hier l)ie2't der Zua; mn und Imd't über Grölieuzin nach Stüdnitz
O ö
aen Süden. Nördlich von Gröbenzin, an der Westseite des
Czarndainerow-Sees sind die Blockhügel wieder in ausgezeichneter
Schönheit entwickelt. Von Stüdnitz an erlangt der Endinoränen-
zng eine ziemlich gleichniässige Breite bis in die Gegend zwischen
Kuininelsl)urg und Bublitz. Dieselbe beträgt iin Durchschnitte
600 Meter, steigt bis 1 Kilometer und geht nicht unter 200 Meter
herunter.
Meist nur als sehr starke Geschiebebeschüttung mit ver-
einzelten Endmoränenkuppen ausgebildet, zieht sich der Zug von
Stüdnitz über die Oberförsterei Zerrin und das Dorf ßeckow in
mehreren Bogen, die seine Verfolgung erschwerten, nach Pyaschen.
Hier biegt er kurz um den Pyaschen- See herum und zieht sich
auf der Ostseite des flussartig schmalen Camenz - Sees nach
Süden bis Gllsno. Gleich westlich des Sees setzt der Zug
bei Zemmen wieder ein und läuft in südwestlicber Kichtuug über
Trzebiatkow bis an die lauge, zum Theil mit Seen gefüllte Süd-
ost-Nordvvestrinne, in welcher der Wipperfluss fliesst, südlicli von
Cremerbruch. Diese, die ganze Moränenlandschaft durchschneidende
Senke veranlasst abermals eine vollständioe Unterbrechuno- des
Zuges, der erst D/2 Kilometer weiter westlich, zwischen Briesen
und Reinwasser wieder deutlich wird. Er lässt sich weiter ver-
folgen über Birkensteiu und Gr. Peterkau nach Niederdorf, wo
die Rinne des Deepei’-Sees durchcpiert wird, dann über Schwessiu
und die Darseuer-Mühle nach Hammer. Hier hat der Reichthum
an Geschieben bereits sehr beträchtlich abgenommen, doch ver-
mochte mir der Pfarrer von Schwessiu, von dem ich manche
daukenswerthe Mittheilung erhielt, den Verlauf im Einzelnen noch
genau zu zeigen. Die Baldeuburg - Ruminelslnirger Chaussee
schneidet den Zug an einer Stelle, wo er etwas spärlich entwickelt
ist, zwischen Kl. Volz und Falkenhageu. Gleich nach Westen
hin wird er aber wieder sehr deutlich und neben den allenthalben
reichlich vorhandenen einzelnen Geschieben wieder durch zahl-
reiche Hügel aus Geschiebepackungen angezeigt, die l)esonders
f)ei Höll cewiese und Puppe sich häufen. Wir kommen nunmehr
in das speciell kartirte Gebiet. Der Geschiebezug setzt in das-
176
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
selbe ein ivn Gr. Carzenbnrger Walde südlich von Marienbnrg
und 2;elit als Steinbeschüttunp' nach Westen über den Preirotz-
See zum grossen Vettrin-See. Südlich von diesem, beiderseits
der Gr. Carzeuburg-Drawehner Chaussee, sind die eigentlichen
Endmoränen wieder in ganz hervorragender Menge entwickelt.
Sie erreichen hier auch in Bezug auf Höhe und Breite Maasse,
die ihnen sonst nicht eigen sind. Von hier aus zieht sich ein
Ausläufer nach Nordwesten in der Richtung auf Drawehn, beider-
seits der tiefen vom Lenzbach und Angerbach durchflossenen Ein-
senkung, während der Hauptzug durch das Revier Kl. Carzenburg
der Königl. Forst Oberfier bis zum Schlossberge in westlicher
Richtung weiter verläuft. An dieser mächtigen , mit zahlreichen
grossen Blöcken bedeckten Endmoräne biegt er scharf nach Süden
um und verläuft, wieder nur durch grosse Blockineugen bezeichnet,
östlich von den Pinnow-Seen in den Zul>berow, einen prachtvollen,
oleichtälls zur Forst Oberfier ffohöreuden Laubwald. In demselben
treten an mehreren Stellen wieder sehr schöne Endmoränen auf
Nun folgt eine auftällende Lücke nördlich und westlich von dem
grossen Virchow-See, die nur durch einige kleine Steinkuppen bei
Grumsdorf unterbrochen wird. Die nordwestlich von Wurchow
gelegenen, mächtigen Endmoränen sind jedenfalls auf den zweiten,
später zu besprechenden Zug zu beziehen. Erst südlich von
Wurchow, auf dem schmalen, steil abfallenden Rücken, der sich
parallel der Neustettiner Chaussee nach Süden zieht, setzen die
Endmoränen wieder ein und können mit geringen Unterbrechungen
über Gönne, Steinforth und den Pollakberg nach Gr. Dallenthin
an der Neustettin - Belgarder Bahn verfolgt werden. Bei letzt-
genanntem Orte werden die Geschiebe in grossen Mengen ge-
o O O o
Wonnen. Es ist hier sehr auffällig, dass die grossen Geschiebe,
die sonst überall dem Endmoränengebiete ihren charakteristischen
Stempel aufdrücken, sehr zurücktreten, wogegen solche von 1 bis
2 Kubikfuss Grösse und darunter weitaus überwiegen. Südlich
von Dallenthin wird durch die Persante die Moräueulandschaft
vollständig durchschnitten. Wie bei dem Wipperthale, so setzt
auch hier der Zug, bis auf wenige kleine Steinkuppen, auf 6 Kilo-
meter Länge von Gr. Dallenthin bis Raddatz aus. Von da an
in Hinterpommern und Westpreussen.
177
aber besteht ein ummterbrocbeuer Zusammenhang nach Westen
hin bis an die breite Einne nördlich von Falkenberg, in welcher
der Zetzin-See liegt. Gleichzeitig geht der Zng wieder in seine
alte Hanptrichtnug von Ost-Nord-Ost nach West-Süd- West über.
Die einzelnen berührten Orte sind von Raddatz an Gissolk, Cölpiu,
Fried riclisberg, Kriegstädt, Oerden, Klöpperfier und der Südraud
der Clanshagener Forst. Fast überall markiren ausgedehnte, echte
Endmoränen hier das Auftreten des Gescliiehezuges. Nach einer
kurzen Unterbrechung durch das tief eiugeschnittene, enge Thal
des Drageflusses liegt die Fortsetzung südlich von Lehmanniugen,
hei Schmidtentliiu und Neu-Wuhrow. Besonders in der Umgehung
des letztgenannten Ortes, wo ausserdem, veranlasst durch den
tiefen Einschnitt des Tützfliesses und Zetziu-Sees eine scharfe,
kn rze Umbiegung nach Süden eintritt, ist die Menge der Geschiebe
wieder eine ganz ungeheure. Jenseits der Einseukuug beginnt
der Zug wieder bei Wusterwitz und geht über Dolgen nach
Sarrauzig.
Bis hierher, d. h. von Sirllenczyn an gerechnet auf einer Linie
von '200 Kilometer Länge, stehen die Beobachtungen im Zusammen-
hänge. Aber auch über die Fortsetzung des Geschiebeznges nach
Osten und Westen habe ich bereits eine Reihe von Beobachtungen
gemacht, welche den Schluss gestatten, dass auch in Westpreussen
und in der Neumark der Zusammenhang des Zuges ein ebenso
vollkommener ist, als in dem beschriebenen pommerschen Theile des
Höhenrückens. Beginnen wir bei der Besprechung der einzelnen
Punkte wiederum im Osten. Wie die Karte zeigt, liegt zwischen
Bütow imd Karthaus der nördlichste Punkt, welchen der Geschiebe-
zng erreicht. Von hier ans liegen die einzelnen, als Fortsetzung
zu l;etrachteuden, beobachteten Punkte in südlicher Ins südwest-
licher Richtung. Es folgen zunächst beträchtliche Geschiebe-
anhänfuugei] in der Umgebung von Skorzewo, daun ein weiterer
Punkt bei Bereut. Nach einer grösseren Lücke in der Beob-
achtung folgen wieder einige Punkte nordwestlich von Hochstüblan,
einer Station der Ostbahu, kurz vor Preussisch-Stargard. Südlich
von dieser Stadt fanden sich wieder eudmoränenartige Bildungen
zwischen den Ortschaften Bobau und Snmmin. Als zweifelhaft
Jahrbuch 1889.
12
178
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
muss ich es vor der Hand liiustelleu, ob die weiter im Süden im
Unterlaufe des Schwarzwasserflusses auftretenden Geschiebe-
anhäufunofen zu diesem Zuo-e oder bereits zu einem weiter süd-
lieb gelegenen gehören. Dort treten nämlich in der Umgebung
der Ortschaften Osebe, Bresiner Mangel, Splavie, Wirri, Groddeck
und Haltestelle Osche, beiderseits der tief eingesebnittenen Rinne
des Sebwarzwassers, ansgedelmte Gescbiebebeschttttungen, wenn
auch ohne eigentlichen Endmoränenebarakter, anf, die in Folge
der Nähe der Laskowifz-Konitzer Eisenbahn bereits massenhaft
ausgebeutet werden. Die Geschiebemassen liegen hier zum Theil
beinahe direct auf den bekannten Tertiärbildungen des Sebwarz-
wassertbales.
Mit den zuletzt genanuteu Bildungen sind wir in der Nähe
der Weichsel angelangt, da der nächst gelegene Punkt des Thaies
derselben, die Stadt Sebwetz, nur noch 10 Kilometer von der
Haltestelle Osche entfernt ist.
Nach Westen bin scbliesst sich an die Endmoränen am
Sarranzig-See nördlich Dramburg weiter nach Osten bin zunächst
ein Punkt bei Alt-Storkow in der Nähe von Nörenberg an. Hier
macht der Zug abermals eine scharfe Umbiegung nach Süden
denn das nächste, in einer Länge von einer vollen Meile beob-
achtete, sehr schön mit typischen Endmoränen entwickelte Stück
des Geschiebezuges liegt direct südlich von Nörenberg und
verläuft in nordsüdlicher Richtung von dem Dorfe Bütow über
Gross-Silber nach Steinberg bei Reetz. Das südliche Ende dieses
Stückes, in welchem die höchste Erhel)ung der Neumark, der
180 Meter hohe Luftberg liegt, gehört, wie alle nuumebr folgen-
den Punkte zum neumärkischen Theile der Provinz Brandenburg.
Von solchen weiter nach Westen gelegenen Punkten gelang es
mir noch folseude zu beobachten oder zu erkunden: Bei Auixust-
wähle, Station der Kreuz-Stargarder Bahn, bei Hohengrape, west-
lich von Bernstein und an dei’ Stargard-Küstriner Eisenbahn süd-
lich von Soldin 1). Wie sich der Eudmoräneuzug weiter hinaus
0 E. Läufer, Aufschlüsse in den Einschnitten der Stargard-Küstriner Eisen-
bahn. Dieses Jahrb. für 1881, S. 527.
in Hinterpom niern und Westpreussen.
179
erstreckt, ob und in welcher Verbiiiclimg er mit dem Geschiebe-
walle der Uckermark oder der vou Berendt gefuudeueu südöst-
lichen Verlängerung desselben steht, bedarf noch der weiteren
Untersuchung ^).
Dieser in seinem vollständig beobachteten Theile 200 Kilo-
meter, einschliesslich der im Osten und Westen vermuthlich
«■leichfälls im vollen Zusammeuhauo:e stehenden Beobachtuucs-
punkte mehr als 400 Kilometer lange Endmoräueuzug hat eine
streng gesetzmässige Lage, welche, nachdem ich sie einmal er-
kannt hatte, mir seine Verfolgung und Aufsuchuug ungemein
erleichterte. Er liegt nämlich fast überall auf der Grenze der
Moränenlandschaft gegen das südlich austossende Haidesaudge)>iet
und nur au wenigen Stellen, so südlich vou Rummelsburg und
südöstlich von Bublitz greift die erstere, wie auch die Karte er-
kennen lässt, etwas über ihn hinweg. Aus diesem Grunde bilden
im Grossen und Ganzen die unfruchtbaren Steinfelder des Ge-
schiebezuges zugleich eine auffallende Grenze in Bezug auf die
Landeskultur. Demi während das fruchtbare Lehmland nördlich
dieser Grenze fast ausschliesslich als Acker verwendet wird oder
mit Laubwald bestanden ist, folgen südlich davon ausgedehnte
Haidegebiete, in welchen die menschlichen Ansiedelungen im All-
gemeinen auf die etwas fruchtbareren Thäler und Seenrinneii be-
schränkt sind.
Neben diesem raudlichen Hauptendmoränenzuge aber giebt
es in der Moräuenlandschaft noch einen zweiten weit weniger
vollständig entwickelten, aber wohl auch au viel weniger Punkten
beobachteten Geschiebezug. Derselbe liegt innerhalb der Zone,
ist in Folge dessen schwierig zu verfolgen und nur in dem speciell
kartirten Gebiete nördlich vou Neustettin vollstäiidig beobachtet
worden. Dieser zweite Zug verläuft eiuigermaasseu parallel mit
dem ersten. Andeutungen vou ihm fand ich bereits in West-
preusseu in der Gegend vom Thurml)erg und südlich davon. Auch
die auf Blatt Dirschau der geologischen Karte der Provinz
Preusseu dargestellteu, in meine Uel>ersichtskarte aufgenommenen
12*
9 Siehe den Nachtrag am Schlnsse dieser Abhandlung.
180
K. Keilhacic, Der baltisclie Höhenrücken
»Auliäuf’ungen grossei' Blöcke in lehmigem Saude« gehören jeden-
falls diesem zweiten Zuge an. Weit vollständiger konnte ich den-
selben weiter westlich auf den Blättern Gross-Carzenbnrg, Bublitz,
Wurchow und Persanzig beobachten. Hier beginnt derselbe am
Papeuzin -See bei Klein -Hütte und verläuft über Arnsberg nach
dem Johannishofe. In der gewaltigen, steinbeschütteten, 240 Meter
hohen Erhebung des Steinberges erreicht er hier den höchsten
Punkt einer weiten Umgebung. Hinter Breitenberg, dem höchst-
gelegeneu Dorfe Pommerns, dessen Besitzer sich selbst den stein-
reichsten Manu Pommerns nennt , breiten sich , nördlich von
Mühlenkamp, zwischen dem steil abfallenden Gehänge des Raddüe-
thales und dem langgestreckten, hohen Rücken der Cammiulierge
weite, steiubesäete Felder von mehreren Hundert Hektaren Grösse
ans. Nach Norden hin zieht sich dieser Zug noch über Sydow
hinaus bis in den Polluower Stadtwald hinein.
Ein weiteres Stück dieses oft unterbrochenen, rückwärts ge-
legenen Zno'es bildet die Endmoräne nördlich von Eriedenshof
Ö O
und südlich von Neuhof bei Bublitz. Ihre grösste Entfaltunff
aber, soweit ich bisher beobachten konnte, erlangen die End-
moränen dieses Zuges in dem Dreieck zwischen Wiu'chow, Bublitz
und Schofhütten, besonders in der Umgebung von Neudorf, südlich
von Wilhelmshöhe und in der Gegend von Bernsdorf. Als süd-
liche Fortsetzung sind die Moränen am Linkberge zwischen Bnch-
wald und Küssow, sowie die kolossalen Geschiebe! leschüttuugeu,
2 Kilometer nordöstlich von Escheuriege, und auf dem Fnchs-
und Sanskenberge westlich von Kliugbeck zu betrachten. Auch
zwischen Neu -Valin und Bärwalde liegende, einzelne Endmoränen-
stücke sind entschieden diesem Zim-e zuznzählen. Auch nördlich
O
von Drambnrg, in der Gegend von Pritten und Dohnafelde ist
dieser Zug entwickelt, der ein vollkommenes, nur ausserordent-
lich viel läna:eres Seitenstück zu dem zurücko[elea:enen Endmoränen-
znge in der Uckermark zwischen Fürstenwerder und Gerswalde
zu bilden scheint^). Wie bereits oben, S. 170, erwähnt, steht die
b G. Berendt, Die beiderseitige Fortsetzung der südl. baltischen Endmoräne.
Dieses Jahrb. für 1881, S. 110.
in Hinterpommern und Westpreussen.
181
Zone mächtigen Geschiebesandes , welche grosse Gebiete der
Moränenlandschaft parallel znm Rande derselben durchzieht, in
räninlichen Beziehungen zn diesem zweiten Geschiebezuge, und
zwar liegen beide ebenso zu einander, wie der Hauptendmoränen-
zug zur Haidesaudlandschaft, mit anderen Worten: er bildet die
nördliche Grenze des Saudstreifens. lieber die Wichtigkeit dieser
Vertheiliuig der Endmoränen für die Erklärung der einzelnen
Bildungen s. w. u.
Einem noch weiter zurückliegenden dritten Zuge scheint
eine Anzahl von kleinen Geschiebegrandkuppen endmoränen-
artigen Aussehens anzugehören, die sich beiderseits der Bublitz-
Grameuzer Chaussee zwischen der Stadt und dem Stadtwalde
finden und sich über Karlshof bis Doi’fstädt weiter verfolgen lassen.
Es wäre durchaus irrig, auznnehmeu, dass diese Geschiebe-
züge orograj:)hisch in ähnlicher Weise sich in der Landschaft
geltend machen, wie dies der aus diesem Grunde auch Geschiebe-
wall genannte Eudmoräneuziig der Uckermark thut. Es muss
vielmehr betont werden, dass der Charakter der Landschaft und
die Verhältnisse von Berg und Thal sich nur ganz unbedeutend
ändern würden, wenn das gesammte Material des Geschiebeznges
plötzlich fehlte. Wenn auch zahlreiche der bedeutendsten Er-
hebungen des Höhenrückens mit Endmoränen bedeckt sind, so
sind letztere bei aller Mächtigkeit doch nur, verglichen mit dem
ganzen Berge, unbedeutende Auflagerungen. Auf der anderen
Seite aber kümmert sich der Geschiebezug in keiner Weise um
die Terraiuverhältuisse. Hier überschreitet er ein tiefes Thal,
dessen beide Flanken mit mächtigen Geschiebepacknngeu l)edeckt
sind, au anderen Stellen taucht er unter Moore und Seen unter,
so dass dann nur die dem Torf oder Wasser eiitrageudeu Steiu-
iuseln von dem unterseeischen Zusammenhänge Zeugniss ablegen.
Es erübrigt unnmehr noch, mit einigen Worten über die Art
der Geschiebe zu berichten, die sich in den Geschiebe führenden
Geliilden der Moränenlandschaft finden. Dabei muss als das
Auffälligste zuerst die Seltenheit der Kalksteine erwähnt werden.
Dieselbe erklärt sich indessen leicht aus der Auslangnug- aiich
der Geschiebesande und Endmoränen durch die x'ktmosphärilieu.
182
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
cleDen durch die Durchlässigkeit jener Bikhmgen eine ausgedehnte
Wirksamkeit gestattet war. Dass ursprünglich auch ihnen der
Gehalt an Kalksteinen nicht fehlte, beweist eine besondere Art
von ausgelaugten Kalksteinen, der sogenannte todte oder Backstein-
kalk, der gerade in den Gebilden der Moränenlandschaft sehr häufia:
angetrofien wird. Es ist das, wie der bisweilen noch unverwitterte
Kern zeigt, ein durch viel Kieselsäure und Thon verunreinigter,
oft sehr versteinerungsreicher Kalkstein der Silurfonnation, welchem
der Kalkgehalt entzogen ist, so dass nur noch ein schwammartiges
Kieselskelett übrig geblieben ist. Die grosse Häufigkeit dieser
Geschiebe lässt den Schluss zu, dass auch andere Kalksteine früher
häufig vorhanden waren, und in der That konnte ich in einem Auf-
schlüsse südlich von Bublitz, in einer Kiesgrube, die bis in kalk-
haltige Schichten hinahging, sehen, dass sibirische Kalksteine
darin ungemein häufig Vorkommen. Versteiuerungsführende Ge-
schiebe anderer Formationen gehören zu den Seltenheiten. Solche
der Juraformation habe ich garnicht gefunden; ebenso wenig solche
des Tertiärs. Aus der Kreideformation begegnet man glaukonitischen
Mergeln, ln dem Geschiebelehm tritt stellenweise recht häufig
Bernstein auf. Feuerstein in den bekannten bizarr geformten
Knollen, wie er in der Schreilikreide auftritt, ist eine Seltenheit.
Um so häufiger aber findet man jene abgerollten Feuersteine von
elllpsoidischer Form, welche Meyn Wallsteine genannt hat. Sie
sind vielfach geradezu als gemein zu bezeichnen, und ich möchte
die Vermuthung aussprechen, dass, wie im südlichen England, so
auch in Ostpreussen oder angrenzenden Theilen Russlands im
Tertiär Laser solcher Feuersteine sich fanden oder noch finden,
aus deren Zerstörung durch die diluvialen Gletscher sowohl die
vereinzelten Puddingsteingeschiebe als auch die unzähligen Wall-
steine Norddeutschlands herrühren. Ich glaube, dass die Wall-
steine zur Tertiärzeit umgelagerte Feuersteine der Kreideformation
darstellen, welche durch eine heftige Brandungswelle ihre Form
erhalten haben.
Durchragungs-Zonen und Züge im Sinne Schröder’s^) fehlen
h lieber Durchragungszflge und -Zonen in der Uckermark und in Ost2ireussen.
Dieses Jabrb. f. 1888, S. Iö6.
in Hinterpommern und Westpreussen.
183
zwar der Moräuealandschaft Iliiiterpoiiunerus uicht, treten aber sehr
zurück. Eia sehr schönes Beispiel bietet die lange, schmale Berg-
kette, die südlich und südwestlich von Wurchow einen grossen Theil
der ausgedehnten Einsenkuug des Fig. 14 skizzirteu alten Sees uni-
raudet und nach Süden sich bis zu der beträchtlichen Erhebung der
Pollaksberge bei Neustettin verfolgen lässt. In der unistehendeu
Skizze (Fig. 7) gebe ich einen Querschnitt durch diesen Durch-
ragungszug, aus welchem man zugleich erkennt, dass der Zug,
dessen Dreitheiluug übrigens keineswegs an allen Stellen auftritt,
genau auf der Scheide zwischen Moränenlaudschaft und llaidesaud-
gebiet liegt. Auf seinem Bücken trägt er mächtige Beschüttungen
aus Geschiebesand und au vielen Stellen echte Endmoränen. Be-
sonders im nödlicheu Theile ist er vielfach mit Geschiebelehm
überzogen, der in seiner Lagerung dadurch auffällt, dass er gegen
den Saud hin bisweilen mit Grenzen abschueidet, die quer über
alle Höhenkurven über einen Berg hiuweggeheu.
Auch einzelne Durchraguugeu von Unterem Saude durch die
allgemeine Geschiebelehmdecke sind nicht häufig. Am meisten
noch fand ich sie östlich von Bublitz zwischen Ernsthof und
Friedrichsfelde, wo sie eine ganze Anzahl kleiner, im Terrain sich
gut heraushebender Kuppen bilden. Wie vorsichtig mau übrigens
l)ei der Beurtheiluug solcher Kuppen ans fein geschichtetem Saude
sein muss, sah ich in einer Kies- und Steiugrube bei Bütow, dei’en
Anblick ich im folgenden Profile (Fig. 8) wiedergebe.
Wäre uicht der bis tief in die sehr steinige Grundmoräue
niedergehende Aufschluss, so könnte mau sich durch die Form der
Kuppe lind durch die Feinheit und schöne Schichtung des Sandes
verleiten lassen, au eine Durchraguug zu denken, während doch
thatsächlich eine Aufschüttung auf eben gelagerter Grundmoräue
vorliegt. Den Beweis einer Auflagerung oder Durchraguug mit
Hilfe von Bohrungen beizubringen, ist wegen der in der Kegel
sehr starken Ueberrutschuugen mit Schwierigkeiten verbunden.
Nach dieser Aufzählung und Beschreibung der au dem Aul-
baue der Moränenlaudschaft oberflächlich betheiligteu diluvialen
Gebilde wende ich mich zunächst einer gleichen Beschreibung der
nach Süden folgenden Zone der Haidesandlaudschaft zu, um hierauf
Fig. 7. (Länge 1 : 12 500. Höhe 1 ; 5000.)
184
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
Geschiebesand. Sand. Steinig grandige Grundmoräne.
iii Hinterpomniern und Westpreussen.
185
eine Anzahl Beobachtungen mitzutheilen, die sich auf den Höhen-
rücken als Ganzes beziehen, und zu schliessen mit dem Vei'suche,
die Bildung der Oberflächeuformeu dieses Landrückens zu er-
klären.
Die Haidesamllamlscliaft.
Meinen weiter oben gegebenen Ausführungen über den oro-
graphischeu Charakter dieses Gebietes habe ich nur wenig hinzu-
zufügen. Unmittelbar am Bande der Moränenlandschaft ist das
grosse Haidesaudgebiet noch ziemlich uneben, al)er je weiter man
sich von derselben entfernt, um so flachwelliger wird es und geht
schliesslich nach Süden ganz allmählich in ebene Thäler über, in
welchen zwischen den einzelnen, im Süden folgenden Plateaus die
südwärts fliessendeu Gewässer des Höhenrückens ihren Weg
nehmen. In der gleichen Weise vollzieht sich von Norden nach
Süden ein Wechsel im petrographischeu CHiar;dcter. Während
nahe au der Aloränenlaudschaft grobe Schotter mit zahlreichen
kleinen Geschieben und selbst vereinzelten, grösseren Blöcken vor-
herrschen, tritt, je weiter mau nach Süden kommt, das grandige
Element um so mehr zurück, wird der Sand um so feiner und
gleichkörniger, bis er in den oben erwähnten Thälern vom echten
Thalsande nicht mehr unterschieden werden kann. Nur in diesen
südlichen Theileu treten auch Dünen in grösserem Umfange auf,
während dieselben in der Moräneulaudschaft und in den Schotter-
gel)ieteu fast ganz fehlen. Ich möchte nicht unterlassen, bei dieser
Gelegenheit zu erwähnen, dass ich auf der hiuterpommerscheu
Seenplatte bisher noch nicht ein einziges Kauteugeschiebe gefunden
habe, in einem Gebiete also, in welchem die Gletscher der Dilu-
vialzeit alle möglichen Thätigkeiten entfidtet haben. Es spricht
das wenig für Mitwirkung des Eises, sehr für die des Windes bei
ihrer Bildung.
Nur au wenigen Stellen begegnet man in der Haldesandland-
schaft anderen Bildungen, als den Sauden und Schottern des
Oberen Diluviums. An den Bändern der Seen und Binnen treten
mehrfach unterdiluviale Sande und Geschiebemergel zu Tage, und
186
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
in künstlichen Aufschlüssen werden hier und da unter der Ge-
schiebesanddecke lagernde, technisch nutzbare Ablagerungen ge-
wonnen. Dahin gehören Thone, wie sie am Gramschsee, und
Kalke, welche in der neuen Forst nördlich von Klein- Carzen-
burg, letztere in zahlreichen kleineren Gruben, ausgebeutet werden.
Diese Süsswasserkalke liegen, wie die folgenden beiden Profile
zeigen, entweder direct unter dem Geschiebesande oder sind von
O y
Fig. y und 10. (1 : 1000.)
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Ljrjnrrjr|L
r^uDp-lJ^n
J '~lI
Geschiebe- Desgl. Unterer
grand. sehr steinig. Sand.
Süsswasser- Eisen- Lehmig
kalk. schlissige steinige
Schicht. Schicht.
demselben durch o-eschichtete feine Sande des Unteren Diluviums
O
getrennt. An der Basis der 72—2 Meter mächtigen Kalklager finden
sich undurchlässige lehmige, thonige mid eisenschüssige Bildungen
in dünnen Lagen, die zum Theil der Eisenschale im Liegenden
grosser Thonlager entsprechen. Der Kalk ist staubfein, von heller
weisser oder gelblicher Farbe und enthält 50 80 pCt. kohlen-
sauren Kalkes. Organische lieste konnten darin ebenso wenig wie
in Hinterpomniern und Westpreusseo. 187
iu anderen unterdiluvialen Bildungen des Höhenrückens nach-
gewiesen werden.
Parallel der Grenze der Moräneulandschaft mit dem ITaide-
sandgebiete, in geringem Abstande von ersterer, verläuft auf der
Strecke zwischen Sullenczyn und Neustettin die Grenze zwischen
Pommern und Westpreussen. Heute nur eine Verwaltnngsgrenze
hatte sie bis zum Jahre 1772 eine hohe Bedeutung als Ostgrenze
Deutschlands gegen das Polenreich. Es ist sicher kein Zufall,
dass die Grenze zweier, durch Jahrhunderte feindlicher Völker mit
dem Nordrande der Haidesaudlandschaft zusammeufiel. War doch
dieser breite Streifen öden, man könnte fast sagen wüsten Landes
eine von der Natur gebotene, neutrale Grenzzone zweier feind-
licher Nationen. Noch heute ist, wenigstens östlich von Balden-
burg die Bevölkerung nördlich des Endmoränenzuges überwiegend
protestantisch, südlich davon katholisch und stark mit polnischen
Elementen durchsetzt.
Sehr charakteristisch ist der Unterschied in der Besiedehiuo:
beider Zonen. Da im Haidesaudgebiete die Wiesen, wie im Allge-
meinen iu ganz Norddeutsc.hland, in grösseren, zusammeuhängeuden
Flächen aufzntreten pflegen, so ist hier die Besiedehuigsform zu-
meist das geschlossene Dorf, von dem aus jeder einzelne Besitzer
nach Feld und Wiese gleichen Wen; hat. Anders liej^en dieVer-
hältuisse in der benachbai'ten Aloräuenlandschaft; der stete und
kurze Wechsel von Acker, Wasser und Aloorflächen, welche letzteren
dem Besitzer durch ihren Torfreichthum den Wald, durch ihre
Vegetation die Wiese ersetzen müssen, liess die Einzel-Besiedelnng
des Landes als das Zweckmässigere erscheinen. So kommt es,
dass trotz relativ starker Bevölkerung die Dörfer dünn gesäet sind,
die einzelnen Gemeinden aber eine grosse Fläche bewirthschafteu
und eine starke Bevölkerung zeigen, indem nämlich, über das ganze
Gebiet hin zerstreut, zahllose einzelne Güter und Gehöfte, soge-
nannte Ausbaue, sich finden. Da dieselben meist ihren eigenen
Namen haben, so vermag eine Karte, die dieselben sämmtlich ent-
hält, ausschliesslich durch deren Häufung die räumliche Verbreitung
einer auch geognostisch gut charakterisirten Landschaftsform an-
zuzeiffeu.
O
188
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
Ich habe bereits oben bemerkt, dass die Seen])latte im All-
gemeiueu die Wasserscheide zwischen den zur Ostsee entwässernden
Küstenflüsseu und den zahlreichen kleinen Flüssen bildet, die
ihre Gewässer nach Süden zur Weichsel, Warthe und Netze
entsenden. Betrachtet man aber diese hydrographischen Verhält-
nisse genauer und versucht mau auf einer Specialkarte, die Wasser-
scheide eiuzutrageu, so stösst man auf grosse Schwierigkeiten und
erkennt bald, dass mau es hier oben nicht mit einer, sondern mit
zwei Wasserscheiden zu thun hat. Diese beiden Linien berühren
sich an manchen Stellen, bisweilen sogar in einer seenerfüllteu Rinne,
während sie an andern, und zwar den weitaus meisten, meilenweit
auseinander gehen. Zwischen ihnen eingeschlosseu liegt ein Gebiet,
welches weder nach Norden noch nach Süden entwässert, sondern
seine Abwässer in geschlossene Depressionen, in abflusslose Seen
und Sümpfe entsendet. Derartige Flächen treten inselartig auch
im Stromo-e1)iete der Küsteuflüsse und der südwärts ziehenden
O
Gewässer auf; ich werde au anderer Stelle versuchen, ein Karten-
bild von dieser eigenthümlicheu Erscheinung zu geben. Die
Wasserscheiden halten sich nicht streng au die beiden Zonen der
Aloräuenlandschaft und des Haidesaudgebietes, sondern bald greifen
die Ostseegewässer nach Süden in das Haidesaudgebiet ein, wie
der Cameuzfluss, Stieduitzfluss und die Persante, bald die anderen
Flüsse nach Norden über die Endmoräne hinweg, wie die Quell-
gewässer der Brahe und Drage. In dem abflusslosen Gebiete
sammeln sich die atmosphärischen Wasser in ungezählten, grossen
und kleinen Bodensenken. Der Wasserstand derselben ist uatur-
gemäss ein schwankender und resultirt selljstverständlich aus dem
area’enseitiofeu Verhältniss von Verduustuns: und Zufuhr. In dem
Lehmgebiet, ist bei dem undurchlässigen Untergründe ein anderes
Entweichen der Wasser als durch Verdunstung sehr unbedeutend;
dafür spricht auch die so sehr verschiedene Höhenlage nahe bei
einander gelegener Seen und Sümpfe. Im Haidesandgebiete aber
ist es möglich, dass eine Art unterirdischen Gruudwasserstromes,
der Oberflächen- Neigung dieser Zone nach Süden folgend, als
natürlicher Regulator des Wassex'staudes dieser Seen functionirt.
Die nicht sehr zahlreichen Thäler, welche die Moräueulaud-
in Hinterpommei'n und Westpreussen.
189
Schaft vou Süd nach Nord durchziehen, haben, so weit ich sie
uälier kennen zu lernen Gelegenheit hatte, einen durchaus ver-
schiedenen Charakter. Die Persante, deren Ursprung in einem
heute mit Kalkschlamm ansgefüllten See westlich vou Nenstettin zu
suchen ist, fliesst zuerst mit geringem Gefälle durch eine Anzahl
Moore ; daun durchbricht sie die Moräueulandschaft an deren jetzt
schmälster Stelle in einer mehrere Kilometer langen, tiefen Ero-
siousschlucht, au deren beiden Gehängen eine ganze Anzahl
Glieder des Unteren Diluviums zu Tage treten. Nach dem Aus-
tritt aus der Schlucht breitet sicli das Thal breit trichterförmig
aus. Auf dieser Abrasiousfläche treten die widerstandsfähigen
Geschiebemergel des Unteren Diluviums und zwischen denselben
aufgeschüttete Thalsande und Schotter auf. (Fig. 11.)
Das umstehende Profil von den oberdiluvialeu Höhen bei
Rafteubero; über Grameuz durch das erweiterte Persautethal gelegt,
zeigt, dass jene Schichten des Unteren Diluviums, die in der Per-
santeschlucht dicht über einander auftreteu, hier auf eine grosse
Fläche vertheilt einzeln nach einander zu Tage treten.
Ganz anders verhält sich das Gotzelthal, dessen Ursprung
mitten in die Moräueulandschaft südlich vou Rublitz fällt. Wie das
Profil (Fig. 12) durch den oberen Theil desselben zeigt, ist
dasselbe älter als das Obere Diluvium, da der Geschiebemergel
desselben sowohl die Flanken der Mulde überkleidet, als auch im
Tiefsten derselben inselartig zu Tage tritt. Nördlich der Stadt
dagegen wird das Thal zum reinen Erosionsthale, so dass, wie das
Profil (Fig. 1.3) zeigt, auch hier wieder die ganze Schichtenfolge
des Diluviums in den einzelnen terrasseuartigen Absätzen an die
Oberfläche gelangt. Dass der ausgeprägte Muldenbau im oberen
Theile des Gotzelthales bereits in tiefen Schichten des Unteren
Diluviums ausgedrückt ist, dafür spricht ein ganz besonderer Um-
stand. In der Stadt Bublitz sind nämlich an mehreren Punkten
in Tiefen vou 40 — 56 Mefer unter der Oberfläche sehr stark aus-
fliesscude Wasser erbohrt worden; dieselben geben Zeugniss vou
dem Vorhandensein einer unterirdischen Midde unter der tief-
liegenden Stadt, deren unterdiluviale Glieder nach Osten hin
stärker als das heutige Terrain austeigen müssen. Wenigstens hat
Fig. 11. (Länge 1:25000. Höhe 1:5000.)
190
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
in Hinterpommern und Westpreussen.
191
das östlichste der Bohrlöcher die wasserführeude Schicht in
geringster, das westlichste sie in grösster Tiefe getrofien.
Noch anders ist das Verhalten des vom Kalkbache durch-
flossenen Thaies zwischen Drawehn und Mühlenkainp. Auch
dieses Thal ist Erosiousthal; dabei ist es aber auffällig, dass au
der östlichen Thalseite der Geschiebemergel bis fast zum Wiesen-
niveau sich hinabzieht, während die westliche von oben bis unten
aus Bildungen des Unteren Diluviums besteht. Fast macht es
O
den Eindruck, als wäre nach der Ausfurchung dieses Thalzuges
noch einmal von Osten her ein Vorrückeu des Eises über die
Ostseite des Thaies und damit verbundener Absatz der Grund-
moräne erfolgt, als hätte aber das Eis nicht mehr die genügende
Stärke besessen, auch den westlichen Thalraud noch zu über-
schreiten.
Zu den auffälligsten Erscheinungen in den Thälern der
O O
Moräuenlandschaft gehören die ausgedehnten und mächtigen Kalk-
tnffablagerungen, die man hier und da an ihren Gehängen autrifl't.
Dieselben ziehen sich oft aus einer Höhe von 15 — 20 Metern iiber
der Thalsohle bis zu dieser herunter, sind parallel dem Gehänge
in dickere und dünnere Bänke geschichtet und enthalten bisweilen
Eiulagernngen von moorigen Bildungen. Der poröse helle, gelb-
liche oder dunkelbraune Kalktnft', der in seinem Aeusseren völlig
mit den gleichen Bildungen Thüringens übereinstimmt, zeichnet
sich durch ausserordentliche Reiidieit aus. Mehrere Pro1)eu zeigten
einen Gehalt an kohleusaurem Kalke von 9.3 — 96 pCt. , also weit
mehr als die kalkreichsten Wiesenkalke. Der Kalktufl' ist stellen-
weise reich an organischen Resten, er enthält zahlreiche Moose,
Rohrsteugel und andere unkenntliche pflanzliche Reste einge-
schlossen; oft ist er reich au Conchylieuschalen, die alle noch
heute in nächster Nähe lebenden Arten angehören. Dieser Kalk-
tnfl' ist von Quellen abgesetzt, die mit grossem Wasserreichthume
au den Gehängen der Thäler hervorbrechen. Ihren Gehalt an
gelöstem kohlensaurein Kalke und Eiseuoxydul verlieren sie grössten-
theils, sobald sie bei ibrein raschen Laufe den Abhang hinunter
192
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
mit der atmosphärischen Luft in innige Berührung treten, und
setzen ihn auf den Pflanzen ab, die diese dauernd überrieselten
Gehänge bekleiden. Ein Rest des Kalkes bleibt in Lösung und
wii'd mit in’s Thal hinuutergeführt, wo er in mehr oder weniger
stagnirendem Wasser durch die Thätigkeit kalkabscheidender
Pflanzen und Thiere als schlammiger weisser Wiesenkalk aus-
gefällt wird. So kommt es, dass in den Wiesen, die an kalk-
tufl’bedeckte Thalg:ehäu<re ana:renzen, gewöhnlich in o-rösseren
Ivagern oder in einzelnen Nestern Wieseukalke, Wiesenmergel
oder Moormergel sich finden. Die Mächtigkeit dieser Gehänge-
bilduugen kann auf 5 — 6 Meter steigen. Sie wurden beobachtet
am Gehänge des Kalkliachthales im Mühlenkamper Kalkholze und
weiter nördlich au den Thalgehäugeu bis nahe an Sydow; im
Gotzelthale unterhalb Neuhof in einem so stark geneigten Gebiete,
dass der aus den starken Quellen entstehende Bach in einem
richtigen Wasserfalle über die Kalktuff bänke hinwegstürzt; nörd-
lich von Bublitz bei Goldbeck in mehreren seitlichen Buchten des
Gotzelthales; am Rande des Persantethales bei Gramenz; dort sind
die Chaussee und die Eisenbahn bis auf 5 Meter Tiefe in die
ziemlich lockeren Gehängekalke eingeschnitten. Letztere sind hier
von noch heute ausströmenden Quellen abgesetzt, die aus einem
zwischen zwei unteren Geschiebemergelbäuken eingeschalteten
Sande zu Tage treten (siehe dasProfilNo.il). Die heilkräftigen
Quellen des vielbesuchten Bades Polziu in der »pommerschen
Schweiz« sind nichts anderes, als solche, Eisenocker und Kalktuff
absetzende Wasser, die ihren Mineralgehalt aus den oberen
Schichten der Moränenlandschaft ausgelaugt haben. Von andern
Orten, so von Bütow und von Reinfeld bei Schivelbein beschreibt
VON DEM Borne in seinem Eiuo-angs citirten Aufsatze ähnliche
V orkommnisse.
Die volle Mächtigkeit des Diluviums ist in der Moräuenland-
schaft noch nicht ermittelt worden, doch lassen eine Anzahl von
Bohruimen schliessen, dass dieselbe eine recht beträchtliche ist.
Ö z
So theilt VON DEM Borne die Resultate einer Bohrung mit,
die man in der thörichten Hoffnung, Steinsalz zu erbohren, bei Per-
in Hinterpommern und Westpreussen.
193
sauzig, westlich von Neustettin, am Südraude der Moräneulaud-
schaft uiedergehracht hat. Bis zn einer Tiefe von 96 Metern
unter der Oberfläche, 49 Meter über dem Meeresspiegel wurden
hier wechsellagernde Saude, Grande, Thoue und Geschiebemergel
des Unteren Diluvium augetrofteu. Weiter nach Norden stehen
in der Stadt Bublitz eine Beihe von Bohrungen auf 40 — 56 Meter
Tiefe, bis 53 Meter ü. M., im Diluvium, welches ausschliesslich
ans Unterem Sand und Grand mit eiugelagerten Geschiebemergel-
bänken besteht.
Ein weiteres Bohrloch steht am Nordrande der Moräuenlaud-
schaft bei Zebliu am Bande des tief eingeschnitteueu Baddüethales.
Die erbohrte Schichtenfolge war die gleiche, wie in Bublitz, die
Tiefe, bis zu welcher das Dilnvium durch die Bohrung aufgeschlossen
wurde, betrug 83 Meter und reichte bis zn 76 Meter ü. M.
Auch in den Thäleru fanden sich nirgends Spuren von zn
Tage tretenden Tertiärbilduugeu , die jedenfalls das nächste
Liegende des Diluviums in diesem Gebiete bilden, wie überhaupt
im ganzen grossen Umfange der Moräneulaudschaft nirgends^) ein
Punkt anstehenden Tertiärs bekannt geworden ist, mit Ausnahme
des Abfalls gegen die Weichseluiederung bei Danzig. Dies alles
znsammengenommeu spricht otfenbar für eine ganz ungewöhnliche
Mächtio'keit der Dilnvialbilduug:en und macht das Vorhandensein
eines beträchtlich aufrageudeu Kernes von älterem Gebirge unter
dem Höhenrücken sehr problematisch.
Die auffälligste Eigenthümlichkeit des baltischen Höhenrückens,
der er seinen Namen »Seenplatte« verdankt, besteht in seinem
Beichthnnie au Seen. Sie allein sind es, die der zu ihm gehörigen
Plaidesaudlaudschaft einige freundliche Beize verleihen. In geo-
guostischer Beziehung sind mit den Seen auf das engste die Moore
verknüpft, da dieselben sämmtlich, wenigstens soweit sie in ge-
schlossenen Becken liegen, xirsprünglich Seen waren. Ein wie
falsches Bild von Form und Grösse der ursprünglichen Seen mau
0 C4anz kürzlich fand ich Septarienthon nnd oheroligocilne Sande in einer
Ziegeleigrube unmittelbar bei Soldin anstehend.
Jahrbuch 1889,
13
194
K. Keiliiack, Der baltische Höhenrücken
unter Niclitberücksichtigung dieses Umstandes gewinnen würde,
leimt die folgende Skizze (Fig. 14), die dem Gebiete der Moränen-
landschaft zwischen Neustettin und Bublitz entnommen ist:
In derselben ist das feste Land (einschliesslich einer Anzahl
kleiner darin gelegener Moore) mit Schraffur versehen, während
der weisse Grund den alten See bezeichnet. Punktirte Linien
geben den Umfang von acht kleineren Seen an, die den heutigen
in Hinterpommern und Westpreussen.
195
spärlichen Rest des grossen, alten Wasserbeckens bilden. Wie
einfach nnd schlicht sind die Umrisse dieser heutigen kleinen
Seen, wenn man sie mit dem insei- und buchtenreichen nr-
S2:>rünglicheu See vergleicht! Hat derselbe doch bei einer grössten
Ausdehnung von 9 Kilometer ungefähr 100 Kilometer Uferliuie
besessen, einschliesslich der 30 in ihm liegenden Inseln! Pleute
sieht man au Stelle des grössten Theiles dieses alten Sees aus-
gedehnte, zum Theil schwimmende Moore, deren Betreten stellen-
weise mit Gefahr verknüpft ist (Baggermösse, Briesen’sche Mösse).
Um eine Vorstellung von der gewaltigen Zahl der in der normal
entwickelten Moräueulandschaft vorhandenen, ursprünglich wasser-
gefüllten Bodensenken zu geben, führe ich an, dass in vielen Ge-
bieten die Zahl derselben auf einer Qnadratmeile 4 — 600 beträgt.
Die Seen gehören ihrer Form, noch mehr aber dem Relief
ih res Untergrundes nach 3 gut unterscheidbaren Typen an.
]. Grundmoräneu - Seen im Sinne Wahn.schaffe’s ^).
Das Charakteristische ihrer Lage besteht in ihrem Auftreten in
rings geschlossenen Becken, die keinen oder höchstens einen von
Menschenhand geschafleuen Abfluss haben, ferner, wenigstens bei
den grösseren dersell^en, in der complicirten Gestaltung der Ufer
durch Buchten, die oft selbst wieder verzweigt sind und in den
Inseln, die dem Spiegel dieser Seen entragen. Nicht weniger
bezeichnend ist die Form ihres Untergrundes, welcher den Typus
der Moräueulandschaft auf das deutlichste ausgeprägt zeigt. Diese
Seen sind heute nicht mehr häufig, bilden aber ursprünglich weit-
aus die Mehrzahl. Ihre geschlossene Lage macht sie offenbar
für den Vertorfuugsprocess besonders geeignet, so dass wir, wie
beispielsweise besonders schön bei dem oben beschriebenen alten
See nordwestlich von Nenstettiu, an ihrer Stelle heute fast überall
Moore erblicken. Ein sehr schönes Beispiel eines solchen Mo-
ränensees ist der Dratzig - See sowie der Papeuziu - See, von
dem ich weiter unten ein Kartenbild gebe (Fig. 15). Diese Art
Seen ist auf die Moränenlaudschaft beschränkt.
9 F. Wahnsohafpb, Zur Frage der Oberfläcliengestaltung im Gebiete der
baltischen Seenplatte. Dieses Jahrb. für 1887. Berlin 1888, S. IGl.
13*
196
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
2. Riuneuseen. Diesell)en sind ausgezeichnet dnrcli eine
langgestreckte Form; sie liegen einzeln oder perlsclinnrartig an-
einandergereiht in Rinnen, die entweder beiderseits geschlossen
sind, wie das Rinnensystein der Pinnowseen (Fig. 17), oder in
einem ausgebildeteu Thalznge liegen, wie der Tessenthin- nnd
Labes-See (Fig. 20). In ihrem Untergründe stellen alle diese
Seen einfache Mulden dar, in denen der tiefste Punkt zumeist in
der Mitte liegt. Die von Ule in seinem Aufsatze ^) über die
Masurischen Seen betonte Abhängigkeit der Gestalt des Seegrundes
von derjenigen der Ufergehänge ist vielen Ausnahmen unter-
worfen. Die prägnanteste derselben, die mir bei meinen Unter-
suchungen aufgestossen ist, stellt der Stepener Mühlensee dar
(s. unten Fig. 22 und 2.3). Dieser Seentypus ist sowohl in der
Moränenlandschaft wie im Ilaidesandgebiete vertreten. Während
er aber in der ersteren gegenüber den Moränenseen (einschliess-
lich der Moore) znrücktritt, überwiegt er weitaus im letzteren,
da neben ihm nur noch einige Seen des 3. Typus sich finden.
3. Becken seen. Diese dritte Art von Seen, die ich als
Beckenseen bezeichnen will, besitzt sehr einfache Umrisse, ohne
tief einschneidende oder weit verzweigte Buchten und einen Unter-
grund, welcher im Verhältniss znr Grösse des Sees ein ganz
flaches Becken darstellt. Als einen Typus dieser Seen kann man
den Vilmsee bei Nenstettin und den Virchow-See bei Wurchow
(Fig. 24) anführen, beide im Sandgebiete, aber nahe dem Rande
der Moränenlandschaft.
Man kann zu einer klaren Vorstellung über die baltischen
Seen nur gelangen, wenn man genau das Relief ihres Unter-
O O z o
grundes kennt, eine Kenntniss, die nur diu’ch eine grosse Reihe
von Ablothungen zn erlangen ist. Ich habe es mir deshalb an-
gelegen sein lassen, selbst oder unter Ilülfeleistuug der unter
meiner Leitung bei den Anfnahmearbeiten thätigen Knlturtech-
niker, Herren Pohlitz, Burck und Baldus, eine Reihe von
Seen meines Aufnahmegebietes so genau abzupeilen, dass ich
ein Bild des Untergnindes mit Hülfe von fünfmetrigen Tiefen-
curven zu geben im Stande war. Ich gebe im Folgenden eine
9 Dieses Jahrb. für 1889, Berlin 1890.
in Hinterpommern und Westpreussen.
197
Anzahl derartige Seeubilder in Ausschnitten aus der CTeneralstal)S-
karte 1 : 25000 (nur der Virchow-See ist seiner Grösse wegen auf
1 : 50000 i-educirt), aus welchen in Folge dessen zugleich die
Gestalt des den See umgebenden Geländes abgelesen werden
kann. Die Tiefenlinien sind auf den Seespiegel bezogen und
schliessen sich in Folge dessen nicht au die Höhenlinien des
Landes an. Die tiefsten Punkte eines jeden Sees sind mit rückwärts
liegender Zahl an der betreflendeu Stelle eingetragen, während
die andere stehende Zahl die Höhe des Sees über dem Meeres-
spiegel angiebt. Ich beginne mit dem bereits oben angeführten
Papenzin-See.
Das Bild zeigt sehr deutlich den unregelmässig bewegten
Seegruud im südlichen Theile des Beckens, mit mehreren Inseln,
einer Bucht und zwei kesselartigen, tiefen Löchern im östlichen
198
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
Theile des Sees. Geschiebelelim reicht auf alleu Seiten bis zum
Spiegel des Sees hinunter und aus Geschiebelehm bestehen die
beiden grösseren Inseln, während die kleineren eine dichte Stein-
packung zeigen, die offenbar als ein Auswaschungsrückstand des-
selben zu betrachten ist. Nach Angaben der Fischer soll der
Seegruud in allen Theilen ausserordentlich steinig sein. Der
nach Norden folgende Theil des Sees besitzt mehr einen Rinnen-
charakter, bis endlich im nördlichsten Theile unserer Skizze durch
den herausragenden Werder, auf dessen westlicher Seite zugleich
die grösste ermittelte Tiefe sich findet, wieder eine doppelte
Muldung mit einem beträchtlich aufragenden Rücken dazwischen
herbeia;eführt wird. Besser als alle Worte zei2;t die Aehnlichkeit
des Seegrundes mit der Moränenlaudschaft ein Profil durch den
südlichen Theil des Sees von Ost nach West, wie es die folgende
Skizze bietet.
Fig. 16. (Länge 1 : 25000. Höhe 1 ; 5000.)
Unter den Riunenseen der Moränenlandschaft gehören zu den
auffälligsten die am äusseren Rande derselben gelegenen 4 Pinnow-
seeu, von denen die 3 westlichen auf dem folgenden Kärtchen
(Fig. 17) dargestellt sind.
Dieselben liegen in einer im südlichen Theile des grossen
Pinnow-Sees sich gabelnden Rinne. Der südliche Arm schliesst sich
bereits kurz östlich vom kleinen Pinnow-See, während der nörd-
liche sich bis in die Nähe von Kl. Carzenburg fortsetzt und neben
dem Höllen -Pinnow -See noch weiter östlich einen auf unserer
Karte nicht mehr sichtbaren See, den Pinnow -See, sowie ganz
am Ende der Rinne ein tiefes kesselartiges Loch, die Pinnow-
Kuhle^), enthält. Auch nach der Moränenlaudschaft zu ist die
Rinne des Grossen Pinnow-Sees vollkommen geschlossen und steht
9 PoHuaerscher Fundort für Nwphar pumilum.
in Hinterpommern und Westpreussen.
199
mit deu Seeu bei Porst heute iu keinerlei Zusammenliaug. Auch bei
diesen Seen zielit sich der Geschiebelehm au den steilen Gehängen
bis zum Ufer herunter, vielleicht sogar unter deu Seen hindurch.
Fig. 17. (1:25000.)
Auffallend ist der gi’osse Unterschied iu der Tiefe dieser Seen,
da der kleinste und schmälste derselben 27 Meter, der grösste nur
die Hälfte dieser Tiefe besitzt.
Mit Abfluss versehen sind die in deu beiden folgenden Skizzen
gegebenen Seeu,
Fig. 18. (1:25000.)
200
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
der Saat-See zwischen Drawehn und Gr. Carzenburg, der sich
durch den Kalkreichthiun in seinem Untergründe auszeichnet, so-
wie der flache, moorige Lüters-See,
Fig. 19. (1:25000.)
ein Rest des in Fig. 14 dargestellten, alten, grossen Sees.
Die nunmehr folgenden Seen liegen sämmtlich im Haidesand-
a;ebiete und zwar im Stromgebiete des Küddowflusses. Zur öst-
liebsten Gruppe gehören die in Fig. 20 dargestellten beiden Seen
nördlich von Baldenburg, der Tessenthin- und Lahes-See. Beide
sind mit einander durch eine alluviale Rinne verbunden. Die
ursprünglich doppelte Verbindung ist klar ausgedrückt durch den
Rücken, der den nördlichen Theil des Labes-Sees in zwei Mulden
scheidet, und durch ein nördlich von der einen derselben liegendes
altes Thal, welches etwa 5 Meter über dem Spiegel des Tessen-
thin-Sees liegt. An letzterem ist ganz besonders schön die Ab-
hängigkeit der Formen des Seeuntergrundes von denjenigen der
Gehänge zu erkennen. Fig. 21 giebt ein Profil durch den tiefsten
Theil des Sees.
Zwischen sandigen Ufern von geringer Erhebung liegen der
Gr. Damen-See und der Stepener Mühlensee. (Fig. 22.)
in Ilinterpommern und Westpreussen.
201
Fig. 20. (1 : 25000.)
202
K. Kbilhack, Der baltische Höhenrücken
Fig. 21. (Länge 1 : 25000. Höhe 1 : 5000.)
Fig 22. (1 : 25000.)
Sie sind, wie die eingeschriebenen Ciirven zeigen, von recht vei'-
schiedener Tiefe, imd ganz besonders bei dem Stepener Mühlensee
muss man mit Kücksicht auf die niedrigen Ufer über die unge-
wöhnliche Tiefe erstaunt sein. Ein Querprotil durch den tiefsten
Theil des letzteren giebt Fig. 23.
Fig. 23. (Länge 1 : 25 000. Höhe 1 : 5000.)
in Hinterpommern und Westpreussen.
203
Den letzten der dargestellten liinuenseeii, den Gr. Stüduitz-
See gebe ich in 1 : 50000 znsainmeu mit dem ihm benachbarten
ausgedehnten Becken des Virchow-Sees.
Ein ausgezeichneter Vertreter des Typus der Riuneuseen in diesem
Gebiete ist der über 2 Meilen lange Dolgen-See, der bisher nur
in seiner Nordhälfte untersucht ist. 14 Meter ist seine grösste bis-
lang gefundene Tiefe.
204
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
Iia Folgenden gebe ich eine Zusaminenstelluu<2r der {refundeneu
grössten Tiefen in 27 Seen der Nenstetti
n-Bublitzer Gebend:
O
1.
Stepeuer Mühlensee
33 Meter
2.
Papeuziu-See
32
»
3.
Tessenthiu-See
31
»
4.
Höllen -Pinnow- See
27
»
5.
Gr. Stüdnitz-See ....
23
»
6.
Virchow-See . . . • .
22
»
7.
Labes -See
15
»
8.
Dolgen -See
14
»
9.
Gr. Pinnow -See ....
14
»
10.
Kl. Pinnow -See ....
13
»
11.
Gr. Klewe-See
12
»
12.
Gr. Damen -See
12
»
13.
Saat -See
12
»
14.
Dainerow-See bei Stepen
9
»
15.
Lüters-See
8
»
16.
Dorf- See bei Sparsee
5,5
»
17.
Priebs-See
4
»
18.
Gr. Sclnnaiiuz-See
4
»
19.
Kl. » » ...
4
»
20.
Camp -See ......
4
»
21.
Schwarz -See westl. Stepen .
4
»
22.
Dorf- See bei Stepen .
4
»
23.
Kttter-See südl. Stepen .
3,5
»
24.
Lanken -See
3,5
«
25.
Schärpen- See
2,5
»
26.
Wurchower Dorf- See
2,1
»
27.
Plötscheu-See
1,5
»
Die Entstehuna: der Moore aus den Seen lässt sich in allen
O
Stadien verfolgen, da noch heute dieser Eutwickelnngsprocess in
b nur in der Südhiilfte untersucht,
b nur in der Nordhälfte untersucht,
nur in der Osthälfte untersucht.
in Hinterpommern und Westpreussen.
205
allen seinen Stufen in der Natur sich absjiielt, von dein festen,
fast wasserlosen Moore bis zum schwimmenden Moosteppich mit
offener Wasserblänke in der Mitte. Die Haupt- und Aufaugs-
arbeit bei der Vertorfung führen schwimmende Moose, unterstützt
durch andere Wasserpflanzen, aus. Sobald dieselben eine hin-
reichend dicke Decke gebildet haben, siedeln sich darauf andere
dem Wasser entwachsende Moose an, die nun ihrerseits den
Boden abgeben für solche höhere Pflanzen, die einen hohen Grad
von Feuchtigkeit verlangen, Menijanthes trifoliata, 6'arc.r -Arten,
Eriophoru'm, Drosera rotundifolia, Vaccinium Owycocciis, Andromeda
polüfolia u. a. In diesem Zustande ist das Moor noch immer
schwimmend, seine Decke steigt und fällt mit dem Wasserspiegel.
In besonders nassen Jahren sind derartige Moore von einer Wasser-
rinue von mehreren Metern Breite und wechselnder Tiefe eiime-
schlossen. Dieselbe entsteht dadurch, dass der Wasserspiegel
ungewöhnlich steigt und eine grössere Fläche eiunimmt, als vorher.
Die mitsteigende Moordecke aber muss ihre Grösse bei behalten,
und die Differenz beider Flächenräume ist ausgedrückt durch
den das Moor umziehenden Wasserstreifen. Mit der Zeit wird
dasselbe fester, es siedeln sich andere Sträucher, Empetrum nigrum^
Vaccinium uHginosum^ V. Myrtillus^ V. Vitis Idaea und Ledum
palustre darauf au. Manchmal versuchen sogar in dem dichten
Moosteppich, in welchem der Fuss bis zum Knie versinken kann,
Kiefern ihr Dasein zu fristen, und bringen es daun, wie z. B. in der
oben erwähnten Briesen’schen und Bagger-Mösse, nach öOjährigem
Bemühen auf Stämme von 2 Meter Höhe und 3 — 5 Centimeter
Durchmesser.
Wird das Moor durch Höher wachsen oder durch künstliche
Vertiefung des Wasserspiegels noch trockener, so verschwinden
allmählich die Moose und das Haidekraut und die verschiedenen
Arten des Wollgrases besorgen nun in der Hauptsache das Ge-
schäft der Torfbilduug. Während der ältere im Wasser gebildete
Theil der Moore aus nichts anderem als hellgefärbteu, dicht ver-
filzten, in trockenem Zustande federleichten Moosmassen besteht,
ist das jüngere, aus Haide und sauren Gräsern gebildete Moor
darüber dunkel gefärbt und bedeutend schwerer. Uebrigens nehmen
C5 O
206
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
auch reiue Moostorfe eine dunklere Färbung an iind liefern einen
bedeutend compacteren Torf, wenn mau dem Moore durch künst-
liclie Abzapfung möglichst viel Wasser entzieht.
lieber die Entstehung der Moränenlandschaft ist bereits eine
ganze Ibeihe von Ansichten ausgesprochen , die MAhnsciiaffe
übersichtlich zusammengestellt hat^). Er selbst hält die Formen
der Moränenlandschaft bereits im Untergründe, in den Sanden,
die unter dem Oberen Geschiebelehm lagern, für vorgezeichuet
und glaubt, dass dieses Sandgebiet seine complicirte Gestalt durch
Wassererosion erlangt habe. Er beruft sich dabei auf die von
mir selbst beschriebenen isländischen Sandr^). Indessen würden
dieselben, mit einer Grundmoräue überkleidet, keineswegs ein der
Moräneulandschaft äbnliches Bild ergeben. Auch müsste ja dann
das Haidesandgebiet, in welchem die Schmelzwasser eine ausge-
dehnte Thätigkeit entfaltet haben, in seiner Oberflächenform mit
der Moräuenlandschaft gewisse Aehnlichkeiten besitzen, während ich
oben grade auf den ausserordentlichen, landschaftlichen Gegensatz
beider Gebiete aufmerksam machen musste. Zu einer andern Er-
klärung kommt man, wenn man folgende Umstände berücksichtigt:
1. dass die Moränenlaudschaft auf verhältnissmässig hohe, ja
die höchsten Theile des norddeutschen Flachlandes beschränkt ist
uud im Osten, d. h. in den Provinzen Pommern und Ost- uud
Westpreussen kaum unter 120 Meter Meereshöhe herabgeht, wohl
aber bis zu mehr als 300 Metern ansteigt;
2. dass am Südrande und in der Mitte der Moräneulandschaft
ausgedehnte Endmoränenzüge liegen, und
3. dass an dieselben nach Süden hin ausgedehnte Sandgebiete
o O
sich anschliessen.
Daraus geht zunächst mit Sicherheit das Eine hervor, dass
hier zeitweilig, nach der Ausdehnung der Eudmoräneu zu schliessen,
sogar für ziemlich beträchtliche Zeit, ein Stillstand des Eises statt
hatte. Während, wie wohl allgemein augeuommeu wird, die aus-
b Dieses Jahrb. für 1887, S. 150 f.
b Vergleicliende Beobacbtg. u. s. w., dieses Jabrb. für 1883.
in Hinterpom mern und Westpreussen.
207
gedelmteii ebenen Gescliiebemergelgebiete nördlicher und südlicher
gelegener Gegenden dafür sprechen, dass über sie hinweg der
Eisrand beim Vorrücken und beim Rückzüge ziemlich schnell
sich bewegte, muss er durch besondere Umstände innerhalb der
Moränenlandschaft zum Stillstände gebracht worden sein. Der
Grund dafür liegt auf der Hand, wenn man den oben unter 1
auö'eführten Punkt ins Arme fasst: die hohe Lage bedingte eine
niedrigere, mittlere Jahrestemperatur, dadurch vernnnderte sich der
Verlust durch Verdunstung und Abschmelzen, der Nachschub und
der Verlust hielten einander annähernd die Wage, d. h. der Eisraud
kam zum Stillstände. Eine einfache Betrachtung lehrt, dass dieser
Stillstand nicht in die Peidode des Vorrückens des Eises hineinfiel,
sondern in die Zeit des Rückzuges gefallen sein muss. Denn ein
im Vorrücken begriffenes mächtiges Binneueis muss, nachdem es
vermöge seiner bedeutenden Mächtigkeit eine tlöhe erreicht, die
zurück liegende Niederung ausgefüllt hat, mit um so grösserer
Leichtigkeit, ohne Aufenthalt, jenseit der Höhe wieder in tiefer
gelegene Gebiete niedergehen können. Ein im Rückzuge be-
griffenes Eis aber findet auf der Höhe Bedingungen vor, die ihm
so zu sagen noch eine Galgenfrist gewähren: nach Ablauf der-
selben muss es aber seinen Rückzug über die tiefer gelegenen
rückwärtigen Gebiete, in unserem Falle über die Küstenzone, mit
um so grösserer Schnelligkeit bewerkstelligen. Daraus erklärt
sich leicht die so wenig bewegte Oberfläche dieser S. 152 von mir
beschriebenen Zone.
Welche Wirkungen aber übt nun das Eis in der Periode des
Stillstandes aus? Aus den Mittheilungen der dänischen Geologen
über das gröidändische Binneneis wissen wir, dass der Stillstand
desselben niemals ein vollkommener ist, dass vielmehr fortdauernd
der Eisrand durch grössere oder kleinere Oscillationen bald mehr,
bald weniger in negativem oder positivem Sinne sich verschiebt.
So können wir uns also vorstellen, dass aid' der baltischen Seen-
platte der Eisrand während eines langen Zeitraumes au den ver-
schiedensten Stellen und zu wiederholten Malen gelegen hat, und
dass nur durch die Endmoränen die Stellen eines längere Zeit
dauernden, völligen Verharrens, durch die Gebiete der Geschiebe-
208
K. Keii.hack, Der baltische Höhenrücken
bescliüttung diejenigen eines ausserordentlich langsamen Rückzuges
angedeutet werden. Der fortdauernd dein Eisrande zugeführte
Geschiebemergel wurde dabei ausgewaschen, das nicht transportir-
bare Material, d. h. die grossen und kleinen Steine, blieben am
Eisrande liegen, das übrige wurde mehr oder weniger weit ent-
fernt wieder abgelagert. Wir müssen annehmen, dass das Material,
welches an der einen Stelle zu einer richtigen, aus einer Stein-
packuug bestehenden Endmoräne znsammengehäuft wurde, au den
meisten andern auf eine Fläche von etwas grösserer Breite ver-
theilt wurde, so dass wir die Gebiete der Geschiebebeschüttuug
gewissermaasseu als ausgebreitete Endmoränen zu bezeichnen
liaben. Aus dieser Annahme eines mit Oscillationeu und mehr-
maligem , fast völligem Stillstände des Eises verbundenen Aufent-
haltes in der Periode des Rückzuges können wir in ungezwungener
Weise eine ganze Reihe derjenigen Erscheinungen ableiten, die
das eigenartige Aussehen der Moräueulandschaft bedingen. Wir
wissen — auch wieder aus Grönland — , dass die Gebiete , die bei
dem Rückzuge des Eises in einem Oscillationsgebiete eben eisfrei
geworden sind, aussehen, als ob sie mit einem gewaltigen Pfluge
bearbeitet wären '). Es beruht das auf der mehrfach beobachteten
und beschriebenen aufstauchenden und zusammeufalteuden Thätig-
keit des als einseitige Belastung wirkenden Eisrandes. Wiederholen
sich derartige Einwirkungen auf den Untergrund während einer
mehrmaligen Vorwärtsbewegung, so müssen sie sich summireu und
der Landschaft jenes eigenartige Relief verleihen, welches wir unter
dem Namen der Moränenlandschaft begreifen. Ich glaube, dass es
nicht richtig ist, wie E. Geinitz und A. Jentzsch^) es gethau
haben, mit grossen Wassermassen — sei es ausstrudelud, sei es
subglacial thätig — die Formen der Moränenlandschaft zu erklären.
Diese Wassermassen hätten Wege sich zu bahnen gewusst, die
wir in Form eines besser als das vorhandene geordneten Abfluss-
*) H. Rink, Das Binneiieis GrÖBlands nach den neuesten dänischen Unter-
suchungen. Zeitschr. d. Ges. f. Erdk. zu Berlin, Bd. '23, S. 418 f.
2) Fk. E. Geinitz, Die Seen, Moore und Flussläufe Mecklenburgs, Güstrow 1886.
2) A. Jentzsch, Beiträge zum Ausbau der Glacial-IIypothese. Dieses Jahrb.
für 1884, Berlin 1885, S. 519.
in Hinterpommern und Westpreussen.
209
systemes sehen würden. Man kann es in der Moränenlandschaft
deutlich sehen, wo gegen das Ende der Vergletscherung grosse
Wassermasseu thätig waren. Das war überall da der Fall, wo
wir aus dem Lehm in das Sandgebiet tiefe Kinnen, moor- oder
wassererfüllt, herausführen sehen. Wenn aber au zahlreichen
Stellen des Eisrandes grosse Schmelzwasserströme demselben
entflossen, so braucht das deswegen durchaus nicht überall der
Fall gewesen zu sein. Ich glaube vielmehr, dass die Beobachtungen
am Frederikshaabs Isbliuk in Südgrönlaud, w'elcher auf grosser
Linie schmelzwasserfrei mit seinem Rande verharrt, indem der
Nachschub vollkommen durch Verdunstung an der wärmeren Luft
aufgezehrt wiiaD), den Schluss auf analoge Vorkommnisse am
Rande des diluvialen Binneneises gestatten. Grosse Wassermengen
müssen ofienbar den Charakter der Moräneulandschaft, die abfluss-
losen Becken, zerstören, können also unmöglich denselben geschaften
haben. Wo grosse Schmelzwasserströme unter dem Fisraude her-
vortrateu, da ist, wie z. B. in der Umgebung der Pinnowseeu,
(Fig. 17) der Charakter der Moräneulandschaft stark verwischt,
die Menge der geschlossenen Depressionen wieder zerstört worden.
Ich glaube demnach, dass das Charakteristische der Moränenlaud-
schaft, ihr Reichthum an abflusslosen Becken, nicht sowohl ein
Resultat erodirender Wasser, als vielmehr eine Aeusseruug mehr-
fach summirter, mechanischer Arbeitsleistung des vorrückendeu
Eises auf seinem Untergründe ist. Lagerungsstörungeu in dem-
selben, d. h. in den Unteren Sanden unter dem Geschiebelehm,
vermaa: ich bei dem Mangel au Aufschlüssen und der Mächtig-
keit des Oberen Diluvium als Stütze meiner Ansicht nicht anzu-
führen, wohl aber den Umstand, dass an den Rändern der
Depressionen die Decke des Geschiebelehmes durchaus nicht
schwächer ist als auf den Höhen, was doch der Fall sein müsste,
wenn eine starke Erosion oder gar Evorsion alle diese Becken
ausgearbeitet hätte.
Mit der Bekleidung der so umgestalteten Oberfläche mit
der Grundmoräne, dem Geschiebelehm, war die Vorbedingung für
') Meddelelser om Grönland, Bd. 1, Heft 1. H. Rink, 1. c.
Jahrbuch 1889.
14
210
K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken
die Entstellung von Seen ans diesen Depressionen gegeben, indem
durch die Undurchlässia:keit desselben ein schnelles Versickern
des Wassers in tiefer liegende, trockene Schichten unmöglich ge-
macht wurde. Woher das Wasser dieser Seen stammt, ist eine
leicht zu beantwortende Frage: jedes dieser Becken ist von einem
liald grösseren, bald kleineren Gebiete umgeben, welches bei der
allgemeinen Undurchlässigkeit des Untergrundes alle Niederschläge
ihm zuführen muss. Dieser Zufuhr wirkt einmal die Verdunstung
entgegen, dann auch der wohl nur als sehr gering zu ver-
anschlagende Verlust durch Eindringen des Wassers in tiefere
Schichten. Aus dem Wechsel des Verhältnisses zwischen Gewinn
und Verlust resultirt die Grösse des jeweiligen Wasserspiegels der
Seen, welcher, soweit nicht künstliche Eingrifte eingewirkt haben,
in verschiedenen Jahren ein verschiedener ist.
Der Umfang dieser Seen musste natürlich vollkommen ab-
hängig sein von Grösse und Gestalt der Depressionen und von
höherer oder niedrigerer Ivage desjenigen Punktes, an welchem
das steio'ende Wasser zuerst einen Abfluss in ein anderes Becken
oder in ein Fliesswassersystem finden konnte. Manche dieser
Seen haben daher auch zeitweilige Abflüsse, wie der Kammin-See
bei Breitenberg, der, in trockenen Jahren abflusslos, in nassen
über eine niedrige Stelle seiner Umrandung hinweg einen Abfluss
in das Kaddüe-Thal besitzt.
In der oben ausgeführten Art denke ich mir alle Grund-
moränenseen und aus denselben hervorp'eg:an Irenen Moore ent-
standen. Eine riesenkesselartige Entstehung zahlreicher, kleiner,
kesselartio'er Pfuhle a;if ebenen Mera;elflächen will ich damit durch-
aus nicht in Abrede stellen. Die ausgedehnte Rolle, die Geinitz
den ausstrudelnd wirkenden Schmelzwassern zuschreibt, vermag
ich dagegen nicht anzuerkennen , wenigstens nicht für die Seen
der hinterpommerschen Moränenlandschaft.
Was nun die Entstehung der in Rinnen liegenden Seen, des
zweiten der von mir beschriebenen Seentypen, betrifft, so herrscht
wohl kein Zweifel darüber, dass die von ihnen ausgefüllten Ver-
tiefunofen durch nach Süden strömende Schmelzwässer des Eises
O
ausgewaschen sind. Wo diese Rinnen jetzt noch zu einem nor-
in Hinterpommern und Westpreussen.
211
mal entwickelten Fliesswassersystem gehören, kann darüber gar
kein Zweifel sein. Viele dieser Rinnen sind aber heute nur in
Stücken vorhanden, aus ihrem ursprünglichen Zusammenhänge
bis zur völligen Unkenntlichkeit desselben losgelöst. Diese Er-
scheinung lässt sich in der Weise erklären: jedenfalls sind die
Rinnen ursprünglich alle vollkommen ausgebildet gewesen, aber
nicht neben, sondeni nach einander, und bei den im Vorlande
der Gletscher so häufigen Stromverlegungen theilweise wieder
zugeschüttet worden, so dass nur die jüngsten dieser Rinnen bis
heute geblieben sind. Ich habe an anderer Stelle derartige Strom-
bettverleguno-eu und dadurch bewirkte Zuschüttunoj und Ab-
Schnürung älterer Rinnen an Beispielen aus heute vergletscherten
Gebieten geschildert^), welche den besten Beweis dafür liefern, dass
bei der weit grossartigeren Vergletscherung Norddeutschlauds der-
artige Erscheinungen, noch dazu bei den auf dem Ilöheurückeu
gebotenen Gefällverhältnissen, sich noch in viel hervorragenderer
Weise müssen geltend gemacht haben.
Ueber die Entstehung der Beckenseen des Sandgebietes habe
ich ein abschliessendes Urtheil noch nicht gewonnen.
Von hervorragender Beweiskraft für die Natur der Moräneu-
landschaft als eines Gebietes des Stillstandes resp. häufiger
Oscillatlonen beim Rückzuge des Eises ist die auf viele Meilen
entlang ihres Südraudes von mir festgestellte Haidesandfläche.
Dieselbe ist ein genaues und typisches Aequivalent zu den von
mir beschriebenen »Sandr« vor den grossen Gletschergebieten
der Insel Island und spricht auf das Klarste für die Richtigkeit
meiner Auffiissuug. Hier der lange , schmale Endmoränenzug,
hinter ihm die vom hin- und hergehenden Eise wie ein tobendes
Meer aufgepflügte Gruudmoräneulaudschaft und vor ihm das weite
Gebiet, auf welchem die Schmelzwasser des Eises die traus-
portirbaren Theile der Gruudmoräne nach Süden tragen, während
die schweren Blöcke als Endmoräne oder Geschiebebeschüttung
liegen bleiben. Wie dem am Südrande der Moränenlandschaft
liegenden, fast ununterbrochenen Endmoränenzuge die grosse ebeu-
U*
*) Dieses Jahrb. für 1883, S. 159.
212
K. Keii-hack, Der baltische Höhenrücken
folls lückenlose Haidesandebene entspricht, so liegt vor dena
S. 179 erwähnten, rückwärtigen Zuge inmitten der Moränenland-
schaft ein oft unterbrochener bald breiterer, bald schmälerer
Streifen von Geschiebesand, der nur dadurch von dem des grossen
Saudgehietes sich unterscheidet, dass der Obere Geschiebemergel
in Tiefen von 3 — 5 Metern sein Liegendes bildet. Dieser Sand-
streifen ist also entstanden während einer kürzeren Stillstands-
periode des Gletscherfusses an der Stelle, wo jetzt die einzelnen
Stücke des zweiten Endmoränenzuges sich finden.
Nun erklärt sich auch das S. 164, Fig. 3 dargestellte und er-
wähnte Auftreten zweier Geschiebelehmbänke, die beide dem
Oberen Diluvium angeboren. Bei einer Rückwärtsbewegung
wurde die untere derselben abgelagert, resp. zurückgelassen; die-
selbe überzog dabei eine tiefe Depression; nördlich von derselben
kam, w'orauf die Endmoränenstücke bei Friedenhof hinweisen, der
Eisrand wieder zum Stehen; während dieses Stillstandes wurde
die Depression grösstentheils mit Sand und Kies ausgefüllt, w'obei
die in den Förster Seen heute zum Theil noch erhaltene Schmelz-
wasserrinne entstand. Dann erfoGte wieder ein kurzes Vorrücken
o
des Eises, bei welchem über jenen Geschiebesandeu abermals
eine wenig mächtige Grundmoräne abgelagert wurde, die sogar
grösstentheils von den Schmelzwassern wieder zerstört wurde.
Räthselhaft bleibt vor der Hand die Entstehung des Deck-
thones, w'enigstens derjenigen Ablagerungen desselben, die heute
deckenartiff auf den höheren Erhebungen lagern. Ihr ausser-
ordentlicher Reichthum au Thon, der Mangel an Saud und die
Schichtung sprechen entschieden für Absatz in ruhigen Becken.
Da diese Thoue aber auf den Höhen lagern, so können die Ränder
der Becken nur in einem Gebilde bestanden haben, welches seit-
dem verschwunden ist. Da die Ei’osion aber in diesen Gebieten
bisher ersichtlich so wenig gewirkt hat, dass man heute noch
annähernd dieselbe Terrainffestaltuno- wie kurz nach dem Ver-
Ö O
schwinden des Eises vor sich hat, so kann eben nur das Eis jene
Becken eingeschlossen haben. Noch fehlt es an Beobachtungen
von Seen, nicht auf dem Eise, sondern im Eise, aber mit der
Gruudmoräue als Untergrund, Seen, denen ihre jedenfalls supra-
in Hinterpommern und Westpreussen.
213
glacialen Zuflüsse nur Thon und feinsten Sand zuführen. Solche
Seen aber muss es am Rande des Binneneises auf dem nordost-
deutschen Höhenrücken an vielen Stellen gegeben haben.
Ich habe absichtlich nur ülier die Entstehung der Ober-
flächenformen der Seenplatte gesprochen und es vermieden, auf
die Frage nach der Bildung des Höhenrückens selbst eiuzugehen.
Ich glaube, dass eine Beantwortung dieser Frage sich nur auf
eine leidlich genaue Kenntniss der Mächtigkeit des Diluviums und
des Alters der unter ihm folgenden älteren Formationen an einer
Anzahl Stellen des Höhenrückens stützen darf.
Zwischen Oder und Weichsel aber ist uns Beides bislang
auch nicht von einer einzigen Stelle bekannt. Es kann unmöglich
zur Erweiterung unserer Kenntniss dienen, über die Entstehung
des 4 — 500 Kilometer langen Höhenrückens zwischen Oder und
Weichsel hypothetische Vermuthungen auszusprechen, ohne die-
selben durch auch nur einen einzigen Beweis stützen zu können.
Ebensowenig möchte ich jetzt schon aus der Verbreitung der
beschriebenen Endmoräne Schlüsse ziehen, sondern lieber damit
warten, bis ihr Zusammenhang mit der von Berbndt so genannten
»südlichen baltischen Endmoräne« sowie die östliche Fortsetzung
beider auf möglichst Aveite Strecken genauer festgestellt sind.
Nachschrift.
Während des Druckes des vorstehenden Aufsatzes hatte ich
Gelegenheit, die als Endmoränenzug bezeichnete Zone grösster
Geschiebeanhäufuug von der pommersch- neumärkischen Grenze
in der Gegend von Nörenberg an auf weitere 100 Kilometer Länge
durch die Neumark bis in die Geffend von Soldiu zu verfolgen.
Der Zug verläuft von Alt- Storkow bei Nörenberg fast ununter-
brochen über Nörenberg, Temnick und Gr.-Silber nach Steiuberg
bei Reetz. Von da an nach Süden wird der Zug sehr lückenhaft,
nur au wenigen Stellen, bei Cratzuick, Rohrbeck und Augustwalde
214
K. Keilhack, Der baltisclie Höhenrücken etc.
begegnet man beträchtlichen Geschiebeanhänfungen. Nicht zu
bezweifeln ist, dass noch zahlreiche Endmoränenstücke bei ge-
nauer Kartirung auch hier sich finden werden. Erst zwischen
Gerzow und Krining setzt der Zug wieder ein mit prächtigen,
langgestreckten Rücken aus mächtigen Blöcken. Von hier an
lässt er sich gut verfolgen über Hasselbusch, Herzfelde, Eichwald,
Brunken (bei Berlinchen), Kerngrund, Kienitz, Gollin und Schoue-
berg a,uf Woltersdorf bei Soldin zu. Dieser letzte Punkt ist nur
noch 45 Kilometer von der Oder entfernt.
Auch in der Neumark lieo;t der Geschiebezug meist hart auf
der Grenze der aus Geschiebemergel bestehenden Moränenland-
schaft gegen das auch hier südlich resp. östlich angrenzende weite
Sandgebiet. Wo die Geschiebepackungen, wie südöstlich von
Soldin oder südlich von Nöi’enberg, auf Höhen liegen, die ihre
Umgebung überragen, da kann man den landschaftlichen Gegen-
satz prächtig beobachten: auf der einen Seite eine weite, höchstens
schwach wellige Ebene mit spärlichen Dörfern und ausgedehnten
Kiefernwäldern; auf der anderen Seite ein stark bewegtes Hügel-
land mit zahllosen Kuppen und Bergkegeln, vielen Mooren, reich-
licheren Ansiedelungen und schönen Buchenwäldern.
Die Geschiebeanhäufungen treten, wie erwähnt, in verschie-
dener Weise auf: einmal als Packungen von mehreren Metern
Mächtigkeit, ihrer äusseren Form nach dann kleine Hügel- und
Kammstücke darstellend; oder als Geschiebebeschüttungeu, ge-
wissermaassen als ausgebreitete, über grössere Fläche vertheilte
Packungen. Die Unterlage bildet in beiden Fällen entweder
durchragender Unterer Sand, wie bei Soldin zwischen Mietzelfelde
und Schöneberg oder südlich Nörenberg zwischen Temnick und
Steinberg ; diese Gebiete entsprechen auf das genaueste den von
Schröder beschriebenen uckermärkischen Durchragungszügen.
Im anderen Falle sind die Geschiebepackuugen und Beschüttungen
dem Oberen Geschiebemergel der Moränenlandschaft einfach auf-
gelagert, wie das besonders schön unmittelbar nordöstlich von
Nörenberg und an der im Bau begriffenen Chaussee von Alt-
Storkow nach Wangerin zu sehen war.
Prestwicliia (Euproops) Sclieeleaiia ii. sp.
Von Herrn Th. Ebort in Berlin.
Die Gattung Prestivicliia wurde von IT. Woodward 1866
fiir diejenigen Xipliosueen auf gestellt , welche den allgemeinen
Charakter von Belinurus haben, bei denen aber die Glieder des
Kumpfes nicht frei, vielmehr mit dem Abdomen zu einem com-
pacten Schild verwachsen sind, insofern also den himuU sich
nälieni. Es sind bis jetzt vier Arten davon bekannt geworden;
P. owiCraa’ PßESTWiCH sp.^), P. Birtwelli H. WoODW. •'*), P. rotmi-
data Pkestwich sp. und P. Danae Meek et Worthen 5).
Während die ersten beiden sich seither nur in der Steinkohlen-
formation Englands gefunden haben, die letztgenannte nur in der
Steinkohlenformation von Illinois, ist P. rotundata aus England
und Belgien beschrieben worden. Zu ihr rechnete auch Bölsciie
Prestwichien-Reste, welche in der Steinkohlenformation des Pies-
berges bei Osnabrück gefunden worden sind.
Vor Kurzem wurde nun von dem Herrn Bergingenieur Scheele
in Recklinghausen der Directiou der Köuigl. geologischen Landes-
b Quart. Journ. Geol. Soc. London 1867, Bd. XXIII, S. 32.
b Wood WARD, A Monograph of tlie British fossil Crustacea. Merostomata,
1866-1878, S. 244, Taf. XXXI, Fig. 6 und 6a.
3) Ibid., S. 247, Taf. XXXI, Fig. 7a-c.
b Ibid., S. 246, Taf. XXXI, Fig. 5.
b Meek and Woethej«, Geological survey of Illinois, Vol. II, S. 395, Taf. 32,
Fig. 2 und Vol. III, S. 547.
®) Kokinck, Notice sur le Prestwicliia rotundata, Bull, de l’acad. royale de
Belgique, 3 ser. , Bd. I, S. 479.
b Jahresbericht VI des naturwissenschaftlichen Vereins zu Osnabrück für
die Jahre 1883 und 1884. Osnabrück, 1885, S. 268 ff.
216 Th. Ebert, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp.
anstalt für die Sammlung ein den Umständen nach vorzüglich er-
haltenes Exemplar einer Prestxoicliia zugesandt, welches von ihm
im Jahre 1885 in einem Gesteinsstück aus dem Hangenden vom
Leitflötz der Fettkohlenpartie Röttgersbank der Zeche Wolfs-
bank in der Rheinprovinz entdeckt worden ist.
Das Stück ist (Fig. 1) bis auf den fehlenden Schwanzstachel
ziemlich vollständig erhalten. Das Kopfschild ist aber etwas ver-
drückt und zwar ist der Vorderrand desselben von vorn nach
hinten etwas zusammengeschoben und die linke Seite und theil-
weise auch die Mitte der Glabella sind bei der Erzeugung einer
Rutschfläche in dem verhältnissmässig milden Schieferletten, in
welchem die Versteinerung liegt, in Mitleidenschaft gezogen und
dadurch die charakteristischen Züge etwas verwischt worden.
Immerhin sind sie deutlich genug, um in Verbindung mit der
besser erhaltenen rechten Hälfte ein ziemlich klares Bild der Ge-
stalt der Glabella zu geben. Uebrigens ergänzt der ebenfalls vor-
liegende Abdruck die Versteinerung in manchen Punkten.
Das Kopfschild ist an der breitesten Stelle 40 Millimeter breit
und misst 15 Millimeter in der Länge, doch dürfte die letztere
in Anbetracht der Verdrückung noch 1 oder 2 Millimeter mehr
betragen haben. An den beiden Hinterecken setzt sich der breite
Saum desselben in je einen Stachel fort, der sich schnell verjüngt,
und auf der linken Seite in einer Länge von 12 Millimeter vor-
handen ist, bei erhaltener Spitze, welche hier fehlt, wohl 14 bis
15 Millimeter lang gewesen sein mag. Während der Vorderrand
des Kopfschildes gleichmässig gebogen ist, ist der Hinterrand an
der Glabella gerade, von da nach den Stacheln jederseits etwas
eingebuchtet.
Die Glabella hat im Allgemeinen die Form eines Vierecks,
dessen hinterer Rand gerade, der vordere convex und die beiden
seitlichen Ränder concav sind. An den beiden Vorderecken
scheinen die Augen gelegen zu haben. Durch einen mittleren,
kielartifiren Länssstreifen , der nach hinten sich zu verdicken
scheint, wird die Glabella in zwei gleiche Hälften getheilt. Das
Vorderende dieses Streifens bildet den Scheitel eines kleinen
Sinus, welcher den convexen Vorderrand der Glabella in der
Th. Ebert, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp,
217
218 Th- Ebekt, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp.
Mitte einbuclitet. Etwa in der halben Entfernnusr von der
o
Mittelleiste znin seitlichen Rand entspringt am Hinterrand jeder-
seits eine weitere Leiste, welche ähnlich den Seitenrändern in
concavem Bogen zunächst nach innen, dann nach aussen und
vorn läuft. Der zwischen beiden gelegene Theil der Glabella
war wenigstens hinten offenbar stärkei’ gewölbt, als die seitlich
gelegenen Theile. Die Glabella ist 10 Millimeter lang, an den
Vordereckeu etwa 17 Millimeter und an den Hintereckeu nnsfe-
führ 13 Millimeter breit. In einer Entfernung von 7 Millimeter
vom Hiuterraude verbinden undeutliche Querleisten die Mittel-
kaute mit den benachbarten Läugskanten.
Thorax und Abdomen sind zu einem Schild verwachsen,
dessen Länge excl. des Saumes 15 Millimeter, die grösste Breite
23 Millimeter beträ<rt. Er ist aus 7 Segmenten zusammeua:esetzt.
Der Saum ist 4 Millimeter breit und ausserdem mit Dornen ent-
sprechend der Anzahl der Leibes-Segmeute versehen, welche nach
hinten gerichtet und au den vorderen Segmenten 3 bis 4 Milli-
meter laug, au den hinteren, wie aus dem Gegendruck zu ersehen
ist, noch länger sind. Die Axe ist vorn 6 Millimeter breit, ver-
jüngt sich bis au das sechste Segment auf 4 Millimeter, ver-
breitert sich dann plötzlich wieder auf reichlich 6 Millimeter, um
daun in einem stumpfen Winkel zu endigen. Diese knotige Ver-
breiterung der Axe erinnert sehr an diejenige der P. BirtioelU^
reicht aber nicht bis an das hintere Ende des Rumpfschildes,
bleibt vielmehr noch etwa 1 Millimeter von demselben entfernt.
An dem hinteren Rande der Verdickung ist eine undeutliche
Grube sichtbar, in die wohl der Stachel eiugeleukt war. Die
Segmente der Axe scheinen mit je einer Wai’ze versehen gewesen
zu sein. ^
Die Stücke von Osnabrück, welche mir Herr Dr. Bölsche
zugänglich machte, wofür ich ihm hiermit nochmals bestens danke,
zeigen nun eine grosse Uebereinstimmung mit dem beschriebenen
Individuum.
Am wichtigsten ist in dieser Beziehung das von Bölsche
b Jahresbericht VI des naturwissenschaftlichen Vereins zu Osnabrück.
Th. Ebert, Prestwieliia (Euproops) Sclieeleana n. sp.
219
in Fig. 2 abgebildete, auf unserer Tafel durch Fig. 3 besser wieder-
gegebene Exemplar. Wenn auch im Allgemeinen sehr schad-
haft, lässt es gerade die Charaktere deutlich erkennen, welche für
die neue Art charakteristisch sind, nämlich die dabella und die
Verbreiterung der Axe am hinteren Ende. Die letztere ist
weniger eckig als bei dem der Zeche Wolfsbank; die Insertions-
grube des Stachels ist sehr deutlich. Das Kopfschild ist seitlich
stark verdrückt, von der dabella ist das Mittel- und das rechte
Seitenstück verhältnissmässig gut erhalten. Man sieht hier von
dem einspringenden Winkel des Vorderrandes eine mediane,
schmale, kielartige. Erhebung des sonst concaven Feldes nach
hinten laufen, die sich etwa von der Mitte des Feldes ab schnell
verbreitert und als breiter Wulst hist den ganzen hinteren Theil
des Feldes ausfüllt. Das Mittelfeld ist begrenzt durch kielartige,
in concavem Bogen nach vorn verlaufende, schmale Leisten. Die
übrigen Körpertheile stimmen, soweit sie erhalten sind, genau
mit dem zuerst beschriebenen Stücke überein.
An dem bei Bölsche Fig. 3 abgebildeteu Exemplar ist
namentlich die Axe gut erhalten, bis auf das verbreiterte Ende,
welches fehlt. Die Segmente tragen je einen deutlichen Höcker
auf der Mitte. Die Umrandung der Glabella ist genau wie bei
dem Exemplar von Wolfsbank. Auch die mediane Erhebung, die
sich nach hinten verbreitert, ist deutlich. Ich habe es, da es liei
Bölsche im Ganzen richtig wiedergegehen ist, nicht abhilden
lassen.
Das Fig. 1 in der Osnabrücker Zeitschrift abgebildete Stück
habe ich zunächst weiter präparirt; dabei ist der Saum des Kopf-
schildes sichtbar geworden und in Folge dessen die eigenthümlich
eckige Form des Kopfschildes in der Zeichnung der Osnabrücker
Zeitschrift als unrichtior erkannt worden. Die Verdrückung der
G labclla ist dort wohl im Allgemeinen richtig wiedergegehen, aber
die Ihgienzungslinien der einzelnen Felder, die deutlich erkeuubar
sind, fehlen. Ich habe deshalb auch dieses Stück noch einmal
abbilden lassen (Fig. 2). Man sieht an demselben trotz der Ver-
drückung deutlich den Verlauf des Mediankieles, den der beiden
as M ittelfeld begrenzenden Kiele und, allerdings weniger gut, die
220
Th. Ebeut, Prestwichia (Euproops) Scheeleana n. sp.
linke Begrenzungskante der Glabella. Sehr deutlich sind die
beiden Querleisten, welche die Mitte des Mediaukieles mit der
Mitte der Seitenkiele des Mittelfeldes verbinden. Auch der rechte
Stachel des Kopfschildes ist vollständig erhalten, im Uebrigen aber
sämmtliche Körpertheile verdrückt, oder nicht vorhanden. Jedoch
genügen die erkennbaren Theile des Kopfschildes, um die üeber-
einstimmung mit dem Exemplar der Zeche Wolfsbaak sicher zu
stellen.
Die bis jetzt aus Deutschland bekannten Stücke gehören also
sämmtlich einer neuen Art an, die ich Scheeleana'^') genannt habe.
Dieselbe hat den breiten Saum des Rumpfschildes wie P. rotundata^
die Verdickung der Axe am Abdomen wie P. Birtwelli, schliesst
sich aber in der Form des Kopfschildes am nächsten an P. Danae
Meek et WoRTHEN an. Für die letztere Art haben Meek und
WORTHEN das Genus Euproops aufgestellt und zwar sowohl
wegen der Lage der Augen, als der Form der Glabella und ihrer
Kiele^). Woodward will diese Unterschiede nicht als genügend
zur Abtrennung eines neuen Genus anerkennen. In der That
sind ja von den Glabellen der 5 Arten der Gattung nur diejenigen
von Danae und Scheeleana nahe übereinstimmend. Selbst diejenige
von P. anthrax ist doch nur durch die drei stachelartigen Fort-
sätze am Hinterrand mit Danae vergleichbar. Im Uebrigen ist
die Glabella dieser Art auch zunächst noch unbekannt. Die
beiden anderen Arten sind ganz abweichend ausgebildet. Man
wäre also genöthigt, mindestens drei Gattungen aufzustellen. Bei
den Trilobiten würde man wohl auch kaum zögern, dies zu thun.
Da der Erhaltungszustand bei sämmtlichen bis jetzt bekannt ge-
wordenen Prestwichien indessen ein mangelhafter ist, so mag die
Frage einer weiteren Abgrenzung von Gattungen noch offen
bleiben. Immerhin kann man ja Euproops als Untergattung gelten
lassen. Es würden zu derselben ausser Danae noch Scheeleana
und vielleicht auch anthrax gehören.
b SitzuDgsber. d. naturf. Freunde in Berlin. 1890.
b Geol. Survey Illinois, Vol. III, S. 548.
Der Zeclistein in der Gegend von Blanken-
burg und Königsee am Thüringer Walde.
Von Herrn H. Loretz in Berlin.
Bei Gelegenheit der in den letzten Jahren erfolgten Kartirnng
der Blätter Schwarzburg und Königsee für die geologische Spe-
cialkarte von Prenssen und den Thüringischen Staaten ist wieder
ein Streifen des Zechsteius am Rande des Thüringer Waldes zur
Specialaufnahme gelangt. Dem Zechstein von Saalfeld und Kams-
dorf, welcher durch den dortigen Erz- und Eisensteiubergbau be-
kannt und wiederholt in der Fachliteratur ausführlich besprochen
worden ist, schliesst sich jener Streifen westwärts au, und findet
seinerseits, weiter westlich, doch mit Unterbrechung, eine Fort-
setzung in dem Zechstein von Ilmenau u. s. w.
Das Zechsteiuausstreicheu der hier in Frage kommenden
Gegend ist als solches schon lange bekannt und hat bereits seitens
der älteren Geognosten Erwähnung gefunden ^), doch ist dasselbe,
') J. C. W. Voigt: Mineralogische Reisen durch das Herzogthum Weimar
und Eisenach und einige angrenzende Gegenden, Theil I, Leipzig 1794. (Wird
abgekürzt M. R. W. E. citirt werden.)
Derselbe: Mineralogische Reise ins Schwarzburg- Rudolstädtische, in den
Kleinen mineralogischen Schriften, Theil II, Weimar 1800, S. 122 — 154. (Wird
abgekürzt M. R. S. R. citirt werden.)
V. Hoff: Beschreibung des Trümmergebirges und des älteren Flötzgebirges,
welche den Thüringer Wald umgeben, in C. C. Leonhaud’s Taschenbuch für die
gesammte Mineralogie, Jahrg. VHI, 1814, S. 319— 43G.
J. C. Freiesleben: Geognostischer Beitrag zur Kenntniss des Kupferschiefer-
gebirges etc., Theil HI, Freiburg 1815.
222
H. Lobetz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg
bei seiner unregelmässigen und zerstreuten Lage, und der Dürftig-
keit seiner Eisenstein- und Erzvorkoinmnisse, iin Vergleich zu den
angrenzenden Gegenden, weniger Gegenstand eingehender Unter-
suchung gewesen. Als weiterer Beitrag zur Kenutniss des thürin-
gischen Zechsteius mögen daher an dieser Stelle die Ergebnisse
mitgotheilt werden, welche sich durch die Kartirnug ergeben haben.
Auch hier, wie weiterhin, ist die gesammte Zechsteinbildiiug
dem alten Schiefergebirge nugleichfürmig aufgelagert. Jeder Auf-
Schluss, der durch den untersten Zeclistein hinabgeht, zeigt, dass
die Unterlage desselben von den Schieferkopfeu des alten Gebirges
gebildet wird, und zwar gehören die Schiefer hier dem Cambrium
an. Kothliegendes kommt in dieser Strecke nicht vor ^). Ueber-
lagert wird das Zechsteinsystem in gewöhnlicher Weise vom Bunt-
sandstein.
Unterer Zeclistein. Die unterste Zechsteiuschicht verhält sich
auch hier im Allgemeinen als Couglomerat, Zechsteinconglo-
merat (Weissliegeudes der älteren Geognosten zum Theil), welches
aber natnrgemäss Abänderungen unterworfen ist, und theils in
Breccie, theils in conglomeratischen Sandstein, theils in Sandstein
selbst verläuft; allen diesen Gesteiusarten ist ein kalkig-dolomitisches
Bindemittel eigen, welches in sehr verschiedener Menge von fast
gänzlichem Verschwinden bis, jedoch selten, znm Vorwalten zu-
gegen sein kann, und im äussersten Falle auch zu lagenförmigeu
Ausscheidungen oder schwachen Schichten eines meist eisen- und
mangaureichen Carbonates wird. Häufig ist iudess durch Ver-
Witterungsvorgänge das verbindende Carbonat zerstört, und statt
o o o ~
in Form festen Gesteins erscheint dann die unterste Zechstein-
Ijildnug als lockere oder zerfallene Masse, selbst nur in Form
zerstreuter Trümmer. Die verbundenen Gemengtheile des Con-
glomerats sind Schiefer (phyllitischer Schiefer), Quarzit, seltener
graphitischer bezw. graphitoidischer Quarzit und Quarz. Die Form
der grösseren Einschlüsse betrefieud, finden sich alle Zwischeu-
b Dies hat schon v. Hoff ausgesprochen ; a. a. 0. S. 323 f. Von anderer
Seite dagegen ist das Zechsteinconglomerat , oder doch Theile desselben, für
Rothliegendes angesehen worden; vergl. J. C. W. Voigt, M. R. S. R. pag. 127.
Uebepsichtskärtchen des Zechsteins bei Blankenburg und Königsee am Thüringer Walde.
und Königsee am Thüringer Walde.
223
224 H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenburg
stufeu von scharfeckigen Schiefer-, Quarzit- nnd Qnarzbrocken an
bis zu völlig abgerollten Stücken. Doch sind solche Gerolle von
Quarzit nnd Quarz viel seltener, als die nicht oder unvollkommen
gerundeten Trümmer, und finden sich in grösserer Menge nur an
gewissen Oertlichkeiten, jedoch auch dort mit scharfeckigen Bruch-
stücken untermischt; in geringer Zahl kommen sie auch ander-
wärts vor. Ueberdies ist die Grösse der durch das Carbonat ver-
kitteten Schiefergebirgstrümmer selbst in ein und demselben Haud-
stück recht verschieden, was ja auch darin seinen Ausdruck findet,
dass, wie schon angegeben, conglomeratische Sandsteine, d. h.
solche Vorkommen, welche grobe Bruchstücke neben Sand ent-
halten. Es bleibt nur noch hinzuzufügen, dass auch in hiesiger
Gegend Einsprengungen von Malachit und Kupferlasur, sowie
Durchsetzung mit Schwerspathadern, in dieser Zechsteiustufe, als
auf secundärer Lagerstätte, recht häufig sich finden, bis in die,
das Zechsteiuconglomerat tragenden Schiefer des Grundgebirges
hinein. Die Mächtigkeit dieser untersten Zechsteinschicht wechselt,
sie ist nirgends bedeutend, und scheint sich allenthalben im Spiel-
raum von einigen Metern, bald einige mehr bald weniger, zu
halten.
Im Bereiche des Blattes Schwarzburg kommt das Zechstein-
conMomerat nur an wenig-en Stellen dentlich anstehend zum Vor-
schein, so am Wege von Watzdorf nach Böhlscheiben, zwischen
1000 und 1100 Decimalfuss Höhe, in Form von Conglomerat aus
Schiefer, Quarzit und Quarz; weiterhin ist es bei Cordobang,
Bechstädt und der Schwarzburger Fasanerie, wenn auch nicht im
Zusammenhang anstehend, sondern nur in letzten, von der Ab-
witteruDg verschont gebliebenen Besten, nnd in lose gewordenen
Quarzitgeröllen zu erkennen. Ausgedehnter und zusammenhän-
gender ist diese Bildung auf Blatt Köuigsee zu beobachten, wo
sie sich meist als dolomitisch kalkiger Sandstein verhält, der
Schiefergebirgstrümmer einschliesst; im Dorfe Aschau geht der-
selbe zum Theil in eine Art Schieferbreccie über, die sich durch
Verwitterung röthet; SW. von Königsee, nach dem Querlingberg
und nach Garsitz hin, erscheint der unterste Zechstein sowohl in
Form von Sandstein mit wenig grösseren Trümmern, als auch in
ntu] Kölligsee am Thüringer Walde.
225
Form von Breccie mit wenig sandiger Zwisclienmasse, nnd zwar
zeigen die Aufschlüsse hei dem genannten Dorfe, dass zu unterst
jener Sandstein i), darauf jene Breccie Hegt. Auf der Abflachung,
welche sich vom Langen Berge her bis an das Dorf Pennewitz
erstreckt, gelien sich Reste des Zechsteinconglomerates in einer
auffällig grossen Zahl loser Quarzit- nnd Quarzge rolle und in
Spuren des Carbonatantheils zu erkennen, welcher durch Ver-
witterung eine fast schwarze Farbe angenommen hat, auch ist
Färlmng und sonstige Beschaffenheit des Bodens durch die Reste
der ZechsteinbedecknnsT bedingt. Nur au wenigen Stellen zeigt
sich das Conglomerat noch in festem Zusammeidiang, Gerölle und
kantige Stücke, grosse und kleine Schiefer- und Quarzsplitter ver-
bunden durch braun verwittei’tes Carbonat; letzteres kann sogar,
ziemlich grobkrystallinisch werdend, etwas reinere Zwischenmassen
und -lagen bilden. An manchen der Gerölle finden sich die be-
kannten Erscheinungen der Berstung mit Verschiebung und Wieder-
verkittnng getrennter Theile, sowie der oberflächlichen Eindrücke.
An einer Stelle, in der Nähe des Fahrwegs von Pennewitz nach
Herschdorf, bei etwa 1500 Decimalfuss IRihe, wurde auch eine
vollkommene Verk i e s el u ng dieses Conglomerates beobachtet, in
der Art, dass das kalkige Bindemittel durch ein kieseliges ersetzt
war; die Oberflächen der eingeschlosseneu GeWdle zeigen in Folge
der Neubildung krysfallisirter Kieselsäure das bekannte »kandirte
Aussehen«.
Eine Schwierigkeit für die Kartenverzeichnung kann sich dort
ergeben, wo, wie in der letztbezeichneteu Gegend, die Zechstein-
bedeckung bis auf Reste des Conglomerats abgewittert ist, und
so die Oberfläche des Schiefergebirges zu Tage tritt, dessen
Trümmer ja einen wesentlichen Antheil zum Conglomerat geliefert
hahen; je weniger dann von dem Carbonat des JH'ndemittels mehr
vorhanden ist, je weniger die lose gewordenen Trümmer der
untersten Zechsteinbildnng gerundete Formen besitzen, desto
schwieriger wird zwischen Schiefergebirge (Cambrinm) und uuter-
b Am Feldweg, der vom Querlingberg nach der Landstrasse vor Königsee
führt, steht er mehrere Meter stark an.
Jahrbuch 1889.
15
226
H. Loretz, Der Zechstcin in der Gegend von Blankenburg
stem Zechstein eine Grenzlinie zn ziehen sein. Dies macht sich
eben in der letztbezeichneten Gegend, noch mehr vielleicht zwischen
Aschau nnd Allendorf und an anderen Stellen geltend.
Ein guter Aufschluss über die Auflagerung der folgenden
Zechsteinschicht, nämlich des Kupferschiefers, auf das Con-
glonierat, bietet sich am Fahrweg von Lichte nach Unterschöb-
lino-en bei Könin^see, in den kleinen daselbst befindlichen Stein-
biücheu '). Zn unterst liegt, in einer Mächtigkeit von last
3 Meter, ohne dass der cambrische Schiefer erreicht wäre, Kalk-
sandstein mit vielen Scherben, Splittern und auch mehr abgerun-
deten Stücken von Schiefer, Qiiarz, Kieselschiefer bezw. Graphi-
toid- Quarzit, Einsprengungen und Beschlägen von Kupferlasnr
nnd Malachit, und hier nnd da mit schlecht erhaltenen, kohligeu
Abdrücken von kleinen Coniferenzweigen ; darauf liegt eine 0,1 bis
0,2 Meter dicke Lage eines dichten, dunklen, bituminösen Kalk-
steins, hierauf bis zur Oberfläche, etwa 1 Meter mächtig dünn-
geschichteter, dunkler, bituminöser Mergelschiefer, der Kupfer-
schiefer, mit zahlreichen Exemplaren von Lingiäa Creclneri Gein.,
kleinen Fischresten, Pflanzenspureu und Kupfererz. Dieselbe
Bank dunklen, bituminösen Kalkes, zwischen Conglomerat xind
Kupferschiefer eingelagert, wurde in einem Hohlweg SO. von
Lichte beobachtet, sie enthält hier viel Bleiglanz; eine entsprechende
Bank in derselben Lao;e ist im Hohlweo; dicht beim Dorf Garsitz
aufgeschlossen. Es entspricht diese Kalkbank nach Lage und
Gestein ofleubar ganz jener, meist etwas stärkeren Bank des
Kamsdorfer Reviers, jenseits Saalfeld, welche dort als »Mutter-
flötz« bezeichnet wird Auch die weiter oben erwähnten, dunkel
b Die Stelle ist bereits von Geisitz, Dyas , Bd. II, 1862, S. 223 erwähnt
worden; vom Verfasser auch schon in diesem Jahrbuch für 1886, p. LII.
~) Gioinitz führt (a. a. 0., im Verzeichiiiss der geologischen und geographi-
schen Verbreitung der Versteinerungen) von dieser Stelle an: Utlnianiüa Bronni
Göpp., Pijyopterus Humboldti Ag.
Ueber die Verhältnisse des in der Fachliteratur so oft erwähnten Kams-
dorfer Reviers, vergl. besonders die neueste Bearbeitung von F. Bevschlag:
»Die Erzlagerstätten der Umgebung von Kamsdorf in Thüringen«, Dieses Jahr-
buch für 1888, S. 329— 377: sowie die Erläulerungen zu Blatt Saatfeld der geo-
logischen Spccialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten, .von Liebe
und Zimmermann.
und Königsoe am Tliüringer Walde.
227
verwittenulen Ansscheiduugen von reinerem Carbonat zwischen
dem Conglomerat sind als Andeutungen dieser Schicht zn erachten,
wie denn überhaupt in allen diesen Gegenden die Verbindung nnd
der Wechsel von Conglomerat und Carbonat im untersten Zech-
stein, unter dem Kupferschiefer, vielgestaltig und von Ort zu Ort
etwas anders entwickelt ist.
Aleisthin fehlt es an grösseren und zusammenhängenden Auf-
schlüssen in dieser Schichtengruppe; das Vorhandensein des Kujifer-
schiefers ist aber, wenigstens auf der Section Königsee, von Ort
zu Ort durch eine Anzahl alter Schürfe und Bergbauversuche
nachgewiesen, die theils dem Schiefer selbst, theils den daraus
herrührenden und bereits auf secuudärer Lagerstätte befindlichen
Erzen galten; so SSW. von Allendorf, und weiterhin bei Aschau,
Lichte, LTiiterschöblingen, Königsee, Garsitz iind Pennewitz. Von
irgend welcher Reichhaltigkeit an Kupfer- oder sonstigen Erzen
kann aber nirgends die Rede sein, was schon die Angaben der
älteren Geoguosten bestätigen; alle derartigen Versuche mussten
aufgegeben werden. Auf Blatt Schwarzburg sind die Stellen,
wo Kupferschiefer vorkommt, weniger zahlreich. Er findet sich
hier südlich und südöstlich von Beulwitz unweit Saalfeld, in dem
den Rand des alten Gebiro-es bereitenden Zechsteinzug, wie alte
Halden bezeugen. Ferner ist er in den Zechsteinschollen süd-
wärts von Watzdorf nachgewiesen, weniger durch deutliches Aus-
streichen als durch Bergbauversuche; und zwar sowohl unten, im
Rinnthal, in der Nähe des Dorfes, wo der Fusssteig nach Cordo-
bang in den Wald eintritt und eine Strecke lang sich nahe am
Waldsanm hält, als auch oben, am Fnss des durch die Rauh-
wacke des Mittleren Zechsteins gebildeten felsigen Steilrands, der
in einer Höhe von etwas weniger als 1000 Decimalfuss dem cain-
Ijrischeu Schiefergebirge aufgesetzt ist ^).
b Auf diese Stelle dürfte sich das beziehen, was J. C. W. Voigt (M. R. W. E.
p. 5'.)) über den alten Bergbau bei Blankenburg an führt. Es sollen dort vor-
gekommen sein: Kupferkies, Fahlerz, Kupferlasur, Kupfergrün, Erd- und Glanz-
oder Speiskobalt, Kalkspath, Schwerspath und Eisenspath, und zwar auch hier
auf »Rücken« (verwerfenden Spalten). Nach Voigt hätte man es dort mit nur
einem »Schieferflötz« (KupferschioferÜotz) zu thun gehabt, nicht mit zweien, wie
15*
228
H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenlmrj
Die Scliichtengi'uppe des eigentlichen Zechsteins oder
Zechsteins im engeren Sinn erscheint mit besonderer Dent-
lichkeit in der zuletzt genannten Gegend, bei Watzdorf und
Böhlscheiben. Bei letzterem Ort ist das hierher gehörige Gestein
ein dichter, ehenplattiger, und zwar durch Zerhill dickerer Lagen
meist dünnplattiger Kalk, von dunkel- oder hellgrauer bis gelblicher
Färbung, je nach dem Grade der Frische oder der Verwitterung.
Verl)iinden damit sind etwas mein’ mergelige Lagen von erdigem
Bruch mit feinen Glimmerschüppchen, ln diesen Schichten wurde
das Vorkommen von Foraminiferen und Brachiopoden (^Camaro-
jjhoria, Strophalosia), auch wohl vereinzelten Bryozoen (Acantho-
cladici) beobachtet. Hierher gehörige Scdiichten, nämlich dunkle,
bituminöse, wie auch gelb verwitterte Kalkbänke, in gestörter
Lagerung und steil gestellt, iiberschreitet man ferner im untersten
Theil des obengeuaniiten Waldsteigs, SO. bei Watzdorf Noch
bessere Aufschlüsse in dieser Zechsteiustufe hleteu die beiden
Schluchten südöstlich von der Heukertskupjae, SW. von Watzdorf,
welche sich abwärts in die am Ostfuss dieser Höhe mündende
Schlucht vereinigen. Die in Rede stehende Schichtenfolge zeigt
sich hier in mauerartig plattiger Aufeinauderschichtuug in einer
Mächtigkeit von 6 bis vielleicht 10 Meter; das Gestein ist ein
dunkelblaugrauer bis dunkelbrauner Kalk oder dolomitischer Kalk,
in etwa 0,2 bis 0,.3 Meter starken Platten, von dichter Structur,
dabei indess zum Theil etwas luckig, hier und da mit Eiuspren-
gtingen von Bleiglanz; etwas mehr thonige oder mergelige, glimmer-
haltige, dünne Zwischenlagen, mit undeutlichen, kohligen, vege-
tabilischen Spuren, trenueu die Kalkbäuke. In der westlicheren
Seiteuschlucht gelaugt man auch in die LTebergangsb äu ke zu m
Mittleren Zechstein; dieser Uebergang vollzieht sich all-
in der Gegend östlich von Saalfeld, hei Kamsdorf u s. w., von vpelclien das
obere, der sogenannte »Obere Schiefer«, einige Fuss oder mehr über dem anderen,
schon im Bereiche des »eigentlichen Zcchsteius« liegt. Ans eigenen Beobach-
tungen kann ich über diesen Punkt nicht sicher entscheiden, da der dortige
Bergbau auflässig ist, und die Aufschlüsse an der Erdoberfläche nicht genügen.
Nach einer anderen Notiz von Voigt (M. R. S. R. p. 127 f.) lägen dagegen weiter
westlich, hei Pennewitz u. s. w., zwei Flötze von bituminösem Mergelschiefer
übereinander.
und Königsee am Thüi-iuger Walde.
229
iiiälilich, indem das Gestein aufwärts poröser und dadurch rauli-
wackeälinliclier wird. In der augegeheueii Mäclitigkeit kann
übrigens diese Schichteugrnppe nicht weit fortsetzen, denn unweit
der genannten Schluchten, auf der Höhe, NW. von Böhlscheihen,
Avird aus Schurfschächten, die iin Mittleren Zechstein angesetzt
sind und bis auf den cambrischen Schiefer irehen, nur wenijx
Gestein mehr gefördert, welches petrographisch dem beschriebenen
Kalkstein der Stufe des eigentlichen Zechsteins gleicht i).
An anderen Orten tiudet sich eine dem Anschein nach mehr
dolomitische Entwicklung dieser Stufe. Damit ist eine weniger
ebenflächige Schichtung des mit braungelber Farbe verwitternden
raidi und etwas erdig anzufühlenden Gesteins, und ein Zerfall
weniger in Platten, als in unebene Scherben verbunden. In dieser
w eise sind hierher gehörige Schichten z. B. im Thalgrunde SSO.
von Allendorf, an der Fahrstrasse nach ScliAvarzburg, aufgeschlossen ;
die braungell)en Scherben sind hier mit schlecht erhaltenen kleinen
Bivalveu, vorzugsweise Schizodus und GerviUia, bedeckt. — Auch
weiter westlich, in der Umgebung von Königsee, lässt sich eine
gesondert hervortretende Schichteiigruppe des Zechstcins im engeren
Sinn au verschiedenen Orten in die Karte eiutrageu, au Avelchen
sich eine theils mehr kalkige, theils mehr dolomitische Ausbildung
zu erkennen giebt, ohne dass jedoch diese Unterscheidung scharf
genommen werden könnte. Hierher gehörige Schichten sind bei
Pennewitz, am Eierberg bei Garsitz, zwischen Königsee und dem
Spitzberg, südwärts von Königsee, und zwischen Lichte und Aschau
beobachtet und kartirt worden.
Wieder in etwas anderer Eutwicklunn: findet sich diese Zech-
steinstufe in der Stadt Königsee selbst. An dem ziemlich steilen
Rande des Rinnthals, bei der Kirche und den ausgedehnten Bier-
brauerei-Anlagen ^), liegt unmittelbar auf dem cambrischen Schiefer
ein weisser bis gelblich grauer, poröser Zechsteiukalk. Er ragt
') In dieser Scbichtenfolge muss nun das enthalten sein, was dem »Horn-
flötz« des Kamsdorfer Eeviers entspricht. Ueber das etwaige Vorhandensein
eines »oberen Kupfei’schiefers« habe ich, wie bemerkt, keine Gewissheit erlangt.
Oestlich von der Stadt kommt, auf Schiefer aufsitzend, nochmals ein
kleiner Fleck desselben Zechsteinkalkes vor.
230
H. Loektz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg
liier iiud da als klotzige Felsiiiasse aus dem Boden und erinnert
an Ranhwacke, ohne doch die petrographische Beschaffenheit der-
selben zu besitzen; das Gestein ist weniger fest als jene, gross-
löcherig und durch Verwitterung in den äusseren Theilen wohl
ganz schwammig porös. Die Verwitterung bringt an den Felsen
eine schräg abwärts, etwa unter 20^ nach N. eiufallende SchiiFt-
streifung hervor, auch tlieilt sich das Gestein, wo es nur mehr
schwach auf dem Schiefer liegt, in dünne Scherben. Ein gelegent-
licher Aufschluss in einer grösseren Kelleranlage zeigte ebenfalls
Auflagernug der hier geschichtet erscheinenden, nördlich ein-
fallenden, etwa 2 Meter stark anstehenden Kalkmasse auf die
Köpfe des cambrischen Schiefers; dieser enthielt Malachitautlüge,
auch kamen Schieferbreccienstücke mit Malachit vor, also eine
Andeutung von Zechsteiiicouglomerat. Durch Verwitterung wird
der Kalk locker, erdig auf dem Bruch, zerreihlich und ab färbend,
fast kalktnffartig, dabei treten die in grosser Zahl aber trümmer-
haft eiugeschlossenen Versteinerungen hervor, meistens Brachio-
poden und unter diesen besonders Productus horridus, daneben
auch Arten von Oi-tkis, Strophalosia und fSpirifer^ sowie kleine
Zweige von Stenopora und Acanthocladia. Obwohl das Vorkommen
in seiner äusseren Erscheinungsform an Mittleren Zechstein er-
innert, glauben wir dasselbe, namentlich mit Rücksicht auf die
genannten Brachiopoden, zum Unteren Zechsteiu, nämlich zu dessen
oberer Stufe, stellen zu müssen; es entspricht wohl den aus dem
östlichen Thüringen von Liebe erwähnten und zum Unteren
Zechstein gestellten, auf Cuhnklippen aufgesetzten Brachiopoden-
kalken.
Wie bei vorwiegend dolomitischer, dabei w^enig gegliederter
und reducirter Entwicklung des eigentlichen Zechsteins nicht nur,
sondern des ganzen Unteren Zechsteins, Schichteufolge und Auf-
lagerung auf das Schiefergebirge sich gestalten können, das sieht
man in dem Aufschluss, den der Hohlweg etwas östlich vom süd-
lichen Ausgang von Alleudorf (Fnssweg zur Schwarzbnrger Fasa-
nerie), bietet. Der Weg führt aus hangenden in liegende Schichten,
und zwar zunächst durch Raidiwacke des Mittleren Zechsteins,
daun durch mürberen, branuen Dolomit, dessen dünner geschichtete,
und Königsee am Thüringer Walde.
231
doch nicht ebenplattige Lagen sich ohne erkennl)are Grenze an
die Ranhwacke anschliesseu und als Vertreter der oberen Schicliteii-
folge im Unteren Zechstein gelten können ^); indem diesen Lagen
nach abwärts dünnspaltende, schiefrige, durch kohlige Reste
schwarz gefärbte Zwischenschichten sich einschalten, ist hier eine
Andeutung der bituminösen Schichten gegeben, welche sonst im
Unteren Zechstein Vorkommen, nändich des Kupferscliiefers und
des ihn begleitenden bituminösen Kalksteins. Zunächst ihrer
unteren Grenze an den Köpfen des alten Schiefergebirges, welche
im Grunde des Hohlwegs zum Vorschein kommen, nehmen die
dolomitischen Lagen Schieferbröckchen auf und deuten dadurch
das Zechsteinconglomerat au.
Au diesen Fall reihen sich nun weiter jene, wo der Untere
Zechstein noch mehr bis fast ganz redneirt ist, so dass er so zu
sagen nur als unbedeutendes Anhängsel an der Basis des Mittleren
erscheinen kann; der letztere liegt daun fast unvermittelt auf dem
Schiefergebirge ^). So verhält es sich zwischen den Orten \V atz-
dorf, Leutnitz, Cordobang und Böhlscheiben, sowie weiter süd-
westlich in der Gegend von Bechstädt und der Schwarzburger
Fasanerie; dabei ist bemerkeuswerth, dass Punkte, wo der Untere
Zechstein so gut wie fehlt, in beträchtlicher Nähe von solchen
liegen können, wo derselbe sehr gut entwickelt ist. Während
z. B. bei Böhlscheiben und NW. von da, wie oben beschrieben
wurde, der Untere Zechstein, zum mindesten seine obere Schichteu-
folge, eine gewisse Mächtigkeit erreicht, giebt es in geringer Ent-
fernung davon Punkte, wo Schürfe unter dem Alittlei'en Zechstein
nur wenig Unteren Zeclisteiukalk mehr treffen, und wieder andere
Stellen, wo die Ranhwacke des Mittleren Zechsteins auf dem
Schiefergebirge selbst ruht, und nur dadurch eine Andeutung von
') Es sind dieselben, welche an einer benachbarten, bereits erwähnten Stelle,
am Fahrweg von Allendorf nach Schwarzburg, kleine, undeutliche Bivalven ent-
halten.
Auch im östlichen Thüringen kommt es, nach den Angaben von Liehe
(in den Erläuterungen zu den betreffenden Blättern) vor, dass der Untere Zech-
stein mehr oder minder reducirt auftritt. Für ähnliche Reductionen, die sich
aber auch noch auf den Mittleren Zechstein erstrecken können, finden sich über-
haupt an verschiedenen Stellen Thüringens Beispiele.
232
H. Loketz, Der Zeclistein in der Gegend von Bkinkenburj
Unterem Zeclistein, liezw. Zechsteinconglomerat, gegeben ist, dass
die Ranliwacke zunächst der Grenze, in ihrer untersten Bank
Schiefergebirgsbrocken einscliliesst, dabei auch wohl kleine Ein-
sprengungen vou Malachit und Schwerspath enthält. Ganz ähn-
liche Verhältnisse kehren auch in der Cordoban£;er Gemarkumr
und auf den Feldern bei Bechstädt und bei der Sehwarzbura;er
Fasanerie wieder. Die allgemeine Ab Witterung hat hier das
Schiefergebirge zum Theil schon freigelegt, auf dem dann mir
mehr zerstreute Reste des ohnehiu schwachen Unteren Zechsteins,
und von Ranliwacke, sowie von solchen Kalk- und Dolomitbänken
liegen, welche ihrem petrographischeu Charakter nach an der
Grenze von eigentlichem Zechstein und Ranliwacke stehen i).
Die betrachteten Fälle, nämlich die Reductiou des Unteren
Zechsteins in der Weise, dass Conglonierat und Kupferschiefer
höchstens angedeutet sind und sofort dolomitische Schichten, wie
bei Alleiidorf oder kalkige, wie in Königsee, oder endlich gleich
Rauhwacke auf das Schiefei’gebirge sich auflegeu, ist eine Art von
übergreifender Lagerung. Dabei scheint Zerstörung etwa schon
abgelagerter Zechsteinschichten keine oder keine bedeutende Rolle
gespielt zu haben, insofern sich Trümmer von solchen in den vor-
handenen, das Cambrium bedeckenden Schichten nicht vorfiuden;
man kann sich dagegen mit K. Tu. Liebe denken, dass einzelne
Theile des Grundgebirges immer noch als Klippen oder Untiefen
vorragten, während seitwärts davon schon der unterste Zechstein
abgelagert war; daher darf auch nicht etwa, wie Liebe bemerkt,
der Kupferschiefer als Tiefseebildung im Sinne der jetzigen der-
artigen Bildungen aufgefasst werden ^).
Zwischen der Stufe des Zechsteins im engeren Sinne und
der der Rauhwacke ist die Grenze in der Regel uicht scharf,
b Es ist ersichtlich, dass unter diesen Umständen die geologische Kartirung
etwas schwierig wird. Vereinzelte Blöcke und Brocken von Zechsteinconglomerat,
oder lose gewordene Gerolle und abgerundete Stücke von Quarzit deuten auf
untersten Zechstein. Kupferschiefer fehlt hier oder ist ganz verschwunden,
Malachiteinsprengungen nebst Schwerspath kommen jedoch vor. Gewisse gelb-
liche, dolomitische, zum Theil poröse bis löcherige Bänke, oder deren Reste,
bleiben in ihrer Zutheilung zum Unteren oder Mittleren Zechstein etwas zweifelhaft.
b Vergl. Liede, Dieses Jahrbuch für 1884, S. 381.
und Königsee am Thüringer Walde.
233
lässt sich iiidess mit Kücksicht auf die beiderseits verschiedene
Gesteinsausbildung mindestens construiren. Es kann sich jedoch
örtlich der enge Zusammenhang beider Stufen soweit steigern,
dass sie in Eins verschmelzen und auf der Karte kaum mehr zu
trennen sind. Dies ist z. B. bei dem Zechsteinstreifeu der Fall,
welcher sich nahe dem östlichen Kaiide des Blattes Schwarzl)urg
von Blatt Saalfeld her läims der Grenze des Schieferfrebirnes
O O ö
nach Beulwitz hin erstreckt ^), und in den beiden Steinbrüchen
bei der Färb wasche südwestlich von diesem Dorfe aufgescldossen
ist; es stehen hier in dünne Lagen sich trennende Bänke eines
anscheinend dolomitischen, z. Th. etwas luckigen Kalksteins in
vollkommen ebener Schichtung an; Gesteiiisbeschaifenheit und Art
der Schichtung sprechen hier mehr für Unteren als für Mittleren
Zechstein. Ebenso verhält es sich in den benachbarten Farb-
gruben, an einigen Stellen derselben jedoch erinnern die hängen-
deren, dunkelbraun verwitterten, stärkeren Bänke mehr an Alittleren
Zechstein.
Wie in den weiter östlich folgenden Gegenden von Saalfeld,
Kamsdorf u. s. f., so führt auch hier der Zechstein eisenreichere
Zwischenlager, welche zwar nicht mehr in der Gegenwart, doch
in alten Zeiten Gegenstand bergmännischer Gewinnung, oder
wenigstens Versuchsarbeit gewesen sind. Dies ist besonders auf
der Höhe nordwestlich von Böhlscheiben, in der Kichtung nach
der ITenkertskuppe, der Ikall, wo sich alte Schürfe und Halden
in beträchtlicher Zahl und Ausdehnung aneinander reihen, die im
Mittleren Zechstein angesetzt sind. Das geförderte Material ist
ein fein- bis grobkrystallinisches, durch Verwitterung dunkelbraun
gewordenes, eisenreicheres Carbonat, in Form von Scherben,
Schalen und derberen JVIassen, zum Theil auch Brauneisenstein.
Wie in den o-euanuten Geffeuden dürfte auch hier dies Vorkommen
als secundäre, au die Gegenwart von Sprüngen oder »Kücken«
gebundene, lagerartige Anreicherung ursprünglich eisenärmeren
Carbonats zu erachten sein, bleibt jedoch an Gehalt, Mächtigkeit
') Die Stelle liegt östlich ausserhalb unserer kleinen Textkarte. — ^hrgl.
dazu Erläuterung zu Blatt Saalfeld von Liebe und Zimmekmann, S. 3 >.
234
H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenburi
und Erstreckung weit liiuter den hekannten, reichen Lagern jener
(regend zurück. Im Ganzen scheint überhaupt hier nur derjenige
Grad von Umwandlung erreicht worden zu sein, der dort die Be-
zeichnung »Eisenkalk« erhalten hat. Die Arbeiten sind wie ge-
sagt meist im Mittleren Zechstein angesetzt und gehen durch den-
selben bis in den Unteren, wenn nicht bis auf den Schiefer. Zur
Zeit reichen aber die Aufschlüsse nicht mehr aus, um die Stelle
der eisenreicheren Schicht im Profil genau anzugeben, ob sie
nämlich noch innerhalb des Mittleren, bezw. an seiner Basis, oder
im oberen Theil des Unteren Zechsteins, entsprechend dem unteren
Eisensteinflütz oder »Glimmerflötz« l)ci Kamsdorf, auftreten; noch
weniger natürlich, um ihren etwaigen Zusammenhang mit »Rücken«
oder Sprüngen darzuthun. Für die Kartirung kommen diese Fragen
nicht in Betracht; überhaupt ist dei' fragliche Spielraum im Profil
bei der hiesigen geringeren Mächtigkeit der unteren Zechstein-
abtheilung nicht gross. Jedenfalls wird man nicht fehl gehen,
wenn man die hiesigen Verhältnisse als eine Wiederholung in
kleinerem Maassstabe derjenigen von Kamsdorf u. s. w. auffasst
Mittlerer Zechstein. (Rauhwacke, Hauptdolomit.) Die
Abtheilung des Mittleren Zechsteius, nach Gestein und äusserer
Erscheinung im Ganzen gut kenntlich, und hier nicht weiter in
Unterabtheiluugen trennbar, zeigt doch in ihrer Entwicklung von
Ort zu Ort eine gewisse Veränderlichkeit; sehr bedeutend wechselt
sie in ihrer Mächtigkeit, ausserdem aber kommen auch besondere
Gesteiusabänderungen vor.
In seiner Hauptmasse besteht auch in hiesiger Gegend der
Mittlere Zechstein aus einem krystallinischeu, mitunter grobkry-
stallinischen, dabei mehr oder minder porösen, oft löcherigen,
d. h. von drusenartig oder sonstwie gestalteten Hohlräumeu durch-
setzten Kalkstein bezw. Dolomit, dessen Farbe zwischen weiss,
gelblich, hell- bis dunkelgrau und braun sich zu halten pflegt,
und der gewöhnlich als Raidiwacke (auch Rauchwacke) bezeichnet
b Dass auch in unseien Gegenden der Bergbau an »Rücken« gebunden war,
glebt wenigstens J. C. W. Voigt an. Den (Braun-) Eisenstein unseres Zechsteins
setzt er über das obere bituminöse Morgelschiefer- bezw. Kupferschiefertlötz, also
in die Nähe der Basis des Mittleren Zechsteins.
und Königsee am Thüringer Walde.
235
wird. Wo immer das Gestein zu stärkerer Eutwickluug gelangt,
bildet es die bekannten felsigen Wände, Vorsprünge und Abstürze,
unter Umständen auch mehr vereinzelt anftretenden, klotzigen
Felsmasseu, die meistens ganz ungescbichtet erscbeinen, in ein-
zelnen Fällen dagegen Anzeichen von Schichtung erkennen lassen’),
dabei vielfach von Klüften und Spalten durchzogen und in ein-
zelne, unregelmässig gestaltete Blöcke und grössere Gesteinskörper
getrennt sind. (Kauhkalk, llöhlenkalk der älteren Geognosteu.)
Die gerundeten Formen derselben kehren auch an den kleineren,
ans dem endlichen Zerfall hervorgehemlen Blöcken wieder und
dienen in Verhindunc: mit der sonstiGieu Gesteinsheschafteidieit
zur Unterschciduua: vom Kalkstein des Unteren und des (.Iberen
Zechsteins.
In dieser Weise, als felswandhildeude liauhwacke, tritt der
Mittlere Zechstein, wie schon in älteren Schriften erwähnt wird,
auf zwischen Watzdorf, Böhlscheiben, Cordobang und Leutnitz,
sowohl auf den Höhen als weiter abwärts bis iu’s liiiiuthal, und
an beschränkteren Stellen auch nordöstlich und südwestlich von
Fröbitz; ferner hei Aliendorf und endlich am Spitzherg, (^uerling-
berg und Eierherg hei Dörnfeld und Garsitz in der Nähe von
Königsee. An vielen, wenn nicht den meisten Punkten der ge-
nannten Strecken ist der mittlere Zechsteiukalk von seiner Basis
ah aufwärts als Rauhwacke, zum wenigsten in einer ähnlichen
petrographischeu Beschaflenheit entwickelt, gleichviel oh er auf
unterem Zechsteiukalk lagert, oder hist unvermittelt dem Schiefer-
gehirge aufgesetzt ist; doch tiudet diese gleichmässige Entwicklnug
nicht überall statt. So eröfihet am Eierherg, Querliugherg und
') So erkennt man bei Allenclorf, da wo der Holilwog beim südlicben Aus-
gang des Dorfes beginnt, und an dem von liier aus in nordöstlicher Riclitung
ansteigenden Feldweg, trotz der klotzigen Felsbildungen, doch eine nach NNW.
mit ca. 30*^ einfallende Bankschichtung in der Kauliwacke. Auch an der Fels-
wand im Rinnthal an der Landstrasse unterhalb Leutnitz dürfte eine etwa süd-
westlich gerichtete Schichtung angedeutet sein. Deutliche Schichtung zeigt sich
im Mittleren Zechstein in dem Steinbruch südwestlich von Garsitz, am Wege
nach Herschdorf, wo ein sehr fester, grauer, poröser Kalkstein zu Fundament-
und Sockelcjuadern verarbeitet wird; die Schichtung verläuft unregelmässig, etwas
wellig, die einzelnen Lagen spitzen sich oft aus.
236
H. Lohktz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenburg
Spitzberg der Mittlere Zeclistein mit einem weissen, dicliten bezw.
sehr feinkrystallinisclien, in dicke Bänke geschichteten Kalkstein,
auf welchen erst, ohne scharfe Grenze, die eigentliche ßauhwacke
folgt, welche den bei weitem grössten Theil der Mächtigkeit dieser
Zechsteinalitheilung einnimmt. Poröse Structur ist bei ieuem
weissen Kalkstein immerhin nicht ganz ausgeschlossen, aber er
wird dabei nicht grosslöcherig und unterscheidet sich auch daun
hinlänglich von der höher gelegenen Kauhwacke. In seiner Folge
auf den Unteren Zeclistein kann man diesen weissen Kalk in dem
Hohlweg sehen, welcher am westlichen Ausgang des Dorfes Gar-
sitz beginnt
Von Köuigsee bis Ascliau und noch eine Strecke weiter süd-
östlich längs dem Gebirgsrand ist der Mittlere Zeclistein schwach
Ö O
entwickelt und so zu sagen nur durch eine Bank vertreten. Das
Gestein derselben ist im Allgemeinen rauhwackeartig, kommt aber
stellenweise noch mehr auf jenen weissen, porösen, dem Schaum-
kalk des Muschelkalkes ähnlich werdenden Kalkstein hinaus, welchen
wir vom Hohlweg bei Garsitz erwähnt haben. Manchmal enthält
solcher weisser, poröser Kalk kleine, eckige Bröckchen von grauem
Schieferletten eiugeschlossen (Uuterschöblingen, Aschau). Ganz
dieselben Verhältnisse, schwache Entwicklung des Mittleren Zech-
steins als poröser, weisser, schaumkalkähnlicher Kalkstein, zum
Theil mit Einschluss kleiner Schieferlettenbröckcheu, wiederholt
sich bei der Zechsteiuscholle, die nahe bei Watzdorf, am untersten
') Es ist liier, vom Dorfe beginnend, ein Profil aufgeschlossen, welches die
Schiclitenfolge vom untersten Zechstein bis ziim Beginn des mittleren zeigt, die-
selbe ist so: Zechsteinsandstein, durch Verwitterung gelblich gefärbt, mit ein-
zelnen grösseren Quarzstückchen und Malachitpartikeln; Conglomeratbank, etwa
1 Meter stark, mit grossen, unvollkommen abgerundeten, Quarzitstücken und
dolomitisch sandigem Bindemittel; dunkle, bituminöse Mergel (Kupferschiefer-
äquivalent); ebenschichtige, braun verwitterte dolomitische bezw. mergelige Platten
(Vertreter des eigentlichen Zechsteins), nicht gut aufgeschlossen; weisser, poröser,
dem Schaumkalk des Unteren Muschelkalkes ähnlicher Kalk, der den Mittleren
Zeclistein eröffnet; hier wird das Profil durch eine Verwerfung abgeschnitten, in
der wieder etwas Zechsteinsandstein steckt, und jenseits welcher cambrischcr
Schiefer folgt. Zu beachten ist in diesem Profil die Trennung in Zechstein-
sandstein und Zechsteinconglomerat , sowie die Reduction, resp. geringe Gliede-
rung der darauf folgenden Schichten des Unteren Zechsteins.
nud Küiiigsee am Tliüringer Walde.
237
Theil des Al)han2;s der südlichen llinnthalseite sfeleofeii ist.
Üebrigeus koniint diese an Schauinkalk erinnernde Strnctnr nicht
nur in den untersten Bänken des Mittleren Zechsteins, oder bei
ganz geringer Mächtigkeit desse]l)en vor, sondeiai man bemerkt
sie gelegentlich auch, bei viel grösserer Mächtigkeit, in höheren
Theilen der Ranhwacke ^). Eigentliche oolithische Strnctnr (wie
z. B. bei Leumnitz bei Gera) habe ich hier zu Lande nicht be-
obaclitet. Lockerung des Gesteins bis zu schliesslichem Zerfall
zu dolomitischem Sand oder Pulver findet sich, besonders in Folge
von mechanischen Zerrüttungen, hier und da, wenn auch nirgends
in grosser Ausdehnung ^).
Ob in den zum Mittleren Zechstein zu stellenden Theilen
unseres Zechsteinzuges auch Analoga zu den ostthüringischeu
Rifi'bildungen enthalten sind, oder nicht, darüber bin ich nicht zu
völliger Gewissheit gelangt. Lagerungsverhältnisse wie Gesteins-
l)eschaftenheit scheinen mir die Annahme von solchen Bildungen
nicht nothwendig zu verlangen. Die häufig auftretenden felsigen
Steilwände an sich sprechen ja noch nicht zu Gunsten einer
solchen Annahme: bei reo'elmässio-er Lagerung können sie einfach
nur Stufen im Zechsteinprofil, bei gestörter durch Verwerfungen
hervorgerufen worden sein. Wichtig für die Entscheidung der
Frage ist die Gesteinsbeschaftenheit. Diese nun dürfte nur in den
wenigsten Fällen der typischen Beschafienheit des Riftgesteins
von Pössneck u. s. w. gleich werden, manchmal indess sich der-
selben nähern; an keiner Stelle fand sich jener Reichthum an
kleinen Versteinerungen in Verbindung mit der charakteristischen
petrographischeu Ausl)ildung des »Rifigesteins «. Hier und da
’) Die schaumkalkähnliche Structur kommt auch weiterhin im thüringischen
Mittleren Zechstein vor; vergl. Liebe und Zi.mmekmann, Erläuterung zu Blatt
Saalfeld S. 35. — Ferner Zimmermann, Dieses Jahrbuch für 1887, S. XLVllI.
(Zechstein des Blattes Crawinkel).
Bekanntlich findet bei diesem Vorgang eine Art Dolomitisirung in Folge
Wegführung gCösten Calciumcarbonats statt. In diese Klasse von Erscheinungen
gehört auch die Erzeugung von eisen- und manganlialtigen Farberden, als Rück-
ständen von Zechsteinkalkbänken, die bei stark geneigter Stellung die losende
Wirkung der Tagewässer erfahren haben. (Farberdegruben bei Beulwitz unweit
Saalfeld.)
238
H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenbur;
kommen Stücke vor, die ziemlich viel Bryozoeu, besonders FenesteUa^
enthalten, letztere liegen jedoch, worauf mich Herr Dr. Zimmermann
anfmerksam machte, mehr zerstreut nach verschiedenen Richtungen
im Grestein, nicht, wie im echten Ritfgestein, nach derselben
Richtung.
Die Mächtigkeit unseres Mittleren Zechsteins ist nach dem
Gesagten sehr wechselnd. Während sie in einigen Strecken die
einer starken Bank nicht überschreitet, erhebt sie sich, wo die
Rauhwacke stark entwickelt ist, vielleicht auf 60 Meter und mehr^).
Zur systematischen Aufsammlung von Versteinerungen des Mitt-
leren Zechsteins boten unsere geologischen Aufnahmen keine Ge-
legenheit ^).
AVeiter oben haben wir die Erscheinung der Verkieselung
aus Unterem Zechstein erwähnt; sie wiederholt sich in etwas
stärkerem Grade im Mittleren. Zwischen Allendorf und dem
Rabenhügel auf der Verebnung nördlich von dem letzteren, un-
weit Schwarzburg, liegen im Bereich des Mittleren Zechsteins
viele Blöcke eines dunkelgrauen bis graubraunen, drüsig jiorösen,
vollkommen quarzigen Gesteins, welches, wie mir scheint, mit
dem von Zimmermann 3) im Bereich von Blatt Crawinkel, weiter
nordwestlich im Thüringer Walde gefundenen, ebenfalls in Blöcken
vorkommenden, verkieselten Zeclistein übereiustimmt; der dort
durch Versteinerungen gelieferte vollgültige Beweis für die Um-
0 Dieser Wechsel in der Mächtigkeit war den älteren Geologen schon wohl
bekannt. Vergl. v. Hoff a. a. 0. S. h75 f.
Gf.initz führt (Dyas, Bd. II, 1862, im Yerzeichniss der geologischen und
geographischen Verbreitung der Versteinerungen) aus dem Mittleren Z 'chstein
unseres Gebietes Folgendes an: Turbo helicinus Schloth. sp. vom Ottenbiel, von
Fröbitz und Watzdorf; Pleurophorus costatus Brown, sp. von Fröbitz; Avieula
spehincaria Schloth. vom Ottenbiel; GerviUia ceratophaga Schloth. sp. eben-
daher; Gervillia antiqua Mün. von Leutnitz und Fröbitz; Terehratula elongata
Schloth. vom Ottenbiel; Spirifer cristatus Schloth. ebendaher; Stroplialosia
excavata Gein. vom Ottenbiel und von Watzdorf; Fenestella retiformis Schloth. sp.
vom Ottenbiel; AcanthoTadia anceps Schloth. sp. ebendaher. — Gelegentlicli
der Specialaufnahme fand sich ausser einigen der genannten Formen auch noch
Camarophoria Scklofkeimi (Eierberg bei Königsee) und Acanthocladia dubia
(Gegend von Watzdorf).
^) Dieses Jahrbuch für 188G, S. XLVlIff. , 1887, S. LII f. — Blöcke ver-
kioselton Zechsteindolomits vom Odenwald erwähnt Ciielius, Notizblatt d. Vereins
f. Erdkunde etc. 1888, IV. Folge, 9. Heft, S. 38f.
und Konigsee am Thüringer Walde.
239
Wandlung aus Zechstein steht allerdings hier noch ans. Unweit
dieser Stelle wurde auch an anstehendem weissein mittleren Zech-
steinkalk von rauhwackeartiger Beschaflenheit theilweise erfolgte
Verkieselung beobachtet, die dann auch mikroskopisch und chemisch
bestätigt werden konnte.
Oberer Zeclistein. Ueber den Unteren Letten ist wenig
7Ai bemerken. Bedeutendere, abbauwürdige Gypslager kommen
in demselben vor bei Dörnfeld und Königsee, sowie am Kalkberg
bei Alleudorf; an einigen Stellen finden sich nur geringere der-
artige Einlagerungen oder Spuren davon, grossentheils mag auch
wie anderwärts der Gyps durch Auswaschung entfernt sein. Am
Gypshügel bei Dörnfeld stehen die Gypsmergel wohl 40 — 50 De-
cimalfuss mächtig au und reichen bis fast an den Plattendolomit,
von welchem sie nur durch wenige Schichten grauer Alergel ge-
trennt werden; kaum weniger mächtig dürften die Gypsschichteu
am Kalkberg sein, doch wird diese Stärke gewiss nicht überall
erreicht. Hier und da, doch ziemlich spärlich, sind in dem Letten
Knollen eines grauen thonigen Kalkes oder Dolomites eingelagert;
nur eine Abänderung bezw. ein Umwandlungsproduct derselben
dürften Knollen und Rinden thonigen Brauneisensteins sein, welche
bei Allendorf früher sogar als Eisenerz gewonnen worden sind.
Sandige Lagen habe ich zwischen den Letten und Mergeln dieser
Stufe in unserer Gegend nicht beobachtet. An einem gelegent-
liehen Aufschluss hei Leutnitz zeigte sich an der oberen Grenze
der Stufe deutliche Wechsellageruug des roth und grau nach der
Schichtung gestreiften Lettens mit den untersten Bänken des
Plattendolomits.
Oestlich von Bechstädt und südlich von da, in der Gegend
des Trippsteins, findet allem Anschein nach directe Auflagerung
des Unteren Lettens auf das Schiefergebirge statt. Der Letten
ist zwar stark mit Schieferschutt vermischt und durch solchen
verdeckt, meistentheils wohl auch schon abgewittert und entfernt,
an einigen Stellen indess ist er deutlich zu erkennen i). Es ist
b Am Feldweg östlich von Bechstädt, etwas oberhalb der Horizontalen von
1 100 Decimalfuss; besser noch in der Lettengrube etwas nördlich vom Fahrweg
von der Fasanerie nach dem Trippstein, wo auch die Mergelknollen im Letten
Vorkommen. An dem genannten Fahrweg finden sich im Bereiche des auch hier
240
H. Loretz, Der Zechstein in der Gegend von Blankenbur'
dies also eine Fortsetzuno- der oben schon bemerkten überg-reifen-
den Auflagerung einzelner Zechsteinstnfen auf das alte Gebirge,
die allerdings nicht weiter aufwärts reicht, insofern directe Auf-
lagerung des Plattendoloniits auf dasselbe hier nicht beobachtet
worden ist.
Oberer Zech st ein kalk und -Dolomit. Der typische
Plattendolomit des Oberen Zechsteins kommt in unserer Gegend
ganz so vor, wie man ihn auch anderwärts zu sehen gewohnt ist.
Seine Lager trennen sich in mässig starke, ^/5 Meter in der Dicke
oft nicht überschreitende und kaum durch thonio’e Zwischenlao-en
O o
geschiedene Platten. Das Gestein ist dicht, spröde, kaum porös,
dunkelrauchgrau in frischem, gelblich in verwittertem Zustand,
oft auch in der Schichtrichtung etwas streifig; die Platten sehen
auf der Oberfläche nicht selten unregelmässig grnbig aus. Die-
selben sind vielfach gesprungen und zerklüftet, insoweit die Lage-
rung in der bekannten A¥eise, welche auf die Entstehung unter-
lagernder Gypsflötze aus Anhydrit, und spätere Auslaugung sich
zurückführen lässt, gestört worden ist; zerrüttete Bänke können
durch Wiederverkittung ein breccieuartiges Aussehen erlangt haben,
in anderen Fällen hat diu’ch AMrherrschen auslaugeuder Einflüsse
Zerfall zu Dolomitsand stattgefundeu. Der obere Zechsteinkalk
ist aber nicht durchweg als Plattendolomit entwickelt, sondern es
kommt auch in o-ewissen Strecken eine Ausbilduna; als Zellenkalk
bezw. -Dolomit vor, so besonders in der Gegend zwischen Eröbitz,
Quittelsdorf und Watzdorf. In dieser Form bildet das Gestein
hier und da klotzige Felsmauern, und erlangt eine gewisse äusser-
liche Aehnlichkeit mit der Ilauhwacke des Mittleren Zechsteius;
bei näherer Vergleichung sieht man aber, dass dasselbe in seiner
feinkrystallinischen bis dichten Structur, den hier und da hervor-
treteuden schichtia:en Streifen und der hellen Färbun«: des Ver-
stark durch Scliiefei’schutt bedeckten und mit solchem vermischten Lettens recht
viel Stücke einer aus kleinen Schieferstückchen bestehenden, mürben Breccie;
nur vermuthungsweise kann angenommen werden, dass dieselbe die Unterlage
des Lettens bildet und unmittelbar dem Schiefergebirge aufliegt, indem sie so
zugleich eine Andeutung von Zechsteinconglomerat darstellt, während allerdings
die Kalkbildungen des Unteren und Mittleren Zechsteins hier fehlen würden.
nnd Königsee am Thüringer Walde.
241
witteningsbodens entscliiodeu mehr dem Plattendolomit als dem
Hauptdolomit oder der Ilauhwacke gleicht, und dass auch die
die Gesteinsmasse durchziehenden Höhlungen in beiden Fällen
etwas verschieden gestaltet sind. Soweit diese Entwicklung des
oberen Zechsteinkalkes reicht, pflegt sie den unteren Theil dieser
Stufe zu bilden, der zunächst auf den Unteren Letten folgt ^);
aufwärts g:eht sie in den eigentlichen Platteudolomit über. Der
letztere kann übrigens auch ohne jene Zellenkalk -Entwicklung
sofort das Hangende des Unteren Lettens bilden; es ist dies von
Strecke zu Strecke verschieden. — An Versteinerungen ist der
Plattendolomit wie gewöhnlich arm und liefert nur die bekannten
Steinkerne von Schizodus und A^icella.
Der eigenthümliche Vorgang der Verkieselung, den wir schon
beim Unteren und Mittleren Zechstein erwähnt haben, scheint bei
dem oberen Zechsteinkalk in noch grösserer Verbreitung stattge-
funden zu haben. Nachdem diese Erscheinung zunächst an gelb-
braunen Plattendolomitstücken von Pennewitz in verschiedenen
Stadien, bis zu völliger Verkieselung bemerkt worden war ^), kam
in Frage, ob nicht die in grosser Zahl vorhandenen Blöcke eines
gelbbraunen dichten Quarzits, wie sie besonders in der Cordo-
banger Gemarkung zerstreut Vorkommen, und sich auch noch
weiter westlich finden, für verkieselten oberen Zechsteinkalk an-
gesehen werden müssen, statt für Braunkohlenquarzit, wie an-
fänglich die Meinung war, umsomehr als sie mit sonstigen Braun-
b Auch weiterhin ini thüringischen Zechstein wiederholt sich dies; vergl.
Weiss, dieses JahrlDuch für 1885, S. XXXVI.
b In Dünnschliffen dieser Vorkommnisse giebt sich der Zustand der theil-
weise erfolgten Verkieselung in kleinen Anhäufungen von krystallinischem Quarz-
mosaik zu erkennen , welche das Gewebe der Carbonatkryställehen unterbrechen
und durchziehen; bei völliger Verkieselung ist von letzteren nichts mehr vor-
handen. In den Dünnschliffen fällt auf, dass die Brauneisenpartikelchen, welche
bei mangelnder Verkieselung das Ganze gleichmässig durchstäuben, bei einge-
tretener Verkieselung in kleinen Flecken oder sonstigen Anhäufungen von ver-
schiedener Form sich angesammclt haben, zwischen denen die krystallinische
Quarzmasse desto reiner hervorlritt. — Präparate der früher erwähnten ver-
kieselten Vorkommnisse von Allcndorf (aus Mittlerem Zechstein), sowie auch der
von Cordobang, lieferten ähnliche Bilder, bei den letztgenannten war die Con-
centrirung der Brauneisenpartikelchen weniger ausgesprochen.
Jahrbuch 1889.
16
242
H. Lorhtz, Del' Zoclistein in der Gegend von Blankenburg
kolilenquarzitprobeu aus Tliüringen petrograpliisch nicht übereiu-
stiinmen. Der Structur nach würden sie sieb znm Tbeil auf lunge-
wandelteu Plattendoloniit, znin Tbeil aber auch auf nmgewandelteu
caveruöseu, oberen Zecbsteiukalk beziehen lassen, mit welchem ganz
besonders manche jener Quarzitblocke grosse Formälmlicbkeit be-
sitzen. Es ist namentlich eine Stelle nordöstlich von Cordobang,
wo sich für diese Erklärnng der genannten Blöcke noch ein
anderer Wabrscbeinlicbkeitso'rnnd geltend machen lässt. Dort
häuft sich nämlich auf einer vom Unteren Letten des Oberen
Zechsteins eingenommenen Fläche die Zahl der Qnarzitblöcke
ganz bedeutend, und an einer Stelle dermaassen, dass von dem
Lettenboden gar nichts mehr zu sehen ist und die Blöcke ein
wahres Haufwerk bilden, welches recht wohl der zerfallene Rest
einer verkieselten, ehemaligen Auflagerung von oberem Zechstein-
kalk sein könnte; man müsste denn ein künstliches Zusammen-
tragen annehmen, was ich nicht für wahrscheinlich halte. Die
Ursache der vermutheten Verkieselung bleibt aber auch hier un-
aufgehellt.
Die Stufe des Oberen Lettens ist selten einmal deutlich
aufgeschlossen und zeigt dann nur eine geringe Vläehtigkeit, die
sich auf einige Meter, mitunter noch weniger, veranschlagen lässt;
meistens scheint auf den obersten Plattendolomit so gut wie un-
mittelbar Bröckelschiefer und die ersten sandigen Lagen des Bunt-
Sandsteins zu folgen, so dass eine besondere Ausscheidung von
Oberem Letten auf der Karte nur constructiv auszuführen ist ^).
Au den wenigen Stellen, wo diese Stufe deutlich vorhanden ist,
zeigt sie sich gebildet aus rothen oder graublauen oder noch
dunkleren Letten, welche Bänkchen und Platten dolomitischen
Gesteins mit unebener, knolliger Oberfläche enthalten.
Die Lagerung des Zechsteins in der hier besprochenen
Gegend ist nichts weniger als regelmässig. Das Ausstreichen
seiner Schichten stellt sich vielmehr als ein sehr unregelmässig
0 Wenn man die ersten sandigen Lagen als Beginn des Buntsandsteins an-
nimnit, fällt der Streifen, der den Oberen Letten darstellt, auf der Karte in der
Tbat meist verschwindend schmal aus.
und Königsee am Thüringer Walde.
243
verlaufendes, aus- uud eiuspriugeudes, mit Zacken und liallünsel-
artigen Vorsprüngen versehenes Band von ganz ungleicher Breite
dar, welches sich zwischen dem alten Schiefergebirge des südöst-
lichen Thüringer Waldes einerseits uud den ihm uordwärts vorge-
lagerten Buntsandsteinschichten andererseits hiuzieht uud dabei
noch vielfach zerschuitteu, getrennt uud verschoben ist; obendrein
treten einzelne Zechsteinausstriche iuselartig im Gebiet des
Schiefergebirges und in dem des Buntsandsteins auf. Diese Art
von Lagerung hängt damit zusammen, dass das Gebiet von einer
ofrösseren Zahl verschieden «gerichteter uud auch ihrem Wirkungrs-
grade nach ungleicher Verwerfungen durchschnitten wird, an
welchen die Schichten Verschiebungen erlitten haben, so dass
nun die getrennten Theile eiuer uud derselben Schicht ganz ver-
schiedenes Streichen uud Fallen erhalten haben uud verschiedene
absolute Höhenlagen einnehmen.
Geht man die Umgreuzungsliuieu der Zechsteinausstriche
einzeln durch, so findet sich, dass sehr viele davon deu genannten
Störungen augehöreu, während die übrigen in der ursprünglichen
Auflagerungsfläche des Zechsteius auf das alte Gebirge, oder
andererseits in der Auflafferunj^sfläche des Buutsaudsteins auf den
Zechstein gelegen sind. Es sind indess nicht nur wirkliche
Sprünge oder Verwerfungen, sondern auch sattel- uud gewölbe-
artige Biegungen, theils flachere, theils schärfere, welche auf die
Lageruug von Einfluss gewesen sind; diese Art von Störungen
spricht sich besonders aus in dem Auftaucheu der oberen Zech-
steiuschichteu im Gebiet des Buutsaudsteins, so namentlich bei
Alleudorf uud nordwestlich von da ^).
Einige der genannten Verwerfungen liegen in der Hauptver-
werfungsrichtuug des Thüringer Waldes, nämlich in SO., NW.;
b Es ist hierbei nicht nur an die bekannte Aufwölbung und Berstung der
Plattendolomitschichten in Folge Entstehung der darunterliegenden Gypslager aus
Anhydrit zu denken, sondern auch an Bewegungen, welche umfassende Theile
des Schichtengebäudes in gewisser Richtung ergriffen haben und welche ihrer-
seits mit den Verwerfungen in ursächlichem Zusammenhang stehen, wie z. B. eben
in der Strecke bei Aliendorf und weiter NW.; mögen ja doch oft genug solche
Bewegungen und die durch sie bewirkten Sprünge erst Anlass und Einleitung
gewesen sein zu jenem grossentheils chemisch sicli abspielenden Vorgang.
IG*
244
H. Loretz, Der Zeclistein in der Gegend von Blankenbur'
SO melirere Störimgsliuien im mittleren Gebiet, bei Bechstädt,
Aliendorf, Köditz, Horba, kleinere auch weiter östlich und west-
lich 1); andere ziehen qner zn dieser llichtnng, so ans der Gegend
von Allendorf gegen Qnittelsdorf hin, wieder andere befolgen noch
andere Richtungen. Die Lagerung in unserer Gegend steht über-
haupt in merklichem Gegensatz zn der Lagerung in jenen Strecken,
wo der Rand des eigentlichen Thüringer Waldes bezw. die Grenze
des älteren Gebirges gegen das jüngere, ziemlich geradlinig SO.,
NW. hinzieht, wie das weiter östlich, zwischen Blankenburg, näm-
litdi dem Rinnthal znnächst oberhalb Blankenbni’g, und Saalfeld,
sowie weiter westlich, bei Ilmenau, Elgei’sbnrg n. s. w. der Fall
ist. Dort ei’schöpften sich die Bewegungen der Erdkruste,
welche der Entstehung dieses Gebirges zu Grunde liegen, mehr
in der Anlage einer grossen, SO. — NW. ziehenden Verwerfung,
und die Zechsteinschichten begleiten dieselbe als ein einfacher,
ziemlich regelmässig verlaufender Streifen; hier bethätigten sie
sich in der Ausbildung zahlreicher, weniger starker und weniger
richtnngsbeständiger Störungen, und dementsprechend erscheinen
die Zechsteinschichteu gleichsam wie verzettelt^). Damit steht
auch das orographische Verhalten im Zusammenhang; dort er-
hebt sich das alte Gebirge in weithin sichtbarem Steilabfall und
trennt sich in ihm deutlich von den jüngeren Schichten, hier ver-
flacht es sich allmählicher ohne in die Augen fallende Grenze.
Was die Lage der Zechsteinschichteu in unserem Gebiete
des Näheren betriflft, so liegen sie auf der Höhe des Gebirges
zwischen Böhlscheiben, Cordobang und der Heukertskuppe ziem-
lich flach, von da gegen das Rinnthal hin fallen sie im Allge-
meinen nordöstlich, nördlich und nordwestlich ein, je nachdem wir
von Osten westwärts vorschreiteu. Dieselben bald mehr bald
b Diese kleineren werden erst bei grösserem Maassstab der Karte deutlich,
wenn die einzelnen Stufen des Zechsteins getrennt zur Darstellung kommen.
b ZiMMERMANM (Dicscs Jahrbucli für 1887, S. LIII ff.) hat diesen Unterschied
bereits hervorgehoben und näher beleuchtet. — Zunächst S. bei Blankenburg er-
scheint in unserem Gebiete ein solcher schmaler Zechsteinstreifen an der von
Saalfeld herkommenden Hauptverwerfung , welche dann weiter eine Strecke lang
im Rinnthal liegt und deren Wirkungen noch weiterhin nach NW. bemerk-
bar sind.
und Königsee am Tbüringer Walde.
245
weniger von N. abweichenden Einfallrichtungen kehren auch
weiterhin gegen Königsee und darüber hinaus wieder, sie sind
aber iin Einzelnen so sehr von den zahlreichen Verwerfungen und
Aufwölbungen abhängig, dass sich eine allgemeine Kegel in dieser
Beziehung nicht geben lässt.
Ifass die geringe Erzführung, welche im Unteren Zechstein
unserer Gegend in früheren Zeiten bergbauliche Unternehmungen
vei’anlasst hat, aller Wahrscheinlichkeit nach, wie im Kamsdorfer
Revier, an Störungen (Rücken, Sprünge) gebunden ist, wurde
weiter oben schon erwähnt. Nicht anders verhält es sich mit dem
Schwerspath, welcher, abgesehen von ganz untergeordneten Vor-
kommnissen, im Bereiche des Vlittleren und Unteren Zechsteius
an verschiedenen Stellen unweit Pennewitz, Dörnfeld, Alleudorf,
Leutnitz, in etwas grösserer Menge auftritt, und au einigen der-
selben noch jetzt Gegenstand der Gewinnung ist. Wiederholt
konnte aus der Lage der Schürfe oder Schächte geschlossen
werden, dass die schwerspathführeudeu Klüfte im Allgemeinen
sich in Richtung SO. — NW. halten, und umgekehrt wurde wieder-
holt auf deutlich nachzuweiseuden, in dieser Richtung streichen-
den Verwerfungen das Vorkommen jenes Minerals in grösseren
Ausscheidungen beobachtet. Nicht immer jedoch scheinen es
regelmässig verlaufende, einfache Klüfte zu sein, welche dasselbe
führen; vielmehr scheint das Verhalten oft so zu sein, dass das
Gestein in der genannten Richtuuo;: auf eine gewisse Breite hin
von kürzeren Gängen und Gaugtrümeru des Schwerspaths durch-
schwärmt wird ^).
b Vergl. Erläuterung zu Blatt Saalfeld, von Liebe und Zimjierjiamn, S. (14,
wonach der Schwerspath im Kamsdorfer Revier nur auf den Spalten in h. 9 vor-
kommt.
Der im Lichtliof der Königl. geologischen Laiides-
anstalt und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf
mit Wurzeln aus dem Carbon des Piesberges.
Von Herrn H. Potonie in Berlin.
(Hierzu Tafel XIX-XXII.)
Im Piesberger Steinkohlenbergwerk bei Osnabrück sind —
wie ans einer kurzen Mittheiluug aus der Feder des früheren
Directors des in Rede stehenden Bergwerkes, Herrn Karl Temme,
hervorgeht — häufig mächtige, stammälmliche Steinkenie beob-
achtet und zu Tage gefördert worden, die vornehndich dem
Haugeuden der Oberbauk des Flötzes »Zweibänke« entstammen.
Das Museum der Königl. geologischen Laudesanstalt besitzt ein
solches etwa 4 Meter langes Petrefact vom Piesberge, das bisher
— wohl wegen seiner an die S/^i7fan’«-Unterabtheiluug Rhjtidolepis
erinnernden aber uureffelmässi«:en Läu^sfurchnua: — für eine
Sigillaria gehalten worden ist und welches sich zur Zeit in der
nordöstlichen Ecke der Gallerie befindet, die sich in der Höhe
des ersten Stockwerkes um den Liehthof herumzieht. Herr Temme
h Temme, »Der am Piesberg gefundene und aufgestellte Wurzelstock einer
»Siyillaria« S. 2G6 u. 267 des sechsten Jahresberichtes des naturwissenschaftlichen
Vereins zu Osnabrück. Osnabrück 1885.
H. PoTosiii, Der im Liclitliof der Königl. geologischen Landosanstalt etc. 247
sagt ’) über diese Gebilde: »Man hielt die fossilen Ueste seither
für Lepidodeudron- oder Sigillarien- Stämme, ohne sie jedoch
näher bestimmen zu können«.
»Beim Aufzimmern einer zu Bruche gegangenen Wetter-
streckc im Flötz Zweibänke ■ — fahrt unser Autor fort — wurde
lieobachtet, dass die Stämme, mit der Spitze nach unten gerichtet,
in den umgebenden Schieferthon eingelagert sind und dass die
dicker werdenden Theile nach oben sich zu einem gemeinsamen
Stamme vereinigen, der rechtwinklig gegen das Fallen der Gebirgs-
schichten in die übergelagerten Schieferthon-, Sandstein- und
Conglomerat - Schichten fortsetzt. Mau hat es also nicht mit
Stämmen sondern mit Wurzeln von Stämmen zu thnn, welche in
dem über dem Flötz abgelagerten Schieferthon gewachsen si)id
und sich noch au der ursprünglichen Vegetationsstelle befinden«.
Bei dem erhöhten Interesse, welches die Petrefacten durch
diesen Befund gewannen, wurden auf Veranlassung des Herrn
Temme und unter umsichtigster Leitung des Herrn Obersteigers
Theodor ScHAEFER in den Jahren 1884 — 1886 vier derartig voll-
ständige Petrefacten im Bergmittel verfolgt und mühsam stück-
weise zu Tage gefördert.
Das erste (jetzt Berliner) Exemplar wurde nach Mittheiluugen
des Herrn Schaeeer auf der Wetterstrecke Bremsberg V, 16 Meter
flach über der Grundstrecke des Flötzes Zweibänke am Südflügel
anfgefunden. In circa 35 Meter nordwestlicher Entfernung von
diesem Fundpunkte fand sich im Pfeiler über West No. 2 das
zweite (jetzt Osnabrücker) Exemplar. In etwa 7 Meter weiterer
nordwestlicher Eutferuuuf» von dem letzteren wurde in demsell)cn
Pfeiler das dritte und wiederum in demselben Pfeiler ca. 20 Meter
nordwestlich vom zweiten das vierte Exemplar gefunden. Alle
standen mit ihren Stämmen senkrecht auf den Schichtungstlächeu.
Leider haben die beiden letzten, kleineren Exemplare keine Ver-
werthnug gefunden; sie haben lange im Freien gelegen und sind
verwittert. Innerhalb der Fundstellen von diesen vier Exem-
plaren in einer Längenausdehuung von etwa 60 Meter und einer
1) 1. c. S. 266.
248 H. PoTONiK, Der im Liclithof der Kocigl, geologischen Landesanstalt
Breiteuausdelmuiig von etwa 50 Meter, insbesondere im Pfeiler
West 1 , ausserdem im Ostpfeiler 3, ca. 50 Meter vom Brems-
schacbte entfernt, sind daun noch viele Wnrzelreste gefunden, die
aber nicht weiter beachtet und verfolgt worden sind, weil die vor-
erwähnten beiden kleineren Exemplare noch keine Liehhaher ge-
funden hatten. Auch an anderen Stellen im Hangenden des
Flötzes Zweibänke sind mächtige Wurzeln gefunden worden.
Nach alledem scheinen also hier zahlreiche Stämme gestanden zu
haben.
Von den Stammtheilen sind nur Stümpfe erhalten geblieben,
beziehungsweise gefördert worden. Die beiden zuerst gefundenen,
besten Exemplare wurden zunächst — das eine, später (1885) ge-
förderte vor dem alten Osnabrücker Museum, dem ehemaligen
Amts-Gerichtsgebäude, das andere, 1884 gefundene unweit des
Schachtes, jedes unter einem besondei’s errichteten, hölzernen
Pavillon aufgestellt. Das erstere hat nunmehr im neuen Osua-
brttcker Museum seinen definitiven Platz gefunden , das zweite
ist im Jahre 1889 in den Besitz der Köuigl. geologischen Landes-
austalt und Bergakademie in Berlin gelangt. Dieses letztere
Exemplar ist das wissenschaftlich werthvollere; ich gebe im Fol-
genden seine ausführliche Beschreibung.
Zur Orientiruug über das äussere Aussehen des Fossils bietet
Tafel XIX eine phototypische Darstellung desselben und zur
Würdigung der Grösseuverhältnisse die nachfolgende von Herrn
Prof. A. Schneider verfasste Tabelle mit genauen Maassaugabeu,
bei deren Studium der zugehörige geometrische Grundriss des
Petrefactes auf Tafel XX zu vergleichen ist.
Es geht aus den Zahlen hervor, dass unser Petrefact das
grösste palaeozoische des Kontinentes ist. Das in Osnabrück ge-
bliebene Exemplar nimmt zwar einen grösseren Flächenraum ein,
weil die Längenausdehuungeu der Wurzelenden die des Berliner
Exemplares übei’trefieu ; aber bei dem Berliner Exemplar sind die
Wurzeln viel mächtiger entwickelt und von dem Stamm ist ein
tüchtiger Stumpf erhalten, der bei dem Osnabrücker vollständig
fehlt.
und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 249
In dem Cxrimdriss Tafel XX ist
a das Centrum des Stammes im Niveau der ersten Dichotomie
ab
a c
a d
ae
b e
b d
cd,
ce
fk
bA
h m
in
= 0,56 Meter |
= 0,54 » i
= 0,63 » i
= 0,61 » i
= 0,72 Meter ;
= 0,87 » ;
= 0,97 » ;
= 0,74 » ;
= 1,00 » \
- 0,6 1 » f
= 0,43 » 1
= 0,70 » )
Maasse vom Centrum bis zu den Endpunkten
der Gabellinie bac der ersten Dichotomie.
Maasse vom Centrum nach den Gabelpunkten
der Dichotomieen 2. Ordnung,
zugehöriger oberer Umfang = 0,85 Meter
» » » = 1 , 1 2 s
» » » = 1,27 »
» » » = 0,94 »
Ilorizontalmaasse Itis zu den Dichotomieen
3. Ordnung.
kk' =
0,29
»
; zugehöriger
oberer
Umfaug
= 0,35 Meter^),
kk" =
0,31
»
; »
»
»
= 0,41
»
IV =
0,59
»
; »
»
»
= 0,80
»
IV' =
0,55
»
; »
»
»
= 0,71
»
mm =
0,51
»
; »
»
»
= 0,62
»
mni' =
0,46
»
; »
»
»
= 0,62
»
n n =
0,32
»
; »
»
»
= 0,55
»
tf
n n =
0,35
»
; »
»
»
= 0,47
»
0
k2p
kq =
1.29
1,28
1,31
1.30
1,51
1,58
Ilorizontalmaasse von der Dichotomie 3. Ord-
nung k bis zu den Enden der Wurzelstiicke,
= zugehörige geneigte Länge nach o,
= » » » » p,
, Ilorizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
nung l zur Dichotomie 4. Ordnung
— zugehörige geneigte Länge,
9 Nach meinen Angaben sind in der Tabelle als 1. Dichotomie die Theilung
des Petrofactes in die beiden Hauptstücke, die durch die Linie hac getrennt
werden, als Dichotomieen 2. Ordnung die Punkte d und e, als Dichotomieen
3. Ordnung die Punkte klmn u. s. w. bezeichnet. Wir werden weiter hinten
sehen, welche Gründe zu diesen Deutungen veranlasst haben. Potonie.
9 Die gemessene obere ümfangslinie weicht im Grundriss entsprechend seit-
lich von der punktirten geraden Verbindungslinie ab. Die Zahlen dienen dazu, das
Maass der Wölbung der betreffenden Wurzeln zu veranschaulichen. Schneiuer.
250 H. PoToxiK, Der im Lichthof der König!, geologischen Landesanstalt
/2f = 2,20 Meter,
2,38
TOj S =
0,83
0,96
W? 2 t —
1,01
1,11
Ultl =
1,13
1,20
0,94
0,99
qq =
0,18
II
0,22
SS =
0,35
s s" =
0,30
vv ~
0,18
vv” —
0,20
qi w =
0,53
qo X =
0,49
=
1,22
s^z —
1,06
1,25
1,11
—
0,24
^^2^2 =
0,55
b Die in der
Ilorizoiitalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
nung/ bis zum Ende des Wurzelstückes r^),
= zugehörige geneigte Länge,
Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
nung m zur Dichotomie 4. Ordnung s,
= zimehörio;e efeueijxte Läntre,
Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
nung m bis zum Ende des Wurzelstückes t,
= zugehörige geneigte Länge,
Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
nung n bis zum Ende des Wurzelstückes
= zutrehöritre ffeneiirte Län<re,
Horizontalmaass von der Dichotomie 3. Ord-
uuua: n bis zur Dichotomie 4. Orduunn;: v.
= zugehörige geneigte Länge,
zugehöriger oberer Umfang = 0,21 Meter,
= 0,24
= 0,39
^ 0,35
= 0,20
= 0,22
H orizontalmaasse von der Dichotomie 4. Ord-
nung q nach den Enden der Wurzelstücke
w und a-,
Horizontalmaasse von der Dichotomie 4. Ord-
nung s nach den Enden der Wnrzelstücke
y und s,
= zugehörige geneigte Länge nach
= » » » » äT,
Horizoutalmaasse von der Dichotomie 4. Ord-
nung V nach den Enden der W urzelstücke
und C2,
wegen Fehlens des einen Zweiges derselben — der nach mündlicher Mittheilung
des Herrn Bergdirectors Temme bei der Zutagefördorung noch dagewesen, dann
aber verloren gegangen ist — in der obigen Tabelle ausser Acht. Potoxie.
und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 251
4,00 Meter = Umfung des Stammes im Niveau der ersten Dicho-
tomie,
2,53 » = Umfang des Stammes 0,82 Meter über der ersten
Dichotomie,
2,45
»
=
Umfaug des Stammes am oberen
Ende.
1,30
»
Höhe
des Baumstumpfes über
1,25
»
-
»
» » »
0,71
»
Höhe des höchsten Wurzeleudes
über dem
Boden,
0,02
»
-
»
» niedriofsteu »
O
r
»
»
»
0,88
»
-
»
der Dichotomie 1 . Ordnung h
»
»
»
0,87
»
=
»
» » » »
c
»
»
»
0,79
»
=
»
» » 2. »
d
»
»
»
0,99
»
»
» » » »
e
»
»
»
0,61
»
-
»
» » 3. »
k
»
»
»
0,46
»
=
»
» » » »
l
»
»
»
0,49
»
»
» » » »
m
»
»
»
0,69
»
»
» » » »
11
»
»
»
0,44
»
»
» » 4. »
»
»
»
0,20
»
»
» » » »
s
»
»
»
0,64
»
=
»
» » » »
V
»
»
»
Was nun zunächst die »Wurzel«') uns('res Petrefactes hin-
sichtlich ihrer Gestalt betrifft, so zeigt sich diese streng dichotom
verzweigt, scheinbar allerdings zunächst viertheilig und erst jeder
dieser Theile dichotom. Das zeigt ohne Weiteres der Grundriss
Tafel XX. Dieser Grundriss demonstrirt sogar, dass sich die
b Ich bezeichne den unterirdischen Theil des Petrefactes in dieser Abhandlung
stets kurz als Wurzel, womit ich aber nur sagen will, dass der in Rede stehende
Theil in physiologischer Hinsicht eine Wurzel ist; in morphologischer Hinsicht ist
er ein Rhizom. Denn die Narbenform, die z. B. durchaus der von den Nadeln auf
den Stengeltheih n der Wciss- oder Edeltanne {Ahies alha Mili.ek) hinterlasscnen
gleicht, ihre quincunciale Stellung und die exogene Entstehung, sowie die damit
in Zusammenhang stehende Abfälligkeit der Appendices spricht durchaus für die
Blattnatur der letzteren. — Vergl. diesbezüglich W. C. Wn,Li.\MSON : »A monograph
on the morphology and histology of Stigmaria fico'ides« in »The palaeontogra-
phical society«. liOndon 1887. Ferner z. B. auch H. Gisaf zu Solms-Lauhach :
»Einleitung in die Palacophytologie« p. 295 ff. (Leipzig 1887) oder A. Schenk:
»Die fossilen Pflanzenreste« p. 97 ff. (Breslau 1888).
252 H. PoTONiit, Der im Liclithof der Königl. geologischen Landesanstalt
Wurzel ohne jede Deutelei als vou vorn herein dichotom betrachten
lässt. Denn die gegenüber befindlichen Buchten h und c liegen
dein in derselben Ebene genommenen Stamm- Mittelpunkt a am
uäcbsten; sie sind besonders stumpf und machen aus diesen beiden
Gründen den Wurzelkörper von vorn herein zweitheilig. Durch die
Jjiuie h a c wird also die Achsel der ersten Dichotomie markirt.
Es erinnert das an das gewöhnlich »zweilappige« /soctes-Stämm-
chen. Das Osnabrücker Exemplar zeigt eine solche deutliche
Sonderung in zwei Theile nicht: hier erscheinen von vorn herein
vier gleichmässig entwickelte Abzweignngen, die gleichwerthig zu
sein scheinen, die aber gewiss auch als zweifach dichotom zu
deuten sind, derartig, dass die beiden Dichotomieen zweiter
Ordnunw sofort nach Bilduno- der ersten zur Eutwickluua: ffe-
kommen sind. Auch andere Figuren in der Litteratur sprechen
dafür, dass die Wnrzelverzweiguug der mit dem unserigeu zu ver-
gleichenden Carboustämme auch vom ersten Beginn au streng
dichotom ist'); alle Fälle, wo eine Viertheilnng vorzuliegeu scheint,
lassen sich wie das Osnabrücker Exemplar deuten , und bei
den Stämmen mit Wurzeln, die sich au der Basis in
viele (mehr als vier), scheinbar gleichwerthige Theile gliedern,
mögen die Dichotomieen noch schneller auf einander gefolgt
sein ; so z. B. bei dem SigillariaSiAmm^ den Rich. Brown be-
schreibt ^). Im Allgemeinen werden aber — das lehren die
Objecte — besonders die beiden Dichotomieen 2. Ordnung nn-
inittelbar nach Entstehung der ersten zur Entwicklung gekommen
sein, sodass die Basis des Stammes gewöhnlich jene charakteristi-
schen Kreuzfnrcheu zu erkennen giebt, die — nach mündlicher
Alittheiluug des Herrn Temme — auch bei unserem Petrefact sehr
deutlich bemerkt worden sind. Ich kann es nicht unterlassen,
b Vergl. z. B. die Zeichnung Otto Webee’s — auf Tafel XII in Bd. III
der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft. Berlin 1851 — in
Göppeut’s Abhandlung: »lieber die Stigmaria ficöides Brongn.« — Ferner Fig. 14
auf Tafel B und Fig. 2 auf Tafel IV im Atlas zu Goldenbbrg: »Die Pflanzen-
versteinerungen des Steinkohlengebirges zu Saarbrücken«. Saarbrücken 1855 u. ff.
b Rich. Brown: »Description of erect Sigillariae with conical Tap Roots,
found in the roof of the Sidney Main Goal« in Proceed. geol. Soc. Quart. Journ.
1849, p. 393.
und Bergaliudemie aufgostellte Baumstumpf mit Wurzeln etc.
253
liier noclinials an hohes zu erinnern , deren Stamm bei allen
Arten der Länge nach von 2 oder 3, in Aiisnalnnefällen 4, ja sogar
5 auf der Unterseite des Stammes sieb vereinigenden Furchen
durchzogen wiiaU). Auch A. Schenk z. B. meint mit Anderen,
dass die Viertheilung auf rasch wiederholter Dichotomie beruhe.
Die wieder gegenüber liegenden Buchten d und e unseres
Grundrisses Tafel XX sind die von a nächst entfernten und
gleichen sich wieder ihrem äusseren Ansehen nach, aber wir sehen
sie hier verhältnissmässig spitze Winkel bilden: es sind diese
Buchten — wie leicht ersichtlich — die Achseln der beiden Dlcho-
tomieeu zweiter Ordnung.’ Die übrigen Dichotomieeu sind ohne
Weiteres klar. Die Buchten Ä’, /, /», n sind demnach Dichotomieen
dritter, die Buchten s, v Dichotomieen vierter Ordnung.
Die Wurzeln zeigen, wie die Tafel XIX zu erkennen giebt,
eine unregelmässige Längsfurchuug, die wohl nicht dem lebenden
Individuum angehört hat, sondern erst während der Verwesung
oder der Fossilisatiou zu Staude gekommen ist.
An den auf Tafel XX markirteu Stellen der Wurzel, also an
ihren horizontal verlaufenden Enden sind zweifellose Stigmaria-
Narbeu zu sehen, die auf dem Ende bei y am deutlichsten sind,
wie unsere in natürlicher Grösse hergestellte Figur 1, Tafel XXII
veranschaulicht. Diese Figur stellt ein Theilchen der Oberfläche
dieses Endes dar. Die genaue Bestimmung ist Stigmaria fiedides
Brongn. var. inaequalis Göpp. Dass auch das auf der Galerie
des Museums für Berg- und Hüttenwesen befindliche, bereits
S. 246 dieser Abhandlung erwähnte Stück eine Stigmaria ist, be-
weisen ebenfalls deutliche Stigmaria-^üvhen (derselben »Varietät«
wie oben), die ich au der Spitze des Stückes gefunden habe. Dieses
Stück muss einem sehr mächtigen Baume augehört haben, da das-
selbe — wie schon gesagt — die Länge von etwa 4 Meter hat;
die übrigen wissenswerthen Maasse desselben sind:
b Vergl. H. Potonie: »Aus der Anatomie lebender Pteriduphyteii und von
Cycas revoliiia«, S. 30D (15 des Separatabzuges) in den Aljliandl. zur geolog.
Specialkarto von Preussen und den Thüringischen Staaten, Bd. XVII, Heft 3.
Berlin 1887.
b A. Schenk: »Die fossilen Pflanzenreste« S. 91. Breslau 1888.
254 H. PoTONiE, Der im Lichtliof der Königl. geologisclien Landesanstalt
Umfaug der Spitze 0,14 Meter
» in der Mitte 0,70 »
» am Grunde 0,96 »
Auch der Stammstrunk zeigt an mehreren, ebenfalls auf dem
Grundriss Tafel XX angegebenen Stellen deutliche, durch die
Pflanze bedingte Oberflächenstructur, die jedoch nicht der Kinden-
sonderu der Holzoberfläche unter der Ivinde entspricht. Die
Rinde ist hier und da als kohliger Rest erhalten, so unten auf
Tafel XXI, welche ein Stück der Stammoberfläche bei 5, Tafel XX,
veranschaulicht, die der auf der Phototypie, Tafel XIX, dem Be-
schauer zugekehrteu Fläche entspricht. Auf den jetzt noch vor-
handenen kohligen Resten habe ich leider auch nicht eine Spur
von Narben entdecken können, und die genaue Bestimmung
unseres Stammes ist somit — bei dem Stande der heutigen palaeo-
phytologischeu Systematik — leider unmöglich. Es ist daher
sehr zu bedauern, dass auf die kohlige Bedeckung des Strunkes
bei der Zutageförderuug nicht peinlich Acht gegeben worden ist.
Es lässt sich aber wenigstens — trotz des erwähnten Mauo-els —
Ö Ö
im höchsten Grade walu’scheinlich machen, dass das Fossil eineni
Lepidophyten angehört hat, was übrigens aus nahe liegenden
Gründen auch ohnedies angenommen werden müsste; denn die
Oberflächenstructur des Holzes unter der Rinde tritt in ähnlicher
Weise bei einigen Sigillarien und Lepidodendren auf, namentlich
bei Sigillaria rimosa Gold. (= SigUlaria camytotaenia Wood.),
die auch im Piesberge vorkommt. Bekannt sind vom Piesberge
Sigdlarie7i, Lepidodendren — beide auch in Stücken aus dem
Hangenden des Flötzes Zweibänke in der Sammlung der Königl.
geol. Eaudesanstalt vertreten — und Lepidophloios — in der
Sammlung der Landesanstalt ohne speciellere Fundortsangabe ^).
9 In der Sammlung der geologisclien Landesanstalt befinden sich aus dem
Hangenden des Flötzes Zweibänke vertreten die Gattungen :
Pinnu/aria, Annularia, Splienopliyllum, Lepidodemiron, Sigillaria (Rln/tidokpis),
Sphenopteris, Neuropteris, Cyclopteris, C'orrfaVtes- Blätter, Corddianthus. F. A. Roemer
giebt in seiner in der Palaeontograjihica Bd. IX, Cassel 18G2 bis 1864, ei'-
schienencn Arbeit »Beiträge zur geologischen Kenntniss des nordwestlichen Harz-
gebirges« (2. Abtheilung: die Pflanzen des productiven Kohlengebirges am süd-
lichen Harzrande und am Piesberge bei Osnabrück) auf p. 16 vom Flötz Zwei-
bänke nur »Calamilen und schilfartige Blätter« an.
und Bergakademie aufgestellte Baumstumpf mit Wurzeln etc.
255
Das erwähute Relief der Holzoberfläche imseres Fossils zeigt —
wie wir auf Tafel XX uud XXI sehen — im Grossen und
Ganzen in Schrägzeilen angeordnete, spindelförmige, in der Längs-
aclisc des Stammes gestreckte, schwach hervortretende Wülste, die
als die Anfänge der aus dem Holz tretenden primären Mark-
strahlen iu der Rinde zu deuten sind.
Bei dem Holz der Buche {Fagus silcatica) z. B. sind auf der
Holzoberfläche die primären Markstrahlen mit blossem Auge be-
sonders deutlich zu sehen und zeigen auch dieselbe Form, wie bei
unserem Petrefact, sind aber natürlich bedeutend kleiner, uändich
3 bis höchstens 5 Millimeter lan". Sie bilden Vertiefuimen, in
welche die »Kämme« der Rindenoberfläche hineinpassen.
Durch jeden der in Rede stehenden Markstrahleii unseres
Petrefactes verlief eine Blattspur, da sich bei Lepiclodendron- und
Stamm -Abdrücken und -Steinkeruen, welche primäre
Alarkstrahlwülste zeigen und bei welchen auch die Blattnarben auf
der Kohlebedeckung erhalten sind, stets zeigt, dass den Blatt-
narben die Wülste anf der Holzoberfläche entsprechen. Man
findet also in diesen Fällen unter den Blattnarben, nach Entfernung
derselben, d. h. nach Entfernung der kehligen Rinde, je einen
Markstrahl -Wulst, oder — in Anlehnung an den Namen für die
entsprechenden Erhebungen auf der Innenseite der Buchenrinde —
je einen »Kamm« auf der Holzoberfläche. An seltenen Stücken
kann man allerdings beobachten, dass die Kämme nicht mehr
genau unter den Narben liegen, aber dann lässt sich mit Leichtig-
keit erkennen, dass dies nur durch eine Verschiebung der Rinde
auf dem Steinkeru zu Stande gekommen ist. An einem in der
Sammlung der Königl. geologischen Landesanstalt befindlichen
Stück einer Leiodermarie ans Niederschlesien {^SigiUaria reticidata
Lesq. var. fusiformis Weiss ined.) liegt die eine Narben -Ortho-
stiche genau über einer Orthostiche der Kämme, während die
rechts und links von der erst bezeichneten Nailjen - Orthostiche
befindlichen, hiermit parallelen gleichnamigen Zeilen über ihre
zugehörigen Orthostichen der Kämme hinausgreifen, sodass also
die Narben- Orthostichen auf der rechten Seite der ersten Ortho-
stiche weiter rechts, anf der linken Seite der ersten Orthostiche
256 H. PoTONiK, Der im Lichthof der Königl. geologischen Landesanstalt
weiter links als ihre zu<rehörio;en Orthostirhen der Kämme zu
finden sind. Auch diese Erscheinung ist leicht zu begreifeu, wenn
inan die dicke Rinde der Lepidophyten berücksichtigt, deren epider-
male Fläche wesentlich o-rösser ffe wesen sein muss, als die zuo’e-
O o / O
hörige Holzoberfläche, sodass bei der Umwandlung der ersteren zu
Kohle, mit welcher ein Zusammenschrutnpfen, uamcntlich in radialer
Richtung verbunden war, die beiden genannten Flächen sich nicht
mehr in ihren entsprechenden Punkten decken : genau ebenso, wie
die Spurpunkte eines Strahlenbündels durch zwei in senkrechter
Richtung zum Bündel gelegte, parallele Ebenen, sobald die — ur-
sprünglich in einiger Entfernung befindlich gewesenen — Ebenen
übereinander gelegt werden, sich ebenfalls nicht decken können.
Die Strahlen des Bündels würden den Blattspuren, die Spurpunkte
der deni Strahlenmittelpunkt am nächsten gelegenen Ebene den
Kämmen, die Spurpunkte der anderen Ebene den Blattnarben ent-
sprechen; es würde die erstgenannte Ebene die Holzoberfläche,
die andere die epidermale Fläche vorstellen.
Wenn auch im Gi’ossen und Ganzen die Kämme quincunciale
Anordnung zeigen, erscheint diese doch durch das spätere Wachs-
thum des Stammes hier und da bedeutend verwischt; an einigen
Stellen ■ — wie Taf. XXII, Fig. 3 erläutert — erscheinen sie da-
her in ganz unregelmässiger Stellung.
Die zuletzt citirte Figur, dem Stamme bei d Taf. XX ent-
nommen, zeigt noch eine bemerkenswerthe Längssti’eifung, die
sich au einer ziemlich grossen Stelle des Stammes bei d wieder-
findet: sie hat ihre Ursache in den in der Längsrichtung des
Stammes uestreckt gewesenen Zellen des Holzes und kehrt bei
O O
vielen Lepidodendron- und Sf^«7Ln'a-Stamm-Resten wieder. Auch
die auf Taf. XXI abgebildete Fläche zeigt die iu Rede stehende
Streifung in ihrem unteren Theil, wenn auch vielleicht niclit ganz
so deutlich wie die Fig. 3 und 4, Taf. XXII. Ich möchte für
diese Streifung den Namen Holzstreifung vorschlagen, weil sie
bei der systematischen Beschreibung der Stücke immer l>erück-
sichtigt werden muss, indem sie je nach der Ausbildung der sie
bewirkenden Zellen etwas verschiedenartig ausfalleu muss, und es
und Bergakademie anfgostellte Baumstumpf mit Wurzeln etc. 257
daher bequem ist, einen kurzen, prägnanten Ausdruck für das
Merkmal zu haben ^).
Die Qnerstreifung auf Taf. XXI, sowie Fig. 2, Taf. XXII,
und die schräge Streifung der Stücke Fig. 3 und 4, Taf. XXII,
haben ilu’e Begründung nicht im Ban der Pflanze : es sind Ein-
drücke, welche die in diesen Richtungen zerspaltene Kohlenrinde
hinterlassen hat.
Bezüglich der Grössenverhältnisse der Kämme nnd ihrer Ent-
fernnng von einander bitte ich die Figuren und die Tafelerklärnngen
zu vergleichen; die Figuren auf Taf. XXII sind in natürlicher
Grösse.
Der Vollständigkeit halber muss ich noch ein Narbenfeld er-
wähnen, das auf Taf. XX zwischen g und l angedeutet worden
ist und nicht wie alle übrigen auf dem Stamm angegel)enen Felder
von Markstrahl -Kämmen gebildet wird. Das fragliche Feld stellt
eine Knorrien-ä\m\\c\\e Oberfläche dar: dicht an einander gedrängte,
schwache Erhebuno-en mit etwa kreisförmiger Basis in Schräg-
Zeilen, etwa wie die rindenlosen Steinkerne von Lepidodendron
Veltheimianum. Diese Stelle ist gewiss eine schlecht erhaltene
Rinden- oder Ilolz-Oberfläche einer fremden Pflanze, die während
des Verwesungsprocesses in den Stamm hineingeschwemmt nnd
an der bezeiclmeten Stelle zum Abdruck gelaugt ist. Aehnliche
Fälle habe ich mehrmals gesehen; in einigen dersellmu war ein
Zweifel über die Deutung überhaupt nicht möglich.
b In der Sammlung der geol. Landesanstalt finden sich Bernsteinstücke vom
Samlande, die ebenfalls Holzstreifung, Abdrücke der Holzobertläcbe (der Hydro-
Stereiden, Tracbe'iden) unter der Rinde, zeigen.
Jahrbuch 1889.
17
Vergleicliende Studien über die Gesteine des
Spieinonts und des Bosenbergs bei St. Wendel und
verwandte benachbarte Eruptivtypen aus der Zeit
des Rotliliegenden.
Von HeiTU K. A. Lossen iu Berlin.
Die Gesteine des Spiemonts und Bosenbergs bei St. Wendel
setzen Intrusivlagerstöcke in den Ottweiler und den Oberen
Cuseler Scbichten zusanunen und wurden ehedem Trapp oder
Melaphyr genannt, doch zählte schon Steininger i) das Spie-
mont-Gesteiu zu den »harten« Trapparten, die zum Strassenbau
benutzt werden; auch Kosmann ‘^), der zwei Varietäten des Spie-
monts analysirt xmd Haarmann ''), der das Gestein des Bosen-
bergs mikroskopisch untersucht hat, haben den Namen Melaphyr
nicht abgeändert, obwohl der Letztere Quai’z in ziemlicher Menge
darin nachixewiesen hatte und von der Nothwendio-keit der Zer-
legung lies Begriffes Melaphyr überzeugt war. H. Rosenbusch
hat dagegen, gestützt auf die mikroskopischen Untersuchungen an
dem ihm durch II. Grebe übermittelten authentischen Material,
in seinen Massigen Gesteinen in erster und zweiter Auflage die-
') Geognostische Boscbreibung des Landes zwischen der unteren Saar und
dem Rheine 1840, S. 100.
Geognostische Beschreibung des Spiernont bei St. Wendel. Verhandl. d.
naturhistorischen Vereins der preuss. Rheinlande und Westfalens XXV, 1868,
S. 239 ff.
Mikroskopische Untersuchung über die Struktur und Zusammensetzung
der Melaphyre. Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. XXV, 1873, S. 436 ff.
b Massige Gesteine, 1. Aufl. S. 348 und 351; 2. Aufl. S. 200.
K. A. Lossen, Vergleicbonde Studien über die Gesteine des Spiemonts etc. 259
selben Gesteine nebst denen vom ITirscbt bei Marpingen nnd von
der Grnbe Hofliiung bei Rntbweiler znm Diabas nnd zwar zn
V. Gümbel’s Lenkopbyr gestellt. Nach der nns gelänflgen, die
verschiedenen Ernptionszeitalter der Rhyotaxite berncksiebtigen-
9 Die Bezeiclinnng Rhyotaxite ist in meiner Abhandlung über die An-
forderungen der Geologie an die petrographische Systematik 1884 (dieses Jahr-
buch f. 1883, S. 513) angewandt für »die tuft- und mandelsteinfülu’enden , meist
grundmasse- oder basishaltigen Massengesteine (Quarzporphyr, Rhyolith, Trachyt,
Porphyrit, Melaphyr, Diabas, Dolerit etc.)« im Gegensatz zu »den vorwiegend
holo-phanerokrystallinen, tuff- und mandelstein freien Eugraniten (Granit, To-
nalit, Syenit und Gabbro etc.)« Nachdem ich den Beweis angetreten hatte,
dass die Struktur der Gesteine uns deren geologische Rolle treuer vermittelt,
als die mineralisch -chemische Zusammensetzung, war es mir richtig erschienen,
nach den charakteristischen vorherrschenden Strukturen die beiden
Ordnungen der Klasse der Massengesteine zu benennen. Dass diese
Benennungen nicht alle Massengesteine genau decken, dass es mit anderen
Worten Massengesteine giebt, die weder strukturell im strengen Sinne des Wortes
isometrisch granitisch körnig, noch auch durch Flussstruktur ausgezeichnet er-
scheinen, dessen bin ich mir dabei wohl bewusst geblieben. Zwar will ich unter
Rhyotaxis oder Flussstruktur nicht nur das Gefüge der geflossenen Lava ver-
standen wissen, sondern jede Struktur, welche einen Bewegungsakt der noch
nicht oder zumal der nur zum Theil erstarrten Gesteinsmasse widerspiegelt.
Gleichwohl erschöpft, auch so gefasst, der Ausdruck weder die Mannigfaltigkeit
der nicht eugranitischen Strukturen, noch auch ist er für jedes nicht eugrani-
tische Gestein bezeichnend. Soll es indessen, um mit Vogelsang zu reden, Auf-
gabe der Petrographie sein, die geologischen Massen zu charakterisiren , so ist
dem Satze »nominatio fit a potiori« für die Charakteristik der grossen Ordnungen
Genüge geschehen, wenn die Strukturen der am meisten verbreiteten geologischen
Massengesteine in den Vordergrund gestellt werden. Nim ist es aber sichtlich
der Gegensatz von Granit und Lava (vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges.
Bd. XXIV, 1872, S. 785), der die geologischen Massen innerhalb der Klasse der
Massengesteine beherrscht, wie dies der althergebrachte Unterschied der pluto-
nischen und vulcanischen Gesteine sattsam bezeugt. Da der Uebergang zum
Wesen der Gesteine gehört, haftet auch der Unterscheidung in Eugranite und
Rhyotaxite etwas Künstliches an, wie sieh klar daraus ergiebt, dass sich rhyo-
taxitische Strukturen als Rand- oder Apophysen - Facies u. dergl. an den vor-
herrschend eugranitisch entwickelten Massen finden und umgekehrt Rhyotaxite
local innerhalb desselben geologischen Körpers eugranitisch ausgebildet erscheinen.
Die Künstlichkeit wird aber meines Erachtens nicht verringert, sondern eher
vergrössert und die Uebersichtlichkeit des Lehrstoffs gemindert, wenn wir Ueber-
gangsstrukturen, deren Betonung an richtiger Stelle innerhalb der Hauptordnungeu
für den natürlichen Zusammenhang der ganzen Klasse der Massengesteine nicht ge-
nug empfohlen werden kann, den classificatorischen Werth von Ordnungscha-
rakteren beilegen und darnach eine dritte Ordnung schaffen, wie Rusenbuscii
17*
260
K. A. Lossen, Vcrgloiehende Studien über die Gesteine
den Ausdrncksweise würde der Name Leukophyr, welcher in
V. Dechen’s Geologischer und Palaeontologischer Uebersicht der
Rheinprovinz und der Provinz Westfalen etc. (1884) bereits AnP
nähme gefunden hat ^), iu diesem Falle wenigstens Aleso-Len-
kophyr heissen müssen, insoweit es sich nm ein Eruptivgestein
ans dem Flotzgebirge handelt. Da indessen Ti-i. Liebe, der
gründliche Kenner der Diabase jener, dem Uebergangsgebiige
angchörigen Gegenden, für welche v. Gümbee den Begriff Len-
kophyr zunächst anfgestellt hatte, in seiner Uebersicht über den
Schichtenanfban Ostthüringens diesem Begriff eine petrographisch-
geologische Selbständigkeit nicht znerkaunt hat, so muss doch
wohl der Uebertragimg des letzteren von einem palaeovnlcanischen^)
Diabas im Silur (oder in den ihrer Alterstellnng nach zwar
eine solche zwischen seinen Teuf engesteinen und seinen Ergussgesteinen in den
Ganggesteinen geschaffen hat. Gänge können mit Granit und mit Glaslava er-
füllt sein; sie sind nachweislich bald ^ipophysen typhonischer, eugranitischer
(bathylithischer) Stock -Massen, bald die Zufuhrkanäle der ausgesprochensten
lavischon Rhyotaxite, stets aber relativ geringfügig an Masse; allgemein ge-
nommen, fehlt jede gesetzliche Beziehung zwischen ihrer Körperform und ihrer
Füllmasse; der specielle Nachweis dieser Beziehung ist zwar sehr lehrreich,
aber er gehört nicht mehr zur systematischen Charakteristik der grossen
geologischen Massen. Daran ändert meines Erachtens auch nichts die Beschrän-
kung auf die den Eugraniten strukturell am nächsten stehenden Gangmasseu
oder kleineren Intrusivmassen (Lakkolithe), welche Rosenbusch, sichtlich im Inter-
esse der Hervorhebung von Uebergangsstrukturen, üben will: sein »Granophyr«,
den er uns von vornherein so recht als einen Uebergangstypus zwischen Granit
und Quarzporphyr hingestellt hat, findet strukturell trotzdem unter seinen
Teufengesteinen, Ganggesteinen und Ergussgesteinen jedesmal Erwähnung und
seine Hauptstelle doch als Strukturart bei den Quarzporphyren, womit ich gern
übereinstimme, ebendahin stelle ich den Granitporphyr, während ich den Aplit
zum Granit zähle, Syenitporphyr, Dioritporphyrit und die Lamprophyre zu den
Orthophyren beziehungsweise Porphyriten.
h Vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, Bd. XXXVIII, S. 921 ff. und
Erläuterungen zu den Messtischblättern Lebach, Wahlen, Wadern, Abschnitt
Eruptivgesteine, in der XXXI II. Lieferung der geologischen Karte von Preussen
und den Thüringischen Staaten.
a. a. 0. S. 34 und 35.
Abhandl. zur geologischen Specialkarte von Preussen und den Thürin-
gischen Staaten Bd. V, Heft 4.
*) Die Begriffe platonisch und vulcanisch haben einen bald weiteren, bald
engei'en begrifflichen Inhalt. Ich habe ehedem das Wort vulcanisch nur für die
im Allgemeinen postcretaceischen Rhyota.xite (Quarztrachyte — Basalte) gebraucht,
weil hier allein in vielen, aber keineswegs in allen Fällen der exacte Nachweis
des Spiemonts und des Boseubergs bei St. Wendtd etc.
261
einigermaassen uubestiiiimten aber doch damit vergleichbaren
Steiger Schiefern) auf einen inesovulcanischen i) »Melaphyr« im
obersten Carbon oder im Unter- Uothliegendeu eine eingehendere
Prüfung des petrographischen Werths der, nach dem Wortlaute
der Nomeuclatur jedenfalls gegensätzlichen, Begriffe Leukophyr
und Melaphyr vorausgeheu.
Nach dem in der Petrographie herkömmlichen wissenschaft-
lichen Sprachgebrauche muss mau doch unter dem Namen Leu-
kophyr zunächst ein porphyrisches Gestein von lichter Färbung
vermuthen. Versteht man nun unter Melaphyr nach der von mir
gegebenen Erläuterung des Begriffes^) das mesovulcauische
d. h. in der RegeU) postculmische und autetertiäre, chemisch-
mineralische und auch vielfach strukturelle Aequivalent
der brouzit- oder ol i v i uh alti ge n oder -freien ueovulca-
nischen Dolerite und Plagioklas-Basalte einerseits und
palaeovulcauischen Diabase andererseits, indem mau die
brouzit-, hyperstheu- oder oliviuhaltigen oder -freien Aequivalente
der Augit (Pyroxen)-Andesite und Augit (Pyroxeu)- Dacite als
Augit ( Pyroxeu) -Porphyrite oder Augit (Pyroxeu)- Quarzporphy-
rite vom Melaphyr unterscheidet, so hat ein frisches un zer-
setztes lichtes Porphyrgestein innerhalb des so abgegrenzten
Begriffes Melaphyr sichtlich keine rechte Stelle. Denn die lichte
Farbe eines solchen kann doch nur vom feldspäthigeu Gemeng-
theil herrühren, dessen Einfluss in so basischen Gesteinen aber,
und zwar je feinkörniger das Gestein ist, tun so mehr, durch die
eisenhaltigen Bisilicate, durch Olivin und freies Eisenerz auf-
gewogen wird. Ein Leukophyr von porphyrischer Struktur in
der Melaphyr -Formation zählt, wenn frisch, jedenfalls zu den
weissen Raben.
Aber v. Gümbel’s und Rosenbuscii’s palaeovulcanische Leu-
kophyre sind nach Ausweis der von beiden Autoren publicirten
für Vulcane im geläufigen Sinne des Wortes gegeben ist; ich scliliesse mich aber
gern der Erweiterung des Begriffs für alle Rhyotaxite an, welche Rosenbusch,
V. Fritsch, v. Richthofen u. A. üben,
h Siehe vorstehende Anmerkung.
Vergl. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1883, S. 212 bis 213; 1886, S. 921
bis 926 und dieses Jahrbuch für 1883, S. XXI bis XXXIV.
im Old -Red -Gebiet postsilurische.
262
K. Ä.. Lossen, Vei'gleicliende Studien über die Gesteine
mikroskopischen und chemischen Analysen keineswegs frische,
unveränderte 1), im Uehrigen aber strukturell nicht so sehr
porphyrische, als vielmehr normale, sichtlich divergentstrahlig-
köruige, Diabas -Gesteine ohne eigentliche Grundmasse,
obgleich zuweilen submikroskopisch fein gefugt, mit Hinneigung
zur PorphyrstridAur (porphyrartig). Hiernach wird die lichte
Färbung etwas besser verständlich, denn in voll- und deutlich-
krystallinischen Gesteinen kommt die helle Farbe des feldspäthigen
Gemeugtheils zur relativ wirksamereu Geltung. Die Glanzlosig-
keit des Plagioklas zufolge starker Umbildung (saussuritischer
nach V. Gümbel, psendophitischer nach Rosenbusch) erhöht im
vorliegenden Falle den Eindruck, namentlich aber verursacht dies
ein ständiger Gehalt von Carbonat (nach Ausweis der unten mit-
getheilten Analysen ca. 8 bis 13pCt., wenn auf Kalkcarbouat aus-
gerechnet, was indessen nicht alle Analysen gestatten, so dass
geringere Procente von Magnesia und Eiseuoxydul ebenfalls an
dem Carbonat Antheil haben müssen); auch die kräftige Um-
wandlung des in v. Gümbel’s (Loretz’) Analysen diu’ch hohen
procentischen Titansäuregehalt ^) hervortretenden Titaneisenerzes in
Leukoxen trägt sicher nicht wenig zur Bleichung des Gesteins
bei, endlich noch die sehr weit vorgeschrittene Umbildung eines
au und für sich schon licht gefärbten Diabas- Auo-its in einen
hellgrünen Chlorit (im weiteren Sinne des Wortes). Der Leuko-
phyr zählt zu den oliviufreien schlichten Diabasen, auch Biotit
und Hornblende, wenigstens als primärer, in der Regel aber auch
als seeuudärer Gemengtheil (Uralit), gehen ihm ab; den Quarz,
der übereinstimmend von den beiden genannten Forschern als in
geringen Mengen vorhanden bezeichnet wird, hat Rosenbuscii in
seiner Originalabhandlnug über die Steiger Schiefer ausdrücklich 3)
sowohl für die vogesischen, als für die fichtelgebirgischeu und
b vergl. auch J. Roth, Beiträge zur Petrographie der plutonisehen Gesteine
1879, S. 33.
b 4,81 — 3,82 pCt.! auch der Harz-Leukophyr (Analyse d) weist immerhin
1,71 pCt. auf, während Ungee’s von Rosenbuscii mitgetheilte Analysen der Titan-
säurebestimmung entbehren.
b In den Massigen Gesteinen 2. Aull. a. a. 0. wird die Schwierigkeit einer
Entscheidung, ob primär oder seeundär, betont.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
263
thürinmscheu Vorkommnisse als Neuhildims: zul'ole:e der tlieil-
weisen Zerlegung der primären Silicate erklärt. Jedenfalls deuten
die Analysen allerhöchstens nur geringe Mengen davon an.
Indem ich solche Harzer Diabase aus der oberen Hälfte
der Unteren Wieder Schiefer im Liegenden des Hauptquarzits,
welche ganz unverkennbaren Leukophyr-Zustand zeigen,
wie das der Analyse unterworfene Vorkommen aus dem west-
lichen Forstort Untei’e Lehmwege im Wendefurter Oberforst, im
Handstück und unter dem Mikroskop mit typischen Leukophyr-
Proben vergleiche, welche ich der Güte des Herrn Obei’berg-
direktor v. Gümbel und meiner Collegen Loretz und E. Zimmer-
mann verdanke, finde ich eine, anch durch die quantitative Analyse
bestätigte, wesentliche Uebereinstimmung, und zwar ist dieselbe
noch grösser, als diejenige der chemisch mehr abweichenden und
durch vorwiegenden Magneteisen-Gehalt an Stelle des Titaneiseus
ausgezeichneten vogesischen Leukophyre. Gestützt auf die eigenen
Beobachtungen, gleichwie auf diejenigen der Vorgänger komme
ich zum Schluss, Leukophyr sei nicht so sehr eine beson-
dere Diabas-Spielart, als vielmehr eine eigenartige
Umbildungsweise der normalen Diabase mit lichtge-
färbtem Augit.
Für die chemische Durchschnittszusammensetzung erkennt
das V. Gümbel ja auch an mit den Loretz’ Analysen seinerseits
beigefügten Worten: »Die Zusammensetzung ist diesem nach im
Allgemeinen der aller Diabase in hohem Grade ähnlich ^).« Wenn
dagegen Rosenbusch (Massengesteine 1. und 2. Aufl. a. a. O.) »den
Grujipencharakter der Leukophyre in dem auffallend starken Zu-
rücktreten des Augits sehen« möchte und v. Gümbel dem neuer-
dings in seiner Geologie von Bayern, I. Th. S. 133 beizuptlichten
scheint, indem er das »Zurücktreten der Pyroxenite« als Charakte-
') Die Paläoiith. Eruptivgesteine dos Fichtelgebirges S. 34. Es kann daher
nur zu weiteren Missverständnissen führen, wenn Herr Michel -Liivy in seinen
Structures et Classification des Koches eruptives 1889, p. 49 vom Leukophyr als
von einem »tvpe acide« der Diabases proprement dites Rosicnbusch’s spricht, wo-
bei ihn freilich eher das Bosenberg - Gestein , als das Originalgestein des
v. GüMBEL’schen Begriffs geleitet haben mag.
264
K. A. Lossen, Vorgleicliencle Studien über die Gesteine
ristik angiel)t, so steht dem, soweit diese Charakteristik für den
ursprünglichen Mineralbestand des Gesteins gelten soll, meines
Erachtens der mikroskopisch -chemische Befund entgegen.
Geht man zur Beurtheilung auch dieses Punkts, wie billig,
von den Originalgesteinen v. Gümbel’s aus, so sagt dieser Autor
darüber wörtlich: »der durchweg blassgrüue augi tische Gemeng-
theil scheint vor allem dem ersten Angriffe der Zersetzuntr unter-
legen zu sein, so dass nur wenige Proceute als mehr oder weniger
erhalten angesehen werden können, obwohl den äusseren Um-
rissen in den Dünnschliffen nach beurtheilt, dieser Gemengtheil
ursprünglich mindestens in gleicher Menge, wie der Plagioklas
vorhanden war.« Auch in dem zunächst vergleicht) areii Vor-
kommen vom Harz ist bei der Betrachtung des mit Säure ge-
ätzten Splitters, wie des Dünnschliffs im auffallenden und durch-
falleudeu Licht ein besonderes Zurücktreteu der als Augit-Pseudo-
o
inorphosen charakterisii’ten Structur- Antheile nicht zu bemerken.
Von dem weniger typischen vogesischen Leukophyr besitze ich
keine Probe; doch darf man, da kein Olivin oder Bronzit, sondern
nur monokliner, also kalk-, magnesia- und eisenhaltiger Augit
vorliegt, aus dem hohen Magnesiagehalt (8,8 pCt. in dem relativ
weniger umgebildeten der beiden durch Unger aualysirten Ge-
steine, e = V in KosenbüSCh’s Originalabhandlung) meines Er-
achtens nicht auf eine geringe Antheilnahme des Augits au dem
ursprünglichen Mineralaggregat des Leukophyr schliessen, zumal
lichtgrünlicher Diabas- Augit nach Loretz’ Analyse ^) des Augits
aus dem porphyrischen Diabas von Hempla bei Bad Stehen nicht
mehr Magnesia und weniger Kalkerde aufweist, als mancher
andere thouerdehaitige Fassait oder thonerdefreie bis -arme Mala-
kolith. Der geringere Gehalt an Augit gehört also wohl
zu den secundären, durch Verwitterung, nicht aber zu
b Geognostische Beschreibung des Fichtelgebirges S. 195.
b Geognost. Beschreibung d. Fichtelgebirges S. 209. Man vergleiche z. B.
diese Analyse (a) mit derjenigen des dunklen, hellgrünlichgelb durchsichtigen
Fassaits, den Lincu aus der Augitglimmerminette von Weiler bei Weissenburg
analysirt hat (ß); etwas mehr, doch nicht allzu sehr abweichend dagegen sind
die Verhältnisse von CaO und MgO in 0. Sciiilling’s Analysen des braun durch-
sichtigen Diabas-Angits von Hohegeiss (y) und von Mägdesprung (3) im Harz,
in Merian’s Analyse des Malakolith aus dem Augilbiotitgranit von Laveline (s)
des Spienionfs und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
265
den primären, durch die ursprüngliche A nsk r y s t al 1 i-
sirnng hervorgernfenen Eigentliümlichkeiten des Len-
ke p h y r - D i a h a s.
Lichtgrünlicligelhe bis weingelbe Angite sind ja auch in
anderen Gesteinen sehr der Umbildung in Carbonat, cbloritiscbe
oder serpentinöse Snbstanz ansgesetzt, so z. II. in den Kersantiten
und Minetten und in verwandten Augitporpbyriten und Angit-
glimmerporpbyriten ; es ist nicht nnmöglicb, dass die ursprüng-
liche Molecidarconstitution dieser Angite zu einer derartigen Ver-
witterung besonders stark hinneigt, jedenfalls ist in den nach-
folgenden Bauschanalysen (Lenkophyre: «, Z», c von Unter-
kotzau bei Hof, von der Wartleite hei Köditz und aus
dem Steinachthal I)ei Stadt Steinach nach LouETZ; d von
Lehmwege bei Wendefurt im Harz nach Gremse; e uud f
von lvauru[)t und Steige in den Vogesen nach Unger) die
weit fortgeschrittene Umlnldung der »Lenkophyre« deutlich aus-
gesprochen :
und in Osann’s Analyse desjenigen aus dem grünen dichten »Labradorporpbyr«
aus der CulinCormation der Südvogesen bei Murbach (C). Alle diese Angite sind
relativ kalkrcich und keineswegs ist der Augit aus dem sauersten Ge-
stein, dom Granit, kalkrcicher als der Augit aus dem Diabas, die
Angite der typischen Diabase des Harzes sind die kalkreichsten,
Mukia.n’s und Hawes’ Diabas-Augite mit hohem Eisengehalt und relativ niedrigem
KallJgclialt entstammen untypischen Quarz -führenden Diabasen, die in <lio
Gruppe der Dioritporphyrite hinüberspielen, z. Th. deutliche Proterobase oder
Hysicrobase sind; diese eisenreichen Fassaite
oder Malakolithe gehören
viel eher
deu Gesteinen der dioritisch-porphyritisch- andesitischen Mischung an.
a
ß
T
0
e
C
Si02 . .
49,43
48,23
48,15
48,04
50,63
49,53
AI2O3 .
3,53
5,28
4,32
8,43
0,87
5,53
FeaOs .
9,50
4,83
—
2,20
3,33
4,15
FeO . .
—
5,01
7,23
7,65
8,39
6,50
CrsOs. .
1,01
—
0,42 Mn 0 —
0,79 Ti02
—
MgO . .
1 5,(i0
15,84
14,29
12,52
13,01
13,89
CaO . .
20,34
19,85
24,92
21,70
21,30
19,59
NaaO . .
—
0,G7
—
—
1,02 )
1,33
ICO . .
—
0,52
—
—
0,50 )
H2O . .
—
0,45
1,24
0,63
—
—
Summe:
99,41
100,G8
100,58
101,17
99,84
100,52
Loketz.
Lincic.
Schilling.
Schilling.
Meuian.
O.SANN.
266
K. A. Lossex, Vergleichende Studien über die Gesteine
a
b
c
d* ')
e
/
SiO.2 . . .
41,48
47,06
47,12
44,70
48,28
51,44
Tio^rzroo
4,81
4,50
3,92
1,71
—
—
AI2O3 . .
12,43
12,25
15,23
14,12
20,25
21,19
F Co O5
4,15
3,62
2,79
0,97
2,75
3,07
FeO . . .
8,16
9,23
7,06
8,85
6,13
5,52
Mn 0
0,17
0,08
Spur
—
0,03
Spur
Mg 0
3,99
5,31
2,85
6,07
8,82
4,47
CaO . . .
8,48
6,53
7,83
10,20
4,38
4,00
NaoO . .
2,76
2,32
2,41
2,34
2,06
1,88
KoÖ . . .
1,44
0,81
2,00
0,14
Spur
0,78
IF.0 . . .
3,22
3) 3,56 2)
2,92 2)
4,79
4,76
2,79
P2O5. . .
0,34
0,35
—
0,15
—
—
COo . . .
5,40
4,29
5,65
5,50
3,73
5,82
S03 . . .
—
—
—
0,24
—
—
Org. Subst.
—
—
—
0,08
—
—
Sinn me :
99,83
99,91
99,78
99,86
101,19
100,96
Vol.-Gew.
—
—
—
2,84
2,742
2,748
Loretz.
LoRE'I'Z.
Loretz.
Grbmse.
Üncek.
Unger..
f
Ä* i
k*
r
n*
0*
SiO.2 . . .
57,12
55,47 51,62
56,69
57,28
57,35
54,55
55,49
TiÜ2(Zr02)
1,17
1,19 0,96
1,34
1,01
0,81
0,96
1,78
AI2 O3
15,40
13,86 20,44
14,99
15,98
14,61
15,44
14,57
F e-2 O3
2,80
5,98 0,81
3,39
2,35
2,18
3,48
8,68
FeO . . .
4,39
2,64 5,56
4,38
5,06
3,99
0,80
0,66
AIuO. . .
—
— Spur
■ —
—
—
—
—
MgO . .
5,13
3,65 4,38
3,39
5,52
3,96
4,41
3,61
CaO . . .
2,24
2,75 1,39
5,92
2,84
3,51
7,85
0,68
NaoO
2,84
3,63 5,81
3,30
2,37
2,93
2,45
1,86
K2Ö . . .
3,77
4,35 4,22
2,05
3,42
1,92
4,09
7,87
II2O . . .
4,35
2,94 3,91
3,43
4,22
4,08
3,75
3,96
P2O5. . .
0,2 1 7
0,22 Spur 4)
0,22
0,18
0,25
0,45
0,27
COo . . .
0,75
3,25 0,08
1,00
0,41
4,16
2,16
—
S03 . . .
0,08
0,14 0,86
0,15
Spur
0,20
0,10
Spur
Org. Subst.
—
— —
—
—
0,02
Spur
—
Summe :
100,25
100,07 100,04
100,25
100,64
99,97 100,49
99,43
Vol.-Gew.
2,625
2,683 2,65
2,67
2,653
2,666 2,67
2,839
Jacobs.
Böttcher. Kosmanx.
Böttcher.
Hesse.
Bärwald. Hesse.
Fischer.
*) Sämmtliclie mit einem Sternchen versehenen Analysen, also d, (/, /i , und die weiterhin
folgenden k, l, vi, n, o, p, s, t, u, v, vi, w, x, y, z, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, II, 12, 13, 14, 15, 16
sind neu ausgeführt im Laboratorium der Konigl. Geologisi-hen Landcsanstalt und Bergakademie.
Da, wo in diesen Analysen SO3 in ganz geringen Mengen angegeben ist, liegt ein wenig Schwefel-
eisen oder Kupferkies etc. beigemengt vor.
Eingerechnet den Glühverlust.
Dazu Spuren von BaO und SrO.
Ueberdies eine Bpur CI.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
267
Vergleicht niao mit tlieseu »Leiikopliyr« -Analysen zunächst
die Analysen If' mul i (Gestein vom Bosenberg nach Jacobs,
vom Spiemout, aus dem Steiubruche an dem W.- Abhang
gegen die Fahrstrasse, nach Böttcher und vom Spiemout,
Bruch in der Sey nach Kosmann), welche sich auf jene
Eruptivmassen des Rothliegenden beziehen, die Herr v. Dechen
auf Rosenbusch’s Vorschlag als Leukophyr aus der Umgebung
von St. Wendel bezeichnet hat, so ergiebt der Vergleich un-
mittelbar die Zugehörigkeit der drei letztgenannten
Gesteine zu einer ganz anderen Mi sch uiigsrei he, als zu
der Diabas-Reihe, welcher die sechs ersten thatsächlich
angehören: hier in der Diabas-Reihe 41,48 bis 51,44 pCt. SiO-2;
8,47 l)is 16,27 pCt. alkalische Erden nnd 2,06 bis 4,41 pCt. Alkalien,
dort dagegen 51,62 bis 57,12 pCt. Si02; 5,77 bis 7,37 pCt. alkalische
Erden und 6,61 bis 10,03 pCt. Alkalien. Diese letzteren Ana-
lysen weisen vielmehr sehr deutlich auf die Zugehörig-
keit der aualysirten Gesteine zu der porphyri tischen
Reihe hin, der Name Leukophyr empfiehlt sich dafür demnach
nicht, mag man seine Verwendbarkeit im Uebrigen lieurtheilen,
wie man will.
LTiiter den Porphyr iten im engsten Sinne des Wortes,
d. h. Grundmassen -Gesteinen mit herrschendem Kalknatronfeld-
spath und mit beibrechender Hornblende oder Biotit an deren Stelle,
also r hy o tax i tischen D io rif- A e qn i v al e nte n , oder da etwas
Quarz oder Ueberschuss an SiO-2 nebst Orthoklas häutig vorhanden
ist, Tonalit- (= Quarzdiorit-) Aequ ival ente n schlechthin,
wird man gleichwohl den fraglichen Gesteinen ihre
Stelle nicht an weisen dürfen. Dagegen spricht ihr durch-
weg m ehr feinkörniges b i s f e i n k ö r n i g - p o r p h y r i s c h e s
Aussehen, sowie der Umstand, dass ein A ngit-Mineral, und
zwar allem Anschein ‘Q nach ein monokliner kalkhaltiger
Malakolith oder Fassait, als wesentlicher Gemengtheil neben
*) Die gröbsten Krystallkörnchen , die aber schon zu den porphyrartigen
Einsprenglingen zählen, messen 2 Millimeter; gewöhnlich geht das Korn nicht
über 1 Millimeter hinaus.
Vergl. weiter unten S. 278.
268
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
dem vorlieiTScliendeii Feldspatli auftritt. Frischer Augit ist frei-
lich am Boseuljerg und Spiemont bislang nicht beobachtet worden,
ebensowenig am Hirscht bei Marpingen oder am Steinberg in der
Fortsetzung des Spiemonts. Alle diese Vorkommen lassen, auch
unter dem Alikroskop, nur mit Chlorit und Carbonat ange-
füllte Pseudomorphoseu nach Augit erkennen, indem sehr
häufig achteckige Basalschnitte durch das mit beiden Vertikal-
Pinakoiden abgestumpfte Augit- Gruudprisma beobachtet werden
oder auch domatisch beo-reuzte zimehöriire Länrrsschnitte, während
andererseits unregelmässig begrenzte Pseudomorphosen gleicher Art,
zwischeneingeklenunt zwischen das divergentstrahlige Feld-
spath - Leistenwerk nicht fehlen. Dieses in der divergent-
strahligen Anordnung des Feldspaths der typischen Diabas-Struktur
angenäherte, in der gedrungeneren Leistenform der Feldspathe und
in der selbständigen Formausbildung vieler Augit -Krystalle je-
doch davon abweichende, zu diorit-porphyritischoi Strukturen hin-
neigende Gefüge ebensowohl als die leichte Zersetzbarkeit des
xVugits unter Carbonat-Ausscheidung, weisen auf die Kersantone
oder, wie jetzt fast allgemein gesprochen wird, Kersautite als
n ächst verwandte diorit-porphyritische Gesteine hin.
In der That würde man, wenn nicht der Name Kersantit von
vornherein an ein sichtliches Hervortreten von Biotit ge-
bunden wäre, Kersantit = Quarz führender bis Quarz- Glimmer-
augitdioritporphyrit , Lamprophyr e. p., so dass mit dem Fehlen
dieser Eigenschaft der uneingeschränkte Begriff (insoweit es
sich nicht um ein locales Zurücktreten handelt) auf hört, kaum
eine zweckentsprechendere Bezeichnung für die Gesteine des
Bosenbergs, Spiemonts u. s. w. wählen können als die »Augit-
Kersantit«.
Dafür würde ausser den bereits angegebenen Eigenschaften der
Umstand sprechen, dass mikroskopisch in allen den hierher-
gehörigen untersuchten Gesteinen aus der Gegend von St. Wendel
Biotit thatsächlich nachgewiesen worden ist, theils in
*) Automorphen (Rohrbach), idiomorphen (Rosenbusch).
-) Dioritporphyrit etc. in der älteren weiteren, nicht in der engeren Fassung
Rosenbusch’s.
des Spicmonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
269
ganz tadellos frisclieii Blättchen und leistformigen Schnitten durch
dieselben, theils in grösstentheils chloritisirteu Partieen. Wie viel
Chlorit seine Entstehung dem Augit verdankt und wie viel dem
Biotit, ist streng genommen nicht sicher festzustellen; da aber
der Biotit deutlich sichtbar nicht hervortritt und auch
unter dem Mikroskop nicht auffällig bemerkt wird im
Gegensatz zu den sicher auf Augit zurückzuführenden Pseudo-
morphosen, so fällt das Gestein trotzdem nicht unter den ein-
fachen Begriff Kersantit, wie er gebräuchlich ist.
Eine andere Eigenschaft, welche ebenfalls die Verwandtschaft
desselben mit dem Kersantit, allerdings aber auch mit derjenigen
Abtheilung der Diabase liekundet , welche sich den Diorit-
porphyriten nähert, immerhin also eine Eigenschaft, die Po r p h y r i t -
Typen im weiteren Sinne des Wortes und uächstver-
wandten Gesteinen eignet, typischen Diabasen dagegen
abgeht, ist die Anwesenheit von primären C^uarz- und
Orthoklas - Aggregaten ln G r u n dm ass en z wi ekel n. Die
vortrefflich klaren Photographien , welche Michel - Levy und
Douville 1876 von Dünnschliffen des Kersanton von Hopifal-
Camfront veröffentlicht haben, stimmen in allen wesentlichen
Punkten überein mit der Art des Vorkommens und der Ver-
theilungsweise des Quarzes in den Gesteinen des Bosenbergs u. s. w.;
Rosenbusch’s Angaben (2. Aufl. Massige Gesteine, S. 326) »in
(miarolitischen) Interstltien dieser (der Plagioklase) entwickelte
sich zuletzt ein ungestreifter Feldspath (Orthoklas) und Quarz,
theils einzeln und nacheinander, theils in granophyrischer Durch-
dringung « , die sich auf den Kersantit beziehen , können ebenso
direct auf die in Rede stehenden Gesteine übertragen werden,
jedoch mit dem Zusatze, dass, zumal in kalireicheren Gesteinen
der Orthoklas bereits unter den mehr kurz gedrungenen, als
gestreckten Feldspatheu des Leisteumaschenuetzes erscheint, welches
b Bullet, de la soc. geol. de France, 3 scr. tom. V, pag. 51, pl. 1.
b Das Wort miarolitisch habe ich geklammert, da ich die sauren Best-
eck chen als solche nicht für nachträglich erfüllte Drusen ansche, obwohl eine
secundäre Drusenbildung im Innern einer zum normalen Gesteinsgewebe gehörigen
primären in der Bestecke auftreten kann.
270
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
die dreieckigen und nicht selten drüsigen Restzwickelclien des zu-
letzt erstarrten kieselsänre- und kalireichsten Mao-meu -Antheils
O
nmschliesst.
Dabei kann es wenig verschlagen, dass man jene von Kosen-
BUSCH als » granoj^hyrisch « (aber nicht im Sinne der Vogel-
SANG’schen ursprünglichen Definition des Wortes) bezeichueteu,
meines Erachtens zntreflender »pegmatophyrisch« zu be-
nennende ^), gesetzmässige gegenseitige Dnrchdringuugsweise von
0 Mit diesem meinem Vorschläge möchte ich nicht sowohl eine Prioritäts-
frage, als -vielmehr eine sachlich praktische und namentlich für den Lernenden,
wie mir scheint, der Vereinfachung bedürftige Frage zu lösen versuchen. Vogel-
sang hat seiner Zeit 1873 mit dem Worte Granophyr einen sachlichen Inhalt be-
legt, welcher der Wortbildung genau entspricht; seine Granophyre sind die
Porphyre (Quarz- oder Pelsitporphyre), deren Grundmasse sich mikroskopisch
io ein granitisches Quarz -Feldspath -Aggregat mit oder ohne Glimmer auf löst.
Rosenbusch hat 1877 diese VoGELSASG’schen Granophyre Mikrogranite genannt,
was man von seinem damaligen Standpunkte aus, welcher nur basishaltige
Grundmassengesteine als echte Porphyre anerkennen wollte, gern würdigt: er
nannte eben die Gesteine, welche er nicht als Porphyre, sondern als Granite
werthete, folgerichtig nicht mehr Granophyr, sondern Mikrogranit; von dem
Standpunkte aus dagegen, welchen wir stets festgehalten haben, müsste man
mikrogranitiseher Quarzporphyr oder Mikrogranitporphyr sagen. Die Rückkehr
zu Vogelsang’s Ausdrucksweise ist uns leider verschlossen, weil sich unterdessen
der Gebrauch des Wortes Granophyr nach Rosenbusch’s Vorschlag (1876) für
einen anderen Begriff eingebürgert hat: für diejenigen Quarzporphyre, deren
Grundmasse eine submikroskopische bis mikroskopische Verwachsungsweise von
Quarz und Feldspath nach Art des Schriftgranits (Pegmatit Hauv) aufweist, also
die Mikropegmatit-Struktur Michel-Levy’s (1875). Diese Einbürgerung ist heut-
zutage eine so weitgreifende, dass der Versuch, das Wort Granophyr seiner ur-
sprünglichen zweckdienlicheren Bestimmung zurückzugeben, zu fortwährenden
Missverständnissen führen müsste. Billigerweise sollte es darum ganz aus der
wissenschaftlichen Terminologie zuiückgezogen werden; denn auch der nach
Rosenbusch eingebürgerte Gebrauch muss bei dem Lernenden wenigstens Miss-
verständniss hervorrufen, da Rosenbusch selber für die Granosphaerite Vogel-
sang’s, ebenfalls Strukturelemente der Quarzporphyre, der Sylbe g7'ano die
einfache sprachliche Bedeutung belässt, für seinen Granophyr dagegen derselben
Sylbo die Bedeutung von -krijij.ci, d. h. das Tneinandergefügte oder Zusamnien-
krystallisirte , die Hauy seiner Wortbildung so glücklich zu Grunde gelegt hatte,
beizumessen scheint. Die ältere Generation der Petrographen weiss ja aller-
dings, dass dieser Schein trügt, dass Rosenbusch vielmehr lediglich den durch
seine eigene Wortbildung Mikrogranit ins Freie gefallenen VooELSANG’schen Namen
Granophyr für die von ihm in Deutschland zuerst bildlich erläuterte Struktur
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
271
Quarz und Feldspath mehr in rechtwinkligen , als in spitz-
rhombischen oder dreieckigen Durchdringungsformen Q wahr-
nimmt; es hängt dieser Umstand sichtlich damit zusammen, dass
hier Orthoklas oder Feldspath schlechthin im vorwaltenden Quarz
gesetzmässig abgeformt ist, in den uns geläufigeren Verwachsungs-
formen dagegen umgekehrt Quarz in vorwalteudem Feldspath.
Mau kann bei sehr sorgfältiger Untersuchung wahrnehmen, dass
einer der dem Ilauptmaschenuetz der gröberen divergentstrahlig-
krystallkörnigen Gesteinsmasse angehörigen Feldspathe in die
mit pegmatophyrischem Krystallisationsrest erfüllte Zwiekelecke
hineinragt und dabei das hiueiuragende verjüngte Ende aus der
schlichten Ijeistenform in skelettartig gewachsene, bald parallel
bald senkrecht zur Leistenaxe ausgedehnte, durchweg untereinander
und mit der Leiste optisch gleich orieutirte Ilieroglyphen-
oder ä la grecque-Formen übergeht, die scharf aus der sie um-
gebenden Quarzmasse des Zwickels hervortreten. Oft ist die
Mitte des Zwickels reiner Quarz oder es wird die ganze Aus-
dehnung, wie sie von der Schliflebene getrotfen ist, von diesem
Mineral allein erfüllt. Oder aber die kleinen Zwischeneckehen
sind z. Th. mit Carbonat erfüllt, in dem sich dann scharf ge-
schnittene wohlbegrenzte Drusenkrystalle abformen, unter welchen
besonders wiukelrechte Quarzhexagone (Basalschnitte) auffallen,
wie sie bereits aus den Kersantonen bekannt und z. B. in den
obengenannten Photographien der Kersanton - Düunschlifie abge-
aufgriff, um einmal die Wissenschaft nicht mit einem neuen Namen zu belasten,
das andei’e Mal Zwischenglieder zwischen Granit und Porphyr mit einem Namen
zu belegen, der an den Namen der beiden Endglieder gleichen Antheil hat. Der
Name Pegmatophyr wird dieser Absicht und überhaupt der Bezeichnungsweise
von Vogelsang, Michel-Llvy und Rosenuuscii ebenmässig gerecht und deckt
sprachgerecht den Begriff nach seiner sachlichen Bedeutung.
') Diese fehlen indessen keineswegs, sind vielmehr in gewissen Struktur-
varietiiten des Spieraont- Gesteins sehr ausgezeichnet entwickelt und gehen
darin anscheinend in reinere Feldspathbüschel über, die schliesslich in einen durch
Krystallitenstaub getrübten schwach polarisirenden Feldspathgrund, eine Art
Basis hinüberspielen, wie eine solche auch in den Gesteinen von Marpingen beob-
achtet wurde.
'*) = divergentstrahlig- automorph -körnig oder -idiomorph-körnig.
272
K. A. Lossen, Vergleichende Stadien iiber die Gesteine
bildet worden sind i) imd die recht wohl secuudäre Bildungen
wie das Carbonat sein mögen (Miarolit- Struktur Rosenbüsch’s)_
Auch Zirkel’s scharf geschuitteue Carbo natx’honiboeder mitten im
Chlorit 2) fehlen nicht.
Die nur in geringen Procenteu anwesende oder nachweisbare
b ran n dnr chsi chtige Hornblende (frisch bis jetzt nur ein-
mal in dem Giesteiu des Steinbergs beobachtet, nach dem Umriss
einiger chloritischen Psendomorphoseu aber auch für den gegen-
überliegenden Spiemont wahrscheinlich) vervollständigt die
Verwandtschaft mit den Dior itporphyriten und Ker-
santiten oder den untypischen, den Dioritporphyriteu substanziell
und durch pegmatophyrische Zwickel auch strukturell angenäherteu
IT yster ob äsen. Apatit und Eisenerze, octaedrischer M agnetit,
Titan eis en erz, das sehr häufig prächtige Spheu - Pseudo-
morphoseu mit hohen Interfereuzfarben geliefert hat, und ein in
fuchsbrauuen, ganz dünnen Täfelchen anskrystallisirter, nngleich-
mässig vertheilter Eiseuglimmer, nach Dr. Max Koch’s ver-
gleichenden Beobachtungen au den Alichaelsteiner Kersautiten Ti-
taneisenglimmer, dazu etwas Schwefeleisen, dessen Zerset-
zung den von Kosmann seiner Zeit in dem sehr zersetzten von ihm
analysirten Gestein (i) beobachteten Gyps geliefert haben wird,
alle diese nutergeordnetereu Massen, unter welchen indessen die
Gesammtheit der oxydischeu Eisenerze beachtenswerth hervortritt,
sprechen zum wenigsten nicht gegen die Zugehörigkeit zur diorit-
porphyritischen Gruppe im weiteren Sinne des Wortes.
Eine fei’uere Bestätigung dieser Zugehörigkeit ergiebt der
Vergleich mit denjenigen Ernp tivgesteiustypen, mit welchen
die Gesteine des Bosenbergs und Spiemonts u. s. w., die als
Intrnsivlagerstöcke den Oberen Ottweiler (allerjüngst
h Dass ein Theil des Quarzes im Kersanton , aber auch nur ein Theil , se-
cundärer Entstehung ist , hat in Uebereinstimmung mit deutschen Autoren
Ch. Barrois in seiner verdienstreichen Abhandlung iiber dieses Gestein (Annales
de la soc. geolog. du Nord, t. XIV, p. 31 ff.) noch kürzlich hervorgehoben.
Zirkel hat solche in den Biotiten der Kersantone beobachtet.
T Herr Dr. Koch hat sich in liebenswürdigster Weise mir zur Verfügung ge-
stellt, wenn es galt, mikroskopische Diagnosen durch Controlbeobachtungen zu
verschärfen oder zu vervollständigen.
des Spiemonts und des Bosenborgs bei St. Wendel etc.
27.3
c a r b o n i s c h e 11 ) oder den Oberen C u s e 1 e r Schichten i m
Unter- Ivothliegenden angeboren, in nächster Nähe von
St. Wendel oder etwas entfernter iin Saar-Nahe -Wassergehiet
veriresellschaftet erscheinen. Die nächste Veranlassniui: zu diesem
Vergleich ergab die Nothwendigkeit eine Anzahl sogenannter
»Melaphyre« zu untersuchen, die theils unter den gleichen Lage-
rnngs Verhältnissen anftretcn, theils aber in lehrreicher Weise
als Ansfülluug schmaler Quer-Gänge (dykes), welche einige
Kilometer weit, wenn auch nicht stets über Tag in nnunter-
lirocheuem Zusammenhang, quer durch die Schichten des obersten
Carbons und des Unteren Rothliegenden hindurchsetzen. Nicht
wenige dieser Gangspalten sind bereits auf der Wriss-La.speyues’
sehen Uebersichtskarte und v. Deciien’s Specialkarte verzeichnet,
wie z. B. der Gang der Labach-Grube bei Werschweiler oder der
Gang bei Wiuterbach, den der Weg von St. Wendel nacli Tholey
kreuzt; die neueren Anfnahmen der geologischen Landesanstalt
haben das Bild vervollständigt, namentlich aber ist dies durch die
parallel gehenden Anfnahmen unserer bayerischen Herrn Collegen
geschehen, da die meisten dieser Quergänge auf dem linken Ufer
der Bl ies lind hier vorzüglich im bayerischen Anthcil des Westrich,
der politisch zur Rheiupfalz zählt, aufsetzen. Herr Oberberg-
director v. Gümbel bat die Güte gehabt, uns über das gruud-
rissliche räundiche Verhalten dieser Ei’uptivgäuge nach den
bayerischen Karten zu unterrichten, Herr Landesgeolog Grebe
hat Proben davon eingesendet, von den meisten Gängen habe ich
1883 und 1889 selbst, theils in seiner Gesellschaft, theils allein,
Handstücke gesammelt. Die Analysen A*, l*, n\ o* in der oben
mitgetheilteu Tabelle beziehen sich auf solche Gauggesteine, und
zwar ist U die Analyse des Gesteins von der Labach-Grube
bei Werschweiler (Böttcher), V" diejenige des Ganggesteius
vom Steinhübel in der Gehrenheck (Publheck) zwischen
II oof und Osterbrücken (Hesse), m* die des Gangkuppen-
gesteins von Gronig, im Qnellgebiet der Blies zwischen
') Die letztere Reise fand erst nach der ursprünglichen Abfassung dieser
Abhandlung behufs weiterer Orientirung über einzelne Punkte statt.
18
Jalirbuch 18Sy.
274
K. A. Lossen, Vergleiclieiulo Studien über die Gesteine
Wasser imd Dorf (Hesse) und o* die des Ganges bei Winter-
bach zwischen St. Wendel und Tholey (Fischer); die Ana-
lyse m* (Bärwald) betrifft dagegen ein Intrusivlager, das am
Litzelkopf bei Bnhlenberg nächst Birkenfeld in den
Cnseler Schichten anfsetzt, seinem Vorkommen nach also zunächst
mit den Bosenberger Intrusivlagern in denselben Schichten nberein-
stimmt, während seine Struktur durch Einsprenglinge von Plagio-
klas, von Psendomorphosen nach Bronzit, von Quarz und, örtlich
wenigstens, auch von Biotit in einer recht feinkörnigen Grnnd-
masse von der der Dioritporphyrite änsserlich mehr abweicht und
sich der porphyritischen mehr nähert.
Betrachtet man die einschlägigen Zahlenwerthe : SiO-2 54,55 bis
57,35, Summe der alkalischen Erden 4,29 — 12,26, Summe der
Alkalien 4,85 — 9,73, so ergiebt der Vergleich mit den oben mit-
getheilten Zahlenwerthen ans den Analysen a bis i alsobald die
Zugehörigkeit zur porphyritischen (dioritporphyri-
ti sehen) und nicht zur diabasischen Mischnngsstnfe, nur o* ge-
hört sichtlich zu den kieselsänrearmen Kaliporphyren und
verdient daher zunächst unsere besondere Aufmerksamkeit. Viel-
leicht sind andere Proben des Winterbacher Ganges nicht so
einseitig kalireich, auch war die analysirte Probe, weil schon
oxydirt und des Carbonats beraubt, von Hans ans jedenfalls reicher
an Kalk, doch hat der weggefidirte Kalkgehalt ganz vorzugsweise
dem erst chloritisch und carbonatisch, alsdann oxydisch nmgebildeten
Bisilicat angehört, denn die Feldspathe erweisen sich im Dünn-
schliffe relativ frisch und zeigen auch im Handstück oft noch
spiegelnde Spaltflächen. Vergleicht man unter diesem Gesichts-
punkte die Dünnschliffe der Gesteine vom Winterbacher Gange,
vom Spiemont und vom Bosenlicrg untereinander, so kann man
sich bei vorherrschend gleicher Struktur trotz gewisser noch kurz
zu besprechender Strukturuuterschiede leicht überzeugen, dass im
Einklano; mit den Alkali- und insbesonders den Kali -Wertheu
der Analysen o*, 7, A* und g* unverkennbare Plagioklas-Krystalle
am spärlichsten im analysirten Winterbacher Ganggestein, am vor-
herrschendsten dagegen im Bosenberg - Gestein auftreten ; das
Spiemont- Gestein hält die Mitte ein, es enthält mehr Orthoklas
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
275
als das letztere, mehr Plagioklas als das orstere, das zufolge
seines entschieden vorherrschenden Orthoklasgehalts Augit-
Syenitporphyr mit Kersantit-ähnlicher Struktur heissen
kann.
Unabhängig von der chemischen und physikalischen Molecular-
constitntion des Feldspaths ist derselbe in allen drei Gesteins-
typen durch eine Erscheinung ausgezeichnet, die an dem Gestein
des Winterbacher Gangs besonders deutlich hervortritt und darum
hier zuerst erwähnt wird: das ist die theilweise oder euänz-
O
liehe Erfüllung des Eeldspathkerns durch eine grüne
chloritähnliche Substanz. Man findet diese Erscheinung an
den grösseren Plagioklas -Krystallen, die sich ein klein wenig
porphyrartig aus der feinkörnigen Gesteinsmasse hervorheben, an
den Eeldspathen des eigentlichen Gesteiusgeripps , endlich auch
an den ganz kleinen mikroskopischen Plagioklasen odei- den Ortho-
klasen, welche mit Quarz in verschränkter oder verzahnter Struktur
in den Grundmassen -Zwickeln (saueren Resteckchen) auftreten;
oft ist der grüne Kern scharf abgegrenzt von dem wasserhell
durchsichtigen Eeldspathrahmen , dessen Form er wiederholt, wie
das Fenster im Rahmen; in vielen, ja wohl in den meisten Fällen
dao’enen liegen nur grüne Partien kern- oder zonenartig zusammen-
gedrängt im Feldspath; ob dazu auch jene mascheuartige Ver-
l)reitung chloritischer Substanzen im Plagioklas gehört, welche
II. Rosenbuscii als » pseudophitische « Umbildung aus diesen
» Leukophyren « angiebt, wage ich nicht zu entscheiden; echter
Psendophit scheint mir nach dem Pleochroismus und der relativen
Höhe der Interferenzfarben nicht vorzuliegen, sondern ein eisen-
haltiges, wahrscheinlich sogar etwas eisenoxydhaltiges Chlorit-
mineral, dessen Sphärolithe (Krystallsphären) ein Interferenzkreuz
von optisch -positivem Charakter erkennen lassen. Auf die Natur
des Viridits, um ganz allgemein zu sprechen, kommt es zunächst
anch weniger an, als auf die Art und Weise, in der er die Feld-
spathsubstanz durchdringt, w o n a c h hier nicht b e 1 i e 1 j i g e F e 1 d -
spaththeilchen durch die grüne Substanz im Wege der
Ps e udom orph OS enbil dun g ersetzt schein en, als vielmehr
solche Stellen, innerhal b welche r der Feldspath zufolge
IS*
27G
K. A. Lossex, Vergleichende Studien über die Gesteine
eines ni’spi’ünglicheu raschen A nskvy stallisirens fremde
Theilchen, verkrü pp eite A ngite, Basisautheile oder Erz-
stanb, in sich beherbergte. Wie die Peginatophyr-Strnktur
gehört anch diese an änsserlich wohlbegrenzte, innerlich aber mehr
oder weniger skelettartig gehöhlte Feldspathe gebundene Strr.ktnr
zur Charakteristik einer Erstarrnngsweise, welche von
derjenigen typischer Engranite abweicht, echten Rhyo-
taxiten dagegen unter Umständen eignet ('»Casettenfeld-
spathe «).
Flnid a 1 st r n ktnr oder Ivhyotaxis ist denn auch in diesen
zum Vergleich herangezogenen (xanggesteinen und porphyritischen
Intrnsivlagermassen theilweise ganz deutlich entwickelt: Im ana-
lysirten Vorkommen bei Winterbach mit relativ grossen ^2
1 Ceutimeter messenden Feldspäthen von sehr schmalem Leist-
schnitt und ^/2 Ceutimeter grossen Titaneisenerztafelu, die aiif den
ersten Anblick -ein doleritisches Melaphyr - Gestein vermnthen
lassen, ist die stromartige Anordnung dieser Gemengtheile mit
blossem Auo'e vortrefflich zu sehen: wären die bald selbstäudia;
begrenzten, bald xenomorphen Angite frisch, anstatt dessen sie
chloritisirt oder schon vererzt erscheinen, man würde eiuigermaassen
an denjenigen rhyo-diabasischeiC) und dabei porphyrartigeu Typus
des Löwenbnrg- »Dolerits« erinnert, der eines der schönsten Bei-
spiele der Flussstrnktur vollkrystallinischer Struktnrelemente'^) dar-
b Der Ausdruck ist leicbt verständlich und soll den annähernden Parallelis-
mus der Plagioklas -Leisten in solchen Diabasen treffen, -welche zwar auch vor-
herrschend vollkrystallinisch strahlig-kornig sind, aber nicht mehr vorherrschend
clivergentstrahlig- körnig oder typisch ophitisch mit frei in den xenomorphen
Angitkörnern endend eingezapften automorphen divergentstrahligen Plagioklas-
Leisten. An und für sich ist der augitische Bindekitt der ophitischen Struktur
einer schwach entwickelten Flussstruktur der Plagioklas-Leisten nicht hinderlich.
Vorgl. auch die einschlägigen Erfahrungen Judd’s und Teall’s (British Petro-
graphie Taf. X, Fig. II und Artikel »Dolerit«).
b In der Sammlung der Königl. Bergakademie liegt ein durch H. Laspe-thes eti-
kettirtos Dolerit- Handstück vom Kühlsbrunnen nahe der Löwenbui'g, das auf Grund
dieses mit blossem Auge wohlerkennbaren Planparallelismus als »schiefrig« bezeich-
net ist. Auch in RosE.Niäuscn’s Abbildung der »hypidiomorph-körnigen Struktur am
Basalt der Löwenburg im Siebongebirgc«, Massige Gesteine (2. Aufl.) Taf. VI, Fig. I,
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
277
stellt. Andere Ilandstücke des Winterbucher Ganges, wie ein
solches ans den Fnchslöcliern, W. vorn Kirchhof, sind feinkörniger
nnd dabei porphyrartig durch einzelne grössere Feldspathe und
scheinen thatsächlich au Stelle der im analysirten Gestein ans
Orthoklas, Quarz (Mikropeginatit), Plagioklas, Chlorit, Titau-
eisengl immer, Apatit zusammengesetzten Zwickel eine braun-
bestäubte grauliche Basis zu enthalten, die vorzugsweise feld-
sjräthiger Natur sein mag, da andererseits auch hier die für Ker-
santite so charakteristischen Qnarzzwickelchen, z. Th. mit Biotit-
Einwachsnugen, nicht fehlen. Für diese Deutung spricht die
mehrfache Beobachtung radialstrahliger Anordnung in der Basis
mit Interfereuzkrenzchen von optisch negativem Charakter; Erz-
stanb oder opake Wachsthnmsformen trüben solchen Feldspath-
grnnd nur wenig ^). Noch andere Ilandstücke des Ganges, wie
solche vom Ileiligenberg, 2 — 3 Kilometer nordwestlich des Dorfes
Winterbach, führen rnndblasige Maudelräume, was den rhyotaxi-
tischen Eindruck dieses chemisch und mineralisch dem Angit-
syeuit und Angittrachyt vergleichbaren Ganggesteius erhöht.
Auch sol che Cran ggesteln e, welche chemisch wesent-
lich mit dem Boseuberg-Gestein ül)ere instimmen, wie
das von dem Steinhübel bei Osterbrnckeu (/D nnd das zwar
fehlt die Andeutung der Flussstruktur nicht. Besonders lehrreich sind noch die-
jenigen Stellen des rhyo-diabasischen Strukturgewebes, die ein tangentiales Um-
schiniegen der leistförmigen Plagioklase uni die porphyrartig eingewachsenen
grösseren Olivin- oder Augit - Einsprenglinge erkennen lassen. Biese Gesteine
sind also doch nicht vorherrschend rein »hypidioniorphkörnig« im Sinne der
Eugranite. Die Gabbro-Gesteine der Hebriden dagegen, welche Kosenbusch mit
den Basalt- Gesteinen vom Löwenburg- Typus glaubt vereinigen zu dürfen, sind
nach dem mir vorliegenden durch v. Dkchen und Oeynhausen gesammelten
Material, echte Eugranite. Gelegentliche Uebergänge dieser Eugranite in die Rhyo-
taxite zufolge der Ausbildung langgest; ecktcr Strukturelemente (leistförmiger
Feldspathe etc.) und der mehr oder weniger parallelen Anordnung derselben
fehlen selbstverständlich nicht, denn der Uebergang gehört zum Wesen der Ge-
steine, charakterisiren aber nicht die vorherrschend eugranitischen Gabbro-
Massen.
') Vergl. dazu die Beobachtungen an den Gesteinen vom Spiemont und von
Marpingen. S. 271, Anm. b-
278
K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine
etwas kalk- und natroureicliere, kali- imd maguesiaärinere des
laugen Ganges, der sich von W erschweiler (Labacligrube , k*)
bis in die Gegend SO. von Leitersweiler erstreckt, zeigen
in ein und demselben Präpai-at bald ein mehr divergentstrahliges,
bald ein sicbtlicli mehr flnidal (rhyotaxitiscb) augeordnetes Ver-
halten der Hauptstrukturelemente (Rbyo-Kersantit-Struktnr). Siebt
man davon ab, so liegt der Unterschied gegenüber dem Bosenberg-
Typus nach den mir vorliegenden Ilaudstückeu in einem etwas
feineren Korn und, doch nur z. Tb., in dem häufigen sichtlich
porpbyriscben Ilervortreten voutbeils isolirten, tbeils gruppen-
weise zusammengebäuften Plagioklas-Einsprenglingen und
Augit-Pseudomorphoseu, d. b. der glimmerarme Angit-
Kersautit ist porplij^r artig entwickelt; örtlich treten wohl
auch, wie in dem Intrusivlager südlich des Osterbaches
unterhalb Osterbrückeu, kleine Biotit-Blättchen por-
phy risch hervor, aber doch zu spärlich, um darauf einen reinen
Kersautit- Typus begründen zu können, während im Dünnschliff
mikroskopische Biotitblättcheu oder Chlorit -Pseudomorphoseu da-
nach niemals fehlen. Solche Pseudomorphoseu, welche zufolge
ihrer Umrisse sicher auf ein augitisches Mineral zurückgeführt
werden können, walten aber stets vor; nach den Umrissen zu
schliessen könnte rhombischer Augit (Bronzit) ebensowohl als
Malakolith oder Fassait vorhanden sein; im unzersetzten
Zustande zuverlässig nachgewiesen ist jedoch nur der
letztere in dem Gestein d er L abach- Grube (U), das unter
den auch hier vorherrschenden Pseudomorphosen noch frische
automorphe und noch häufiger xenomorphe Krystallkörner von
licht gelblicher bis licht gelblichbräunlicher Durchsichtigkeit, gleich
denjenigen des Kersautit- Augits besitzt. Auch in den z. Th. durch
Quarz oder Quarzfeldspathaggregat eingeuommeueu Zwickeleckchen
dieses letzteren Gesteins fehlen andererseits daneben oder an dessen
Stelle kleinste Augitpseudomorphoseu und Erzwachsthumsformeu
nicht, so dass mau schon einigermaassen au die Basis Q saurer
b Z wisch eDklemmungsmasse, Mesostasis.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc. 279
Meso-Dolerite (saurer Glieder der Tlioleyite Steininger’s) erinnert
wird.
Diese Anklänge sind um so interessanter, als ein benaeli-
barter Quergang weiter gegen NO., der im Karstreche NW.
von Unter- Selchenbach, und ein zweiter, der au der Strasse,
ungefähr in der Mitte zwischen diesem letzteren Dorfe und Oster-
brücken im Distrikt »Au der Haide« hiudnrchstreicht, der
Melaphyr-For m ation in der Hingangs dargelegten Fassung des
Jlegritfs und zwar in den untersuchten Proben als olivinfreier
Typus thatsächlich augehört. Das Gestein dieser Gänge ist por-
phyrisch von Ansehen durch sehr stark glasglänzende, scharf und
geradlinig nach dem Albit-Gesetz, auch wohl einmal zugleich nach
dem Periklin-Gesetz lamellirte bezw. gegitterte kalkrciche Plagio-
klase, die manchmal gruppenförmig vereint auftreteu und hier
und da Basis (mikrokrystallitische Mesostasis) in oder zwischen
sich einschliessen, sowie durch Pseudomorphoseu nach einem Augit-
Mineral, die aus eckigen Carbonatköruern oder aber aus solchen
und aus Chlorit bestehen. Die dichte elseugraue, stark rost-
braun verwitternde Grundmasse besteht unter dem Mikroskop
aus relativ locker gelagerten, divergent strahlig geordneten Plagio-
klasleistchen, dazwischen gestreuten zahlreichen Maguetitkryställ-
chen und mikroskopischeu Pseudomorphoseu nach Augit, ent-
sprechend den makroskopisch sichtbaren, und einer glo bulitisch
schwarz geköruelten lichten Glasbasis, die auch Erz-
wachsthumsforiuen allerfeiuster Art enthält und örtlich in einen
mikrokrystallltisch getrübten Feldspathgrnud übergeht. Biotit in
sehr feinen Blättchen fehlt daun nicht (Karstrech). Sehr spär-
liche, sehr kleine Quarzköruchen , welche in einem Präparate in
der Grundmasse beobachtet wurden, sind, ganz abgesehen von
ihrer primären oder sekundären (?) Natur procentisch ganz be-
langlos für das basische Gestein, dessen Analyse, ausgeführt durch
Dr. Fischer au einer Probe des Ganges au der Strasse
zwischen Unter-Selchenbach und Osterbrücken unter
p* folgt.
280
K. A. Lossex, Vergleicliende Studien über die Gesteine
P""
C
810*2 . . . .
48,27
47,12
TiO-2 ....
0,99
3,92
AI2O3. . . .
17,13
15,23
Fe2Ü;2 ....
1,85
2,79
FeO ....
4,89
7,06
Mg O ....
3,06
2,85
CaO ....
9,77
7,83
Na.2 0. . . .
3,06
2,41
K2O ....
2,42
2,00
H2O ....
1,59
2,92
F2O5 ....
0,19
—
CO2 ....
6,90 t)
5,65
SOa ....
0,09
—
Organ. Snbst. .
— -
—
Summe :
100,21
99,78
Vol.-Gew. . .
2,7326
—
Fisch EU
Loretz
•echend i):
FeCOs . . .
2,60
MgCOs . . .
4,30
CaCOa . . .
8,35
FiscHEn.
Die zum Vergleich beigefügte Analyse (c) des ähnlich car-
houatreich und chloritreich umgebildeten »Leukophyr«- Diabases
V. Gümbel’s aus dem Steinachthaie bei Stadt Steinach lässt, wenn
man den in dem letzteren Gestein sehr hohen Gehalt an Titan-
eisenerz berücksichtigt, sehr deutlich erkennen, dass in der Tliat
in dem Gestein p ein echtes porphyrisches Diabas- Aecpüvalent,
ein oliviufreier Melaphyr (Vleso-Basalt) und kein porphyritisches
Aequivalent eines dioritischen oder andesitischen Gesteins (Augit-
diorits, Augitandesits) vorliegt. Will inan also von Meso-Leuko-
') Nach einem mit stark verdünnter Salpetersäure rasch gemachten Auszug
des Carbonats, woraus das Verhältniss der an die Kohlensäure gebundenen Hasen
besonders' ermittelt wurde.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei S(. Wendel etc.
281
phyren reden, so Hegt dieser Vergleich hier nahe — oI)endrein
ist das Gestein wirklich von porpliyrischer Stridctur — , für den
Bosenberg etc. trifi’t er nicht zu.
Dagegen stehen dem Bosenberg-Gestein sid^stanziell und der
Lagerung nach und in vieler Hinsicht auch strukturell wieder
uanz nahe die als lutrusivlacrer in den Oberen Cuseler
Schichten nahe a m S ü d r a u d e d e s Bh e i n i s c h e n S c h i e f er-
geh ir ge s in der Gegend von Birken fei d am Litzel köpfe,
Geisberge, Mooshübel und in deren Nachbarschaft bei Buhleu-
berg, Ellenberg, Gollenberg anstehenden Gesteine, welche
jedoch eine noch ausgesprochener porphyritische Tracht
zeigen, als die vorher besprochenen Qnergänge von nahezu gleicher
Zusammensetzung östlich der Blies zwischen St. Wendel und Cusel.
Immerhin ist die Ausbildung der Gruudmasse noch nicht so
feinkörnig, als bei gewissen porphyritischeu Kandgesteinen längs
des Intrusivcoutacts des Bosenberg- Gesteins gegen die Oberen
Cuseler Schichten. Die ( pseudomorphosirten ) a ug i ti sehen Ein-
sprenglinge dieser Gesteine sind in sehr schmalen und im Ver-
hältniss dazu langen Säulcheu ausgebildet bis zu 3 Millimeter Länge,
deren Querschnitt ein Rechteck mit gerade abgestutzten Ecken
darstellt; sowohl diese Formausbildung, als die Gruppirnugsweise
zusammengehänfter Pseudomorphoseu und schliesslich die häufige
Erfüllung derselben mit Serpentin statt mit Chlorit, erinnern
ausserordentlich an Pseudomorphoseu nach Brouzit aus Bron-
zit-Porphyriten, doch konnten Bronzit- Reste oder Schillerspath-
Pseudomorphosen bislang nicht aufgefnuden werden. Solcher
Serpentin (optisch negativ mit der Axenebene in der Faseraxe) hat
relativ hohe, leuchtende Interferenzfarben, die bei günstiger Schnitt-
lage aus Gelb in Roth überspielen, und pflegt freier von Carbonat-
Einwachsnngen zu sein, während mit der Erfüllung der Psendo-
morphosen durch die matt polarisireudeu Chlorit-Aggregate
sich gern Carbonat einstellt. Möglicherweise entsprechen die
beiden Umbildnngswelsen zwei verschiedenen Muttermiueralien,
Bronzit und Malakolith, die ja in ganz ähnlichen Krystallformen
des rhombischen und monoklinen Systems gemeinsam auftreten.
Wie dem auch sei, die langgestreckte Form dieser
282
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
Pseudomorphosen , die auch den zahlreichen mikroskopischen
Grimdmassenkryställchen derselben Substanz eignet, bringt mit-
sammt den spärlicheren, aber garnicht so seltenen makroskopischen
oder mikroskopischen, frischen oder chloritisirten Biotitblättchen
tind leistenförmigen Feldspathen, welche letztere vor
gedrungeneren Formen auffallend zurücktreten, die
llhyotaxis im Dünnschliff häufig zur Anschauung und dieser
entspricht dann wohl auch die ungefähre Lage der mit blossem
Auge sichtbaren ein- oder zweiseitig ausgedehnten Einsprenglinge
in linear- oder planparalleler Anordnung. Quarz-Feldspath-
Alasseu, bald jenen hieroglypheuartigen Wachsthumsformen aus
dem Bosenberg-Gestein, bald typischem Mikropegmatit gleichend,
füllen die Zwischenräume zwischen den gestreckten Struktur-
elementen, setzen aber auch selbständigere, relativ grobkörnige
nach der Flussrichtuug ausgedehnte Gruudmasseupartieen für sich
allein zusammen oder erscheinen mit Carbonat- Pseudomorphosen
alsUmrinduugen haselnussgrosser und grösserer Fettquarz-Massen ^).
Dabei ist auch in diesen Gesteinen, wie in denen des Bosenbergs
oder Spiemonts etc. oder in verwandten Ganggesteinen des Mittel-
harzes der Uebergang aus der einen in die andere pegmatophyrische
Stridtturform und ihr Zusammenhang mit reinen Quarzkörnern oder
Orthoklaskrystallen nachweisbar. Dass auch Plagioklas au sol-
chen pegmatophyrischen Aggregaten theilnimmt, ist nach seinem
Vorkommen in deutlichen Krystallen in diesen Quarz -Feldspath-
inassen zu schliessen nicht unwahrscheinlich, aber zunächst nicht
erwiesen. Er tritt im Uebrigeu ganz deutlich in Einspreng-
lingen, welche 3 bis 4 Millimeter Grösse erreichen können, aus der
Grundmasse hervor, häufig sind dieselben schon umgebildet, in
b Die höchst lehrreichen Erscheinungen , welche sich an diese fraglich als
Einschlüsse zu deutenden Massen und ihr Verhältniss zum Eruptivgestein knüpfen,
müssen Gegenstand einer Detailsludio bleiben. Nur sei kurz erwähnt, dass in
den Hüllen um diese Quarzmassen gleichartig mit denselben orientirte Quarz-
dihexaeder mit libellenführenden Glaseinschlüssen in der Form des Wirths auf-
trelen, zwischen welche sich von Aussen her Glas, Mikrofelsit oder an deren
Stelle ganz unzweifelhafter Mikropegmatit eindrängt: eine Erscheinung, welche
für die geologische Rolle des Mikropegmatits recht beachtenswerth genannt
werden muss.
des Spienionis und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
283
aiidereu Fällen weist ihr optisehes Verhalten auf Oligoklas hin.
Aber auch Quarz tritt in kleinen einheitlichen, inuner abgerun-
deten, nie scharf dihexaedrisch begrenzten, einsjn'cnglingsartigen
Körnchen spärlich, aber doch mit einer gewissen Kegehnässigkeit
auf. Sie zeigen jene Umrandungen von Augit, hier in car-
bonatischen oder serpentinösen oder chloritischen Pseudomorphoseu,
die als Zeichen der Einwirkung des Alagmas auf einen (J,uarz-
Einschluss oder aber auf ein frühzeitig ausgeschiedenes porphyrisches
Korn aufgefasst zu werden ptlegeu, und führen G 1 as e i ns chlü s se
oder entglaste Partikel neben Flüssigkeitseinschlüssen.
Auch der Biotit betheili!J:t sich cfelea-entlich an diesen aimitreichen
Hüllen, so zwar, dass er gleich den Pseudomorphosen des letzteren
Alinerals in das augezehrte Quarzkorn hineinragt. Um die ein-
seitig augitreiche Hülle, welche in tangentialer Sclmittlage als
Augit-Häufchen erscheint, zeigt sich dabei häufig nach Aussen
eine einseitig A'orwiegend aus Quarz und Feldspath aidgebaute,
mit pegmatophyrischen Aggregaten untermischte Zone. Diese
Gesteine mögen Bronzit - Porphyrit mit K er santit- ähn-
licher Struktur heissen.
Besonderes Interesse behufs vergleichender Betrachtungen
verdienen dann noch die Gang-Kuppen bei Gronig, welche
einem Olivinführenden Kersautit - Porphyrit angehören.
ItOSENBUSCii hat in der ersten Ausgabe seiner Alassengesteine auf
S. 288 u. 289 einen Porphyrit von Gronig aiitgeführt, der nach
der speciellen Ortsangabe »an einer Kuppe auf der linken Seite
der Blies, S. von Gronig«, nur hierher gehören kann. Er führt
nur ganz kurz braundurchsichtige Horn 1)1 ende und Magnesia-
gl immer in braunen Tafeln aus dem Gestein an. Erstere habe
ich nicht wieder auftinden können, was indessen nichts gegen
lioSENBUSCii’s Beobachtung beweist, die Bisilicate sind in diesen
Gesteinen aller Erfahrung nach wenig regelmässig vertheilt und
oft bis auf die letzte Spur umgebildet; im Kersautit von Laugen-
schwalbach und Markirch war seiner Zeit auch keine Hornblende
bemerkt worden und dennoch fand ich dieselbe darin. Im Gro-
niger Gestein habe ich umgekehrt frischen Malakolith aufge-
fuudeu in zahlreichen Kryställchen in einem Düuuschlitle von der-
284
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
selben Kuppe (Analyse «*), welebe Rosenbusch citirt; bastitisclie
oder richtiger, da Schillerspathglauz fehlt, serpentinöse und Car-
bonat-Pseudoinorphoseu fehlen daneben nicht und oft liegen die
Aiigitkryställcheu gruppenweise zusammen. Dem blossen Auge
deutlich sichtbar treten diese Kryställchen kaum hervor, während
der braune (z. Th. grün chloritisirte) Glimmer überall
sichtbar hervortritt oder doch nur ganz local mehr in die
Gruudmasse zurücktritt, in welcher er nirgends fehlt und um die
grösseren porphyrischen Einsprenglinge von umgebildetem Olivin
tangential geordnet besonders augehäuft getroffen wird. Frischer
Olivin ist nirgends mehr erkennbar, es ist die Krystallform,
welche die Pseudoinorphoseu als diesem Mineral augehörig er-
kennen lässt; meistens sind die Olivine in Carbonat umgewandelt,
in dem Steinbruche, nordöstlich vom Dorfe Gronig, dagegen in
ein strahlig wirrfaseriges Aggregat, das grünlich, wie Serpentin
aussieht oder wie Chlorophaeit, ähnlich diesen Substanzen in leuch-
tenden Interferenzfarben polarisirt und an luterferenzkreuzcheu
sphärolithisch geordneter Blättchen optisch positiven Charakter zu
erkennen giebt, was recht gut mit dem Chlorophaeit vom
Hockenberge bei Neurode stimmt. Kleine octaedrische Kryställ-
cheu eines Minerals der Magnetit -Spinell -Gruppe liegen sowohl
in diesen als in den Carbonat -Pseudoinorphoseu nach Olivin.
Im Uebrigeu enthält das Gestein sowohl Titaneisenerz, als
Magnetit. Auch der Apatit fehlt nicht. Feldspath ist so-
wohl in Leisten von divergeutstrahliger bis rhyotaxitischer An-
ordnung vorhanden, als auch in breiteren Krystalloiden,
welche vor den Leistschnitten vorherrschen können und auf be-
schränkterem Kaum in eine F üllniasse von Feldspath oder in eine
Quarz-Feldspath-Zwischenmasse übergehen. Die Leisten
lassen sich als ein kalkreicherer Plagioklas au der Aus-
löschuugsschiefe ihrer Zwillingslamelleu erkennen, breitere ver-
zwillingte Plagioklase treten spärlich wohl auch einmal aus der
Grundmasse etwas mehr sichtlich porphyrisch hervor. Der der
Hauptsache nach wohl als Orthoklas anzusprechende uulamellirte
Feldspath der breiteren Krystalloide oder der Füllmasse zwischen
den anderen hineiurageuden Gemeugtheilen tritt für sich allein
des Spienionts und dos Bosenbergs bei St. Wendel etc.
285
oder mit wasserklarem Quarz gepaart auf iu gauz älmlicdier
Weise, wie bei dem Gestein des Boseubergs; nur scheint hier
der Quarz mehr zurückzutreteu , grössere einheitliche Quarz-
körnchen fallen nicht auf und die iu einander verschräukteu
Verwachsungen von Quarz und Feldspath in regelmässiger Aus-
bilduugsweise kommen seltener vor (Mosaik). — In dem Ge-
stein aus dem Bruche im NO. von Gronig scheint neben den
deutlich auskrystallisirteu Gruiidmassenelementen iu geringen
Mengen Basis anwesend zu sein; dasselbe Gestein zeigt ver-
einzelte grössere Mandeln, welche mit Carl)onat erfüllt sind und
Nussgrösse übersteigen. — Noch andere K ersantit - Por-
phyrite, welche durch ihren Gehalt au Qu arz- E 1 n s pro u g-
liugen mit G 1 asei n s chlü s s e ii und mit Au git-U m h ü 1 1 u n -
gen ihre Verwandtschaft mit den Gesteinen vom Litzelkopf und
Geisherg hei Birkenfeld bekunden, andererseits aber auch mit ge-
wissen zur Porphyritstruktur neigenden Olivin-Melaphyreu (Olivin-
AV'^eiselhergiten nach Rosknbusch’s Namengebung), kommen weiter
gegen NO. zwischen Vollmershach und Regulshausen und
hei dem erste ren Dorfe seihst auf Blatt Oberste in vor.
In diesen letzteren Vorkommen ist Olivin oder vielmehr sind
Pseudomorphosen nach demselben nur ganz spärlich odei’ gar nicht
vorhanden; der Augit, soweit frisch erhalten, ist abermals Malako-
lith oder PAssait, der Biotit tritt als porphyrischer Einsprengling
sichtlich hervor.
Aus dem, was wir nach den vorstehenden Mittheilungen
wissen (die sich allerdings nicht auf ein so umfaugreiches Ma-
terial, als au und für sich erwünscht wäre, immerhin al)er wohl
auf ein umfangreicheres, als das von anderer Seite bislang benutzte,
stützen), geht hinreichend die nahe Verwandtschaft aller der aus
der Gegend von St.- Wendel, Ottweiler und Birkenfeld darin be-
sprochenen Gesteinstypen hervor, abgesehen von den beiden
Quergängen, die zwischen Osterbrückeu und Selchenbach durch-
streichen und als (olivinfreier ^) Meso-Basalt ihre nächsten Ver-
wandten unter den Melaphyren der Dachgesteiuszoue des Greuz-
*) Olivinfrei, soweit die untersuchten Proben reichen, anderweitig fehlt der
Olivin- oder auch der Bronzit- Gehalt neben dem Augit nicht.
286
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
lagei’s und unter den meist intrusiven Palatiniten und Tholeyiteu
besitzen. Alle anderen Gesteine mit einer Ausnahme ‘^) gehören
für unsere Auflassung in diejenige Reihe mehr oder weniger
deutlich feiustrahligkörniger bis feinstrahligkörnig-porphyrischer
Porphyrite, die man als vermittelnde Glieder zwischen den
Dioriten, als ausgesprochenen Eugraniten, und den Porphyriteu
im engeren strukturellen Sinne des Wortes, als ausgesprochenen
Rhyotaxiteu , D iorit - Po rph yri te , bezw. Quarzdioritpor-
b Hier mag ein Versehen in Rosenbusch’s 2. Auflage der Massigen Gesteine
bericliligt werden. Von den Olivin-Tholeyiten heisst es S. 515 daselbst: »Dieser
Typus hat im Saar-Nahe-Gebiet eine sehr grosse, nach Lossen’s Untersuchung
wesentlich der Dachzone des Grenzlagers angehörige Verbreitung«. Alsdann
werden einige Fundorte aufgeführt als Beispiele, 12 im Ganzen, von welchen
indessen nur einer, Erzweiler, dem eigentlichen Grenzlager in seiner uns ge-
läufigen Ausdehnung und möglicherweise, was ich dahin ge.stellt lassen muss,
der Dachzone desselben angehört. Zwei weitere, das Vorkommen 10 Minuten
S. von Brauushausen und das 6 Minuten N. von Selbach (nicht »Salbach«),
liegen in jener südwestlichen Fortsetzung des Grenzlagers, die sich von der
oberen Nahe nach der Prims erstreckt und die fast ganz ausschliesslich aus
Melaphyr-Gesteinen besteht, wie sie im Hauptgrenzlager erst in der Dachzono
entwickelt zu sein pflegen. Diese Gesteine sind der Hauptsache nach aber,
wie dies der Vergleich meiner Beschreibung (dieses Jahrbuch für 1883 S. XXX
ff.) mit den 1887 von Rosenbusch aufgestellten Melaphyr-Typen ergiebt, »Navite«
und »Olivin-Weiselbergite«; »Olivin-Tholeyite« fehlen darunter nicht ganz und
sind zumal strichweise ausgebildet, wie in jener Gegend des Wasserscheidegebiets
zwischen Nahe und Prims, der die obengenannten beiden Fundpunkte angehören;
im eigentlichen Grenzlager treten sie jedenfalls sehr zurück. Die Tholeyite
und Olivin-Tholeyite, die man kartographisch weder von einander, noch
auch von den basisfreien Meso-Diabasen (Palatiniten) und Meso-Olivindiabasen
trennen kann, sind ihrer Hauptverbreitung nach vielmehr intrusive
Lager- und Stockmassen in den Oberen Cuseler, den Lebacher und
Tboloyer Schichten unterhalb den normal zwischen den Söterner Schichten
eingeschalteten Ergussdecken des Grenzlagers. So gehören denn auch
9 von den 12 von Rosenbusch angezogenen Fundpunkten solchen Intrusivmassen
an und zwar mit einer Ausnahme, S. von Odernheim (nicht »Obernheim«) und
W. vom Bauwald, aus der Umgebung von St. Wendel und des benachbarten
Sebaumberges bei Tholey. — Beiläufig sei noch bemerkt, dass das Molaphyr-
Gestein, w'elches in der 1. und 2. Auflage der Massengestoine unter »Kreuznach«
erwähnt wird, von einem anderen Fundpunkt stammen muss, weil Melaphyr dort
ganz fehlt.
2) Ueber den Winterbacher Gang vergl. weiter unten S. 292, S. 312 f., so-
wie schon oben S. 271 ff.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
287
pliyrite zu neimen pflegt. Wenn wir trotz des neben dein
vorwaltenden Plagioklas herrschenden Augit- Gehalts nicht von
Diabas -Porphyriten reden oder, soweit die mehr feinkörnigen,
bezw. körnigstrahligen, als porphyrischen Gesteine des Bosenbergs,
Spiemonts n. s. w. in Betracht kommen, von » Quarzdiabasen « ^),
so steht einer solchen Ausdrucksweise nicht nur die dem Kersantit
nahestehende Struktur der Gesteine entgegen, sondern überdies ihre
chemische Durchschnittszusammensetzung und das procentische Ver-
hältniss von Erz, Bisilicat und Glimmer gegenüber den Feldspath-
und Quarzprocenten, ihr constauter Gehalt an Kalifeldspath und
ihr gelegentliches Uebergehen in Syenit- Porphyre (Winterliacher
Gang), endlich ihr geologischer Zusammenhang mit noch alkali-
nnd auch kieselsäurereicheren Gesteinen.
Was den bisher noch nicht erörterten letzteren Punkt an-
langt, so hat Rosenbuscii selbst bereits den Zusammenhang
der Gesteine vom Remigiusberg bei Cusel mit den Ge-
steinen vom Spiemont und Bosenberg dahin ausgedrückt,
die ersteren (»Cuselite«) seien »vielleicht die porphyrische
Form der hypidiomorph körnigen Icukophyrischen Gesteine des
Spiemont« (Massengest. 2. Aull., S. 503). In der That ist allem
Anschein nach, wenu ich Leppba’s eingehende Untersuchungen
über das Gestein vom Remigiusberg und die eigenen Beobach-
tungen an den durch Weiss und Laspeybes und meinerseits ü;e-
sammelten Gesteinen aus der Gegend zwischen Wolfstein mul
St. Wendel (Remigiusberg, Potschberg, Blaubach, Diedelkopf bei
Cusel etc.) meinem Urtheil zu Grund lege, ein wesentlicher Unter-
schied zwischen den Gesteinen bei St. Wendel und bei Cusel-Wolf-
stein nicht zu finden. Die ersteren sind eben keine hypidiomorph-
körnigen Leukophyre im Sinne der leidtophyrischen Diabase. Die
leitende »diabasisch -körnige«, »divergentstrahlig- körnige« oder
»ophitische« Strnktur, wonach man Diabase auch wohl kurz
als modificirte Dolerite (Typus Meissner) mit abweichend
voll- und deutlichkrystallinische r Mesostasis (Krystalli-
sationsrest- Masse) von vorwiegend augitischer Natur be-
0 Vergl. weiter unten S. 294, Anm. ^).
288
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
zeichnen kann^), fehlt ihnen (wenn auch Anklänge nicht
mangeln) als herrschende Leitstrnktur, die Augite sind
vielmehr grosseutheils automorph (oder idiomorph Rosen-
busch), d. h. krystallographisch selbständig begrenzt, und
der letzte Krystallisationsrest ist der Hauptsache nach
Quarz und Orthoklas, z. Th. deutlicher Mikropegmatit.
Die Striditnr der Gesteine des Spiemonts und Bosenbergs ist also
zwar keine rein krystallkörnige (panidiomorph-körnige Rosen-
ituscii), d. h. aus wohlbegrenzteu Krystallkörnern und -Ijeisten
anfgebaute, weil auch Uebergänge in die Strukturen der weniger
typischen, quarzhaltigen Diabase nicht fehlen, aber doch viel eher
Kersantit-Struktur, als Diabas-Struktur.
D ie Struktur der Hauptmasse des Gesteins vom Remi-
giusberg ist die eines mikroskopisch noch etwas vollkommener
krystallkörnigen (pauidiomorph-körnigen) Grnndmassengesteins mit
Quarz- oder Quarzfeldspath- Restzwickelchen zwischen den vor-
herrschenden Feldspath- Leisten, langgestreckten Plagioklas- und
kürzer gedrungenen Orthoklas - Leisten ; zahlreiche porphyrische
LinspreugTinge von Plagioklas bis zu 3 Millimeter Grösse
finden sich in der Gruudmasse ausgeschieden, während der theils
selbstständig begrenzte, theils, aber seltener, zwischen den Grund-
masseiifeldspath eiugeschlossene wasserhell durchsichtige Mala-
kolith sich meistens nicht bis zu einer mit blossem Auge oder der
Lupe deutlich sichtbaren Grösse erhebt, ebensowenig als Biotit
und Hör üble ude (Amphibol); letztere kann ich in einem
Präparat eines sehr frischen, von E. Weiss gesammelten grauen
Handstücks nach äusserer, z. Th. in der Säuleuzoue wohlbegreuzter
Form, wie nach dem Verbandverhältniss mit Quarz und Feld-
spath gleich dem braunen Glimmer und den sauren Zwickelmasseu
nur für primär 2) anseheu; im Maximum der farbigen Absorption
b Vergl. weiter unten S. 300, sowie ZeitscLr. d. Deutsch. Geol. Gesellsch.
Bd. XXXVIII, Jahrg. 1886, S. 926 Aura.').
-) Das scbliesst selbstverständlich das Vorhommen von Uralit-Hornblende
als secundärer Pseudomorphosenfüllung nach Augit, wie Leppla beobachtet hat,
nicht aus; er sah aber selbst auch primäre Hornblende. Auch ist secundärer
Quarz nicht ausgeschlossen neben primärem.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
289
ist diese Hornblende bräunlicligrün. Es sind also aneb hier
wieder alle die für den Kersantit charakteristisclieu Mineralien
in einer, besonders durch die Plagioklas- Einsprenglinge etwas
niodificirten Kersantit-Struktnr beisammen, nur tritt abermals der
für Lamprophyre überhaupt und den Kersantit speciell charak-
teristische Biotit in die Grundmasse zurück und proceutisch wenig
hervor. In anderen hierbergehörigen Vorkommen, Blaubach z. B.,
erreichen auch die Augit-Pseudomorphosen die Grösse deutlich
sichtbarer Einsprenglinge. Hier, wie am Potschberg fehlt aueb
das Carbonat nicht. Auch vereinzelte Zirkou-Kryställchen
nimmt man im Gestein des Potschbergs wahr. Die Umwandlung
des neben etwas Magnetit spärlicher, als im Bosenberg- und
Spiemont-Typus vorhandenen Titaneisenerzes zu Sphen ist in
allen diesen Gesteinen in sehr deutlicher Weise zu erkennen.
Apatit fehlt nicht.
Die Analyse der frischesten Gesteinsvarietät vom Remigius-
berg (q) nach Leppla (E. v. Schneider) und diejenige desselben
Gesteins nach Laspeyres (r), verglichen mit den in der umstehenden
Tabelle enthaltenen Analysen des Bosenberg-Gesteins (q*) und des
Gesteins vom Steinhübel zwischen Hoof und Osterbrücken (l*)-,
ergeben keinen erheblichen Unterschied ; nur ist das mehr körnige
Bosenbei’g-Gestein sichtlich reicher an titansäurehaltigem Eisenerz,
liezw. dessen Umwaudlungsprodukteu, das gilt aber auch schon
von dem porphyrartigen Gestein (/*), das im Uebrigeu mit dem
Crestein der Blaubach nahezu übereinstimmt; charakteristisch für
sämmtliche Gesteine bleibt der relativ hohe Magnesia-Gehalt im
Verhältniss zum relativ niedrigen Kalkgehalt. Mit dem mikro-
skopischeu Befund und mit dem hohen Wassergehalt zusammen
spricht dieser Umstand für Verlust au Kalkerde durch Umbildung
der Bisilicate zu einem Chlorit, aber darüber hinaus wird man
einen von Haus aus magnesiareichen Malakolith oder Fassait^)
b Monokline Augite mit relativ hohem Magnesia- und Eisen-Gehalt, be-
ziehungsweise relativ niedrigem Kalkgehalt sind die irrthnmlich von Merian als
typi.sche Diabasaugite betrachteten, ferner der Angit des Whin Sill, den Teali.
untersucht hat, vergl. Neues Jahrbuch für Min. etc. Beilageband ITI, S. 289 und
daselbst 1885, Band II, S. 84 — 85; vergl. auch Anra.b S. 2G4 dieser Abhandlung.
19
Jahrbuch 188P.
SiOs . . . 58,02 58,54 57,12 57,28 57,69 58,06 59,94 56,23 59,32 57,64
290
K. A. Lossen, Vergleichende Studien üher die Gesteine
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;. Laspeyp.es. Jacobs. Hesse. Böttcheb. Böttcher. Gremse. Gremse. Gremse. Steffen.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
291
vernintlien dürfen, denn solche Magnesia -Wertlie stellen sieh in
porphyritischen Gesteinen mit angitischein Geinengtheil sonst in
der Regel nur bei hronzithaltigen Porphyriten ein ; rhombischer
Angit ist indessen bislang nirgends frisch sicher nachgewiesen,
Biotit und Hornblende mochten den Magnesia-Gehalt auch, aber
ihrer geringen procentischen Menge zufolge doch nur weniger
mitbedingen.
Zum weiteren Vergleich sind Analysen l)eigesellt, die zunächst
sich auf echte lavenartig ergossene Porphyrit-Gesteine
aus dem Saar-Nahe-Gebiet beziehen, und zwar: die Analyse
eines auf der NW. -Seite des Peterberg’s bei Brauns-
hausen zwischen dem Oberen Thonstein Grebe’s und den Wa-
derner Schichten noch im Hangenden des Eruptivgrenzlagers
lagernden Bastit (Bronzit) - Porphyr it - Erg u sses nach
Böttcher (s*), ferner die Analyse des Bronzit-Porphyrit-
Pechsteins aus der Mittelzone des Eruptivgrenz lagers
oberhalb der Eisenbahnstation Kronweiler zwischen
Oberstein und Birkenfeld nach Böttcher (r), die eines alkali-
reichen Porphyrits mit Pseudomorphosen nach einem
iVugit-Mineral aus derselben Mittelzone im Fischbach-
thale, Gerach gegenüber, nach Gremse (m*) und endlich die
eines Meso - Keratophyrs mit denselben Pseudomor-
phosen nach einem Augit-Mineral, der bei der Nam-
borner Mühle über dem groben Porphyr-Conglomerat (Grebe’s
Unterer Thonstein- Horizont) vicariirend für den Bastit-
Porphyrit der Mittelzone des Grenzlagers eintritt,
nach Gremse (c*). Schliesslich ermöglichen die Analysen
zweier Harzgestein e eine weitere Ausdehnung des Vergleichs,
und zwar betrifft die von Gremse ausgefidirte Analyse (tv*) einen
dem Bosenberg-Gestein sehr nahe verwandten, nur etwas kiesel-
9 Bei der Station Namborn steht Bastit-Porphyrit an, der ebenfalls im
Laboratorium der Kgl. Bergakademie analysirt worden ist durch Herrn Jacobs
und dessen Zusammensetzung (ri*) SiOo 56,32; Ti02 (ZrO-j) 1,11; ALOs 15,83;
Fe2 03 8,04; FeO 0,24; MgO 4,19; CaO 5,19; NasO 2,90; K2O 2,25; H2O 3,43;
P2O5 0,217; CO2 0,12; SO3 0,14 = 99,97 bei einem Volumen-Gewicht von 2,673
mit Analyse s recht gut übereinstimmt.
19
292
K. A. Lossen, Vergleichende Stadien über die Gesteine
säure-, kalk- imd eisenreichern und kali- und magnesiaärineren
pegmatopbyrischeu Quarz-Augitdioritporphyrit aus dem
mittelharzer postculmischeu, frühestens spätcarbonischen Eruptiv-
gangspalteusystem, der die Mitte einer der breiteren Gang-
spalten im Iberger Kalk^) des Bielstein’s an der Bode
oberhalb Iv übel and erfüllt; die von Steffen ausgeführte Ana-
lyse (.!■*) dagegen bezieht sich auf einen Eugranit des Ost-
randes der Brocken - Gruppe von verwandter Mischung,
den Q u a r z - A u g i t - B i o t i t - D i o r i t oder A u g i t - T o n a 1 i t
zwischen P o r s t h a u s II ohne u n d D u m k u h 1 e n k o p f a u s
dem Forstorte Oie Padde.
Die vier Analysen aus den Ergussdecken des Grenz-
lagers u. s. w. zeigen, dass die augitischen Porphyrite der Mittel-
zone dieser allergrössten Eruptivgesteinsausbreitung an der Nahe
(f'‘, V*) und verwandte Vorkommen im Prims-Gebiete (V) ganz
ähnlich zusammengesetzt sind, wie die augitischen Diorit-Porphyrite
der Intrusivlager und Quergänge; sind dieselben auch meistens
kalkreicher, wie namentlich aus der Analyse des am wenigsten
veränderten pechsteiuartigen Bronzit-Porphyrits (fQ, sowie aus
noch anderen hier in dieser Talielle nicht abgedruckten Analysen^)
hervorgeht, so fehlen doch auch andererseits alkalireichere und
kalkärniere Typen (?P) nicht und der Meso-Kerato]-)hyr von
Namborn (c*), der durch einfache oder nach dem Karlsbader
Gesetz binär oder auch repetirt verzwilliugte Orthoklase mit
mikroperthitischer sehr feinfaseriger Struktur und
schwarzgrüne Serpeutin-Pseudomorphosen nach Bron-
zit oder Augit porphy risch nud dabei bas is haltig und auch
etwas m and eiste in artig entwickelt ist, lässt ganz deutlich das
örtliche IT iu üb erspielen in die Orthophyr-KeiheQ erkemieu,
ganz so wie der S y e n i t - P o r p h y r d es W i u t e r b a c h e r Ganges
unter den dioritporphyritischen Intrusivlager- und Gaugmassen.
') Längs des verdichteten Salbandes des Ganges ist der Oberdevonkalk
lichter und körniger Marmor geworden, der jedoch noch die Umrisse der Korallen
erkennen lässt.
Vergl. al)er die Analyse i’i* Anm. '), S. 291, sowie Analyse y* auf S. 293.
Ueber andere locale Vorkommen von Augit- Orthophyren vergl. weiter
unten S. 313.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
293
Der ausgezeichnet pegmatophyrische Qtiarz-Augitdio-
ritporphy rit aus dem mittelharz er Eruptivgang-
spaltensystem (w*), der, obzwar etwas alkali- und namentlich
kali- und magiiesiaärmer, etwas kalk-, eisen- und kieselsäurereicher,
als das Boseuherg-Gestein, der Hauptsache nach zu demselben diorit-
porphyritischen Typus zählt, hat wiederum andererseits fast genau
dieselbe chemische Durchschnittszusammensetzung wie der varioli-
tische A u g i t p o r p h y r i t aus der M i 1 1 e 1 z o n e des Eruptiv-
greuzlagers von Niederbrom hach bei Oberstein (y*), der
dasell^st zusammen vorkommt mit Angit-Pechsteinporphyrit, ähnlich
dem Bronzit-Pechsteinporphyrit von Kronweiler (t*), und von
Böttcheu analysirt ist. Demselben Analytiker verdanken wir auch
die Anadyse (s*) des Hysterol)as vom Garkenholze bei
Kübelaud, die ich schon an anderer Stelle neben der eines
malakolithhaltigen submikropegmatitischen porphyrartigen Grani-
tits vom Meiueckenberg aus der Brockengrnppe veröffentlicht
habe (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. Bd. XL. 1888, S. 204).
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Si02 . . . .
59,32
59,60
49,03
Ti02(Zr0.2) . .
1,04
1,12
2,06
■^laO;^ . . . .
13,33
14,30
12,63
EesOs . . . .
1,36
1,49
3,68
EeO . . . .
7,32
6,43
10,94
MgO . . . .
1,79
1,49
1,64
CaO
4,37
4,54
7,76
Na20 . . . .
2,58
2,90
2,33
K2O
2,30
1,84
2,40
H2O
3,34
4,63
3,42
P2O5 . . . .
0,18
0,24
0,54
CO2
2,91
2,02
3,45
SO3
0,14
0,19
0,51
Organ. Subst.
0,02
0,02
—
Summe :
100,00
100,81
100,39
Vol. Gew. . . .
2,736
2,646
2,82
Grejise.
Böttcher.
Böttcher
') Auf der Geognostischen Uebersiclitskarte des Harzes findet man diesen
Gang nebst verwandten und dem Hysterobas noch als »Gangmelaphyr« verzeichnet;
vergl. jedoch Zeitsehr. der Deutsch. Geol. Ges. 18S3, Bd. XXXV, S. 212, Anm. *)■
Dieser Gang speciell war F. A. Roemek und Streng noch nicht bekannt.
294
K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine
Damals galt es mir zu zeigen, dass Augit und Mikro-
pegmatit zusammen in Gesteinen von sehr verschie-
denem Kieselsäuregehalt, in gr anitischen, wie in dia-
basischen Gesteinen (von 74,97 bis zu 49,03 pCt. SiOo)
gefunden werden. Aus dem seither erschienenen, durch seinen
Keichthum au Analysen, nicht nur au mikroskopischen, sondern
auch an fpiautitativeu chemischen, ausgezeichneten und überdies
mit ganz vortrefflichen Abbildungen der Dünnschliftpräparate ausge-
statteten Werke Teall’s »British Petrography« können ganz
ähnliche Beispiele beigebracht werden : man vergleiche z. B. den
Augit-Granophyr (Augit-Pegmatophyr) von Mull auf Taf. XXXIII,
Fig. 1, S. 327 mit dem grobkörnigen Gestein des Whin Sill von
Cauldrou Suout (Hysterobas mit 51,22 pCt. SiÜ2 und Alikro-
pegmatit - Zwickelcheii) S. 207 — 209 ^), dessen eigenthümlicher
nach 100 (oo P go) verzwilliugter und nach 001 (oP) diallagartig
blätternder Augit in den mittelharzer Gängen, z. B. von der Zu-
sammensetzung des Gesteins wiederkehrt und bei niedrigem
Kalk-, aber relativ hohem Eisengehalt ganz ersichtlich kein
typischer Diabas -Augit ist, wie ihn O. Schilling aus
Hausmann’s Normal -Diabasen analysirt hat'^).
Gleichwohl unterscheidet sich dieser p egmatophy rische
Quarz- Augitdioritporphyrit von Rübelaud, den wir nach seiner
chemischen Zusammensetzung und seinem hauptsächlichen Mineral-
bestaud mit dem variolitischen Augit-Porphyrit von Niederbrombach
vergleichen konnten, von jenen Mikropegmatit und Quarz führenden-'^)
9 Bezüglich der höchst lehi’reichen Abhandlung Teael’s über das lagergang-
förmig auftretende, im Uebrigen unseren Hysterobas-Quergängen zunächst ver-
gleichbare Whin Sill- Gestein vergl. auch mein Koferat im Neuen Jahrb. f. Mineral.
1885, Bd. II, S. 81 ff.
9 Vergl. Anm. 2 auf S. 264 dieser Abhdl.
Ich kann mich nicht entschliessen, »Quarzdiabas« zu sagen. Die wesent-
liche Rolle, welche der Quarz oder Kieselsäureüberschuss im Quarzporphyr und
Quarzporphyrit, im Quarztrachyt und Dacit spielt, trägt er in diesen Diabasen sicht-
lich nicht. E. Dathe, der in seiner sehr verdienstlichen Abhandlung über Diabase
den Begriff Quarzdiabas gebildet hat, hat denselben doch nicht durch eine einzige
quantitative Analyse gesichert. Da ich den Begriff Augitporphyrit als chemisches
des Spienionts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
295
Diabasen (Meso-Diabasen) Englands und des Harzes durch einen
rund lOpCt. höheren Kieselsäuregehalt und eine dementsprechende
sonstige verschiedene Durchschnittsiniscliung: eine weitere Bestäti-
gung des Vorkommens von Mikropcgmatit neben Augit in Gesteinen
von sehr verschiedenem Kieselsäuregehalt. Legt man kein allzu hohes
Gewicht auf den Umstand, ob ein rhondjisches Glied der Augit-
Keihe an Stelle oder neben dem monoklinen anwesend ist, so ist
nach Teall’s Abbildung und Beschreibung und nach Phillips’
und Waller’s Analysen das als, z. Th. pegmatophyrischer, Quarz-
Bronzitdioritporphyrit zu bezeichnende Gestein von Penniaenuiawr^),
wenn auch nicht dem Alter, so doch seiner Natur nach mit dem
dioritporphyritischeu Ganggestein aus dem Oberdevonkalk des
Bielstein bei Kübelaud vergleichbar. Teall selbst giebt an^), er
habe das Gestein aus Wales früher Brouzit-Diabas genannt, ziehe
aber heute in Anbetracht seiner Grundmischung (58,45 — 65,1 pCt.
SiOo) vor, den Namen Diabas gegen Diorit umzutauschen, was
mir zu aufrichtiger Befriedigung gereicht. Der Umstand, dass
Teall diesen Bronzitdioritporphyrit mit Teller und v. Joiin’s
»Quarz-Norit« von Klausen vergleicht, also denselben Vergleich
hier anwendet, welchen Rosenbuscm seinerseits für die dem Biel-
steiner Gang nächstverwaudten mittelharzer Bronzit-haltigen Augit-
porphyrite von Elbingerode, Wernigerode und llübeland in ihrer
Acquivalent von Augitanclesit einerseits und Augitdiorit andererseits zu gebrauchen
vorgesclilagen habe (vergl. Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges., Bd. XXXV, 1883,
S. 212), die Begriffe Diabasporphyr(it) und Diabas dagegen als Aecpnvalente von
Melaphyr, Basalt und Gabbro, so gehören danach Gesteine mit vor herrschen dem
Plagioklas- Gehalt, welche daneben oft Orthoklas und Quarz führen, trotz eines
allein oder mit Biotit und Hornblende boibrechenden Augit- Gehalts (gleich-
viel ob von monoklinem oder rhombischem Augit), Gesteine also, die demnach
auch Kieselsäureprocente durchschn ittlich über 55 pCt. SiOs zu besitzen pflegen,
wie z. B. die Gesteine von Bosenberg und Itemigiusberg oder die Porphyrite des
Grenzlagers (darunter Rosenbusch’s » Weiselbergite« und »Enstatitporphyrite«,
die, bald mehr augithaltig, bald mehr bronzithaltig, gar nicht von einander ge-
trennt werden können) in die porphyritisehe oder dioritpo rphyritische
Reihe, können also, wenn Quarz und Orthoklas an Stelle von saurem Glas oder
von saurer Basis darin vorkommt, nicht Quarzdiabas heissen.
^) Vergl. British Petrography S. 272 — 276. Taf. XXXV, Fig. 2.
3) a. a. 0. S. 273.
296
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
vollkrystalliuiscli und deutlich krystallinisch pegmatophyrischeu
Ausbildungsweise gebraucht ^), überhebt mich jeden Zweifels.
Dass diese tyrolischeu, mit vorherrscheudem Quarzglimmer-
diorit iuuigst verbundenen quarzhaltigen Hypersthen-, Bronzit- und
Diallag- oder Augit-Gesteine, denen übrigens nach meinen Präpa-
raten primäre Hornblende auch nicht ganz abgeht, keine Norite
(im Sinne Rosenbusch’s) sein können, haben J. Roth^) und ich'^’)
1884 bereits hervorgehoben. Auch haben die Autoren, welchen
die Wissenschaft diese vortrelf liehe Monographie des Klausen er
Diorit-Gebiets verdankG), zum Vergleich unter Anderem bereits auf
die Gesteine des Brockens hingewiesen ®), von welchen ich da-
mals eben nur eine Analyse des sauersten quarzhaltigen Gabbro’s
mitgetheilt hatte *^), während ich für die saureren Quarzaugit-
') Massige Gest. 2. Aufl. 1887, S. 479. Mit Recht macht mein sehr ver-
ehrter Freund wiederholt auf die grosse ȟberraschende Mannichfaltigkeit in der
Struktur und im mineralogischen Charakter dieser geologisch einheitlichen Gang-
forniation« aufmerksam. Man kann in der That nicht leicht lehrreicheres Material
zu petrographischen Studien gewinnen, als diese Gänge bieten. Wenn aber
Rosenbusch S. 492 hinzufügt, dieser Umstand »lässt mit grosser Wahrscheinlich-
keit auf zeitlich verschiedene, wenn auch der gleichen Periode zugehörige Ent-
stehung der Gangspalten und auf sehr verschiedenen intratellurischen Entwick-
lungszustand des injicirten Magmas schliessen«, so trägt er dabei einen guten
Tlieil seiner Theorie in die Natur hinein; greift man an Ort und Stelle zu, so
fasst man aus der Gangmitte breiterer Gänge den pogmatophyrischen bronzithaltigen
Augitdioritporphyrit, vom Salband oder aus ganz engen Spalten dagegen bringt
man glasreiche Gesteine mit, zwischen diesen Extremen giebt es mannichfaltige
Zwischenstufen.
Beiträge z. Petrograph. d. pluton. Gest. 1884, S. 20.
0 Dieses Jahrbuch für 1883, S. XXVIl — XXVIII.
'b F. Teller u. C. v. John, Geolog, petrograph. Beiträge z. Kenntniss der
dioritischen Gesteine v. Klausen in Südtyrol, Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst.
1882, S. 589 ff.
0 a. a. 0. S. 673, Anm. b.
®) Zum Vergleich sei die seiner Zeit (Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. Bd. XXXIl
1880, S. 212) mitgetheilte Analyse hier nochmals abgedruckt: SiO'2 53,39; Ti02
(ZrOa) 1,89; AI3O3 12,18; Fc203 6,18; FeO 6,70; MgO 6,17; CaO 6,80; NaaO
2,70; K2O 1,76; H2O 2,09; P3O5 0,25; CO2 0,28; SO3 0,24 : 100,13 (Pufahl).
Die Darstellung, die Rosenbusch (Massengest. 2. Aufl. S. 37 u. 38) vom flasse-
roder Gabbro und den saureren dioritischen Eugraniten am Ostrande des Brockens
als einer zur Granitformation des Brockens gehörigen Randzone giebt, ent-
spricht nicht getreu meinen Erfahrungen , die ich in dem Satze zusammengefasst
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
297
hiotitd iorito (Augit-Tona lite) auf' die älteren Analysen von
Keibel und C. W. C. Fuchs verwies. Die hier unter a; veröftent-
lichte Analyse entspricht einem mittleren Kieselsäuregehalt dieses
iuteressauten dioritischen Typus, wie er sich speciell zum an-
nähernden Vergleich für nicht allzu glimmerreiche und quarzarme
Kersantite empfiehlt, deren Kieselsäurewerthe in der zweiten Hälfte
der Fünfzig liegen, wie di(qenigen der in diesem Aufsätze be-
sprochenen dioritporphyritischen Gruppe; es gehen andererseits
die Si 0-2 -Procente der dioritischen Eugrauite in der Brocken-
gruppe bis nahezu 65 pCt. hinauf und lös zu 50’/2pCt.') hin-
unter; das sind die Berühruuofswerthe mit den auofithaltisren
Granititen und mit den quarzhaltigen Gabbros, die sich zufolge der
chemisch gliedweise nicht angrenzenden, sondern übergreifenden
Verkettung der Eriqjtivgesteinstypen^) bereits innerhall) der Kiesel-
säurewerthe dieser Nachbartypen befinden. Es liegt auf der Hand,
dass, abgesehen von dem Einflüsse der saureren oder basischeren
Natur des Plagioklases, dieser überhaiqot als das wesentlichste
Vlineral in der Dioritgruppe das gleichmässigste und die Striditiir
beherrschende Element in deren Zusammensetzung ausmacht;
Quarz und Orthoklas zumal, aber auch Biotit und eventuell pri-
märe Hornl)lende auf der einen, Augit nebst dem Eisenerz auf
der anderen Seite bedingen dem gegenüber den Grad der An-
näherung an den Granitit oder au den Gal)l)ro. Es hat nun ein,
wie mir scheint, nicht geringes Interesse für die Stridcturenlehre
der Erstarrungsgesteine und für den Zusammenhang zwischen den
Strukturen der Eugrauite und der Rhyotaxite, dass der Plagio-
klas, das herrschende Strukturelement dieser Quarz-
liabe, dass die Gabbro-Eruption eine besondere Phase inmitten der Eruption der
Granite des Westliarzos darstolle. Man vergleiche die ausführlicheren Mittheilungen
in diesem Jahrbuch f. 1887, S. XXV ff. u. f. 1888, S. XXV ff,
fl Ein noch geringerer Kiesclsäurewerth, den ich a. a. 0. S. 208 mit 44,7 jiCt.
SiO'2 für einen »aphanitischen Diorit« angegeben hatte, bezieht sich, wie ich
nachträglich bei sorgfältigerer Detailkartirung und miliroskopischcr Untersuchung
erkannt habe, auf ein Diabas-Gestein, das im Contact mit den Qiiarzdioriten
»epidioritisirt« ist.
Vergl. »Ueber die Anforderungen der Geologie an die pctrograpliische
Systematik«, dieses Jahrb. für 1883 (1884) S. 4D3.
298
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
aiigitbiotitdioi’ite der Brockengrnppe (welche ja keine
grosse Masse darstelleu, sondern nur eine Zone von geringer
Breite neben und zwischen dem Granitit oder aber rundliche oder
ovale Ausscheidungen, seltener concentrische Schalen iin Granitit)
vorherrschend leistenförmig wohlbegrenzt airsgebildet
und divergentstrahlig angeordnet ist, ähnlich wie iu Ker-
santiten oder Diabasen, und dass in der Regel, und zwar
von den sauersten bis zu d e u basischsten Typen bis in
die Grnjipe der quarzführeud eu Gabbros hinein, der
Quarz und daneben z. Th. auch der Orthoklas und
manchmal iu ganz ausgezeichneter Weise der Biotit^),
also die im Granitit vorherrschenden Mineralien, nach
Art der »Ophit«- (Miciiel-Levy) oder Diabas- Struktur
im engeren Sinne des Worts ohne eigene selbstständige
Begrenzung von dem Plagioklasleisteuwerk eiugezapft
oder d u r c h s p i c k t oder z w i c k e 1 f ö r m i g e i n g e s c h 1 o s s e u
erscheinen. Der Augit dagegen, welcher im typischen
Diabas und Dolerit die abformende Zwischenmasse des Leisten-
werks ausmacht, ist iu diesen Diorit-Typeu zwar wenig
regelmässig begrenzt, vorwiegend aber eher vor und
mit, als nach dem Plagioklas auskrystallisirt; in den
basischsten darunter kann man aber beobachten, dass
Quarz und Augit dem Plagioklas gegenüber dieselbe
Rolle der ophitischen Matrix spielen.
Von nicht minderem Interesse ist ferner, dass Teall’s über-
aus sorgfältige Beschreibungen Quarz als »ophitic plates«, »matrix«
oder in »the röle of groundmass« im Verhältniss zum wohl-
krystallisirteu Plagioklas zahlreicher dioritischer Gesteine angeben
und ganz speciell solcher, die, wie die »Augit- Diorite« (Quarz-
Gal )bros autorum) des Carrok Fell, direct mit unseren Ilohne-
Dioriten vergleichbar und wie diese mit saureren Gesteinen, »acid
augite-beariug granophyre«, verknüpft sind, oder solcher, welche
b E. Dathe giebt aus dem Kersantit von Wüstewaltersdorf ein ähnliches
Struhturverhältniss zwischen Biotit und Plagioklas, sowie zwischen Hornblende
und Plagioklas an (dieses Jahrb. für 1884, S. 570 u. 571).
des Spiemonts und des Bosonbergs bei St. Wendel etc.
299
wie das oben citirte Gestein von Penmaeninawr den Vergleich
mit unseren pegmatophyrisclien Quarzaugitdioritporpbyriten er-
lauljen ’).
In doleritisclien Gesteinen, die ich im Gegensatz zu den
englischen Autoren u. A. den dialiasischen niclit stridcturell irleich-
werthig erachten kann (— IIaüy’s leitender Meissner - Dolerit ist
nicht holokrystallin trotz seines groben Korns, sondern, wie wir
seit F. Zirkel’s bahnbrechenden Untersuchunii'en über die mikro-
skopische Zusammensetzung und Striddur der Basaltgesteiue (1870)
wissen, in den Zwickeln (Resteckchen) basishaltig — ), sehen wir
in ein und demselben mikroskopischen Präparat an Stelle der ophi-
tischen Augitkrystalloide Zirkp:l’s mikrokrystallitisehe Zwischen-
klemmungsmasse (Mesostasis) treten (so z. B. recht lehireich im
Meso-Dolerit des Unterrothliegenden von ITohfeld bei St. WendeG)):
das divergentstrahlige Plagioklasleistenwerk formt sich an der einen
Stelle des Dünnschlifls im Augit, an einer anderen in jener aus
Skeletfeldspathmikrolithen , verkrüppelten Augitchen^), Erzkrystal-
liten und glolnditischem Glas zusammengesetzten Basis ab. Ganz
analog giebt es zwischen den in obgedachten sauren Augit-Diorit-
Typeu über grössere Flächen optisch einheitlich ausgedehnten, in
basischen dagegen wie in den nächstverwaudten Quarz-haltigen Gab-
bros spärlichen und kleineren ophitischen Quarz- und Orthoklas-
Krystalloiden , zwischen den auf Zwickelchen oder Resteckchen
eingeschränkten Mikropegmatitmassen der Quarzdioritporphyrite,
Kersantite und cpiarzführenden Diabase, zwischen den damit nächst-
verwandten quarzhaltigeu oder quarzfreien Feldspathstrahlenbüscheln
und der noch feiner kryptokrystallinisch bis felsokrystallitisch ge-
9 British petrograpliy S. ISO, 263, 266, 273.
-) Dasselbe Vorkommen, welches Rose.nbusch, Massengesteine, 1. Aufl. S. 384
als Palatinit von Namborn weniger genau angiebt. Hulifeld liegt allerdings
nächst Namborn, bei diesem letzteren Dorfe selbst steht indessen kein Tholeyit
oder Palatinit, sondern die Mittelzone des Grenzlagers an.
Ein dritter Theil des Augits tritt in wohlbegrenzten Krystallen auf, welche
theils in der Basis liegen, theils in die Umrisse der Plagioklasleisten eingreifen,
während andererseits selbst die Olivine z. Th. durch den Plagioklas cingezapft
erscheinen.
300
K. A. Lossen’, Vergleichende Studien über die Gesteine
fugten saureu Basis von gleicher räumlicher Einschränkung alle
möirlicheu Uebero-äufre.
O ö ö
Die bald mehr saure, bald mehr basische Natur der
Z w i s c h e n k 1 e m m u u g s m a s s e (I n t e r s e r t a 1 1) a s i s , M e s o s t a s i s)
ist längst gebührend gewürdigt; indem VoGELSANG mehr die
saurere Ausbilduugsweise hervorhob, nannte er die nach räumlicher
Vertheilung gleiche Erstarrungsmasse noch felsitisch entglast^),
die ZiKKEL unter Berücksichtio-ung; der mehr basischeren Aus-
bildungsweise mikrokrystallitisch^) nennen zu müssen glaubte.
Beides hat seine Berechtigung, ja mau kann, z. B. in den mittel-
harzer Eruptivgängen sehr deutlich, wahrnehmeu, dass in ein und
demselben Gestein die Mesostasis bald saurer, bald basischer ausge-
bildet ist, je nachdem das Eisenerz im ersten oder aber erst im
zweiten Akt der Erstarrung hauptsächlich ausgeschieden worden
ist. Darnach bedarf der Ausdruck »felsokrystallitisch« keiner
weiteren Erläuterung. Auch das Verhältniss der typisch voll-
krystallinischen Diabas- oder Ophit-Struktur zur typischen Dolerit-
Struktur mit Intersertalbasis ist, wenigstens bei den deutschen
Petrographen, welche die Harz-Diabase und den Meissuer-Dolerit,
d. h. diejenigen Gesteine, auf welchen jene Begritfe historisch
gründen, als Norm ansehen, hinreichend klargestellt und ich selbst,
habe entgegen Rosenbusch’s Aufführung der Diabase neben den
Gabbros unter seinen Teufengesteineu hervorgehobeu, die Diabas-
Struktur sei vielmehr »wesentlich vorherrschend als eine Dolerit-
Struktur mit vollkiystallinischer Intersertalmasse« aufzufassen -^) und
schon früher betont, der Diabas zähle zu den Rliyotaxiteu und
nicht zu den EugraniteiD), wohin ihn auch seine geologische
Rolle weise®). Mit der langen Leisteuform der Plagioklase ist die
0 Vergl. Vogels AN’G, Die Krystalliten (1875), herausgegeben von F. Zirkel
S. 1 18, Tat. XIll, Fig. l.
2) Vergl. Zirkel, D. Mikroskop. Beschaffenh. d. Mineral, u. Gesteine 1873
S. 276 ff.
Zeitschr. d. Deutscli. Geol. Ges. 1886, Bd. XXXVIll, S. 926 in Anm.
0 a. a. 0. und dieses Jahrb. f. 1883 (1884) S. 513; vergl. auch Löwlnson-
Lessing, Quelques considerations gmeliques sur les diabases, les gabbros et les
diorites, Bull, de la soc. Beige de Geologie etc. Bd. II, 1888, S. 82 ff.
a. a. 0. und Zeitschr. d. Deutsch. Geol. Ges. 1880, Bd. XXXII, S. 210.
des Spiomoiits and des Bosonbergs bei St. Wendel etc.
301
Möglichkeit der Rhyotaxis ja gegeben und sie wird in den Diabas-
gesteinen so wenig vermisst, als in jenen oben (S. 276) erwähnten
rhyo-diabasischen Varietäten des Lowenburger »Dolerits«, die
strnktnrell Neo- Diabase sind. — Dass der Quarz dagegen dem
Plagioklasleistenwerk gegenüber die gleiche Rolle spielen kann,
wie der Aiigit in der typischsten Diabas- oder der Ophit-Strnktiir ^),
sein Erscheinen in Resteckchen oder Zwickelchen, sein Auftreten,
sei es für sich allein, sei es in Gesellschaft von anderen Mine-
ralien, besonders von Orthoklas in gesetzloser und gesetzlicher
(pegmatophyrischer) Verwachsimg, als krystallinische lutersertal-
masse (Mesostasis) und der Ersatz solcher Strukturen dui’ch das
Platzgreifen saurer, wesentlich felsitischer Intersertalbasis : diese
Verhältnisse sind gewiss auch vielen Petrographeu, die das Mikro-
skop handhaben, schon aufgefallen, gleichwohl ist mir nicht
bekannt (jewordeu, dass sie in dem hier cfenfebenen Zusammenliano'
schon ins Licht gesetzt worden seien, obwohl ich mich nach
Maasso-abe der heute ausserordentlich aimewachsenen Literatur
o Ö
hierin ja irren könnte.
Wenn Teall die Quarz- Krystalloide, welche die Rolle des
Diabas -Augits in den faciell abweichenden Quarzaugitdioriteu und
dioritporphyritischeu Aequivaleuten spielen, >ophitic plates« nennt,
so ist dies leicht verständlich, obwohl MicriRL-LiiVY seine Ophit-
Struktur ((o)'Q ansdrücklich auf diejenige Gesteinsgruppe be-
schränkt, welche keinen Quarz oder ungelnmdene Kieselsäure
jeder Art unter den Bestandtheilen der zweiten Erstarrungsgene-
ration (»pas de silice li1)re dans leur magma de seconde cousoli-
dation«) führen. Wollte mau aber die Struktur eines solchen
Quarzaugitdiorits schlechtweg ophitisch nennen, so würde dies nicht
mehr verständlich, sondern geradezu höchst missverständlich sein,
denn man würde die Struktur auf das Verhältniss des Augits zum
Plao’ioklas beziehen. Vielleicht kann man dieser Schwierio-keit der
O O
Ausdrucksweise in der einfachsten Art dadurch begegnen, dass
b Also uicbt in der Rolle, welche der Quarz in typischen Graniten u. s. w.
spielt.
b Structures et Classification des roches eruptives 18S9, pag. 24 — 26, in der
Mineralogie micrographique 1878 ist das nicht ganz der Fall, vergl. S. loS.
302
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
man eine oxyophitisclie Struktur^) von einer ophitischen
schlechthin oder basiophitischen^) unterscheidet, gewisse
Strukturen, in welchen dasselbe Plagioklasleisteuwerk einmal Augit-
krystalloi'de, das andere Mal Quarz- oder Orthoklaskrystalloide
durchspickt, lassen sich daun als oxyb asio p hitisch bezeichnen.
Aus dem Zusammenhang der bekanuten Gesteiusstrukturen er-
hellt, dass die oxyophitisclie Struktur ebensowenig als die normale
ophitische oder diabasische eine typische Eugrauit-Struktur, oder
eine structure grauitoide propremeut dite im Sinne von Miciiel-
Lkvy sein kann. Dagegen spricht die leistenförmige Ausdehnung
der Plagioklase und die Art ihrer Einzapfung in den bindenden
Quarz von optisch einheitlicher Orieutirung. Sowohl das ein-
seitige Längenwachsthum und die relativ gute krystalliuische Be-
grenzung der Plagioklas-Leisten als das Hineiustrahlen derselben
in die Quarzkrystalloide verweist vielmehr die Struktur in die
Grupp e der divergentstrahlig-körnigen, welche sich gleich
den pegmatophyrischeu nur örtlich und unter besonderen Um-
ständen als abnorme Facies in der Grauit-Gabbro-lbeihe ein-
stellen , so z. B. normal oder basiophitisch im Neuroder Gabbro-
Zug da, wo derselbe in den Schlegeler Bergen sich sichtlich ver-
schmälert. Es hat darum gar nichts Befremdendes, sondern
entspricht vielmehr jenem Zusammenhang der Strukturen (die ja
nach der ganzen Natur der Gesteine nie so scharf geschieden
sein können, als wir sie begrifi’lich scheiden), dass in den Ker-
santiten, die wenigstens zum TheiU) sichtlich ein strukturell noch
') Für Quarz, Orthoklas und allenfalls saure Plagioklase; davon ist Quarz
der weitaus wichtigste Fall. MicuEL-Liivv scheint die Struktur mit einzubegi’eifcn
unter seine Structure granitoide propremeut dite.
Für Augite, Hornblenden, Biotit, Olivin und Titaneisenerz; davon ist die
Augitgruppe weitaus der wichtigste Fall.
3) Beide Strukturen, die pegmatophyrische, wie die divergontstrahlig-körnige
leiten hinüber zu sphärolithischen, beziehungsweise variolitischen Strukturen und
geben auch hierdurch ihre Verwandtschaft mit den bei Rhyotaxiten vorherrschen-
den Strukturen kund. Hat doch Rosenbusch seinen typischen »Granophyr«
(Pegmatophyr) aus einer Ergussdecke beschrieben!
d. h. soweit dieselben einen wesentlichen Gehalt an primärem Quarz be-
sitzen ; den sollte man freilich in den typischen Kersantiten allemal erwarten.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
303
mehr den Porphyriten augeuähertes Aequivalent der hier be-
sprochenen abnormen Quarzbiotitaugitdiorite oder verwandter etwas
basischerer glimmerreicherer Typen darstellen, und in den damit
strukturell wesentlich übereinstimmenden, nur glimmerärmereu
Bosenberg- und Spiemont-Gesteiuen, unseren glimmerarmen Augit-
Kersantiteu, die mit dem letzten sauei'sten Erstarrimgsrest, Inüd
Quarz, bald Quarz und Orthoklas, bald Mikropegmatit, erfüllten Eck-
chen und Zwickelchen die Holle einer deutlich krystallinischen
Mesostasis innerhalb des Strukturgewebes zeigen, die unter Um-
ständen in echte kryptokrystalliuische bis felsokrystallitische Iiiter-
sertalbasis übergeht. Will man diesen Zusammenhang mit der oxy-
ophitischen Struktur betonen, so kann man von einer Oxy meso-
stasis im Gegensatz zu der Basimesostasis reden, welche an
Stelle der normalen basiophitischen Struktur bei dem Ueliergang
des echten Diabas-Typus in den Dolerit-Typus tritt.
Ganz so, wie die oxyophitische Struktur noch in recht Inasi-
schen Gesteinen von ca. 50 pCt. SiO-2 in ein und demselben
Dünnschliff neben der basiophitischen nachgewiesen wurde ^), so
finden wir auch die Oxymesostasis, Mikropegmatit etc. ausser pri-
märem Quarz oder Orthoklas, noch in den Diabastypen von gleich
niedrigem Kieselsäuregehalt neben der echten oder basiophitischen
Struktur oder neben Basimesostasis (Te.-vll’s M^hin Sill -Gestein
e. p., Quarz führende oder Hysterobase des Harzes, der Lausitz,
des nördlichen Thüriugerwaldes und der atlantischen Staaten
sowohl nach F. Zirkel’s, Rosenbusch’s, Michel-Lev y’s und Barrois’ u. A. An-
gaben; namentlich ist nicht vergessen, dass Michel-Levy und Douville in ihrer
Originalabhandlung 187G den Kersanton der Bretagne in Uebereinstimmung mit
Zirkel’s Beobachtungen quarzhaltig abgebildet haben, 1878 sprechen Fouquk
und Michel-Levy noch von Kersantite quartzifere unter den sauren Gesteinen
und bilden solchen allein ab (Mineralog. micrograph. pag. 156, 161, Planche IX,
Fig. 1 und 2), daneben giebt der Text Kersantit mit accessorischem Quarzgehalt
an (pag. 164); 1889 dagegen fehlt in den Tabellen der Structures et Classifi-
cation des Boches eruptives pag. 76 und 90 in der Mineralformel für den Ker-
santit jede Andeutung eines Quarzgehaltes und man bann nur aus anderen
Stellen des Buches (Tabelle S. 88) entnehmen, dass die Kersantites quartziferes
jetzt Micropegmatites andesitiques heissen sollen oder Kersantites avec passage
aux micropegmatites (pag. 54).
b Vergl. oben S. 297 — 298.
304
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
Nonlamei'ikas u. s. w. ^)). lielativ basischere Plagioklase, relativ
liülierer Erz- und Angit- Gehalt u. s. w. halten dann dem relativ
späi’licheu Mikropegmatit, Quarz und Orthoklas die Wage, so
dass die Durchschnittszusainmensetzung eine echt diabaslsch-dole-
ritische bleibt oder sich weniar davon entfernt. Im Allgemeinen
wird stets die vorherrschende basiophitische Struktur und Basi-
mesostasis bezeichnend sein für die Gesteine der magmatischen
Gabbro-Diabas-Melaphyr-Dolerit-Stufe, die vorherrschende oxy-
ophitisclie Struktur und Oxymcsostasis für diejenigen der Quarz-
augitdiorlt-Quarzangitdioritporphyrit und Kersantit-Augitporphyrit-
Augitandesit- Stufe, wenn es gilt, jene Typen dieser beiden nahe
verwandten Gruppen auseinander zu halten, die strukturell ver-
mitteln zwischen den Eugraniten und den Rhyotaxiten.
In dieser Beziehung darf die hier gegebene Darlegung zu-
nächst als ein Beitrag aufgefasst werden zu der Frage, wie die
Scheidung der eugranitischen, d. h. schlicht granitisch- körnigen,
der pegmatophyrischen und der divergentstrahlig-körnigen, dabei
wohl auch porphyrartigen Struktur- Aec^uivalente der Augit-Ande-
site von den in entsprechenden Stndvturen ausgebildeten Aequiva-
lenten der Dolerite und Eeldspathbasalte und im weiteren Zu-
sammenhänge auch die Scheidung der »eigentlichen Augit-Por-
phyrite^j« von den Melaphyren in dem von mir angeregten
Sinne durchzuführen sei. Mit Genugthuung und Dank erkenne
ich an, dass RosenbüSCH sowohl als Teall in ihren seither er-
schienenen hervorragenden Lehrbüchern (zweite Auflage der
Massengesteine und British Petrographie), beide in der einem
Jeden eigenen Weise, diese Scheidung gefördert haben, wenn ich
auch für meine Person, im Hinblick auf die Andesite und Dacite
einerseits und auf die Gabbro’s andererseits, die scharf dnrch-
geführte Trennung der Gesteine mit rhombischem und derjenigen
mit monoklinem Angit (Pyroxen) nicht Ijefürworten kann und
') Vergl. oben S. 294 — 295, sowie Bücking’s Mittheilungen über die Eruptiv-
gesteine der Section Schmalkalden (Tliüringen) in diesem Jahrbuch für 1887 (1888),
S. 126 — 127, wo der nahen Verwandtschaft von Kersantit und Hysterobas Er-
wähnung geschieht.
'^) cf. Ro-senbuscii, Massige Gesteine, 2. Aull., S. 447 — 448.
des Spiemonts und dos Bosonbergs bei St. Wendel etc.
305
nach wie vor z. B. Rosenbusch’s Weiselbergit uud Eiistatit-
porphyrit aus dem mittleren Eruptivbett des Greuzlagers an der
Nahe uud Teall’s Cheviot-Porphyrite für wesentlich ein uud
dasselbe andesitische Porpliyrit-Gestein ausehen muss.
Es lieo-t niclit im Plaue dieser Abhandluim auf die der
O O
Hauptsache nach wohlbekannten Strukturen solcher echter Erguss-
Porphyrite uud strukturell gleichwerthiger Gang- und Stock-
gesteiue hier näher eiuzugehen. Nur das sei bemerkt, dass gerade
in der weiteren Umgebung von Oberkirchen, wo am Weisel-
berge, sowie in den benachbarten Greuzlagerprohlen bei Reich-
weiler uud anderwärts in der Richtuna: aeaen Baumholder hinzu,
die Pechsteinporphyrite, mit reichlichem Gehalt an globulitisch
gekörueltem Glas von über 60 pCt. Kieselsäure, herrschen, andere
Tyj:ien nicht fehlen, in welchen ein lichtgelblich gefärliter Mikro-
felsit au Stelle dieses Glases getreten ist, wie z. B. in den Augit-
Porphyriten am Hohen Rech in der nordöstlichen Fortsetzung
des Weiselbei’gs und in einem Gange östlich vom Wege, der von
Oberkirchen nach Freisen führt. Ebenso giebt es unter den
besser auskrystallisirten Varietäten der Mittelzoue des Greuzlagers
solche, die zwischen dem Mikrolitheu-Filz anstatt der Glasträu-
kung oder der Oxymesostasis Quarz- oder Qiiarzfeldspath-Nestchen,
vergleichbar den sauersten Resteckchen der Augit - Kersautite,
wenn auch begreiflicherweise nicht so regelmässig ausgebildet,
behei'bergeu.
In den »Oliviii-Weiselbergiten« Rosenbusch’s, welche
der Hauptsache nach, soweit nicht einzelne echte olivinführende
Augit- oder Brouzitandesite darunter einbegriffen sind ^), iiberein-
stimmen mit meinen Olivin-Melaphyreu oder Bronzit-Me-
laphyren von annähernd porphyritischer Struktur, die
häufig schon mit blossem Auge als feinschuppig-körnige
Parallelstruktur der Eeldspathtäfelcheu erkannt wird ^),
ist das Anschlussglied der Melaphyre au die Augit- und Bronzit-
b Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXIV bis XXV.
b Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXXITI, sowie Zeitsehi’. d. Deutsch,
geol. Ges. 1886, S. 923.
Jahrbuch 1889.
20
306
K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine
Porpbyrite gegeben. Dieser Anschluss kommt nicht nur in der
nahe verwandten Struktur, sondern sehr häufig auch in der che-
mischen Mischung zum Ausdruck, in soweit diese letztere einen
relativ hohen Alkali- und nicht selten darnuter einen hohen, das
Natron procentisch auch wohl überwiegenden Kali-Gehalt anfweist
(mehr als 5,5 pCt. Na2 0H-K2 0). Der gesammte Kieselsänre-
gehalt dageireu steht mit diesem höheren Alkaligehalt und der
Aunähernng au die Porphyrit-Struktur keineswegs schlechthin in
einem geraden Verhältuiss. Denn obgleich diese porphyritischeu
Melaphyre, welche in Schlesien und bei Ilfeld geradezu die herr-
schenden sind, sämmtlich über 50 pCt. Kieselsäure aufweisen und
sonach der saureren Abtheilung der Melaphyre L. v. BüCii’s ange-
hören, deren Kieselsänregehalt sich über den der Normalpyroxenite
Bunsen’s erhebt, so giebt es doch unter den Melaphyren mit
Intersertalbasis (Tholeyiten) solche mit felsokrystallitischer Meso-
stasis und einer mehr divergeutstrahlig-porphyrischen, als divergent-
strahlig-körnigen Struktur, die zufolge der Zusammensetzung eben
dieser Oxybasimesostasis, sowie eines beständigen Bronzit- und
eines nur ganz sj^ärlich erkennbaren Qnarzgehaltes 55 bis 56 pCt.
Kieselsäure und doch nur 3,8 bis 4,9 pCt. Alkali (stets mehr
Na2 0 als K2O) gegen 11,9 bis 12,9 pCt. alkalischer Erden ent-
halten. Es sind dies jene Melaphyr-Typcn, welche Rosenbusch
in der ersten Auflage seiner Alassengesteine, abweichend von
Laspeyres’ ursprünglicher Definition, Palatiuite genannt hatte,
während der Laspeyres’scIic Palatinit von Norheim ein feldspath-
') D. h. die herrschenden unter den echten Melaphyr-Typen: für Schlesien
fehlt bisher eine Trennung der Porpbyrite, anscheinend grossentheils Augitpor-
phyrite, von den Melapbyren; gleichwohl sind die ersteren im Waldenburgischon
recht verbreitet, namentlich zwischen Landeshiit und Langwaltersdorf im Han-
genden der Melaphyrdecke, soweit diese vorhanden ist. Reine doleritische bis
diabasische Melaphyr-Typen sind mir weder aus der llfelder Gegend oder über-
haupt im Harz, noch auch aus Niederschlesien bekannt. Es macht fast den Ein-
druck, als ob sich in diesen beiden Landstrichen das normalpyroxenische Magma
in den voraufgegangenen Gabbro- Eruptionen erschöpft habe. In Böhmen, im
Thüringerwald und im Saar-Nahe-Gebiet, wo Gabbro-Gesteine fehlen, treten jene
doleritisch - diabasischen Melaphyr-Typen auf.
Ausschliesslich des Gesteins vom Schneidemüllerskopf bei Ilmenau, das
ich mit Rosenbusch zum Augitporphyrit rechne.
des Spiemonts und dos Bosenbergs bei St. Wendel etc.
307
reicher Meso -Diabas von annähernd norinalpyroxenischeni Kiesel-
sänregehalt ist, was ja nnninchr mit Rosenbusch’s eigener mikro-
skopischer Diagnose und der in anznerkennender Weise in der
zweiten Auflage seines Lehrbuches dementsprechend vorgenommenen
AI)änderung der Namengebung in vollem Einklang ist. That-
sächlich schliessen sich diese Bronzit-Tholeyite von mehr porphy-
rischer als doleritischer Struktur am allernächsten an die ein
wenig saureren und kalireicheren (K2 0>Na2 0), bronzitführenden,
pegmatophyrischen bis mesostasishaltigen Augitdioritporphyrite und
Augitporphyrite des mittelharzer Gangsystems an, deren oben auf
S. 295 Erwähnunsr a;ethan worden ist. Nach ihren Phiü-ioklas-Ein-
sprenglingen zählen beiderlei Gesteine zu den Labradorpor-
phyren^); die dioritporphyritischen bis porphyritischen
Gesteine des Harzes haben indessen saurere Grundmasseu, denn
ihre im Maximum 62 pCt. erreichenden Kieselsäurewerthe gehen
bis zur Mitte der 50 herab; dagegen erreichen die melaphy rischen
Labradorporphyre des Saar- Nahe -Gebiets in den obengedachten
bronzithaltigen , untypischen, porphyrischen Meso -Doleriten eben
diese Mitte im Alaximum und gehen durch an Grundmasse
reichere, an Basis gleichwohl manchmal ärmere, meist olivinreiche
Typen wie Rosenbusch’s Navite herunter bis zu den Kiesel-
säurewertheu der Normalpyroxenite , in den Mandelsteinen bis
unter die Mitte der 40 (44,5 pCt. Si02 zwischen Michelbach und
Nunkirchen nach Bärwald, 43,8 pCt. Si02 zwischen Wallhausen
und Namborn nach Böttcher).
Nachstehende Tabelle erläutert die besprochenen chemischen
Mischungsverhältnisse. Die mit einem Sternchen bezeichuetcn
Analysen stammen aus dem Laboratorium der Königl. Bergaka-
demie. Es betrifi’t: Analyse den dem Melaphyr angenäherten
feinkörnig -schuppigen bis dichten und fast ganz einspreuglings-
freien, schwärzlichgrauen Augitporphyrit deruntersten Grenz-
lager-Ergüsse (Sohlgesteiu) vom Staffelhof^) zwischen
0 ßosBNBUscn bat dafür Labradorporphyrit eingeführt; ich bleibe bei der
historisch eingebürgerten Sprechweise, welche den Begriff Porphyrit sprachlich
schärfer vom Begriff Melaphyr zu trennen gestattet.
2) Vergl. dieses Jahrbuch für 1883, S. XXIV bis XXV.
20*
308
K. A. Lossen, Vergleichende Stadien über die Gesteine
Burg-Birkenfekl und Iloppstaedten an der Nahe, analysirt von
Gremse; Analyse 2* den änsserlich mehr basaltähuliclien dichten
bis allerfeinst schuppig-körnigen, mikroporphyrischen, schwärzlich-
grauen porphyritischen Olivin-Melaphyr oder Meso-Basalt
(Olivin- Weiselhergit Rosenb.) von der Nordseite der Eruptiv-
kuppe der Söterburg in den Lebacher Schichten zwischen
Otzenhausen ,und Schwarzenbach, analysirt von Böttcher ^);
Analyse 3 '^ den oxydirten feinkörnig-schuppigen, röthlich-graulichen,
durch vererzte, blutrothe Pseudoinorphosen nach Hyalosiderit por-
phyrisch gefleckten porphyritischen Olivin-Melaphyr oder
Meso-Basalt (Olivin -Weiselhergit Rosenb.) vom rechten Ufer
des Söterbachthals, S. von Sötern aus der südwestlichen
Fortsetzung der Dachzone des Grenzlager-Ergusses,
analysirt von Bärwalh ; Analyse 4 * den grob divergeutstrahlig-
porphyrischen, schwärzlichgrauen Bronzit-Meso-Dolerit (Bron-
zit-Tholeyit RoSENB.) des in den Lebacher Schichten auf-
setzenden I nt rusiv -Lagers von der Eisenbahnhaltestelle
Martiustein unterhalb Kirn an der Nahe, analysirt von Jacobs^);
Analyse 5* den verwandten, aber noch gröber divergentstrahlig-
körnig- porphyrischen, mesostasisärmeren , feldspathreicheren lich-
teren, graulichen Meso-Dolerit der Intrusivmasse vom Sattel
bei Niederkirchen, der zweierlei monoklinen Augit, einen
sehr bronzit-ähnlichen Malakolith und einen mehr bräunlich durch-
sichtigen Diabas- Augit, und daneben etwas anscheinend primäre
braune Hornblende und spärlichen Olivin führt, analysirt von
Gremse^); Analyse 6 den bronzithaltigen pegmatophy-
*) Vergl. in den Erläuterungen zu Blatt Wadern die Analyse des analogen
Gesteins vom Koppcben SW. von Castel a. d. Prims.
Vergl. Ko.senb. Massige Gest. 2. Autl., S. 511 »an der Brücke unterhalb
Sötern«.
Vergl. Laspeyke.s’ Analyse desselben Gesteins mit 5G,2 pCt. SiOo. Ver-
bandl. d. naturforsch. Ver. d. preuss. Kheinlande u. Westf. 1883, S. 378, sowie
diejenige desselben Autors (ibid. S. 380) von dem analogen Vorkommen des
Störzelbergs, bei Eossbacli im Lautertliale, östlich von Wolfstein (Rosenb. Massige
Gest. 2. Aufl., S. 479) mit 55 pCt. Si02.
■*) An derselben Oertlichkeit kommen auch feinkörnigere Melaphyr- Spiel-
arten vor.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
309
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310
K. A. Lossen, Vergleicliende Studien über die Gesteine
rischen A u g i t d i o r i t p o r ]) h y r i t ( h olokry stalliuporphyrischer
Eustatitporphyrit Rosenb., Massengest. 2. Aufl. S. 479) aus der
Alitte des Eruptiv- Ganges iin Steiubruch bei dein Wege-
baus im B o linke -Thale zwischen Wernigerode und dem Büchen-
berg im Mittelh arz 1), aualysirt von IIampe; Analyse 7 den
bronzit- und olivinhaltigeu, m e 1 a p b y r i s c b e n oder m e s o b a s a 1 -
tischen Labradorporpbyr des Intrusivlagers im Uiiter-
rotbliegeudeu im AValde zwischen Koukeu und Herch-
weiler bei Kusel mit glasig frischem Labrador (aualysirt), vor-
wiegend frischen Aiigitmiueralien, Alalakolith und Bronzit, die in-
dessen z. Tb. als Biotitpseiidomorpliosen 2) erscheinen, und zu
Cbloropbaeit umgewandeltem Olivin als Einspreuglingeu in reich-
licher schwärzlicher Grandmasse von hypokrystalliner Zusammen-
setziiug, an der eine lichte felsokrystallitische bis globiilitische
Basis uamhafteu Antheil hat, aualysirt von Laspeyres^); Ana-
lyse 8’*' den Leukophyr-ähnlich umgewaudelteu grauen
melaphyrischeu oder mesobasaltischen Labradorpor-
phyr aus den Grenzlagerdeckeu (Dachzoue) von Oher-
steiu mit Carhouatpseudomorphoseu uach Olivin, aualysirt von
Bärwald; Analyse 9* den oxydirten, röthlichgrauen mela-
jihyrischen oder mesohasaltischen Labradorporphyr aus
den Grenzlagerdeckeu (Dachzone) des Liefert hei Kirn mit
hliitrothen vererzteu Pseiidomorphosen uach Olivin, aualysirt von
Bär WALD (7*, 8% 9"^ Navite RosenbüSCh’s, aber sichtlich kali-
arm); Analyse 10* den schwärzlichen, schwach glänzenden,
mikr op orphyr ischeu und daher fast dichten Meso-Ba-
9 Streng hat bereits (Neues Jahrbuch f. Miii. 1860, S. 400) dasselbe Ge-
stein analysirt, danach kann der Kieselsäuregehalt noch höher (58,13 pCt.)
steigen unter Zunahme des Eisenoxyds und des Kali’s, Abnahme der Magnesia,
des Natrons und des Kalkes.
9 Ganz wie in den Labradorporphyren der mesobasaltischen obersten Er-
gussdecken (Dachzone) des Grenzlagers auf dem Bahnhofe zu Oberstein (vergl.
dieses Jahrbuch f. 1883, S. XXXI bis XXXII. Die in dem sonst recht frischen
Gestein sehr auffällige Erscheinung ist in den Labradorporphyren zwischen Herch-
weiler, Niederselchenbach und Konken sehr verbreitet.
9 a. a. 0. S. 381.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
311
salt der Kyrburg über Kiru, reich an dunkelbrauner, ge-
körneltei’, erzreicher Basis analysirt von Bärwald ^).
Für die durchschnittlich noch basischeren Mischuncren der
O
diabasischen oder doleritischen bis basaltischen Melaphyr- Typen
sei auf Läspeyres’ Palatiuit- Analyse, auf seine und Lepsius’
Analyse des Oliviu-Melaphyrs bei Wendelsheim, ferner mit einigem
V orbehalt auf die älteren BERGEMANN’schen Analysen , welche
Gesteine von Martiustein, vom Schaumberg und vom Pietschberg
bei Tholey beAeffeu), sowie auf Analyse auf S. 280 und end-
lich auf den Text zu Blatt Lebach (1:25000) verwiesen. Hierunter
sind die chemischen Aecpiivalente der Harzer Diabase und der
ursprünglich durch L. v. BüCli zur Grundlage des heutigen Me-
laphyr-Begriffes gemachten südtyroler Augitporphyre zu finden,
insoweit diese letzteren nicht einen merklichen Orthoklas-Gehalt
besitzen, der sie von typischen Plagioklas-Gesteinen entfernt.
Der Kaligehalt der Melaphyre kann, soweit er überhaupt auf
Orthoklas oder Kalifeldspath zu beziehen ist^), wie oben (S. 306)
hervorgehobeu, keineswegs als stets an die Gesellschaft von Quarz
oder saurer Basis gebunden betrachtet werden. E. Kalkowski’s
') Mikroskopisch ist die Grundmasse dieses echt basaltischen, nur durch
Plagioklas und Olivin mikroporphyrischen Melaphyr- Gesteins derjenigen des
porphyritischen Weiselberg- Pechsteins zwar nicht unähnlich, doch zeigt die
globulitische Basis ein viel tieferes Braun, Erzwachsthumsformen fehlen darin
nicht und ist der Augit- und Erzgehalt des Gesteins sichtlich ein beträchtlicherer.
Gesteine von Johannisberg nächst Kirn kommen dem Weiselberg -Porphyrit
viel näher. Beide Vorkommen sind intrusiv.
0 Der geringe, nicht einmal 1 pCt. ausmachende Magnesia- Gehalt in so
basischen Gesteinen ist jedenfalls der Controlle bedürftig und stimmt mit den
seither bekannt gewordenen Analysen gleicher Säurestufen in keiner Weise überein.
0 G. Tschbrmak (Porphyrgest. Oesterreichs S. 133) hat denselben darin
bereits beobachtet; J. Roxii, Allgem. und chemische Geologie 2. Bd., 1. Abth.,
S. 177 — 178, 184 — 185 giebt in den Diabasporidiyriten und Melaphyren Süd-
tyrols mehrfach einen Orthoklas - Gehalt neben Plagioklas an, auf welchen auch
die Analysen, namentlich diejenigen Lejiberg’s z. Th. schliessen lassen. Rosbn-
BuscH führt die Gesteine unter den Naviten auf, die indessen an der Nahe keines-
wegs stets durch Orthoklas ausgezeichnet sind.
b Secundär gebildeter Kaliglimmer oder kalihaltige Grünerde kommen
manchmal in Betracht.
312
K. A. Lossen, Vergleicheude Studien über die Gesteine
gelegentlich der Beschrell)iing des Melapliyrs (Elemente der Li-
tliologie S. 120) gethane Aeussernng »der Orthoklas zieht als Be-
gleiter den Quarz mit sich« fand bereits hinsichtlich der untypischen
sauren, bronzithaltigen Tholeyite keine Bestätigung. Die süd-
tyrolischen, sehr basischen Melaphyre mit Orthoklasgehalt widei'-
sprechen gleichfalls einer solchen Regel, die nur für eine An-
zahl Fälle zutrifft (Uebergang von Melaphyr durch Quarzaugit-
porphyrit in Angitquarzporphyr ) , für andere dagegen nicht
(Uebergang von Melaphyr in Augitorthophyr). Die Augit-Kera-
tophyre und die Palaeo-Augitorthophyre , welche ich als Aequi-
valente der Augit-Trachyte aus den Diabasen ausgeschieden habe^),
besitzen ja auch unter den Alesovulcaniten ihre Stellvertreter.
Die Analysen o* n. (S. 266 n. 290) führen nns bereits solche
Meso - Augitorthophyre und Meso - Augitkeratophyr e
vor, welche indessen ihre nächsten verwandtschaftlichen Bezie-
hungen zu porphyritischen Gesteinen haben. Die erstere betrifft
die Syeuiorthophyr-Spielart von Winterbach, die durch
einseitiges Verwiegen des Kalifeldspaths aus dem kalkreichereu
dioritporphyritischen Spiemont-Gestein entstanden gedacht werden
muss und bei geringem Quarzgehalt dessen dem Kersautit ver-
wandte Struktur theilt, obwohl sie einen Quergaug durch die
Schichten, das Spiemoutgesteiu dagegen eine der Streichrich-
tung der Schichten mehr augeuäherte iutrusive Stockmasse zn-
sammensetzt. Die letztere hinwider rührt von dem basishaltigeu
Meso-Augitkeratophyr her, der bei der Namborner Mühle
local anstatt des Bastitporphyrits als Erguss decke des Grenz-
lagers auf dem Porphyrconglomerat der Söteruer Schichten ruht.
Die Kieselsäurewerthe der beiden Alkalifeldspath- Gesteine, 55,49
und 56,28 pCt. , liegen nach den im Vorstehenden mitgetheilten
Tabellen auf der Grenze von Augitporphyrit und Melaphyr, ent-
sprechend den Grenzwerthen zwischen Angitaudesit und Basalt.
Dieser Umstand allein zeigt, dass in den Plagioklasgesteiuen mit
') Orthoklashaltiger Melaphyr ist annehmbar, Orthoklasmelaphyr fällt aus
dem Begriff Melaphyr heraus.
Vergl. dieses Jahrbuch für 1884, S. XXXVI, für 1885, S. 213.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
313
clom Austausch des Plagioklas gegen Orthoklas oder allgemeiner
des Kalknatronfeldspaths gegen Alkalifeldspath die Kieselsäure
keineswegs allemal wächst oder »der Orthoklas den Quarz mit
sich zieht
Es giebt indessen noch weit basischere Augit-Orthophyre oder
Augit-Syenitporphyre, deren augitischer Gemeugtheil freilich durch-
weg ebenso bereits der Umbildung in chloritische oder serpen-
tinöse, bezw. bastitische Umwaudlungsprodukte anheimgefallen ist,
wie derjenige der allermeisten strnkturell kersantit-älmlichen Augit-
Dioritporphyrite und sehr vieler Augitporphyrite und Melaphyre.
Im Anschluss au das Ergussgesteiu von der Namborner Mühle
sei auf den der südwestlichen Fortsetzung der melaphyrischen
Dachzone der Grenzlagerergüsse als locale Ausbildung augehörigeu
Augitorthophyr vom Geschberg und Andeborn zwischen Aussen
an der Prims und Düppenweiler hingewiesen (vergl. Erläuterungen
zn Bl. Wahlen, S. 33). Analyse 11'^ des Augit(Bastit)-
Orthophyr vom Geschberg, 2200 Schritt westlich von Aussen
links am Wege nach Düppenweiler, zeigt deutlich den bereits
oxydirten, des Carbonats bis auf geringe Spuren ledigen Zustand
des kalireichen Gesteins.
Zum Anschluss an das Winterbacher Gana:o:esteiu und die
uächstverwaudten iutrusiven Sjiiemont- Gesteine dienen die Ana-
lysen 12% 13* und 14% welche mehrere Gesteinsprobeu be-
treflen, die dem recht mächtigen Intrusivlager in den Lebacher
Schichten südlich und südöstlich von Pfeffelbach ent-
stammen und die verschiedene D urchschnittszusammen-
setzuug ein und derselben Eruptivmasse au verschie-
denen O ertlichkeiteu oder an verschiedenen Stellen
derselben Oertlichkeit darthun: und zwar entstammt die
lichtgraue, schwärzlichgrüu gefleckte fein krystall-körnige Probe 12*,
der bis auf das Liegende ‘Q uiederreicheudcu und senkrecht dazu
roh säulig abgesonderten, parallel dazu von spärlichen Lagen läugs-
b Dasselbe gebt aus dem Vergleich der Analyse des Boseuberggesteins g*
mit denjenigen des Spiemont- Gesteins h* und e* auf S- 266 hervor.
’b Im Contact compakter gewordene Lebacher Schieferthone.
314
K. A. Lösses, Vergleichende Studien über die Gesteine
gestreckter Carbouat-Mändelcheii diirchzogeueu Sohlzone dieses
Intrusivlagers, da wo dasselbe SSO. von Pfeffelbach »hinter der
Klipp« östlich eines seichten Wiesengrundes in einem Steinbruche
auf Pflastersteine abgebaut wird; die grünlich graue, schwärzlich-
grün gefleckte, einem feinkörnigen Diabas ähnliche Probe 13*
entstammt der im Hangenden dieser Sohlzone in demselben Stein-
bruche anstehenden, roh kuglig, nicht sänlig, abgesonderten Zone,
die mehr der Mitte der Intrusivmasse angehört, während
die Dachzone derselben anstehend hier nicht aufgeschlossen ist; Probe
14* dunkelgrünlichgrau, ebenfidls diabasähnlich, aber mit porphyr-
artig ausgeschiedenen Orthoklas- und Plagioklas -Einsprenglingen
und nach mikroskopischem , wie nach chemischem Nachweis ein
Augit-Syenitporphyr, ist nicht wie die voraufgegangenen von mir
selber an Ort und Stelle gesammelt, sondern von Herrn Grebe
seiner Zeit ohne nähere Angabe als der Fundoi't Pfeffelbach ein-
gesendet worden. Zugefügt ist diesen drei Analysen des Pfeffel-
bacher Intrusivlagers schliesslich noch die Analyse 15* eines Hand-
stücks, das ich in der Mitte der südwestlichen Fortsetzung
dieses Lagers im Dorfe Herchweiler und zwar auf der
Ostseite des Wassers unmittelbar hinter den Häusern der nörd-
lichen Hälfte des bayerischen Dorfantheils geschlagen habe. Es
gehört einem schwärzlichgraueu feindivergentstrahlig-körnigen Ge-
stein an, aus dem Plagioklas in Leistcheu, und in nur wenig
grösseren porphyrartig eingestreuten Täfelchen, Titaneisenerz-
blättchen und vereinzelte pechglänzende, aus Olivin hervorgegangene
Chlorophaeitkörner hervorblitzen ; das Mikroskop zeigt darin ausser
solchen chlorophaeitischen und anderen viriditischen Umbildungs-
b Nicht immer ist die Mittelzone eines »gemischten« Ganges die kiesel-
säurereichere Zone. Für den Bodegang habe ich seiner Zeit das Gegeutheil
nachgewiesen und nach weiteren durch Herrn Max Koch angestellten Analysen
sind örtlich in diesem Gange zwischen den saureren Salbändern und der
basischeren Mitte Differenzen bis zu 10 pCt. Kieselsäure vorhanden, dabei ist die
Mitte reicher an Plagioklas und an Biotit, als das Salband,
b Nicht Herschweiler, wie hier und da gedruckt worden ist. Letzteren
Namen führt ein anderes benachbartes Dorf, welches indessen nicht an der
bayerisch-preussischen Landesgrenze, sondern weiter südlich in der Richtung auf
Homburg hinzu jenseits Konken liegt.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
315
producten nach Olivin oder Aiigit, überdies noch licht grünlich-
celb dnrchsichtic:en, hänfio; dnrch die Plagioklas -Leisten randlich
zerschnittenen, seltener seinerseits in deren Umriss eingekerbten
monoklinen Augit, anscheinend etwas Orthoklas nnd chloritisirten
Biotit, Magnetit, Apatit nnd in Zwickeleckchen oxyophitisch vom
Plagioklas durchspickten wasserhellen Quarz mit Apatit- und Erz-
Einwachsungen und zahlreichen Flüssigkeitseinschlüssen mit Li-
bellen; aber auch echte, z. Th. noch glasige, z. Th. in Viridit umge-
wandclte Basis fehlt in spärlichen, schmalen Bestehen in tind
zwischen den Feldspathen nicht ganz. Aeusserlich gleicht das
rostbraun verwitternde, kuglig abgesonderte Gestein den olivin-
haltigen Meso -Doleriten und Meso -Diabasen (Olivin -Tholeyiten
und -Palatiniten), welchen dasselbe ja auch nach den Ilauptzügen
seiner Struktur und Mineralaggregation, wie auch, unter Berück-
sichtigung seines Eeldspathreichthums, nach der chemischen Durch-
schnittszusammensetzung sichtlich nahe kommt, während doch
andere Züge, zumal die oxyophitischeu Quarzresteckchen, an die
glimmerarmen Augitkersantite des Bosenbergs und Spiemonts er-
innern. Zu den letzteren gehört auch unzweideutig das Gestein
der Probe 12* aus der Sohlzone des Steinlu’uchs bei Pfeflelbach,
sowie überhaupt, soweit zahlreiche, immerhin aber im Verhältniss
zu den anstehenden Massen verschwindend wenige Handstücke
und Dünnschliffe leiten, die durchweg und örtlich wenig-
stens in den Aussentheilen der Eruptivmasse vorherr-
schende Gesteinsart des ganzen räumlich einheitlich zusammen-
gehörigen, wenn auch zu Tag mehrfach unterbrochenen Intrusiv-
lagerzugs, der sich von Seitzweiler, am Osterbache nahe dem
Weiselberg, im SW. über Herchweiler, Pfeflelbach und Burg-
Lichtenberg hinaus bis nahezu Körboru mehrere Stunden weit
gegen NO. erstreckt. Das dunklere chloritreichere Gestein der
Probe 1 3 * ist nicht nur äusserlich, sondern auch nach dem mikro-
skopischen und chemischen Befund sichtlich mehr den Meso-
Diabasen (Palatiniten) angenähert, es vertritt demnach die eben-
falls nur aus der Mitte des Intrusivlagers bekannten,
dem Meso-Dolerit nahekommenden Massen bei Herchweiler, die
nach anderen aus dem dortigen Intrusivlager herrührenden, durch
316
K. A. Lossen, Verglcicheride Studien über die Gesteine
H errn Grebe gesammelten Proben zu schliessen die echte basi-
ojihitische Struktur ganz vorwiegend erkennen lassen. Gerade
solche nicht mehr porphyritische, sondern melaphyrische Iland-
stücke zeigen indessen örtlich ganz vorwiegend aus einfachen
breiten unverzwillingten, gerade auslöschenden Feldspathkrystallen
nebst etwas Eisenerz (anscheinend Magnetit) oder Apatit und
nebst Quarz in den Resteckchen zusammengesetzte, von Plagioklas,
Augit und Olivin so gut wie freie balleuförmige Ausscheidungen.
Solche werfen daun das richtige Licht auf Probe 14* von Pfefl'el-
bach, die einstweilen nur dem strahlig-körnigeu bis krystallkörnigen
Augit-Syenitporphyr des Wiuterbacher Granges als basischere, von
Haus aus augit-, jetzt chloritreichere und nahezu ganz quarzleere ')
Varietät augereiht werden kann. Analyse 16* bezieht sich auf
ein schwärzliches, der Probe 15 * aus dem Intrusivlager nicht un-
ähnliches, nur viel feiner gefügtes basishaltiges Ergussg estein
IP
12*
13*
14*
15*
16*
Si03 . .
50,78
54,32
52,23
46,96
54,70
54,19
Ti O2 (Zr O2)
1,32
1,18
1,19
1,35
1,09
1,56
AI2O3 . .
18,70
17,36
17,40
15,97
18,05
16,28
Fe2 0;5 . .
7,28
2,32
1,90
1,92
3,63
5,08
FeO . . .
1,23
6,14
5,40
7,35
3,31
3,46
MgO . . .
5,33
3,04
6,50
8,97
3,90
2,98
CaO . . .
1,57
3,11
2,86
2,72
6,36
6,34
Na2 0 . .
1,83
3,83
4,30
1,65
4,08
4,05
K2O . . .
7,36
3,27
1,85
5,55
1,97
1,98
II2O . . .
4,20
4,52
5,58
5,58
3,28
3,67
0
C
0,23
1,51
0,75
2,14
—
0,07
P2O5. . .
0,22
Spur
0,31
0,26
Spur
0,43
SO3 . . .
0,06
0,08
0,10
0,27
0,13
0,14
c . . . .
—
—
0,09
—
—
—
Summe :
100,11
100,68
100,46
100,69
100,50
100,23
Vol.-Gew. .
—
2,665
2,637
2,664
2,684
2,656
Geemse.
Fischer.
Hesse.
Hesse.
Fischer.
Bärwald.
b Drei Körnchen wurden in dem Dünnschliff bemerkt.
b Graue, globulitisch gekörnelte Basis, die sich in schmutzig olivengrünen,
sonnenförmig-strahligblättrigen Yiridit umsetzt, wie dies F. Zikkel zuerst an der
Basis der Anamesite kennen gelehrt hat.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
317
aus dem Idarthale, dem Hause Carl Wild IX. gegenüber
auf dem Westufer bei Idar anstehend, das ich nach meiner vor-
läufigen Untersucbunsr an Ort und Stelle nur der Soblo-esteinzone
des Grenzlagers (vgl. Analyse 1*) zureclmeu kann.
Der Intrusivlagerzug in der Umgebung von Ilercli-
weiler und Pfeffelbach ist sonach in vieler Beziehung recht
lelirreicb. In ihm sind die verschiedenen stofflichen und stridc-
turelleu Eigenschaften, welche die glimmerarmen Augit-Kersantite,
die verwandten Augitsyenitporphyre und die Meso-Diahase (Pala-
tinite) und Meso-Oliviu-Dolerite (O.-Tholeyite) einestheils von ein-
ander scheiden, auderentheils untereinander verbinden, zufolge
ungleichartiger Erstarrung des Magmas in einer geologischen
Kaumeinheit so zu sagen verkörpert. Solche Vorkommen, welche
nach der Natur der Massengesteine, als erstarrter chemischer
Gemenge (Magmata), zu schliessen häufiger Vorkommen müssen,
als uns im Einzelnen bekannt ist, wie sie denn seit der Einrich-
tung systematischer geologischer Landesaufnahmen thatsächlich
bald als »schlierige Stöcke«, bald als »gemischte Gänge« etc. gar-
nicht so selten nachgewieseu worden sind, leiten am getreuesten
unser Urtheil über den Werth der petrographischen Systematik.
Sie heben gewiss nicht die Selliständigkeit der einzelnen durch
Uebergänge vermittelten und in diesem Falle zu ein und dem-
selben geologischen Körper verbundenen Gesteinstypeu auf, aber
sie begründen andererseits den wichtigen grundlegenden Satz,
dass substanziell verschiedene Gesteine, die unter Bei-
behaltung verwandter Struktur, d. h. ohne Wechsel der
geologischen Rolle, in ein und derselben geologischen
Körperform in einander übergehen, als nächst verwandt
zu gelten haben.
Hierauf beruht schliesslich die Unterscheidung der Eugrauite
und der Rhyotaxite als der zwei Hanptordnnngen der Klasse der
Alassengesteiue im Gegensatz zu einer Systematik, welche in erster
') Die gemischten Gänge des Thüringerwaldes und Harzes, sowie diejenigen
Skandinaviens bieten naheliegende Beispiele. Namentlich enthält H. Bückixg’s
in diesem Jahrbuche für 1887, S. 119 f. abgedruckter wichtiger Aufsatz bedeutende
Vergleichspunkte für unser Thema, die von selbst in die Augen springen.
318
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
Linie das mineralisch-cliemisch Gleichwerthige zusammenfasst, und
erst in zweiter oder dritter Linie etwa die Struktur berücksichtigt.
Auch die engere Unterscheidung der Rhyotaxite in Palaeo-, Meso-
und Neo-Rhyotaxite nach den verschiedenen Ernptions- Zeitaltern
(nicht nach den palaeontologischen Zeitaltern) leiten wir nicht
zum geringsten Theil aus dem thatsächlich beobachtbaren Inein-
anderübergclien der in einer der grossen Eruptionsepochen aus
demselben Heerde geförderten und nicht selten in ein und der-
selben Intrusivmasse oder in ein imd demselben Ergnss mit ein-
ander verbundenen stofflich verschiedenen , strukturell dagegen
ähnlich gefügten Rhyotaxit- Typen her. Die Natur selbst bietet
uns hier den Zusammenhang feinerer verwandtschaftlicher Be-
ziehungen dar, die zu beachten wir nm so mehr Veranlassung
haben, als jenes lueinanderübergeheu nach der stofflichen, wie
nach der strukturellen Seite hin zum Wesen der Massengesteine
gehört, dergestalt, dass sie als Glieder von Mischungsreihen nicht
allein nach den in jedem einzelnen Gliede vorherrschend aus-
geprägten Eigenschaften, sondern zugleich auch nach der netz-
artigen Verkettung der letzteren mit denjenigen der benachbarten
Reihenglieder benrtheilt sein wollen.
Die diesen Mittheilungen zn Grund gelegten Erfahrungen
verweisen nicht den Palatinit oder, insofern dieser ein Meso-Diabas
heissen muss, den Diabas überhaupt einschliesslich des sogenannten
»Leukophyr«, zu den »Teufengesteinen« oder, wie wir von
unserem Standpunkte aus gesagt hatten, zn den Engraniten, den
Kersantit und Augit- Syenitporphyr dagegen schlechthin zu den
»Ganggesteinen« und nur den Meso-Dolerit oder Tholeyit zu
den »Ergussgesteinen« oder Rhyotaxiten. In wesentlicher Ueber-
einstimmung vielmehr mit der bereits 1880, 1884 und 1886 dem
Diabas im Gegensatz znm Gabbro zugewiesenen Steilung erkennen
wir den Meso-Diabas zusammt dem untrennbar damit verknüpften
Meso-Dolerit als solche in einander verlaufende Strnktnrtypen der
') Vergl. Anm. 0 auf S. 259.
Vergl. die Fussnoten auf S. 300.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
319
Melapliyrformatio n, welche ganz vorzugsweise lutrusivlager^)
oder Intrusivlagerstöcke und überdies eclite Quergänge im Unter-
rothliegenden^) und Mittelrothliegenden^) zusanuuensetzen und dann
wohl Labradorporphyr-Strukturtypen (z. Th. Navite) als Salbänder
gegen das Nebengestein oder in verengten Gangtheilen zeigen;
andererseits bestehen aber auch Intrusivlager in densell)eu Schichten
zu Tage ganz aus Labradorporphyren Q, kleinere rundliche kuppige
Dui-chbruchstöcke namentlich aus porphyritischem Melaphyr (Olivin-
Weiselbergit) und verwandten augit- und erzreicheren Gesteinen
mit reichlicher, meist globulitischer Basis; die Hauptverbreitnng
dieser beiden letztgenannten basaltischen bis porphyritischen Mela-
phyr-Strukturtypen fällt indessen in die Ergussdecken der Grenz-
lager-Dachzone, worin echte basiophitische Gesteine örtlich zwar
auch nicht ganz fehlen, nirgends aber vorwalten.
Kersantite hatte man bisher ausschliesslich aus Gängen und
kleinen Stöcken kennen gelernt ; für den Zusammenhang der
Strukturen hat es nun gewiss einen nicht zu unterschätzenden
b Soweit meine Erfahrung reicht, kann ich die neuerdings von Lei-sius (Das
Mainzer Becken S. 8) geltend gemachte Auffassung, wonach nicht nur das Greuz-
lager, sondern auch die Lager zwischen den Ottweiler, Cuseler, Lebacher und
Tholeyer Schichten effusiv sein sollen, nicht theilen. Dagegen sprechen die Contact-
metamorphosen im Hangenden, wie man solche z. B. im Eisenbahndurchsticb
zwischen St. Wendel und Namborn beobachtet; Lepsius scheinen die von E. Wnrss
im Neuen Jahrbuch für Mineralogie, Jahrgang 1872 veröffentlichten und erläuterten
Profile entgangen zu sein. Der LEPSius’schen Auffassung stehen nicht nur die
Erfahrungen von Laspevres und Weiss und die meinigen, sondern auch die lang-
jährigen V. Dechen’s entgegen, wie sich ganz direkt aus einem 1883 von seiner
Hand geschriebenen Bericht in den Akten der geologischen Landesanstalt ergiebt.
So z. B. zwischen Schwarzerden und Herchweiler,
b Nach der älteren WEiss’schen Eintheilung: gemeint sind hier die Cuseler,
Lebacher und Tholeyer oder Oberlebacher Schichten, welche nunmehr als Unter-
rothliegendes zusammengefasst werden mit den Söterner Schichten, ursprünglich
Gkebb’s Unteren Söterner Schichten , ungeachtet die letzteren schon discordant
auf den älteren Stufen aufruhen und an der Transgression des Oberrothliegen-
den, der Waderner und Kreuznacher Schichten, theilnehmen.
b So z. B. gerade in der Umgebung von Herchweiler und Niederselchen -
baeh vergl. S. 310.
b Bezüglich der Stöcke sei an Liebe-Zimmermann’s Publicationen über die jung-
thüringischen Eruptivgesteine des Blattes Probstzolla und an Ch. Barrois’ Ker-
santites quarziferes recentes Asturiens erinnert.
320
K. A. Lossen, Vergleichende Studien über die Gesteine
Werth, dass die gliinmei’armeu dioritporphyritiscben und syenit-
porpliyrischen Gesteine mit Kersantit -Struktur, welche deu Aus-
gangspunkt und Hauptgegenstand dieser Abhandlung bilden, die
Gesteine des Spieinonts, Bosenbergs, des Lagerzugs zwischen
Seitzweiler und Körborn u. a., des Winterbacher Gangs und der ver-
wandten Quergänge zwischen St. Wendel und Kusel, durchaus
die geologische Rolle der diabas- und doleritartigen Melaphyre
theilen, indem auch sie Intrusivlao-er oder Intrusivlao-erstöcke oder
Q.uergäuge im Obersten Carbon (Ottweiler Schichten) oder in den
Schichten des Unter- und Mittelrothliegenden zusammensetzen und
nur local in den porphyritischen Autheil der Greuzlagerergüsse
hinüberspielen. Das Zusammenvorkommen diabasischer oder dole-
ritischer Massen mit diesen strukturell kersautitähulicheu Augit-
dioritporphyriteu und Augitsyenitporphyren und das Ineinanderüber-
gehen in ein und demselben Intrusivlagerzuge bei Herchweiler und
Pfeffelbach erläutert die gleiche geologische Werthigkeit
der beiden ganz oder bis auf die lutersertalbasis voll-
krystallinischeu, aber nicht eugr anitischen, sondern
str ahligkörnigeu bis rhyotaxiti scheu Strukturen nur iu
einer besonders lehrreichen Weise ^).
Den geologischen Werth der einzelnen Struktur-
formen der Mas senge steine zu bestimmen ist das nächste
Ziel der Petrographie, welche sich im vollen Bewusstsein ihrer
geologischen Aufgabe von der zu einseitig mineralisch- chemischen
Auffassung des Gesteinsbegriffes der Struktur im Grossen wie im
Kleinen , im AiffLan der Raumkörper, wie im Aufbau des sie
füllenden Stoffaggregats, zugewandt hat. Bewuudernswerthes halben
unsere Aleister iu der wissenschaftlichen Handhabung des Mikro-
skops, II. C. SoRBY, F. Zirkel, H. Vogelsang, H. Rosenbusch,
b RosENnuscH giebt in der 2. Ausgabe seiner Massengesteine neben dem
»Diabas« von Norheim (Laspeyres Palatinit) unter anderen auch einen solchen
vom Steinberge bei Linxweiler an. Beruht diese Angabe nicht auf einem Miss-
verständnisse, so würde der Steinberg, welcher die directe Fortsetzung des Spie-
mont ist und jedenfalls der Hauptsache nach, soweit meine mit Kosmann, Rolle
und Grebe übereinstimmende Erfahrung reicht, aus demselben Gesteine besteht,
eine zweite Oertlichkeit sein können, an der Diabas und glimmerarmer Augit-
kersantit auf derselben Lagei'stätte Vorkommen.
des Spiemonts und des Bosenbergs bei St. Wendel etc.
321
F. FouQUK lind A. MiCiiEL-LiivY ii. A., theils durch die eigene
Arbeit, theils durch die ihrer Schüler für die Erkeuutuiss und
Werthung der Mikrostruktur der Gesteine geleistet. Gleichwohl
ist jenes Ziel noch nicht erreicht und kann nicht erreicht werden,
ohne die mühsame, aber lohnende Alitwirkung des mit den Er-
fahrungen jener Arbeiten ausgerüsteten kartirenden Geologen.
Selbst ein so gewaltiges Ilindrängen auf dieses Ziel, gestützt auf
eine erdrückende Anzahl von Beobachtungen und Unterscheidungen
und getrieben von dem genialen Flug theoretischer Speculation,
als in Eosenbuscii’s zweiter Ausgabe der Massigen Gesteine sich
knndgiebt, kann diese langsam, aber stetig fortschreitende Mit-
wirkung nicht ersetzen, nur fördern — oder aber hemmen: letzteres
dann, wenn die Speculation den Meister, die Begriffsschärfe den
Lehrer über die noch zu schmale Beobachtungsgrundlage hinaus-
geführt hat. Dergleichen Ilemmungspunkte treten hier al)er nicht
nur zurück vor der Fülle der Belehrung und Anregung, die ein
Jeder in grösserem oder geringerem Maasse empfängt, sie regen,
gleich wie die unausgefüllten Lücken, welche jedes gute Lehrbuch
aufweist, den Denkenden znm Weiterforschen an oder rufen Ent-
gegnungen hervor. Es war mein aufrichtiges Bestreben , eine
solche Lücke, auf die FI. Rosenbuscii selber in der Einleitung
zur Familie der Porphyrite (a. a. O. S. 448) hingewiesen hat, in
der vorstehenden Abhandlung; auszubauen. Möchte mir das einiger-
maassen gelungen sein! — Dass ich darüber hinaus hie und da die
Gelegenheit wahrgenommen habe, begriffliche und sprachliche
Abweichungen hervorzidieben da, wo sich die eigene Auffassnng
und Ausdrucksweise nicht ganz mit der meiner Fbiehgenossen und
zumal mit derjenigen Rosenbüscii’s deckt, wird im Interesse eines
besseren Verständnisses der Uuterscheidnng und Beschreibung der
Eruptivgesteine in den Karteublättern und Schriften der Königl.
geologischen Landesanstalt, soweit ich dafür die Verantwortung
trage, sowie durch den Wunsch nach einem Ausgleich der Diffe-
renz2)unkte gerechtfertigt erscheinen.
Jahrbuch 188^).
21
Ein neuer Nautilus
aus dein Greuzdolomit des tliüringischen Keupers
(Trematodiscus jugatonodosus).
Von Herrn Ernst Zimmermann in Berlin.
(Hierzu Tafel XXVII.)
Ist in Thüringen schon der Muschelkalk verhältnissmässig
arm an Ceplialopoden, so ist es der Keuper in noch sehr viel
höherem Grade, und jedes einzelne dort gefundene Individuum
hat einen besonderen Werth; ja dies gilt sogar für den ganzen
Keuper des germanischen Triasbeckeus. Meines Wissens sind
überhaupt erst zwei Arten aus diesen Schichten in der Literatur
heschrieben oder erwähnt worden; es sind dies der Nautilus bidor-
satus V. SCHLOTH. und der Ceratites Schviidi Zimmerm. Besonders
heschrieben ist davon nur die letztere, von mir im Grenzdolomit
unweit Arnstadt in Thüringen gefundene Art i); der Nautilus
wird aus dem Grenzdolomit von Sulz in Württemberg erwähnt
Ausserdem hatte ich durch die Güte des Herrn von Koenen
Gelegenheit, zwei weitere Exemplare dei’selhen Art aus der
Sammlung des Göttinger Aluseums zu sehen, welche aTer aus dem
untersten Kohlenkeuper (Grenzdolomit Fr aas) der Göttinger
Gegend (Diemarden) stammen. Diese beiden Stücke sind klein
und etwas verdrückt und sind die gewöludichen, nicht mit Rand-
knoten verzierten Formen des N. bidorsatus.
') Zeitsclir. d. Deutscli. geol. Ges. 1883, Bd. 35, S. 382.
V. Ai.hekti, Ueherblick über die Trias, 18G4, S. 181.
Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit etc- 323
Ich hatte mm im vergangenen Sommer bei Gelegenheit der
Kartirnng des Blattes Stadtilm das Glück, nur wenig südlich vom
Fundort des oben genannten Ceratiten, ebenfalls im Grenzdolomit
des Unteren Keupers, einen neuen Nautilus^ leider auch nur in
einem Exemplare, zu finden. Und es hat dieser nicht bloss einen
Werth als Cephalopod im deutschen Keuper überhaupt, sondern
noch besonders in systematischer und in stratigraphisch- und
topisch -geologischer Hinsicht, sodass er eine genauere Beschrei-
bung verdient.
Was das Vorkommen betrifft, so stellt der Keuper auf
dem Blatte Stadtilm den am weitesten nach Südwesten vor-
geschobenen Posten dieser Formation in Thüringen und somit
das nächste Verbindungsglied zum fränkischen und süddeutschen
Keuper dar. Die untere Stufe besteht, wie sonst im thüringischen
Becken und wie anch in der Umgebuuo; von Meiniuo-en, aus
grauen und dunklen Schieferletten mit grauen Sandstein- und
Ockerdolomit - Einlagerungen ; ihr oberstes Glied bilden wenig
mächtige, mehr oder minder bunte IVIergel. Mit der nun folgenden
zweiten Stufe, dem »Grenzdolomit«, schliesst der Unterkeuper
gegen die bunten Mergel des Gypskeupers ab. — Der ebenfalls
ockerige Grenzdolomit ist nur wenige (2 bis 3) Meter mächtig
und ist bald reich an Versteinerungen, bald aber, und zwar
meistens, ist sogar die häufigste Art, Mi/ophoria Goldfussi, sehr
spärlich. Die Fauna zeigt, wie unter anderem aus E. E. Schmid’s
Abhandlungen über den Untei’en Keuper Thüringens hervorgeht,
noch einmal eine Rückkehr von der Brackwasser- oder gar linmi-
schen Fauna der unteren Stufe des Keupers zu der marinen des
Muschelkalkes. Mit wenigen Ausnahmen stimmen alle Formen
ganz oder nahezu überein und die Vergesellschaftung der Arten ist
im Grenzdolomit ganz ähnlich derjenigen in vielen Schichten des
Muschelkalkes. Den Hauptbestandtheil der Grenzdolomitfanna
bilden Zweischaler, insbesondere Myophorien und Gervillien ; da-
neben kommen Wirbelthierreste nicht selten vor; aber Brachio-
poden und Gasteropoden sind sehr spärlich, Echinodermen noch
ganz unbekannt; die Cephalopoden habe ich schon behandelt. —
War nun die Fundstelle des Ceratiies Sch midi eines von den
21
324 Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit
reiflilich Versteinernngeu führenden Nestern, so fand ich mit dem
zu beschreibenden Nautilus zusammen nur sehr wenige andere
Formen und zwar alle im selben Gesteinsstück: es waren Bruch-
stücke von Myoplioria Goldfussi^ eine schlecht erhaltene M. cf.
transversa^ eine kleine Lingula und mehrere kreisrunde, der Nau-
tilusschale anhaftende Eindrücke, welche ich von der ebenfalls
aus Keuper noch incht bekannten, im Muschelkalk gemeinen
Ostrea sessilis herzuleiten geneigt hin. Wie fitst überall im Grenz-
dolomit, so sind auch hier die Schalen aller Versteinerungen mit
Ausnahme derer von Lingula aufgelöst und nur noch ihre Stein-
kerne und Abdrücke erhalten.
Die F lindst eile des Nautilus Hegt in der Nordwestecke des
Blattes Stadtilm nahe der Grenze gegen Blatt Plaue, nördlich
von der die Dörfer Görbitzhausen und Branchewinde verbindenden
Strasse. Der Grenzdoloinit steht dort zwar nicht fest an, sondern
man findet nur Lesesteine, aber sowohl petrographisch als strati-
graphisch und palaeontologisch ist die Diagnose aller einzelnen
dort auftreteuden Glieder des Oberen Aluschelkalkes, des FTnteren
und des Mittleren Keupers völlig sicher, und die genaue Karti-
rung wird durch die verschiedene Beschaffenheit und Farbe der
Böden, die z. Th. intensiv bunt ist, wesentlich erleichtert.
Artbeschreibung: Erhalten sind nun von dem Nautilus
die Wohnkammer und so viele Luftkammern, dass der äussere
Umgang fitst völlig vorliegt (es fehlen etwa 2 Luftkammern); da-
a'eofen fehlen alle inneren Windungen. Ausserdem ist die Ober-
fläche des Stückes an vielen Stellen durch Verwitterung und auf
andere Weise augegriflen, sodass nur auf dem vorletzten Qua-
dranten gröfsere unverletzte Flächen vorhanden sind, während im
tdirigen nur der allgemeine Umriss deutlich ist. Gleichwohl lässt
sich mit Sicherheit die folgende Beschreibung geben.
Die Windungen sind völlig evolut. Jede Windung legt sich
nur auf den Aussentheil der vorhergehenden auf, ohne auf deren
Seitenflächen überzugreifen. Das Wachsthum erfolgt sehr rasch,
aber ungleich stark in Bezug auf Breite und Höhe des Windungs-
querschnittes, sodass der letztere, am Anfitng des letzten Umgangs
flach trapezisch, an dessen Ende, also an der Mundöffnung, fast
des thürintjischen Keupers (Trematodiscus jugatonodosus).
325
quadratisch geworden ist. Es zeigt nämlich die älteste vorhandene
Kaniinerscheidewand eine (in der Mittellinie gemessene) Höhe von
18 Millimeter bei 32 Millimeter grösster Breite, während die ent-
S|irechenden (nicht ganz scharf messbaren) Werthe für die Mund-
öff'nung 62 und 72 Millimeter sind. Der gesammte Scheil)endurch-
messcr beträgt 137 Millimeter, der Nabel nimmt davoii 40 Milli-
meter ein.
Die Länge der Wohnkammer beträgt nicht bloss, wie hei
den meisten Nautilen beobachtet ist, einen halben, sondern auf-
fälliger Weise etwa ^/g Umgang.
Der Windungsquerschnitt ist, wie schon hervorgehoben, im
grossen ganzen trapezförmig, und zwar dadurch, dass die flachen
Seitentheile von aussen nach innen allmählich austeigen und sich
sowohl gegen den Ansseutheil wie gegen die Nabelwand deutlich
absonderu. Die Grenze gegen die letztere ist allerdings keine
Kante, sondern nur eine schnelle Umbiegung. Die Nabelwaud ist
flach gewölbt und fällt ziemlich steil gegen die Naht ein. —
Seitentheile und Nabelwand sind jedenfalls ohne Sculptur gewesen,
denn einzelne Andeutungen von Querfalten auf ersteren dürften
wohl, bei der mangelhaften Erhaltung, mit grösserer Wahrschein-
lichkeit auf Verletzungen bei Gelegenheit der Gesteiusverwitte-
rung znrückzuführen, der Schale aber nicht ursprünglich eigen
gewesen sein. — Die llandkante zwischen dem Aussentheil und
den Seitenflächen ist von Knoten eingenommen, die in der Rich-
tung der Spirale etwas lauggezogeu sind; es sind ihrer 6—7 auf
demjenigen Quadranten vorhanden, der sie wegen besserer Erhal-
tung allein noch zeigt; es mögen demnach auf den ganzen Um-
gang etwa 25—28 gekommen sein. Au ein paar Stellen, wo Abdrücke
vom Aussentheil des vorletzten Umgangs sichtbar sind, gewahrt
mau keine solche Knoten mehr, sodass diese sich wahrscheinlich
erst auf der letzten Wind uua; orebildet haben; dao-eo-eu ist auf der
vorletzten die Raudkaute sehr deutlich. — Zwischen dieser Rand-
kante, bezw. der Raudknoten-Spirale, und der Mittellinie verläuft
auf dem Ausseutheile jederseits eine zweite, abgerundete Kaute,
derai't, dass der Aussentheil durch die vier Kanten, bezw. Kanten und
Kuoteuspiralen in drei Streifen zertheilt wird. Der mittlere Streifen
326 Ernst Zimmermann, Ein neuer Nautilus aus dem Grenzdolomit
ist ein wenig breiter als jeder der beiden seitlielien ; er bildet eine
nicht eben flache Fnrclie, ähnlich derjenigen bei tiefgefurchten
Exemplaren des Nautilus hido)'satus; die Furche ist völlig glatt;
nur zarte, nach hinten convexe Bogeulinieu sieht inan bei gün-
stiger Beleuchtung, als Andeutungen von Zuwachsstreifen. ■ — Die
beiden Seiteustreifeu fallen von der inneren Kante gegen die
Kaudkante hin flach ab; und es zieht sich über sie von jedem
Ilandknoteu aus schräg nach rückwärts, im Sinne der Zuwachs-
streifnng, eine sehr flache Falte, die sich allmählich mit der
ebenso flach gewölbten Innenkante verflösst, sodass sie auf dieser
keine Knoten mehr erzeugt. Auf diese Querjoche zwischen der
Innenkante und der Kaudknotenspirale soll sich der Name N. juga-
tonodosus beziehen, den ich in der Februarsitzuug der Deutschen
geologischen Gesellschaft bei Vorlegung dieser Art vorgeschlagen
habe. Die Felder, in welche die beiden Seiteustreifeu durch
diese schrägverlaufenden Joche zerlegt werden, haben etwa rhom-
bische Gestalt. Wie die Kaudkuoteu, so fehlen auch die Joche
auf dem vorletzten Umgänge noch; derselbe besass also noch
glatte Seitenstreifen und nur die 4, dieselben begrenzenden Spiral-
kauteu.
Die Scheidewände sind einfach uhrglasförmig, die Durch-
schnitte mit dem Aussen- und den Seitentheilen bilden sehr flache
Loben; sehr gut ausgebildet ist ein kleiner spitzer Iiiternlobus.
Der Sipho liegt unterhalb der halben Winduugshöhe; eine perl-
schnurförmige Gestalt desselben ist nicht erkennbar.
Systematische Stellung: Mit dem bisher allein aus der
deutschen Trias beschriebenen N. bidorsatus zeiart unsere neue
O
Art durch die Mittelfurche auf dem Rücken und durch die bei
jener Art zuweilen vorkommenden Randkuoteu eine enge Ver-
wandtschaft gegenüber den nnverzierten Abtheilnngeu der Nautilen.
Während aber der N. bidorsatus durch seine verhältuissmässig ge-
länge Scnlptur sich unter den beiden in Betracht kommenden
Untergattungen Temnocheihis mUoy und Trematodiscus Meek au die
erstere auschliesst, muss der N. jugatonodosus zu Trematodiscus ge-
stellt werden, weil er auch noch auf dem Exterutheil Sculptur zeigt.
Mau nniss allerdings jene Gattuugsdiaguose zu Grunde legen, die von
des thüringischen Keupers (Tromatodiscus jugatonodosus).
327
MoJSisovics (Cephalopodeu der mediterranen Triasprovinz, S. 270)
gegeben hat, nud in welcher diese ursprünglich allein für car-
houisclie Nantiliden aufgestellte Gattung auch auf triadische
Formen ausgedehnt wird. Unser N. jucjatonodosua zeigt dann
aber ganz jene Merkmale, durch die sich die meisten triadischen
von den carhonisclien Arten unterscheiden: den Mangel spiraliger
Lateralsculptur, das Vorhandensein flacher Extern- und Seitenloheu
und eines spitzen luternlohus. Von den durch Mojslsovics be-
schriebenen triadischen Trematodiscua - AviQU steht T. Kliputeini
(I. c. S. 271, tab. LXXXIX, fig. 2 a und 21)) unserer Art am
allernächsten, unterscheidet sich aber durch grössere Involution
und durch die Auflösung auch der inneren Kante auf dem Extern-
theil in einzelne Knoten, sowie die mangelnden schrägen Quer-
joche zwischen dieser inneren und der äusseren Kaute, hezw.
Knotenspirale, auf welche der jiigatoHodoms hiuweisen soll.
Stratigraphische und topisch -geologische Schluss-
folgerungen: Die triadische Formeugruppe von Trematodisem
ist bisher nach MOJSISOVICS »nur als grosse Seltenheit in den
unter- und mittelkarnischen Ablagerungen der Mediterrauproviuz«
gefunden worden; wenngleich sie, wie mir auch der berühmte
Autor schreibt, nun auch in den norischen Bildungen zu er-
warten wäre, so besteht doch in der That zwischen den beiden
nächstverwaudteu Arten, dem T. jugatonodosus und dem T. Klip-
steinig eine i’echt gute Uebereinstimmung in ihrem geologischen
Alter, da der germanische Grenzdolomit doch nach den lüsherigeu
Erfahrungen zeitlich in die karuische Periode zu setzen ist. —
Noch wichtiger aber scheint mir der Umstand zu sein, dass, wie alle
bisher in der germanischen Trias gefundenen Cephalopodeu, so
auch die darin neu gefüudeue Gattung T rematodiscus ihre nächsten
Verwandten und Vertreter nur in den mediterranen Ab-
lagerungen der alpinen Trias besitzt; denn es ist daraus der
Schluss zu ziehen, dass das germanische Becken, dauernd oder
mindestens zeitweise, mit dem mediterranen zusammengehangen
und daraus seine pelagischen Formen bezogen hat, und dass eine
Verbindung mit der juvavischen Provinz nicht bestanden zu haben
scheint.
Beitrag* zur Jjössfrage.
Von Herrn F. WahnschafTe in Berlin.
In einem auf der 62. Versammlung deutscher Naturforscher
und Aerzte zu Ileidelherg 188D gehaltenen Vortrage hat sich
A. Sauer auf Grund seiner im Dienste der sächsischen geolo-
gischen Landesaufnahme ausgeführten Untersuchungen für die
aeolische Entstehung der Lössablagerungen in Sachsen, sowie
überhaupt in dem ganzen Randgebiete des norddeutschen Flach-
landes ausgesprochen. Da er hierbei vielfach der von mir ver-
tretenen Ansicht einer glacial- tluviatileu Entstehuno des nord-
deutschen Randlöss entgegentritt und meine Auffassungen zu
widerlegen sucht, wobei ich allerdings eine Berücksichtigung meiner
Abhandlung »Die Q,mirtärbildungen der Umgegend von Magde-
burg« vermisse, so sehe ich mich veranlasst, auf die Ausführungen
und hauptsächlichsten Eiuwürfe des Verfassers näher einzugehen.
Ich habe zu diesem Zwecke Ende April dieses Jahres inneihall)
der von mir schon früher durchforschten Magdelnirger Gegend
nochmals eine mehrtägige Begehung ausgeführt, deren Ergebnisse
im Nachstehenden verwerthet werden sollen.
Sauer theilt uns mit, dass nach seinen Untersuchungen die
Quarzkörner im Löss von Meissen nur selten eckig -splitterig,
sondern im Gegentheil vollkommen oder doch deutlich an den
b A. Sauer, Ueber die aeolische Entstehung des Löss am Rande der nord-
deutschen Tiefebene. Abgedruckt in der Zeitschr. für Naturwissenschaften
Bd. LXII. Halle 1889.
F. Waiinschakfh, Beitrag zur LössiVage.
329
Kanten a1)gernndet seien und dass eine vollendete Abrundung sogar
bis zu den winzigsten Dimensionen der Körner von 0,003 Milli-
meter herab sich fände. Eine mikroskopische Untersuchung des
der Lösskörnuug entsprechenden feinen Antlieils aus dem Cfe-
schiebelehm, aus dessen gelockerter Oberfläche der Löss mit
Hülfe des Windes nach seiner Auffassung ausgeweht sein soll,
ergab, dass auch hier an den Quarzkörnern unter 0,1 Millimeter
Durchmesser die runde Form vorherrschte.
Eine von mir jüngst ausgeführte mechanische und mikro-
skopische Untersuchung eines sehr typischen Bördelösses und des
ihn in den Muschelkalkbrüchen zwischen Langenweddingen und
Sülldorf unmittelbar unterlagernden Geschiebemergels zeigte ein
von den SAUElbscheii Beobachtungen völlig abweichendes llesultat.
I. Mechanische Analyse.
Lufttrockene Substanz mit dem ScnoNii’schon Schläminapparate bei 0,2™'”, 2,0'"'”
und 7,0™'” Sclilämmgeschwindigkeit in der Sekunde gesclilämint.
.Fundort
Profil
Durchmesser der Körner
Summa
Grand
über
Sand
1,0- 1 1,0-
0,1'”'” : 0,05'"'”
Staub
0,05-
0,0 1""”
Feinste Theile
unter
0,01"""
Muschel-
kalkVji’nch
zwisclien
Langen-
weddingen
und
Sülldorf
Löss
—
1,59
11,78
G2,98
23,65
100,00
Ge-
schiebe-
mergcl
2,40
47,72
15, 9G
IG, 88
17,04
100,00
II. Köhlens äu r e b e sti mm u n g
mit dom ScuEiBLEu’scheo Apjiarate vom Staube (0,0Ö — 0,01'"'”).
Körnuugsprodukt
0,05—0,01"""
CO-, pCt.
Bereclinct auf CaCOs pCt.
Löss
10,55
Geschiebcmcrgel
4, SG
11,05
330
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
Sowohl das Schläniniprodokt vou 0,05 — 0,01 Millimeter als
auch dasjenige von 0,1 — 0,05 Millimeter Durchmesser des obigen
Löss zeigte ausschliesslich eckige und splitterige Quarzkörnchen,
welche keine Spur von Abrundung erkennen liesseu. Dieselbe
fand sich erst bei vereinzelten grösseren Körnern des Schlämm-
riickstaiides von 1,0 — 0,1 Millimeter Durchmesser. Ebenso waren
die Quarzkörnchen im Staubgehalt des Geschiebemergels (von
0,05 — 0,01 Millimeter Durchmesser) ausgebildet. Es fand sich
auch nicht ein einziges rundes Korn darin. Auch der Grand des
Geschiebemergels über 2 Millimeter Durchmesser zeigte eine nur un-
vollkommene Abrundung der meist ecki<ren Gesteinsbruchstückchen.
Die von mir schon früher gemachte Ileobachtung, dass für den
Löss der Alagdeburger Börde die eckig-splitterige Form der
Quarzkörnchen charakteristisch ist, glaube ich für die ganzen
dortigen Ablagerungen aufrecht erhalten zu können. Auf die
»eckig-scharfkantige« Form der Quarzkörnchen oder -Splitter des
Staubes und der feinsten Th eile macht auch Dalmer bei
dem Löss der Sectiou Borna (S. 30) aufmerksam, während Siegert
von dem Löss und Lösssande der Sectiou Hirschstein (S. 33) er-
wähnt, dass sowohl die grösseren, wie die kleinsten Quarzkörnchen
sich »in der Regel mehr oder weniger vollkommen gerundet, z. Th.
aber auch scharfkantig und splitterig« zeigen, ln den Erläute-
rungen zur Sectiou Riesa-Strehla sagt Klemm (S. 39): Der löss-
artige Sand besteht, wie die mikroskopische Untersuchung lehrt,
aus kleinen, scharfkantigen Quarzsplitterchen, denen relativ wenig
thoulge Theilchen beigemengt sind«. Aus diesen Mittheilungeu
geht hervor, dass die von Sauer beobachtete vollkommen runde
Form der Quarzkörner des Meissner Löss nicht in allen Löss-
gebieten Sachsens die Regel ist.
xkuch ein Löss vou Vienenburg am Nordrande des Harzes,
den ich mikroskopisch untersuchte und auf dessen mechanische
Zusammensetzung ich noch später zurückkommen werde, zeigte
die eckig-splitterige Form seiner Quarzkörnchen ebenfalls in sehr
vollkommener Weise. Wenn der Löss der Meissner Gegend sich
anders verhält, so beweist das für seine aeolische Entstehung
nichts. Allerdings können nach Daubree’s vou mir bereits früher
r. Wahnschai'fe. Beitrag zur Lossfrage.
331
verwertheteu Untersuchungen^) alle (^narzköruclien, welche kleiner
sind als 0,1 Millimeter, nicht mehr in schwachbewegtem Wasser ge-
rollt werden, woraus Sauer folgert, dass die Abrundung der feinsten
Quarzkörnchen in einem specitisch leichteren Medium als Wasser
erfolgt sei. Als solches kann nach ihm nur die Luft in Iletracht
kommen. Zugegeben, dass Sauer hierin Recht hat, so lässt sich an-
nehmen, dass die Abrundung der feinen Qnarzkörnchen durch den
Wind vor dem glacial- fluviatilen Schlämmprocesse stattgefunden
habe und dass aeriles Material dem Löss beigemengt sei.
Ein Ilanptbeweis Sauer’s für die aeolische Entstehung des
Löss sind die im norddeutschen Flachlande vorkommenden und
auch jüngst unter dem Löss Sachsens nachgewiesenen Drei-
kantcr oder Kanteugeschiebe. Ich muss zunächst hervor-
hebeu, dass Sauer die vorhandene Littei’atur, welche ihm, da alle
einschlägigen Arbeiten der letzten Zeit im Neuen Jahrbuche für
Aliueralogie u. s. w. 1888, Bd. II, S. 300 — 304 besi)rochen wor-
den sind, sehr leicht zugänglich gewesen wäre, wenig sorgfältig
berücksichtigt hat. Er sag-t S. 21 : »Ueber die Entstehumj dieser
C3 O O
Kanteno'eschiebe, nach der indess nicht o;erade häntiü:en Form
auch Dreikanter benannt, hat man die verschiedensten Ver-
muthungen ausgesprochen. Zuletzt äusserte sich Berendt darüber.
Derselbe glaubt, dass die glacialeu Schmelzwässer die im Sande
an- und aufeinander liegenden Geschiebe in laug andauernder,
rüttelnder Bewegung erhielten und so eine gegenseitige Ab-
Schleifung der Geschiebe l)ewirkteu.« Ausser diesem von Berendt
bereits 1885 veröflentlichten Aufsätze bespricht Sauer nur noch
Walther’s Alittheiluugen über die durch Sandstürme entstandenen
Kanteugeschiebe in der Galalawüste vom Jahre 1887 und in einer
Anmerkung die Erörterungen IIeim’s »über Kantengeschiebe aus
dem norddeutschen Diluvium« vom Jahre 1888. Dagegen scheinen
ihm die in der Zwischenzeit gemachten wichtigen Untersuchungen
über die Entstehung der Dreikanter von Natuorst, AIickwitz
und DE Geer, durch welche die BERENDT’sche Auffassung be-
b Die lössartigen Bildungen am Rande des norddeutschen Flachlandes.
(Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 188G, S. ö63.)
332
Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
reits widerlegt wurde, A^öllig uubekaimt geblieben zu sein. Vor
allen Dingen aber ist es irrtliündicli, wenn Sauer die Entstehung
aller Dreikanter im norddeutschen Flachlaude (S. 26) in die
Diluvialzeit verlegt, während die Beobachtungen von de Geer ^),
Dames und mir ‘^) gezeigt haben, dass solche Gebilde noch in
allerj üugster Zeit durch die Einwirkung des Windes auch
ohne »endlose Steppe mit ihren Wirbelstürmen« entstehen können.
Darum ist es auch unberechtigt, aus vorkommenden Kautenge-
schieben unter dem Löss eine allgemeine Periode »grossartigster
aeolischer Thätigkeit« vor und zur Lösszeit ableiten zu wollen.
Erst durch die neuesten Aufnahmen der sächsischen Geoloffeu
ist nachgewieseu wmrden, dass, wie mir Herr H. Credner auf
eine Anfrage gütigst mittheilte, in der Steinsohle des sächsischen
Lösses, Lösslehms und Lösssandes, welche geologisch gleich-
werthig und durch Uebergäuge eng verknüpft sind, ziemlich all-
gemein typische Dreikauter Vorkommen. Als Beispiele nannte er
eine ihm im Frühjahr 1889 von IIazard gezeigte Grube bei Box-
dorf (Section Moritzburg, nördlich von Dresden), ferner Sectiou
Kadebero; iind Pulsnitz. In der 1890 erschienenen Erläuteruner
zu letztgenannter Sectiou schreibt O. IIerrmann (S. 43): »An
den Geschieben des Lösslehms ist die Dreikanterform in ihrer
typischen Entwicklung nur äusserst selten wahrzunehmen, dahiu-
2;eo-en beobachtet mau an ihnen bisweilen eine ebene Fläche oder
eine scharfe Kante , welche den Beginn der Dreikanterbilduug
auzeigt«.
Bei meinen Untersuchungen in der Magdeburger Gegend ist
es mir neuerdings an einem einzigen Punkte gelungen, einige
Kantengeschiebe in der Steiusohle des Löss aufzufindeu. Sie
b Geol. Fören. i Stockholm Förli., Bd. VIII, Heft 7, S. 505.
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 22G — 27 u. 229. Die hier mit-
gctlieilten Beobachtungen entsprechen der auch von Walther an reccnten
Kantengeschieben der Galalawüste gemachten und von Sauer S. 26 wiederge-
gebenen, »dass eine Anzahl der deutlichsten Kantengerölle nur mit ihrer
oberen Hälfte aus dem Boden herausragten und nur hier die abge-
schliffenen Kanten zeigten, während die untere von Erde bedeckte Hälfte
keinerlei Kanten erkennen lässt und völlig der Sandpolitur entbehrt«.
F. Wahnschapi'e, Beitrag zur Lössfrage.
333
faiideu sich iu der Bereits früher von mir beschriel)enen und alt-
gebildeten, jetzt bedeutend vergrösserten Kenpermergelgrnbe von
Gross-Wanzleben ^). Ich beobaclitete liier an der südwestlichen
Grnbenwand zwischen Löss nnd Kenperinergel einige Reste von
Dilnvialsand, die zn der Bildung der Dreikanter in gewisser Be-
ziehung zu stehen scheinen. Niemand wird die Entstehung der-
selben durch vom Winde getragenen Lössstanb erklären wollen,
nnd wenn sie jetzt an der Basis des Löss liegen , so muss ihre
Bildung vor Absatz desselben erfolgt sein, als sie sich noch an
der Oberfläche befanden nnd der vom Winde getriebene gröbere
Saud, wie auch Sauer (S. 26) anuimmt, ihre. Abschleifnng be-
wirken konnte. Das Vorkommen der Dreikanter in der
Steinsohle des Löss kann daher nicht als ein Beweis
für die aeolische Entstehung des seilten angeführt wer-
den. Es ist iu dieser Hinsicht bemerkenswerth, dass die Ennd-
orte der in Sachsen unter dem Löss anfgefundenen Kantenge-
schiebe sich auf dem rechten Elbufer befinden, wo mächtige
Sandablagernngeu oberflächenbildend anftreteu, deren An-
häufung nach Sauer (S. 27) eine Eolge der aeolischen Anfberei-
tnug der altdiluvialen Oberfläche sein soll. Auch im norddeutschen
Flachlaude finden sich die Kantengeschiebe nicht, wie Sauer (S. 21)
behauptet, »durch die ganze norddentsche Tiefeltene« in der
obersten Deckschicht des älteren Diluviums verbreitet, sondern
nur dort, wo vom Winde bewegbarer Sand au die Oberfläche
tritt, also vorzugsweise in Gebieten, die mit Geschiebesand oder
mit den schwachlehmig -sandigen Aiiswaschungs- nnd Verwitte-
rungsrückständen des Geschiebelehms Itedecdct sind.
Sauer, der mit mir darin ül)ereinstimmt, dass der Löss als
eine inngglaciale Ablagerung die oberste Deckschicht des Diluviums
bildet, snebt die von mir vertretene Anffassnng zn widerlegen,
dass die an der Basis des Löss vielfach entwickelte Stein sohle
aus der Zerstörung der Grimdmoräne durch glaciale Schmelz-
wasser hervorgegangen sei. Sauer meint (S. 20): »Wenn aber
b Die Quartärbildungen der Umgegend von Magdeburg u. s. w. (Abhandl.
z. geol. Specialkarte von Preussen u. s. w. Bd. YIl, lieft I, S. G8.)
334
F. Wahnscitaffe, Beitrag zur Lössfrage.
dem so wäre, so müsste man doch, soweit die Thätigkeit der
glacialen Schmelz- und Stauwässer reichte , oder mit anderen
Worten, im ganzen Gebiete der Lössbedecknngeu dieser Steiu-
sohle in mehr oder minder deutlich erhaltenen Spuren begegnen«.
Als Hauptgrund für die Unmöglichkeit meiner Auffassung führt
er an, dass die Steiusohle sich in Sachsen nur bis zu einem
Niveau von etwa 150 — 180 Meter findet, während der Lösslehm
das Gebirgsplateau bis zu Höhen von 400 Meter bedeckt. In
Bezug hierauf sagt Saüer (S. 21): »Daraus folgt aber doch un-
bedingt, dass sie der ansschwemmenden Thätigkeit einer glacialen
Stanflnth ihre Entstehung nicht verdanken kann, die doch solcherlei
Spuren soweit oder nahe soweit als die Lössablageruugeu reichen,
hinterlassen haben müsste«. Diese Beweisführung scheint mir
wenig stichhaltig zu sein, da man die Steinsohle natürlich nur
dort erwarten kann, wo Geschiebemergel vorher znm Absatz
gelaugt war, denn man müsste sonst von der Stanflnth verlangen,
dass sie die Geschiebe der Steinsohle mit derselben Iveichtigkeit
trausportirte wie den feinen Gletscherschlamm. Derselbe wurde,
wie die Verbreitung des Löss lehrt, durch die Hochflnth auch in
Gebiete getragen, welche von der Vereisung, resp. von der Be-
deckung mit Grnudmoräuenmaterial verschont geblieben waren.
Schon früher habe ich hervorgehobeu, dass die geoguostischeu
Verhältnisse in der Magdeburger Börde ganz entschieden für eine
Anfbereitnng des Lössnntei’grnndes durch fliessendes Wasser vor
oder während des Lössabsatzes sprechen. Auch Penok hebt in
den Erläuterungen zu Section Grimma (S. 72) hervor, dass die
Thäler im Allgemeinen älter seien als der Löss und dass, da die
Herausbildung einiger derselben erst nach Ablagerung des älteren
Diluviums vor sich gegangen sei, in der Zeit zwischen Bildung
des letzteren und der des Lösses eine nicht xmbeträchtliche Erosion
und Denudation stattgefnnden haben müsse. An einer Stelle heisst
es: »Für diese allgemeinere Denudation spricht n. A. auch das
nicht seltene Vorkommen einer »Steinsohle«, also eines Geschiebe-
lagers auf der Grenze zwischen Löss und Geschiebelehm, ferner
der Umstand, dass sich der Löss häufig unmittelbar auf dyadische
oder tertiäre Schichten legt, ohne dass sich altdiluviale Ablagerungen
zwischen beiden fänden«. Analoge Beobachtungen konnte ich
F. Waiinschapfe, Beitrag zur Lössfrage.
335
auch bei meiueii diesjährigen Wanderungen durch die Börde
machen. Man hat dort nur sehr selten Gelegenheit, den Obereu
Geschiebeinergel als unmittelbaren Untergrund des Löss zu be-
obachten. Trotzdem deutet das fetzeuartige Vorkommen
von Oberem Geschiebemergel darauf hin, dass die Grund-
moräne hier ebenso wie im übrigen norddeutschen Flachlande
eine mehr oder weniojer zusammenhängende Decke gebildet haben
wird. Während man in den zahlreichen Aufschlüssen westlich
von Magdeburg, wie sie die Steiubrüche und sonstigen Gruben
bei Ebendorf, Olvenstedt, Diesdorf und dem Bahnhof Langen-
weddingen bieten, nirgends Gelegenheit hat, den Geschiebe-
mergel direct unter Löss zu sehen, findet er sich in sehr typischer
Ausbildung zwischen Laugenweddingen und Sülldorf ‘^), sowie
westlich von Olvenstedt. Hier bietet der westlich von dem Wege
Ebeudorf-Schuarsleben gelegene Grauwackesteiubruch einen aus-
Ö O
gezeichneten Aufschluss, welchen ich früher noch nicht gesehen
hatte. Das an der Ostwaud dieses Steiubruches sich zeigende
Profil veranschaulicht die beigefügte Abl)ildung.
Fig. 1.
Profil ans dem westlicli vom Ebendorf-Sclmarslebener Wege nalie der Chaussee
nach Irxleben gelegenen Grauwackesteinbruch.
1. Humoser Löss. 2. Gelber Löss. 3. Geschiebemergel. 4. Magdeburger
Grünsaud. 5. Grauwacke.
b Die Quartärbildungen der Umgegend von Magdeburg u. s. w. S. 42 — 44.
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, Bd. XL, S. 2(j3.
336
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
Die hier ziemlich Ost -West streichende und unter 43^ nach
Süd einfallende Grauwacke, welche an ihrem Ausgehenden nnregel-
massig höckerig ausgehildet ist, wird zunächst vom mittel -oligo-
cäinen Magdeburger Grünsaud überlagert, der nach Süden zu bis
zu 11 Decimeter Mächtigkeit besitzt und dessen deutlich horizon-
tale Schichten flach sattelförmig anfgebogen sind. Nach Norden
zu keilt sich der Grünsaud aus und ist in den unteren Theil des
darüber folgenden Geschiebemergels zum Theil verarbeitet, zum
Theil in ganz dünnen Bändern und Streifen eingewalzt. Der
Geschiebemergel, welcher ebenfalls nach Süden hin an Mächtig-
keit zunimmt, sodass er am Ende der Grubenwaud ungefähr
2 Meter erreicht, zeigt eine sehr typische Ausbildung, indem er
ndt kleinen und grossen Geschieben, unter denen einige sogar
eine Grösse von 0,5 — 1 Meter Durchmesser erreichen, regellos
durchsetzt ist. Aus einer von Herrn Dr. Hölzer mit dem
ScHElBLER’schen Apparate ausgeführten Kohlensäurebestimmung
von dem Feinbodeu dieses Geschiel)emergels (unter 2 Millimeter
Korugrösse) liess sich folge}ider Gehalt an Calcinmcarbonat be-
rechnen :
Gelialt des Feinbodeus an CaCOs.
Erste Bestimmung .... 4,85 pCt.
Zweite Bestimmung . . . 4,79 »
Mittel 4,82 pCt.
Nach Norden zu keilt sich der Geschiebemergel gleichfalls
aus, sodass dort der ihn überlagernde Löss mit seiner humosen
Oberkrume unmittelbar auf der Grauwacke aufruht. Wie die
Ab1)ilduug zeigt, ragen einige schweitartig ansgezogene Partieen
des Lössmaterials in den Geschiebemergel hinein, stehen jedoch,
wie sich bei der oberen deutlich nachweisen liess, mit der oberen
Ivössschicht in Verbindung. Der gelbe kalkhaltige Löss l)esitzt
hier eine gleichmässige Mächtigkeit von 11 Decimeter, während
seine humose Decke 5 Decimeter mächtig ist. I4er gelbe Löss
zeigt im nördlichen Theile der Grubenwand nach nuten zu eine
deutliche Bankung durch eingelagerte 0,5 — 4 Centimeter mächtige
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
337
Sand streifch eil. In dem untersten Theile des Löss an der
Grenze znin Geseliiebeinergel ist hier, wie fast überall in der
Börde, eine dentlicbe Steinsoble entwickelt. Die Geschiebe der-
selben sind dieselben wie im Gescliiebemerfrel und zeigen auch
die gleiche kantgerundete und nur wenig gerollte Form wie jene.
In den Gruben der südlich von der Chaussee Magdeburg-Olven-
stedt gegenüber der Düppler Mühle gelegenen Ziegelei habe ich
die Steiusohle ebenfalls genau untersucht. Ihre Geschiebe sind
hier meist klein, doch kommen auch einzelne bis zn 1 Meter
Durchmesser vor. Sie sind sämmtlich kantig oder kantgernndet
und zeigen nirgends die charakteristische vom Windschlift' her-
rührende Politur. Die beigefügte nach einer Photographie herge-
stellte Abbildung (Fig. 2) soll die Form dieser Geschiebe und
ihre Uebereinstimmnng mit Blöcken der Grundmoräne veranschau-
lichen. Der Geschiebemergel in dem vorher erwähnten Grau-
wackesteinbruch an dem Ebendorf-Schnarslebener Wege hat nach
Süden zu keine weite Erstreckung, denn in dem Aufschlüsse an
dem Kreuzungspnnkte des soeben genannten Weges mit der
Olvenstedt-Irxlebener Chaussee findet sich folgendes Profil:
C>
Jahrbuch 188D. _ 22
Fig. 2.
Geschiebe aus der Steinsohle an der Basis des Bordelöss.
338
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
Löss
Diluvialsand
Septarienthon (stark gefaltet und gestört).
Es ist beinerkenswertli, dass in dem Profil Fig. 1 der Ge-
schiebemergel von dem Löss in einer vollkommen scharfen, fast
horizontalen Linie ahgeschnitten wird, was ebenso wie das Aus-
keilen des Geschiebemergels nach Nord und Süd nur durch die
Wirkung strömenden Wassers zu erklären ist. Die im Geschiehe-
mergel sich hier findenden Lösspartieen lassen sich in der Weise
deuten, dass hei der Abtrao-ung; des Geschiehemerg:els in sandig-eren
Theilen desselben Ausspülungen stattfanden und in diese Höh-
lungen das Lössmaterial später eingeschwemmt wurde. Wäre der
Löss der Börde ein Windahsatz, so würde sein Liegendes eine
viel unregelmässigere Oberfläche zeigen, der Löss müsste häufig
sackartig in vorhandene Vertiefungen eingesenkt sein, was an
keiner einzigen Stelle bisher zu beobachten war. Das scharfe
Abschneiden des Löss gegen den Untergrund scheint mir
in der Magdeliurger Börde ein Hauptlieweis für seine fluviatile
Entstehung zu sein. Man kann dies in allen Aufschlüssen beob-
achten. Auf weite Erstreckung zeigte sich diese Erscheinung be-
sonders deutlich in dem grossen Grauwackesteinbruch dicht beim
Dorfe Ebendorf an dem Ebendorf- Olvenstedter Wege, wo der
oxydirte nnd zum Theil umgelagerte Magdeburger Grünsand in
einer geraden Linie von dem Löss mit seiner Steinsohle abge-
schnittcn wird. Letztere ist hier 1 — 1,5 Decimeter mächtig und
führt meist kleinere Geschiebe von AVallnuss- bis - Eaustgrösse,
während vereinzelte grössere nicht fehlen.
Eine Schichtung des Löss durch Einlagerung feiner Sand-
streifen tritt in der jVIagdeburger Gegend verschiedentlich auf,
z. B. bei Ebendorf, Schnarsleben und Olvenstedt. Der Umstand,
dass diese Schichtung sich gewöhnlich nur im unteren Theile des
Löss findet und oft auf weite Strecken hin verfolgt werden kann,
deutet darauf hin, dass während der Alllagerung der tieferen Löss-
schichten ab und zu ein Wechsel in der Stromgeschwindigkeit der
Wassermassen eintrat. Die von Sauer auf Blatt Meissen nach-
F. Wah.nschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
339
gewiesenen lokalen Einscbweniimingen von Sclmttstreifen iin Löss
sprechen weder für die aeolisclie noch gegen die flnviatile Ent-
stelmno- der Lössbildunu-en. Für die letztere Bildungsweise scheint
mir jedoch die obere Schichtenfolge in den Gruben südwestlich
von Canitz beweisend zu sein, die Sauer (Erläuterungen zu Sectiou
Meissen S. 121) folgeudermaasseu angiebt:
1,2 Meter Löss,
0,4 » fester, scharfer Sand,
0,3 » feiugeschichteter Löss,
0,4 » Geschiebelehm,
10,0 » Saud uud Kies in vielfacher Wechsellageruug,
0,3 — 0,5 » grobe Geröllbauk,
2 » gelbbrauner, fester, horizontal geschichteter,
fast geschiebelehmartig fester, schwach
lehmig:er Sand mit horizontal eino-elao-erteu
O O ö
Kiesschmitzen.
Noch auf einen anderen Punkt der SAUER’schen Arbeit habe
ich einzugehen. Bei Sauer heisst es S. 19: »Die durch den Wind
aufgearbeiteteu, unter Mitwirkung von Frost gelockerten Bestand-
theile der Geschiebelehmoberfläche wurden nach Maassgabe ihrer
Korngrösse abgelagert, die gröberen und gröbsten am Rande des
Berglandes, während der feinste Staub weit hinauf in das Gebirge
getragen wurde«. Was die Abstammung des Lössmaterials be-
trifft, so stimme ich darin mit Sauer überein, dass dasselbe aus
dem Geschiebemergel herzuleiten ist. Auf diese Weise erklärt
sich am einfachsten der Kalkg:ehalt des Löss, der in der Magde-
burger Gegend für denselben charakteristisch ist. Da die im Löss
vorherrschenden Bestandtheile eine Korngrösse von 0,05 — 0,0 1 Milli-
meter Durchmesser besitzen, was einer Schlämmgeschwindigkeit
von 2 Millimeter in der Sekunde entspricht, so schlämmte ich den
Löss uud Geschiebemergel , welche zwischen Langeuweddiugen
und Sülldorf übereinander liegen, bei dieser Geschwindigkeit und
fand, dass die gleichen Schlämmprodukte auch völlig gleiche
physikalische Eigeuschafteir (mehlartiges Abfärbeu, Zu-
sammenhalt in trockuem Zustande, Zerfällen im Wasser) besitzen.
22*
340
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
Auch liiusiclitlich ihres Kalkgehaltes stimmeu sie aunäheriKl ül)er-
ein, da der Staub vom Löss 10,5, der vom (Teschiehemergel
1 1 ,0 pCt. kohlensaureii Kalk enthält. Natürlich darf man aus
dieser einen Untersuchung keine zuweit gehenden Schlussfolge-
rungen ziehen, da der Löss nicht aus dem unmittelbar darunter
anstehenden Geschiebemergel zu stammen braucht, sondern von
weiter her transportirt sein kann. Mit dem von Sauer behaup-
teten Saigerungsproeess, nach welchem die feineren Lössbildungen
unmittelbar am Gebirgsrande, die gröberen im nördlichen Rand-
gebiete Vorkommen sollen, stimmen meine jüngst ausgeführten
Untersuchunsien nicht überein. Es ist allerdiims richtis;, dass im
nördlichen Randgebiete der Börde, beispielsweise zwischen Hundis-
burg und Althaldensleben, zwischen Meitzendorf und Ell)ey, wo
der Löss an ein Sandgebiet anstösst und von Sand unterlagert
wird, eine innige Vermischung des Lösses und Sandes einge-
treten ist, sodass man den Löss in einer schmalen Randzone als
Lösssand bezeichnen kann.
Sauer, der seine Annahme eines Saigerungsprocesses durch
den Wind namentlich darauf stützt, dass der echte Löss nach
Norden zu in horizontaler Richtung in sandigen Löss und Sand
übergeht, führt selbst an, dass ein solcher Uebergang auch in
vertikaler Richtung nach unten zu ziemlich schuell stattfäude,
wie dies z. B. die Aufschlüsse am heiligen Grunde bei Meissen
lehren. Dasselbe Lagerungsverhältu iss von echtem Löss auf Sand-
löss ist von Schumacher i) und Andreae im Eisass nachge-
wiesen, wo die Möglichkeit einer glacial- fluviatilen Bildung des
Löss von Sauer selbst (S. 5) zugegeben, allerdings in allerneuster
Zeit '^) wieder in Frage gestellt wird.
Nach dem Harzrande zu wird dagegen der Löss keineswegs
feiner, sondern zeigt im Gegcntheil beim Abschlämmen einen weit
b Erläuternngen zur geologischen Karte der Umgegend von Strassburg 18S3
und Zur Verbreitung des Sandlöss im Eisass. (Mittheilungen der Comm. f. d.
geol. Landes- Unters, f. Eisass -Lothringen, ßd. IT, 1889.)
b Abhand. z. geol. Specialkarte v. Eisass- Lothringen, Bd. IV, Heft 2, 1884.
A. S.vuEu und C. CiHoLius, Die ersten Kantongeschiebe im Gebiete der
Rheinebene. (Neues Jalirb. f. Min. etc. 1890, 11.)
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
341
gröl)ereu uud reichlicheren Rückstand als die Lösse iin Eörde-
gebiet. Die mechanische Analyse eines Löss l)ei Vienenburg an
der Chaussee nach Wennerode ergab folgendes Kesnltat:
Grand und Sand
über
2-0,1"'™
Feinsand
0,1-0,05"'™
Staub
0,05-0,01"'"'
Feinste Theile
unter
0,01"'™
Summa
12,48
12,79
60,79
13,94
100,00
In dem Rückstände bei 7 Millimeter Schlämmgeschwindigkeit
lietänden sich mehrere 4 — 7 Millimeter grosse, scharfkantige
Rröckchen von llarzgesteinen, darunter deutlich erkennbare Kiesel-
schiefer. Im Gegensatz zu diesem Löss am Nordrande des Harzes
zeigte der Bördelöss zwischen Langenweddingen mul Sülldorf bei
7 Millimeter Schlämmjreschwindigkeit einen Rückstand von mir
1,59 pCt. , welchem der Grand vollständig fehlte. Nur ganz ver-
einzelte Qiiarzkörner dieses Rückstandes besassen eine Grösse von
etwas über 1,5 Millimeter Durchmesser. Aus einer von Herrn
Dr. Hölzer mit dem SciiEiRLEu’schen Apparate ansgeführteu
Kohlensäurebestimmnug des Vienenbnrger Löss liess sich folgender
Gehalt au Calciumcarbonat berechnen :
Erste Bestimmung .... 11,98 pCt.
Zweite Bestimmung . . . 11,83 »
Mittel 11,90 pCt. CaCOy.
Meine frühere Bemerkung, dass die lössaitigen Bildungen am
Nordrande des Harzes etwas thouiger ausgebildet seien als der
Bördelöss bezog sich nur auf einige im Felde gemachte Beob-
achtungen, vor allem auf den FTmstaud, dass die entkalkten Löss-
lehme dort vielfach zur Ziegelfabrikation benutzt werden, während
der Bördelöss in dieser Hinsicht nur als Zuschlag zu Septarieu-
thou Verwendung liudet. Eine chemische Untersuchung des
Vieueuburger Löss auf Thongehalt ist bisher noch nicht ausge-
führt worden, auch können aus der vorliegenden Schlämmaualyse
') Zeitsclir. d. Deutsch, geol. Ges. 1885, Bd. XXXVIl, S. 1)04.
342
F. Wahnschaki'E, Beitrag zur Lössfrage.
darauf l)ezügliclie Sclilassfolgerimgeii nicht gezogen werden; da-
gegen ist dieselbe geeignet, die SAUER’sche Hypothese einer fort-
schreitenden Saigerung des Lössmaterials durch Wind nach den
Gebirgen zu für den Harzrand zu widerlegen, da der Vienenburger
Löss einen grandig-san digen Rückstand von 12,49 pCt.
zeigte. In Bezug auf den Procentgehalt an feinsten Theilen
kommt er dem von mir früher untersuchten Bördelöss am Wege
zwischen Borustedt und Drakenstedt gleich. Mit dem Höhenlehm
von II aida bei Freiberg i) , welcher nach den Untersnchnngen
von R. Sachsse einen Staubgehalt von 43,6 — 47,0 pC't. nud einen
Gehalt an feinsten Theilen von 43,3 — 46,6 pCt. besitzt, lässt sich
die untersnchte Probe von Vienenburg nicht vergleichen, denn sie
steht trotz ihres verhältnissmässig hohen Gehaltes an gröberen
Bestandtheilen, ganz abgesehen von ihrem Kalkgehalt, in Bezug
auf das charakteristische Praevaliren des Staubgehaltes^)
(60,79 pCt.) dem typischen Löss bei weitem näher als der
Höhenlehm von Haida und der von Sauer zum Vergleich mit
diesem heraugezogeue Meissner Löss aus der Ziegeleigrube beim
Rothen Hanse, welcher in seiner mechanischen Zusammensetzung
dem Ilaidaer Höhenlehm sehr ähnlich ist. Dem Letzteren analoge
Bilduimen kommen meines Wissens am Harzraude nicht vor.
O
Leppla^) weist daraufhin, dass die Uebereiustinnnung der
Bauschanalyse des Ilaidaer Lehms mit derjenigen des numittelbar
unter der Ackerkrume entnommenen, entkalkten Löss von Meissen
für die odeichartigre und o-leichzeitio-e Entstehuno; beider Bilduufien
garniehts beweist, sondern dass sie »höchstens geeignet sein kann,
auf einen ähnlichen Ursprung der sandigen und thouigen Bestand-
theile beider schliessen zu lassen«. Ferner hebt er hervor, dass
der Deutniiü; des Höheulehms als einer mit der Bildnmi; des Löss
Meichzeitio-en Ablaa'eruno' durch Wind der Mangel au Kalk im
O O O O o
') Erläuterungen zur geol. Specialliarte des Königrciclis Sachsen. A. Saueh,
Section Freiberg, S. 88.
2) Vergleiche F. Wahnschaffe , Die Quartärbildungen der Umgegend von
Magdeburg u. s. w. S. Ü8 — 30.
A. Sauer, Section Meissen, S. 28.
9 Zur Lössfrage. Geognostische Jahreshofte. Jahrg. II, 1889, S. 176 — 187.
F. WAHNScnAifFis, Beitrag zur Lössfrage.
343
Ilöheiilelim widerspricht, da für die vorausgesetzte Auslaugung
von Sauek keine Belege beigebracht seien. Für die Pfalz hat
Leppla nach meiner Ansicht den Nachweis geführt, dass der
dortige ITöhenlehin nicht als ein entkalkter Ivückstand des östlich
davon anftretenden Löss angesehen werden darf. Seine Aus-
führungen über den Kalkgehalt des Löss sind sehr beachteuswerth.
Auch für den Bördelöss ist, wie schon oben bemerkt, der Kalk-
gehalt charakteristisch und wurde mit dem Lössschlamm zugleich
abgesetzt, wie dies ganz natürlich erscheinen muss, wenn man den
norddeutschen Kandlöss als ein feines Ausschlämmnngsprodnkt
der kalkhaltigen Grnndmoräne des norddeutschen Inlandeises aii-
sieht. Auch Jenny ^), welcher unter Verwerthung der Baltzer’-
schen Beobachtungen sehr eingehende Untersuchungen über Löss
und lössähnliche Bildungen in der Schweiz jüngst veröffentlicht
hat, kommt zu dem Kesultat, dass der typische schweizerische
Löss von Basel, Aarau und dem st. gallischen Rheinthal als ein
Ilochfluthschlamm anzusehen sei, der am Ende der Glacialzeit aus
der erratischen Schuttbedeckung des Landes und aus den Moränen
entstanden sei.
Der Einwand von Koenen’s gegen die von mir ange-
nommene Anstauung der Schmelzwasser durch den Band des
nordischen Inlandeises, welcher sich darauf stützt, dass sich Reste
von Mammuth, Rhinoceros u. s. w. , abgesehen von Spalten und
Klüften im anstehenden Buutsandstein, in der Göttinger Gegend
ausschliesslich in Kies und Gerölleschichten der Thalsohle linden,
und dass »daher die Flüsse der Glacialzeit annähernd in demselben
Niveau geflossen sein müssen, wie diejenigen der Jetztzeit« ist ohne
Belang. Die diluvialen Flussschotter des Harzvorlaudes gehören
einer älteren Periode an als die Lössbildungeu und können, wie
ich schon früher hervorgehoben habe, bis in die älteste Zeit des
Quartärs zurückreicheu, während der Lössabsatz beim Beginn
der Abschmelzperiode stattfand. Die hoch über dem Niveau
') Mittheilungen der Naturforschenden Gesellscli. in Bern 1889, S. 115 — 154.
Beitrag zur Kenntniss von Dislocationen. (Jalirb. d. KÖnigl. preuss. goql.
Landesanstalt für 1887. Berlin 1888, S. 4GÜ.)
344
F. Wahnschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
der Flüsse sowohl im Harz wie iii Thüringen in den Thälern
vorkomnienden Schotterterrassen, welche nicht durch Dislocationen
ihre gegenwärtige Lage erhalten haben, weisen ausserdem darauf
hin, dass die Flüsse in der Glacialzeit vielfach in weit höherem
Niveau als gegenwärtig geflossen sind.
Der Bemerkung Sauer’s (S. 18) gegenüber, dass sich echte
jüngere Gehängebildungen, entstanden dnrch lokale Vermischung
mit unterlagerndem älteren Flussschotter, immer leicht erkennen
lassen nnd dass die sächsischen Geologen niemals daran gedacht
haben, derartige Schotterlehme für gleichwerthig mit dem Platean-
löss anznsehen, kann ich nur auf meine frühere Arbeit i) ver-
weisen )ind erklären, dass in der Gegend von Wernigerode dem
Löss nahestehende und mit Schottermaterial mehr oder weniger
reichlich durchsetzte lössartige Lehme nicht nur am Gehänge der
Thäler, sondern auch auf dem Plateau entwickelt sind und dass
sie in echte Lösse übergehen.
Am Schluss sagt Sauer: »Wahnschaeee timt Unrecht daran,
den Werth der aus Nehring’s exakten Beobachtungen gezogenen
Schlüsse zu blossen »zoologischen Erwägungen« herabzumiudern,
welche den »geoguostischen Ergebnissen« gegenüljer noch nicht
als Ausschlag gebend angesehen werden könnten. Damals noch
nicht! Aber doch vielleicht jetzt, darf mau hinzufügeu, da sich
aus vorstehenden Mittheiluugen ergeben hat , dass Nehring’s
»zoologische Erwägungen« sich mit den geoguostischen Ergeb-
nissen in dem schönsten Einklang befinden«.
Dieser Schlusssatz Sauer’s, welcher auf einem gänzlichen
Missverständuiss meiner Ausführungen beruht und nur durch eine
flüchtige Keuntuissuahme derselben möglich war, ist zu meinem
Bedauern auch von Nehring abgedruckt worden. Dies veran-
lasst mich, den mir gemachten Vorwurf als völlig unberechtigt auf
das Entschiedenste zurückzuweisen. Ich habe seinerzeit, nachdem
ich PoHLiG gegenüber in Uebereiustimmung mit Nehring den
b Mittheilungen über das Quartär am Nordrande des Harzes. (Zeitsclir. d.
Deutsch, geoh Ges. 1885, S. 903 — 904.)
b Sitzungsber. d. Ges. naturf. Fi'ennde zu Berlin. No. 10. 1889. S. 189 — 190.
F. Waiinschaffe, Beitrag zur Lössfrage.
345
lüssartigen Charakter der Ablagerimgeii von Westeregelu und
Thiede betont und auf die Unsicherheit der Angaben über das
Vorkommen von Rhinoceros Merckü bei Westeregeln ebenfalls
unter Berufung auf Nehring hingewiesen hatte, folgendes^) ge-
schrieben :
»Neiiring, welcher anfangs die lössartigeu Bildungen von
Thiede und Westeregeln für jung- diluvial hielt, neigt jetzt der
PENCiv’scheu Auffassung zu. Es spricht jedoch nichts dagegen
und vieles dafür, dem Löss der Magdeburger Gegend und der
von ihm eingeschlossenen Fauna ein jung-glaciales (jung-diluviales)
Alter zuzuschreiben, wie dies bereits früher geschehen ist. Die
zoologischen Erwägungen , welche zu anderen Anschauungen ge-
O O O z o o
führt haben, können den geognostischen Ergebnissen gegenüber
noch nicht als Ausschlag gebend angesehen werden.«
Es handelt sich hier also thatsächlich garnicht um die Frage
O ö
der Entstehung des Ivöss, wie mau aus Saoer’s Darstellung ent-
nehmen muss und noch weniger um »den Werth der aus Nehring’s
exakten Beobachtungen gezogenen Schlüsse«, sondern lediglich
um die Altersstellung des Löss, und hierin stimmt ja Sauer
auf Grund der geognostischen Ergebnisse völlig mit mir überein,
indem er den Löss eingangs als eine »jungcpiartäre Lehmbilduug«
bezeichnet und S. 19 bemerkt: »Was nun die Altersbeziehungen
der Lössablagerungeu zu dem ül)rigen Diluvium betriftf, so stimmen,
wie das Wahnschaffe mit liecht hervorhel)t, alle Beobachtungen
aus dem Gebiete norddeutscher Lössablagerungen darin überein,
dass der Löss stets die oberste Deckschicht des Diluviums bildet,
also das jüngste Glied des gesammten Diluviums darstellt«.
Mein Ausdruck »zoologische Erwägungen« ist demnach gar-
O ö <T> Ö
nicht gegen NehrinG gerichtet, sondern bezieht sich, wie aus dem
weiteren Zusammenhänge klar hervorgeht, auf die schon vor
mir durch Neiiring selbst zurückgewiesenen iSchlussfolgerungen
Poiilig’s.
Ich erkenne den hohen Werth der NEURiNG’schen Unter-
b Sitzungsber. d. Ges. natiirf. Freuride zu Berlin. No. 3. 1888. S. 40.
b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, S. 27'2.
346
F. Wahnschai'Fe, Beitrag zur Lössfrage.
sucbiingen über die Steppeufamia in vollem Maasse an, halte es
jedocb für nnberecbtigt, ans dem Vorkommen einer Steppen-
fauna bei Tbiede und Westereo-eln die, aeoliscbe Entstebunfr
O Ö
der dort atiftretenden Löss- und lössähnlicben Ablagerungen
zu folgern, um so mebr, als Neiiuing selbst vielfach bervor-
geboben bat, dass eine Steppe nicht extrem, also nicht wüsten-
älmlicb zu sein l)raucbt, sondern von dem Charakter der Oren-
burgiseben und südwestsibiriseben Steppen. Neiiring bat neuer-
dings wiederum die Ansicht ausgesprochen, dass sich aus einem
als richtig zugegebenen steppenartigen Hauptcbarakter der Land-
schaft mit continentalem Klima » viele andere Schlussfolgerungen
von selbst, namentlich auch in Bezug auf die Mitwirkung des
AVindes bei Bildung der lössartigeu Ablagerungen von Westeregeln
lind Thiede« erü:el:)eu. Demgegeniiber muss darauf hingewiesen
werden, dass die Steppen zwischen Wolga und Irtysch, auf welche
Neiiring immer Bezug nimmt, oberflächliche Bildungen von sehr
verschiedenartiü'er Entstehung: aufweisen. Ich erinnere hier nur
an die in grosser Ausdehnung in den Steppeu von Samara vor-
kommenden marinen Ttione und Saude des aralokaspischen Beckens
und au die fluviatilen Terrasseulehme am West- und Ostalihange
des Ural 2). Aus dem Vorhaiidensein einer Steppenfauna kann
wohl auf eineu steppenartigen Charakter der Landschaft (Wald-
armuth) in einem bestimmten Zeitabschnitt geschlossen werden,
niemals aber auf die Entstehungsweise der in der Steppe auftretenden
geologischen Bildungen, welche sehr verschiedenen Ursprungs sein
können.
h Ueber den Charakter der Quartärfauna von Thiede bei Braunschweig.
(Neues Jahrb. f. Min. etc. 1889, I, 86.)
Vergleiche; S. Nikitin, Compte rendu preliminaire des recherches geo-
logiques exeeutces en 1887 dans les gouvcrncmenls de Samara et de Kazane.
Kesurae p. 1 1 u. 12. — S. Nikitin et P. Össoskov, La region transvolgiennc
de la fcuille 92 de la carte geologique generale de la Russio. 1888. Resiinie
p. 32 u. 33. Referat darüber im N. Jahrb. für Min. 1890, I, S. 329 u. 330. —
Th. Tschernyschew , Feuille 139 de la carte geol. generale de la Russie 1889.
(Besclireibung des Central-Urals und des Westabhanges.) — J. Slowtzow, Fund
von Gegenständen der Steinzeit bei Tjumen au der Tura. Referat im N. Jahrb.
für Min. 1887, I, S. 321.
Die Soolboliruugen
iiri Weielibilde der 8tadt Berlin.
Von 11 erni G. Berendt in Berlin.
(Hierzu Tafel XXVIIL)
Sannntliche Berliner Soolholnnnüen sind Tic'fbohrnncen und
ö «“D
zwar die tiefsten l)islier in Berlin s:estossenen. Wie iin Allire-
meinen, so hat sich auch in Berlin der Begriff »Tief hohrnng« seit
dem letzten Jahrzehnt — haii[)tsächlich wohl in Folge des immer
allgemeiner in Auwendnng gekommenen Wasserspülverfahrens —
sehr schnell erweitert oder vielmehr verändert.
Noch bis zum Jahre 1879 Marren die Bohrungen auf dem
Grundstück der Maschinenbauaustalt von Kraft & Knust in der
x\ckerstrasse, auf demjenigen des Geheimen Kommerzienrath
IT an sein an n in der Thierofartenstrasse und die alte sogen. Otto-
sehe Bohrung im IvönigT. Friedrich- Wilhelms-Institut (Pepiuiere) in
der Friedrichstrasse (bei Bahnhof Friedrichstrasse) mit noch nicht
100 Meter die tiefsten. Sie hatten sämmtlicdi nur die unter dom
Berliner I3ilnvinm lagerndeMärkische Braunkohlenbildung erreicht^).
Im genannten Jahre, 1879, erreichte zum ersten Male die
WiGANKOM^’sche Bohrung in der Chausseestrasse und gleich darauf
auch eine solche iin Admiralsgartenliade in der Friedrichstrasse
No. 102 nahe dem Bahnhof Friedrichstrasse und gegenüber dem
9 Dieses Jahrb. für 1883, S. 643.
348 Gr. Bekbndt, Die Soolbolirungen im Woiclibilde der Stadt Berlin.
alten OTTO’sclien Bohrloclie zum ersten Male den die Märkische
Branukolilenbildung nntertenfendeu mitteloligocäuen Septarientlion^).
Von nun au endeten alle späteren Tiefbolirungen mit Rücksicht
auf die in dem gleichzeitigen Spandaner Tiet'l)ohrloche auf 1 60 Meter
festirestellte Mächtiokeit der "enaunten Thoidjildnng bei Erreichuno;
ö Ö Ö O O
derselben, oder bald darauf, also mit 130 — 150 Meter Tiefe.
Erst im Jahre 1887 wagte die Leitung des genannten Admirals-
o o o
garteubades auf den Rath des Berichterstatters hin den Versuch,
diese Thonbildnug zu durchsinken, um springende, sei es süsse,
sei es salzige AVasser zu erlangen. Dieser, nicht unbedeutende
Kosten verursachende Versuch wurde mit Eifolg gekrönt, der Sep-
tarieuthon bei 230 Meter Tiefe* durchsunkeu und in dem nnter-
la-gernden glankonitischen Sande bei 234 Meter Tiefe zu Tage
anslliesseude beinahe 3 procentige (2,7 pCt. Kochsalz) Soole er-
schroten ^).
Das erste Soolbohrloch war für Berlin damit geschafi'en und
habe ich bereits in der Jannar-Sitznug des Jahres 1888 der
Deutschen geologischen Gesellschaft darüber näher berichtet-^).
Von nun an folgten schnell behufs weiterer Anfsnehung von Soole
und um sich durch Deckung des Feldes auf Grund weiter ein-
zulegender Muthnugen gegen Ausnutzung der Soole seitens
Anderer zu schützen, eine Reihe von Bohrungen, zunächst inner-
halb des Weichbildes der Stadt Berlin, welche sämmtlich dem
Ünter-Üligocän entsteigende Soolqnellen ergaben.
Nur von diesen in der Stadt selbst gestosseneu Tief-
bohrlöchern soll im Folgenden die Rede sein, während ein
Bericht ülier die in der Umgegend Berlins theils von der Gesellschaft
des Admiralsgartenbades, theils von Privaten zu gleichem Zwecke
gestosseneu Bohrungen Vorbehalten bleibt. Erwähnt sei nur, dass
deren drei zur Zeit gleichfalls schon mit Erfolg gekrönt sind, zwei
*) Näheres siehe in G. Beiucndt, Das Tertiär im Bereiche der Mark Branden-
burg, enthalten in Sitz.-Ber. d. Akad. d. Wissenseh. zu Berlin 1885, XXXVIII.
Zeitschrift d. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. XL, 1887, S. 102.
Der Soolquellen-Fund im Adrairalsgartenbade in Berlin, enthalten in
Zeltschr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahi'g. 1888, S. 102.
G. Bkründt, Die Soolbolimngen im Weiclibilde der Stadt Berlin.
349
andere noch mit Scliwierirrkeiteu bei der Ansfiihnmir der Bohriiiiir
zu kämpfen haben, namentlich aber die Untersuchungen über das
geognostische Alter des bei vieren derselben erreichten älteren, als
Tertiär-Gebirges noch nicht völlig abgeschlossen sind.
Von sämmtlichen in der Folge beschriebenen Bohrlöchern
wurden mir die Bohrprol)en seitens der Direction des Admirals-
gartenbades in dankenswerther und zuvorkommendster Weise zur
Verfügung gestellt, so gut dieselbe im Staude war, die Proben
überhaupt durch die Bohrmeister zu erhalten. Obgleich solches
bei einzelnen Bohrlöchern nur in mangelhafter Weise möglich war,
so giebt die Zusammenstellung der Bohrproben aus sämmtlichen
Bohrlöchern, wie sie sjeffenwärtia; im Vluseuin der Geoloo'ischen
Landesanstalt aufbewahrt wird, doch ein bisher nicht annähernd
vorhanden gewesenes, ausgezeichnetes Bild des vor 10 Jahren
noch unbekannten tieferen Untergrundes der Stadt Berlin.
1. Das zweite Soolbolirlocli im Admiralsgarteiibade,
Berlin N., Friedrichstrasse No. 101.
Nicht nur der Vollständigkeit halber, sondern weil in der
That seit Frschrotnng jener ersten Soolquelle am 10. December 1887
wenige Meter von diesem Bohrloche entfernt eine zweite Sool-
I)ohrung im Admiralsgartenbade niedergeliracht wurde, l)eginne ich
noch einmal mit der Schichtenfolge im Admiralsgartenbade sell)st.
Die Nebeueinanderstellung beider bis in annähernd gleiche Tiefe
hier gestossener Bohrlöcher ist auch um deswillen lehrreich, weil
sie zeigt, wie wenig zuverlässig, einerseits in Folge des für die
Bohrung seihst so vortheilhaften WasserspCilverfahrens, anderer-
seits al)er namentlich in Folge der geringen Achtsamkeit der
Bohrmeister, doch noch alle Angaben über die Mächtigkeit der
durchsunkenen Schichten bleiben^), selbst wenn dieselben, wie in
b Eine genaue Feststellang der Tiefen, namcntlicli betreffs der unteren
Gi’onze des Septarienthones und Hinsichts des ersten Aufsteigens der Soole wurde
s. Z. bei der damals erst beabsichtigten Soolbolirung i:; Aussicht gestellt. In
wie fern dic.se Erwartung gerechtfertigt worden ist, muss dahin gestellt bleiben.
Eine wirklich genaue Feststellung des letzteren Punktes wenigstens hat nicht
stattgefunden und kann ich auch diesmal nur wiederholen, dass die durcli einge-
350 G-. Berendt, Die Soolbobrungen im WeicLbilde der Siadt Boiiin.
diesem Falle, durch Bobrprobeu von böcbstens 2 Meter Entfernung
belegt worden sind. Darf man auch auf der Grenze zwiscben
Diluvium und Tertiär Unreo;ebnässia:keiten und Abweicbnno'eu
selbst in der nocb uicbt 10 Meter betragenden Entfernung beider
Bobrlöcber mit Recht aunehmen, so doch kaum in dem Grade
innerhalb des, wie der Gesammtnberblick der Berliner Bohrungen
lehrt, im Ganzen hier sehr regelmässiff abo-elao-erten Tertiärs. Die
Bohrlöcher sellist sind in der folgenden Uebersicht den thatsäch-
lich im Admiralsgartenbade vorhandenen Verhältnissen (loc. cit.
pag. 103) entsprechend mit III und IV bezeichnet.
Schichten-Verzeichniss
der beiden Soolbohrlöcher Berlin N., Friedrichstrasse No. 102.
Bohrloch No. III
Bohrloch No. IV
Tiefe
Mächtig-
Gebirgsart
Formation
Mächtig-
keit
Tiefe
in
in
in
in
Hetern
Metern
Metern
Metern
Proben fehlen
Aufgefüllter Boden
Alluvium
2
0-2
Moorerde
2
2-4
7—50
'43
Spathsande u. Grande
Diluvium
46
4-50
50-56
6
Kohlen- Geschiebemergel
0,5
50-50,5
56-58
2
Kohlenletten
Märkische
Braunkohlen-
3,7
50,5—54,2
58— SS
30
Guarz- u. Kohlensande
Bildung
3S,8
54,2-93
88-135
47
Feiner Quarz- und
Gliramersand
Ober-Oligoeän
44
93-137
135—230
95
Septarienthon
Mittel-
Oligocän
100
137—237
Glaukonitische Sande
Unter-
Oligocän
230-234
4 +
mit Sandstein-Bänkchen
19 +
237-256
oder Knollen
Die im ersten der beiden Bohrlöcher von 0 bis 7 Meter
fehlenden Bohrproben sind durch die zweite Bohrung ersetzt. Bei
lagerte Septarien und schliesslich durch die Sandsteinbänkchen ini Unteroligocän
sich bietenden Hindernisse die Aufmerksamkeit des Bohrmeisters so in Anspruch
nahmen, dass eine genaue Tiefenbeobachtung und strenge Führung eines Bohr-
registors nicht gut zu erlangen war.
G. Bkrendt, Die Soolbolirungen im Weichbilde der Stadt Berlin. 351
etwa 43 Meter fond sich das Bruchstück einer Paludina diluviana
und zwischen 48 und 50 Meter Tiefe (46 — 48 Meter des Bohr-
loches III) wurde durch zahlreiche Schaaleu dieser Süsswasser-
schuecke, die unter Berlin allinälig in dieser Tiefe als ziisammen-
hängende Schicht sich erweisende, über 1 Meter mächtige Palu-
dinenbank wiederum nachgewiesen. Das am Grunde des Diln-
vinms als Kohlen- Geschiebemergel kurzweg von mir bezeiclmete
Gelnlde ist eine vorwiegend oder doch znm grossen Theil ans
zerstörtem Tertiär gebildete Grenzschicht, wie sie aus einer
innig-en Durchknetimg; des kalkfreien schwarzbrannen Kohlen-
Ö ö
letten mit den kalkhaltigen Granden und Sanden des Diluviums
entstehen musste.
Die aus Kohlenletten, weissen Quarz- und durch milchige
Chokoladeufarhe bis ins Tiefbranne gehenden Kohlensanden be-
stehende märkische Brannkohlenbildung von 56 — 88 Meter Tiefe
rnnss nach früheren Ausführungen bereits dem Miocän zuge-
sprochen werden, während die feinen Qnarz- und Glimmersande
ebenda bereits als der oberoligocäne Meeressand sjekennzeichnet
wurden ^).
Ei ne Anzahl vom Bohrer völlig zei’stossener nnd daher zwar
nicht genauer bestimmbarer, doch aber in der charakteristischen,
nrsprünglichen Erhaltung der marinen tertiären Formen noch
deutlich erkennbarer Schaalreste innerhalb des Septaiienthoncs
bewies, dass derselbe nicht überall, wenigstens nicht in allen
seinen Schichten so versteinerungsarm, ja leer ist, wie er sich im
Grossen und Ganzen in den Berliner Bohrungen gezeigt hat.
Die von 230 oder 237 Meter an folgenden glaiikonitischen
Sande und Sandstein -Bänkchen dürfen nach Analogie des Span-
daner Bohrloches^), sowie des Moabiter (siehe nnten), in welch’
ersterem sie durch Ostrea ventilahrum gekennzeichnet wurden,
wohl mit Recht auch hier bereits dem Uuter-01ig:ocän zugerechnet
werden. Innerhalb dieser Sandschichten nnd zwar nach Dnrch-
0 G. Berendt, »Das Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg.« Sitzungs-
ber. d. Akad. d. Wissensch. zu Berlin 1885, XXXVIll.
S. a. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXVlII, 1886, S. 255.
a. a. 0. Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch und Zeitschr. d. Deutsch,
geol. Ges., Jahrg. 1880, XXXII, S. 821.
352 G- Berendt, Die Soolbolirungen im Weicbbikle der Sladt Boilin.
stossung eines jener Sandsteinbänkchen (nach der etwas nusicheren
Angabe beim ei’sten Bohrloch (No. III) schon in ungefähr 232 Meter,
nach dem Bohrregister der zweiten Bohrung (No. IV) nicht vor
237 Meter Tiefe) wurde sodann in beiden Fällen die im Bohr-
loche anfsteigende und zu Tage ausfliessende Soolquelle erreicht.
Die Soole selbst, von welcher ich s. Z. (1888) in der Januar-
Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft, ebenso wie Amn
der gesammten Gesteinsfolge Proben vorlegte, soll am Schlnss-
abschuitt in Gemeinschaft mit den Ergebnissen der anderen
Bohrungen näher bespi’ocheu werden. Ihr Gehalt an Kochsalz
beträgt nach der doi’t gegebenen genauen Analyse 2,7 Procent
Ihre Temperatur wurde durch Prof. II. Fresenius a,m 24. Ja-
nuar 1888 bei einer Lnfttemperatnr von 5*' C. oder 4^ R. zu
15,2*^ C. oder 12,16*^ R. ermittelt.
2. Das Soolbohrlocli der Soolquelle Boiiifacius,
Berlin W., Lützowstrasse No. 74.
Bereits am 1. October 1888 erreichte die im Frühjahr genannten
J aln •es begonnene Bohrung in der Lützowstrasse die Tiefe von
249,5 Meter, musste jedoch einer Verstanchnng der Röhrentonr
halber, nachdem schon vorher zu Tage tretende Soole nachgewiesen
war, eingestellt werden. Erst eine zweite, in unmittelbarer Nähe
niedergebi’achte Bohrung gelang und liefert heute ans der Tiefe
von 206 Meter, in welcher sie bei ansfliessender Soole schon ein-
gestellt wurde, den Bedarf für die dort errichtete Zweig- Bade-
anstalt des Admiralsgartenbades.
Theils durch das bei allen Berliner Tiefbohrnu£ren o-eo-en-
wärtig angewandte Wasserspülverflxhren , theils durch die wenig
sachgemässe Art der Probeentnahme sind die einzelnen Gebirgs-
arten in den Proben so wenig kenntlich und charakteristisch, dass
bei dem gleichzeitigen, völligen Fehlen organischer Reste die
ffeoo-nostische Altersbestimmnno; z. Th. nur durch Vero-leich mit
den anderen Berliner Bohrungen möglich wurde, z. Tli. (von 212
bis 250 Aleter) noch offen bleiben musste. Dennoch ergab sich
auch auf Grund dieses mangelhaften, in Ermangelnng eines besseren
G. Berendt, Die Soolbohi'iingen im WoicLbiicle der Stadt Berlin. 353
immerhiu wertlivolleu Materials, wie das folgende danach anf-
gestellte Bobrverzeiehniss ergiebt, ein in Verbindung mit dem
vorigen Bobrlocb für die Lagerimgsverbältnisse unter Berlin recht
charakteristisches Bild.
Schichten - Ve r z e i c h n i s s
des Bohrloches Berlin W., Lützowstrasse No. 74.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
Formation
Bemerkungen
0-5
5-41,3
Tbalsand
Spathsand u. Grand
5 )
41,3
36,3 '
Diluvium
Bei 23 — 25 Meter
mit Gerollen und
Geschieben.
41.3- 46,5
46,5—57,7
57,7—58
58—74,4
74.4- 80,2
80,2-90,55
Braunkohlenletten
Kohlensand
sehr sandiger Koh-
lenletten
Kohlensand ')
Glimmersand
Kohlcnsand u. Kies
5,2 A
11.2 i
0,3 f
> 49,2
16,4 /
5,8 \
10.3 1
Miocäne
Märkische
Braun-
kohlen-
Bildung
Sohr dunkel.
Dunkel.
lim letzten Meter
{ von Braunkohle
( dunkelfarbig.
90,5—130
Glimmersande
mit ein gelagertem
Letten- oder Thon-
bänkchen
bei 115 Meter
39,5
Ober-
Oligocän
Von 114,6—115,2
Meter Thonbänk-
chen. (Probefehlt.)
130-206
Schwach kalk-
haltige Thone mit
ein gelagerten
Septarien
( Septarienthon)
76
Mittel-
Oligocän
Bei 148 und 175
bis 176 Meter zer-
stossene Septarie.
206—212
Glaukonit. Sand
6
Unt. Oligoc.
Fein.
212—249,5
Feinsandige z. Th.
glimmerhaltige
Thonmergel mit
Schwefelkies- und
Thon - Knollen
37,5
?
249,50
*) Von 58 — 60 Meter grobkörnig. Bei 63 Meter feiner und glimmerhaltig.
Von 66 — 68 Meter fein.
Jahrbuch 1889.
23
354 G. Berendt, Die Soolboliruiigeii im WeicIibiUle der Stadt Berlin.
Der Umstand, dass die zweite Bohrung an dieser Steile über-
haupt uur bis 206 Meter hiuabgeführt wurde uud die Soole bereits
aus dieser Tiefe bis zur Oberfläche steigt, wo sie frei ausfliesst,
beweist deutlicb, dass auch hier der, wie Bohrloch Spandau und
Bohrloch Moabit (Paulstr. 6) bewiesen haben (siehe S. 354), uiiter-
oligocäue glaukouitische Saud von 206 — 212 Meter das die Soole
führende Gebirgsmittel ist, innerhalb dessen sie durch das undurch-
lässige, au dieser Stelle 76 Meter, in Moabit 83 Meter, in der
Friedrichstrasse No. 8 schon 90 Meter, im eigentliclieu Admirals-
gartenbade 94,5, in Spandau (a. a. O.) sogar 1 59,5 Meter mächtige
mitteloligocäue Thoulager trotz ihres starken Druckes bisher zu-
rückgehalteu wurde.
Die, wie erwähnt, aus 206 Meter Tiefe aufsteigende und zu
Taa:e ausfliesseude Soole hat, wie die im Schlussabschnitt o-eo-ebene
genaue Analyse zeigt, einen Kochsalzgehalt vou 2,4 pCt. Die
Temperatur derselben, am Auslauf gemessen, wurde am 13. Juni
1889 durch Prof. II. Fkesenius zu 13,2 *^C. oder 10,56® R. fest-
gestellt.
3. Das Soolbolirlocli der Soolqnelle Martha,
Berlin S. , Friedrichstrasse No. 8.
Die in gleicher Weise wie die vorgenauuteu Bohrungen und
wie auch alle folgenden nach dem Wasserspülverfahreu ausge-
führte Bohrung wurde am 3. Alärz 1888 begonnen und am
2. October genaunten Jahres in eiirer Tiefe vou 250 Meter zu
Ende geführt, nachdem schon in ungefähr 230 Meter Tiefe zu-
erst Soole zu Tage getreten war. Leider sind auch hier die
schon in Folge der Wasserspülung schwer zu beurtheilenden
Bohrproben vou dem betreffenden Bohrmeister trotz persön-
licher Unterweisung nicht nur recht mangelhaft gesammelt
worden, sondern fehlen unterhalb 216 Meter gänzlich. Zwar ist
man berechtigt, aus dem Aufsteigeu der Soolqnelle aus diesen
Schichten, bei noch dazu ungefähr gleicher Tiefe wie im Admirals-
gartenbade selbst, auch auf die gleichen uuteroligocäneu Sande
wie in den übrigen Berliner Bohrungen uud s. Z. auch in dem
Spaudaner Bohrloch (s. oben) zu schliesseu. Allem es bleibt da-
G. Berendt, Die Soolbohriingen im Weichbilde der Stadt Berlin. 355
hingestellt, ob der mitteloligocäue Septarienthon ebenfalls bis uu-
gefäbr 230 Meter Tiefe binabreicbt, oder schon mit 216 Meter
endet. Dahingestellt bleibt daher auch die genaue Tiefe, aus
welcher der Ausfluss der angeblich aus ungefähr 230 Meter zu
Tage getretenen Soole stattfiudet. Diese selbst, deren genauere
Analyse sich im Schlussabschnitt findet, hat einen Kochsalzgehalt
von 2,4 pCt. und zeigte am 12. Juni 1889 nach Ermittelung des
Prof. Dr. H. Fresenius, am Auslauf gemessen, eine Temperatur
von 15,6'^ C. oder 12,48® R.
Schic hten-Verzeichuiss
des Bohrloches Berlin S., Friedrichstrasse No. 8.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
Formation
Bemerkungen
0-9
9—14,2
14,2—45
45—47
47—126
Spath-Sand und
Grand
Geschiebemergel
Spath-Sande und
Grande
Mergelsand
Spath-Sande und
Grande 0
9 \
5,2 f
30,8 \ ]26
2 \
79 ]
Unteres
Diluvium
,Bei 44— 45 Meter
1 Bruchstücke von
j Paludina diluvi-
’ ana Kuntii.
126-216
Schwach
90
kalkhaltige Thone
IVL i L L d “
(Septarienthon)
Oligocäu
216-230
Thon oder Sand
14 )
? Unter-
1
34
{ l^roben leiilen.
230-250
Sande
20
Oligocän
(
4. Das Soolboludocli der Soolqiielle Louise,
Berlin S. , Oranienplatz (Louisenufer No. 22).
Im Mai 1888 begonnen, wurde die Bohrung am 30. Oc-
tober desselben Jahres nach schon etwas früher erfolgter Er-
schrotuug zu Tage tretender Soole in einer Tiefe von 248 Meter
0 Bei 74 — 76 Meter Gerolle und Geschiebe. Bei 110 — 1 12 Meter Glimmer-
sand. Bei etwa 114 Meter Thonmergelbänkchen 0,5 Meter mächtig.
23*
356 G-- Berendt, Die Soolbohrungon im Weiclibilde der Stadt Berlin.
eingestellt. Die leider wie bei den beiden vorgenannten höchst
dürftigen und seitens der Bohrarbeiter wenig sachgeinäss ent-
nommenen Bohrproben, welche nnr für die oberen 100 Meter
eiuigennaassen ausreichen, lassen sich doch durch Vergleitdi mit
den einander ergänzenden Berliner Profilen, namentlich den
besseren Proben aus den Bohrlöchern im Admiralsgartenbade
seihst, zu dem folgenden Schichtenprofil deuten.
S c h i c li t e n - Ve r z e i c h n i s s
des Bohrloches Berlin O., Oranienplatz.
Tiefe
1
Mächtigkeit
in
Gebirgsart
in
Formation
Bemerkungen
Metei'n
Metern
0-9
Thalsand 0
9
Proben fehlen.
9—11
Sj>athsand und
Grand
2
1 1-20
Geschiebemergel
9
20-48
Spathsand und
Grand
28
116
Diluvial-
iBei 30 — 35 und 44
( bis 45 Meter Paludina
( dUuviana.
48—60
Mergelsand
12 /
Bildungen
GO-62
Paladinen - Thon-
bank
2
Massiges Vorkommen
V. Paludina dUuviana.
G2— 88
Spathsand
26
88—104
Thonmergel
16
104—116
Spathsand und
Grand
12 /
Mit eingelagerten
Thonschichtchen.
116—140
? Glimmersande
24
? Ober-
Oligocän
Proben fehlen.
140 210
Schwach
kalkhaltiger Thon
(Septarienthon)
70
Mittel-
Oligocän
3 schlechte Proben.
210-228
228-236
236—248
Thoniger
Glimmersand
Glimmersand
Thoniger
Glimmersand
18
8
12
38
? Unter-
Oligocän
3 schlechte Proben.
248
h Aus der geologischen Karte von Berlin ersichtlich.
G. Behendt, Die SoolbohrucgeD im Weiclibilde der Stadt Berlin. 357
Da das Bolirloch uacli der geologischen Karte von Berlin iin
Thalsand angesetzt wurde, konnte die Bestiminnng der fehlenden
Proben von 0 — 9 Meter mit einiger Sicherheit erfolgen. Wahr-
scheinlich reicht derselbe jedoch wie gewöhnlich nur bis zn einer
Tiefe von 6 — 7 Meter, sodass der kalkige Spathsand des Unteren
Diluvium wohl bereits in dieser Tiefe beginnt.
Die von 116 — 140 Meter fehlenden Proben dürfen nach
Analogie der übrigen Berliner Bohrlöcher anf die feinen Quarz-
bis Glimmersande des Ober-Oligocäns gedeutet werden, welche
nicht nur diese Tiefenlage zu beliatipten pflegen, sondern auch
ihrer Feinheit halber bei Wasserspülung leicht fortgeführt und
deshalb zu sammeln versäumt wurden.
Das Plaufwerk von schwach kalkhaltigen Thonschüppchen
der 3 dürftigen Proben aus 140 — 210 Meter Tiefe lässt nur auf
Septarienthon schliessen, der fast in allen Berliner Bohrlöchern
dieselbe Tiefenlage beobachtet.
Der mehr oder weniger thouige oder mit Thonschüppchen
gemischte Glimmersand aus der Tiefe von 2i0 — 248 Meter kann
dagegen sowohl einer Folge von Glimmersand mit Thonbänkchen
angehören, als airch der Rest eines durch die Spülwasser der
Bohrung verschlemmten , sehr sandigen Glimmerthones sein.
Ersteres ist nach dem Ergebniss der anderen Berliner Bohrungen
das wahrscheinlichere, weil das dem Septarienthon nach der Tiefe
zu folgende Uuteroligocäu in diesen der Hauptsache nach aus
z. Th. glaukouitischeu Sauden besteht.
Die genauere Analyse der aus 210 Meter Tiefe zu Tage aus-
fliessendeu Soole ist im Schlussaljschnitte gegeben. Ihre Tempe-
ratur, am Ausfluss gemessen, wurde am 11. Juni 1889 durch
Prof. Dr. n. Fresenius zu 15,0^ C. oder 12® R. bestimmt.
5) Das Soolbolirloch der Soolqnelle Paul 1,
Berlin NW. (Moabit), Paulstrasse No. 6.
Erst am 6. August 1888 begonnen, konnte die ohne störende
Zwischenfälle von statten gegangene Bohrung in der Paulstrasse
doch gleichzeitig mit der vorigen schon am 30. October beendet
werden. Aus fast genau derselben Tiefe (211 — 215 Meter) trat
hier eine Soole zu Tage, welche gegenwärtig, ebenso wie solches an
.358 Gr- Bbkundt, Die Soolbohrungen im WeiclibilJe der Stadt Berlin.
deu vorbesproclienen Stellen gescliielit, zu Badezweckeu benutzt
wird. Die Temperatur des Soolwassers, am Ausfluss gemessen,
wurde am 12. Juni 1889 zu 14,2*^ C. oder 11,36^R. durch Prof. Dr.
II. Fresenius ermittelt. Eine genaue Analyse findet sich im Schluss-
abschnitt.
S ch i c h t e n - Ve r z e i c h n i s s
des ßohrloches Berlin NW. (Moabit), Paulstrasse No. 6.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
Formation
Bemerkungen
0- 6
6 1
/Zwischen 28 u. 38 Met.
*
i zahlreiche Schaal-
6-52
Spathsaiid und
46 52
'
Diluvium
I reste von PabuUna
Grand
] diluviana.
/38 — 50 Meter Gerolle
\ und Geschiebe.
52—54
Braunkohle
2 \
54-56
Quarzsand
2 j
Mäi'kische
56—76
Kohlensande
20 I
(Von 58 — 60 Meter sehr
Braun-
( dunkel.
76—82
Kohlensand u. Kies
6 /
kohlen-
82—88
Quarzsand u. Kies
6 \
Bildung
(Von 84 — 86 Meter sehr
( glimmerhaltig.
88-90
Formsand
2 /
90-92
Feiner Quarz- bis
2 \
Glimmersand
J
92—94
(Probe fehlt)
2 f
Ober-
94—108
Glimmersand
14 (
i
Oligocän
108—126
Kohlenglimmersand
18
126-128
Glimmersand
I
2 /
( Probe schon mit Thon
( gemengt.
128—130
Sehr sandiger Sep-
2 )
tarienthon
Mittel-
130—180
Septarienthon
50 (
Oligocän
180-211
Desgl.
31 )
211-214
Glaukonitischer
3 1
Bei 24 Meter Natica
Sand
4
Unter-
hantoniensis (Pick.)
214-215
Desgl. mit kleinen
1 1
Oligocän
Lettenbänkchen
215
G. Rkkendt, Die Soolboliruugcii im WeicliLilde der Stadt Berlin.
359
Die gut erhaltene Schaale von Natica ha?itonienais PiLK. bei
214 Meter Tiefe ist von nin so grösserem Wertlie, als sie nicht
nur, zusammen mit den im Spanclauer Bohrloch s. Z. in denselben
«■lankonitischen Sanden crefundenen zahlreichen Schaalen von Ostrea
O ö
ventilahmm^ die Zuweisung dieser Sande zum Unter-Oligocän ausser
Zweifel setzt, sondern auch für Berlin bis jetzt der einzige Schaal-
rest aus diesen Sanden ist.
6) Das Sooiboluiocli der Soolqiielle »Kaiserin Victoria«,
Berlin C., Alexanderplatz 3.
Oba:leich das Bohrloch eins der ersten der nach Erschrotiin"
O O
der Soole im Admiralsgartenbade in Angriff genommeuen war (im
Januar 1888 begonnen), wurde dasselbe doch durch technische
Hindernisse länger als vorauszusehen verzögert, znmal man sich
nicht bei Erbohrung einer schon am 4. Juni 1888 aus 214 Aleter
zu Tage tretenden Soole begnügte. Dieselbe floss zwar reichlicher
als im Admiralsgartenbade selbst, zeigte dafür aber einen geringeren
Proceutgehalt als jene, so dass der Hinzutritt von Süsswasser-
zuflüsseu angenommen werden mnss. Die bis 236 Meter fort-
gesetzte Bohrung änderte hieran nichts und wurde man durch
technische Schwierigkeiten endlich zur Einstellung genöthigt.
o Ö ö O
Schic hten-Ver zeichniss
des Bohrloches Berlin C., Alexanderplatz 3.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
Formation
Bemerkungen
0-4
4-6
Aufgefüllter Boden
riusssand
2 i
Alluvium
6-16
16—27
27—29
29—40
Spathsaud und
Grand
Spatbsand
Spatlisand und
Grand
Spatlisand
10 .
11 f
A *
11 '
Unteres
Diluvium
( Bei 34 — 36 Meter
( Scliaalreste von Pa-
( ludina diluviana.
360 Gr. Beresdt, Die Soolbolirungen im Weichbilde der Stadt Berlin.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
F ormation
Bemerkungen
40—50
Glimmei’eicher
10 \
i Schlechte Proben,
Kohlensand
1
< meist Anhäufungen
( von Glimmer.
50-52
Kohlenglimraer-
2 1
sand bis Formsand
1
Märkische
52-58
Kohlenletten
6 1
58-60
Braunkohle
2
Braun-
GO— 66
Kohlenletten
6 )44
kohlen-
Kohle sandig, mulmig.
66-70
Braunkohle
4 I
Bildung
70-74
Kohiensand
4 i
74-76
Braunkohle
2 *
(Miocän)
76-78
Kohlensand
2 1
78-82
Glimmersand
4 1
82—84
Quarzsand
2 /
84—134,5
Feiner Quarz- bis
50,5
Ober-
Glimmersand
Oligocän
134,5—208
Septarienthon
73,5 1
79,5
Mittel-
208-214
Desgl. mit viel
6 \
Oligocän
Septarien
214-218
Quarzsand
4 j
( Bei 214 Meter Soole
) 22
Unter-
( zu Tage tretend.
218—236
Glimmersand
18 i
Oligocän
(dunkel)
Für die Bestimmung der Quarz- und Glimmersaude :ds Unter-
Oligocän spricht allerdings nichts weiter als die gleiche Lage unter
dem mitteloligocänen Septarieuthou und die gleiche Soolführung
wie in den übrigen Berliner Bohrlöchern.
Der Septarieuthou zeigt hier ähnlich dem Bohrloch am Oranien-
platz (70 Meter) und in der Lützowstrasse (76 Meter) verhältniss-
mässig geringe Mächtigkeit (79,5 Meter) und nächst der Lützow-
strasse, wo die unteroligocäuen Sande bei 206 Meter erreicht sind,
das höchste Emportreten der letzteren.
G. Berendt, Die Soolbobrangoa iin Weichbikle clor Stadt Berlin. 361
7) Das Soolbohrlocli der SoolqiieHe Marie,
Berlin N. , Wedding, Ileinickendorferstrasse No. 2 a.
Das Bohrlocli auf dem Wedding, gegenüljer der Dankeskirche,
auf dem zur Reinickendorferstrasse gehörigen Grundstück No. 2 a
wurde zwar schon im Juli 1888 begonnen, hatte auch bereits am
18. September gen. Jahres in 225 Meter Tiefe ausfliesseude Soole
erschroten, wurde aber, um wenn möglich einen stärkeren Ausfluss
der Soole zu erzielen, mit Unterbrechungen l)is in’s Frühjahr 1889
fortgesetzt und hatte bis dahin eine Tiefe von 306 Meter erreicht.
S c h i c h t e n - Ve 1’ z e i c h u i s s
des Bohrloches Berlin N., Wedding.
Tiefe
in
Metern
Gebirgsart
Mächtigkeit
in
Metern
Formation
Bemerkungen
0-1
1-G
Aufscliüttiing
Tbalsand
1 )
6
5 1
Oberes
Diluvium
vBei 2 — 3 Meter d LU’ch
\ Eisenoxydhydrat
( rostgclb gefärbt.
6-18
18-30
30—30,2
30,2-48
48— .jO
50 — 54
54 — 56
56-59
S]5athsand
Spathgrand und
Sand
Thonmergel
(glininierlialtig)
Spathsand
Thonmorgel
S. sand. Kolilon-
letten
Kohlcnsand
Spathgrand und
Sand
12 \
12 i
0,2 ) 44
17,8 1
2 j
Unteres
Diluvium
Grenz-
Bildung
iVon 23 — 32 Meter Ge-
( rolle und Geschiebe.
p50— 56 Meter ist vom
' Diluvialeiso aufge-
j scliranimtes Braun-
( kolilengobirge.
59—68
Kohlensand
68-72
Feiner Quarzsand
4 1
Gtiminorhaltig.
und Quarzkies
Märkische
72-81
Glimmersand
9 [
Braun-
76 — 81 Meter unrein.
81—82
Quarzsand
1 ) ^6
kohlen-
82-83
Glimmersand
1 l
Sehr dunkel.
83 — 83,6
Kohlenletten
0,6 \
BildiiDg
83,6 — 89
Quarzkies
5,4/
36 2 G-. Bekendt, Die Soolbolirungcn im Weiclibilde der Stadt Berlin.
Tiefe
Mächtigkeit
in
Gebirgsart
in
Fonnation
Bemei'kungen
Metern
Metern
89-96
Feiner Quarz- bis
Glimmersand
7 \
Ober-
96—12-1
Glimmersaiid
28 l 42
121 — 124,3
Desgl. dunkel
0,3 i
Uligoeän
Mit Scliwofelkies.
121,3-131
Glimmersand
0,7)
13 1-224, .5
Schwach
kalkhaltiger Thon
( Septarienthon)
93,5
Mittel-
Oligocän
221,.5— 229
229-235
Quarzsand
Wahrscheinlich
desgl.
4,5 )
?
/Aus 229—235 Meter
V nur Schwefelkies-
) knollen als Probe
\ erhalten.
/Bei 235 Meter Braun-
\ kotilenholz.
235-285
Hellgrauer
feinsandiger Thon
50 ,
285-289
Schieferthon grau
4 i
289-293
Hellgrauer
feinsandiger Thon
4 /
293—297
Schieferthon
^ 71
P
297—300
Braungrauer
schwachkalkhal-
tiger Thon
3 1
300-304
Hellgrauer etwas
sandiger Thon
4 1
301—306
Braungrauer Thon
2 ^
Ob die hella:rauen Thone und Scliiefertlione aus 235 bis
306 Meter Tiefe wirklich, wie es deu Anscheiu bat, bereits älteres als
Tertiärgebirge sind, oder ob dieselben ebenfalls noch zum mittel-
oligocänen Septarienthon zu recluien sein sollten, muss vor der
Hand dahingestellt bleiben, da mit unbewaffnetem Auge sichtbare
organische Ifeste bis jetzt nicht in denselben gefunden wurden.
Eine mikroskopische Untersuchnng ist im Cfange. Leider bleibt
auch unaufgeklärt, ob die mit den hellgrauen feinsandigen Thonen
dieser Schichtenfolge den Bohrprobeu nach wechsellagernden
G. Berendt, Die Soolbolirungeu im Wciclibildo der Stadt Berl iii. 363
Srhieferthoneii wirklich eine solche Wechsellagerimg Ijegrüutlcn
oder ob nur willkürlich aus den betreffenden Tiefen die von den
llohrwassern noch einigerinaassen ungestört gebliebenen, härteren
Schichteutheile, ans den übrigen Tiefen die anfgeschlenmiteu Thou-
theile als Probe aufbewahrt wurden.
Je nach dem hoffentlich noch zu gewinnenden Urtheil über
das Alter dieser Thon- und Schieferthonfolge wird sich auch die
Zuweisung der Quarzsande aus 224,5 — 235 Meter sodann ergeben.
Ob dieselben, wie nach der mit den übrigen Berliner Bohrlöchern
völlig gleichen Höhenlage und der Soolführung angenommen
werden darf, das Unter-Oligocän vertreten oder — was bisher in
keinem der märkischen Bohrlöcher beobachtet wurde, nur eine Ein-
lagerung im Septarienthone bilden.
Eine genauere chemische Analyse der aus der Tiefe von
224,5 Meter zu Tage ausfliessendeu Soole ist zur Zeit noch nicht
vorhanden.
Ueberblick der Berliner Soolbolirlöclier.
Ueberblicken wir nunmehr die Ergebnisse sämmtlicher 7 bis-
her tiefsten Berliner Bohrungen, so geben sie uns in ihrer Gesammt-
heit ein so klares, trotz verschiedener Mängel oder Lücken in den
Proben sich nirgends widersprechendes Bild des tieferen Unter-
grundes von Berlin , wie es in solcher Regelmässigkeit kaum er-
wartet werden konnte.
Stehen doch die verschiedenen Bohrlöcher zwischen 2 und
beinahe 5 Kilometer von einander entfernt und dürfen die Ergeb-
nisse derselben doch sogar auch mit dem an 2 deutsche Aleilen
entfernten Spandauer Tiefbohrloch als völlig übereiustimmend be-
zeichnet werden (s. Sitzungsber. d. Akad. d. Wissensch. a. a. O., S. 15).
Al)weichend erscheint in diesem letztgenannten Bohrloch nur
die weit grössere Mächtigkeit des mitteloligocänen Septarienthones
(160 gegen 70 — 100 Meter) einerseits und die Ausbildung des zu
ihm gehörigen mitteloligocänen Stettiner Sandes, von welchem
unter Berlin bisher nur in dem Bohrloch auf dem llamlmrger
Bahnliof (s. wie oben S. 14) sich eine geringe Spur als Eoidsetzung
Uebersicht der Berliner Soolboliruiis'eii.
1
364 Gr. Bbkendt, Die Soolbohrangen im VVeicLbildö der Stadt Berlin.
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9 Meter Grenzbildung. Oranienplat:
G, BhRENriT, Die SoolboLningen im Weiclibilde der Stadt Berlin. 3ß5
zeigte. Dagegen lässt sich sogar eine in dein Spandauer Bohrloch
s. Z. recht anftallige , besonders tiefe Auswaschung durch die di-
luvialen Gewässer deutlich auch unter Berlin in ihrer Fortsetzung
erkennen. Während nämlich in den übrigen Berliner Bohrlöchern
bereits bei 40 — 52 Meter Tiefe die märkische Brannkohlenbildung
angetroften wurde, geht die diluviale Auswaschung in den beiden
im Süden und Südosteu Berlins gelegenen Bohrlöchern Friedricli-
strasse No. 8 und Luiseunfer No. 22 bis 116 bezw. 126 Aleter, also
auf fast das Dreifache hinab und hat im ersteren Falle die gesammte
Brannkohlenbildung, im letzteren ausserdem auch noch den ober-
oligocäneu Meeressand völlig zerstört, grade so wie solches in
dem Spandauer Bohrloch bei einer Auswaschung Ins zu 120 Aleter
Tiefe mit der Brannkohlenbildung der Fall gewesen ist.
Im übrigen springt ohne Zweifel grade in erster Reihe die
fast horizontale Lagerung und im Zusammenhänge damit die ver-
hältuissmässig grosse Uebereinstimmung in der Mächtigkeit der
entsprechenden Formationsglieder in die Augen. Schwankt doch
die Alächtigkeit der Brannkohlenbildung (s. d. Tabelle) nur zwischen
38 und 49 Aleter; diejenige des oberoligocäneu Aleeressandes
zwischen 38 und 50 Aleter. Etwas grösser ist die Schwankung
bereits im Mittel- Oligocän, bewegt sich aber auch hier immer
noch in den Grenzen von 70 — 100 Aleter, während man über die
Alächtigkeit des Unter-Oligocäu um deswillen kein Urtheil hat,
weil in 4 Bohrlöchern die Bohrung innerhalb desselben eingestellt
wurde.
Fast noch grösser ist die erwähnte Horizoutalität der Lagerung,
welche sich in Anbetracht dessen, dass die Ansatzpunkte sämmt-
licher Bohrungen ungefähr die gleiche Höhe, diejenige der alten
Thalsohle, inuehalten, ebenfalls aus der Uebersichtstabelle un-
mittelbar ableseii lässt. So bewegt sich die untere Grenze des
mitteloligocäuen Septarienthoues, trotz der erwähnten grössten
Schwankung seiner Mächtigkeit nur zwischen 206 und 237 Meter;
9 Die nur 24 Meter betragende Mächtigkeit im Bohrloch Oranienplatz kommt
auf Rechnung der oben erwähnten diluvialen Auswaschung, durch welche die
Braunkohlenbildung hier sogar gänzlich zerstört wurde.
36G Gr- Berendt, Die Soolbobrungen im Weicbbilde der Stadt Berlin.
diejenige des oberoligocäiien Meeressandes zwischen 128 und
140 und diejenige des Miocän zwischen 84 und 93 Meter unter
Oberfläche.
Auch die untere Grenze des Diluviums zeigt, wenn man die
erwähnte, mit zweien der Bohrlöcher getroffene Auswaschung zu-
nächst ausser Betracht lässt, nur Schwankungen zwischen 40 und
52 Meter unter Oberfläche. Aus diesem Grunde nehme ich auch
Anstand, die im Uebrigen durch Verbindung der entsprechenden
Punkte zwischen den verschiedenen Bohrlöchern leicht herzu-
stellenden Profile auszuzeichnen; glaube vielmehr anuehmen zu
dürfen, dass die Grenze auch zwischen Diluvium und Tertiär der
Hauptsache nach horizontal verläuft und nur eine mehr oder
weniger schmale, wie die Zahlen zeigen, fast dreifach tiefe Aus-
waschungsrinne von den beiden genannten Bohrlöchern getroffen
worden ist.
Wenn somit schon früher auf Grund der gesammten Lage-
ruugsverhältuisse der Berliner Gegend meinerseits angenommen
werden musste, dass das Berliner Hauptthal mit seiner Eutstehung
bis in’s Unter-Diluvium zurückgreift, so würde nunmehr geradezu
Grund vorliegeu zu der Auuahme einer flussbettartio-eii schon in
die tertiäre Unterlage eingeschnittenen Rinne in der Richtung
Berlin — Spandau, d. h. iu der Richtung des Berliner Hauptthaies.
Ja es fehlt auch nicht an Andeutungen, dass diese Rinne wiederum
keine einfach gradlinige, sondern ganz entsprechend den Windungen
eines wirklichen Flusses eiue mehr oder weniger schlangenförmig
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gewundene gewesen. Dafür spricht wenigstens der Umstand, dass
das iu der Thalrichtung eiuigermaassen gradlinig unterhalb der in
Rede stehenden beiden Bohrlöcher Luisenufer No. 22 (Oranien-
platz) und Friedrichstrasse 8 (nahe Bellealliauceplatz) gelegene
Bohrloch Lützovvstrasse nichts von einer Rinne erkennen lässt,
während sich eiue Andeutung der Nähe einer grösseren Tiefe
vielleicht eher aus dem Bohrloch im Geueralstabsgebäude erkennen
lässt, wo die Mächtigkeit des Diluviums plötzlich von 50 auf bei-
nahe 80 Meter auwächst.
G. BERitxhT, Die Soolbolirungeii im Weiclibilde der Stadt Berlin. 367
Die Soole der Berliner Tiefbohrlöclier.
Es erül)rigt ziiin Schluss wohl noch ein Wort über die Soole
selbst, welche die eigentliche Veranlassung zur Absinkung sämint-
licher Bohrlöcher und damit zur völligen Klarlegung der tieferen
Untergruudsverhältnisse Berlins gewesen ist. An sämmtlichen der
genannten Punkte ist sie, wie erwähnt, aus unteroligocänen
Schichten bis zu Tage steigend getrofien und zu Badezwecken in
ebenso vielen Zweiganstalten des Adiniralsgartenljades nutzbar ge-
macht worden.
Geheimer Hofrath Professor Dr. R. Fresenius in Wiesbaden
hat unter Mitwirkung seines Sohnes, des Professor Dr. II. Fre-
senius den grösseren Theil der mit besonderen Namen belegten
Soolr|nellen der eingehendsten Unteisucluing unterzogen und die
betreffenden chemischen Analysen in ebenso vielen besonderen
Heften 1) der Oeflentlichkeit übergeben. Nach den Schlussergeb-
uissen dieser Analysen ist die folgende Tabelle zusammengestellt.
Aus der tabellarischen Uebersicht der in den verschiedenen
Berliner Soolcj^uellen nachgewiesenen festen Bestandtheile ergiebt
sich sofort, dass gegenüber der Admiralsgartenbad -Quelle sämmt-
liche von den verschiedenen Zweigaustalten in Gebrauch ge-
nommenen Soolquellen zwar etwas ärmer an Kochsalz und an
gelösten Bestandtheilen überhaupt sind, dass sie derselben jedoch
besonders hinsichtlich des Gehaltes au werthvollen Nebeubestand-
theileii, wie sie für Heilzwecke e:ei’ade Ausschlag gebend, sehr
ähnlich sind. Ihrer gemeinsamen Entstehung aus der Auslaugung
eines und desselben unterirdischen Steinsalzlagers dürfte kaum
das doch immerhin geringe Schwanken des Verhältnisses der ein-
zelnen Bestandtheile zu einander widersprechen. Dieses Schwanken
dürfte vielmehr demjenigen in den verschiedenen Theilen des
Salzlagers selbst entsprechen. Sämmtliche Berliner Soolquellen
erscheinen in gewissem Grade nur als eine, durch mehr oder
weniger Beimengung süsser Wasser abgestufte und je nach ihrem
Ursprünge vorwiegend aus dem einen oder anderen Theile des
b Wiesbaden in C. W. Kreidel’s Verlag 1888, 1889 und 1890.
üebei'siclit der Ziisammeiisetziiiig' der Berliner Sooiquellen.
Die kolilensauren Salze sind als wasserfreie Bikarbonate und sämmtliclie Salze ohne Krystallwasser berechnet.
1
368 G- Berendt, Die Soolboliningen im Woichbilde der Stadt Berlin.
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Salzlaäiers an sich schon in etwas verschiedene Salzlösung. Im
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grossen Ganzen geht aber doch atis den vorliegenden Zahlen her-
vor, dass mit dem geringeren Gehalt an Chlornatrinm selbst auch
der Gehalt au den übrigen Bestaudtheilen abuimmt.
Um hervortreteu zu lassen, in welchen Fällen wirkliche Ab-
weichungen nach der anderen Seite hin stattflndeu, sind die
betreffenden Zahlen durch fetteren Druck hervorgehoben. Es
sind im Ganzen 35 unter 100. Dabei stellt sich die grösste
Zahl der Abweichungen bei den Soolqnellen Bonifacius und Paul I
(11 bezw. 10 unter 20), sowie die eigeuthümliche Thatsache
heraus, dass mit abnehmendem Kochsalzgehalt (Chlornatrium) der
entsprechende Gypsgehalt (schwefelsaurer Kalk) steigt ^), die Ad-
miralsgartenbadqnelle somit gerade den niedrigsten Gypsgehalt
besitzt.
Es scheint daraus hervorziigeheu, dass auch die hiuznge-
treteuen süssen Wasser ans der Nachbarschaft des Salzlagers
stammen, wo sie sich in dem dasselbe begleitenden Gyps mit
schwefelsaurer Kalklösnug beladen konnten und demgemäss daun
je nach der Menge ihres Hinzntreteus zur Salzlösung den Gehalt an
schwefelsanrem Kalk erhöhen mussten. In 3 Fällen, beim Maugau-
oxydnl, borsanren Kalk und der Kieselsäure, zeigt die Admirals-
garteubadcjnelle ebenfalls den geringsten Gehalt, während im
übrigen jedoch die Abstufung in der im Allgemeinen hervorge-
hobeueu Weise stattfindet.
Diese Abstufung sowie die enge Zusammengehörigkeit
sämmtlicher Berliner Soolqnellen ergiebt sich noch klarer aus den
nachfolgenden, ebeuffxlls nach eleu FRESENius’schen Angaben ge-
machten Zusammenstellungen, deren Hauptzweck ist, zu zeigen,
welche Stellung die Berliner Soole hinsichtlich der für Heilzwecke
besonders in Betracht kommenden Bestandtheile unter andern Sool-
quelleu ähnlichen Charakters einnimmt.
b In einem Falle (Quelle Bonifacius) sogar ganz ausnahmsweise.
Jahrbuch 1889.
24
G. EiiitENDT, Die SoolbohruDgcn im Weichbilde der Stadt Berlin.
Vergleicliung' des Gehaltes au Chloriiateiuin.
In 1000 Theilen
Pyrmont 32,00
Rehme 31,25
Nauheim (Friedr. Wilh. Sprudel) . . . 29,29
Admiralsgartenbadquelle .... 26,71
Arteru 24,49
Quelle »Martha« 24,36
Quelle »Bouifacius« 24,00
Hall (in Würtemberg) 23,80
Quelle »Louise« 23,65
Quelle »Paul I« 23,13
Nauheim (grosser Sprudel) 21,82
Kolberg (Wilhelmsquelle) 21,08
Nauheim (kleiner Sprudel) 17,14
Kreuznach (Orauienquelle) 14,15
Kreuznach (Elisenquelle) 9,49
Dürkheim (Bleichbruuuen) 9,25
Münster am Stein 7,00
G. Berendt, Die Soolbohriingen ini Woichbilde der Stadt Berlin 371
Verg’leiclmiig' des Gehaltes an Chloniiagnesiuni.
In 1000 Tlieilen
Pyrmont 1,336
Kehme 1,1 72
Quelle Bonifaciiis 0,683
Quelle »Martha^) 0,644
Kolberg (Wilhelinsquelle) 0,631
Arteru 0,610
Quelle »Paul I« 0,604
Quelle »Louise« 0,599
Nauheim (Friedr. Willi. Sprudel) . . . 0,526
Nauheim (grosser Sprudel) 0,440
Nauheim (kleiner Sprudel) 0,368
Dürkheim (Bleichbruimen) 0,235
Münster am Stein 0,168
Kreuznach (Elisenrpielle) 0,033
Hall (in Würtemberg) 0,032
Kreuznach (Orauienquelle) —
b Bei der Admiralsgartenbadquello ist Chlorcalcium und Clilormagnesium
nicht getrennt worden und beträgt in Summa I,16Theilo, mithin etwas mehr
als die Summe bei Quelle Martha, welche 1,073 beträgt.
•24*
372 G- Berendt, Die SoolboliruDgen im Weichbilclo der Stadt Berlin.
Vergleichung des Gehaltes an Chlorcalciiim.
In
1000 T hei len
Nauheim (Friedr. Willi. Sprudel) .
3,325
Kreuznach (Oranieuquelle)
2,960
Dürkheim (Bleichbrunneii)
1,942
Kreuznach (Elisenquelle) ....
1,727
Nauheim (grosser Sprudel)
1,700
Kolberg (Wilhehnsc[uelle) ....
1,561
Nauheim (kleiner Sprudel)
1,260
Münster am Stein
1,216
Quelle »Martha« ^)
0,429
Q u e 1 1 e » P a u 1 I «
0,390
Quelle »Louise«
0,354
Quelle »Bonifacius»
0,088
Artern
Hall (in Würtemberg)
Rehme
Pyrmont
b Siebe vorige Anmerkung.
G. Bekendt, Die Soolbolirungcn im Weiclibilcle der Stadt Berlin. 373
Vergleichung des Gehaltes an Bronmatriuiu
In 1000 Tlieilen
Kreuznach (Orauienquelle) 0,259
Münster am Stein 0,075
Kolberg (Wilhelmsquelle) 0,050
Kreuznach (Elisenquelle) 0,045
Admiralsgartenbadc|uelle . . . . 0,021
Dürkheim (Bleichlu-uunen) 0,020
Quelle »Martha« 0,020
Q u e 1 1 e » L o u i s e « 0,0 1 8
Quelle »Bonifacius« 0,016
Q u e 1 1 e » P a u 1 I « 0,0 1 3
Nauheim (Friedr. Willi. Sprudel) . . . 0,009
Nauheim (grosser Sprudel) 0,007
Nauheim (kleiner Sprudel) 0,005
Rehme 0,00 1
Artern —
Hall (in Würtemberg) —
Pyrmont . —
') Bei den Soolqnellen, in deren Analysen das Brom als Brominagnosinm
aufgeführt ist, wurde auf Bromnatrium umgerechnet.
374 G. Berendt, Die Soolbohrungen im Weichbilde der Stadt Berlin.
Vergleichung des Gehaltes an
Jodnatrium ^).
In 1000 Theilen
Dürkheim (Bleichbrunueu) .
. . 0,001900
Kreuznach (Oraiiienquelle) .
. . 0,001500
Kolberg (Wilhelmsquelle)
. . 0.000879
Quelle »Paul 1«
. . 0,000662
A dm ir als garten badquelle .
. . 0,0006
Quelle »Martha« ....
. . 0,000597
Quelle »Louise« ....
. . 0,000572
Quelle » B 0 n i f a c i u s « . . .
. . 0,000545
Kreuznach (Elisenquelle) .
. . 0,000420
Nauheim (Friedr. Willi. Sprudel)
Spur
Nauheim (grosser Sprudel) .
. . . —
Nauheim (kleiner Sprudel) .
. . . —
Münster am Stein
nicht bestimmt
Arteru
. . . —
Hall (iu Würtemberg) ....
. . . —
Pyrmont
. . . —
Kehme
—
’) Bei den Soolquellen, in deren Analysen das Jod als Jodmagnesium be-
rechnet -worden ist, hat eine Umrechnung auf Jodnatrium des Vergleichs halber
stattgefunden.
G. Bere.n'dt, Dio Soolbohrungpn im Weiclibildo dor Sladt Berlin. 37
Vergleichniift- des Gehaltes an scliwefelsaiirem Kalk.
In 1000 Theilen
Pyrmont 5,406
Arteru 4,290
H;ill (in Würteinberg) 4,100
Rehme 2,950
Quelle »Bonifacius« 0,939
Q u e 1 1 e » P a 11 1 I « 0,398
Quelle »Louise« 0,376
Quelle »Martha» 0,364
Kolberg (Wilhelmsquelle) . . . . 0,156
Admiralsgarteubadquelle . . . 0,297
Nauheim (Friedr. Willi. Sprudel) . . 0,035
Nauheim (grosser Sprudel) .... 0,035
Dürkheim (Bleichbrunneu) .... 0,032
Nauheim (kleiner Sprudel) .... 0,019
Kreuzuach (Eliseuqiielle) —
Kreuznach (Oranienquelle) .... —
Münster am Stein —
376 G. BiiHEN'DT, Die Soolbohningen im Weichbilde der Stadt Berlin.
Man ersieht aus diesen Zusammenstellungen sofort, dass die
Berliner Soolqiiellen hinsichts der für Heilzwecke besonders in
Betracht kommenden Bestandtheile den Quellen von Nauheim,
Kreuznach und Kolberg am nächsten stehen und lautet daher
auch das Urtheil des genannten, auf diesem Gebiete maassgebeu-
sten Chemikers (a. a. O.) betreffs der 5 von ihm untersuchten
Berliner Soolquelleu, dass sie »insbesondere den berühmten
Quellen von Nauheim und Kreuznach in vieler Hin-
sicht ähnlich« sind.
Sämmtliche Berliner Soolquelleu gehören ausserdem zu den-
jenigen, welche sich vermöge ilu’es mittleren Kochsalzgehaltes,
2 — 2^2 pCt. (Admiralsgartenbadquelle 2,7 pCt.), nach der Ansicht
maassgeheuder Balneologeu direct und somit am meisten zu Sool-
bädern eignen Q.
h Vergl. R. Fue.sunius, Cheni. Analyse der Wilhelmsqiielle im »neuen Sool-
baJe« zu Kolberg. Wiesbaden, C. W. Kreiclel’s Verlag, 18S2, S. 3 u. 4.
A b h a n d 1 11 11 g e 11
von
ausserhalb der Königl. geologischen Landesaustalt
stehenden Personen.
Jahrbuch 1889,
[1]
Die Tiefenverliältiiisse der Masnriselien Seen.
Von Herrn W. Ule iu Halle a. S.
(Hierzu Tafel VI — X.)
Von jeher ist das norddeutsche Tiefland wegen der Mannig-
faltigkeit seiner Oberllächenformen und der Buntheit seines Ge-
steinsinaterials der Geo;eustand wisseuschaftlicher Forschnuo^ o-e-
wesen. Kanin ein zweites Gebiet der Erde hat soviel zur Aufstellung
von Hypothesen und Theorien Veranlassung gegeben als der nörd-
liche Theil unserer deutschen Heiinath. Bald erblickte man iu den
Ablagerungen des norddeutschen Bodens den Absatz einer von
Norden her katastrophenartig hereingebrochenen Fluth, bald galten
die erratischen Blöcke als Zeugen einstiger vulkanischer Thätigkeit,
bald wieder erschien das Land als der Boden eines mächtigen
Aleeres, bedeckt mit zahlreichem Treibeis, und heute glaubt
mau in der mauuigfaltigeu Bodengestalt die Wirkungen eines von
Skandinavien bis zur mitteidentscheu Gebirgsschwelle sich er-
streckenden Gletschers zu erkennen, eine Annahme, für deren
Biehtigkeit die Beweise dank den unermüdlichen Forschungen der
Gelehrten sich so gehäuft haben, dass man die diluviale Ver-
eisung Norddeutschlauds geradezu als eine geologische Thatsache
zu betrachten wagt. Gleichwohl dürfen wir uns nicht verhehlen,
dass wir auch a;eo;euwärtis: noch nicht am Ende der Untersuchung
stehen. Noch ist der norddeutsche Boden nicht iu allen seinen
Theilen hinreichend erforscht; noch sind in demselben Entdeckungen
[1*1
4
W. Ule, Die Tiefenverliältnisse der Masurlsclien Seen.
möglich, welche alle bisher aufgestellten Ansichten über die Ent-
stehung dieses Landes zu erschüttern im Stande sein können.
Zur Vollendung dieses grossen wissenschaftlichen Bauwerkes be-
darf es noch reichlicher Thätigkeit und mühevoller Arbeit.
Eine der auffallendsten Erscheinungen des norddeutschen
Flachlandes ist imstreitig das massenhafte Vorkommen von Seen
und seenartigen Flüssen. Wie schon auf der Karte die blauen
Flecke die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so vermögen noch
weit mehr die reizenden Wasserbecken das Aug-e des Wanderers
zu fesseln, und der in diesen Landen reisende Forscher wird bei
dem Anblick dieser Naturerscheinungen sich eines tieferen Ein-
drucks nicht erwehren können. Ganz von selbst wird sich in
ihm mächtig: der Drang nach einer wissenschaftlichen Erklärung
dieses Phänomens rege machen. Gerade diesem Umstand ist
es vielleicht zuzuschreiben, dass wir über die Entstehung der
norddeutschen Seen noch weit mehr Theorien besitzen als über
den Aufbau des Landes selbst. Alit jedem Jahre mehren sich
die Ansichten über die Ursachen der Seeubildung und man kann
wohl sagen, dass mit jedem neuen Forscher, der in das baltische
Seengebiet hineingezogen ist, auch eine neue Theorie entstanden
ist. Auch hier stehen wir noch keineswegs am Ende der For-
schung. Dass uns immer wieder neue Ansichten gebracht werden,
beweist ja eben, wie wenig die bisherigen ausreichend gewesen
sind fiir das gesammte Seenphänomen im norddeutschen Flach-
lande. Es fehlt zur Zeit auch hier noch au grundlegendem
Alaterial. Alan sollte nicht zu frühzeitig diese Naturerscheinung
erklären wollen; erst wenn das ganze Seengebiet hinreichend
durchforscht ist, kann mau an die Aufstellung einer allgemeinen
Theorie herantreten.
Zwei Punkte sind es, welche in erster Linie innerhalb des
ganzen Bereiches der norddeutschen Seen festgestellt werden
müssen : der geologische Aufbau des Bodens und die orographischeu
Verhältnisse der Erdoberfläche. Durch die im Auftrag der
Regierung iu’s AVerk gesetzte kartographische und geologische
Landesaufnahme sehen wir mehr und mehr der Erledigung dieser
beiden Fragen entgegen. Indessen gehört in das Bereich dieser
W. Ule, Die Tiefenverliültnisse der Masurischen Seen.
5
Aufnahme bisher nicht die Bestimmung der Tiefenverhältuisse der
Seen hinein. Auf den Preussischen Messtischl)lätteru finden wir
nur allgemeine Angaben über die Tiefen der Wasserbecken,
welche uns aber in die Bodenform der Seen keinen Einblick ge-
statten. Und doch ist gerade ein solcher von ausserordentlichem
w erthe. Erst die Kenntuiss der Oliertlächeugestalt unter dem
Seesjn'egel ermöglicht uns in vielen Fällen, eine zutreffende Er-
klärung über die Entstehung der Seen zu geben. Es genügt
hier keineswegs die Auslothung an einzelnen willkürlich gewählten
Stellen, sondern die Hinzuziehung der Tiefenverhältnisse der
Seen zu einer Erklärung der Entstehung derselben darf erst ge-
schehen, wenn der Verlauf der Isohypsen in derselben Weise wie
auf dem Lande oberhalb des Seespiegels festgestellt ist. In
jüngster Zeit hat man die Nothwendigkeit solcher Tiefenkarten
der Seen auch mehr und mehr anerkannt. Besonders hervorzu-
heben sind für unser Gebiet die vortrefflichen orographischen
Karten einiger Mecklenburger Seen, welche Geinitz jüngst ver-
öffentlicht hat 1).
In der Absicht, nach dieser Richtung hin ebenfalls einen Bei-
trag zur Lösung der so anziehenden baltischen Seenfrage zu
liefern , hat sich der Verfasser im August des Jahres 1888
nach dem durch zahlreiche Seen besonders ausgezeichneten
Masurenland begeben, um daselbst durch möglichst sorgfältige
Alessuugeii die Tiefenverhältuisse einiger jener Wasserbecken
festzustellen.
Bevor wir nun zur Besprechung der Ergebnisse dieser LTnter-
suchungen selbst übergehen, möge uns erst eine kurze
Physikalische Skizze des Masureulandes
mit dem in Rede stehenden Gebiete näher bekannt machen.
Unter Masuren liegreift man gemeinhin den südlichen Theil
der Provinz Ost - Preusseu. Eine genaue Umgrenzung dieser
Landschaft, für welche der Name »Alasuren« erst in verhältiiiss-
b F. E. Geinitz, Die Seen, Moore und Flussläufe Mecklenburgs. Güstrow,
1886.
6
W. Ule, Die Tiefen Verhältnisse der Masurischen Seen.
massig neuer Zeit in Gebrauch gekommen ist, lässt sich nicht
geben l).
Orographisch ist Masuren ein Theil der grossen längs der
Südküste der Ostsee sich hinzieheuden baltischen Seenplatte,
welche gerade hier ihre höchste Erhebung zeigt. Nachdem dieser
norddeutsche Höheuzug in dem heute von der Weichsel durch-
flossenen Thale eine tiefe Einsenkung erhdiren hat, erhebt er sich
als preussische Seeu^ilatte oder auch als Masurischer Landrücken
in erzgebii'gischer Streichrichtung, also parallel zu dem pommer-
scheu Höheuzug, bis zu einer mittleren Höhe von etwa 200 Metern.
In dem Kernsdorfer Berge steigt das Land sogar bis zu 313
Metern au und auch in dem Goldapper Hochland übei-ragt der
Seesker Berg noch um 109 Meter die mittlere Erhebung Masurens.
Doch nicht in überall gleicher Höhe durchzieht die Gebirgs-
schwelle das Land; au mehreren Stellen erfährt dieselbe bedeutende
Einsenknngen. Die grossartigste und ausgedehnteste ist diejenige,
welche durch die grossen Wasserbecken, den Mauei’-See, Löwentiu-
See und Spirding-See gekennzeichnet wii’d, deren Spiegel nur
116,4 Meter über der Ostsee gelegen ist. Jedoch auch innerhalb
dieser Einseukuug finden sich immerhin noch zahlreiche Er-
hebungen von 180 Meter bis 200 Meter. Nördlich und westlich
vom Löwentiu-See und nördlich und nordöstlich vom Spirding-
See überi’agen die Höhen noch um 80 Meter bis 90 Meter den
Spiegel der Seen.
Landschaftlich wird das Masurische Gebiet gekennzeichnet
als eine bald flachwellige, bald mit zahlreichen wirr an einander
gereihten Hügeln besetzte Bodenfläche. Diese »Masurische Land-
schaft«, wie sie Jentzsch neunen will finden wir in der
ganzen Ausdehnung der preussischen Seenplatte. Das sanftwellige,
plateauartige Land tritt uns meist als das tiefer gelegene ent-
gegen. Dasselbe ist von zahlreichen Elussthälern durchbrochen.
In dem weichen Gesteinsmaterial hat das fliesseude Wasser über-
all tiefe, steilwaudige Rinnen in die sonst gleichmässig verlaufende
9 M. Toeppen, Geschichte Masurens. Danzig, 1870. (S. Einleitung.)
9 A. Jentzsch, Das Relief der Provinz Preussen. (Schriften der physikalisch-
ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg. 1876.)
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
7
Eodeiifläclie eingesclmitten. Selbst die kleiusteu Bäche haheii
sich hier eine tiefe Furche gegraben und oft genügt ein starker
Gewitterregen, um in der Mitte einer sanft geböschten Midde
eine solche Thalrinne auszuwaschen.
In den höher sich erhebenden Gebieten Masurens finden
w'ir daoeo;eu zahlreiche , oft zu Hü2;elreiheu vereinte Bers’e,
welche dem Lande zuweilen einen so wirren Ausdruck geben,
dass die Bewohner des ebeneren Landes demselben sehr treffend
die Bezeichnung »bucklige Welt«^) beigelegt haben. Man würde
sich am besten von einer solchen Gegend ein Abbild schafien
können, wenn man durch ein Sieb mit möglichst verschieden ge-
formten Löchern auf ein schon unebenes Land abwechselnd Sand
und Mergel fallen lassen wollte. Die so entstehende kleine
Gebiro-swelt würde vortrefflich den Charakter der Masurischen
o
Landscliaft wiedergeben.
Zwischen den zahlreichen Hügeln befinden sich naturgemäss
vielgestaltige Becken, die meist von Wasser ausgefüllt sind, häufig
aber auch von Mooren eingenommen werden. Diese bald kreis-
runden, bald länglich geformten Vertiefungen vereinigen sich zu-
weilen zu grösseren Bodensenken, die, wenn sie ebenfalls mit
AVasser angefüllt wurden, dann jene grossen, weit ausgedehnten
Seen bilden. Neben solchen weite Flächen bedeckenden Seen
erblicken wir im Masurenland auch eine Anzahl lang gezogener,
flussartiger Wasserrinuen, die meist in NW. — SO., also herey-
nischer Streichrichtung, nicht viel weniger häufig jedoch auch
in erzf>:ebiro'ischer Streichrichtuno- das Land durchziehen. Ist
der Spirding - See ein vortreffliches Beispiel für Flächenseen,
so haben wir in unmittelbarer Nähe in der langen Kette des
Khein’schem Sees, Talter- Gewässers und Beidahn -Sees ein aus-
gezeichnetes Bild eines Flusssees, wie wir jene Wasserbecken,
ohne dabei auf den Ursprung hinzuweisen, kurz nennen wollen.
Diese flussartigen Seenketten bilden oft eine in sich zurück-
laufende Linie, was durch einen Blick auf die Karte leicht
D H. Schröder, Ueber zwei neue Fundpunkte mariner Diluvialconchylien in
Ostpreussen. (Jabrb. der Preuss. geol. Landesanstalt für 1885.)
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masuriscben Seen.
erkannt werden kann. Eine grosse Anzahl kleiner, selbständiger
Wasserbecken trägt endlich zur Belebung des Laudschaftsbildes
noch wesentlich bei.
Die Seen Masureus stehen unter einander vielfach in einer
natürlichen oder künstlichen Verbindung. Es ist besonders in
dem Gebiete der grossen Seen mitten durch den Landrücken
hindurch eine grossartige Wasserstrasse geschallen. Vom Spirding-
See kann mau durch das Talter- Gewässer auf Kanälen durch
den Taltowisko-See, Schimon-See in den Jagodner- und Löweutin-
See gelangen. Von hier aus führt ein kurzer Kanal weiter in den
Kissaiu-See, der durch den Dargainen- und Kirsaiteu-See mit dem
Mauer- See verbunden ist, somit also durch die Angerapp einen
Schiffahrtsweg nach dem Pregel gestattet. Auf der anderen Seite
entwässert dagegen der Spirding-See durch die Pissek nach Polen
zu ab. Nur wenige Meter hätte der Spiegel der grossen masu-
rischen Seen sich zu erheben brauchen, um diese von Menschen-
hand geschallene Wasserstrasse sich selbst zu bilden.
Weben wir in die vorstehende Schilderung des Masuren-
landes zu der Fülle der Bodeugestaltungeu, zu den zahlreichen
Hügeln und Thäleim, zu den Seen und Flüssen noch die herr-
lichen Laub- und Nadelholzwälder, die saftiggrüiien Wiesen,
belebt von Kinder- und Pferdeheerden, die wogenden Felder und
die vielen Gehöfte und Ortschaften mit ein, so erhalten wir ein
Bild, das an Anmuth und Schönheit in der That seines Gleichen
sucht, darum aber auch mit Kecht von Einheimischen und Keiseu-
den gerühmt und gepriesen wird.
So mannigfaltig die orographischen Verhältnisse des Landes
gestaltet sind, so einfach erscheint uns sein geologischer Aufbau.
Nirgends tritt uns in Masuren das Grundgebirge entgegen ;
überall ist dasselbe von einer über 100 Meter mächtigen Diluvial-
decke verhüllt. Sande, Grande und Lehme bilden im bunten
Wechsel die Obertläche des Landes. Zuweilen treten auch
mächtige Geröllanhäufuugen an ihre Stelle. Am häutigsten ist
jedoch der sogenannte Obere Geschiebemergel die Deckschicht so-
wohl auf den Gipfeln der Berge wie auf dem Boden der Senken
und Mulden. Nicht selten wird dieser Geschiebemergel von Sanden
durchrao't. Auf weite Strecken hin bilden auch unterdiluviale
O
W. Ut,E, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
9
Sande den Grnnd und Boden. Leider ist gerade dieses Gebiet
der Provinz Preussen noch nicht geologisch durchforscht, sodass
ein tieferes Eingehen darauf nicht möglich ist.
Aus der vorstehenden Schilderung der orographischen und
geologischen Verhältnisse Masurens geht deutlich hervor, dass wir
es hier mit jener typischen Landschaft zu thun haljen, für welche
die neueren Geologen die Bezeichnung »Moränenlandschaft« ein-
geführt wissen wollen, iijdem sie das vorhandene Gesteinsmaterial
als die Grundmoräne der grossen Vereisung Norddentschlands
aufl’assen. Diese Oberflächengestalt, durch welche die preussische
Seenplatte gekennzeichnet wird, finden wir aber überall in dem
baltischen Landrücken in mehr oder weniger veränderter Form
wieder und man ist wohl berechtigt, aus der Gleichartigkeit der
Landschaft auch auf die einheitliche Entstebnng derselben zu
schliessen. Daher wird eine genauere geologische oder oro-
graphische Untersuchung nur eines kleinen Theils der baltischen
Seenplatte doch zur Erkenntniss der gesammteu Erscheinung
beitragen. Auf diese Weise erhält auch das Ergebuiss der vom
Verfasser ausgeführten Tiefenmessungen in einigen der Masurischen
Seen eine allgemeinere Bedeutung. Dasselbe lässt vor allem
eine Prüfung der bisherigen Theorien über die Entstehung der
Oberflächengestalt im norddeutschen Flachlande zu, denen anderen
Orts gemachte Erfahrnngen zu Grunde liegen.
Ehe wir jedoch zu der orographischen Betrachtung des vom
Verfasser genauer untersuchten Gebietes schreiten wollen, mögen
noch einige Mittheiluimen über
Die Beschaffung des Materials
hier eingeschaltet werden.
Für die Seeumgel)iing gestatten uns die von dem Prenssischen
ö Ö ö
Generalstabe herausgegebenen Messtischblätter einen genügenden
Einblick in die orographischen Verhältnisse des Landes. Da
dieselben noch nicht im Handel erschienen waren, musste der
Verfasser sich Copien davon von dem Chef der Prenssischen
Landesaufnahme erbitten, die auch bereitwilligst gegen Erstattung
der Herstellungskosten geliefert wurden.
Für die Tiefenverhältnisse der Seen lag ebenfalls fertiges
10
W. Ui.E, Die Tiefenverhältiiisse der Masurischen Seen.
Material schon zum Theil vor, iiulem von dem Oberfischermeister
Herrn Hanptmann Sceiba in Lötzen während der letzten Jahre
in allen grösseren Masurischen Seen Lothungen ausgeführt worden
sind. Dank dem freundlichen Entgegenkommen dieses Herrn
konnte der Verfasser von einer grossen Anzahl dieser Tiefeukarten
ebenfalls Copien erhalten. Dadurch wurde es ermöglicht, die
Untersuchungen viel weiter auszudehnen, als von Anfang an
beabsichtigt war, was den Werth der ganzen Arbeit sicher er-
höhen dürfte
Noch ehe der Verfasser von den Alessungen des Herrn Haupt-
mann Sceiba Kunde erhielt, hatte er bereits selbst Lothungen aus-
geführt. Dieselben bezogen sich auf den ATauer-See, Kirsaiten-See,
Dargainen- See, Kissain-See, Labab-See und den Doben’schen
See. Letztere beiden Wasserbecken waren überhaupt auf ihre
Tiefenverhältiiisse noch nicht untersucht worden. Auch im
Löwentin-See sind von dem Verfasser einiure Alessuno’en voro;e-
nominell worden, welche zur Prüfung der vom Fischereiamt an-
gefertigten Karten dienen sollten. Bei der Besprechung der
einzelnen Seen wird die Art der Ausmessung jedes Alal be-
sonders aua-eo-eben werden.
O O
Da eine Erweiteruuo' der Kenntnis der See-Tiefen innerhalb
O
des baltischen Höhenzuges immer mehr nothwendig geworden ist,
so iiiaa: es afestattet sein, an dieser Stelle auch die bei der
Auslothuiia: der Masurischen Seen in Anweuduna: aekommenen
Methoden eingehend zu besprechen, einmal um dadurch weitere
derartige Untersuchungen zu erleichtern, dann aber auch um auf
diese Weise vielleicht ein möglichst einheitliches Verfahren für
die Ausmessung sämmtlicher Seen Norddeutschlands zu schafien.
Den meisten der vom Fischereiamt in Lötzen mir über-
lassenen Tiefenkarten liegen Messungen zu Grunde, welche in der
Zeit der Eisbedeckuna der Seen voraenommen worden sind.
O O
*) Es ist mir eine angenehme Pttieht, an dieser Stelle der Erau Gräfin
Lehndohf in Steinort am Mauer-See für die liebenswürdige Unterstützung bei
meinen Messungen aufrichtigen Dank zu sagen. Auch Herrn Dr. Alfred Jentzsch
in Königsberg, der mir -vielfach mit seinem Kath helfend beigestanden hat, bin
ich grossen Dank schuldig.
W. Ule, Die Tiefenverliiiltnisse der Masurisclien Seen.
11
In dieser Zeit lässt sich eine Methode auwenden, die unstreitig
zu den sichersten Ergebnissen führt, aber es erfordert auch
zweifellos gerade diese Art der Anslothung den grössten Zeitauf-
wand. Wie auf dem ebenen Lande etwa zu dein Zweck einer
Eiseubahnanlage, können über den See gerade Linien abgesteckt
werden, längs welcher daun nach mit der Messkette allgemessenen
Zwischenräumen gelothet wird. 'Wenn man jedoch bedenkt, dass
an jeder Lothungsstelle ein Loch in das meist mehrere Decimeter
starke Eis eino-ehauen werden muss, dass ferner zu dem Absteckeu
der Linien mehrere Männer uöthig sind, so wird man leicht ein-
sehen, dass der Werth solcher genauen Ergebnisse doch nicht
im Einklang steht mit dem grossen Aufwand von Zeit und Kosten.
M^eit billiger und einfacher ist eine Auslothnng der Seen
vom Boote aus. Allerdings ist das Ergehniss dann keineswegs
ein durchaus zuverlässiges. ludess es kommt bei der Bestimmung
der Bodenform eines Sees auf eine so ausserordentliche Genauig-
keit garnicht au; es genügt vollständig, wenn die Bodenplastik
der Seen in ihren grossen Zügen festgestellt wird und dazu
reicht die nachstehend angegebene Alethode ans. Dieselbe er-
möfflicht innerhalb kurzer Zeit eine grosse Anzahl von Alessnngeu
und erfordert nur einen Alaun, der allerdings ein kundiger Fischer
sein muss, als Hilfe.
Auf Grund der Erfahrungen, welche der Verfasser liei der
Anslothung der gegen die Vlasurischeu Seeurieseu fast winzig
kleinen Alansfelder Seen sammeln konnte , war von der sonst
allgemein für diese Zwecke vorgeschlageueu Alethode, die Lothnngs-
puukte vom Boot selbst ans mittelst Bonssole festzulegen , abge-
sehen worden, ebenso wie auch eine andere Art der Fixirung der
Ijothstelleu mittelst Einvisirung vom Ufer ans durch dort aufge-
stellte Beobachter in Anbetracht der Grösse der Vlasurischeu
Seen und in Ermangeluuo’ hierzu geeigneter Leute aufgegeben
werden musste. Unter solchen Umständen erschien die folgende
Viethode allein zweckmässig.
Nach einer oberflächlichen Besichtigung der örtlichen Ver-
Ö ö
hältuisse der Seenmgebuug wurden zunächst am Ufer weithin
sichtbare Gegenstände — einzelne Häuser, Vlühleu, Kirchthürme,
12
\¥. Ule, Die Tiefenverljältnissc der Masuriscben Seen.
hervorrageutle Bäume etc. — aufgesucbt und zwischen diesen
dann Linien über den See hinweg gelegt, längs welcher nachher
gelothet werden sollte. Vor Beginn einer Ueberfahrt über den
See wurde die Abfahrtsstelle mittelst Sextanten oder Boussole
"enau festo-elea:t. Dasselbe geschah mit der Ankunflsstelle auf
dem gegenüberliegenden Ufer. Die Bestimmung der Bichtuug
während der Fahrt selbst erfolgte durch einen doppelten Wiukel-
spiegel. Derselbe ermöglicht jederzeit eine Prüfung, ob sich
das Boot noch genan in der Linie von Abfahrtsstelle und Ziel-
punkt befindet. Die Lothnngen wurden nach gleichen Zwischen-
räumen ausgeführt. Es ist diese Art der Eintheilung der Strecke
nach Zeit weit zweckmässiger als die durch Abzählen von Rnder-
schlägen, da man sich hierbei ausserordentlich leicht versehen
kann , auch die Buderschläge bei etwas bewegter See sehr
verschiedene Wirkung haben. Voraussetzung ist allerdings bei
der Eintheilung der Fahrstrecke nach Zeit, dass man einen
geübten und möglichst gleichmässig arbeitenden Ruderer hat.
Einen solchen wird man aber an den fischreichen Seen unter
den Umwohnern stets finden können. Zur Sicherheit der auf
diese Weise ausgeführten Fixirung der Lothungspunkte ist es
thunlich, während der Fahrt mit Hilfe des doppelten Winkel-
spiegels noch einige die Fahrrichtung schneidende Linien über
den See zu legen und diese bei der betreffenden Lothung zu
vermerken. Solche zur Prüfung zahlreich ansgeführte Messungen
gaben den Beweis, dass die Ortsbestimmnng durch Zeitintervalle
vollständig zuverlässig war. Auch stimmten die vom Verfasser
auf die angegebene Weise gemachten Lothungen meist gut mit
den bei Eisbedecknng gepeilten Tiefen überein.
Als Lothapparat diente ein aus starkem Blech gefertigtes und
mit Blei beschwertes cylindrisches Gefäss, das unten etwas ko-
nisch zulief und dessen Boden aus einem Klajipventil bestand.
Bei lockerem Seeuntergrund sinkt dieses Loth mit dem geöffneten
Ventil tief in den Boden ein und füllt sich dann bei dem Hoch-
ziehen mit dem Bodensatz au. Wo der Apparat ohne Gesteins-
material wieder zur Oberfläche kommt, kann ohne Bedenken auf
felsigen oder steinigen Untergrund geschlossen werden.
\V. Ur.K, Die Tieferiverliältnisse der Masurisclien Seen.
13
Die Lotlileine tlieilt mau zweckmässig so nach Metern ah,
dass man die ersten 10 Meter durch weisse, die zweiten durch
rothe Farbe etc. kenntlich macht. Es erleichtert eine solche Vor-
richtung wesentlich das Abzählen, indem stets nur bis 10 gezählt
zu werden braucht und z. B. roth 7 einfach 17 Meter bedeutet.
Das Gestell, auf welchem die Leiue aufgerollt war, mag durch
nachstehende Figair verausehaulicht werden. Ein aus verschieden
B B’
langen Holmen bestehender Bock trug an dem Ende des kürzeren
Holmen eine Trommel (AA^), auf welche die Leine aufgerollt
wurde. Die längeren Holme verband dagegen eine einfache
Rolle (RZ?i), üher welche die Lothleine (6') hinweggleitet. Die
grössere Länge dieser Holme hatte den Zweck, bei dem Hinab-
lassen des Gewichtes ein Schleifen der Leine an dem Boote zu
verhindern. Mit Flülfe dieses äusserst bequemen Lothapparates
war zu einer Messung, sobald die Tiefe weniger als 20 Meter
betrug, noch nicht eine halbe Minute erforderlich, und sell)st bei
Tiefen von 40 Meter dauerte eine vollständige Lothung kaum
eine ganze Minute.
Das auf die anrree:ebene Weise beschaffte Material ist in den
beigefügten Tafeln niedergelegt.
Herstellung der Tafeln.
Die Karten auf den Tafeln VI — IX sind im Maassstabe von
1 : 100000 angefertigt. Die Isohypsen sind in Ilöhenabstäuden von
14
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurisclien Seen.
25 Decimalfuss = 9,4 Meter o-ezo2:en; die beio-efüa;ten Zahlen be-
ziehen sich auf den Spiegel der Ostsee. Die blauen Linien inner-
halb der Seen sind dagegen Linien gleicher Tiefe vom Seespiegel
aus. Die ausgezogeuen Isobatheu entsprechen Höheustufeu von
10 Meter, die puuktirten solchen von 5 Meter.
Der Grund für die Annahme verschiedener Höhenstufen für
Land- und Seebecken liegt einfach darin, dass auf den Preussischen
Messtischblättern noch die Isohypsen in Decimalfussabständen ge-
zeichnet sind. Dieser Unterschied der Höhenstufeu ist jedoch so
gering, dass er noch innerhalb der Fehlergrenzen der Tiefen-
messungen liegt; derselbe beträgt nur 6 pCt.
Auf die Schwankungen des Seespiegels innerhalb eines Jahres
ist bei der Herstellung der Tiefenkarteu keine Kücksicht genommen,
da dieselben nicht von hohem Betrage sind.
Die Tiefenkarteu enthalten folgende Seen:
Tafel VI. Mauer-See mit dem kleinen Mauer-See, Pristanien-
See und Bodma-See, Schwenzait-See, Kirsaiteu-See, Dargaineu-
See, Kissain-See, Labab-See, Doben’scher See.
Tafel VII. Löwentin-See, Saiten-See, Jagodner-See, Grosser
und Kleiner Hensel-See, Gurkler-See.
Tafel VIII. Taltowisko-See, Orlener-See, Ollof-See, Rhein-
scher See, Talter- Gewässer, Beldahu-See, Kleiner Gusziu-See,
W igriuuer - See.
Tafel IX. Spirding - See, Lidtuainer See, Warnold - See,
Sexter-See, Biallolafker See.
Während ims Tafel VI und IX, zum Theil auch Tafel VII
vortreffliche Beispiele für tlächenartig ausgedehnte Seen liefern,
bietet uns Tafel VIII ein ausgezeichnetes Beispiel für die soge-
nannten Flussseeu.
Auf Tafel X sind endlich eine Reihe von Profilen der unter-
suchten Seen zur Darstellung gekommen. Bei diesen Zeichnungen
ist für Länge und Höhe der gleiche Viaassstab 1 : 10000 in An-
wenduno; e;ebracht worden. Hierauf ist ganz besonderes Gewicht
\V. üle, Die Tiefenve.rhältnisse der Masurischen Seen.
15
zu legen, weil nur auf solche Weise ein naturgetreues Bild von
der Form der Seebeckeu geschaffen wird. Eine Ueberhöhung, wie
sie z. B. Geinitz in seiner Abhandlung über die Mecklenburger
Seen bringt, kann nur zu leicht zu falschen Vorstellungen und
Schlüssen Veranlassung geben.
Die Profile sind nun nicht blos auf das Seebeckeu beschränkt,
sondern dieselben sind auch auf die LTfer ausgedehnt, um das
orographische Bild der Seeumgelmng unmittelbar mit dem des
Seeuuterofruudes vergleichen zu können.
Tiefenverliältiiisse der einzelnen Seen.
Der Mauer-See
wurde im August 1888 vom Verfasser und im Winter 1886/87
von Fischerei -Beamten bei Eisbedeckung ausgelothet. Da der
vom Fischereiamt angefertigteu Karte nicht gerade sehr genaue
Messungen zu Grunde zu liegen schienen, so wurden bei der
ITerstelluug der Tiefenkarte dieses Sees wesentlich die Alessungen
des Verfassers benützt.
Der Mauer-See bedeckt eine Fläche von 15,65 Quadrat-Kilo-
meter. Fälschlich wird auf den Karten von Deutschland dieser
Name auf den ganzen Seencomplex übertragen, welcher in der
Tafel VI uns vorliegt. Dem Mauer-See fällt davon nur der nörd-
liebste Teil zu und auch dieser nicht ganz , indem der nordwest-
liche Ausläufer als Pristauien-See, ferner der durch die Insel Krug
Upalten abgegrenzte Theil als Kleiner Mauer-See und endlich der
südöstliche Theil als Bodma-See bezeichnet wird. Da diese letzt-
genannten Seen jedoch ein gemeinsames Wasserbecken bilden, so
mögen dieselben auch zugleich besprochen werden.
Diese mächtige Wasserfläche, deren längste Erstreckung
8 Kilometer, deren .Breite aber first überall 5 Kilometer beträgt,
ist 116,4 Meter über dem Spiegel der Ostsee gelegen. Ihre Land-
umgebung ist eine sehr verschiedenartige. Allt steilem Abfall
treten die diluvialen, meist von Geschiebemergel bedeckten Hügel
längs der ganzen Westküste an den See heran. Nur dort, wo der
Stobbener See sich von dem Mauer- See abzweigt, treten die
16
W. Ule, Die Tiefenverliältriisse der Masuviscben Seen.
Höhen in einem weiten nach Osten geöftueten Bogen vom Ufer
zurück, nm freilich nördlich von Stohbeu wieder nm so dichter
dem See sich zu nahen. Der Pristanien- See ist rings von steil,
zuweilen ganz schrofip abstürzeiiden Ufern umgeben; doch setzt
sich der nördliche Zipfel desselben auch auf dem Lande als eine
Senke fort. Steil ragt auch die Thiergartenspitze noch weit hinaus
in die Wasserfläche. Dann senkt sich nach Angerbnrg hin das
Land und bleibt auf der ganzen Ostküste nur wenig über dem
Seespiegel erhoben. Saude bilden hier zumeist den Boden. Be-
sonders flach ist ferner die Umgrenzung des Bodma-Sees und
vor allem bildet die Landzunge, welche den Maner-See von dem
südlich davon gelegenen Dargaineu-See trennt, nur eine ganz un-
bedeutende Landerhebuno;. Diese niedrio-eu Ufer setzen sich in
der Insel Wittfoug, welche den Maner-See von dem Kirsaiten-See
abschliesst, und zunächst auch in dem Steinorter Gebiet fort; hier
aber steigt das Land sehr bald wieder an und fällt au mehreren
Stellen in stellen Gehängen zum Wasser ab. Die Wasser-
fläche innerhalb dieser Umrahmnng erfährt nur in der ziemlich
ausgedehnten Insel Krug Upalten eine Unterhrechnug. Doch auch
diese in ihrer längsten Erstreckung von N. nach S. gerichtete
Insel erhebt sich nur wenig über dem Seespiegel.
Das Becken dieses grossen Sees ist nun keineswegs so ein-
heitlich gestaltet, als es oberflächlich erscheinen möchte. Die
fast quadratische Wasserfläche zerfällt ihrem Untergründe nach
in einen bis zu 38,5 Meter tiefen nördlichen und einen weit
flacheren südlichen Theil. Von dem Pristanien-See beginnend zieht
sich eine riuneuartige Einsenkung von meist über 30 Meter Tiefe
in NW.-SO.-Richtuug durch den ganzen See hindurch. Umgekehrt
setzt sich die Insel Upalten unter dem Seespiegel noch weit nach
Süden als eine Untiefe fort und trennt so in der That ein beson-
deres Becken, den Kleinen Maner-See ab. Ganz abgesondert und
nur durch die 10 Meter-Linie mit dem übrigen Seebeckeu ver-
bunden liegt endlich in dem nordöstlichen Ausläufer noch eine
tiefe Bodensenke von 30 Meter.
Die tiefste Stelle des ganzen Wasserbeckens finden wir an
der Grenze zwischen Mauer-See nnd Pristauieu-See ; dieselbe be-
W. Ule, Die Tiefenverhältnisso der Masurischen Seen.
17
trägt 38,5 Meter und zeigt besonders nach Westen und Süden
eine steile Böschung. Aber auch zwischen der Thiergartenspitze
und der Insel Krug Upalteu, sowie in dem von dieser Insel öst-
lich gelegenen Theile sind Tiefen von 36 und 37 Meter wieder-
holt gelothet worden. Ausserordentlich flach erscheint demgegen-
über der ganze südliche Theil, der nirgends grössei’e Tiefen als
12 Meter aufweist. Auch der kleine Mauer- See hat an seiner
tiefsten Stelle nur 13,5 Meter.
Der Untergrund des Mauer- Sees wird von einem sehr kalk-
reichen, mergeligen Schlamm gebildet.
Von dem flachen Bodma-See führt uns ein ebenfalls nur
wenige Aleter tiefer natürlicher Kanal in den
Schwenzait-See.
In einer von W. nach O. gerichteten Längserstreckuug von
5 Kilometer und in einer Breite von kaum 1,5 Kilometer bildet diese
8,29 Quadrat-Kilometer grosse Wasserfläche einen nicht unbedeu-
tenden Anhängsel des Mauer-Sees, von dem sie nur durch niedrige
Uanderhebuugen getrennt wird. Im Uebrigen ist dagegen die
Umrahmuno; dieses Sees meist ein ziemlich steil ansteig-endes
Ufergehäuge. Nur im Osten grenzt ihn ein flacheres Land nach
dem grossen Streugelu-See hin ab, und im Süden ist eine bucht-
artige Erweiterung des Sees auch auf dem Laude noch als eine
Einseukung zu erkennen. Der Boden dieser Wasserfläche, die
durch zwei kleine Inseln geschmückt ist, zeigt nach den Messungen
des Fischereiamtes ein verhältnissmässig ebenes Becken, das nur
nach den steilen Ufern im Norden hin auch unterhalb des Wassei’-
spiegels steil austeigt. Hier erreicht der See in kurzer Ent-
fernung vom Ufer seine grössten Tiefen von 20 und 24 Meter.
D er Verlauf der Isobathen entspricht ganz dem Verlaufe der Iso-
hypsen in der Seeumgebuug.
Au den Mauer-See schliesst sich im Süden nur durch zwei
schmale und seichte Wasserstrassen O. und W. von der Insel
Wittfong mit ihm verbunden, ein kleines rings von sehr flachen
Ufern umgebenes Wasserbecken,
Jahrbuch 1889,
[2]
W. Ule, Die Tiefenverliältnisse der Masurischen Seen.
der Kirsaiten-See,
an. Die vom Verfasser im Au2;ust 1888 hier aus£reführten
Lothiingen ergaben , dass die grösste Tiefe dieses Sees nur
7 Meter beträgt. Bei einer Senkung des Wasserspiegels um
5 Meter würde der See zu einem kleinen Teiche zusammeu-
schrumpfen ; schon eine Erniedrigung der Seeflilche um 2 Meter
würde denselben aber zu einem selbstständigen Wasserbecken
machen. Der Bodensatz ist reich au Diatomeen. Nach Süden
wird der Kirsaiten-See durch die Insel Kirsaiten abgeschlossen,
die mit dem Lande östlich und westlich durch eine Untiefe in
Verbindung steht.
Südlich dieser unterseeischen Scheide erstreckt sich der
19,79 Quadratkilometer grosse
Dargainen-See.
Der Tiefenkarte desselben liegen ebenfalls die im August 1888
vom Verfasser ausgeführten Lothuugeu zu Grunde. Die vom
Fischereiamt ausgeführteu Messungen dienten ziir Prüfung der-
selben. Die Breite des Dargaiuen-Sees beträgt in nordsüdlicher
Richtuno- 5,5 Kilometer, in ostwestlicher Richtung dagegen 3 bis
O 7 J Ö O o
4 Kilometer. Die Höhe des Wasserspiegels über der Ostsee ist
gleich der des Mauer- Sees, also 116,4 Meter.
Die Ufer sind im Norden, wie bereits erwähnt, sehr flach.
Auch das Steinorter Gebiet erhebt sich nur sehr allmählich um
15 Meter über dem Seespiegel. Das flache Nordufer setzt sich
zunächst auch auf der Ostseite des Sees fort, steigt aber dann
bei Neu-Harszeu ziemlich bedeutend au und bleibt mit wenigen
Unterbrechungen auf der ganzen Südseite ein mehr oder weniger
steiles Gehänge. Nur in den durch die Uferliuien schon erkennt-
lichen Buchten treten auch auf dem Land die Hügel in einem
nach der See hin ofieneu Bogen zurück ; so in der SO.-Ecke uach
dem Grossen und Kleinen Skars-See, ferner bei Poganten und
Roggen. Auch die Königsspitze erhebt sich nur wenig über dem
Wasser. Auf der W. -Seite geht die Wasserfläche ohne äusserlich
wahrnehmbare Scheide in den Kissain-See über. Doch deuten
die S. -Spitze der Steinorter Landzunge und die Köuigsspitze die
W. Üle, Die Tiefenverliältnisse der Masurisclien Seen.
19
Grenze zwischen den beiden Seen an. Betrachten wir die Tiefen-
karte dieses Wasserbeckens, so tritt uns ein au die S. -Spitze
von Kleinort in südöstlicher Richtung sich anschliessender, unter-
seeischer Höhenrücken entgegen, als dessen östliche Erhebung
eine kleine Insel über dem Wasser erscheint. Dieser den Um-
wohnern wohlbekannte Wall bildet die eigentliche W. -Grenze des
Dargäinen-Sees.
Das östlich davon gelegene Wasserbecken zeigt nun keines-
wegs eine einheitlich geformte Bodensenke , sondern auch hier
ist der Boden eine wellige, von grösseren oder geringeren Er-
hebungen durchsetzte Fläche. Die bedeutendsten Tiefen treten
uns im südöstlichen Theile entgegen. Doch steht der Meistbetrag
derselben von 29,5 Meter noch um beinah 10 Meter hinter dem
des Mauer- Sees zurück. Der nördliche, von niedrigen Ufern
umgebene Theil ist der flachste und ebenste; nur nach Osten
hin senkt sich auch hier der Boden bis zu 25 Meter herab.
Unmittelbar vor der östlichen Spitze der Steinorter Landzunge
haben wir ebenfalls ein vereinzeltes Becken von 20 Meter Tiefe.
Im Allgemeinen bildet jedoch dieser See keine bedeutende Boden-
senkung.
Der Untergrund besteht ans einem kalkreichen, an organischen
Resten reichen Schlamm.
Noch weniger tief als der Dargainen-See senkt sich der
westlich davon gelegene
Kissain-See
in das Land ein, obwohl an einer Stelle desselben das Loth eben-
falls erst in einer Tiefe von 28 Meter den Grund erreicht. Da
sich an den Kissain-See ohne jegliche Grenze der 19,80 Quadrat-
kilometer grosse
Lötzen’sche Kissain-See
anschliesst, so mögen beide auch eine gemeinsame Besprechung
erfahren. Dieser gesammte Kissain-See dehnt sich in der Richtung
von NNW. nach SSO. in einer Länge von 10 Kilometer aus, hat
aber mit Ausnahme seines nördlichen, nach beiden Seiten ober-
flächlich unbegrenzten Theiles nirgends eine grössere Breite als
20 W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
3 Kilometer. Seine Ufer wechseln fortwährend als steile und
flache Gehänge. Die Uferlinie selbst ist überall mannigfaltig ge-
bogen und nirgends finden wir innerhalb unseres Gebietes wieder
eine solche Häufung von Inseln als in dem südlichen Kissain-See.
Das nördliche Steinorter Ufer, das wenn auch nicht unmittelbar,
so doch in kurzer Entfernung vom See nicht unbedeutend an-
steigt, zeigt ebenfalls einen vielfach gekrümmten Verlauf. .Längs
des Klein -Steinorter Sees bildet dasselbe eine weit in das Land
eingreifende Bucht, welche bei Hebung des Seespiegels um wenige
Meter den Kissain-See um 1,5 Kilometer nach N. hin erweitern
würde. Die östliche Umrahmuno; besteht zunächst aus eiuiiren
dicht an den See herautretenden Hügeln, die sich nach S. hin
mehr und mehr abseuken und immer weiter sich von dem Wasser
zurückziehen. In die niedrige Seeumgebung sind hier mehrere
kleinere Seen eingebettet, so der Tritt-See und der Woysak-See.
Steiler erhebt sich das östliche Ufer erst wieder im südlichen
Theile aus dem Wasser. Doch zeifft auch hier die Umrahmuur>:
noch einmal eine grössere Eiusenkung, welche heute von dem
nach dem Löweutin-See führenden Kanal eingenommen wird.
Auf der o;au/.en S.- Seite fällt dao-eo-en das Ufer schroff nach dem
See hin ab, eine natürliche Mauer gegen den Löwentin-See
und Tayta-See bildend. Auch im W. setzen sich diese steilen
Ufergehänge fort, die jedoch in ihrem weiteren Verlauf mehr-
mals Unterbrechungen dadurch erfahren, dass bald den Hügeln
ein flaches Land vorgelagert ist, bald der See eine Bucht tief in
das Land hinein erstreckt. Am weitesten schneidet der Kalte
Winkel in das W.-Ufer ein. Nördlich von dieser Bucht bis zur
NO. -Ecke der Faulhödener Spitze verflacht sich das Steilufer
allmählich. Nach NW., also nach dem Labab-See hin ist
der Kissain-See ebensowenig wie nach dem Dargainen-See durch
eiue äusserlich sichtbare Linie abffefjreuzt. Indess lassen uns
einige Schilfinseln in dem See , sowie der weit nach S. vor-
raffeude Bo<2:eu der nördlichen Uferlinie westlich vom Klein-Stein-
orter-See vermutheu, dass sich auch hier unterhalb des Seespiegels
ein Greuzrücken zwischen den beiden Wasserbecken befindet.
Die vorgenommenen Lothuugen bestätigten in der That diese
Vermuthuug.
W. Ule, Die Tiefenverhiiltnisse der Masurischen Seen.
21
Das so nach allen Seiten abgeschlossene Seebecken zeigt uns
in seiner Bodenform ein ausserordentlich buntes Bild. Dem ver-
wickelten Verlauf der Uferliuien und der Isohypsen auf dem
Laude entsprechen ganz die zahlreichen Krümmungen der Isobathen.
Der nördliche Theil des Sees zeigt in seiner Bodeugestaltung
noch die einfachste Form; es ist ein einheitliches Becken mit
einer deutlichen Längserstreckung von V'NW. nach OSO. Der
übri<re Theil ist dagegen eine im wesentlichen von NNW. nach
SSO. gerichtete Bodensenke. Besonders deutlich tritt diese
llichtung in der schmalen Kinne hervor, welche sich längs des
O.-Ufers hinzieht. Das von zahlreichen Inseln durchsetzte Gebiet
des Sees ist übei’all sehr flach; nirgends finden wir eine tiefere
Eiusenkunpf als 10 Meter. Anders verhält es sich mit dem insei-
o
freien Theile des Kissain-Sees; hier erreicht das Loth an zahl-
reichen Stellen erst in einer Tiefe von 20 Meter den LTutergruud.
Die tiefste Stelle von 28 Meter finden wir nordwestlich von der
Königsspitze. Die 10 Meter-Isobathe biegt au dieser Stelle weit
nach O. aus, ebenso wie sie auch nach NW. nach dem Labab-
See in einer grossen Bucht sich ausdehut. Südlich von der Linie
Faulhödener Spitze — Königsspitze erhebt sich inselartig eine Un-
tiefe von nur 2 Meter, welche aber nach S. wieder in eine Senke
von 2.3 Meter abfällt. Nach einer abermaligen Erhebung des
Untergrundes treten uns dann nochmals in einzelnen Becken
Tiefen von 23 und 24 Meter entgegen. Der Boden des Kissain-
Sees erscheint also auch in seinem nördlichen Theile starkhügelig.
Eine Senkung des Seespiegels um 10 Meter würde hier ein ebenso
inselreiches Wasserbecken schafieu, als es jetzt im südlichen
Kissain-See vorhanden ist.
Der Untergrund besteht zumeist aus einem kalkreichen
Schlamm. An einzelnen Stellen erweist sich der Boden als sandig.
Vielfach ist er mit zahlreichem Gerölle bedeckt, z. B. längs der
Faulhödener Spitze und längs des O.-Ufers bis zu der ersten
kleinen Insel.
Zeigt sich schon in dem Kissain-See eine Abnahme der
Wassertiefe gegenüber dem Mauer- und Dargainen-See, so ver-
flachen sich die Wasserbecken östlich davon noch mehr.
22
W. Ülb, Die Tiefenverhältnisse der Masurisclien Seen.
Der Labab-See
weist nach den vom Verfasser ausgeführteu Lotbuugeu als Maximal-
tiefe nur 14 Meter anf. Dieses nur 2,5 Kilometer lange und
1.5 Kilometer breite Wasserbecken wird anf der "anzeu N. -Seite
von steil ansteigenden Höhen begleitet. Im Westen senkt sich
da£re2:en das Ufer zu einem breiten von einem Bach durchflossenen
Thale. Jenseits desselben erhebt sich das W.-Ufer dann wieder
ein wenig, fällt aber auch hier nach dem Labab-See sehr sanft ab.
Die S.- Grenze gegen den Doben’schen See wird durch einen
Vorsprung des Landes und durch die NW. -Ecke der Fanlhödener
Spitze gekennzeichnet. In der Fortsetzung der Landzungen zieht
sich ein unterseeischer Hügelrückeu durch das Wasserbecken,
welcher dem Befehrer des Sees auch oberflächlich durch mehrere
Schilfiuselu sichtbar ist.
Das kleine Wasserbecken nördlich dieser Untiefe zeigt ein
verhältnissmässig einfaches Bodenrelief entsprechend der nord-
östlichen und westlichen Seenmgebung. Gleichwohl ist der
Untergrund von Bodenwellen durchsetzt, wie wir deutlich aus
dem Verlauf der 10 Meter-Isobathe erkennen können.
Der Untergrund ist wiederum ein sehr kalkhaltiger Schlamm.
Längs des Nordufers findet sich der Boden vielfach mit Geröll
bedeckt.
Das letzte zu dem grossen Seen-Komplex gehörende Wasser-
becken ist der ebenfalls 116,4 Meter hohe
Doben’sche See.
Derselbe ist im Verhältniss zu seiner Ausdehnung — der See
misst bei einer Länge von 5 Kilometer und einer Breite von
4.5 Kilometer 17,76 Quadratkilometer — eine sehr flache Land-
einsenkung.
Das Ufer ist auf der Fanlhödener Spitze zunächst flach,
steigt aber nach S. mehr und mehr an und senkt sich erst am
S.-Ende des Ortes Faulhöden wieder bedeutend herab, indem die
Höhen hier in einem weiten Bogen vom See znrücktreten.
Das S.-Ufer wird dagegen ebenfalls von steil nach dem Wasser
abfallenden Hügelketten gebildet, die oft als schmale Landzungen
W. Ule, Die Tiefeiiverbältnisse der Masurischen Seen.
23
weit iu den See hiuausragen. Mit dem Beginn des W. -Ufers
neigt sich das Land und bei Dobeu selbst beginnt schon ein
verhältnissniässig flaches Gelände. In dieses erstreckt sich etwa
1 Kilometer nördlich von Doben eine über 2 Kilometer lanofe,
vielfach verästelte Bucht, au deren Eingang ein steil aus dem
Wasser aufragender Hügel steht. Während das W. -Ende der
Bucht im allgemeinen von höheren Erhebungen begrenzt wird,
zeigt das N.-Ufer derselben nur ein flachwelliges Land, das sich
erst nach der Grenze zum Labab-See hin wieder etwas steiler
aus dem See erhebt. Die Wasserfläche selbst wird in malerischer
AVeise von der kegelförmig aus dem Wasser aufrageudeu Insel
AViszocki, sowie auch durch die noch weit höhere, dicht bewaldete
Doben’sche Insel unterbrochen. Diese über Wasser schroff an-
steigenden Inseln werden fast auf allen Seiten von einem flachen
Gebiet umgeben. Der Untergrund ist hier von Geröll bedeckt.
Erst in einiger Entfernung von der Insel senkt sich der Boden
des Sees wieder in" steilerer Böschung ab. Diese Erscheinung,
dass einem Steilufer eine schmale Terrasse vorgelagert ist, kann
man überall dort beobachten, wo das Ufergehäuge gleichsam wie
durch Erosion abgewaschen ist.
Ausser den beiden genannten Inseln finden wir noch im
südöstlichen Theil des Sees einige unansehnliche Eilande. Ferner
lässt auch eine Schilfinsel südlich von AViszocki auf eine Untiefe
mitten im See schliessen.
Aus den zahlreichen Erhebungen des Seebodens folgt,
dass der Untergrund auch dieses Wasserbeckens ausserordentlich
mannigfaltig gestaltet ist. Die grösste Tiefe von 1 9,5 Meter finden
wir nördlich von Wiszocki. Am flachsten erscheint uns der See
im O. ; während sich der westliche Theil nicht selten unter
1 5 Meter herabsenkt, trefi'en wir dort an keiner Stelle eine solche
Tiefe an. Ein unterseeischer Hügelrücken, der sich äusscrlich
durch luselu zu erkennen giebt, trennt das flache östliche von
dem tieferen westlichen Becken.
Der Bodensatz besteht zumeist aus einem mit organischen
Resten stark durchsetzten Schlamm, der sich zuweilen etwas
sandig zeigt.
24
W. Ule, Die Tiefenverbältnisse der Masurischen Seen.
Die Auslotliung dieses Sees gescdiah im September 1888
durch deu Vei’fasser.
Wir verlassen nunmehr das auf den Karten fälschlich als
Mauer- See bezeichnete Seengehiet und begehen uns zu dem an
den Lötzen’schen Kissain-See sich anschliessende Land. Vergl.
Tafel VII.
Wenn auch unmittelbar durch eine hohe Hügelkette von dem
Kissain-See getrennt, so doch durch eine breite Bodensenke, die
heute auch als Wasserstrasse benutzt wird, mit diesem Wasser-
becken verbunden, dehnt sich hier der 25,36 Quadratkilometer
grosse
Löwentin-See
aus. Seine Ausmessung verdanken wir den Herren Hofer und
Korbjuhn, welche in demselben im Jahre 1884 vom Boote aus
zahlreiche Peilungen vorgeuommen haben.
Betrachten wir zunächst wieder die Umgebung dieses Sees,
dessen Spiegel um 0,31 Meter höher als der Mauer -See gelegen
ist, also eine Seehöhe von 116,7 Meter aufweist, so finden wir
eine grosse Maunigfiiltigkeit. Bald treten steile Gehänge unmittel-
bar an den See heran, bald bildet eine sanftwellige Landschaft
das Ufer, bald umrahmen flache, zuweilen moorige Niederungen
die Wasserfläche. Oestlich von der Stadt Lötzeu treffen wir zu-
nächst auf einen solchen niedrigen, theilweise moorigen Boden.
Derselbe wird aber in einiger Entfernung vom See durch be-
trächtliche Höhen abgegrenzt. Dieser Höheuzug nähert sich in
einem grossen Bogen allmählich dem See, tritt auf kurze Zeit
unmittelbar au denselben heran, weicht aber daun wieder bedeutend
zurück, ein kleines selbständiges Wasserbecken von 9 Meter Tiefe
umschliesseud. Nachdem südlich dieses Sees das Ufer noch ein-
mal als steileres Gehänge erscheint, begleitet deu See weiterhin
auf der O.- Seite nur ein flachwelliges, meist sandiges Terrain,
das sich ebenfalls wieder an grössere Erhellungen aulehut. Den-
selben Charakter zeigt das S.-Ufer. Die das flachere Land
umrahmenden Hügelketten treten im SO. bis auf 2 Kilometer
von dem Löwentin-See zurück. Weiter nach W. nähern sich da-
ereueu diese Höhen wieder der Wasserfläche. Ein äusserst flaches
O O
W. Ule, Die Tiefenverbältnisse der Masurisclien Seen.
25
Land scldiesst dann den See nach SW. ab, in welcher Richtung
der See auch eine natürliche Verbindung mit dem Saiten-See hat.
Läno;s der W.- Seite bilden wieder steilere Erhebnnffen die Um-
randnng, denen zuweilen noch schmale Niederungen vorgelagert
sind, welche auch unter dem Seespiegel sich als seichte Sand-
bänke fortsetzen. Nach NW. erweitert sich der See bedeutend.
Das Ufer senkt sich hier an mehreren Stellen herab und bildet
z. B. nach dem Tayta-See hin ein breites Thal, sodass bei
geringem Steigen des Wasserspiegels beide Seen in eine Verbin-
dung treten würden. Nördlich dieser Thalsenke erhebt sich das
Land in den zum Theil natürlichen Wällen der Feste Boyen
wieder zu ansehnlicheren Höhen.
Der Boden des äusserlich nur wenig gegliederten Löweutiu-
Sees zeigt uns ein sehr wirres und buntes Bild. Der Ver-
lauf der Isobathen lässt auf eine grosse Mauuigftiltigkeit in der
Gestaltnuff des Uutera;rnndes schliessen. Zwar weist die Karte
innerhalb der Seefläche nur eine Insel auf; aber dem Befahrer
des Sees deuten mehrere Schilfinseln das Vorhandensein weiterer
Erhebungen des Seebodens an, und eine geringe Senkung des
Wasserspiegels würde noch an zahlreichen Stellen festes Land
aus dem Wasser hervortreten lassen. Zugleich haben die vor-
geuommenen Messungen ergeben, dass der Untergrund auch eine
gi’osse Zahl von einander unabhängiger Vertiefungen besitzt.
Beide Erscheinnngen beweisen eben, dass unter dem Spiegel des
Löwentiu-Sees eine Landschaft begraben liegt, welche wir oben
als »bucklige Welt« bezeichueten und die als typisch für das
Masnreuland gilt.
Eine genauere Betrachtung der Tiefenkarte lehrt, dass der See
in seiner ganzen Breite von einem Höhenrücken durchzogen wird,
der bei einer Erniedrigung des Spiegels von nur 7 Meter das
Wasserbecken in zwei selbständige Seen zerlegen würde. Aeusser-
lich wird der unterseeische Höhenzug durch den östlichsten Vor-
sprung des Westufers und die genannte Insel erkennbar. Diese
an mehreren Stellen über 2 Kilometer breite Bodenerhebung ver-
zweigt sich wiederholt und schliesst so tiefere Becken ein. Ziem-
lich in der Mitte des Sees finden wir eine solche rings von Un-
26
W. Ule, Die Tiefenverhällnisse der Masii rischen Seen.
tiefen lungebene Senke von 18 Meter Tiefe. Von den beiden
Theilen des Löwentin - Sees ist der nördliche der bei weitem
tiefere. Kanin 800 Meter vom NO. -Ufer erreicht das Lotb erst
nach 37 Meter den Untergrund und in ungefähr derselben Ent-
fernung nordwestlich der Insel beträgt die Einsenkung nur 5 Meter
weniger. Ausserdem senkt sich noch an vielen Punkten der
Boden unter 20 Meter herab. Wenn auch dazwischen einijre
Untiefen von 5 und 6 Meter gelegen sind, so ist doch der mittlere
Betrag der Einsenkuug hier ein beträchtlich grösserer als der in
dem südlichen Theile. Dort finden wir nur an zwei Stellen eine
Tiefe von über 20 Meter. Im Allgemeinen flacht sich der See nach
S. mehr und mehr ab; besonders seicht ist der SO., während
nach dem SW. -Ende hin der See fast bis an seine Ausmünduus:
eine Tiefe von 10 Meter behält.
Der Bodensatz im Löwentin -See ist vielfech sandig, wie ja
auch an den Ufern der Boden meistens aus Saud besteht. Stellen-
weise ist der Grund mit Geröllen bedeckt.
Der östlich an den Löweutiu-See sich anlehnende Graywer-
See hat eine Maximaltiefe von 9 Meter.
Von der ^rossen Wasserfläche des Löwentin -Sees zweigen
sich sowohl nach SO. als nach SW. schmale, i’inueuartige Wasser-
becken ab, dei’en Spiegel sich um 0,31 Meter erhebt. Wir folgen
der nach SW. führenden Wasserstrasse und kommen zunächst
in den
Saiten-See,
ein ringsum von flachen Ufern umgebenes, aber doch 15 Meter
tiefes Wasserbecken. Die Auslothung dieses Sees, sowie die der
übrigen auf Tafel VII noch dargestellten Seen ist während der
Eisbedeckung von Fischereiaufsichtsbeamteu in den Jahren 1884
bis 87 ausgeführt worden.
Nur eine ganz niedrige Landzunge trennt den Saiten-See von
dem mannigfach gegliederten
Jagodner See.
In diesem tritt uns ganz der Typus eines sogenannten
Flusssees entgegen. Der Jagodner See ist fast auf allen Selten
O O O
W. Ule, Die Tiefen Verhältnisse der Masurischen Seen.
27
von flachen Ufern uinijeben. Auch die zahlreichen Landzunsei],
welche in den See hineinragen, sind niedrige Erhebungen, die
schon bei einem geringen Steigen des W asserspiegels wieder
verschwinden würden. Die über 8 Kilometer lange, aber meist
nur 1 Kilometer breite Wasserfläche bedeckt einschliesslich des
Grossen Hensel- und des Gurkler Sees ein Areal von nahezu
10 Quadratkilometer. Entsprechend der vielfachen Gliederung
in der (Testalt des Sees zeitrt auch das Bodenrelief eine grosse
Mannigfaltigkeit. Wir erkennen aus der Tiefenkarte, dass hier
keineswegs eine einheitliche Rinne vorliegt, sondern dass nur
die Aneinanderreihung mehrerer tieferer Becken dem Ganzen
das Aussehen eines Flusses giebt. Die Erhebungen, welche
die einzelnen Becken von einander scheiden, befinden sich zwar
zuweilen noch 15 Meter unter dem Seespiegel, allein gegen-
über den weit grösseren Tiefen in den Bodensenken treten sie
doch als nicht unbedeutende Höhen auf. Hervorzuhebeu ist,
dass die grössten Tiefen gerade in dem schmälsten Theile des
Sees gelothet wurden. So finden wir die Alaximaltiefe von
31 Meter nördlich von Jagodnen dort, wo die beiden Ufer sich
beinahe auf 500 Meter einander nähern. Die zweite l)eträchtlichere
Tiefe von 26 Meter begegnet uns etwas südlicher davon innerhalb
der grössten Einengung des Sees. Es ist dies die Stelle, wo von
NW. her ein Ilügelzug an den See herantritt. Die steilen
Böschungen der Erhebungen auf dem Laude scheinen sich auch
unter dem Wasserspiegel fortzusetzeu. Der nördliche breitere
Theil des Sees hat an einzelnen Punkten noch eine Tiefe von
17 Meter. Dagegen flacht sich das Becken nach S. in dem
Grossen Hensel-See bedeutend ab. Während aber der Boden des
Gurkler -Sees noch 8 Meter unter dem Spiegel gelegen ist, weist
der sich unmittelbar anschliessende Kleine Ilensel-See nur eine
Tiefe von 3 Meter auf. Der Untergrund des Jagodner Sees be-
steht nach Angaben des Fischereiamtes wesentlich aus Sand- und
Moorboden.
Von dem Grossen Ueusel-See gelaugt man durch einen künst-
liehen Wassergraben, den Schimouker Kanal zu dem nur 3 Aleter
tiefen
•28
W. Üle, Die TiefeBverbältnisse der Masurischen Seen.
Grossen S chi nio n- Se e.
Derselbe, rings von flachem Land nmgeben, erscheint uns
als der Lest eines alten jetzt als Hayte-Brnch noch erkennbaren
W asserbeckens.
Mit dem Schimon- See betreten wir das auf Tafel VIII dar-
gestellte Gebiet. Die nun folgenden Seen sind sämmtlich von
den Fischereiaufsichtsbeamten während der Eisbedeckung ausge-
O O
messen worden.
Der nächste See, in welchen uns wiederum ein Kanal von
dem Schimon-See ans führt, ist der 2,5 Meter tiefe Grosse Kotteck-
See. Sodann erreicht mau den 3,24 Quadratkilometer Fläche be-
deckenden
Taltowisko-See.
Dieses Wasserbecken liegt innerhalb eines ebenen, sanft-
welligen Landes. Nirgends zeigen sich an den Ufern steile Ge-
hänge. Um so mehr muss es daher auffallen, dass hier das Loth
erst nach 35 Meter den Grund erreichte. Innerhalb eines durch-
aus ebenen Landes enthüllen uns die Messungen eine ganz be-
deutende Eiusenkuug des Bodens. Indess nördlich und südlich
des Sees erheben sich kleine Hügel , dazwischen breitet sich
ebener Moorboden aus; nicht die wirkliche diluviale Oberfläche
des Landes, sondern ein in unbekannter Mächtigkeit darüber
lagernder Alluvialbodeu tritt uns also in der Seeumgebung ent-
gegen. Die zahlreichen aus dem Bruche hervorragenden Höhen
deuten auf eine jetzt verhüllte »bucklige Welt« hin. Auch
der Taltowisko-See erscheint demnach als der Rest eines einst
sich weit über die heutigen Ufer hinaus erstreckenden grossen
Sees. Das Becken des Taltowisko-Sees lässt deutlich eine von
NNW. nach SSO. gerichtete Längserstreckuug erkennen. Der
Untergrund ist sonst ziemlich gleichförmig gestaltet. Die mittelste
Rinne hat eine Tiefe von über 30 Meter. Die Maximaltiefe be-
trägt 35 Meter. Der Boden wird in dem flachen südlichen Ende
von Moor, im übrigen aber von einem sandigen Schlamm gebildet.
Wenige Kilometer nordöstlich vom Taltowisko-See erblicken
wir zwei kleine Wasserbecken, den Lawker See und den Kleinen
Schimon -See, welche beide durch einen künstlichen Graben mit
W. Ulk, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
29
dem Grossen Scliimon - See in Verbindung stellen. Diese Seen
sind bereits wieder in ein welligeres Land eingebettet. Ihr
Wasserspiegel erhebt sich nm etwa 5 Meter, indem die Oberfläche
des Lawker Sees 120,1 Meter, die des Kleinen Schimon - Sees
118,6 Meter über der Ostsee gelegen ist. Auch diese Becken
zeichnen sich durch eine verhältnissmässig grosse Tiefe aus. Der
0,78 Quadratkilometer bedeckende Lawker See senkt sich 17 Meter,
der um 0,4 Quadratkilometer kleinere Kleine Schimon- See noch
12 Meter in das Land ein.
Von dem Taltowisko-See fülirt uns nach Westen ein Kanal
durch ein flaches, theils mooriges Land in das Taltergewässer.
Damit betreten wir jenen lang ausgedehnten Seen -Komplex, der
uns schon oben als typisches Beispiel eines Flusssees iuteressirt hat.
Der Rhein’sche See, das T alter- Gew ässe r und der
Beidahn -See
bilden hier eine 30 Kilometer lange Wasserfläche, welche selbst
in ihrer grössten Breite noch nicht 2 Kilometer aufweist.
Ein Blick auf die Karte muss in der That die Vorstellung
erwecken, dass man es in diesen Seen mit einem alten Flussthal
zu thun habe, liidess wer au Ort und Stelle die Wasserbecken
gesehen hat, der wird nicht den Eindruck haben gewinnen können,
dass er sich in einem einstigen Flussthale befinde. Wenn auch
die Ufer zuweilen von beiden Seiten in steilem Abhang an den
See herantreteu , so ist eine solche thalartige Einengung der
Wasserfläche doch nie auf grosse Strecken wahrzunehmen; immer
wieder werden die steilen Ufer durch weite Ausbuchtungen des
Sees, welche sich als Bodensenken auch auf dem Laude fort-
setzen, unterbrochen.
Wir beginnen die orographische Betrachtung der Ufer bei
der Stadt Rhein. In diesem nördlichsten Theile der grossen
Wasserrinue ist die Umgrenzung des Sees fast ülrcrall von
steilen Gehängen gebildet. Doch ist auch hier den Erhebungen
nicht selten ein Streifen flachen Landes vorgelagert. Ausserdem
zeigt dieses Land einen so »buckligen« Charakter, dass die so viel-
O ö 7
fach gegliederte Seefläche nur als die mit Wasser ausgefüllte tiefste
30
W. Ule, Die TiefenverLältnisse der Masurischen Seen.
Einseiikiing desselben erscheint. Die reiche Abwechselung, welche
durch die grösseren oder kleineren Erhebungen des Bodens,
durch die weiteren oder schmäleren Ausbuchtungen des Sees in
die sonst gleichartigen Ufergehänge gebracht wird, entspricht
keineswegs dem Bilde eines Flussthales.
Anders gestaltet sich das Bild, sobald wir das Talter-Ge-
wässer betreten, das sich ohne äusserlich sichtbare Grenze un-
mittelbar an den Rheiu’scheu See anschliesst. Hier, wo der ganze
Wassorstreifen seine grösste Breite von 1,8 Kilometer erreicht,
begleitet ein theilweise ganz flaches Ufer den See. Die Anhöhen
ziehen sich auf der 0. -Seite weit von dem Wasser zurück und
nur die westliche Umrahmung zeigt noch ein steileres Gehänge.
Betrachten wir die orographischen Verhältnisse dieses ge-
sammten Seeugebietes, so erscheint uns das Talter- Gewässer als
der westlichste Theil einer mächtigen Bodensenke, welche im O.
bis an den Löwentiu-See und die Paprodtker Berge sich erstreckt,
im S. bis nahe an den Splrding-See heranreicht und im N. von
einer hohen Hügelkette begrenzt wird. Zahlreiche Seen kenn-
zeichnen dieselbe und einige ausgedehnte Moorbrüche deuten
darauf hin, dass hier vor nicht allzu langer Zeit eine grosse dem
Spirding-See gleichkommende Wasserfläche sich ausgebreitet hat.
Der Nielitzer, der Talter und der Hayte-Bruch sind wahrscheinlich
die heute vermoorten Theile eines und desselben Sees.
Bei Balten, wo sich das Talter-Gewässer wieder einzuengen
beginnt, nähern sich auch im O. höhere Erhebungen der Wasser-
fläche und hier haben wir eine in der That an ein Fluss-
thal erlnuerude tiefe und schmale Einsenkung des Landes vor uns.
Bis auf 300 Meter kommen nördlich von Nikolaiken die beiden
Ufer einander nahe und bei dieser Stadt selbst erfährt das Wasser-
becken eine Einschnürung auf kaum 100 Meter. Die O.-Ufer
erreichen eine ziemlich bedeutende Höhe; in ihrer grössten Er-
hebung von 155,4 Meter überragen sie den Wasserspiegel um
nahezu 40 Meter.
Südlich von Nikolaiken setzt sich der See, der von hier au
schon vielfach dem Spirding-See zugerechnet wird, in einer durch-
schnittlich 500 Meter breiten Wasserrinne fort, welche ebenfalls
durch die sie auf beiden Seiten begleitenden Höhen durchaus das
W. Ui.n, Die TiefcnverLältnisse der Masurischen Seen.
31
Aussehen eines Flussthaies erhalten hat. Indess bald erweitert
sich das Becken weit nach O., und, wenn auch die Wasserfläche
selbst nur 1 Kilometer breit wird, so senkt sich doch das Ufer
der O. -Seite so sehr herab, dass der Charakter eines Flusses
wieder vollständig verschwindet. Es beginnt bereits die mächtige
Bodensenke, welche zum grössten Theile von dem Spirding-See
eingenommen wird. Der See selbst theilt sich kurz darauf in
zwei Arme, von denen der eine in den Spirding-See führt, der
andere dai>;eufen als Beldahn-See nach SW. umbieo;t.
Eine ganz flache Landzunge bildet zunächst die Grenzscheide
zwischen Spirding-See und Beldahn-See. Sobald sich jedoch die
Wasserfläche des lefzteren auf 300 Meter verengt hat, treten auch
auf der O. -Seite wieder steile Anhöhen an den See heran, die mit
dem steilen W.-Ufer auf eine kurze Strecke hin elue schmale
flussartige Thalrinue schaffen. Bald aber erweifert sich das Thal
und in Folge der vielen bnchtai'tigen Ausläufer des Sees, die sich
meist auf dem Lande noch als Bodeneinseukungen zu erkennen
geben, haben wir ein der bei dem Rhein’scben See geschilderten
Landschaft sehr ähnliches Bild vor uns. Die Seefläche verliert
ganz das Aussehen eines Fliissthales, obwohl die Wasserfläche
zuweilen von beiden Seiten von steilen Gehängen l)egrenzt wird.
Die fortwährenden Erweiterungen und Einschnürungen entsprechen
eben durchaus dem Masurischen Landschaftstypus; nur die zwischen
den zahlreichen Bodenerhebungen eiugeseukten Vertiefungen sind
mit Wasser augefnllt und erst ihre reihenweise Aneinauderkettung
erweckt den Eindruck eines grossen Pdussbettes. Eine Senkung
oder Hebung des Wasserspiegels würde der Wasserfläche oft ein
so anderes Aussehen verleihen können, dass selbst ein Blick auf
die Karte uicbt mehr zu der Annahme führen würde, dass man
es in diesen langgestreckten Seen mit einem Flusslauf zu thun
habe. Trotzdem darf niebt geleugnet werden, dass auf- kurze
Strecken hin die Seen allerdings wie die durch Wassererosiou ge-
schaffenen Verbindungsgräben benachbarter grosser Wasserbecken
erscheinen.
Dem südlichen Ende des Beldahn-Sees ist ein ziemlich hohes
hügeliges Land vorgelagert. Die W asserfläche wird dadurch ge-
zwungen, sich zn theilen. Während der eine Arm sich in dem
32
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurisclieii Seen.
Wigrinuer-See nach S. fortsetzt, führt der andere Arm durch
einen künstlichen Grahen in den sich westöstlich erstreckenden
Gnsziu-See. Durch eine natürliche Bodensenke steht dadurch
der Beidahn -See sowohl mit dem Waruold- und Spirdiug-See,
wie mit dem die grosse Wasserrinne gleichsam fortsetzendeu
Nieder- See im Zusammenhana’.
Der mannigfaltigen Gliederung in der Gestalt entspricht ganz
die Bodeuplastik dieser Seen. Auch stehen die Oberflächeu-
formen des Seenutergrnndes mit denen der Seeiimrahmnug vor-
trefflich im Einklang. Wiederholt wird die Wasserriuue von
Untiefen durchzogen und je buckliger das I^and um den See,
um so grösser ist die Zahl selbständiger Becken in dem See.
Der Rhein’sche See, dessen Spiegel 117,2 Meter über der
Ostsee liegt, zeigt zunächst in seinem nördlichen von NO. nach
SW. sich erstreckenden Theil ein vielverzweigtes, fast überall über
10 Meter tiefes Becken, das in einer Erweiterung am südlichen
Ende sogar eine Maximaltiefe von 47 Meter aufweist. Ueber-
haupt ist dieser See verhältnissmässig sehr tief. Wir finden auf
ein weites Gebiet hin eine Eiusenkung von über 20 Meter und
auch die 25 Meter Isobathe umspannt noch eine ziemlich grosse
Fläche. Der Untergrund ist aber ein ausserordentlich unebener.
Der Charakter der Seeumaebuna setzt sich auch unter dem
Wasser fort. Die tiefsten Stellen treffen wir gerade dort, wo die
steilsten Ufer au den See herantreten. Der Bodensatz ist längs
der Ufer durchweg sandig.
Dem liheiu’scheu See schliesseu sich nordöstlich zwei kleine
Wasserbecken an, welche sich in derselben Längsrichtung er-
strecken und so gewissermaassen als eine Fortsetzung davon an-
zusehen sind. Doch erhebt sich ihr Spiegel ziemlich bedeutend
über deia des Bhein’schen Sees'. Der zunächst liegende nur
0,59 Quadratkilometer grosse Ollof-See hat eine Meereshöhe von
122,5 Meter, der folgende, 1,14 Quadratkilometer umfassende
Orlener-See eine solche von 124,3 Meter. Für die Morphologie
dieses Seengebietes sind die kleinen Wasserbecken darum von
besonderem Interesse , weil dieselben in einem weit höheren
Niveau aeleaen doch sowohl in der Form des Untergrundes als
auch in der Umrahmung ganz das nämliche Bild zeigen, welches
W. Ui.E, Die Tiefen Verhältnisse der Masurischen Seen.
33
wir obeu au dem Elieiu’sclieu See keuneii leruteu. Eutspreclieud
der hüa;eliffeu UmofebuiiP’ ist auch iu diesen Seeu der Boden
sehr manuigfiiltig gestaltet. Wir finden in beiden Wasserbecken
mehrere tiefe Eiusenknngeu von 20 Meter und darüber, welche
durch Bodenerhebungen von einander getrennt sind. Auch zeigt
die Uferlinie zahlreiche Krümmimgeu und Ausbuchtungen.
Doch kehren wir zu dem llhein’schen See zurück. Dort, wo
die nordost -südwestliche Richtung dieses Beckens in die nord-
südliche umbiegt, treften wir auf eine unter ziemlich steiler
Böschung ans einer Tiefe von 34 Meter aufsteigende Erhebung
des Bodens, welche bei einer Senkung des Spiegels um 3 Meter
Ijereits zu Tage treten würde. In dem weiteren Verlauf des
Sees zeigen sich daun entsprechend der starken Zergliederung
der Wasserfläche eine Reihe selbständiger Becken, die auch
äusserlich in den Verzweigungen und Ausbuchtungen als solche
sich zu erkennen geben. Erst an der Stelle, wo der See sich be-
deutend erweitert und wo seine nordsüdlicbe Richtung in eine
uordwest-südöstliche ül)ergeht, beginnt der Untergrund sich wieder
weit unter 20 Meter herabzusenken. Allein obwohl die 10 Meter-
Isobathe ein bis zu der abermaligen Einengung der Wasserfläche
bei Talten sich erstreckendes Gebiet umschliesst, stellt sich doch
auch dieser Theil der grossen Wasserrinne in seinem Untergrund
als ein mehrfach gegliedertes Becken dar. Wir erkennen hier im
Talter- Gewässer deutlich 3 tiefere Einsenkungen, welche durch
bis zu 15 Meter sich erhebende Höhenrücken von einander ge-
schieden sind. Das nördlichste hat eine Maximaltiefe von 3G
Meter, senkt sich aber an vielen Stellen unter 25 Meter herab.
Bei der zw'eiteu, bei weitem tiefsten Eiusenkung umfiisst noch die
25 Meter -Isobathe ein Gebiet von über 2 Kilometer Längster-
streckung. Die grösste Tiefe beträgt hier 51 Meter, überhaupt
die bedeutendste Eiusenkung der gesammten Masurischen Seen,
soweit dieselben hier zur Besprechung gekommen sind. Auffallend
ist, dass diese tiefe Stelle gerade dort sich befindet, wo der See
seine grösste Breite hat und wo zugleich die Umgebung nach O.
hin eine weite, theils von Moorbrücheu eingeuommeue Bodeumnlde
[3]
Jahrbuch 1889.
34
W. Üle, Die Tiefeuverhältnisse der Masiirisclien Seen.
zeigt. Diese Thatsache bestätigt unsere oben ansgesprocbene Ver-
nmtliuug, dass das Talter- Gewässer der Rest eines jetzt ver-
schwundenen grossen Wasserbeckens ist.
Die dritte selbständige Bodensenke reicht ebenfalls bis zu
beinahe 40 Meter herab. Dann steigt aber der Boden des Talter-
Gewässers rasch zir einer Untiefe von 2 Meter an, um allerdimrs
kurz darauf wieder bis zu 26 Meter sich zu vertiefen. Die
Richtung der MMssertläche nimmt an dieser Stelle einen mehr
von NNW. nach SSO. gerichteten Verlauf an. Nach Nikolaiken
hin verflacht sich das Becken allmählich bis auf 4 Meter. Doch
xmmittelbar nach der Einengung des Sees bei dieser Stadt senkt
sieh der Boden wieder tief ein. xin mehreren Stellen o-elauffeu
O O
wir erst nach 22, 21 und 25 Meter auf den Grund. Der nach
dem Spirdiug-See sich erstreckende Arm der Wasserfläche ist
ziemlich flach; nur au einer Stelle beträgt die Tiefe noch 18 Meter.
Der Beldahn-See zeigt dagegen sehr bald eine Tiefe von 24 Meter,
nachdem zuvor allerdings auch hier der Boden bis auf 15 Vieler
angestiegen war. In dem weiteren A^erlauf erweist sich dieser
See ebenfalls in der Oberflächeuform seines Bodens entsprechend
den zahlreichen Krümmungen der Uferlinien vielfach 2:ee;liedert.
Wir treflen noch auf zwei besonders hervortretende Becken, von
denen das eine 31 Meter, das andere 30 Vieler tief ist. Da-
zwischen erhebt sich der Boden an einigen Stellen bis zu 8 Meter
unter dem Seespiegel. Weiter nach S. nimmt die Tiefe immer
mehr ab, sodass das letzte tiefere, aber abgeschlossene Becken
nur noch 17 Vieler Maximaltiefe hat. In dem Gusziu-See be-
rührt das Loth bereits nach 7 Meter, in dem Wigrinner-See nach
2 Vieler den Boden.
Der Bodensatz des Beidahn -Sees ist nach den Angaben des
Fischereiamtes zumeist Sand, an dessen Stelle zuweilen auch
Vloorboden tritt, z. B. in der weiten Ausbuchtung bei Wigrinnen.
An diesen durch seine Ausdehnung grossartigen Seeukomplex
fügt sich im O. der gewaltige Spirding-See (Tafel IX) an, der mit
seiner 105,9 Quadratkilometer umfassenden Fläche der grösste
der Masurischen Seen ist. Bei einer westöstlichen Längster-
streckung von über 16 Kilometer beträgt die mittlere Breite noch
W. Ule, Die Tiefenverbältnisse der Masurischen Seen.
35
7 bis 8 Kilometer. Und dieser mächtige Wasserspiegel wird nur
in seinem südlichen Theile von einigen Inseln unterbrochen.
An den Spirding-See schliess’eu sich zahlreiche kleinere Seen
an, so im NO. der Lukuaiuer See, im N. der nur durch eine
schmale Landzunge ahgegreuzte Tuchliuner-See, im NO. der
flnssartige Tirklo-See, welcher eine natürliche Wasserverhiuduug
nach dem Löwentin-See beginnt, dann im SO. der Biallolafker-
See, im S. der Sexter-See mit dem tief in’s Land einschneidenden
Katzaraiuo-See und endlich im SO. der Waruold-See, der durch
den AVeissnhner- und Gusziu-See mit dem Beldahu-See in Ver-
bindung steht. Es lagert sich also auch um den Spirding-See
ein mächtiger, vielgestaltiger Seeukomplex.
Der Spirding-See
ist mit seinem Spiegel 117,1 Meter über der Ostsee gelegen. Die
Ufer sind in ihrer Gestalt mannigfachem Wechsel unterworfen.
Doch zeigt die Landschaft in der Seeumgebung einen mehr sanft-
welligen Charakter. Dementsprechend biegen die Ausbuchtungen
des Sees gewöhnlich nicht in scharfen Spitzen und Haken ein,
sondern Vorsprung und Bucht gehen meist in abgerundeten
Formen in einander über. Fast nirffeuds treten steil anfrao'eiide
O Ö
Ufer von bedeutenderer Höhe au das Wasser heran und die
Isohypsen verlaufen in weiten Abständen von einander, sodass
die Böschuno'swiukel auf dem Laude überall einen sehr kleinen
O
Betrag haben. Die ganze Landschaft hat hier an Wildheit ver-
O O
loren.
Betreten wir von dem Talter-Gewässer ans den Spirding-See,
so haben wir zunächst in dem nördlichen Theil der W.- Küste
des Sees ein ziemlich niedriges, flaches Land, das sich nach N.
hin allmählich erhebt. Nachdem wir daun in der den Lukuaiuer
See abtrenuenden Landzunge wieder flaches Terrain autrefieu,
beginnt das nördliche Ufer in seinem weiteren Lauf sehr bald zu
steigen und schon bei dem Orte Lnkuaiuen selbst treten grössere
Anhöhen dicht an das Wasser heran. Fast auf ihrer ganzen Er-
streckung behält das N.-Ufer steilere Gehänge; nur ab und zu
iiuterbrecheu flache Eiuseukuugeu des Bodens das Einerlei der
[3*]
3G
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurisclien Seen.
Küste. Mit dem Eiuschnitt des Tucblinner-Sees ändert sich der
Charakter der Landschaft, eine auso;edehnte Niedernno- ist den
grösseren Erhebungen des Landes vorgelagert. Bei dem Orte
Tnchlinnen finden wir allerdings noch 16 Meter über dem Wasser-
spiegel sich erhebende Anhöhen , dann aber bildet bis ziun
Tirklo-See ein flaches, theils mooriges Land die Umrahmung des
Sees. Auch die Ostseite des Spirding-Sees wird von flach-
welligem Terrain eingenommen, das nur 15 bis 20 Meter über den
Wassersjoiegel aufi’agt. Etwas steiler sind wieder die Ufer nörd-
lich von dem Eino-ano- in den Biallolafker-See. Anch südlich da-
O O
von treten die Ufer noch in starker Böschung aus dem Wasser
heraus. Doch beträgt hier die Höhe des Landes noch nicht
15 Meter.
Im S. trefien wir auf die grösste Ausbuchtung des Spirding-
Sees, den Sexter-See, dessen Fläche 3,5 Kilometer Länge und
2,5 Kilometer Breite besitzt. Die Umrahmung des Sexter-Sees
ist zum grössten Theil ausserordentlich flach. Im S. lehnt sich
an denselben eine breite Niederung an, die uns gleichsam als
die trocken gewordene Fortsetzung davon erscheint. Am steilsten
steio’t das Ufer im N. und W. an. Auch der Katzaraiuo-See
O
ist in ein flachwelliges Terrain eingebettet. In der breiten Ver-
bindungsstrasse zum Spirding-See ragt eine ziemlich grosse Insel
aus dem Wasser hervor, welche nach N. steil abfällt. In dem
weiteren Verlauf zeigt das S.-Ufer sanfte Gehänge, welche aber
an ein höheres Hinterland sich anlehnen. Die Küste selbst
erhebt sich nirgends 10 Meter über dem Wasserspiegel. Eine
Unterbrechung erfährt die Uferlinie wieder in der SW.-Ecke des
Sees, wo der Warnold-See sich abzweigt. Westlich davon bildet
ebenfalls ein flachwelliges niedriges Land das Ufer, kurz vor dem
Beginn des Talter- Gewässers beträgt die höchste Erhebung nur
noch 14,4 Meter. Dann senkt sich das Land sanft zum See-
spiegel herab.
So zeigt uns bereits die orographische Betrachtung des Ufer-
landes, dass wir es im Spirding-See mit einem ganz anderen
Becken zu thuu haben, als es die bisherigen Seen waren. Er ist
zwar ebenfalls wie der Löweutin - See und der Mauer - See
\V. Ule, Die Tiefenverliältnisse der Masririsclien Seen.
37
ein Flächeusee, iudess von weit grösserer Ausdelmnng und von
ganz anderem Charakter der Seeiungebnng. Auch fehlen inner-
halb der grossen Seefläche jegliche Inseln. Nnr im SO. ragen
als Fort Lyck und Spirdingswerder einige Erhebungen des Bodens
weit aus dem Seespiegel hervor; allein diese bilden first schon
die S. -Grenze der Wasserfläche. In dem übriG-en Seegelriet findet
das Auge nirgends eine Unterbrechung, selbst die in dem Löwentiii-
See so häufigen Schilfiuseln sind hier nicht vorhanden. Mau
möchte wohl meinen, dass der Untergrund dieser gewaltigen See-
fläche sich eben zir tief unter dem Spiegel eiuseukt, dass selbst
grössere Erhebungen nicht mehr über denselben hinausznrageu
vermögen. Indess die Tiefenkarte lehrt uns, dass gerade der
grösste aller Alasurischen Seen der verhältnissmässig flachste ist.
Nur an einer einzigen Stelle senkt sich der Untergrund zu
einer Tiefe von 25 Aleter herab; meist beträgt dagegen die Tiefe
nur wenig über 10 Meter. Trotzdem beweisen die zahlreichen
Krümmungen der Isobathen, dass auch hier der Boden des Sees
keineswegs ein ebenes Becken bildet. Es ist ein sanftwelliges,
hü geliges Terrain, das uns bei einem Trockenlegeu des Sees zu
Gesicht kommen würde. Wir erkennen daraus wiederum deutlich,
wie sich die Oberflächengestalt des Masurischen Landes stets auch
unter dem Wasserspiegel fortsetzt, sodass die Seen als nichts
anderes als die Wasseransammlungen in den tiefsten Eiiisenkungen
des Bodens erscheinen.
Den gleichen Charakter der Bodenplastik wie der Spirding-
See zeigen auch die meisten der sich an denselben auschliesseuden
Wasserbecken. Im NW. bildet der 6,2 Quadratkilometer grosse
Luknaiuer See
entsprechend der flach welligen Umgebung eine Bodensenke von
nur 5 Meter Maximaltiefe. Nicht tiefer ist das Becken des
Warnold - Sees
im SW., der mit seiner 4,7 Quadratkilometer grossen Wasser-
fläche ebenfalls in ein niedriges Hügelland eingebettet ist.
Auch der
38
W. Ulk, Die Tiefenverbältnisse der Masurischen Seen.
Sexter - See
erlaugt nur theilweise eine 5 Meter übersteigende Tiefe. Die
grösste Eiusenknng in demselben beträgt 7 Meter. Ein ganz
anderes Gebilde tritt uns dasefren in dem
Biallolafker-See
entgegen. Das beinahe 3 Kilometer lange und bis zu 1,5 Kilo-
meter breite Wasserbecken bat eine Maximaltiefe von 35 Meter.
In seiner südlichen Ausbuchtung zeigt es noch eine zweite Ein-
senkung von nahezu 20 Meter. Der Untergrund erscheint demnach
als ein durchaus unebener. Dem entspricht nun keineswegs die
Seenmgebung, die fast überall sehr flach ist. Nur an das N.- und
S.-Ufer treten stellenweise steile Gehänge au das Wasser heran,
die sich aljer nur wenige Meter über den Spiegel erhellen. Be-
denken wir jedoch, dass ein grosser Theil der Seeumgebung von
Mooren eingenommen wird, so liegt die Vermuthung nahe, dass
wir es in dem Biallolafker-See ähnlich wie in dem Taltowisko-See
mit dem noch als See übrig gebliebenen Rest eines einstigen
grossen Wasserbeckens zu tliun haben.
Der Spiegel dieses Sees senkt sich wieder um 0,63 Meter.
Während die Seehöhe des Spirding - Sees noch 117,1 Meter
beträgt, befindet sich die Oberfläche des Biallolafker- Sees nur
noch 116,4 Meter über der Ostsee. Ueber den Bodensatz der
letztojenanuten Wasserbecken fehlen nähere Auo;aben. Die Um-
gebung der Insel Fort Lyck zeigte einen sandigen Untergrund
mit einer Menge diluvialer Gei’ölle bedeckt.
Die Profile der Seen.
Zur Veranschaulichung der im Vorstehenden gegeljeuen oro-
graphischen Schilderungen tragen die auf der Tafel X dargestellten
Profilzeichuuugen einiger der besprochenen Seen wesentlich bei.
Dieselben lassen noch in viel klarerer Weise den gleichen Ober-
flächeucharakter des Bodens über und unter dem Seespiegel er-
kennen. Besonders lehrreich ist das letzte Profil, welches cpier
durch das Land von dem Talter- Gewässer bis zum Luknainer
See führt. Nach dem flachen Luknainer See fällt das Land sanft
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
39
ab, wälivend die tiefe Eiiiseukung des Talter-Gewässers auch in
deu steilen Böschungen des Ufers sich auzeigt.
Die zur Darstellung gekommenen Profile sind so gewählt,
dass dieselben möglichst durch die tiefste Stelle des Sees gehen.
Weiter sind meist zwei auf einander senkrechte Querschnitte ge-
zeichnet worden. Dabei ist auch auf die Gestaltung des Beckens
Kücksiclit genommen, indem die eine Profillinie in der vor-
herrschenden Länofsterstreckuim desselben grezogen wurde. Durch
diese nach einheitlichem Gesichtspunkt geleitete Art der Dar-
stellung möchten vielleicht auch die Querschnitte der verschiedenen
Seen untereinander vergleichbar werden. Ausserdem hat aber
den Verfasser zu einer solchen Auswahl der Profile eine Aeusse-
rung bestimmt, welche Geistkeck i) bei der Besprechuug der
Bayerischen Seen gethan hat, dass nämlich die meisten Seen inner-
hall) der Moränenlandschaft in ihrem unteren Theile eine tiefere
Eiusenkung aufweisen, als in ihrem oberen, dass also die Becken
sich weit allmählicher vertiefen, als sie dann wieder sich ver-
flachen. In den Masurischen Seen ist von einer solchen Gesetz-
mässig-keit keine Bede. Der Unterfrrund dieser Seen ist so
mannigfach gestaltet, dass es überhaupt unmöglich sein würde,
aus den zahlreichen Becken ein Gesetz herauszuleseu. Wenn
daher diese Thatsache für die Erosion eines Sees durch Gletscher
beweisend sein soll, so würden die Masurischen Seen nicht auf
eine solche Eutstehung zurückgeführt werden dürfen.
Die mittleren Tiefen der Seen.
Alan hat vielfach geglaubt, dass das Verhältniss von Tiefe
zur Flächengrösse in einem bestimmten Zusammeidiauge mit der
Bilduu«: eines Seebeckens stehe. Als flache Becken erscheinen die
Seen in der liayerischen Moränenlandschaft der diluvialen Alpeii-
gletscher. In gleicher Weise zeichnen sich die grossen nordameri-
kanischen Wasserbecken dui’ch verhältnissmässig geringe Tiefe
aus. Auch diese Seen liegen noch iimerhalb der einstigen Eis-
bedeckuna; des amerikanischen Kontinentes. Wir wollen daher
9 A. Geistbeck, Die Seen der deutschen Alpen. Leipzig 1885. S. 31.
40
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
zuseheu, ob die Masiirisclien Seeu, welche doch ebenfalls in einem
vergletschert gewesenen Gebiet liegen, ein derartiges Gesetz er-
kennen lassen.
Wollte man bei der Feststellung der mittleren Tiefe der Seen
streng mathematisch verfahren, so müsste man zunächst das Vo-
lumen der W assermasse berechnen und dann die Höhe des se-
radeu Prismas, welches die Wasserfläche des Sees zur Grundfläche
hat und die Wassermasse desselben fasst, bestimmen. Indessen
da eine derartige Rechnung eine ausserordentlich zeitraubende ist,
der Zeitaufwand aber keiuesweffs mit dem Er^ebuiss im Einklana:
steht, so ist es zweckmässiger, in der Weise die relative Ein-
seukung eines Sees zu bestimmen, dass mau einfach das Vei’-
hältniss der grössten Tiefe zu der Seite eines der Seefläche
gleichen Quadrates ermittelt. Man erhält dadurch zwar keine
einwurfsfreieu Vergleichswerthe, vermag aber doch aus den Ergeb-
nissen einen ungefähren Schluss auf die mittlere Tiefe zu ziehen.
Dieser Schluss wird um so eher zulässig sein, je gleichmässiger
das Becken gestaltet ist.
Die von Geistbeck ausserdem noch durcho-eführte Bereclmuus:
des Verhältnisses der Tiefe zum Areal des Sees ist aus mathe-
matischen Gründen zu verwerfen ^).
Für die Masurischen Seen erhalten wir folgende Werthe
(siehe umstehende Tabelle).
Die relativen Eiusenkuugeu sind also in den Masurischen
Seeu ausserordentlich verschiedene. Dieselben schwanken zwischen
1 : 32 (Ollof-See) und 1 : 499 (Luknainer See). Doch lassen sich
aus den obigen Werthen folgende Sätze leicht herauslesen:
1. Die flnssartigen schmalen Seen sind durchweg verhält-
nissmässig tiefer als die Flächeu-Seen.
2. Die Tiefe nimmt mit der Flächengrösse der Seen im
allgemeinen ab.
9 A. Gei.stbeck, Die Seen der deutschen Alpen. Leipzig 1885. S. 19.
9 Die Werthe für die Arealgrössen der Seen verdanke ich dem Herrn
Oberfischmeister Hauptmann Scriba in Lötzen. Diejenigen Seen, für welche
genaue Angaben fehlten, sind durch Sternchen gekennzeichnet.
W. Ule, Die Tiefenverhilllnisse der Masurischen Seen.
41
Areal-
grösse
Grösste
Tiefe
Verhältniss
der Tiefe
zur
Arealgrösse
Reihenfo
der
Grösse
Ige nach
der
relativen
Tiefe
Mauer- See
1G,C5
38,5
1
103
7
14
Schwenzait-See
8,29
24,0
1
120
3
13
Dargainen-See
19,79
29,5
1
151
4
10
Kissain - See
25,30"=
28,0
1
179
3
8
Kl. Steinorter See ....
0,51
5,0
1
143
23
11
Labab - See
4,50*
14,0
1
152
14
9
Doben’scher See
17,76
19,5
1
215
6
6
Löwentin - See
25,36
37,0
1
136
2
12
Jagodner - See
4,82
34,0
1
Go
12
19
Gr. Hensel -See
4,83
26,0
1
84
1 1
17
Gurkler-See
0,56
8,0
1
94
22
15
Kl. Hensel- See
0,66
3,0
1
271
20
5
Gr. Schimon -See ....
1,82
3,0
1
457
17
2
Kl.' Schimon -See
0,37
12,0
1
51
24
22
Gr. Kotteck -See. . . . .'
0,22
2,5
1
188
25
7
Taltowi=ko-See
3,24
35,0
1
54
15
20
Lawker-See
0,78
17,0
1
52
19
21
Orlener-See
1,14
20,0
1
50
18
23
Ollof-See
0,59
24,0
1
32
21
25
Rhein’scher See u. Talter-
Gewässer
17,85
51,0
1
83
5
18
Beidahn - See
7,93
31,0
1
91
9
16
S])irding- See
105,95
25,0
1
412
1
4
Luknainer See
6,22
5,0
1
:499
10
1
Warnold -See
4,71
5,0
1
434
13
3
Biallolafker -See
o
CO
35,0
1
49
16
24
3. Ist die Umgebung der Seen eine flacliwellige — Spir-
ding-, Warnold-, Luknainer-, KL Hensel- und Gr. Scliimon-See — ,
so ist die Bodeneinsenknng dementsprechend gering.
4. Die von Moorbrüchen umgebenen Seen — Taltowisko-
See, Biallolafker- See und z. Th. auch Talter-Gewässer — sind
vielfach sehr tief.
42
W. Ulk, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
5. Die höher gelegenen Seen — Kl. Schimon- See, Lawker
See, Orleuer See und Ollof-See sind relativ genommen die tiefsten
Wasserbecken.
Eine gewisse Gesetzmässigkeit in den obigen Zahlen kann
demnach nicht geleugnet werden.
Vergleichen wir die für die Masurischen Seen erhaltenen
Werthe mit den von Geistbeck für die Alpenseen berechneten i),
so ergiebt sich, dass die meisten Wasserbecken der ostpreussischen
Seenplatte noch flacher sind als die oberbayerischen Vorlandseen
der Alpen, indem diese zwischen den Verhältnissen 1 : 65 und
1:122 sich bewegen. Bei den flachsten alpinen Gebirgsseen ist
der grösste Betrag dieses Verhältnisses 1 :42, es kommt unter
den beobachteten Masurischen Seen nur der Ollof-See den alpinen
Gebirgsseen in dieser Hinsicht o-leich. Da nun Geistbeck
Ö ö
nachgewiesen hat, dass die Tiefe der Erosionsbecken in dem
Gebirsre wegen der dort mehr vertical wirkenden Kraft des
fliessenden Wassers am grössten ist, so sind einige Werthe der
relativen Einsenkung in den Masurischen Seen doch geeignet,
uns auf die Vermuthung einer auch hier zuweilen unter grösserem
Gefälle zur Wirkung gekommenen Erosionsktaft zu bringen.
o o o
Allgemeines Ergebniss der Tiefe nmessuu gen.
Die Tiefenmessungen in den Masurischen Seen haben in
erster Linie zu folgendem Ergebniss geführt:
Die Oberflächengestalt unterhalb des Seespiegels
entspricht vollständig derjenigen oberhalb desselben.
Dieser Satz gilt ebensowohl für die flächenhaft sich aus-
Ijreitenden wie für die flussartig sich erstreckenden Wasserbecken.
Die Ueliereinstimmiing des Seeuntergrundes mit der Umgebung
ist so gross, dass man ohne weiteres aus der Gestaltung der
letzteren auf die des erstereu schliessen kann. II iernach ist es
also in dem betrachteten Gebiete Masurens geradezu möglich, ohne
Lothuug zwar nicht die absolute Tiefe eines Sees, wohl aber die
*) A. Geistbeck, Die Seen der deutschen Alpen. Leipzig 1885. S. 20.
\V. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
43
Eigenart der Bodenplastik desselben anzngeben. Einer sanft-
welligen Uferlandscbaft entspricht stets auch ein gleiclnnässiger
gestalteter Seeboden, während die typische »bucklige Welt« in
der Umrandnng auch in den Tiefenverhältnissen des Sees ent-
gegentritt. Ein Sinken oder Steigen des Wasserspiegels würde
also den Charakter der Landschaft nicht zu verändern im
Stande sein.
Als ein weiteres, nicht unwichtiges Ergebniss der Lothnugeu
ist der Nachweis zu bezeichnen, dass die langgestreckten, fluss-
artig gestalteten Becken auch in dem Bodenrelief der Flächen-
seeu vorhanden sind. Am deutlichsten zeigt sich eine solche
lang ansgestreckte Einsenknng in dem nördlichen Theile des
Mauer- Sees. Aber ancli in dem Kissaiu-See, dem Dargainen-
See und dem Löwentin-See sind rinneuartige Vertiefungen zu
finden, die freilich entsprechend der sanftwelligen LTmgebnng eine
meist ziemlich breite Sohle anfweisen. Eine Senkung des Wasser-
Spiegels würde uns hier also au Stelle des Elächensees mehr
oder minder schmale Flnssseen schafieu. Die Bezeichnung
Flächensee kommt, wenn wenigstens damit angedeutet werden
soll, dass ein einheitliches, auch in seinem Untergrund flächenhaft
ausgedehntes Becken vorliegt, eigentlich nur dem Spirding-See zu.
Endlich lehren uns die Tiefeukarten noch, dass die in der
oberflächlichen Seeugestalt und in der Orographie des Masureu-
landes überhaupt vorherrschende nord west- südöstliche und nord-
ost-südwestliche Richtung auch in den Bodensenken unter dem
Wasserspiegel überall wiederkehrt. Auch hierin stimmen somit
die Oberflächeuformen in und um den See mit einander überein.
Bezieluiiig- der Tiefeiiverliältiiisse zu der Entstellung
der Seen.
Die Uebereinstimmung der Bodeugestalt unterhalb wie ober-
halb des Seespiegels beweist zunächst, dass für die Entstehung
der Seebeckeu wie für die Bildung der Obertlächengestalt des
Landes nur dieselben Ursachen angenommen werden dürfen. Die
nämliche Kraft, welche die zahlreichen Bodensenken schuf, muss
44
W. üi.n, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
auch die Hügel und Buckel hervorgebracht haben. Nicht in ein
vorher ebenes Land sind die Seebecken eingegraben, sondern
jene Seen sind nichts weiter, als die in den tiefsten Stellen eines
auf irgend eine Weise ausserordentlich mannigfaltig gestalteten
Landes angesammelten Wassermeugen, welche auch als das zu
Tage tretende Gruudwasser betrachtet werden können i). Es sind
Wasseransammlungen, die nur ihrem verhältuissmässig jugend-
lichen Alter ihre Fortdauer bis in die Jetztzeit verdanken. Ein-
mal reicht die in diesem Gel)iet niederfallende Regenmenge
nicht aus, um den Seen, die zur Zeit ihres Entstehens wohl
meist abflusslos waren, genügend tiefe Abflussrinnen
zu graben; dann aber gestattet auch der vielfach sandige und
durchlässige Diluvialbodeu dem Wasser ein unterirdisches Ab-
strömen, sodass nur eiu geringer Theil des atmosphärischen Nieder-
schlages wirklich zur Erosionswirkung gelangen kann.
Dieser aus den orographischen Verhältnissen gezogene Schluss
wird auch durch eine geologische Erscheinung noch bestätigt.
In dem Gebiete der baltischen Seenplatte findet man nämlich
das Obere Diluvium, gewöhnlich als die Grundmoräne der letzten
Vereisung bezeichnet, so abgelagert, dass es überall den Höhen
und Tiefen des Landes folgt, und sich an den Gehängen der
Seen bis an deren Wasserfläche hinabzieht ^). Dieses An-
schmiegen des Oberen Diluviums an die vorhandenen unter-
diluvialen Bodenwellen ist durch die Aufschlüsse der Eisen-
bahnlinie Berent-Hohenstein, welche Jentzsch in diesem Jaln--
buch für 1885 veröfientlicht hat , für Ostpreussen hin-
reichend bewiesen. Aber auch an den von dem Verfasser be-
suchten Seen tritt der Geschiebemergel nnd der obere Decksand
') Siehe auch: A. Jentzsch, Die geognostische Durehforschung der Provinz
Preussen im Jahre 1876 (Schriften d. phys.-ökon. Gesellsch. zu Königsberg, 1876)
und: A. Jentzsch, lieber die Moore der Provinz Preussen (Schriften d. phys.-
ökon. Gesellsch. zu Königsberg, 1878).
^) Auch in der ückerinärkischen Moränenlandschaft zeigt das Obere Diluvium
eine derartige Ablagerung. F. Wahnsch.\ffe, Zur Frage der Oberflächengestaltung
im Gebiete der baltischen Seenplatte. Dieses Jahrb. 1887.
^) A. Jentzsch, Das Profil der Eisenbahn Berent - Schöneck - Hohenstein.
Dieses Jahrb. 1885.
W. Ui,E, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
45
bis munittelbar zu dem Wasserspiegel heran und es ist selir
wahrscbeiulich, dass er sich auch unter dem Wasser fortsetzt,
ebenso wie eine geringe Hebung des Spiegels denselben vor
unseren Augen darunter verschwinden lassen würde. Eine solche
Aldagernng unterhalb wie oberhalb des Seespiegels beweist aber
zweifellos eine einheitliche Entstehung der gesammten Oberfläche,
ganz ungeachtet, ob dieselbe zur Zeit mit Wasser bedeckt ist
oder nicht.
Ueber die Entstehung der baltischen Seen sind drei Ansichten
vorwiegend, die oft mit einander verknüpft, oft allein die Bildung
jener Wasserbecken erklären sollen. Man fidirt die Entstellung
zurück :
1. auf tektonische Ursachen,
2. auf Glacialerosiou,
3. auf Wassererosion.
Für die Annahme tektonischer Kräfte ist sicher die Tliat-
sache, dass die Seen in ihrer Gestalt sowohl wie in ihrer Aneiu-
anderreihnng unverkennbar die beiden Richtungen NW. zu SO.
und NO. zu SW. zeicen, von grosser Bedeutung. Dazu kommt
noch, dass diese Richtungen auch in den Bodenerhebungen ausser-
halb der Seen ülierall vorherrschen. In parallelen Streifen durch-
ziehen die ganze haitische Seenplatte bald an einander gereihte
Wasserhecken, bald ausgedehnte Hügelzüge. Deutlich tritt diese
orographische Erscheinung auf allen Höhenschichtenkarten her-
vor i). Wenn man nun bedenkt, dass diese Streichrichtungen
mit den grossen tektonischen Linien Mitteleuropas zusammeu-
Dllen, so ist die Vermuthung, dass die gesetzmässige Anordnung
in der Oberfläche des baltischen Höhenzuges durch tektonische
Vorgänge verursacht sei, gewiss nicht unberechtigt. Und in der
That scheint die geologische Forschung immer mehr Beweise für
den Zusammenhang dieser orographischen Verhältnisse mit tek-
tonischen Linien zu erbringen. So glaubt Jentzsch für West-
und Ost-Preusseu annehmen zu dürfen, dass hier in der Ober-
b Besonders lehrreich ist hierfür eine zur Zeit noch im Druck befindliche
Höhenschichtenkarte von der Provinz Preussen, welche von A. Jentzsch und
Vogel bearbeitet wird.
4G
W. Ule, Die Tiefen verliältnisse der Masurischen Seen.
flächengestalt ein in allerjüngster Zeit aufgefaltetes Gebirge uns
entgegentrete ^). Wahnsciiaffe will diese tektonischen Störungen
in dem Grundgebirge des baltischen Höhenrückens zum Theil auf
die Druckwirkung des gewaltigen von N. herandrängenden Eis-
stromes zurückführen. Man wird ihm hierin wohl ohne Bedenken
beipflichteu können, ebenso wie man gegen seine Ansicht, dass
auch die späteren diluvialen Ablagerungen durch den Schul) des
Eises mannigfach aufgepresst und gefaltet seien, kaum irgend-
welche Einwände zu erheben vermag ^). Allein die tektonischen
Umgestaltungen vermögen uns nur die Entstehung der grossen
orographischen Züge eines Landes zu erklären. Bei der eigen-
artigen Gestaltung der einzelnen Seen waren andere Kräfte thätig;
hier haben Eis und Wasser dem Boden seine Form o-e^eben.
O O
Nach VON Richthofen besteht die Arbeitsleistuna; des fliessen-
den Eisstromes in der Ablation, der Corrasion, dem Transport
und der Ablagerung ^). Von diesen Wirkungen müssen wir die
Corrasion für das baltische Gebiet ausschliessen, da eine solche
sich nur auf festem Gestein bethätigen kann. Die Ablation des
Gletschers kommt dagegen für die Oberflächengestaltung des bal-
tischen Landes wesentlich in Betracht , besonders wenn wir
eine mehrmalige Vei’eisung annehmen. Bei dem abermaligen Vor-
rücken wird der Gletscher sicher in die durch die Abschmelz-
wässer der vorhergehenden Vereisung geschaftenen Thalungen ein-
sedrungen sein und er wird diese vermöge seines mächtigen
Druckes leicht haben erweitern und vertiefen können.
Die Alöglichkeit einer solchen Wirkung muss entschieden
zugestanden werden, und es ist keineswegs als Beweis dafür er-
forderlich, dass sich diese Abräiimuugsarbeit durch Verbiegungen
und Aufcpietschungen an den Seerändern noch zu erkennen geben
muss, da diese Thätigkeit nicht als eine plötzliche, sondern als
b A. Jentzscii, Ueber die neueren Fortscliritte der Geologie Wesipreussens.
Schriften d. Naturforschenden Gesellschaft zu Danzig. N. F. Bd. VII, 1888.
b F. WahxVSchaefe, Die Bedeutung des baltischen Höhenrückens für die
Eiszeit. Verhandl. d. VIII. deutschen Geographentages zu Berlin 1889. S. 139
und Nachtrag S. 236.
b VON RicnnroFEN, Führer für Forschungsreisende. Berlin 1886. S. 242.
W. üi.K, Die Tiefenverhältnisse der MasuriscLen Seen.
47
eine ganz allmähliche zu denken ist, ausserdem aber die später
bei denr Rückzug des Gletschers erfolgte Wassererosion diese
Schiclitenstöruugen wieder verwischt haben kann. Vielleicht sind
jene mächtigen Bodensenken des Masurenlandes, welche durch
zahlreiche Seen und Moore gekennzeichnet sind, auf diese Thätig-
keit des Eises zurückzufnhren.
Indessen darf doch keineswegs als die alleinige Ursache
des heutigen Reliefs der baltischen Seenplatte die Ablation des
Gletschers angesehen werden. Einmal vermag der Gletscher nur
flache Becken, aber niemals tiefe Rinnen und Löcher durch Al)-
räumuug zu schaffen, und ferner sind alle auf diese Weise ge-
bildeten Seen durch eine grosse Gleichmässigkeit des Unter-
grundes ausgezeichnet, was von den Masurischen Seen nicht aus-
gesagt werden kann.
Die dritte Arbeitsleistung des Gletschers , welche in dem
Gesteinstransport und der Ablagerung und Aufschüttung von
Alaterial besteht, hat zweifellos einen bedeutenden Einfluss auf
die Bildung des norddeutschen Bodens gehabt. Dennoch wirtl
es ausserordentlich schwer halten, in den heutigen Oberflächen-
formen die Wirkung dieser Gletscherthätigkeit nachzuweisen, und
zwar einfach aus dem Grunde, weil nach der Ablagerung des
Gesteinsmaterials noch die Schmelzwässer an der Umgestaltung
des Landes gearbeitet haben. Wo jedoch Erhebungen zweifellos
durch das Material seihst verursacht sind, wie z. B. die von
Geinitz für JVIecklenburg nachgewiesenen Geschiebestreifeu ^), die
sich auch in andern Gebieten Norddeutschlands wiederfinden,
wird man ohne Bedenken diese orographischen Erscheinungen
anf die anfschüttende Thätigkeit des Gletschers zurück-
führen dürfen.
Die wichtigste modellirende Kraft in der baltischen Seen-
platte waren aber die Schmelzwässer des Gletschers. Die Arbeit
des fliesseuden Wassers theilt sich nach von Richtiiofen eben-
b F. E. Gei.\itz, Die Mecklenburgischen Höhenrücken (Geschiebestreifon)
und ihre Beziehung zur Eiszeit. Stuttgart 188G. Forschungen zur deutschen
Landes- und Volkskunde. Bd. I.
48
W. TJle, Die Tiefenverlulltnisse der Masuriseliea Seen.
falls in die vier Factoreu: Ablation, Corrasion, Trauspoi’t und
Ablagerung 1). Wie bei der Glacialerosiou fällt auch die -Corrasion
des Wassers für das baltische Land fort, da dieselbe festes Ge-
stein voranssetzt. Die übrigen drei Factoren können wir in ihrer
gemeinsamen Wirkung besprechen; dieselben sind in lockerem
Material nicht von einander zu trennen.
Um sich ein Bild von der Grösse der Wassermenge, welche
in der baltischen Seenplatte nach der letzten Vereisung zur
Wirkung gekommen ist, zu machen, bedarf es eines Rückblickes
auf die klimatischen Verhältnisse jener Zeit. Aus den Spuren der
Gletscher am nördlichen Rande des Harzes, in 500 Meter Meeres-
höhe, müssen wir schliesseu, dass der baltische Höhenrücken von
einer überaus mächtigen Eisschicht bedeckt war^). Wenn daher
die Abschmelzung des Gletschers schnell vor sich gegangen ist,
so waren die Wassermasseu, welche derselbe in das Land ent-
sendete, ganz bedeutende. Allein eine schnelle Abschmelzung des
Gletschers würde eine mehr oder weniger plötzliche Aenderuug
des Klimas, eine rasche Zunahme der Temperatur voraussetzen.
Da aber durchaus keine Beweise für einen derartigen Umschwung
in den Temperaturverhältnissen erbracht worden sind, da ferner
solche Klimasprüuge auch in historischer Zeit niemals haben be-
obachtet werden können, so ist ein nur allmähliches Ende der Eis-
zeit sehr wahrscheinlich.
ludess ein rasches Abschmelzeu in Folge erhöhter Temperatur
würde grössere Wassermengen auch nur am Ende des Gletschers
zur Wirkung kommen lassen. Denn das Zurückgehen des
Gletschers hängt nicht sowohl von der Zunahme der Temperatur
als vielmehr von der Verminderung des Niederschlages ab. Ein
vorübergehend schnelles Abschmelzen bringt aber mächtige Wasser-
massen hervor, welche der Luft wieder durch Verdunstung grosse
Dampfmengen zuführen. Strömt dann diese wasserdampfreiche
Luft über das Eis hin, so wird dort in Folge der starken Ab-
kühlung fortwährend Niederschlag entstehen, welcher das durch den
0 VON Richthofen, a. a. 0. S. 133.
A. Penck, Die Vergletscherung der deutschen Alpen. Leipzig 1882. S. 193.
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
49
Schmelzprocess verlorene Eis zum Tlieil wieder ersetzt, das weitere
Zurückgehen des Gletschers also verlangsamt. Weiter kommt
hier noch die Thatsache in Betracht, dass dem Zurückgehen eines
Gletschers stets ein Abuehmen desselben an Mächtigkeit in den
oberen Gebieten vorausgeht i). Ehe das Ilückschreiten des deutschen
Inlandeises begann, fand demnach eine allgemeine Verdünnung
dieser Eisdecke statt. Je weiter aber dann der Gletscher sich
nach N. zurückzog, um so mehr verminderte sich gleichzeitig seine
Mächtigkeit , sodass also auch dem entsprechend die Menge
der Abschmelzwässer abnahm. Es ist dabei sehr wahrscheinlich,
dass das Abschmelzen in den niederen Gebieten etwas schneller vor
sich gegangen als in den höheren. Der baltische Ilöhenzug be-
hielt somit seine Eishülle vielleicht noch, als bereits nördlich und
südlich das Land vollständig eisfrei war. Diese selbständige
Eismasse konnte natürlich keine bedeutende sein, weshalb auch
die Wassermassen, welche davon in die vorliegenden Thäler ab-
flossen und die letzte Gestaltung dieses Gebietes bewirkten, nur
geringe waren.
Die Annahme einer liegengebliebenen , selbständigen Eis-
decke auf dem baltischen Höhenzug, welcher auch Berendt zu-
neigt ^), erklärt am ungezwungensten die gleichmässige Abdachung
desselben nach N. und S., indem die Schmelzwässer nunmehr auch
nach N. einen Abfluss fanden. Ein allmähliges Zurückgehen des
Eises über die ganze Platte hinweg hätte wohl bewirken müssen,
dass dieselbe jetzt von zahlreichen Thalfurchen durchschnitten wäre.
Gegen die Annahme, dass die Abschmelzwässer durchaus
nicht in besonders mächtigen Massen das Land durchströmt haben,
scheint die Thatsache zu sprechen, dass die Bodensenken in
der baltischen Seenplatte, so weit wir dieselben als die Ero-
sionsthäler der eiszeitlichen Flüsse betrachten dürfen, sich durch
eine ausserordentliche Breite auszeichnen. Breite Thäler setzen
im Allgemeinen grosse Wassermengen voraus. ludess berechtigt
') A. Heim, Handbuch der Gletscherkunde. Stuttgart 1885. S. 495.
G. Berendt, Die Sande im norddeutschen Tieflande und die grosse dilu-
viale Abschmelzperiode. Dieses Jahrb. 1881.
Jahrbuch 1889.
[4]
50
W. Ule, Die Ticfenvorbältnisso der Masurischen Seen.
doch die Weite eines Thaies nicht allein zn dem Schlüsse anf
eine einstige grössere Wasserfnlle ^). Es fällt hier noch ein anderer
Factor in’s Gewicht, nämlich die Zeitdauer der Erosionswirknng.
Eine geringe Wassermenge vermag besonders in lockerem Gesteius-
material sehr gnt breite Thalungen zn schalten , wenn dieselbe
nur genügend lange arbeiten kann. Da wir nnn mit grosser Wahr-
scheinlichkeit ein langsames Abschmelzen der Gletscher annehmen
dürfen, so stehen die breiten Bodensenken keineswegs im Wider-
spruch mit der Behauptung, dass die zur Erosionswirkung ge-
langten Wassermassen keine bedeutenden gewesen sind.
Wenn nun weiter in Alasuren die Oberflächengestalt unter-
halb des Seespiegels dieselbe ist wie die oberhalb, so geht
auch daraiis hervor, dass zur Zeit der Bildung des Landes der
Grund der Wasserbecken ebenso sehr der erodirenden Kraft des
Wassers ausgesetzt war, wie die umgebenden Uferhöhen. Die
mechanische Arijeit grösserer Wassermassen hätte dagegen in dem
tieferen Theile des Landes zweifellos eine Oberflächenform schallen
müssen, welche von derjenigen des vom Wasser freigebliebenen
Landes weit unterschieden war.
Geinitz glaubte übrigens die Wirkung grösserer Wasser-
inassen durch die Beobachtung erwiesen, dass viele der Seen,
sowohl der kesselartig eingesenkten, wie der rinnenförmig ausge-
dehnten, an ihren Ufergehängen deutliche Abschuittsprolile zeigen,
welche nur durch eine mächtigere Erosion geschafien sein könnten.
Auch Wahnschaffe, der sich im Allgemeinen gegen die
GEiNiTz’sche Theorie ausspricht, giebt zu, dass alle diejenigen
Seen, welche Abschnittsprofile an ihren Steilräudern zeigen, der
Erosion durch glaciale Abschmelzwässer ihre Entstehung ver-
danken. Doch vermag der Verfasser, soweit er solche Steilgehänge
an den Seen hat beobachten können, darin nicht einen zwingen-
den Beweis für eine Erosion mächtigerer Wassermassen zu er-
kennen. Alan darf nicht vergessen, dass seit der letzten Ver-
eisung auch Wind und AVetter und die AVelleu des Sees an den
Ufern gearbeitet haben. Betrachtet mau sich nämlich ein solches
') K, vo.N Fritsch, Allgemeine Geologie. Stuttgart 1888. S. 319.
W. Ule, Die Tiefenverliältnisse der Masurischen Seen.
51
Steilufer geuaiier, so findet man, dass den steilen Ufer-
s2fehäno;eu eine mehr oder wenio-er breite Bodenterrasse vorire-
o o o o
lagert ist, welche theils über den Wasserspiegel hervorragt, theils
auch unter demselben sich fortsetzt. Wo nun die steile Boden-
erhebung zahlreiche Geschiebe aufweist, ist auch der Seegrund
stets mit einer Menge von grossen Steiublöckeu bedeckt, welche
geradezu wie Anhäufungen durch die Seewellen erscheinen. Diese
Thatsachen lehren deutlich, dass die Steilufer der Seen erst ein
AYerk der allerjüngsteu Thätigkeit des AVassers sind, dass hier
die Erosion erst stattgefundeu hat, nachdem der See selbst längst
vorhanden war. Die zahlreichen Geröllmasseii auf dem Vorland-
streifen sind die Ueberreste des ehemals sich gleichmässig nach
dem See abböschenden Ufers, die lockeren Theile des Bodens
sind fortgeschwemmt, die festen und schweren liegen geblieben.
Die tausendjährige Arl)eit der Atmosphärilien in Verlnndung mit
der brandenden Seewelle hat das üf(‘v abgenagt und ein steiles
Abschnittsprofil geschaffen, wo einst bei der Bildung des Landes
noch sauft ansteigende Hügel sich erhoben
Bei der bisherigen Betrachtung haben wir noch das Gefälle,
von dem ja die Grösse der Erosionswirkuug wesentlich abhängt,
unberücksichtigt gelassen. In dem baltischen Höhenrücken kann
aber, nach den jetzigen orographischeu Verhältnissen zu urtheilen,
das Gefalle des fliessendeu AVassers während der Eiszeit stellen-
weise ein ziemlich bedeutendes gewesen sein. Sicher werden damals
auch die auflagernden Gletschermassen noch die Neigung des
Bodens vermehrt halben, sodass die Abschmelzwässer von denselfieu
fast senkrecht herabstürzten. Die Eolge eines solchen steileren
Gefälles ist nun eine tiefere Auswaschung und Aushöhlung des
Bodens. Viele jener kesselartigen Vertiefungen inmitten der
Vlasurischen Seen mögen daher mit liecht auf eine vorüliergehend
mehr vertical wirkende Thätigkeit des AVassers zurückzuführen
sein. Allein derartige Ausräumungsbecken durch fliesseudes
') Diese Einwirkung von Wind und Wetter auf die Gestaltung der Seeufer
tritt uns auch bei festerem Gestein entgegen, z. B. an den Mansfelder Seen.
W. Ule , Die Mansfelder Seen. Mittheil, des Vereins für Erdkunde zu
Halle a. S. 1888.
52
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der MasuriscLen Seen.
Wasser besitzen niemals eine grössere Ansdehnung. Wenn also
Geinitz die Entstehuup’ der o-rossen Seen Meckleuburo-s dieser
o o o
verticalen Erosion, welcher er den Namen »Evorsion« beilegt,
zuweisen will, so widerspricht eine solche Annahme durchaus den
bisherigen Anschauungen über die Kraft des fliessenden Wassers.
Wir vermögen aber der Ansicht Geinitz’ schon darum nicht bei-
zupflichten, weil er für seine Theorie ein schnelles Abschmelzen
der Gletscher und das Vorhandensein grosser Wassermassen am
Schluss der Eiszeit fordert. Gerade diese aushöhlende Arbeit des
Wassers ist nur bei geringen Mengen denkbar, da in tieferen
und mächtigeren Wasseransammlungen senkrecht einstürzendes
Wasser auf dem Untergründe weit weniger zur Wirkung kommen
kann.
Durch vertical wirkendes, also strudelndes Wasser ist zweifel-
los eine grosse Zahl jener allseitig abgeschlossenen kessel-
artigen Vertiefungen entstanden, die wir überall im baltischen
Höhenrücken antreflen und als Sölle zu bezeichnen pflegen. In-
dessen manche dieser abflusslosen Wasserbecken bilden sicher auch
nur den Rest eines einst weit grösseren Sees, der heute durch
Vermoorung oder durch alluviale Anschwemmungen zum grössten
Theil auso'efüllt ist. Einige derselben lassen vielleicht aber auch
die nachstehende Erklärung für ihre Bildung zu. Sobald der
Gletscher bis zu einem gewissen Grade abgeschmolzen war,
musste sich die immer dünner werdende Eisschicht schliesslich in
einzelne Schollen auflöseu und es konnten dann solche selb-
ständigen Eisstücken in den vorher durch Wassererosion ge-
schaffenen Bodenvertiefungen liegen bleiben, seitlich und ober-
flächlich von Schutt umhüllt und dadurch vor weiterem, schnellem
Abschmelzen geschützt werden. Als später dieses im Boden eiu-
gegrabene Eisstück ebenfalls der Sonnenwärme erlag, blieb die
abflusslose kesselartige Bodensenke zurück i).
*) Die Zulässigkeit einer solclien Annahme geht aus der Thatsache hervor,
dass auf den Neusihirischen Inseln solche von Schutt überdeckte Eishügel ge-
funden wurden. S. Dr. A. Bunge’s und Baron E. Toll’s Forschungen im Jana-
Lande und auf den Neusibirischen Inseln 1885 und 1886. Petermann’s Mit-
theilungen 1888. S. 44.
W. Ule, Die Tiefenverhältnisse der Masurischen Seen.
53
Sind nun auch die Wassennassen, welche in dein lialtischen
Gebiet zur Wirkung kamen, verhältnissmässig geringe gewesen,
so verdankt dennoch die jetzige Oberflächengestalt wesentlich der
Wassererosion ihre Entstehung. Die hier abtragenden, dort auf-
schüttenden, hier schnell dahinstürzenden, dort im weiten Becken
sieh aufstauendeu Abschmelzwässer haben vorwiegend jene charak-
teristische »bucklige Welt« geschaffen. Und diese Arbeit haben
nicht nur die Gletscherbäche der letzten Vereisung verrichtet,
sondern von Beginn der Eiszeit an ist der baltische Boden durch
fliessendes Wasser modellirt worden. Ja Alfred Jentzscii will
sogar während der Eisbedeckuug selbst unter dem Gletscher ge-
wissermaassen eine subglaciale Erosion thätig sein lassen ^), eine
Annahme, die freilich noch sehr hypothetischer Natur ist. Die
Mannigfaltigkeit der Bodeuformeu im baltischen Höhenzug ist
gewiss auch dadurch noch erheblich vermehrt worden, dass die
Angriffspunkte der dem Eise entströmenden Flüsse im Laufe der
Zeit sich fortwährend verlegten. Schon das Ab- und Zuuehmen
der Schmelzwässer während der einzelnen Jahreszeiten musste
zur Vervielfältigung: der Oberflächemxestaltuno: beitragen. Die
O O C> Ö o
sommerlichen Wassermengeu haben zweifellos ein ganz anderes
Landschaftsbild hervorgerufeu als die winterlichen, welche vielleicht
völlig versiegten. Das häufige Auftreten mehr oder weniger selb-
ständiger Bodensenken in unmittelbarer Nachbarschaft scheint
einen solchen Wechsel der Flussläufe auzudeuten.
Im Hinblick auf die vorstehenden Erörterungen würde die
Oberflächengestalt der baltischen Seenplatte und damit die Bildung
der Seen auf Grund der orographischen Verhältnisse des Masuren-
landes etwa folgendermaassen zu erklären sein :
Die grossen orographischen Züge des Landes sind
wahrscheinlich durch die j üngstzeitlicheu tektonischen
Vorgänge in der Erdkruste hervorgebracht worden; un-
abhängig davon halien dann die von N. vordrängenden
Gletscher durch Aufschüttung und Ausräumung die
') A. Je.n’tzsch, Das Profil der Eisenbahn Könitz -TucheTLaskowitz. Dieses
Jahrb. 1883.
54
W. Üle, Dlo Tiefenvei’hältiiisse der Masurisclien Seen.
grossen Bodenseukeu des Landes geschaffen, allmäh-
lich erweitert und vertieft; vorwiegend aber hat die
erodireude Kraft der Schinelzwässer, welche in ver-
hältnissinässig geringen Massen, doch während langer
Zeit in häufig wechselnden Strombetten zur Wirkung
kamen, dem Boden die jetzige Gestalt gegeben, wobei
die liegengebliebeueu Eisschollen und das wahrschein-
lich noch in dem Gletscher eiugegrabene Gesteins-
material zur Vervielfältiorun<T der Oberflächenformen
beitrug, und ausserdem auch einige durch grössere
Neio’uuo; des Bodens entstehende Wasserfälle in die
sonst ebene Thalung tiefere Löcher eingruben.
Die Grenzscliicliten zwischen Hilsthoii
und Wealden bei Barsin gliansen am Deister
Von Herrn C. Strucktnann in Hannover.
(Hierzu Tafel XI -XIII.)
I. Einleitung.
Die Anlage eines neuen Tiefbauschachtos Seitens der Könia;!.
Bergwerksverwaltung in der Nähe des sogenannten Klosterstollens
bei Barsiugbauseu am Deister bot in diesem Jahre eine will-
kommene, nicht häufig wiederkehreude Gelegenheit zu einer ge-
nauen Beobachtung der Grenzschichten zwischen dem Hilsthoue
und den oberen Wealdenschiefern. Der Köuigl. Bergwei-ksdirector
Herr Oberbergratli VON Detten zu Barsinghauseu hatte die grosse
Freundlichkeit, bei Ausführung der Arljeiten nicht allein von
sämmtlichen durchfahrenen Gebii’gsschichten durch den Herrn
Steiger August AIeyer mit der grössten Sorgfalt Gesteinsproben
aufbewahreu und genau bezeichnen, dabei auch die vorkommeuden
Versteinerungen sorgfältig sammeln zu lassen, sondern derselbe
gestattete mir auch mit der grössten Bereitwilligkeit, diese Samm-
lung behufs meiner Arbeit zu benutzen und auf der Halde weitere
Aufsammluu2:en vorzuuehmeu.
Das Vorhandensein dieser Sammlung ist um so wichtiger,
weil das Abteufen des Schachtes grösstentheils bei ungünstiger
AVitterung während des AVinters 1888/89 und während des Früh-
56 C. Stkuckmasn, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
jahrs 1889 geschah, so dass in den thonigen Schichten während
der Arbeit verhältnissmässig nur wenige Versteinerungen aufge-
sammelt werden konnten. Eine viel günstigere Gelegenheit zum
Sammeln bot sich mir in diesem Sommer auf der Halde bei
trockener Witterung und habe ich Tage lang ausschliesslich zu
diesem Zwecke benutzt. Wenn mir nun auch die bezüglichen
Gebirgsschichten aus anderen Aufschlusspunkten am Deister sehr
genau bekannt sind, so war es für mich doch sehr wichtig, in
zweifelhaften Fällen die Gesteinssammlung zu Rathe ziehen zu
können. In Folge dieses günstigen Umstandes und der Unter-
stützung Seitens des Herrn Oberbergraths von Detten und der ihm
untergebenen Beamten düiden meine Beobachtungen auf volle
Zuverlässigkeit und die grösste Genauigkeit Anspruch erheben;
eine um so grössere Befriedigung gewährt es mir, den genannten
Herren auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank aus-
sprechen zu dürfen.
Leider mussten die bergmännischen Arbeiten wegen des
grossen Wasser-Andranges vorläufig und bis zur Aufstellung neuer
Maschinen eingestellt werden, bevor der obere Wealden in seiner
ganzen Mächtigkeit durchsunken war. Nach den ausgeführten
Bohrungen folgen noch 2 Meter lockere Schieferthone und dann
eine feste Sandsteinschicht.
2. Die geognostischen Verhältnisse.
In Betreff der allgemeinen geognostischen Verhältnisse be-
merke ich, dass sich der unter dem Namen »Deister« bekannte
Gebirgszug in der Richtung von OSO. nach WNW. zwischen
den Ortschaften Völksen und Nenndorf in einer Längenausdehnung
von etwa 23 Kilometer erstreckt. Der Hauptzug des Gebirges
ist aus den verschiedenen Gliedern der Wealdenbildungen zu-
sammengesetzt; die Vorhöhen, welche sich an den steilen süd-
lichen Abfall des Gebirges anlehnen und dieser selbst werden aus
den Gesteinen der oberen Juraformation gebildet. Der nördliche
O
Abfall verflacht sich sehr allmählich, und hier werden an der
bei Barsinghausen am Deister.
57
Grenze der Thalsohle die oberen Wealdenschiefer vom Hilsthon
regelmässig überlagert. Das grosse Dorf Barsinghausen, Sitz der
Berginspeetion (es wird ein bedeutender Bergbau auf die Stein-
kohlen der Wealdenbildungen betrieben) liegt am Nordfusse des
Deisters etwa 7 Kilometer vom westlichen Ende des Gebirges.
Die beifolgende Skizze mag zur Erläuterung der Lagerungsverhält-
nisse dienen. Ausführliche Mittheilungen über die geognostischen
Deisrer
Kimmeridge. Portland. Münder- Serpulit. VVealden- Obere Wealdeu- Hilsthon. Gault.
Mergel. Sandstein. Schiefer.
Verhältnisse des Deisters finden sich in folgenden, von mir ver-
fassten Schriften:
»Geognostische Studien am östlichen Deister«. 27. und
28. Jahresbericht d. naturh. Ges. in Hannover 1879.
»Geognostische Studien am Deister II«. 29. u. 30 Jahres-
bericht d. naturh. Ges. 1880.
»Die Wealden- Bildungen der Umgegend von Hannover«.
Hannover 1880.
»Die Portland-Bildungen in der Umgegend von Hannover«.
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Jahrgang 1887.
Im Ganzen sind Seitens der Bergwerksverwaltung beim Ab-
teufen des neuen Tiefbauschachtes am Klosterstollen bei Barsing-
hausen 276 Gesteinsproben den verschiedenen Gebirgsschichten
bezw. Höhenlagen entnommen worden. Für den vorliegenden
Zweck würde es jedoch durchaus kein Interesse haben, dieselben
im Einzelnen aufzuführen und zu beschreiben ; vielmehr beschränke
ich mich darauf, je nach dem Wechsel in der petrographischen
BeschaflPenheit und der Versteinerungen einzelne Gruppen zu
bilden.
58 C. Struckmann, Die Grenzscliicliten zwischen Hilsthon und Wealden
I. Hilsthoii.
Nachdem einige Meter Dammerde, Thalschotter und Diluvial-
lehm abgeräumt waren, wurden folgende Schichten zu Tage ge-
fördert :
1. Magere graublaue Schieferthoue in den unteren
Lao-eu mit einzelnen a:elblich-<!:raueu thouifjen
O O O ö
Geoden, Schichten, in denen keine Versteine-
rungen gefunden wurden 5,12 Meter
2. Schieferthone derselben Beschaffenheit mit
grossen Exemplaren von BeJemnites suhqua-
dratus A. Koem. (ziemlich häufig) und ein-
zelnen Exemplaren von Ammonites (Olcoste-
jyhanus) nucleus A. Roem 6,41 »
3. Schieferthon gleicher Beschaflenheit mit den-
selben Versteinerungen, ausserdem mit Hoplites
sp. und dem ersten Exemplare von Exogyra
sinuata Sow 1,48 »
4. Schieferthon derselben Beschaffenheit mit Exo-
gyra sinuata Sow. (sehr häufig), Ammonites
(Olcostephanus) midtiplicatus A. Koem., Pano-
paea plicata Sow. und dem ersten Exemplare
von Ammonites (Amaltheus) heteropleurus Neu-
mayr u. Uhlig 5,57 »
5. Fetter blaugrauer Schieferthon mit Exogyra
sinuata Sow. ( häufig ) , Thracia Phillipsii
A. Roem. (in sehr grossen Exemplaren, häufig),
CuGullaea Gabrielis Leym. (nicht häufig), Am-
monites (Amaltheus) Gevrilianus d'Orr. (häufig)
und Ammonites (Amaltheus) heteropleurus'iA'E.vu.
u. Uhlig (selten) 2,80 »
6. Alag-erer o[raublauer Schieferthon mit einzelnen
steinartig verhärteten, heller gefärbten Thou-
schichten und zerstreut vorkommenden grau-
gelblichen thouigen Geoden, sowie mit einer
Transport 21,38 Aleter
bei BarsiuffLausen am Deister.
59
Transport 21,38 Meter
0,28 Meter mächtigen Einlagerung eines
grauen, harten, thonigen Kalksteins mit nn-
hestinunbaren Resten von Versteinerungen.
Folgende Petrefiicten wurden in dieser
Schichtenfolge bisher nachgewiesen : Ammo-
nites {Amaltlmis) Geoviliaims d’Opju (häufig),
Ammoniten (AmaJtheiis) Marcousanits d’Orb.
(selten), Thracia PlnlUpsii A. KoEM., Pano-
’puea cylindi'ica, Pictet et Camp., Niicuhi
subtrigona A. RoEM., Nucuta scapha d’Orb.,
Modiola aegualis Sow. , Pecten crassitcsta
A. Rüem., Natica sp. und der unbestimm-
bare Rest eines Krebses 3,92 »
7. Plastischer dunkelgraublauer Thon mit Am-
monites (Amaltheus) Georüianus d’Orb. und
Panopaea plicata Sow 0,41 »
Gesammte Mächtigkeit des ITilsthones 25,71 Meter.
Da die gesammte Mächtigkeit des Hilsthones nach Credner ^)
am Nordfusse des Deisters gegen 90 Meter beträgt, so ist also
nur das untere Drittel der Schichtenfolge in dem neuen TiefTau-
schachte bei Parsinghausen aufgeschlossen worden. Als besonders
charakteristische Versteinerungen für diesen unteren Ililsthon sind
Amaltheus Georilianus^ Olcostephanus nucleus^ Exogyra sinuata und
Pecten crassitcsta anznsehen.
Das nächst höhere Niveau des Hilsthones war vor etwa 20 Jahren
bei der Anlage eines neuen Stollens bei Egestorf etwa 4 Kilometer
östlich von Parsinghausen gut zu beobachten und wird vorzugs-
weise durch lloplites amblygonius Neum. u. Umlig (Amm. noricus
A. Roem.), Uoplites radiatus Prüng. (Amm. asper Merian), Belem-
nites pistillum A. Roem. und häufiges Voi-kommen von Meyeria
ornata Phill. bezeichnet, M-ährend darüber sodann die sogenannten
Crioceras - Schichten folgen. *
9 Heink. Credner, Erläuterungen zu der geognostiscben Karte der Umgegend
von Hannover, 1865, S. 15.
60 0. Struckmann, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
II. Wealden.
In anscheinend ganz gleichförmiger Lagerung, aber sowohl
in petrographischer als in palaeontologischer Beziehung scharf
geschieden , folgen unmittelbar unter den untersten Schichten des
Hilsthoues folgende dem oberen Wealden angehörige Schichten:
] . Magerer dunkelgrauer oder schwärzlicher,
dünnblättteriger Schieferthon mit Cyrena
nuculaeformis A. Roem. , Cyrena lato-ovata
A. Roem., Cyrena tmioides Der. und Cyrena
ovalis Der. , erstere namentlich in grösster
Häufigkeit 0,88 Meter
2. Dunkelgrauer bis schwärzlicher, dünnblätte-
riger Schieferthon und Mergelschiefer mit ein-
gelagertem härterem Thonschiefer und dünnen
Schichten eines grauen, bituminösen, fast nur
aus zerbrochenen Cyreuenschalen bestehenden
Kalksteins und kalkreichen Cyreueuschiefers.
An Versteinerungen wurden gesammelt: Me-
lania strombiformis Schloth. sp. (in be-
stimmten Lagen sehr häufig), Melania tri-
carinata Der. (häufig), Melania riigosa Der.,
Melania Hausmanni Der. , Melania attenuata
Sow. (selten), Paludina Roemeri Der. (in
einzelnen Lagen sehr häufig), Paludina elon-
gata Sow. , Cyrena nucidaeforniis A. Roem.,
Cyrena lato-ovata A. Roem., Cyrena ohtusa
A. Roem., Cyrena dorsata A. Roem., Cyrena
orbicularis A. Roem. , Cyrena tenuis Der.,
Cyrena ovalis A. Roem., Cyrena Der.,
Cyclas Brongniarti Der. u. Koch, Cyclas sub-
trigona Der., Cyrena rugosa P. de Loriol
(selten), Cucullaea texta A. Roem. (einzeln),
Corbida alata Sow. (einzeln), Corbula (?)
Transport 0,88 Meter
bei Barsinghausen am Deister.
61
Transpoi’t
subquadrata Dkr. ( selten ) , Modiola litho-
domus Dkr. u. Koch (einzeln), Cypris laeci-
gata Dkr. (auf einzelnen Schichten in grosser
Menge), Hyhodus Fittoni Dkr. (Bruchstück
eines Flossenstachels)
3. Dunkelgraue, auch bräunliche und bläuliche
meist dünublätterige Schieferthone, abwech-
selnd mit sehr bituminösen, bröckeligen, bis
fussdickeu Mergelschiefern, welche fast aus-
schliesslich aus CorbuJa - Schalen , einigen
Cyrenen und Melanien zusammengesetzt sind,
und mit einzelnen Zwischenlagen eines heller
gefärbten, an Versteinerungen armen thonigen
Kalksteins. In dieser Schichtenfolge wurden
au Versteinerungen beobachtet: Mehinia ru-
gosa Dkr. (häufig), Melania stronibiforniis
ScHLOTH. (einzeln), Paludina Roemeri Dkr.,
Modiola lithodomus Dkr. u. Koch (einzeln),
Corbula alata Sow. (sehr häufig), Corbula sub-
laevis A. Roem. (häufig), Cyrena rugosa Sow.
(selten), Cyrena nucidaefonnis A. Roem. (sehr
häufig), Cyrena tenuis Dkr., Cyrena fasciata
A. Roem. (selten) , Cyrena vemdina Dkr.
(einzeln), Cyrena obtusa A. Roem., Cyrena
ovalis Dkr., Cyrena elUptica Dkr., Cyrena
orbictdaris A. Roem. (selten)
4. Dunkelgraue bis schwarze , meist mürbe
Schieferthone , welche Cyrena lato - orata
A. Roem. sehr häufig und in grossen Exem-
plaren, daneben Cyrena nuculaeformis A. Roem.,
Cyrena ovalis Dkr. und einzeln Cucidlaea texta
A. Roem. enthalten, abwechselnd einmal mit
einigen steiuartig erhärteten, gelblich -grauen
0,88 Meter
3,87 »
4,36 »
Transport 9,11 Meter
62 C. Stkuckmann, Die Grenzscliicliten zwischen Uilsthou und Wealden
Transport 9,11 Meter
Thouschicliteu , welche Schalen von Cyrena
suhluevis A. Roem. nnd Cyrena Heysii Dkr.
in grosser Anzahl führen nnd sodann mit
dünnen Platten eines dnnkel-granen, bitnini-
nösen, krystallinischen Kalksteins, welcher znm
grössten Theil ans zerdrückten Schalen von
Cucullae a texta A. Koem. I)esteht nnd auf
dessen Schichtenflächen ausserdem einzelne
Schalen von Cyrenen, darunter Cyrena par-
virostris A. IvOEM. , Corhula alata Sow. nnd
Melania rugosa Dkk. gefunden wurden, wäh-
rend einzelne Platten ausserdem Paluclina
Tlagenowii Dkr. in grosser Ilänfigkeit ent-
halten 7,11 »
5. Grauer dünnhlätteriger Schieferthon mit vielen
zerdrückten Cyrenenschalen , unter denen
Cyrena lato-orata zn erkennen war, nnd mit
zahlreichen Exemplaren von ModioJa lifho-
domus nnd jnngen Schalen von Cyrena. rugosa^
während ausserdem noch Melania attenuuta
Dkr. gefunden wurde 0,84 »
Zusammen 17,06 Meter.
Da nun nach früheren Beobachtium'en die Mächtio-keit des
O O
oberen Wealden, d. h. der Schichten zwischen dem Hilsthone
und dem Hastingssaudsteine, am Klosterstolleu bei Barsinghausen
33,08 Meter beträgt, so ist anzunehmen, dass bei den versuchs-
weise vorgenommenen Bohrungen im neuen Tiefbanschacht bei
einer Tiefe von weiteren 2 Meter, also von 19 Meter unter dem
Hilsthone nicht der Hastingssandstein, sondern der feste, quarz-
reiche Sandstein augebohrt worden ist, der sich bei der Anlage
des Klosterstollens bei Barsinghansen nach meinen früheren Mit-
theilungeu in einer Tiefe von 20 Aleter unter dem Hilsthone ge-
funden hat^). Voraussichtlich werden daher noch weitere 16 Meter
') C. Stkuckmann, Die Wealden -Bildungen der Umgegend von Hannover,
1880, S. 30.
bei ßarsingliausen am Deister.
G3
in dem neuen Schachte ahgeteuft werden müssen, bevor der
mittlere Wealden erreicht wird.
Der besseren Uehersicht wegen lasse ich nunmehr ein Ver-
zeichniss der sämmtlicheu bisher sowohl im unteren Ililsthone als
im oberen Wealden bei der Anlage des neuen Schachtes auf-
gefunden Versteinerungen folgen. Auf Vollständigkeit kann da.s-
selbe allerdings keinen Anspruch erheben, weil die äusseren Ver-
hältnisse das Sammeln nur theilweise begünstigt haben.
3. Verzeichniss der aus den Schichten des Tiefbau-
schachtes gesammelten Hiis- und V/ealden-Versteinerungen.
u
0)
2
c
IVorkommen
bei Barsing-
hausen
Yei
im
lireitung in älteren Schichten
nordwestlichen Deutschland
bi a
. ^
Kimmeridge
a
cä
Versteinerungen
Hilstho)
Oberer
Wealde
Mittlere
Wealde,
Untere:
Wealde
( Purbec
Oberer
Portlan
u a
<v
V o
^Ph
Oberer
Mittlerer
Unterer
J. Versteiuernngen ans
dein Hilstlion.
1
Exogyra sinuata Sow
hh 1)
2
Modiola {Mjitilas) aequalis d’Oub.
S
3
Niicuhi suhtrigona A. Koem. . . .
h
4
Nucitla scapha d’Oub
h
5
Thracia Phil/ipsü A. Roem. . . .
h
C)
Panopaea plicata Sow
m
7
Panopaea cyllndrica Pictet et Casip.
s
8
CueuUaea Gahrielis Leym
in
9
Belemniies subguadratas A. Roem.
h
10
Amaltheus Gevriliaiius d’Okb. . . .
h
11
Amaltheus heteropleurus Neum. u. Uhl.
s
.
12
Amaltheus Marcousanus d’Oub. . .
s
13
Olcostephanus nucleus A. Roem. . .
s
14
Olcostephanus multiplicatus A. Roe.m.
ni
') hli bedeutet ein selir häufiges Vorkommen,
li bedeutet ein häufiges \’oi kommen,
m bedeutet ein ziemlicli häufiges Vorkommen.
S bedeutet ein seltenes Vorkommen.
SS bedeutet ein sehr sehr häufiges Vorkommen,
-b bedeutet ein Vorkommen überhaupt.
64 C. Stuuckmann, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
1 Laufende Nummer II
Namen
der
Versteinerungen
Vorkommen
bei Barsing-
hausen
Verbreitung in älteren Schichten
im nordwestlichen Deutschland
1
Hilsthon j
Oberer
Wealden j
Mittlerer
Wealden
Unterer
Wealden
(P urbeck)
Oberer
Portland
Unterer
Portland
Kimmeridge
Oberer
Mittlerer
Unterer |
2. Versteinerungen aus dem Oberen
Wealden.
15
Modiola lithodomus Dkr. u. Koch
h
m
m
hh
h
16
Cyrena rugosa P, de Lor
h
.
h
h
hh
hh
m
17
Cyrena nuctdaeformis A. Roem. . .
hh
+
m
18
Cyrena orbicularis A. Roem. . . .
h
h
19
Cyrena Heysii Der
ni
.
20
Cyrena lato-ovata A. Roem. . . .
hh
21
Cyrena elliptica Der
ni
hh
22
Cyrena ohtusa A. Roem
m
h
23
Cyrena ovalis Der
h
+
24
Cyrena unioides Der
s
25
Cyrena siihlaevis A. Roem
h
+
26
Cyrena venuUna Der
s
27
Cyrena dorsata Der
m
h
28
Cyrena parrirostris A. Roem. . . .
s
h
ni
29
Cyrena tenuis Der
h
hh
30
Cyrena fasciata A. Roem
s
+
31
Cyclas suhtriyona Der
m
32
Cyclas Brongniarti Der. u. Koch . .
s
S
m
s
33
Cucullaea texta A. Roem
h
.
+
m
h
s
34
Corbida alata Sow
hh
+
h
hh
hh
35
CorbuJa sublaevis A. Roem
h
,
36
Corbida (1) subquadrata Der. . . .
S
37
Melania stronibiformis Scht.oth. sp. .
hh
h
38
Melania tricarinata Der
h
.
39
Melania attenuata Sow. sp
s
s
hh
40
Melania rugosa Der
h
s
41
Melania Hausmanni Der
s
42
Faludina elongata Sow
ni
in
m
43
Paludina Roemeri Der
hh
4-
s
ll
.
44
Paludina Hagenowii Der
h
45
Cypris laevigata Der
hh
li
•
46
Hybodus Fittoni Der
s
•
bei Barsinghausen am Deister.
65
4. Allgemeine Ergebnisse.
Die Lageriuigsverbältnisse der Grenzschichten zwischen Hils-
thon und Wealden und das vorstehende Verzeichniss der Ver-
steinerungen aus beiden Bildungen geben zu folgenden Betrach-
tungen Veranlassung:
1. Wenn auch anscheinend eine gleichförmige Ueberlagerung
der Wealden-Bildungen durch den Hilsthon stattfindet, so ist doch
ein allmählicher Uebergang beider Bildungen in keiner Weise
wahrnehmbar. Einmal, worauf allerdings weniger Gewicht zu
legen ist, besteht der Hilsthon vorwiegend, insbesondere an der
unteren Grenze, aus einem bläulich gefär1)ten, mehr oder weniger
fetten Thone, der im feuchten Zustande plastisch wird und daher
auch zur Ziegelfabrikafion verwendet werden kann, während die
Schieferthone der Wealden - Bildung stets mager und vielfirch
bituminös sind, eine mehr mergelige Beschaffenheit haben, an der
Luft zerfallen und niemals plastisch werden. Die Grenze ist für
ein "eübtes Aime eine durchaus scharfe.
O O
Weit wichtiger sind al)er die Unterschiede in den palaeonto-
looischen Einschlüssen beider Bilduno’en. Der Hilsthou umschliesst
Ö O
bis an seine unterste Grenze eine rein marine Fauna mit zahl-
reichen Ammoniten und anderen Mollusken, die nur Bewohner
des Meeres sind, während der Charakter der Fauna ganz plötz-
lich ein anderer wird, sobald die Wealden-Bildungen erreicht sind.
Durch das massenhafte Auftreten von Cyrenen und Melanien
wird bekundet, dass der Wealdenthon aus einem brakischeu Ge-
wässer niedergeschlagen worden ist; es kommen in ihm allerdings
auch einige fossile Reste von Thieren vor, die im Salzwasser leben,
jedoch verschwinden diese gegen die Masse derjenigen Mollusken,
die als Bewohner des Brakwassers bekannt sind. Es kann kein
Zweifel darüber bestehen, dass die Fauna des oberen Wealden
eine limnische, diejenige des Hilsthones eine marine ist. Dabei ist
der Wechsel ein so plötzlicher, dass auch nicht eine einzige Ver-
steinerung des Wealden in den Hilsthon herüberreicht. Auf diese
Erscheinung ist ein um so grösseres Gewicht zu legen, weil bis
15]
Jahrbuch 1889.
66 C- Struckmann, Die GrenzscLicliten zwischen Hilsthon und Wealden
dahin, wie ich dieses in meinen früheren Arbeiten über den
oberen Jura und Wealden auf das Bestimmteste nachweiseu konnte,
durch die wesammte mächtiire und vielfach o-egliederte Schichten-
folge des oberen Jura bis zum oberen Wealden ein ganz all-
mählicher Uebergang der fossilen Fauna zu beobachten ist. Ein
solcher ist überhaupt überall da zu erwarten, wo eine ununter-
brochene Bildung der Niederschläge vor sich gegangen ist.
Betrachten wir nun aber unter diesem Gesichtspunkte die
Grenzschichten des oberen Wealden und des Ililsthones mit dem
ganz plötzlich auftretenden Wechsel in der Faxma, so ist es geradezu
undenkbar, dass hier eine ununterbrochene Bildung der Nieder-
schUme stattgefunden haben sollte. Nach dem heutla^en Stande
der Wissenschaft ist es eine unmögliche Annahme, dass die bra-
kische Fauna plötzlich zu Grunde gegangen und in demselben
Gewässer einer rein marinen Fauna Platz gemacht haben sollte.
Wollte man zu diesem Zwecke aber gewaltsame Umwälzuno:eu vor-
aussetzen, so müssten solche in den Lagerungsverhältnissen gleich-
falls ihre Spuren hinterlassen haben. Schichtenstörnngen sind
aber in den Grenzschichten nicht erkennbar; vielmehr werden die
obersten Schichten des Wealden ffleichförmier vom Ililsthone
überlagert. Falls ein plötzlicher Einbruch des Meeres in die
brakischen Wealdengewässer stattgefnnden hätte, würde eine Ver-
mischung der Niederschläge und der thierischen Ueberreste ganz
unvermeidlich gewesen sein, während thatsächlich eine völlig scharfe
Grenze vorhanden ist.
Die natürlichste Erklärung wird iinter diesen Umständen in
der Annahme einer Lücke zwischen den Ablagerungen des
Wealden und des Ililsthones gefunden, wie ich dieses bereits in
meiner Arbeit über die Portland -Bildungen der Phngegend von
Hannover hervorgehoben und ausführlich begründet habe.
Diese Annahme wird wesentlich unterstützt durch die nach-
foLende nähere Betrachtung über den Charakter der Wealden-
Fauna.
2. Ich habe bereits in früheren Arlieiten wiederholt darauf
aufmerksam gemacht, dass zwischen der Fauna des oberen Jura
') Zeitschr. cl. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1887, S. 58 ff.
bei Barsinffhausen am Deister.
67
uud des Wealden ein sehr allmählicher Uebergang stattlludet und
dass letztere noch wesentlich einen jurassischen Charakter trägt ^).
In einer neueren Arbeit konnte ich uachweisen, dass 13 Arten
thierischer Versteinerungen in den hannoverschen Portlandschichten
und im Wealden gemeinschaftlich Vorkommen und zwar;
Exogyra bulla^ Gervillia arenaria^ Modiola Uthodovius^
Cardinia suprajurensis, Cyrena nuculaeforniis^ Pisidmm
pygmaeum^ (Jorbtda inflexa ^ Corbula alata , Palud.ina
Roemeri, Paludina sccdariformis^ Melania attenuata^ Es-
theria eUiptica und Pycnodus Mantelli.
Von diesen Versteinerungen haben sich auch in den vor-
stehend beschriebenen oberen Wealdenschichten von Barsincchausen
gefunden :
Modiola Uthodomus, Cyrena nuculaeformis^ Corbtda alata^
Mela7iia attenuata, Paludma Roenieri.
Dazu kommen noch ausser Cyclas Brongniarti zwei weitere
Versteinerungen, die zum ersten Mal von mir im Wealden auf-
gefunden sind uud da sie auch im oberen Jura weit verbreitet
sind, unser ganz besonderes Interesse in Anspruch nehmen: Cy-
rena rugosa und Cucullaea texta. Die erstere, Cyrena (Cytherea)
rugosa DE LOR. (Sow.), welche von mir im Jahre 1871 zum
ersten Mal im oberen Jura Deutschlands nachgewieseu wurde ^),
bildet für denselben eine der wichtigsten Leitfossilieu und ist bei
uns durch die ganze Schichtenfolge vom unteren Kimmeridge
(Astartien) bis zum oberen Portland häufig und weit verbreitet.
Ich hatte schon längst vermuthet, dass diese Cyrena sich auch im
’) TJeber den Serpulit (Purbeckkalk) von Volksen am Deister, über die Be-
ziehungen der Purbeckschiehten zum oberen Jura und zum Wealden und über
die oberen Grenzen der Juraformation. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahr-
gang 1879, S. 227 ff. Die Wealden- Bildungen der Umgegend von Hannover.
Hannover 1880, S. 105 ff.
Die Portland- Bildungen der Umgegend von Hannover. Zeitschr. d.
Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1887, S. 57.
Die Pteroceras- Schichten der Kimmeridge -Bildung bei Ahlem unweit
Hannover. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1871, S. 214 ff.
[5*1
68 C. Struckmann, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
Wealden finden würde; indessen war mir der Nachweis bisher
nicht gelungen. Um so grösser war meine Freude, als ich die-
selbe in diesem Jahre in verschiedenen unzweifelhaften Exemplaren
bei Barsinghansen im oberen Wealden entdeckte.
Nicht minder interessant war mir das Auffinden von Cucullaea
texta A. Roem. Ich besitze schon seit längerer Zeit ein Exemplar
dieser Art aus dem oberen Wealden vom kleinen Süutel bei
Münder; da ich dasselbe aber nicht selbst aufgelesen habe, unter-
liess ich bisher die Veröffentlichung dieses Fundes, obwohl mir
die Herkunft nach der Gesteiusbeschaffeuheit gar nicht zweifel-
haft war. Der obere Wealden aus dem Tiefbauschacht am
Klosterstollen bei Barsinghausen hat mir aber nunmehr so zahl-
reiche Exemplare in allen Altersstadien geliefert, dass die Zu-
gehörigkeit der Cticullaea texta zur Fauna des oberen Wealden
ganz unzweifelhaft ist. Dass diese Muschel so lange übersehen
wurde, hat wahrscheinlich nur darin seinen Gi’und, dass die
Schalen meist nur mit dem etwas abgeriebenen Bücken aus den
Gesteinsplatten hervorragen und dann leicht mit grossen Cyreuen
verwechselt werden. Nachdem ich aber einmal das erste Frag-
ment eines Exemplares mit Schlossraud entdeckt hatte, habe ich
später eine grosse Anzahl Amrtrefflich erhaltener Schalen einzelnen
Gesteinsschichten entnommen, in welchen diese Muschel überaus
häufig vorkommt. Cucullaea texta ist bei Hannover häufig im
O O
mittleren Kimmeridge , findet sich einzeln auch im unteren und
oberen Kimmeridge und an anderen Orten, z. B. am Hilsgebirge
auch in den unteren Portlandschichten.
Das Anffiudeu dieser beiden , für den oberen Jura sehr
bezeichnenden Versteinerungen im oberen Wealden des Deisters
darf von mir gewiss mit Recht als eine weitere Stütze der oft von
mir ansgesprochenen Ansicht betrachtet werden, dass die fossile
Fauna des Wealden einen jurassischen nud durchaus keinen creta-
ceischen Charakter trägt. Das Vorkommen einer grösseren Anzahl
von jurassischen Versteinerungen im oberen Wealden macht es sogar
sehr wahrscheinlich, dass zur norddeutschen Wealdenzeit an anderen
Orten noch ein Jura-Meer existirt hat; denn der mittlere Wealden
(Hastings-Sandstein) charakterisirt sich vorzugsweise als eine Süss-
bei Barsinghausen am Deister.
69
Wasser- und Sumpfbildung, welche meerbewoluieude Mollusken-
Gescblechter fast gar nicht enthält. Da solche aber von neuem
im oberen W ealden und zwar lediglich in Arten auftreteu, welche
dem Jura augehören, so muss uothweudig angenommen werden,
dass dieselben aus einem Jura-Meere in die brakischeu Gewässer,
aus welchen der obere Wealdeu niedergeschlagen ist, eiugewau-
dert sind.
3. Beide Betrachtungen führen dahin, dass der Haunover’sche
Wealdeu, wie ich dieses bereits auf Grund früherer Untersuchungen
wiederholt hervorgehoben habe, noch der Jura -Periode hinzu-
zurechnen ist. Die zuerst von Herrn von Strombeck aufgestellte
scharfsinnige Hypothese, dass die Wealdeu -Bildungen mit der
unteren Hilsbildung, dem sogenannten Hilscouglomerat gleich-
alterig, also mit dem Neocomieu inferieur in Parallele zu stellen sei,
wird freilich anscheinend durch die Lageruugsverhältnisse unter-
stützt und ist daher von den meisten Geologen als richtig an-
genommen worden. Meiner Ansicht nach fehlt aber bis jetzt noch
ein entschiedener Beweis für diese Annahme. Es ist vielfach
zur Unterstützung derselben darauf hiugewieseii worden, dass am
Elligser Brink in der Hilsmulde eine Wechsellageruug zwischen
den unteren Kreideschichten und dem Wealdeu stattfiudeu soll;
indessen steht diese Thatsache noch nicht unzweifelhaft fest, in-
dem die Möglichkeit keineswegs ausgeschlossen ist, dass die Ver-
steinerungen, die mau zusammen gefunden und aus denen mau
jene Wechsellagerung gefolgert hat, nicht aus anstehenden, sondern
aus zusammengeschwemmteu Schichten gesammelt sind. Georg
Boehm spricht sich in dieser Beziehung nicht mit voller Bestimmt-
heit aus ^).
Auch in England will man in den höchsten Schichten des
Wealdclay eine Wechsellagerung zwischen den brakischeu Nieder-
schlägen und marinen Sedimenten mit Neocom -Versteinerungen
beobachtet haben; aber selbst, wenn diese Beobachtung durch
fernere Untersuchungen bestätigt werden sollte, lässt sich daraus
*) Georg Boehm, Beiträge zur geognostischen Kenntniss der Hilsmulde.
Zeitscbr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1877, S. 224.
70 C- Struckmann, Die Grenzscliichteu zwischen Hilsthon und Wealden
für die Stellung des norddeutschen Wealden nicht ohne Weiteres
ein Beweis ableiten. Denn nach den vorliegenden neueren Mit-
theilungen scheinen die Wealdenbildungen in England oberhalb
der Purbeckschichten erheblich mächtiger entwickelt zu sein, als
iin nördlichen Deutschland. Nach Topley^) erreichen die Hastings-
beds (mittlerer Wealden, wenn die Pnrbeckschichteu als unterer
Wealden angesehen werden) im Bezirk von Plastings eine Mächtig-
keit von 600 — 700 Puss und der Wealdclay eine solche von
900 — 1000 Fuss. Am Deister bei Hannover beträc^t daere^n die
Alächtigkeit des Hastingssandsteins mit den eingelagerten Mergel-
schichten (d. h. des mittleren Wealden) 190 — 220 Meter, des
oberen Wealden aber nur 30 — 40 Meter. Für das Schauni-
burgische (Fürsteuthum Schaumburg -Lippe und Kreis Rinteln)
ist nach den Mittheilungen von Dbgenhardt ^) bisher eine strenge
Gliederung der Wealdenbildungen noch nicht durchführbar gewesen;
nach vorliegenden Bohrtabelleu erreicht aber der Wealden über
den Purbeckschichten in der Nähe des Bahnhofs Kirchhorsteu eine
Mächtigkeit von mindestens 374 Meter.
Jedenfalls scheinen in England die brakischeu Ablagerungen
zu Ende der Jurazeit während eines läno-eren Zeitraums aua:edauert
zu haben, als im nördlichen Deutschland, und es würde durchaus
nicht auffallend sein, wenn sie dort bis in die Kreideperiode hinein-
reicheu, während im nördlichen Deutschland nach Ablag-eruusr
des minder mächtigen oberen Wealden eine Festlaudsperiode eintrat.
Mau darf eben die Wealden-Bildnugen nicht als eine geschlossene
Formation, sondern nur als eine Facies betrachten, d. h. als limuische
Ablagerungen zu Ende der Jurazeit, die in einigen Gegenden
vielleicht noch bis in die Kreideperiode hinreicheu. Die palaeon-
tologischen Verhältnisse des englischen Wealden sind leider noch
zu wenig bekannt, um daraus entscheidende Schlussfolgerungen in
Betrefi' des geologischen Alters dieser Bildungen, bezw. der ein-
zelnen Abtheiluugen derselben ableiten zu können.
9 William Topley, The Geology of the Weald. London 1875, S. 45 — 69
und S. 96.
9 Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges., Jahrg. 1884, S. 678 ff.
bei Barsingliausen am Deister.
71
Schliesslich will ich uoch darauf hiuweiseu, dass, soviel mir
hekamit, nirgends im nördlichen Deutschland Uebergänge zwischen
den marinen Schichten des oberen Jura und den ältesten Kreide-
schichten, d. h. dem Hilsconglomerat beobachtet worden sind, was
man doch erwarten dürfte, wenn letzteres thatsächlich das marine
Aequivalent der Wealdenbildungen darstellen sollte. Ebensowenig
ist bisher ein allmählicher Uebergang der Purbeckschichten, die
allgemein noch dem oberen Jura zugerechnet werden, und der
unteren marinen Kreideschichten wahrgenommen. Mir erscheint
es vielmehr höchst wahrscheinlich, dass wir das marine Aec[ui-
valent der Wealdenbildungen nicht im Hilsconglomerate, sondern
in den jüngsten Jura- Schichten der Alpen und in den dortigen
Uebergangsschichten zur untersten Kreide, d. h. in den obersten
Tithonschichten zu suchen haben.
5. Palaeontologische Bemerkungen.
a. Versteinerungen des HilstKones.
1. Ammoiiites (Amaltlieus) Gevriliamis d’Orb.
Taf. XI, Fig. 2 a, b.
1841. Ammoiiiles Gevriliaiius d’Okb., Paleont. fraiKj. Terrams crotacös, S. 139.
2. Anuiioiiites (Amaltlieus) heteropleuriis Neumayr u. Uhlig.
Taf. XI, Fig. 3 a, b; 4.
1881. Neümayk u. Uhlig, Ueber Ammonitiden aus den Hilsbildungen Nord-
deutschlands, S. 7, Taf. XV, Fig. 1, 2. (Soiider-
Abdruck aus Palaeontograpbica, Bd. XXVII.)
1851. Ammonites Gevriliaiius Dunkek, Palaeontographica, Bd. 1, S. 324, Taf. 41,
Fig. 21—24.
3. Ammouites (Amaltheiis) Marcousanus u’Orb.
Taf. XI, Fig. 1 a, b.
1860. PicTET et Camp., Descr. d. fossiles du terr. cret. de St. Croix, Bd. I,
S. 168, Taf. XXI, Fig. 1, 2.
1881. Neumayr u. Uhlig, 1. c. S. 13.
Die Herren Neumayr und Uhlig haben in ihrer grossen, für
die Kenntniss der norddeutschen unteren Kreidebildungeii ausser-
72 C. Stkuckmann, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
ordentlich wichtigen Ai’beit über die Ammonitiden ans den Hils-
bildnngen Deutschlands zuerst den Amaltheus heteropleurus von
Amaltheus Georilianus d’Orb. abgetrennt nnd daranf anfinerksam
gemacht, dass der Unterschied zwischen den beiden allerdings
nahe verwandten Arten in der Nabelbildnng besteht, indem bei
dem typischen A. Gewilianus eine stark ausgesprochene Nabel-
kante voi’handen ist, während eine solche bei dem A. heteropleurus
in deutlich ausgesprochener Weise nicht vorhanden ist. Den Ver-
fassern ist unter den 50 von ihnen untersuchten Exemplaren aus
Norddeutschland kein typischer A. Geerilianus vorgekommeu. Es
verdient daher erwähnt zu werden, dass unter den zahlreichen
Amaltheen, welche aus dem Hilsthoue des Barsinghäuser Tief-
banschachts zu Tage gefördert sind und welche ich grösstentheils
untersuchen konnte, ganz vorwiegend der typische A. Gevrilianus
mit deutlich ausgesprochener Nabelkante vertreten ist, während
der A. heteropleurus mit kaum bemerkbarer Nabelkante und einem
mehr zusammeugedrückteu Mündungsquerschuitt nur in wenigen
Exemplaren beobachtet wurde. Andererseits kenne ich aus dem
Hilsthone von Neustadt a. R. nur den A. heterop>leurus. Beide Arten
nehöreu demnach der Fauna des norddeutschen Hilsthoues an.
o
Endlich geschieht Seitens der Herren Neumayr und Uhlig
noch einer dritten Form Erwähnung, welche dem A. heteropleurus
(mehr noch dem A. Gevrilianus wegen der deutlichen Nabelkante)
in allen sonstigen Beziehungen sehr nahe steht, sich aber von
beiden Arten dadurch unterscheidet, dass um den Nabel kräftige
gerundete Knoten auftreteu, von denen feine Sichelrippen ans-
gehen nnd sich über die Flanken verbreiten. Von dieser Art, die
wahrscheinlich mit dem A. Marcousanus d’Orb. bei Pictet zu
ideutificireu sein wird, sind aus dem Barsiughäuser Tiefbanschachte
nur 2 Exemplare zu Tage gefördert, von welchen das eine grössere,
aber stark verdrückte Exemplar mit ausserordentlich starken und
langen Knoten in der Sammlnug der Bergiuspection zu Barsing-
hansen aufbewahrt wird und das zweite kleinere, aber besser er-
haltene Exemplar von mir auf der Halde gefunden wurde. Letzteres
besitzt 7 Knoten auf einem Umgänge, während Neumayr an
schlecht erhaltenen Exemplaren vom Osterwalde gegen 9 Knoten
bei Barsinghausen am Deister.
73
auf einem Umgänge beobachtete uml Pictet in naher Ueberein-
stimmung mit meiner Beobachtung deren etwa (5 angiebt.
Auch Dunker kannte diesen Ammoniten bereits aus dem
Grävinghagener Stollen bei Oerlinghausen am Teutoburger Walde
und bezeichnete ihn als eine Abänderung des A. Gevrilianus ^).
4. Amnionites (Olcosteplianus) micleiis (Puill.) A. Roemer.
Taf. XI, Fig. 5. Tat. XII, Fig. 1, ‘2.
1841. Ammonites nucleusVmv\APS {’^) A. Roe.mer, Dio Versteinerungen des Nord-
deutschen Kreidegebirges, S. 87, Taf. XIII, Fig. 2.
Roemer beschreibt diesen Ammoniten aus dem Hilsthoue von
Bredenbeck am Deister folgendermaassen:
»Kugelförmig, etwas zusammengedrückt, tief und eng genabelt,
die Nabelkante ist "erundet und scheinen einwärts die Seiten
O
senkrecht abzufallen; der Rücken ist mehr als halbkreisruud ge-
wölbt und trägt etwa 50 schwache, wenig vorwärts gebogene
Falten, von denen verschwinden, ehe sie den Nabel erreichen.
Die Mündung ist sehr niedrig und nierenförmig. Es steht unsere
Art dem A. Brongniarti sehr nahe, unterscheidet sich al)er durch
einen grösseren Nabel, von A. tumidus durch die viel schwächeren
und weniger zahlreichen Falten; das bei Phillips sehr undeutlich
abgebildete Exemplar ist nur 2"' gross und bleiben daher noch
Zweifel über die Identität.«
Dieser Beschreibung: kann ich nach den mir vorliegenden
Exemplaren aus dem Hilsthone von Barsinghausen noch Folgendes
hinzusetzen :
Durchmesser 60 Millimeter, Ilöhe des letzten Umgangs 15 Milli-
meter, d. h. 25 pCt. im Verhältniss zum Durchmesser, Weite des
Nabels 11 Millimeter (18 pCt.). Das Gehäuse ist mit dicht ste-
henden, sehr schwachen, in der Mitte des Rückens, wo der Sipho
in der Gestalt einer etwas hervorragendeu Linie sichtbar ist,
wenig wellenförmig gebogenen Rippen bedeckt, die gegen den
Nabel hin fast gänzlich verschwinden; jedoch ist an einem der
untersuchten Exemplare wahrzunehmen, dass dieselben aus ganz
b Palaeontographica, Bd. 1, S. 325.
74 C. Stkuckmann, Die Grenzschichteo zwischen Hilsthon und Wealden
schwachen, kaum wahrnehmbaren Knoten entspringen. Auf der
Wohnkammer in der Nähe der stark zusammeugedrückteu Mund-
ötihung stehen die Rippen weitläufiger und hier ist zu erkennen,
dass von der Theilungsstelle dicht am Nabel 3 — 4 Verzweigungen
ausgehen. Von den Lobenliuieu ist leider nichts wahrnehmbar;
jedoch glaube ich, dass die Art, der Form und der Theilungs-
stelle der Rippen nach zu urtheilen, der Gattung Olcoste'plianus
hinzuzurechneu sein wird. Die Herren Neumayr und Uhlig
haben keine Exemplare dieser eigenthümlichen Art gesehen,
konnten sich daher selbst über die generische Stelluug dieses
merkwürdigen Typus keine bestimmte Ansicht bilden ^).
Olcostephanus nucleus A. RoEM. (ob dieselbe mit der Phillip-
schen Art identisch ist, lasse ich ebenfalls dahingestellt sein) sieht
auf den ersten Blick einem jungen Exemplare von Olcostephanus
Gravesiafius d’Orb. , wie ich solches in der Zeitschr. d. Deutsch,
geol. Ges., Jahrg. 1887, S. 63, Taf. V, Fig. 7 a und 7 b beschrieben
und abgebildet habe, einigermaassen ähnlich, unterscheidet sich
von demselben aber wesentlich durch andere Dimensionen, durch
den sehr viel engeren Nabel, durch die gerundete Nabelkante und
die viel dichtere Berippung.
Die Art ist nur in wenigen Exemplaren im Hilsthone des
Tiefbauschachtes bei Barsiughausen vorgekommen und scheint
überhaupt selten zu sein , da dersell^en in der Literatur nirgends
weiter Erwähnung geschieht. Daher schien mir auch eine Ab-
bildung wüuscheuswerth.
5. Ciicullaea Gabrielis Leymerie.
Taf. XII, Fig. 3, 4, 5, 6, 7.
1842. Cucullaea Gabrielis Leymerie, Mem. de la Soc. geol. Bd. V, t. VII, Fig. 5.
1844. Area Gabrielis d’Okb., Palaeont. frani;. terr. cret., Bd.III, S. 198, Taf. 308.
Von dieser schönen Art haben sich eine grössere Anzahl von
Exemplaren, freilich sämmtlich in etwas beschädigtem oder ver-
drücktem Zustande gefunden; jedoch ergänzen sich dieselben
gegenseitig recht gut und ich hege keinen Zweifel, dass die von
‘) Neumayr und Uiilig, Ammonitiden der Hilsbildungen, S. 75.
bei ßarsingliauseii am Deister.
75
d’Ohbigny in der Paleontologie francaise austnhrlicli beschriebene
und gut abgebildete Art, welche iin französischen Neocoin häutig
vorkomint, thatsächlich vorliegt. Dieselbe hat iin vorliegenden
Falle hauptsächlich deshalb Interesse, well sie in der Textur und
Zeichnungf der Schale mit der im oberen Wealden häufig vor-
kommenden Cucullaea texta eine ziemlich grosse Aehnlichkeit hat,
so dass junge Gehäuse, die bei beiden Arten stark trapezförmig
sind, wohl verwechselt werden könnten.
Das grösste von mir beobachtete Exemplar von Parsinghausen
hat eine Länge von 58 Millimeter, eine Höhe von 44 Millimeter
und eine Dicke von 44 Millimeter (= 100:75:75); ein zweites
eine Länge von 50 Millimeter, Höhe von 38 Millimeter und Dicke
von 38 Millimeter (= 100:76: 76), ein drittes kleineres Exemplar
eine Länge von 32 Millimeter, Höhe von 24 Millimeter und Dicke
von 25 Millimeter (100 : 75 : 78). Diese Verhältnisszahleu stimmen
mit den von d'Orbigny angegebenen fast genau überein.
Das dicke, ziendich stark aufgeblähte, rhombische, in der
Jugend trapezförmige, etwas querverlängerte Gehäuse ist mit
starken coucentrischen Anwachsstreifen und liunzeln bedeckt, welche
an der vorderen Seite von zahlreichen, von den Buckeln aus-
strahlenden Radialstreifeu gekreuzt werden, die namentlich bei
jungen Exemplaren deutlich hervortreteu.
Die Vorderseite ist kurz, abgerundet, die Hinterseite etwas
verlängert und über einer oben scharfen, unten mehr abgerundeten
Kante, die schräg nach dem unteren Rande verläuft, zusammeu-
gedrückt. Die etwas nach vorn gerückten Wirbel sind dick —
bei jugendlichen Exemplaren spitzer — hervorstehend, gegen ein-
ander geneigt und weit von einander abstehend. Das Schloss-
teld ist tief und laug; die Zeichnung desselben ist an den hiesigen
Exemplaren nicht zu erkennen. Das Schloss zeigt den Charakter
der Cuculläen.
Jüngere Gehäuse können höchstens mit Cucullaea texta, ver-
wechselt werden. Cucullaea Schusteri A. Roemer aus dem Hils-
thon von Bredenbeck am Deister und von Hildesheim hat eine
vollständig abweichende Form.
76 C. Struckmann, Die Grenzschichten zwischen Hilsthon und Wealden
b. Versteinerungen des Oberen Wealden.
6. Cucullaea texta A. Koemer.
Taf. XIII, Fig. 1—10.
1S36. Ä. Roemek, Versteinerungen d. nordd. Ool.-Geb., S. 104, Taf. VI, Fig. 19.
18G8. P. DE Louior. et Cotteau, Monogr. de l’etage portlandienne de l’Yonne, S. 177.
1872. P. DE Louiol, Royeu et Tombeck, Monogr. du jurass. sup. de la Haute-
Marne, S. 323, Taf. 18, Fig. 6 — 10.
1874. D. Brauns, Der obere Jura im nordw. Deutschland, S. 325.
1875. P. DE Louiol et Pullat, Monogr. des et. jurass. sup. de Boulogne s. Mer.,
S. 143, Taf. 17, Fig. 18.
1877. Georg Boeiim, Beitr. zur geogn. Kenntniss d. Hilsmulde, Zeitschr. d.
Deutsch, geol, Ges. Jahrg. 1877, S. 227.
1878. C. Struckmann, Der obere Jura von Hannover, S. 40.
1881. P. DE Louiol, Monogr. de la couche ä Ainm. tenuilobatus d’Oberbuch-
sitten, S. (>9.
1888. P. DE Louiol et Bourgeat, Etudes sur les Mollusques des couches coralli-
genes de Valfin., S. 295, Taf. 33, Fig. 18.
1888. Paul CiiopFAT, Description de la faune jiirassique du Portugal. Mollusques
lamellibrancht's, S. 55, Taf. XI, Fig. 35, 36.
(Ich habe hier imr die wichtigsten Literatur - Nachweise
gegeben, soweit dieselben für die Verbreitung der Arten von Be-
deutung sind.)
Die grössten der zahlreichen von mir iin oberen Wealden von
Barsinghansen gesammelten Gehäuse besitzen eine Länge von
49 Millimeter, die kleinsten von 10 Millimeter. Mein grösstes
Exemplar ans dem mittleren Kimmeridge von Hannover ist
44 Millimeter laug. Im Uebrigeu konnte ich folgende Maasse
nehmen :
1. Ausgezeichnet erhaltenes Exemplar aus dem Kimmeridge:
Länge 34, Höhe 27, Dicke 25, Länge des Schlossrandes
21 Millimeter (= 100 : 80 : 73 : 68).
2. Exemplare aus dem oberen Wealden:
Länge . . . .
49
33
32
26 Millimeter
Höhe
40
27
24
22
» = 81
82
75
84pCt.
Dicke . . . .
34
24
22
18
» = 73
73
71
70 »
Länge des
Schlossraudes
21
21
17
64
65
66 »
hei Barsinghausen am T)eister. 77
Aeliuliche Maasse werden sowohl von P. de Loriol als von
Choffat angegeben.
Die Wirbel stehen bei einzelnen Exemplaren fast genau in
der Mitte, bei anderen sind sie nubedeuteud nach vorn gerückt.
Das stark aufgeblähte, auf der Mitte des Rückens am stärksten
gewölbte, trapezförmige Gehäuse ist, wenn die Schalen nicht ab-
gerieben sind, mit weitläutig stehenden dicken Anwachsstreifen,
bezieliungsweise Runzeln bedeckt, zwischen denen sich sehr feine
und dicht stehende concentrische Linien befinden, welche wieder
von zahlreichen, von den Wirbeln ausstrahlenden, an der Vorder-
seite besonders scharf hervoi'treteudeu Streifen gekreuzt werden.
An abgeriebenen Sclialeu ist zu bemerken, dass diese radialen
Linien aus einzelnen dicht aneinander gereihten Punkten l)e-
steheu. Die Vorderseite ist etwas kürzer, als die Hinterseite,
unterhalb des Schlossrandes etwas abgestumpft, daun regelmässig
gerundet; mit dem Schlossrande bildet der untere Rand einen
scharfen Winkel. Die Ilinterseite ist über einer oben scharfen,
unten abgerundeten, von den Wirbeln schräg nach dem unteren
Rande verlaufenden Kante stark zusammengedrückt, so dass das
Gehäuse au der hinteren Seite eine herzförmige Fläche bildet.
Die Wirbel sind nicht sehr stark, mässig übergebogen und einander
nahe, gearenüberstehend. Das dazwischen lieü:ende Schlossfeld ist
schmal, lanzettlich, nach innen al)schüssig, winkelig gefurcht.
Von der CucuUaea Gahrielis Leym. aus dem Ililsthone unter-
scheidet sich C. texta besonders durch die mehr trapezförmige
Gestalt und durch die spitzeren, nahe einander gegeuül)erstehendeu
Buckel, ferner durch das schmalere Schild und durch die schärfer
zusamnrena;edrückte Lliuterseite.
CucuUaea texta ist im oberen Jura des nordwestlichen Deutsch-
lands vom unteren Kinmreridge bis zum unteren Portlaud (Schichten
des Ammonites gigas) verbreitet; in den gleichen Schichten finden
sie sich im oberen Jura Frarrkreichs; auch im oberen Jura Por-
tugals und der Schweiz ist dieselbe verbreitet. Dass diese Art
nunmehr auch im oberen Wealden von mir nachgewiesen ist, ist,
wie ich dieses bereits oben hervorffehoben babe, für die Beurtheiluno-
der Fauna dieser Bilduno'eu von "anz besonderem Interesse.
O O
78 C. Struckmann, Die Grenzschicliteii zwisclien Hilsthon und Wealden
7. Cyreua (Cytliereti) riigosa P. de Loriol (Sow.).
Diese im ganzen oberen Jura vom unteren Kimmeridffe bis
in die oberen Portlandschicliten weit vcriweitete Art ist so all-
gemein bekannt, dass ich auf Literatur -Nachweis, Beschreibung
tmd Abbildung glaube verzichten zu dürfen. In meinem Buche
über den oberen Jura der Umgegend von Hannover (1878) ist
dieselbe Taf. 6, Fig. 5—7 aus dem mittleren nnd oberen Kimme-
ridge von mir abgebildet worden. Ich will nur Itemerken, dass,
während ich die Cyrena- rugosa aus dem bannover’scben Kimme-
ridge in einer Länge von 5 bis 42 Millimeter besitze, dieselbe
nach den bisherigen Funden im oberen Wealden diese Grösse
nicht zu erreichen scheint, indem mein grösstes Exemplar nur
eine Länge von 12 Millimeter besitzt. Dagegen ist junge Brut
dieser Art in einer Grösse von 4 — 10 Millimeter, die aber gleich-
wohl an der scharf gereiften Schale leicht als Cyrena rugosa zu
erkennen ist, in gewissen Schichten ausserordentlich häufig.
Denker kannte diese kleinen Schalen aus dem oberen Wealden
vom Osterwalde und beschrieb dieselben vorläufig, da ihm die
Gattung zweifelhaft blieb, als Pisiclium exaratum. Nach dem
mir vorliegenden umfassenden Vergleichsmaterial glaube ich als
sicher annehmen zu dürfen, dass diese kleine Muschel nur den
Jugendzustand von Cyrena rugosa darstellt.
8. Cyrena uiiioides Der.
1846. Dunker, Norddeutsche Wealdenbildimg, S. 34, Taf. XII, Fig. 4.
Denker beschreibt diese Art mit folgenden Worten: »Das
Gehäuse ist dickschalig, beinahe gleichmässig elliptisch und mit
concentrischen Reifen und Furchen l)edeckt. Die grössten Exem-
plare messen etwas über 1 Zoll; Länge, Höhe und Dicke verhalten
sich wie 100 : 72 : 55. Die kleineren sind unverhältnissmässig
flacher. Die Aehnlichkeit mit einigen Unio- Asten rührt haupt-
’) Dunker, Monographie der norddeutschen Wealdenbildung, S. 57, Taf. XIII,
Fig. 19.
bei Barsingliausen am Deister.
79
sächlich von den ahgeriebenen Wirbeln her. Das Innere dieser
Muschel habe ich bis jetzt nicht gesehen und es ist mir daher
dieselbe noch etwas zweifelhaft.«
Es ist mir gelungen, an verschiedenen Schalen das Schloss
blos zu legen und ich habe feststellen können, dass die Muschel
2 verhältuissmässig grosse und stumpfe Hauptzähne und an jeder
Seite noch eine zahnartige Leiste besitzt: dieselbe stimmt in dieser
Beziehung also mit vielen Cyrenen des Wealdeu überein. Eine
Streifung habe ich an den Seitenzähnen nicht bemerken köuueu.
Die grössten Exemplare aus dem oberen Wealdeu von Bar-
singhausen besitzen eine Länge von 24 Millimeter; das Ver-
hältuiss der Länge, Höhe und Dicke beträgt durchschnittlich
100 : 74 : 50.
Beitrag zur Keiintniss der in westpreussischeii
Silurgescliiebeii gefimdeiien Ostracodeii.
Von Herni J. KieSOW in Danzig.
(Hierzu Tafel XXHI und XXIV.)
In meiner Abliancllnng » Lieber silnrisclie und devonische
Geschiebe Westpreiisseus « (Sclu’iften der Naturforscheudeu Ge-
sellschaft zu Danzig, 1884) ist bereits ein Ueberblick über die
damals aus westpreussischeii Silurgeschiebeu bekannten Ostracodeii
o-esceben. Da sich aber inzwischen durch neue Funde einerseits
die Anzahl unserer silurischen Ostracodenformen nicht unerheblich
vermehrt, andererseits auch eine grössere Mannigfaltigkeit der be-
treflenden Geschiebe sich herausgestellt hat (eine solche Erweiterung
erfuhren besonders unsere Leperditien und auch die Beyrichien
führenden Geschiebe), so erschien es mir zweckmässig, unsere
westpreussischeii Leperditien nochmals genau durchzusehen und
dieselben nebst einigen theils neuen, theils besonders interessanten
Beyrichien ausführlicher zu behandeln."
Gattung: Leperditia Boüault.
Unter unseren Leperditien ffihrenden Geschieben nehmen rück-
sichtlich ihrer Ilänflgkeit und der Anzahl der eingeschlossenen
Leperditien, sowie auch wegen ihrer sehr gleichartigen petro-
graphischen Ausbildung gewisse gelblicbe, gelbgraue, graue oder
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntniss der in westpreussisclien etc.
81
graubraune, seltener blaugefleckte diclite Kalke von scharfkantigem
Oller splitterigem Bruche, zum Theil mit Ausscheiduugeu von
krystallinischem Kalke, die erste Stelle eiu. Dieselben führen vor-
wiegend Leperditia phaseolus HiS. und die dieser Art zunächst
stehenden Formen, während andere Versteinerungen nur unter-
geordnet auftreten. Wir wollen daher dieselben zusammenfassend
als Leperditiengesteine (im engeren Sinne) bezeichnen.
Da sowohl auf Gotland als auch auf Oesel ähnliche Gesteine
anstehend gefimden werden, so ist die lleimath dieser Geschiebe
auf jenen Inseln und in dem Gebiete zwischen denselben zu
suchen. Bei weitem die meisten unserer hierher sfehöriwn Ge-
o o
schiebe dürften jedoch von Oesel oder aus dem Zwischengebiet
herstammen.
Nach ihrer Häufigkeit sind in zweiter Linie zu nennen die
eine gewisse Mannichfaltigkeit zeigenden Geschiebe mit Leperditia
Ixdtica IIis. , welche wohl ausnahmslos zu Lindstuöm’s Schicht c
(Table of stratigraphical distribntion by G. Lindstrüm in »Notes
ou some silurian ostracoda from Gotland« l)y Prof. T. Rupert
Jones, p. 8) zu rechnen sind.
Alle übrigen Leperditien-führenden Geschiebe sind von unter-
geordneter Bedeutung und finden daher am zweckmässigsten
weiter unten bei der Besprechung der Leperditien selbst Berück-
sichtigung.
Leperditia phaseolus His. sp.
Taf. XXill, Fig. 1, 2 a, 2 b.
Cjjtlierina jihaseolus His., Leth. suec., p. 9, t. 1, f. 1.
Leperditia Angelini F. Schhidt, Heber die russischen silurischen Leperditien,
p. 13, 14 (ex parte), f. 13, 14, lä, 16.
Leperditia phaseolus Kolmopin, Ostracoda silurica Gotlandiae. Ofversigt af Kongl.
Vetenskaps - Akadeiniens Förhandlingar 1879, No. 9,
p. 134, t. 19, f. 4a — 5 b.
? Jjeperditia llisingeri var. gracilenta R. Jones, Ann. and mag. of Nat. Hist.
November ISSl, p. 339 u. 340, t. XIX,
f. 6 a, 6 b, 6 c.
Obgleich diese Art durch ihre langgestreckte Form mit ge-
rundeten Vorsprüngen am Vortler- und Hinterrande, durch den
[6]
Jahrbucli 1889.
82
J. Kiesow, Beitrag zrir Kernitniss der in westpreussisclien
bei der bedeutenden Scbalenläuge verbältuissinässig geringen
Unterschied zwischen der vorderen und hinteren Höhe der
Schale, durch den sehr gleichinässig entwickelten flachen Bogen
am Ventralrande, durch massige Schalenwölbung und andere
weiter unten zu erwähnende Merkmale ausgezeichnet ist , so
ändert sie doch in mancher Beziehung nicht unerheblich ab.
Zunächst ist das Verhältniss der Schaleuhöhe zur Schaleidänge
ziemlich variabel. Kolmodin giebt in seiner oben citirten Al)-
handlung dasselbe als 7 : 13 an; indessen ist dieses Verhältniss
keineswegs constaut. Nach einigen au Gotländischen Exemplaren
angestellten Messungen, deren Resultate Herr Professor G. Lind-
STUÖM mir gütigst mitgetheilt hat, schwankt dieses Verhältniss
zwischen den Grenzen 7:11 und 7 : 13. Auch die Grössen-
verhältuisse zwischen den Vorsprüngen am Vorder- und Hiuterrande
sind variabel. Im Allgemeinen erscheint der Hinterrand nur wenig
stärker vorgezogen als der Vorderrand ; doch treten, besonders bei
kleinen Exemplaren , nach dieser Richtung bisweilen stärkere
Unterschiede hervor, indem bei verbältuissinässig schwach ent-
wickeltem vorderem Vorsprunge die hintere Partie stark vorge-
zogen erscheint. Nicht unerheblich variirt auch die Länge des
Schlossrandes. Letzterer kommt der gfi'össten Höhe an Läns;e
mindestens gleich (so bei manchen kleinen Exemplaren) oder ist
(und dieses ist die Regel) länger als diese. Der den Augenhöcker
umgebende oft netzadrige Augenfleck springt nach der Bauchseite
zu spitzwinklig, selten fast rechtwinklig vor und ist von dem
ovalen, oft netzadrigen Schliessmuskelfleck durch einen schmalen
linearen Zwischenraum getrennt; dieser zeigt entweder in seiner
ganzen Länge gleiche Breite oder verbreitert sich ein wenig nach
der Bauchseite zu. Die mässig stark gewölliteu Schalen zeigen
fast ausnahmslos ein gleichmässiges Abfallen nach allen Seiten.
Ein Raudsaum ist am Vorder- und Hinterrande bisweilen deutlich
auso-ebildet iind zwar der hintere Randsaum im AlUemeinen
stärker als der vordere. Der Umschlag der linken Schale ist
glatt. Die Schaleuoberfläche erscheint bei der grossen Vlehrzabl
der von mir beobachteten Exemplare unter der Lupe sehr fein
eingestocheu punktirt, bei Gotländischen Exemplaren zum Theil
fein-strahlio- o-eadert.
O Ö
Silurgeschioben gefundenen Ostracoden.
Maasse Gotländischer Exemplare :
83
1.
2.
3.
4. 5.
6.
7.
Länge .... 14
13
11
10 8,5
11,8
8,6 Millimeter
Grösste Höhe 8
7
7
6 5
6,9
5,1
»
Höhe vorn . . —
—
—
— —
4,7
3,4
»
Höhe hinten . —
—
—
— —
6,4
4,9
»
Schlossrand . —
—
—
— —
7,6
5,5
»
Dicke —
—
—
—
5
3,4
»
Die Maasse 1 —
5 sii]
id mir
durch Herrn Professor G.
Lind-
STRÖM gütigst mitgetheilt
worden; 6 und 7
sind
die von
mir an
2 Gotländischen Exemplaren von Laü festgestellteii Maasse.
Maasse westpreiissisclier Exemplare:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
gaozo
Schale
rechte Schale
linke Schale
Länge ....
7
10,5
7,8
6
9,9
6,3
7,2 Millimeter
Grösste Höhe
4,3
6,5
4,2
3,8
6,1
4
4,6 »
Höhe vorn . .
—
4,6
3,4
—
4,2
—
»
Höhe hinten .
—
5,9
3,9
—
5,5
—
— »
Schlossrand .
—
6,8
5,5
3,8
7,3
4,1
4,5 »
Dicke
3,2
—
—
—
—
—
»
2 und 5 sind Scdialen ans unseren Beyrichienkalken ; die
iikrigeu wurden in nusereu Leperditiengesteineu gefunden.
Leperditia phaseolus HiS. ist die bei weitem häutigste Leper-
ditienart in unseren Leperditiengesteineu, wosell)st sie nicht selten
mit den nächstverwaudteu Formen vergesellschaftet auftritt; sehr
selten dagegen findet sie sich in unseren Beyrichienkalken.
Im anstehenden Gestein findet sich diese Art auf den Inseln
Gotland und Oesel.
Leperditia phaseolus ITis. var. subpeiitagoiia nov. var.
Taf. XXIII, Fig. 3.
Leperditia phaseolus Kiesow, Schriften der Naturforschenden Gesellschaft zu
Danzig 1884, p. 228.
Diese kleine LeiJerditia^ welche ich als eine Varietät der Ltper-
ditia phaseolus IIis. auffasse, unterscheidet sich von der Grund-
[GG
84
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischen
form dadurch, dass die rechten Schalen am Bauchrande einen
scharf und winkelartig' hervortreteuden Vorsprung zeigen, welcher
auch bei Jugeudexemplaren mehr oder weniger deutlich hervor-
tritt; in Folge dessen erscheinen die rechten Schalen annähernd
fünfseitig. Die vorspringeude Mitte des Ventralrandes ist schwach
wulstig aufgeworfen. Linke Schalen sind von solchen der typischen
Form nicht zu unterscheiden. Die Schalenolterfläche scheint Matt
O
zu sein.
Maasse :
rechte Schale
Länge 7,9
Grösste Höhe . . . 4,9
Schlossrand .... 4,7
linke Schale
5.2 Millimeter
3.3 »
3,8 »
Diese Leperditia ähnelt in den allgemeinen Umrissen sehr der
Leperditia nitens Kölmodin; sie scheint jedoch von letzterer be-
stimmt verschieden zu sein, da bei Leperditia nitens nach Kol-
MODiN ein Schliessmuskelfleck auf der Schaleufläche nicht zu
erkennen ist. Von Leperditia arctica unterscheidet sie sich haupt-
sächlich durch den gerundeten Vorsprung am Vorderraude und
durch die schwächere Schalenwölbuug.
Es fanden sich die Exemplare in einem hellen cavernösen
Kalke mit Proetus signatus Lindström (= Proetus pulcher var.
Kiesow, a. a. O., p. 228 und 288, Taf. IV, f. 12), BeyricMa sp.,
Rhynclionella Wihoni Sow., Chonetes striatella Dalman etc.
Leperditia gregaria nov. sp.
Taf. XXITI, Fig. 4a — Sb.
Leperditia AiigeUni F. Schmidt, a. a. 0., p. 14 (ex parte).
Leperditia Hisingcri var. Jones, a. a. 0., p. 340 und 341, t. XIX, f. IG.
Diese Art, von welcher mir nur einzelne Schalen zur Unter-
suchung vorliegen, ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Die massig stark gewölbten Schalen, deren stärkste Wölbung in der
Mitte liegt, sind theils gleichmässig gewölbt, tlieils tritt die Schalen-
mitte etwas buckelartig hervor. Die grösste Höhe befindet sich in der
Mitte und übertrifft stets erhelilich den Schlossrand an Länge, und das
Verhältniss zwischen der grössten Höhe und der Schalenlänge lileibt
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
85
immer hinter demjenigen von 7:11, welches ids das kleinste durch
Messungen bei Leperditia phaseolus His. gefunden wurde, um ein
Beträchtliches zurück. Dieses Verhältniss schwankt nach den an-
gestellten Messungen hei den rechten Schalen zwischen den Grenzen
7:9,94 und 7:10,5, bei den linken Schalen zwischen 7 : 10,35 und
7:10,57, in riiudeu Zahlen zwischen 7:10 und 7:10,5. Die Vor-
spinnge am Vorder- und Ilinterrande sind gerundet; der Vorsprung
am Ilinterrande tritt im Allgemeinen stärker hervor als derjenige
am Vorderrande. Der Bogen am Ventralrande ist weniger gleich-
mässig entwickelt als bei Leperditia phaseolus^ indem er nach dem
Voi'derrande zu steiler ansteigt. Der öfters netzaderige Augentleck
si)ringt nach der Bauchseite zu spitzwinklig vor und ist von dem
ovalen Schliessmnskelfleck, welcher ebenfalls bisweilen netzaderig
erscheint, durch einen linearen Zwischenraum, welcher sich oft
nach der Ventralseite zu etwas verbreitert, geschieden. Ein Rand-
saum ist bei allen beobachteten Exemplaren mehr oder weniger
deutlich am Ilinterrande zu erkennen; auch am Vorderrande, be-
sonders in der Nähe des Schlossrandes, ist ein Randsaum bis-
weilen entwickelt. Der Umschlag der linken Schale ist wie bei
Leperditia phaseolus. Die Schalenobertläche ist fein eingestochen
punktirt, zum Theil fein-strahlig geadert wie Gotläudische Exem-
plare der Leperditia phaseolus His.
Maasse :
rectite Schale
linke Schale
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Länge ....
7,1
5,8
7,1
8,9
6,3
6,8
7,8 Millimeter
Grösste Höhe
5
4
5
5,9
4,3
4,6
5,3 »
Höhe vorn . .
3,4
—
3,5
4,5
—
3,5
4,3 »
Höhe hinten .
4,5
—
4,4
5,6
—
CO
4,9 »
Schlossraiid .
4,2
3,6
4,1
5,4
3,8
4
4,2 »
Sämmtliche
Schalen
stammen
aus
unseren g
eiblichen oder
bräunlichen Leperditiengesteiueu.
Im anstehenden Gestein findet sich diese Art auf der Insel
Oesel, z. B. bei Randifer, woher sie R. Jones ei'halteu und unter
dem Namen -»Leperditia Hisingeri Schmidt var.« beschrieben hat.
86
J. Kiesow, Beitrag zur Keiintniss der in westpreussischen
Sehr auffalleiid durch die unter der Loupe hervortretende
starke Äderung der Schaleufläche ist die in Fig. 8 a und 8 b dar-
gestellte Form. Der hintere ßandsauin, welcher sich noch über
etwa ein Drittel des Veutralrandes erstreckt, ist breit und durch
eine einschneidende Furche oea'en die Schaleuwölhuu2: abiresetzt.
Der vordere Randsaum ist schmäler und etwas kürzer als der am
Iliuterrande gelegene. Bei dem abgebildeten Exemplar setzt sich
der hintere Randsanm fast bis zur Mittte des Schlossrandes fort;
auch der vordere Randsanm zieht sich noch eine Strecke weit am
Schlossrande hin. Angenfleck und Schliessmuskelfleck treten sehr
deutlich hervor.
Es fand sich diese Form zu Praugschin in einem massig
harten graugelhen Kalke vergesellschaftet mit Encrinurus obtusus
Angelin, Proetus sp., Orthis sp. etc. Encrinunis obtusus findet sich
nach F. Schmidt (Revision d. ostbalt. sil. Trilob., p. 225) bei
Uddafer, welches nach p. 51 desselben Werkes zu der nördlichen
gelben Zone der Schicht K gehört. Da mir von Gotland weder
diese Leperditienform noch ein ähnliches Gestein bekannt ist, auf
Oesel dagegen das gleiche Gestein vorkommt, so halte ich es für
sehr wahrscheinlich, dass die Heimath des in Rede stehenden
Geschiebes in der gelben Zone von F. Schmidt’s Schicht K zu
suchen ist.
Das Geschiebe befindet sich in der Sammlung des hiesigen
Provinzial-Museums.
Von solchen Formen, die man als Uebergänge zwischen Leper-
ditia phaseolus und Leperditia gregaria auffassen könnte, ist mir bei
meinen Untersuchungen nur eine einzige begegnet. Diese, eine
rechte Schale, kommt in den allgemeinen Umrissen der Leperditia
phaseolus HiS. sehr nahe, unterscheidet sich aller von ihr durch die
buckelartige, hinter der Schalenmitte gelegene stärkste Wölbung
und durch eine deutliche Einsenkung, welche vor derselben ge-
legen ist und sich bis zum Augenhöcker hiuzieht. Diese Form
zeigt folgende Verhältnisse: Länge = 8,1 Millimeter, grösste
Höhe = 5,2 Millimeter, Höhe vorn = 3,8 Millimeter, Höhe hinten
- -- 4,7 Millimeter, Schlossraud = 5,1. Höhe : Länge = 7 : 10,9.
Die Maasse lassen auf nahe Beziehung zu Leperditia phaseolus
His. schliessen.
87
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
Leperditia gregaria var. arcticoidea nov. var.
Taf. XXIIl, Fig. 9 a, b, 10.
Diese Varietät zeigt ini Allgemeinen die Umrisse der typisehen
Form; aber am Ventralrande der rechten Schale tritt in der Mitte
ein iil)rigens nicht sehr ausgeprägter, stumpfwinkeliger Vorsprung
auf. Zwischen dem Ventralraude und der stärksten Erhebuusf der
rechten Schale findet sich eine bald mehr, bald weniger deutliche
Uängsdepression und am Ventralraude eine lip])enartigc Auf-
widstung der Schale. In Folge dessen zeigen die rechten Schalen
unserer Lejjevditia einen ähnlichen Querschnitt wie die entsprechen-
den Schalen der Leperditia arctica JoNES. Der Vorderraud der
rechten Schale springt bisweilen spitz vor. Die zur Untersuchung
vorliegenden hellbraunen Schalen erscheinen unter der Lupe glatt.
Fine Uehergangsform zwischen der typischen Leperditia gregaria
und der var. arcticoidea wurde gleichfalls beobachtet.
Von drei mit rechten Schalen der Ijeperditia gregaria var.
arcticoidea vergesellschaftet gefundenen, linken Schalen (4, 5, 6),
deren eine, 4, unter der Lupe glatt, 5 etwas undeutlich, 6 deut-
lich eiugestocheu punktirt erscheint, glaube ich die Schale 4 unbe-
denklich zu Leperditia gregaria var. arcticoidea rechnen zu dürfen.
Wahrscheinlich jedoch gehören zu dieser Varietät auch die Schalen
5 und 6; denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass eine feine
Punktiruug sich ursprünglich bei allen, auch bei den rechten
Schalen gefunden hat, dass dieselbe jedoch bei ungünstiger Er-
haltung mehr oder weniger ausgelöscht worden ist. Es ist deshalb
meines Erachtens das Fehlen einer Punktirung an unseren rechten
Schalen auch nur ein Umstand von ganz untergeordneter Bedeu-
tung. Die linken Schalen halten nach den angestellten Messungen
die Alitte zwischen Leiyerditia gregaria und Leperditia phaseolm.
Alaasse :
rechte Schale linke Schale
1.
2.
3.
4.
5.
6.
Länge ....
6,5
6,3
6,1
6,5
5,6
6,1
Millimeter
Grösste Höhe
4,4
4,2
4
4,2
3,7
3,9
»
Höhe vorn . .
3,4
3,2
—
3,3
2,9
2,9
»
Höhe hinten .
3,9
3,9
—
3,8
3,4
3,8
»
Schlossrand .
3,6
3,8
—
4,2
3,4
3,8
»
88
J. Kiesow, Beitrag zur Konritniss der in westpreussisclien
Leperditia gregaria var. arcticoidea findet sich in unseren
Leperditiengesteinen.
Leperditia gregaria var. ardiia nov. var.
Taf. XXIII, Fig. Ila, b, 12, 13.
Eine kleine, schief ovale, vorn zngespitzte Form, von welcher
ich grössere rechte und kleinere linke Schalen besitze; ich halte
dieselbe für eine Varietät der Leperditia gregaria^ welcher sie am
nächsten steht. Die charakteristischen Kennzeichen treten beson-
ders an den rechten Schalen hei'vor. Sowohl die rechten, als auch
die linken Schalen sind stark gewölbt; die stärkste Wölbung
befindet sich in der Mitte, von wo nach allen Seiten ein gleich-
massiges Abfiillen stattfindet. Am Ventralrande hat die rechte
Schale einen gerundeten Vorsprung und steigt von hier aus nach
vorn im flachen Bogen steil auf. Der aufsteigende Ventralrand
bildet mit dem flist geraden Vorderraude einen nicht scharf aus-
geprägten Winkel von 95^ bis 100^. Der Veutralrand geht in
den gerundeten Hinterrand in s’leichmässiffer Kundunsf über. Die
Schale springt hier etwas weiter vor als vorn. Die verhältniss-
mässig etwas niedrigere linke Schale steigt vorn weniger steil an
und springt nach hinten noch etwas stärker vor als die rechte.
Der Umschlag der linken Schale trägt keine besondere Zeichnung.
Ein deutlicher Raudsaum wurde nur bei zwei linken Schalen am
Hinterrande beobachtet; doch kann er auch hier fehlen, und bei
rechten Schalen ist ein solcher nur an den Enden des Schloss-
randes angedeutet. Der mässig stark vertretende Augentuberkel
ist von einem nach der Bauchseite zu unter spitzem Winkel vor-
springenden Augenfleck iimgeben. Letzterer wird von dem ovalen
oder birnförmiijen, im Allg-emeineu durch dunklere Färbung: mar-
kirten Schliessmuskelflecke durch einen schmalen, nach dem Ven-
tralrande zu sich ein wenig ver))reiternden Zwischenraum getrennt.
Die Farbe der Schalen ist glänzend dunkelbraun, die Oberfläche
fein eingestochen punktirt. Die grösste Höhe liegt in der Alitte
der Schalen.
Silurgescliiebon gefundenen Ostracoden.
89
Maasse :
rechte Schale
linke Schale
Läna:e
8,9
8,6
6
5,3 Millimeter
Grösste Höhe . .
6,1
5,9
4
3,6
»
Höhe vorn . . . .
4,2
4,1
2,9
2,7
»
Höhe hinten . . .
5,5
5,3
3,7
3,3
»
Schlossrand . . .
5,2
5,2
3,3
3,2
»
Diese Leperditia
wurde
bei uns
nur in
einem
einzigen
steinsstik'k aufgefiiiiden. Dasselbe ist ein dichter splittrig l)recheiider
gell)brauner Kalk, welcher auch eine linke Schale von Leperditia
fhaseolus llis. enthielt.
Leperditia baltica His. sp.
Taf. XXllI, Fig. 14, 15 a, b.
Cjifheriiia haltu-a His., Leth. suec., p. 10, t. 1, f. 2.
Cyfhere baltica F. Roejiek, Letb. geogn. 11, p. 528 (ex parte), t. IX, 3, f. 8d.
Leperditia baltica Jones, Ann. and Mag. Februar 185G, p. 85 (cx parte), t. G,
f. 1,2, 4,5.
» » var. a Koe.modin, Sveriges siluriska ostracoder, p. 14, f. 1,2,3.
» » F. Schmidt, a. a. 0., p. 15.
» » Kiesow, a. a. 0., p. 275.
Diese Art, welche verhältnissmässig selten in unseren Ge-
schieben gefunden wird, war für mich besonders deshalb interessant,
weil ich zwei Funde mit ziemlicher Sicherheit auf Gotländische
Localitäten zurückführen konnte. Die beiden abgebildeten, kaum
mittelgrossen und aussergewölmlich kurzen Formen wurden in
einem weisslich-grauen Mergelkalk gefunden, welcher genau dem
Gestein bei Fängers im Nordosten der Insel Gotland entspricht.
Zwar sind die dort vorkommenden Formen im Allgemeinen mehr
gestreckt; aber eine kleine Schale zeigte sich ähnlich verkürzt wie
die hiesigen, bei Langenau gefundenen Schalen. Die Farbe der
hiesigen, sowie auch der Gotländischen Exemplare ist dunkel-
braun; letztere sind um eine Schattiruug dunkler.
Ein zweites sehr interessantes Geschiebe wurde im Zoppot-
Olivaer Walde gefunden. Es ist dieses ein ziemlich verwitterter
90
J. Kiiäsow, Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischen
und in Folge dessen gelblich gefärbter Kalk mit zahlreichen
Schalen der Leperditia haltica IIis. (F. Schmidt); daneben finden
sich Encrinurvs punctatuH^ Ati'yya reticularü und einige schlecht
erhaltene Beyrichicn u. s. w. Da die Form und Farbe (soweit
dieselbe erhalten) der hier gefundenen Leperditien mit dem Vor-
kommen auf Oesterliy - Strand bei Slite auf Gotland gut überein-
stimmt und hier wie dort Encrinurus punctahcs und die gleiche
Form der Atnjpa retimlaris^ sowie Beyrichien als begleitende Ver-
steinerungen auftreten, so halte ich es für äusserst wahrschein-
lich , dass unser Geschiebe von jener Gotländischen Localität
herzideiteu ist.
Ausser jenen beiden Vorkommnissen habe ich in meiner
Sammlung noch zwei Geschiebe mit dieser Leperditienart von
Spengawsken und eines von Kahlbude.
Das Vorkommen von Leperditia Hidngeri F. Schmidt in
hiesigen Geschieben ist für mich sehr zweifelhaft geworden, da die
rechten Schalen, 'welche dieser Art angehören könnten, von kurzen
Schalen der Leperditia haltica ITis. (F. Schmidt) schwer zu unter-
scheiden sind und derartige Schalen bislana: bei uns nur in Gesell-
Schaft der Leperditia haltica^ deren linke Schalen eine sichere Be-
stimmung ermöglichen, gefunden Avurden.
Manche Schalen der Lep>erditia haltica lassen einen elliptischen
Schliessmuskelfleck erkennen, was auch bereits in R. Jones’ Publi-
cation vom Jahre 1856 deutlich zum Ausdruck gebracht ist. Die
Oberfläche gut erhaltener Schalen ist, wie bereits R. Jones und
F. Schmidt angeben, deutlich eingestocheu punktirt; doch sind die
Punkte stärker entwickelt und stehen weniger dicht als bei Leper-
ditia phaseolus und Leperd;itia gregaria.
Leperditia haltica HiS. (F. Schmidt) ist bekanntlich bis dato
im anstehenden Gestein mit Sicherheit nur auf der Insel Gotland
und von F. Schmidt auf der Insel Malmö im Christianiafjord
nachgewiesen, sonst aber nur noch in Geschieben gefunden worden.
Leperditia Eichwaldi F. Schmidt.
Taf. XXIII, Fig. 16.
Leperditia Eichwaldi F. Schmidt, Enss. sil. Leperd. (1873), p. 17, f. 19, 20, 21.
» » Kiesow, a. a. 0., p. 275, t. IV, f. 4.
Silurgescliieben gefundenen Ostracoden.
91
Die allein vorhandene rechte Schale ist im Umriss annähernd
fiinfseitig durch einen stumpfen Vorsprung an der Bauchseite, der
nach beiden Seiten ziemlich gleichmässig abfällt. Am Vordereude
findet sich in der Nähe des Schlossrandes die Andeutung eines
Kandsaumes. Die Schale ist in der Alitte am höchsten, fast
buckelartig gewölbt.
Die Länge beträgt 8,7 Millimeter, die grösste Höhe 6 Millimeter,
die Länge des Schlossrandes 6,2 Alillimeter.
Die Schale fand sich in einem dichten gelblichen Kalke mit
Kalkspatheiuschlüssen vergesellschaftet mit Clionctes stnatella und
Spivifer criapus. — Laugfuhr.
Leperditia sp.
Taf. XXIII, Fig. 17.
Diese Leperditia^ eine rechte Schale, welche höchst wahrschein-
lich einer neuen Art augehört, ist gewissermaasseii eine Üeber-
gaugsform zwischen der Leperditia Keijserliagi F. Schmidt und
der Leperditia pliciseolus His., nähert sich jedoch in den allgemeinen
Umrissen mehr der Leperditia phaseoliis. Ein Randsaum am
Vorder- und Hinterrande ist vorhanden. Indessen ist der hintere
Raudsaum viel weniger deutlich ausgeprägt als der vordere. Die
Schale ist in der Mitte am stärksten gewölbt wie bei Leperditia
Keyserlingi^ ein elliptischer, nahe an den Augeutuberkel heran-
tretender Schliessmuskelfleck deutlich zu erkennen. Die Schale
ist glatt. Länge 12,9 Millimeter, Höhe 8,1 Millimeter, Schloss-
rand 8,3 Alillimeter.
Eine in demselben Gesteinsstück vorkommeude, kleine, linke
Schale, welche vielleicht mit der obigen Form zu vereinigen ist,
zeigt insofern eine bemerkenswerthe Abweichung, als ein ununter-
brochener Rand am Vorderende des Schlossrandes beginnend und
am Vorder-, Ventral- und Hinterraude entlang laufend sich bis
zum Hinterende des Schlossrandes hinzieht.
Die in Rede stehenden Leperditienschalen wurden vergesell-
schaftet mit Brachiopodeuresten, besonders kleinen Orthisschalen,
in einem grauen krystallinischeu Kalke zu Prangschin gefunden.
Sammlung des hiesigen Provinzial -Museums.
o o
92
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntniss der in westprcussische
Leperditia coiispersa uov. sp.
Taf. XXIir, Fig. I8a-c.
Diese sehr iuteressaute Art, von welcher bis jetzt nur eine
linke Schale bekannt ist, steht in den allgemeinen Umrissen und
der Schaleuscnlptur der Leperditia Nordensljöldi F. Schmidt am
nächsten. Die Schale ist langgestreckt; der Hinterrand springt
etwas weiter vor als der Vorderrand. Der Ventralrand bildet
einen flachen Bogen, welcher nach vorn nur wenig ansteigt und
in sanfter Unnduug in den gerundeten Vorder- und Hinterrand
allmählich übergeht. Der Schlossi’and ist lang, die vordei'e Höhe
nur wenig kürzer als die hintere; die grösste Höhe liegt etwas
hinter der Mitte. Die Schale ist verhältnissmässia; stark gewölbt;
die Wölbung fällt nach vorn zu steiler ab, als nach hinten; die
Mittclpartie derselben bildet, vom Schlossraude oder Ventral-
rande aus gesehen, fast eine gerade Linie. Am Vorderrande
ist ein schwächerer, am Hinterrande ein stärkerer Raudsauin aus-
gebildet, welche sich am Ventralrande allmählich verlieren, nicht
aber, wie bei Lepterditia Nordeuskjöldi, mit ihrem Ventralende tief
in die Schalenfläche eiuschneideu. Unterhalb des Augeuhöckers
springt eine deutlich gewölbte Area (Augeufleck) spitzwinklig nach
unten vor und wird von dem nur undeutlich markirten, nicht aus
der Schalenfläche hervortreteuden Schliessmuskelfleck durch eine
schmale lineare Furche getrennt. In der Nähe des Schlossraudes
oberhalb des Schliessniuskelflecks zeigt die vorliegende Schale eine
flache Eiuseukung und am Ventralrande einen deutlichen, unter
dem ganzen Ventralrande sich hinziehendeu Umschlag. Die
Schalenoberfläche erscheint dem uubewafiiieten Auge glatt, ist
aber, unter der Lupe gesehen, granulirt. Die Granulirung ist ein
wenig gröber und dichter als bei Leperditia Nordenskjöldi.
Die Länge beti’ägt 9,8 Millimeter, die grösste Höhe 5,8 Milli-
meter, die vordere Höhe 4,5 Millimeter, die hintere Höhe 5,5 Milli-
meter, die Länge des Schlossrandes 7,5 Alillimeter.
Diese Leperditienart fand ich in einem sehr harten, splittrig
brechenden, orelbgraueu Kalke bei Goldkriu»’ vergesellschaftet mit
Brachiopodenresteu und einer Koralle, anscheinend einem Cxjaiko-
phylhim.
Silurgescliieben gefundenen Ostracodeu.
93
Gattung: Beyi'icliia M’Coy.
Beyricliia Gledaiiensis Kiesow.
Taf. XXIV, Fig. 1 -4.
Beyricliia tnherculata Boll var. Gedanensis Kiesow, Schriften d. Natnrf. Ges. zu
Danzig 1884, p. 277, t. IV, f. 5.
Beyricliia Noetlinqi-coniuiicta G. Keutek, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1885,
p. 636, t. 25, f. 4.
» Noetlingi G. Reuter, a. a. 0., p. 637, t. 25, f. 5 A, B, C.
Diese von mir früher als Beyrichm tuhercidata var. Gedanensis
bezeielmete Beyricliia ist an der ol)en citirten Stelle in folgender
Weise von mir charakterisirt worden: »Die hierher gehörigen
Schalen scheinen beim ersten Anblick von Beyricliia tuberculata
llOLL total verschieden zu sein; hei eingehender Eetrachtnng zeigt
sich jedoch, dass dieselben sich auf diese Grundform zurückführen
lassen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die dreigetheilte
hintere Wulst in wenige, auf der Ohertläcln“ glatte, meist halb-
kugelige Knötchen zerfällt, so zwar, dass der oberste Abschnitt
durch ein grösseres Knötchen repräsentirt wird, der mittlere durch
2 kleinere etwas längliche, der unterste durch 2 oder 3 Knötchen.
Sind hei dem nntersten Abschnitt 3 Knötchen ausgebildet, so
sind die beiden unteren einander stark genähert. Der Rand
ist o;latt.«
II err G. Reuter hat es nnn für zweckmässig erachtet, auf
Grund ganz geringfügiger individueller Abweichungen, welche
von mir später an anderen zu Langenau gefundenen Exemplaren
ebentälls beobachtet worden sind, aus dieser einen Form eine
neue Art und eine Varietät hervorgehen zu lassen.
Was die von mir und Reuter abgebildeten Formen neben
anderen Merkmalen zu einem untrennliaren Formencomplex ver-
einigt, ist die Ausbildung von 2 deutlich entwickelten Knötchen
(oder Buckeln) auf dem mittleren Abschnitt der hinteren Wulst.
Dieselben wurden bei den zuerst von mir beobachteten Exem-
plaren als etwas länglich gefunden, von Reuter für seine Beyrichia
NoefUngi-conjuncta ebentälls als länglich ((‘Hiptisch) angegeben.
94
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischen
Bei Reuter’s Beyrichia Noetlingi, welche ich vor einigen Wochen
iin Mineralien-Cabinet der Universität in Köniofshero; zu sehen
Gelegenheit hatte, haben die Buckel des mittleren Abschnitts der
hinteren Widst allerdings meistens halbkugelige Form; bei dem
der Fig. 5C bei Reuter entsprechenden Beyrichienindividuum ist
jedoch die Form des äusseren der beiden Buckel ebenfalls etwas
länglich; als Unterscheidungsmerkmal zwischen Beyrichia Noetlingi
und Beyrichia Noetlingi-conjuncta fällt also die mehr elliptische
oder halbkugelige Form dieser beiden Buckel wenig iu’s Gewicht:
sie ist auf individuelle Abänderung zurückzuführen. Auf S. 637
bemerkt G. Reuter bei seiner B. Noetlingi: »Sämmtliche Buckel
sind von gleicher Gestalt, Grösse und Höhe.« Dieses ist in
Wirklichkeit bei den Exemplaren 5A, 5B und 5C nicht der Fall,
und ist sowohl bei diesen Exemplaren als auch bei dem Original-
exemplar zu B. Noetlingi-conjuncta der mittlere Buckel des unteren
Abschnitts der hinteren Wulst (Reuter’s Metacephalwulst) etwas
grösser als der innere und äussere. Die hiesigen Exemplare ver-
halten sich meistens ebenso; doch kommen bei iius auch Exem-
plare vor, bei denen diese drei Buckel gleiche Grösse haben.
Als ein ITauptuutefscheiduugsmerkmal zAvischeu Beyrichia Noet-
lingi und Beyrichia Noetlingi-conjuncta scheint Reuter die gegen-
seitige Entfernung der 3 Buckel am unteren Abschnitte der hinteren
AVulst auzusehen. Aber auch hier finden sich hei den einzelnen In-
dividuen der Beyrichia Noetlingi Reuter erhebliche Abweichungen.
So liegen bei Reuter’s Formen 5A und 5B die beiden inneren
Buckel näher bei einander als der mittlere dem äusseren; bei 5B
sipd die beiden inneren Buckel am Grunde nur durch eine ganz
schmale Furche geschieden, Verhältnisse, welchen wir auch bei
Reuter’s Beyrichia Noetlingi-conjuncta und meiner Beyrichia Ge-
danensis begegnen; bei letzterer sind allerdings die beiden inneren
Buckel am Grunde bisweilen mehr oder weniger mit einander
verschmolzen und ihre Theilnug unvollkommen.
Also auch dieses Unterscheidungsmerkmal lässt uns in Wirk-
lichkeit bei der Trennung der Beyrichia Noetlingi von Beyrichia
Noetlingi-conjuncta im Stiche. Eher noch hätte ich Veranlassung
gehabt, bei der Aufstellnng meinei' Beyrichia tuhcrculata var.
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
95
Gedanensis die ludividuen mit drei dentlieb entwickelten Buckeln
im unteren Abschnitt der hinteren Wulst gdeich als besondere Art
aiifzustellen und diejenigen, bei denen die beiden inneren Buckel
nur unvollkommen von einander geschieden sind, als Varietät ab-
zusoudern; ich hätte jedoch, da alle in demselben Gesteinsstück
gefunden waren, bei der im Uebrigen vorhandenen Uebereiu-
stimmuug ein solches Verfahren für unwissenschaftlich gehalten
und kann auch heute jene kleinen Unterschiede nur als solche
anseheu, welche auf Variabilität der Individuen beruhen.
Unsere Figuren 1 — 4 geben möglichst naturgetreu die Formen
der in einem und demselben Gesteinsstück gefundenen Beyrichieu-In-
dividuen wieder, welche ich meiner ersten kurzen Beschreibung zu
Grunde gelegt habe ; es liegt hier eine so schöne und interessante
lleihe individueller Abänderungen vor, wie man sie sich nur
wünschen kann. Dieselben beziehen sich, wie bemerkt, haupt-
sächlich auf den unteren Theil der hinteren Wulst. In unserer
Fig. 1 sind der nuttlere und innere Buckel dieses Abschnittes
mit einander verschmolzen, eine Zweitheilung ist durch einen von
oben her einschneidenden Spalt angedentet; in Fig. 2 ist bereits
eine Trennung beider durch eine seichte Querfurche augebahnt;
in den Figuren 3 und 4 ist dieselbe vollzogen, und müsste Herr
ItEüTER die in diesen Figuren abgebildeten Formen unzweifelhaft
bei seiner Beyrichia Noetlingi. unterbriugen. Dazu kommt, dass
der Veutralhöcker unserer in Fig. 1 dargestellten weiblichen Form
genau das Verhalten desjenigen der weiblichen Beyrichia Noetlingi
IvEUTER zeigt; derselbe durchbricht den gewölbten Randsaum und
verdeckt ihn, von oben gesehen (der Randsaum ist jedoch an
dieser Stelle, wie ich bei der Tempelburger Form beobachten
konnte, nicht gänzlich verschwunden, sondern nur stark abge-
flacht) ; gewissermaassen als Ersatz für den an jener Stelle zum
grössten Theile verloren gegangenen Randsaum ist dort von der
Ventralseite des grossen länglichen und ein wenig gerunzelten
Ventralhöckei’s durch eine Furche ein Randsaum abgetreunt. Bei
der weiblichen Form der B. Noetlingi Reuter ist indessen der
Ventralhöcker viel deutlicher granulirt als l)ei der hiesigen Form
von Tempelburg bei Danzig und erinnert sehr au den Ventral-
96
J. Kiesow , Beitrag zur Keimtniss der in westpreussisclicn
liöcker der weiter unten zu besprechenden Beyriclna Gedanensis
var. pustulosa Hall.
Es ist noch hinzuzufügen, dass wie bei unserer Beyrichia Ge-
danensis, so auch bei Beyrichia Noetlingi Reuter zwischen ein-
zelnen Buckeln der hinteren Wulst hier und da Spuren einer
Granulirung eingestreut auftreteu.
Die Buckel sind entweder ganz glatt oder nur oben glatt
und am Grunde granulirt. Der Randsaum ist bisweilen an seinem
ventralen Theile leicht gekerbt.
Wir finden also bei allen diesen Formen nur individuelle Ab-
weichungen, aber nirgends einen durchgreifenden Unterschied,
welcher zur Abtrennung einzelner Formen und Vereinigung der-
selben auch nur zu einer Varietät berechtigen könnte. Es fallen
demnach die von Reuter als Beyrichia Noetlingi und Beyrichia
Noetlingi-conjuncta bezeichneten Formen mit meiner Beyrichia
tubercidata var. Gedanensis zusammen. Ob man diese als eine
Varietät der Beyrichia tuberculuta Boll oder als eine besondere
Art auftasst, ist, im Grunde genommen, gleichgültig. Anderer-
seits lässt sich aber nicht leugnen , dass sich die Beyrichia tuhcr-
cidata var. Gedanensis durch die stark abweichende Ausbildung
der hinteren Widst weit genug von der typischen Beyrichia tuber-
culata Boll entfernt, um als besondere Art gelten zu können,
und kann ich mich daher der Zweckmässigkeit, Beyrichia tuber-
cidata var. Gedanensis zum Range einer besonderen Art zu er-
heben, nicht verschliessen. Zudem erschien es angemessen, der
nächstfolgenden Beyrichia die Stelle einer Varietät der Beyrichia
Gedanensis anzuweisen.
Da nun, wie oben des Näheren entwickelt, Reuter’s Beyrichia
Noetlingi und B. Noetlingi-conjuncta nicht getrennt werden düi’fen,
andererseits aber diese Formen mit meiner Beyrichia tubercidata
var. Gedanensis zusammenfallen, so folgt hieraus, dass der von
mir (wenn auch anfangs nur als A^arietätsbezeiclmung) zuerst an-
gewandte Name Beyrichia Gedanensis für diese Beyrichieu anzn-
wenden, Reuter’s Beyrichia Noetlingi und Beyrichia Noetlingi-
conjuncta dagegen einzuziehen sind.
Nach den bisher in West- und Ostprenssen gemachten Fun-
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
97
den würde demnach unter Berücksichtigung der individuellen
Variabilität die Diagnose der Beyriclda Gedanensis etwa folgender-
niaasseu lauten: Beyrichia Gedimeiisis gehört zur Formeii-
gruppe der Beyrichia tubercidata BOLL (Klöden). Sie ist aus-
gezeichnet durch die eigeiithüniliche Ausbildung der hinteren
Wulst. Der obere Abschnitt derselben trägt einen halbkugeligen
oder annähernd halbkugeligen Buckel, der mittlere zwei halb-
kugelige oder etwas längliche Buckel, während auf dem unteren
Abschnitte sich drei meistens halbkugelige Buckel befluden, deren
mittlerer in der Regel am grössten und dem inneren gewöhnlich
mehr genähert ist als dem äusseren. Bisweilen sind von diesen
drei Buckeln die beiden inneren mehr oder weniger mit einander
verschmolzen und eine Trennung derselben nur imvollkommeu.
Die beiden schrägen Furchen der hinteren Wulst, sowie die
Furche zwischen dem mittleren und hinteren Buckel des unteren
Abschnittes derselben zeigen constaut eine beträchtliche Breite
und Tiefe; dagegen sind Breite und Tiefe der Furche zwischen
dem mittleren und inneren Buckel des unteren Abschnitts der
hinteren Wulst variabel. Die Hauptmasse der als solche wenig
hervortretenden hinteren Wulst wird von den Buckeln gebildet
(letztere, sowie die übrigen Hervorragungen der Schale sind ent-
weder glatt oder nur oben glatt und am Grunde granulirt); neben
den Buckeln finden sich bisweilen Spuren einer Granulirung. Der
Raudsaum ist glatt oder an seinem ventralen Theile leicht ge-
kerbt.
Von einigem Interesse dürfte auch eine in dem Gesteiusstück
von Tempelburg vorkommeude Jugendform der Beyrichia Gedanensis
sein; bei dieser ist der mittlere Abschnitt der hinteren Wulst
uugetheilt und glatt wie bei einigen Formen der Beyrichia tuher-
culata; der gleichfalls glatte untere Abschnitt zeigt eine ober-
flächliche Dreitheilung. Das Exemplar ist, linear gemessen, un-
gefähr 2/3 so gross als die ausgewachsenen Exemplare.
Maasse der Beyrichia Gedanensis von Tempelburg:
Länge .... 4,1 3,3 3,8 3,1 Millimeter
Höhe .... 2,5 ‘ 2,1 — 2 »
Jahrbuch 1889.
[7]
1)8
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntniss der in westpreussischei
Beyricliia Gfedanensis var. pustulosa Hall.
Taf. XXIV, Fig. 5, 6.
Beyrichia pustulosa Hall, Canadian Nat. and Geol. vol. V, p. l,i>7, f. 19.
» » » Acadian Gcology, 2nd editlon, p. 608 — G09, f. 216.
» tuherculata Johes, Geol. Mag. August 1881, p. 344, t. X, f. 9, 10.
Iin Sommer 1886 faud ich zu Langenau bei Pranst eine Platte
eines sehr festen blaugrauen Kalkes, enthaltend ausser sehr
wenigen Brachiopodenresten (anscheinend Resten von Rhynchonella
nucii]a\ Onchus sp. , Beyricliia Wilchensiana ^ Beyricliia Gedanensis
und Beyricliia horussica nov. sp. eine Beyricliia., welche zu der
Beyricliia yustidosa Hall in so naher Beziehung steht, dass ich
geneigt bin, beide Formen mit einander zu vereinigen. Anderer-
seits ist dieselbe aber auch mit Beyricliia Gedanensis so nahe ver-
wandt, dass eine artliche Trennung beider unthnulich erscheint.
Anf die Beyricliia pushdosa Hall wurde ich aufmerksam ge-
macht durch R. Jones’ Schrift: »Notes on some palaeozoic bivalved
entomostraca«, Geological magazine, August 1881. Daselbst sind
iu den Figuren 9 und 10 der Tafel X unter der Bezeichnung
y> Beyricliia tuherculata (Klöden)« Beyrichien von Arisaig, Nova
Scotia, abgehildet, welche mit den in Rede stehenden Langenaner
Exemplaren so sehr übereinstimmen, dass man sehr wahrscheinlich
berechtigt ist , alle diese Formen zu einem gemeinschaftlichen
Formeucomplex zu vereinigen. R. Jones glebt auf p. 344 seines
Werkes keine weitere Beschreibung, sondern sagt dort nur:
»Probably tliese speciinens may be the same as the form described
by Prof. James Hall and Principal Dawson as B. pustulosa
Hall (Canadian »Nat. and Geol.« vol. V, p. 157, Fig. 19, wood-
cut); and »Acadian Geol.« 2nd edition, p. 608, Fig. 216, wood-
cut); but I find no essential difterence between the very fine large
speciinens before me and the Scandiuavian speciinens of B. tuher-
culata described and figured in the »Ann. N. Hist.« ser. 2, vol. XV^I,
p. 86, pl. 5, figs. 4 — -9.«
Hall’s Beschreibung der Beyricliia pustulosa, welche ich nebst
einer Copie der Fig. 19 der Freundlichkeit des Herrn Professors
Lindström verdanke (in » Acadian Geol. « 2nd editlon, pag. 608,
Silurgeschieben gefundenen Ostracoclen.
99
Fig. 216 ist nach Herrn Professor Lindström’s gefälliger Mit-
tlieilung die erste Beschreibung wörtlich abgeclrnckt, nur mit dem
Zusatze der Localität »Arisaig«, die Figur noch schlechter als die
erste), giebt, besonders auch wegen der mangelhaften Abbildung,
kein ganz deutliches Bild. Da jedoch die von Jones auf Taf. X,
f. 9, 10 dargestellten Exemplare ebenfalls von Arisaig herstammen,
so ist es fast zweifellos, dass dieselben thatsächlich die Form der
Beyrichia pustulosa Hall wiedergebeu, was ja auch die Meinung
von Jones ist. Ich bin demnach der Ansicht, dass bei der über-
aus grossen Uebereiustimmung der in Rede stehenden Laugenauer
Beyrichien mit der Beyrichia tuherculata Jones von Arisaig, also
auch mit Beyrichia pustulosa Hall, unsere zu Langenau gefundenen
Beyrichien mit Beyrichia pustulosa Hall zu vereinigen sind.
Letztere fasse ich als eine Varietät der Beyrichia Gedanensis auf,
welcher sie von allen bekannten Beyrichien am nächsten steht.
Unsere Laugenauer Formen sind durch folgende Kennzeichen
charakterisirt: Die hintere Wulst tritt als solche deutlicher und in
sich geschlossener hervor als bei Beyrichia Gedanensis-, die beiden
schrägen Furchen der hinteren Wulst schneiden meistens weniger
tief ein; die Buckel sind, mit Ausnahme des sehr stark ge-
wölbten obersten Buckels, weniger entwickelt; besonders treten
diejenigen des mittleren Abschnittes bei der allgemeiiieu Granulirung
weniger stark hervor; letztere ist in einzelnen Fällen auch auf
dem unteren Abschnitt neben den Buckeln ausgiebig entwickelt,
üeberhaupt variiren die einzelnen Individuen erheblich, und keines
zeigt mit dem andern vollständige Uebereinstimmung. Sämmtliche
Hervorraguugen der Schale sind mit einer bald stärker, bald
schwächer entwickelten Granulirung oder Ruuzeluug bedeckt, auch
die Oberseite der Buckel, bei denen die Grauulii'ung allerdings
am stärksten an den Seitenflächen auftritt.
Bei einem mäuulicheu Exemplar hebt sich der Veutralhöcker
hoch und fast kegelförmig aus der Schaleufläche empor.
Der Veutralhöcker der weiblichen Exemplare gleicht dem-
jenigen der Beyrichia Gedanensis, ist aber verhältuissmässig sein-
grob granulirt. Der Randsaum ist zum Theil deutlich gekerbt.
Die Exemplare sind, im Ganzen genommen, nicht besonders
[7*1
100
J. KIEso^v, Beitrag zur Kenntniss der iu westpreussisclien
gut erhalten, da dieselben beim Herauspräpariren aus dem harten
Kalkstein leicht Schaden nehmen. Das in Fig:. 6 dargrestellte
Exemplar zeigt eine starke Annäherung an Beyrichia Gedanensisi
mit welcher es ja auch vergesellschaftet gefunden worden ist;
beide Formen gehen anscheinend in einander über.
Maasse :
Länge .... 4,4 4,5 Millimeter
Höhe .... 2,7 2,8 »
Beyrichia Kochii Boll.
Taf. XXIV, Fig. 7 — 9.
Beijridda Kochii Boll, Archiv d. Ver. d. Freunde d. Naturg. in Meckl. 1862,
p. 121, f. 2.
» » Krause, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1877, p. 33, t. I, f. 15.
» » Kiesow, a. a. 0., p. 277.
» » Reuter, a. a. 0., p. 643, t. XXVI, f. 15.
Diese Art ist bekanntlich charakterisirt durch die ziemlich
schmale vordere halbmondförmige Wulst, durch die freistehende
mittlere Wulst von elliptischem Umriss und durch die breite mehr
oder weniger deutlich getheilte hintere Wulst. Letztere nun ist
es, welche bei den verschiedenen Vorkommnissen variirt. Es ist,
wie schon A. Krause angiebt, für diese Art charakteristisch, dass
die Querfurchen der hinteren Wulst den Flinterrand derselben
nicht erreichen. In manchen Fällen ist eine Theilung der hinteren
Wulst nur augedeutet; in anderen Fällen ist letztere mehr oder
weniger deutlich dreitheilig, oder es tritt nur der untere Abschnitt
schärfer hervor, während die darüber liegenden Partien fein cpier-
gestreift und granulirt erscheinen, ln vielen Fällen setzt sich die
untere Querfurche dem Hiuterraude parallel laufend nach dem
Dorsah’aude zu fort. Das dorsale Ende der hierdurch abgetrennten
hinteren Partie bildet daun neben dem vorderen Vorsprunge der
hinteren Wulst am Dorsalrande eine mehr oder weula;er deutliche
Spitze. Nach Reuter erreichen die Querfurchen weder die
Vorder- noch die Flinterseite der Wulst. Doch kommt es aus-
nahmsweise auch bei männlichen Schalen vor, dass die Quer-
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
101
furchen den Vorderrand der hinteren Wulst erreichen und durch-
schneiden; hei den weiblichen Exeinplai-en scheint dieses sogar
die Regel zu sein. Zwischen der mittleren und hinteren Wulst,
hart am Schlossrande, befindet sich ein kleines nach unten spitz
zvdaufendes Knötchen, welches nie zu fehlen scheint, wenigstens
habe ich es bei allen von mir untersuchten männlichen und weib-
lichen Exemplaren, deren Dorsalrand vollständig erhalten war,
wahrnehmeu können. Dieses Knötchen findet sich auch in Reuter’s
Fig. 15 kenntlich abgebildet. Im Text habe ich allerdings nach
einer hierauf bezüglichen Angabe vergebens gesucht. Der Ventral-
rand trägt meistens feine radial gestellte Furchen.
Bei den ziemlich seltenen, bis dato meines Wissens noch
nicht beschriebenen weiblichen Exemplaren ist der Ventralhöcker
oval und au der Ilinterseite ein wenig zugespitzt. Die mittlere
Wulst ist etwas schräg gestellt. Die hintere Wulst der meisten
well^licheu Exemplare lässt über dem unteren, stark gewöll)teu
Abschnitt noch eine bald schmälere, bald breitere, querbalken-
ähnliche Schaleuwölbung erkennen. Darüber befindet sich eine
Grauulirung, an welche sich weiter nach oben die glatte oder ein
wenig gerunzelte innere Spitze auschliesst; eine schwächer ent-
wickelte äussere (hintere) Spitze wird von der nach dem Dorsal-
raude sich hiuzieheuden Verlängerung des unteren Abschnittes
gebildet. ^
Beyrichia borussica nov. sp.
Taf. XXIV, Fig. 10-14.
Der Schalenumriss ist annähernd halbkreisförmig; die grösste
Höhe liegt etwas vor der Schalenmitte. Die vordere und hintere
Wulst sind breit, erstere ungefähr so breit als letztere, beide
am Grunde durch eine mehr oder weniger tief einschneidende
Furche geschieden; letztere erscheint am Ventralraude breiter und
tiefer als au ihrem oberen Ende. Die hintere Widst erstreckt
sich an der Ventralseite so weit nach vorn, dass ihr ventrales Ende
mit der Vorderseite der mittleren Wulst in gleicher Linie liegt;
sie trägt in der Regel in ihrem unteren Drittheil eine feine,
meistens schräge Furche. Die elliptische mehr oder weniger
102
J. Kiesow, Beitrag zur Kenntuiss der in westpreussischen
deutlich schief gestellte , frei stehende Centralwulst ist etwas
schmäler als die vordere AVulst und wird an der Vorder-, Hinter-
nnd Veutralseite von ziemlich breiten Furchen begrenzt; am
schmälsten ist die Furche zwischen der vorderen und mittleren
Wulst. Die mittlere Wulst erstreckt sich nicht bis zum Dorsal-
raude. Die vordere Wulst ist ziemlich flach, während die mittlere
und hintere Wulst als stark gewölbte Partien hervortreten.
Bei den weiblichen Schalen ist der Ventralhöcker ausser-
ordentlich gross, ungefähr wie bei Beyrichia Salteriana; dagegen
hat die hintere, besonders aber die vordere Wulst eine Rückbildung
erfahren. Ein Randsaum ist deutlich entwickelt; derselbe ist glatt
oder mit kleinen Knötchen besetzt. Die vordere und hintere
Wulst sind stets deutlich granulirt, seltener die mittlere Wulst,
welche in den meisten Fällen nur gerunzelt oder glatt erscheint.
Einige grössere Schalen von männlichen Exemplaren haben
folgende Maasse:
rechte Schale linke Schale
Länge .... 1,9 2,2 1,8 Millimeter
Höhe .... 1,2 1,4 1,2 »
Diese Versteinerung ist von mir bislang nur in zwei Ge-
schieben beobachtet worden und zwar stets in Begleitung einer
kleinen Eorin der Beyrichia Wilckensiana. Das eine zu Langenau
gefundene Geschiebe enthält die Beyrichia borussica ohne Knötchen
am Rande , ausserdem Onchus sp., Beyrichia Geclatiensis und
B. Gedanensis var. 'pustulosa^ Beyrichia WUckemiana^ ? Rhynchonella
niicula. Die Eorm mit Knötchen am Rande fand sich in Gesell-
schaft der Beyrichia Wilckensiana in einem Geschiebe von Koliebken.
Beyrichia (Kloedenia) Wilckensiana var. plicata Jones.
Taf. XXIV, Fig. 15, 16.
Beyrichia Wilckensiana var. plicata Jo.nes, Aim. acd Mag. of Nat. Hist. August
1855, p. 90, t. 5, f. 19 — 21.
Die hier gefundenen Exemplare sind gestreckter als die
typische Beyrichia Wilckensiana. Die ziemlich flache mittlere
AVidst wird von tiefen Seitenfurchen begrenzt, von denen die
Silurgeschieben gefundenen Ostracoden.
103
vordere breiter ist als die hiutere. Die Furche, welche bei der
ty])ischeu Form, vom Ventral- nach dein Dorsalrande hin ver-
lautend, die hintere Wulst theilt, erstreckt sich bei unserer var.
plicata nicht bis zum Dorsalrande, sondern schneidet bald nur
wenig in den ventralen Theil der Schaleuwölbung ein, bald zieht
sie sich auf dem gewölbten Schaleutheil eine Strecke Aveit am
hinteren Kandsaum entlang, ohne jedoch den Dorsalrand zu er-
reichen. Am Dorsalrande, fast genau in der Mitte zwischen
llinterraud und Centralwulst, befindet sich eine breite, bald stärker
ausgeprägte, bald nur schwach angedeutete Grube.
Uebergangsformen zwischen dieser Varietät und der typischen
Form scheinen nicht selten zu sein.
Zwei rechte Schalen zeigen folgende Maasse:
Länge .... 2,9 3,2 Millimeter
Höhe .... 1,6 1,8 »
Die in den Figuren 8a, 8b und 17 dargestellten Leperditien
befinden sich in der Sammlung des Provinzial-Museunis zu Danzig,
die anderen Leperditieu und die Beyrichieu in meiner Sammlung.
Sämmtliche Figuren der Tafeln XXIII und XXIV sind von Herrn
cand. math. SciiEiBEL unter meiner Coiitrolle gezeichnet.
Zum Schlüsse entledige ich mich der angenehmen Pflicht,
alleu denjenigen Herren, durch dei'eu Freundlichkeit das Zustande-
kommen der vorliegenden Arbeit gefördert wurde, den Herren
Geheimrath F. Roemer in Breslau, Professor G. Lindström in
Stockholm, Professor Branco in Königsberg i. Pr., Miiseums-
Director Dr. Conwentz in Danzig, Dr. Hecht in Königsberg i. Pr.
für alle mir bewiesene Gefälligkeit hiermit meinen verbindlichsten
Dank auszusprecheu.
Beiträge znr geologisclien Keniitiiiss des nordwest-
lichen Oherharzes, insbesondere in der Umgebung
von Uautenthal und im Innerstetbai.
Von Herrn Wilhelm LangsdorfT in Clausthal.
Ueber den allgemeinen geologischen Charakter des nordwest-
lichen Harzes ist in den früheren Jahrgängen der Zeitschr. d.
Deutsch, geol. Ges. sowohl als des Jahrbuches der Königl. Preuss.
Landesanstalt und Bergakademie des Oefteren verhandelt worden.
Inzwischen sind in den letzten Jahren in dem genannten Ge-
biete nnd namentlich in der Gegend zwischen Lantenthal und
AVolfshao-eu durch zahlreiche von den Forstbehörden in Angriff
genommene Weganlagen, durch Abholzuug früher mit Wald be-
deckter Flächen sowie durch Ausdehnung der Steinbruchsbetriebe
manche neue Aufschlüsse erfolgt, welche zu der gegenwärtigen
Arbeit die erste Anregung gegeben haben.
Wie die LosSEN'sche Harzübersichtskarte zeigt, werden die
höchsten — bis zu 800 Meter Meereshöhe ansteigenden — Kuppen
des Nordharzes von den devonischen Schichten des Spiriferensand-
steins und der daran sich anschliessenden Calceolaschiefer einge-
nommen. In der Gegend zwischen Goshw, Wolfshagen und Langels-
heim legen sich mit einem südlichen Ausläufer gegen Hahnenklee
auf jenes ältere Gebiet diejenigen Schichten auf, welche man seither
als » Goslarer Schiefer« bezeichnet ii*nd als jüngere Zone vom
»Wissenbacher Schiefer« unterschieden hat — eine Unterscheidung,
auf welche jedoch neuerdings wieder verzichtet worden ist. In
b Dieses Jahrbuch 1887, S. XXXVIII.
Wilhelm Langsdorpf, Beiträge zur geologischen Kenntniss etc. 105
der gegenwärtigen Arbeit wird indessen die bereits zu einer ge-
wissen Einbürgerung gelangte Bezeichnung des Goslarer Schiefers
als solchen beibehalten werden.
In der Gegend zwischen Lautenthal, Ilahnenklee und Wolfs-
hagen wird der Goslarer Schiefer von einem rautenförmigen Aus-
läufer des Oberharzer Culms auf einer Unterlage von Cypridinen-
Schiefer (Oberdevon) in der Weise überlagert, dass der letztere
als am Rande der Culmdecke hervortretende Umsäumung auftritt,
welche ihrerseits unmittelbar auf dem Goslarer Schiefer anfruht.
Nach dieser Oberflächengestaltung muss angenommen werden,
dass eine Decke von Cypridinen- Schiefer den Goslarer Schiefer
früher in grösserer Ausdehnung, als dies jetzt der Fall ist, über-
lagert hat und sammt den etwa sonst noch darüber befindlich
gewesenen jüngeren Schichten durch Erosion entfernt worden ist.
Auf einen solchen Vorgang weist auch der Umstand hin,
dass bei Lantenthal der Goslarer Schiefer unter der Decke des
Cypridinen- Schiefers und ebenfalls von demselben umsäumt in
einer räumlich beschränkten Partie wieder zum Vorschein kommt.
Die jetzt ausser Betrieb stehenden Schieferbrüche unterhalb
Lautenthal gehören diesem isolirten Vorkommen an. In diesen
Brüchen sowie an den Schieferfelsen, welche unterhalb der Ein-
mündung der Seesener in die Lautenthal-Langelsheimer Chaussee
an der westlichen Böschung der letzteren anstehen, kommen unter
anderen Petrefacteu namentlich Tentaculiten stellenweise häufig
vor. Das Baud des sich an der oberen Grenze des Goslarer
Schiefers hinziehenden Cypridinen - Schiefers besitzt zwischen
Lauteuthal und Wolfshagen seine grösste Breite.
Als Fundstelle von Cypridinen kann hier der südöstliche
Fuss des Ecksberges nach dem Riesbachthal namhaft gemacht
werden.
Im Cypridinen - Schiefer werden als Einlagerungen häufig
Kalkschichten beobachtet, welche mehr oder weniger die bekannte
Kramenzelstructur besitzen.
Es wäre aber ein Irrthum, anzunehmen, dass diese Kalk-
einlagerungen einen bestimmten Horizont des Cypridineu-Schiefers
darstellen. Vielmehr liegen dieselben bald in den oberen, bald in
106
Wilhelm Lanqsdorff, Beiträge zur geologischea Kenntniss
den mittleren nud tieferen Lagen desselben. An manchen Stellen,
so z. B. am Schünenberge (nordöstlich von Ilahnenklee) wird so-
gar ein dreimal sich wiederholender Wechsel von Cypridinen-
Schiefern mit Kramenzelkalken beobachtet, der die ganze Breite
der Zone von Cypridinen-Schiefer zu nmfasseu scheint.
An manchen Localitäten, so z. B. längs des Südostraudes der
15erge von Spiriferen-Sandstein zwischen Oberschidenberg und der
Komkerhalle fehlen die Cypridinen-Schiefer ganz und es treten
zwischen dem Goslarer Schiefer und dem Cidiii lediglich Kramenzel-
kalke an der Stelle der ersteren auf.
Merkwürdiger Weise fehlen an den Stellen, an welchen die
Cypridinen-Schiefer durch Kramenzelkalke vollständig verdrängt
werden, zugleich auch meist die Culmkieselschiefer, die sonst das
Mittelglied zwischen den Cypridiuen- Schiefern und den Posido-
nomyen - Schiefern bilden.
In der Gegend von Lauteuthal finden sich die in die Cypri-
diueu-Schiefer eingebetteten Kramenzelkalke meist in den oberen
Lagen der ersteren.
Die am rechten Innerste -Ufer unterhalb Lautentlial, in der
Dölbe, auf dem »Steilen Berge« und am Südabhang des Teufels-
l)erges im Wege vor dem Walde in der Ilichtuug gegen den
Kiesbach hin auftreteuden Kramenzelkalke wären als schon früher
bekannt hier nicht weiter hervorzuheben.
Daseffcu haben sich neue Aufschlüsse ergeben an dem in
o o o
der Höhencurve von 480 Meter am Südabhang des Sparenbergs
neuerdings angelegten Fusspfade, sowie an dem vom südlichen
Ausläufer des Ecksbergs nach dem Kieslnvchthale in der Aus-
führung begriffenen Fahrwege an der Stelle, wo solcher die Höheu-
curve von 3ü0 Aleter durchschneidet.
Weitere Vorkommen von Krameuzelkalk finden sich an
2 Stellen am Kiesberge, das eine in 420 Aleter Meereshöhe au der
Stelle, wo die Braunschweigische Grenze einen rechten Winkel
bildet; das andere östlich von der Biegung der Lautenthal- Wolfs-
hagener Chaussee in 340 Meter Meereshöhe.
An beiden Stellen ist das Einfällen der Kalkschichten ein
ziemlich flaches und nähert sich fast der Horizontalen. Alle diese
des nordwestlichen Oberharzes etc.
107
Krameuzeikalke gehören der obereu Region des Cypridiuen- Schiefers
an. Dagegen scheinen einige Kalkbänke, welche iin Lautenthal-
Wolfshagener Fusswege unmittelbar nördlich vom Ausgange des
Dölbe- in das Innerstethal anstehen, der tieferen Zone desselben
anzugehören.
Die oberen Schichten des Cypridinen-Schiefers zeichnen sich
in der Geaend zwischen Lautenthal und Wolfshatren — wie <xanz
O O O
dasselbe z. B. im Nassauischen und im ehemals Hessischen sotr.
Hinterlande beobachtet wird — meist durch eine leithafte rothe
und graue Färbung aus, welche durch Verwitterung resp. Oxydation
hier und da in einen braunen bis gelblichen Farbenton übergeht.
In der Nähe der Kramenzelkalke nehmen oft auch die bunt ge-
färbten Thonschiefer Kramenzelstructur an.
Die Schichten des auf die Cypridinen - Schiefer folgenden
Culmkieselschiefers legen sich um die bis zu 600 Meter Meereshöhe
ansteigenden Kuppen nordöstlich von Lautenthal bandartig herum
und bilden trotz der häufigen Unterbrechung durch Gaugspalten
an der Oberfläche gewissermaassen einen zusammenhängenden
Teppich, auf welchem die nun folgenden Culmschichten (Posido-
nomyenschiefer mit den ein- und aufgelagerten Grauwacken) in
verschiedener Mächtigkeit sich auszubreiten scheinen.
Je mehr man sich vom Nordwestrande des Harzes in süd-
östlicher Richtung der Hochebene von Clausthal nähert, um so
mehr wird das im Allgemeinen unverändert gegen Südosten gerichtete
Einfällen der ohne Zweifel zum Theil überkippten Schichten
steiler, die Faltung wird intensiver und während von Lautenthal
aufwärts im Inuerstethal steil aufgerichtete Schichten mit flach
liegenden noch abwechseln und letztere stellenweise noch vor-
herrschen, erscheinen mit dem weiteren östlichen und südöstlichen
Vorschreiten mehr und mehr sämmtliche Schichten steil aufge-
richtet und Sättel wie Mulden platt znsammeugedrückt, so dass
deren Begrenzungen kaum mehr zu erkennen sind.
Ein solches ununterbrochenes Auftreten steil anfgerichteter
und zweifellos znsammengeklappter Schichtenfalten lässt sich bei-
spielsweise an der von Clausthal nach Altenau führenden Chaussee
von deren höchstem — auf 597 Meter Meereshöhe gelegenen — ■
108
Wilhelm Langshorff, Beiträge zur geologischen Kenntniss
Pimkte bis zum Polsterthale ^ d. h. auf volle 3 Kilometer Länge
beobachten.
Die einzigen x\nzeichen, welche Faltengreuzen auch äusserlich
andeuten, sind mehrmals auf dieser Strecke in dem Streichen
der Schichten unvermittelt eintretende Aenderungen, welche an
den betrefienden Stellen im Mittel 10 bis 20 Grad betragen.
In dem beschriebenen Verhalten tritt auch mit der unmittel-
baren Annäherung an die Granite des Okerthals und des Brockens
nur die Aenderung ein , dass daselbst gesteigerte Faltungs-
erscheinungen auftreten, welche aber, ebenso wie die rings um die
Granitmasse an den Schichten sich bemerklich machenden meta-
morphischen Erscheinungen, nur einen localen Charakter tragen.
Aus diesem vorstehend geschilderten Verhalten geht hervor,
dass es ein Irrthum sein würde, in dem Austritt der Granite die
letzte Ursache der Schichtenfaltung zu suchen, vielmehr spricht
dasselbe für die Auffassung Lossen’s ^), dass den vom Westrande
des Harzes gegen die Gebirgskerue allmählich sich steigernden
Faltungserscheinungen eine tiefere Ursache zu Grunde liegt, welche
gleichzeitig den Austritt der Granite ermöglichte und Spalten-
bildungen bewirkte und welche, wie Lossen näher nachweist, als
die Durchkreuzung des Niederländischen mit dem Ilercynischen
Faltensystem aufzufassen ist, von welchen das eine den Südwest-
harz und das andere den Südharz beherrscht — im Knotenpunkte
Granite emporpressend und in den Schichten sich weithin er-
streckende Zerreissungen bewirkend.
Mit vorstehender Auffassung steht auch der von Kayser
gelieferte Nachweis von Gängen im Granitgebiete selbst nicht im
AViderspruch, beweist vielmehr, dass auch nach dem Durchbruch
der Granite und der Consolidirung derselben die Faltungen und
Zerreissungen ihren ungestörten Fortgang genommen haben.
Was nun insbesondere die in der Gegend zwischen Lauten-
thal und Wolfshagen auftretenden — bis jetzt noch wenig unter-
suchten — Spalten und Gänge betrifft, so ist zu bemerken, dass
b Dieses Jahrbuch 1882, S. 1 — 50.
b Dieses Jahrbuch 1882, S. 412 — 455.
des nordwestlichen Oberharzes etc.
109
dieselben ein znsainmenbängendes System bilden, in welchem zwei
sich unter spitzen Winkeln krenzeude Hauptrichtungen (von West
nach Ost und von Südost nach Nordwest) vorherrschen. Der
durch den Bergbaubetrieb als ununterbrochene Dislocationslinie
aufgeschlossene Lautenthal -Hahueukleer Gang verfolgt ■ — wenig-
stens in seinem von Lantenthal gegen Hahuenklee verhuifeudeu
Westende — eine mittlere Richtung.
Einige dieser Spalten, wie diejenige des Bischofsthals und
des Dölbethals fallen mit den Sohlen der gleichnamigen Thäler
nahezu zusammen; die übrigen lenken grosseutheils auf längere
oder kürzere Strecken in Thalrisse ein und haben oftenbar zur
Bildung der betreffenden Thäler den ersten Austoss gegeben.
Auch der Lauteuthaler Hauptzug gehört in die letzte Klasse,
indem derselbe das Thal der Laute, das kleine Schlackenthal und
das Roseuthal verfolgt und selbst gegen Seesen hin noch unter
der Zechsteindecke bemerklich bleibt.
Seitliche Verwerfungen der Schichten zufolge der Gänge, wie
sie namentlich am Burgstädter Zug bei Clausthal, sowie an den
den Lerbach - Alteuauer Höheuzug durchc|uerenden Gängen als
Regel beobachtet werden, treten in der Gegend zwischen Lanteu-
thal und Wolfshagen wenig hervor.
Trotzdem müssen die Schichten auch an den zwischen Lauten-
thal und Wolfshagen sich vorfiudeudeu Gängen erhebliche Ver-
Schiebungen erlitten haben, weil namentlich die Kieselschiefer-
Zonen sowohl bezüglich der Mächtigkeit als der Höhenlagen au
räumlich bei einander liegenden Stellen grosse Unregelmässigkeiten
und in Folge derselben seltsame Verzerrungen und Verdrehnugeu
zeigen, welche durch die Erosion nicht hervorgerufen sein können.
Insbesondere in verticaler Richtung oder in Richtungen, die
sich dem Einfällen derSchichteu nähern, müssen Schiebungen
stattgcfundeu haben, da sonst die bemerkten Unregelmässigkeiten,
die übrigens im Horizontalbilde — - der geologischen Karte —
nur theilweise zum Ausdruck kommen, nicht zu erklären sein
würden. Es liegt hiernach bei den Gängen nördlich von Lauten-
thal ein gewisser Gegensatz zu den nach oben oder nach unten
O Ö
klaffenden, im Uebrigeu bezüglich der Höhenlage der Spalten-
110
Wilhelm Langsdorff, Beiträge zur geologisclion Kenntniss
ränder mir wenig veränderten Spalten und Sprüngen vor, eiche
V. Koenen 1) im Buntsandstein-Gebiet beobachtet und beschrieben
bat. Selbstverständlich kann man nicht erwarten, dass die nach-
trägflich durch die Erosion erzeug-ten Formationso-renzen mit den
jetzigen Horizontalcurven zusammenfallen — allein schon aus dem
Grunde, weil durch die fortschreitende Faltung der Umfang des
Erosiousgebietes sich vielfach verändert hat.
Nach diesen alUemeineu Vorbemerkun<ren dürfte es am
O O
Platze sein, auf die Gestaltung der Gänge im nördlichen
Theil der durch die Ueberschrift dieser Arbeit näher bezeichneten
Gegend näher einzugehen. Es muss hierbei, da die Beigabe einer
Specialkarte zu weit geführt haben würde, auf das Blatt Seesen
der Generalstabskarte Bezug genommen werden.
An bereits bekannten und auf der BoRCHER’schen Gangkarte
angegebenen Spalten sind ausser dem Lautenthal - Hahnenkleer
riauptgang der Steigerthaler Gang, der sich vom oberen Steiger-
thal iu’s Kl. Trogthal herabzieht, sowie der Wittenberger und
Gegenthaler Zug, auf deren letzterem bis vor einigen Jahren noch
Eisensteinbergbau im Gange war, hier zu nennen. Der Witteu-
bero;er Zim — wanz unvermittelt als mächtiofe, mit Brauueisen-
stein und Eisenkiesel erfüllte Doppelspalte im Gebiet der Cypri-
diueuschiefer auftreteud — muss früher, der grossen Ausdehnung
der in seiner Nähe am rechten Innerste-Ufer augehäuften Schlacken
nach zu urtheileu, einem lebhaften Hütteubetrieb als Unterlage
gedient haben.
I. Gruppe.
Dölbethal-, Bischofsthal- und Innerste -Trogthaler Gang.
1. Das Dölbethal,
welches zwischen dem Bielstein im Süden und dem Sparenberge,
sowie der Heimbergskappe im Norden eine tiefe Spalte bildet,
zeigt schon bei flüchtiger Ansicht und Vergleichung der beider-
seitigen Thalgehäuge, dass dasselbe als eine Schichteutreunungs-
liuie aufzufasseu ist.
’) Dieses Jahrbuch 1885, S. 53 — 56 u. ff.
des iiordwestliclien Oberharzes ete.
111
Noch ülierzeugentler tritt dies hervor, sobald mau iu Ver-
folgung des Dölbethals die Wasserscheide zwischen dem Bielstein
und dem Oberen Sommei’berge in östlicher Richtung überschritten
hat, indem in dem tief eingeschnittenen Rollethale, welches in die
Verlängerungslinie des Dölbethals fällt, der an der Spalte statt-
findende, scharf abschneidende Wechsel zwischen Kieselschiefer
und Grauwacke zu Tag ausgeht.
Das Dölbe- und Rollethal stellen zusammen eine Gangspalte
vor. Gangmnlm und verkieseltes Gauggestein wird iu der Höhen-
curve von 380 Meter im Dölbethale direct beobachtet. Halden
finden sich in der Schlucht südlich von der ITeimbergskappe im
oberen Dölbethale iu der ITöheucurve von 520 Meter, sowie im
Kl. Uhlenthale iu 460 Meter Meereshöhe; ausserdem zahlreiche
Schlackenhaldeu im letzteren und am Langeliether Graben (Blatt
Zellerfeld) bis zu 560 Meter Meereshöhe.
2. D as Bischofsthal.
Hier ist bezüglich der verschiedenen Beschafleidieit der beider-
seitio-en Thala-ehänge dasselbe wie bei dem Dölbethale zu sasen.
Mehrere Stollen und Halden, auf welchen ausser Gauggesteinen
zahlreiche Schlacken u. s. w. als unverkennbare Reste angestellter
Schmelzproben angetrofien werden, finden sich im mittleren Bischofs-
thal, wo der Gang die Thalsohle auf eine Länge von ungefähr
250 Meter berührt, in etwa 380 Meter Seehöhe, sowie eine Berge-
halde iu der Höhencnrve von 520 Meter am oberen Ende desselben.
3. Der Innerste-Trogthaler Gang.
Zu dem auf der Westkante des Bielsteins befindlichen Aus-
sichtspunkte, der »Laube«, führen vom Bischofsthale sowohl, als
vom Dölbethale aus mehrere — theilweise neu angelegte — Fuss-
pfade, welche ein sehr merkwürdiges Terrain durchschneiden.
Der südwestliche Fuss des Bielsteins, nach dem unteren
Ende des Bischofsthals hin, wird von einer breiten, von 2 Seiten
steil austeierenden und a:anz mit Kieselschiefertrümmern bedeckten
Fläche eingenommen, welche sich beim Ansteigen nach dem
Bielstein plötzlich auf ein schmales Band verengt, das sich östlich
112 Wilhelm Lanqsdorfp, Beiträge zur geologischen Kenntniss
und nördlich um die mit der »Laube« bekrönte — am meisten
uacb West gelegene — Kuppe des Bielsteins berumschlingt.
Oestlich von der »Laube« steigt die plötzlich auf etwa ein
Drittel ihrer unteren Breite verschmälerte Kieselschieferzone steil
um circa 100 Meter empor, während auf der Nordseite im Zu-
sammenhang mit dieser steil ansteigenden Zone der Kieselschiefer
ebenfalls in einem schmalen, fast horizontal liegenden — am W^ est-
eude etwas verbreiterten — Baude auftritt, ohne sich indessen
mit dem übrigen am westlichen Fuss des Bielsteins auftreteudeu
Kieselschiefer wieder zu vereinigen.
Da, wo der aus dem Bischofsthale zur Laube steil ansteigende
Fusspfad die Höheucurve vou 440 Meter schneidet, treten ohne
alle Vermittlung unregelmässig zerklüftete, auseinander gerissene
und übereinander geschobene Kieselschieferfelsen auf, au welche
sich nach Westen bis zum luuerstethale steilste, mit Fragmenten
von Kiesel- und Cypridiuenschiefer bedeckte Abstürze auschliessen.
Alles weist darauf hin, dass man sich inmitten des Zuges einer
Gaiigspalte befindet, die sich bei weiterer Untersuchung auch sehr
leicht vom Bischofsthal aus durch das Inuerstethal o;eo-en den
Teufels- und Tros-thalerbero- und bis ffeofeu den Hakelsbero^ ver-
ö O O O O
folgen lässt.
Die Spalte ist am linken Innerste -Ufer an der rothbraunen
Ausfüllungsmasse, welche sich von den Nachbargesteiueu grell
abhebt, am nordöstlichen Abhang des Teufelsbergs in einem von
300 — 380 Meter am Berge hinauf laufenden Streifen deutlich zu
erkennen.
Auch am nordöstlichen Abhang des Hakelbergs macht sich
die Spalte au dem in das Steigerthal herabführeuden Wege in
etwa 460 Meter in der plötzlich eintretendeu Einmengung vou
Kieselschiefergestein in die westlich vom Gang vorherrschende
Grauwacke bemerklich.
4. Doppelspalte vom kleinen Bromberge.
Auf der BoRCriER’schen Gaugkarte ist am Kleinen Bromberge
eine Doppelspalte als Ausläufer des Lauteuthaler Hauptgauges
angegeben, deren Verlängerung sich in bestimmt ausgesprochener
des nordwestliclien Oberliarzes etc.
113
Weise — parallel zum Innerste- Trogthaler Gang — über den
Teufels- und Gr. Trogthaler Berg bis gegen den »Oehrenbrunnen«
verfolgen lässt. An diesem Gang fehlen in dem sich nach Nord-
westen erweiternden Winkel zwischen ihm und dem Lautenthaler
Hauptgang seitliche Schichtenverschiebnngen; eine plötzliche Un-
regelmässigkeit stellt sich jedoch in dem spitzen Winkel, in
dem beide Gänge sich schneiden, dadurch heraus, dass, vom
Steilen Berge anfangend, gegen den Schnittpunkt der Gänge die
Schichten des Kieselschiefers sammt den darauf liegenden Posido-
nomyenschiefern und sammt den Culmgrauwacken eine successive
Senkung erlitten haben, wodurch diese sämmtlichen Schichten von
der Erosion wenig berührt worden sind, welche unmittelbar da-
neben — nordöstlich von der Doppelspalte — - alle Schichten bis
auf den an der Oberfläche allein noch ührig gebliebenen Cypri-
dinenschiefer weggewaschen hat.
5. Schulberg- Gang.
Ueber diesen Gang hat Verfasser früher schon Mittheilung
gemacht und beschränkt sich hier auf die Angabe, dass sich im
allgemeinen Streichen am Nordabhang des Schulbergs eine Kiesel-
schieferzone vorfindet, welche beiderseits von Posidonomyeuschiefer
und Culmgrauwacken begleitet wird und nach Süden so abbricht
resp. sich verwirft, wie solches nur durch eine Gaugspalte zu
geschehen pflegt. Höchst wahrscheinlich setzt sich der Gang bis
zum Nordende des Langeliether Gi’abens (Blatt Zellerfeld) fort,
um sich dort au der S-förmigen Biegung der in’s Weidenthal
herabführenden Chaussee mit einer Spalte der folgenden Gruppe
zu vereinigen.
II. Gruppe.
Kl. Riesbach- Gang; Gang am Ecksberge, sowie Spalten am
Sommerberge und zwischen dem Meimbergskopf und der Heim-
bergskappe.
*) Gang- und Schichtenstudien aus dem nordwestlichen Oberliarz; Claus-
thal 1885, S. 45.
Jahrbuch 1889.
[8]
114
Wilhelm Langsdorff, Beiträge zur geologisclien Kenntniss
6. Kl. Riesb ach- Gang.
Verfolgt man das Dölbetlial von seiner Einmündung in’s
Innerste-Thal bis zu seinem in etwa 590 Meter Meereshöhe liegenden
Ursprung auf der gegenwärtig wahlfreien Wasserscheide zwischen
dem Bielstein, der Heimbergskappe und dem Sommerberge, so
gelangt mau nahe am höchsten Punkt an eine in der äusserst
steil ansteigenden und in Folge von Schlamm- und Gerolle-
anhäufung mühsam zu erklimmenden Thalschlucht befindliche
Halde, welche den Schnittpunkt der Dölbethal- Spalte mit einer
zweiten Spalte bezeichnet, die in deutlich ausgesi^rochener Weise
vom oberen Ende des Dölbethals durch das Kl. Riesbachthal
nach dem Südfusse des Ecksberges zwischen diesem und den
Trogthaler Grauwackesteinbrüchen sich hinzieht. Die Endhalde
im Dölbethale lieert in 520 Meter Meereshöhe.
O
Am Südabhang des Eckslierges macht sich der Gang zwischen
den beiden alten, am Trogthaler Berg befindlichen und dem
neuen, am rechten Innerste-Ufer vor einiger Zeit in Angrilf
genommenen Steinbruch dadurch geltend, dass die Gesteinsschichten
an der Spalte einen Bruch erlitten haben, der sich in der ab-
weichenden Lagerung der zu beiden Seiten der Innerste anstehenden
Gi’auwacken ausdrückt.
7. Die Ecksberg-Spalte.
Die südwestliche Abdachung des Ecksberges von seinem
557 Meter hohen Gijifel bis zur Innerste besteht aus sehr steilen
Abstürzen, die mit mächtigen Grauwackeblöcken übersäet sind.
Die steilste Stelle befindet sich in 500 Meter Meereshöhe, etwa
100 Meter südlich von der Spitze entfernt und ist von Süden her
vollkommen unzugänglich. An dieser Stelle oder noch etwas
weiter östlich beginnt die Ecksberg -Spalte, welche sich in der
Richtung WNW. schräg über den Südwestabhang des Berges
erstreckt und am rechten Innerste-Ufer zu Tag ausgeht.
Nach dem Thal zu erweitert sich die Spalte und kann am nord-
westlichen Ausläufer des Ecksberges auf etwa 400 Meter Breiten-
Erstreckung wahrgenommen werden.
Au dem unteren der verschiedenen, südwestlich um den
des nordwestlichen Oberharzes etc.
115
Ecksberg sich hinziehenden Wege nehmen ganz plötzlich hei dem
Eintritt in die Spalte die Schichten die Streiclmngsrichtung
derselben an. Es sind diese nach Westen hin etwas divergirenden
Schichten offenbar als ursprünglich zusammenhängende Masse von
der Seite in die Gangspalte hineingerutscht und haben deren —
von dem allgemeinen Schichtenstreicheu fast um 90*^ abweichendes
Streichen angenommen, ein Fall, der hei den oherharzischen
Gämxeu öfters beobachtet wird.
8. Sommerberg-Spalte.
Auf dem oberen Sommerherge befindet sich dicht neben
dem iu der Höheucurve von etwa 580 Meter, parallel mit dem
Grate des erstereu hiulaufenden, nach dem llorberge führenden
Fahrwege eine alte, ausser Ganggesteinen auch Schlacken ent-
haltende Halde. Diese gehört einer Spalte an, welche sich in
ostsüdöstlicher Eichtung durch das Varley-Thal gegen den nörd-
lichen Bogen des Langeliether Grabens (Blatt Zellerfeld) ver-
folgen lässt.
Im Varley-Thal hebt sich der braun gefärbte Inhalt der Spalte
deutlich vom Nachbargesteiu ab. Da, wo dieselbe mit der fol-
genden zusammentriff’t, liegt noch eine zweite Halde, nämlich in
der tiefen Schlucht zwischen Heimbergskopf und Heimbergskappe.
9. Als letzte der beobachteten Spalten wäre hier noch ein
Sprung auzuführeu, welcher zwischen Heimbergskopf und
He im bergskappe zu beobachten ist und von der letzt er-
wähnten Halde, dem Bischofsthale parallel, die Schlucht zwischen
den beiden genannten Kuppen verfolgt.
Bezüglich der Einschlüsse der snb 1 — 9 namhaft gemachten
Spalten wäre zu bemerken, dass drei derselben, nämlich die
Dölbethal-, Bischofsthal- und Sommerberg-Spalte, als erzführend,
die übrigen wahrscheinlich als »faule Ruscheln« zu betrachten sein
werden.
Zum Schluss dieser Arbeit sei es gestattet, die noch der
Lösung harrende Frage der Gliederung des oberen Cuhns — der
Cuhn-Grauwacke — hier iu Kürze zu besprechen.
[8*1
116
WiLHELjt Langsdokfe , Beiträge zur geologischen Kenntniss
Die Hauptscliwierigkeit, welche dem Versuche einer Gliederung
dieses bei Weitem deu grössten Theil des nordwestlichen Ober-
harzes einnehmenden Gebietes entgegeusteht, beruht darin, dass
fast nirgends eine Stelle zu finden ist, wo die Formation in ihrer
a:auzen Mächtio-keit im Zusammenhans: stndirt werden kann.
Im ganzen Innerste -Thale werden überall die Uebergänge
flacher Granwackelageu in steil anfge richtete, durch Haufwerke
von Grauwacken und Thouschieferbruchstttcken ohne jede Schich-
tung bezeichnet.
Diese Thatsache ma<r sich zum Theil durch die a;esteis:erte
Einwirktlug der Erosion au den Bieguugsstellen, namentlich wenn
dieselben Mulden entsprechen, erklären lassen. In vielen Fällen
hat aber in der Nähe der Bieguugsstellen zugleich ein Bruch statt-
gefundeu und die gesteigerte Anhäufung der Bruchstücke ver-
anlasst.
An einzelnen Punkten, so z. B. an der Felspartie am rechten
Innerste -Ufer unterhalb der Hütschenthaler Sägemühle lässt sich
eine nahe an der tiefsten Stelle zerrissene, im Profil zu Tage aus-
gehende Mulde direct beobachten. An anderen Stellen, wie z. B.
an dem Schichtenprofil an der Innerste -Chaussee unterhalb des
Silbernaaler Zechenhanses, sind die Faltenbruchsfücke an den
Bruchflächen mehrfach herabgerutscht und dachziegelartig überein-
ander geschoben, so dass auch hier der stattgefnndene Faltenbruch
ausser Zweifel steht.
Da an allen diesen Stellen der directe Zusammenhang der
Schichten nntei'brochen ist, so bleibt behufs des Studiums der
Schichtenfolge nichts anderes übrig, als die horizontalen und die
verticalen Bruchstücke der Formation für sich getrennt der Unter-
suchnng zu unterwerfen.
Horizontale Schichten, welche dnreh den Steinbrnchs-
betrieb, für welchen sie die günstigste Lagerung darbieten, im
Innerste-Thale in grösserer Ausdehnnng anfgeschlossen sind, finden
sich daselbst zunächst in den beiden Trogthaler Steinbrüchen
unterhalb Lautenthal.
Die Unterlage der Grauwacke bilden hier Posidonomyen-
schiefer, die sich am Fnsse des Tenfelsbergs auf Kieselschiefer
des nordwestlichen Oberharzes etc.
117
aiiflageru. In den beiden Trogtlialer Brüchen haben die com-
pacten , theilweise ans Congloineraten bestehenden Granwacke-
bänke eine Mächtigkeit von circa 30 Metern; darauf folgen ab-
wechselnd mehrere horizontale Thonschiefer- und Grauwackelagen.
Man würde so am Gr. Trogthaler Berge von der auf circa
270 Meter Seehöhe gelegenen Steinbruchssohle bis zu der die
Höhe von 606 Meter erreichenden Spitze desselben eine Mächtig-
keit von 606 — 270 = 336 Meter herausrechnen können, wenn
wirklich die Horizontalität der Schichten sich soweit erstreckte.
Allein diese Annahme erweist sich als irrig, indem die hori-
zontale Lagerung der Schichten schon am Innerste -Trogthaler
Gang (siehe oben No. 3 bei Gruppe I) ein Ende nimmt und, wie
deren Beobachtung in dem am Gr. Trogthaler Berg in der Bich-
tung auf den unteren Steinbruch herablaufenden Waldweg ergiebt,
einem steil nach Südosten gerichteten Einfallen Platz macht, wo-
durch eine solche Rechnung als hinfällig sich herausstellt.
Ganz ähnliche Verhältnisse kommen zum Vorschein bei der
Beobachtung der Schichten in den jetzt im Zusammenhang auf
eine Länge von ungefähr 1000 Metern am Adlerberge unterhall)
Wildemann aufgeschlossenen Grauwackesteinbrüchen.
Die Grauwackebänlfö bilden hier — wie in den Trogthaler
Brüchen — zusammen ^ine ebenfalls etwa in 30 Meter Mächtig-
keit aufgeschlossene Zone, deren Decke zur Zeit noch nicht bloss-
gelegt ist. Jedoch stehen in ganz geringer Entfernung vom Ost-
rande des Bruches an dem an der Stollenkappe hinaufführenden
Fusswege sowohl als am Südende des Bruches und an der
Chausseeböschung demselben gegenüber die Schichten mehr oder
weniger steil anfgerichtet.
Nördlich reicht die horizontale und zuletzt sich sanft nach
Nordwesten abdachende Lage bis, zu einer au der Innerste sicht-
baren Spalte, welche den Wasserlauf quer durchsetzt.
Es ist also auch hier keine Aussicht vorhanden, die Culm-
grauwacke in ihrer ganzen Mächtigkeit zu Gesicht zu bekommen,
da rings um die horizontale Ablagei’ung die Schichten allei’seits
wieder mit steilem Einfällen auftreten.
Endlich wiederholt sich dieselbe Erscheinung in den Stein-
118
Wilhelm Langsdokff, Beitrüge zur geologischen Kenntniss
brüchen oberhalb Wildemami, indem daselbst ebenfalls, soweit sich
dies augenblicklich übersehen lässt, die — gegenwärtig etwa in
20 Meter Mächtigkeit aufgeschlossene — horizontale Ablagerung
rings von steil einfalleuden Schichten umgeben ist.
Für die Beobachtunof etwas günstiger gestalten sich die Ver-
hältuisse weiter oben im Innerste -Thale, von dem Silbernaaler
Zechenhause abwärts bis zur Chausseebiegung am Pelicaner Stollen.
Die Schichten der Culmgrauwacke gehen hier mit durch-
schnittlich Ys südöstlicher Neigung an der nordöstlichen Chaussee-
böschung zu Tag aus.
Nach wiederholten Messungen, die allerdings bei der sich
oft verändernden Neigung sowohl der Schichteneinfallsebene gegen
den Horizont als der Chausseeaxe gegen das Schichtenstreichen
mit einigen Schwierigkeiten zu kämjjfeu haben und daher nur
eine annähernde Genauigkeit beanspruchen können, kann die be-
obachtbare Mächtigkeit der Culmgrauwacke auf der genannten
Strecke zu 150 Meter taxirt werden.
Um ein ungefähres Bild der Vertheilung von Grauwacken
und Thonschiefern in der vorbezeichneten Culmlage zu erhalten,
sei hier angeführt, dass die Gesammtstärke der beobachteten
Graiiwackebänke circa .... 85 Meter
Schieferschichten circa .... 65 »
beträgt.
Dabei stellt sich die Stärke der einzelnen Zonen wie folgt:
Stärke
Bis zu 2 Meter
Von 2 — 3 »
Ueber 3 »
Zahl der Zonen
Grauwacke Thonschiefer
7 11
6 8
13 6
Man sieht, dass die Grauwacken entschieden vorherrschen.
Am günstigsten für die Beobachtung liegen die Verhältnisse
O ö ö O
da, wo die Schichten vertical aufgerichtet sind oder ein
steiles Einfallen zeigen und gleichzeitig durch Spalten nicht unter-
brochen sind.
des nordwestliclicn Oberharzes etc.
119
Bei clor Wahl steil aufgerichteter Schichteu zur Bestimuuiug
der Mächtigkeit clerselbeu hat mau ausser der Möglichkeit, die
eiuzelnen Bäuke direkt bec|uem uutersucheu zu köuueu, noch den
Vortheil, die Formation resp. eiiieu Tlieil derselben, geschlossen
in unveränderter Stärke vor sich zu haben, während nur die
Köpfe der einzelnen Schichten der Erosion ansgesetzt gewesen
und je nach der Widerstandsfähigkeit der letzteren mehr oder
weniger ausgewaschen sind.
Eine Oertlichkeit der bezeichneteu Art behudet sich im
lunerste-Thale, unterhalb der Einmüudnug der Gründer in die
Innerste-Chaussee.
Die Schichten stehen au dieser Aufschlussstelle grössteutheils
vollkommen vcrtical und mau kann im Zweifel sein, auf welcher
Seite das Liegende und das Hangende zu suchen ist, wenn schon
aus dem alLemeiueu Wechsel des Schichteueinfallens die Annahme
O
mehr für sich hat, dass die nach SO. zu liegenden Schichteu die
älteren sein müssen.
Die beobachtete Reihenfolge und Stärke der Schichten ist
von SO. gegen NW. folgende:
Von der Gründer Chaussee abwärts circa 200 Meter Grau-
wackegerölle ; daun verticale Schichteu:
Dicke der Schichten
in Metern
Anzahl
der Grauwackebänke
11.0 Grauwacke
31, .3 Schiefer
4.5 Grauwacke
1,3 desgl. (Breite eines Stollens daselbst)
3.5 Grauwacke
0,5 Schiefer
26.0 Grauwacke
1,0 Schiefer
7.5 Grauwacke
0,5 Schiefer .
19.0 Grauwacke
1,0 Schiefer
1.5 Grauwacke
17
1
3
10
52
11
22
1 1 (dünne Lagen)
120
Wilhelm Langsuokff, Beiträge zar geologischen Kenntniss
Dicke der Schichten Anzahl
in Metern der Grauwackebänke
0,5 Grauwacke ]
3,2 Schiefer —
0,5 Grauwacke 1
0,5 Schiefer —
2.5 Grauwacke 2
1.0 Schiefer —
4.5 Grauwacke 9
0,5 Schiefer —
1 .5 Grauwacke 4
0,5 Schiefer —
2.0 Grauwacke 3
0,4 Schiefer —
0,4 Grauwacke 2
1.5 Schiefer mit düuueuGrauwackelageu —
3.5 Grauwacke 8
0,5 Schiefer —
3.0 Grauwacke 2
0,2 Schiefer —
4.0 Grauwacke 5
0,5 Schiefer —
3.0 Grauwacke 6
2.0 Schiefer mit düuuen Grauwackelagen —
5.0 Grauwacke 8
1.0 Schiefer mit dünneu Grauwackelagen —
5.0 Grauwacke IG
1.0 Schiefer —
4.0 Grauwacke; mehrere nach unten di-
vergirende Bänke —
Sä. 160,8 194
Hier ist die verticale Schichtenstellung plötzlich zu Ende und
es herrscht bei sämmtlichen Schichten unvermittelt ein steiles Ein-
fallen gegen SO. vor, welches sich bis zu dem ca. 200 Meter
vom Ende der verticalen Schichtenstelluug eutferuteu grossen
des Dord westlichen Oberharzes etc.
121
Cluinssee- nud Eisenbahneiiisclmitt am südwestlicheu Ausläufer
des »Hohen Berges« fortsetzt und nur einmal auf eine kurze
Strecke durch einige S-förmige Grauwaekelagen , die nach SW.
einfallen, unterbrochen wird.
Wenn nun auch nicht angenommen werden kann, dass die
Mächtigkeit der Culmgrauwacke im Westharze als eine constante
Grösse zu betrachten ist, so sind die gefundenen Zahlen, nämlich
Unterhalb Silbernaal mindestens . . . . 150 Meter
Unterhalb der Einmündung der Gründer in
die Innerste - Chaussee desgl 160 »
doch insofern von Interesse, als sie einigermaassen durch die
werthvolleu Protilaufnahmen bestätigt werden, welclie v. Groddeck
im Anfang der 70er Jahre veröffentlicht hat.
Nach den genannten Profilaufnahmen hat zwischen dem
Johaun-Friedrich-Schacht bei Bockswiese und dem Spiegelthal in
dem sich bis zum Schreibfeder-Schacht bei Zellerfeld erstreckenden
Flügelort des Ernst-August-Stolleus resp. in den auf dieser Strecke
sich befindlichen Schächten
die Grauwacke eine Mächtigkeit von .
der Posidouomyenschiefer eine solche von .
» Cidmkieselschiefer » » »
» Kramenzelkalk » » »
die Wissenbacher und Calceola-Schiefer eine
Mächtigkeit von
150 Meter
150 »
24 »
84 »
60 »
wogegen daselbst der Spiriferensandstein bis zu einer Mächtigkeit
von 240 Meter verfolgt, doch dessen Ende damit nicht erreicht
worden ist.
An andern Stellen ist die Mächtigkeit der Culmgrauwacke
etwas grösser als 150 Meter gefunden worden, nämlich:
Zwischen den 2 Spiegelthaler Gängen . . 240 Meter
Bis zum Charlotter Gang 228 »
» » Buscheseegener Gano; 228 »
O O
0 Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwcscn im Preussischcn Staate,
Jahrgang 1873; Atlas Blatt I und 11.
122
Wilhelm Langsdorff, Beiträge zur geologischen Kenntniss
Von letzterem Gang bis Zellerfeld (Sclireibfeder) nimmt die
Mächtigkeit der Grauwacke bis zn einer verfolgten Stärke von
516 Meter zu, ohne dass am Schreibfeder-Schacht die untere Grenze
erreicht wäre. Oflenbar liegen hier in der Tiefe Faltungen vor,
die die wahre Dicke der Grauwacke nicht mehr erkennen lassen.
Nimmt man die Mächtiorkeit der Grauwacke in der Gebend
o o
des Spiegelthals mit 232 Meter als die mittlere an und hält damit
die Profile unterhalb des Silbernaaler Zecheuhanses und unterhalb
der Gründer Chaussee mit 150 — 160 Meter zusammen, so erscheint
es als keine übertriebene Annahme, dass die Culmgrauwacke eine
durchschnittliche AlächtiMvcit von 250 Aleter kaum überschreiten
dürfte, wobei einerseits den Wirkungen der Erosion, andererseits
der UnkenutlichmachuniT der Schichten au den Bie£Tnu2:s- und
Bruchstellen der Falten schon genügend Rechnung getragen sein
dürfte.
Jedenfalls ist aus dieser Betrachtung soviel zu entnehmen,
dass zwischen Lautenthal und der Clausthaler Hoch-
ebene d. h. — senkrecht auf das Schichtenstreichen gemessen —
auf eiue Entfernung von 7500 Meter eine grosse Anzahl von
Falten existiren müssen und dass die Biegnngsstellen
sich an solchen Punkten befunden haben, wo jetzt die
plötzlichen Wechsel im allgemeinen Einfallen der
Schichten beobachtet werden.
Es darf hierbei als sehr wahrscheinlich angenommen werden,
dass die grossen Grauwackesteiubrüche des Innerste-Thals so ziem-
lich demselben und zwar dem unteren Niveau der Culmgrauwacke
angehören, da die Unterlage der letzteren — der Posidouoniyen-
schiefer — sich au mehreren Stellen im luuerste-Thale nachweisen
lässt und aiif der Hochebene von Clausthal sogar an der Ober-
fläche vorherrscht.
Seiner Zeit hat v. Groddeck^) versucht, die au verschiedenen
Stellen des Westharzes, so z. B. in dem ganzen Zuge zwischen
der Clausthaler Hochebene und dem Lerbach-Alteuaner Höhenzug,
am Knollen bei Grund und auf den Höhen westlich vom Inuerste-
b Dieses Jahrbuch 1882.
des nordwestlichen Oberharzes etc.
123
Tluile auftretendeii Congloiiierate zur Gliedoruug des oberen Culins
zu verwerthen.
So verdienstvoll diese Versuche sind, so kaun doch nicht ge-
leugnet werden, dass hierbei mit grösster Vorsicht zu verfahren ist,
weil solche Congloinerate vom Cidmkieselschiefer an aufwärts
durch den Posidonoinyeuschiefer bis zu den obersten Culmschichten
Vorkommen und die Identificirnug der Conglomeratschichten nur im
Zusammenhang mit den allgemeinen Lagerungsverhältnissen dnreh-
zuführen sein wird.
Es darf zum Schluss darauf hingewiesen werden, dass
die definitive Anfkläruim der betreflenden Lasrernno-sverhältnisse
weniger von palaeontologischen als von stratigraphischen und petro-
graphischen Untersuchungen zu erwarten sein wird und zunächst
dahin zu streben ist, die Schichtenfolgen an möglichst zahlreichen
Aufschlnsspnnkten zu beobachten und die Beobachtungen in syste-
matischer Weise mit einander zu verbinden, um durch Vergleichuno;
der Profile zur Feststellung von bestimmten Horizonten zu gelangen.
Es ist dies indessen eine Aufgabe, deren Lösung bei dem
grossen Umfang der erforderlichen Vorarbeiten erst die Zukunft
bringen dürfte.
lieber das Gebiss von
Lepidotus Koeneni Br. und Hancliecornei Br.
Von Herrn W. BratlCO in Königsberg i. Pr.
Durch die Güte des Herrn v. Koenen erhielt ich neuerdinöTS
zwei weitere Stücke des Lepidotus Koenenili'RA'^CO^\ welche, wie
die früher beschriebenen, aus dein Kiinmeridge vom Kahleberg
bei Wiershausen stammen. Zwar sind diese Stücke im Allge-
meinen höchst mangelhaft erhalten und unscheinbar; allein sie
erlangen dadurch Werth, dass das bisher noch ganz unbekannte
Gebiss, wenigstens zum Theil, erhalten ist.
Bei dem in Fig. 1, Seite 125 abgebildeten Stücke ist nur eine
Ausseureihe von Zähnen erhalten, welche dem Oberkiefer angehört.
Das in Fig. 2 abgebildete Stück dagegen zeigt oben und
unten Zähne; unter diesen aber auch solche, welche, ihrem Bau
Avie ihrer Stellung nach (Fig. 2 bei c), wohl bereits den innen
gelegenen Pflasterzähuen zugerechnet Averdeu müssen.
Die Betrachtung dieser Abbildungen lässt erkennen, dass die
Gestalt der Zähne — trotzdem nur ein Theil derselben erhalten
blieb — eine verhältuissmässig mannichfache ist. Auch scheint
*) Beiträge zur Kenntniss der Gattung Lepidotus, in den Abhandl. z. geol.
Specialkarte v. Preussen und den Thüringischen Staaten. Berlin 1887. Bd. 7,
Heft 4, p. 51—55, tab. 8, fig. 1 — 4.
W. Buanco, lieber das Gebiss von Lepidotus Koeneni Bn. etc. 125
mir, nicht nur in Gestalt, sondern auch in Grosse derselben, eine
Abweichung von dem typischen Gebisse der Lepidoten vorzu-
liegen.
Soweit der mangelhafte Erhaltungszustand eine Messung der
Grösse des Schädels gestattet, besitzt der Letztere bei dem in
Fig. 1 abgebildeten Stücke 14 cm Länge und 12 cm Höhe
» 2
13» » »11»
»
»
»
126
W. Branco, lieber das Gebiss von Lepidotus Koeneni Bk.
Es handelt sich mithin nm ziemlich grosse Thiere. Dem
gegenüber ist aber ein Theil der Zähne (Fig. 2 bei c) von so
auffallender Kleinheit, wie ich solche bei gleich grossen anderen
Lepidoten nicht beobachtet habe.
Was nnn die Gestalt der Zähne von Lepidotus Koeneni an-
betrift’t, so ist dieselbe eine 4- — Stach verschiedene:
Die vordersten und zugleich grössten Zähne, vergrössert in
a der Fig. 2, erinnern an die Canine eines Sängers. Anffallend
gegenüber diesen ist der in g der Fig. 1 dargestellte vordere Zahn,
dessen Krone sich, einen Absatz bildend, verjüngt, bevor sich die
Spitze entwickelt.
Den vollkommensten Gegensatz zu diesen bildet der in b ver-
grössert dargestellte Zahn. Gleichfalls vorn (unten) stehend und von
ansehnlicher Grösse besitzt derselbe nicht nur nicht eine kegel-
förmige, sondern eine ausgesprochen walzenförmige Gestalt. Seine
Krone zeigt also überall gleichen Durchmesser und an Stelle der
oberen Spitze ist eine ebene Fläche vorhanden, welche senkrecht
auf dem Mantel der Walze liegt.
Es wäre nun zwar möglich, dass diese Fläche nicht ursprüng-
liche Bildung, sondern nur die Folge von Abkauung wäre. Allein
an dem vorliegenden Materiale ist das nicht zu beweisen ; es
müsste auch der Zahn, falls er ursprünglich eine Spitze besessen
hätte, ganz auffallend lang gewesen sein, da er bereits ohne
Spitze einer der längsten und dicksten unter den vorhandenen
Zähnen ist. Auch habe ich bisher noch keinen spitzen Lepidotus-
Zahn gesehen, welcher in solcher Weise abgekaut gewesen wäre.
Wenn daher überhaupt diese eigeuthümliche Gestalt durch Ab-
kauung erzeugt sein sollte, dann wäre es noch am ehesten denk-
bar, dass sie — ähnlich wie die sogleich zu besprechende Ab-
änderung d — • oben nicht durch eine Spitze, sondern durch ein
kuppelförmiges Gewölbe abgeschlossen gewesen wäre.
Eine dritte Abänderung wird durch die in c vergrössert
wiederffeffebenen Zähne darffestellt. Ihr gehören die kleinsten
der vorhandenen Zähne au, welche die Gestalt starkgewölbter
Knöpfe uachahmeu und, hinten im Maide stehend, anscheinend
bereits dem inneren Pflaster angehören.
nnd Hauchecoruei Br.
127
Die iii d vergi’össert abgebildete Zabnform ist eine der Form c
nahe verwandte, insofern, als die Zähne wesentlich nur länr>-er als
diejenigen der Form c sind. Dieselben finden sich jedoch ledig-
lich vorn im Munde, während jene hinten stehen; vielleicht sind
sie daher nnr durch Abkaunug aus den anders gestalteten, so-
gleich zu besprechenden Zähnen e entstanden.
I) iese nämlich, vergrössert in e, besitzen eine Spitze, ähneln
jedoch keineswegs denen der Form a, also einer Canine, sondern
dem unteren Ende (jewisser Belemniten.
O
In f ist endlich noch eine fünfte Zahngestalt vergrössert dar-
o o
gestellt. Dieselbe läuft gleichfiills in eine Spitze aus, ist jedoch
wiederum ganz abweichend, sowohl von der Form a als auch von
der Form e. Diese Zähne bilden nämlich niedrige, hohle Kegel,
die mau, eben wegen ihrer hohlen Beschaffenheit, wohl als Ersatz-
zähne ausprechen muss.
Bereits die früher von mir untersuchten Stücke Hessen ver-
niuthen, dass die Schädelknochen von Lepidotus Koeneni mit
Schmelz- Wärzchen verziert gewesen seien. In deutlichster Weise
zeigt sich dieser Schmuck an dem Schädel des in Fig. 2 abge-
bildeten Stückes, wie das an der, diesem Stücke entnommenen
Fig. 3 ersichtlich ist. Die Wärzchen sind unregelmässig rund-
lich gestaltet.
Der Schädel des in Fig. 2 abgebildeteu Exemplares lässt das
Operculum und Subopercnlum erkennen; die Grenzlinie zwischen
beiden ist jedoch nicht genau festzustellen. Vor ihnen liegt das
Praeoperculum. Da jedoch diese Knochen mit ihrer Aiisseufläche
dem Gesteine aufliegeu und nur die Innenfläche dem Beschauer
zuwenden, so ist natürlich von den etwa vorhandenen Schmelz-
wärzchen hier nichts zu sehen.
Anschliessend an die obigen Mittheilungen über Lepidotus
Koeneni lasse ich hier den Wortlaut eines Briefes des Herrn
Dr. W. Deecke in Greifswald folgen, welchen mir dieser seiner-
zeit frenndlichst zukommen Hess. Derselbe liefert gleichfalls einen
Beitrag zur Kenntniss der Lepidoten des Wealden und lautet wie
folgt:
»Beim Ordnen der hiesigen Sammlung entdeckte ich neulich
128 W. Branco, lieber das Gebiss von Lepidotus Kocneni Bu. etc.
das Original zu Dunker’s Lepidotus Fittoni Taf. XlVa, welches
in der IlAUSMANN’scheii Sammlung lag, und erlaube mir Ihnen
die folgenden Daten zu übermitteln, welche für Sie vielleicht von
Interesse sind. Wie Sie richtig vermuthet haben, ist dies Stück
ident mit Ihrem Lepidotus Hauchecornei var. paucideuitata. Es
besitzt vorn dieselben grob und wenig am Ilinterrande ausge-
zackten Schuppen, hinten die nur mit 2 oder 3 grösseren Dornen
versehenen. Ausserdem finden sich dicht hinter dem Kiemen-
deckel einige grosse, schildförmige, lang gestreckte Schuppen
mit reicherer Scvdptur und fingerförmig ausgezacktem Hinterrande.
Im Uebrigen ist das Exemplar leider stark verdrückt. Dagegen
ist wohl mit am besten von allen Lepidoten des Wealden das
Gebiss erhalten, von dem Dunker ja schon eine Skizze gegeben
hat. Die grösseren Sjyhaerodus- artigen Zähne stimmen mit den
von Ihnen auf Taf VII, 1 aregebenen Abbildungen überein.
Schliesslich sei mir die Bemerkung gestattet, dass Lepidotus
serrulatus^ dessen abweichende Bauchbeschuppung Sie erwähnen,
vielleicht zu Heterolepidotus zu stellen ist. Freilich sind wir über
sein Gebiss völlig im Unklaren.«
Untersuclmiigeii eines Oliviiigabbros aus der
Gegend von Harzburg,
Von Herrn A. Martin in Bonn.
(Hierzu Tafel XXV.)
Das Material zn der vorliegenden Untersuchung verdanke
ich der Güte des Hei'rn Professor Dr. K. A. Lossen in Berlin,
der dasselbe iin Sommer 1887 selbst gesammelt hat. Das Gestein
stammt aus der grossen Partie gabbroartiger Gesteine, welche
auf der Westseite des Granitmassivs des Brockens auftreten, und
steht im Hasselhachthale unweit vom Molkenhause oberhalb Harz-
burg au dem neuen Fahrwege, der von dem Hasselbache nach
dem Diebessteig führt, an.
Das Gestein ist sehr zähe, von dunkler Farbe und einer
feinkörnig krystalliuischen Structur, welche die makroskopische
Untersuchung erschwert. Auf neu geschlagenen Bruchflächeu
zeigt es sich recht frisch. Bei Anwendung der Lupe lassen sich
vier verschiedene Minerale unterscheiden:
a) ein Mineral von weisser Farbe, welches an manchen
Stellen in deutlichen Leistchen auftritt, die den längeren
Kanten parallel eine wiederholte Streifung aufweiseu, einen
ziemlich voUkommenen treppeuförmigen Bruch, also zwei
annähernd auf einander senkrechte Spaltbarkeiten und
Glasglanz zeigt — ein Plagioklas;
Jahrbuch 1889, [y]
130
A. Martin, Untersucliungen eines Olivingabbros
b) ein blättriger Pyroxen von hellgrauer bis brauner Farbe,
welcher in unregelmässig begrenzten Krystalloiden ver-
hältnissinässig grosse Flächen einnimmt, die von Körnern
der anderen Gemengtheile durchspickt sind, von ausge-
zeichnetem monotomen Blätterbruch und metallartig schil-
lerndem Glanz auf den Spaltflächen, weicher wie Stahl;
c) ein dunkler Glimmer von ausgezeichneter Spaltbarkeit, in
lappeuförmigen Täfelchen;
d) öl- bis dunkelgrüne Körner eines Minerals , welches keine
Spaltbarkeit zeigt, von fettigem Glanze, und härter als
Stahl ist — wahrscheinlich Olivin.
Das specifische Gewicht des Gesteins wiu’de in TnouLET’scher
Lösung mittelst der WESTPHAL’schen Waage zu 3,041 ermittelt.
Nach einer von Herrn Fischer im Jahre 1887 im La-
boratorium der Königlichen Bergakademie zu Berlin ausgeführteu
Bauschanalyse ist die Zusammensetzung des Gesteins:
Si02 . .
. . 46,43
pCt.
Ti02 . .
. . 1,04
»
AI2O3 .
. . 13,62
»
Fe2 03 . .
. . 1,16
»
FeO . .
. . 9,08
»
MgO . .
. . 15,15
»
CaO . .
. . 8,60
»
K2O . .
. . 0,84
»
Na2 0 . .
. . 1,88
»
II2O . .
. . 2,36
»
CO2 . .
. . —
»
P2O5 . .
. . 0,22
»
SO3 . .
. . 0,17
»
Summa 100,55 pCt.
Auf der einen Seite zeigt das zur Untersuchung vorliegende
Stück eine dünne, weiche Verwittenmgsrinde, die theils aus weiss-
lichen , erdigen , theils grünlichen , faserigen Partien besteht,
welche beide au vielen Stellen von ausgeschiedeuem Eiseuhydroxyd
aus der Gegend von Harzburg.
131
rotlibraim gefleckt siud. Es sind Producte der begiuneudeu
Kaolinisirnng und Serpentinisirung. Bei der mikroskopiscbeii
Untersucbvmg im Dünnscbliflie wurden folgende Minerale be-
obacbtet: au weseutlicbeu Geineugtbeileu: Labradorit, Diallag,
llyperstben, Olivin, — au accessoriscben: Glimmer, Hornblende,
Magnetit, Apatit, — an Nenbilduugeu: Serpentin, Kaolin, Limouit
und secnndär auso:escbiedeuer Mao;uetit.
Im Dünnscblifl’ ist der Plagioklas dureb seine polysyu-
tbetiscbe Zwillingsstreifung unverkennbar. Er ist in wasserbelleu,
breiten Individuen entwickelt, denen regelmässige Umgrenzung
meist feblt. Vor Allem zeigen die Endigungen eine böcbst unregel-
mässige Abrundung, während öfters die Längskauten jiarallel
der Zwillingsstreifung in guter Erbaltung Vorkommen. (Fig. 6, die
bellen Eläcben siud Plagioklase.)
Die in Olivinkörueru eingescblosseuen Individuen baben durcb-
weg ihre ursprünglicbeu Umgreuzungsfläcbeu verloren und siud
von rundlicber Gestalt.
Die Zwillingsbildungen nacb dem Albit-, Karlsbader und
Perikliugesetz sind ausserordeutlicb häufige Erscbeiuungen. Die-
selben treten öfters in der Weise auf, dass zwei nacb dem Karls-
bader Gesetz verbundene Individuen nacb dem Albitgesetz eiu-
gelagerte Lamellen aufweiseu. Verwacbsungen nacb dem Perikliu-
gesetz cbarakterisireu sich durch Lamellen, welche je nacb der
Kicbtung des Schnitts mehr oder weniger senkrecht zu den nach
dem Albitgesetz verbundenen Individuen stehen. In der Aus-
bildung der einzelnen Lamellen berrsebt grosse Mannigfaltigkeit:
bald keilen dieselben sieb aus, bald grenzen sie mit willkürlich
gezackten Linien au einander, bald ragen sie in langgestreckten
Lappen in einander hinein.
Die Breite der nach dem Albitgesetz verwachsenen Lamellen
ist eine wechselnde; vorherrschend beobachtet man jedoch breite
Lamellirung. Da die optischen Eigenschaften und das specitische
Gewicht zu (2,71) diesen Plagioklas in die Reihe der Labradorite
und Bytownite verweisen , würde diese Ausbildung der von Rosen-
buschI) ausgesprocheueu Vermuthung, dass breite Lamellen auf
b Physiographie Band I, S. 529.
[9*1
132 A. Martin, Untersuchungen eines Olivingabbros
die basischeren Glieder der Feldspathreihe beschränkt seien, zur
Bestätigung dienen.
Zur Isolirung einzelner Feldspathkörner, an denen die Be-
stimmung des specifischen Gewichts vorgenommen werden sollte,
wurden aus dem Gesteinpulver mittelst eines starken Elektro-
magneten die eisenhaltigen Bestandtheile ausgezogen, so dass nur
Feldspath und Apatit zurückblieben.
Dieser Rückstand wurde einer genauen Untersuchung mit
der Lupe unterzogen, um noch etwa anhaftende Glimmerblättcheu,
welche am Schwersten auszuzieheu waren, zu entfernen.
Die Verunreinigung durch Apatit konnte die Bestimmung
nicht wesentlich beeinflussen, denn einerseits sind die im Gestein
enthaltenen Mengen von Apatit sehr geringfügig, andrerseits ist
das specifische Gewicht desselben um so viel höher, als das
des Feldspaths, dass eine Verwechslung bei der Bestimmung
des specifischen Gewichts in THOULEx’scher Lösung schlechter-
dings ausgeschlossen ist. Die hier eingeschlagene Methode zur
Bestimmung des Plagioklases konnte um so unbedenklicher ange-
wendet werden, als die Feldspäthe sehr frisch sind und wenig
Einschlüsse enthalten, so dass weder durch Zersetzungsproducte
noch durch Interpositionen eine Trübung des Resultats zu be-
fürchten war. Die Feststellung der optischen Orientirung auf der
M-Fläche, welche au möglichst vielen Individuen versucht wurde,
ergab einen mit obigem Ergebuiss gut im Einklang stehenden
Befund.
Die Auslöschungsschiefe zu der Spaltrichtung auf den keine
Zwillingsstreifung und nur e i n e Spaltbai’keit zeigenden Feldspath-
schnitten, welche also, der grössten Wahrscheinlichkeit nach, parallel
der M-Fläche waren , wurde im Durchschnitt zu 15 — 17® fest-
gestellt.
In convergentem polarisirtem Lichte zeigten diese Schnitte
einen randlichen Austritt der spitzen Mittellinie. Um noch einen
weiteren Anhalt für das Verhältniss des Natrons und des Kalks
in dem Plagioklase zu haben, wurden einige Feldspathkörner mit
Kieselflusssäure nach der BouiCKY’scheu Methode behandelt. Beim
Eintrockneu schieden sich die bekannten spindelförmigen Krystalle
ans der Gegend von Harzburg.
133
von Kieselfluorcalcium in weit grösserer Menge aus, als die hexa-
gonalen Säulchen von Kieselfluornatriuin.
Nach diesen Beobachtungen ist also der in dem vorliegenden
Gestein enthaltene Plagioklas ein kalkreicher Labradorit, der auf
der Grenze zum Bytownit steht.
Wie schon oben erwähnt wurde, sind die Plagioklase arm an
Einschlüssen. Abgesehen von grösseren Individuen der früher
ausgeschiedenen Mineralien, Magnetit, Apatit und Olivin, hin und
wieder einem winzigen Schüppchen eines stark pleochroitischen
Glimmers sind kleine wasserhelle bis hellgrüne Körnchen von
starker Lichtbrechung und deutlicher Doppelbrechung, welche
manchmal ein Erzkörncheu enthalten, im Labradorit eingebettet;
Kosenbüsch^) erwähnt eine ganz ähnliche Erscheinung und glaubt
diese Körner mit einiger Wahrscheinlichkeit für Augit ansprechen
zu können.
In dem vorliegenden Falle möchte ich einen Theil derselben
für Olivin, wegen ihrer sehr charakteristischen Zersetzungserschei-
nungen in faserigen, schwach pleochroitischen Serpentin unter
Ausscheidung von Erz halten.
Flüssigkeitseiuschlüsse von sehr geringen Dimensionen, theils
ohne Libelle, theils mit feststehender Libelle, durchziehen in langen
Keihen die Feldspäthe. An Zersetzungserscheinungen ist das Auf-
treten von weissen Flecken — Neubildungen von Kaolin oder
Muskovit — , welche Aggregatpolarisation zeigen und sich bei
starker Vergrösserung in ein Gewirr von Schüppchen und Körnchen
auflösen, zu erwähnen.
Die Zersetzung geht in vielen Fällen nicht, wie zu erwarten
wäre, von den Rändern der Feldspathindividuen, sondern von der
Mitte aus (Fig. G, Feldspath links am Rande des Bildes), so dass,
trotzdem ein zonarer Bau optisch nicht nachweisbar ist, die An- '
nähme, dass die Kerne einen basischeren Charakter besitzen, einige
W ahrscheiulichkeit hat.
Der Diallag tritt in unregelmässig begrenzten, grossen lap-
pigen Krystalloiden auf, in die reichlich Körner der anderen
b Physiographie, Band II, S, 135.
134
A. Martin, Untersuchungen eines Olivingabbros
Bestandtbeile eingebettet sind. Diese letzteren sind oft so stark
entwickelt, dass der Diallag als Zwiscbenkleinmnngsmasse erscbeint,
lind dann nur die vollkommen gleiche optische Orientirnng die
Zusammengehörigkeit der getrennten Theile beweist.
Der Diallag wird mit gelblicher Farbe durchsichtig. Die
Spaltbarkeit nach dem Prisma von 87 ^ ist eine recht deutliche,
amVollkommeusteu aiisgebildet ist die Theilbarkeit nach dem Ortho-
pinakoid (Fig. 3), während eine zarte Faserung nach dem Klino-
pinakoi'd erst bei starker Vergrösseriing zu beobachten ist. An
manchen Schnitten tritt jedoch die orthopinakoidale Theilbarkeit
zurück, so dass sich dann der Charakter des Minerals mehr dem
des gemeinen Augits nähert. (Fig. 3.)
D ie bekannten nadelförmigen braunen bis schwarzen luter-
positionen sind in grosser Menge vorhanden; sie sind in den
einzelnen Körnern sehr verschieden vertheilt; an manchen Stellen
häufen sie sich so, dass der Diallag undurchsichtig erscheint. Die
Nädelcheu liegen vornehmlich auf dem Orthopinakoid parallel der
c-Axe und zwar wechseln dichtere Schichten mit weniger dichten
ab, so dass sie Schnitten nach der Symmetrieebene ein streifiges
Aussehen verleihen (Fig. 2), eine Erscheimiug, welche v. LasaulxI)
auch von einem Diallag aus dem Olivingabbro von Sörgsdorf be-
schreibt.
Ausser diesem System von Interpositiouen ist ein anderes,
jedoch spärlicher, auf dem Klinopinakoid unter einem Winkel von
ungefähr 250 gegen die prismatische Spaltbarkeit einseitig ange-
orduet, welches auch in basalen Schnitten beim Senken des Tubus
recht gut zu beobachten ist.
Ausser diesen Nädelchen erscheinen sowohl im Diallag als
auch im Ilypersthen und der Ilorubleude sehr kleine der Vertical-
axe c parallel angeordnete Körperchen von kurzsäuliger Form mit
dachförmiger Zuspitzung, welche keine Doppelbrechung zeigen und
manchmal eine winzige feststehende Libelle enthalten. Irgend eine
Gewissheit über den Charakter dieser Einschlüsse konnte, ihrer
b Petrographische und mineralogisclie Notizen aus östr. Schlesien. Neues
Jahrb. f. Mineralogie u. s. w., Jahrg. 1878, S. 838.
aus der Gegend von Harzburg.
135
sehr geringen Dimensionen wegen, trotz Anwendung des stärksten
Immersionssystems, nicht erlangt werden.
Sehr charakteristisch für den Diallag ist seine innige Ver-
wachsung mit einer stark pleochroitischen Hornblende, welche
denselben sowohl in Form von unregelmässigen oder langgestreckten
Fasern durchdringt, als auch in Rinden von verschiedener Stärke
umgiebt. In den meisten Fällen liess sich eine streng parallele
Verwachsung nach dem Klinopinakoid auf Grund des unten fol-
genden Befundes nachweisen; an einzelnen Körnern wurde anderer-
seits festgestellt, das eine Verwachsung nach diesem Gesetz nicht
stattfand.
Ob in diesen Fällen dieselbe regellos oder nach einem anderen
Gesetz erfolgte, ist ungewiss. Basale Schnitte (Fig. 3), welche
leicht an den charakteristischen Spaltungswinkeln des Diallags
und der Hornblende zu erkennen sind, zeigen gleiche Auslöschung,
welche die Spaltwinkel halbirt.
Die Elasticitätsaxe a ist die Halbirende des stumpfen Winkels
bei der Hornblende und steht senkrecht auf der orthopinakoidalen
Theilbarkeit beim Diallag.
Die Prüfung in convergentem Lichte ergab für Beide einen
Axenaustritt.
Der Hypersthen hat in der Art seiner Vertheilung sein-
grosse Aehulichkeit mit dem Diallag. Man begegnet demselben
in unregelmässigen, lappenförmigen Fetzen, in und zwischen
welche Körner der anderen Gemengtheile gebettet sind. Der
Hypersthen ist von röthlicher Farbe und einem schwachen Pleo-
chroismus : für partillel c schwingende Strahlen grünlichweiss,
parallel b und a, schwach röthlich. Die Theilbarkeit nach dem
Brachypinakoid ist sehr deutlich, ebenso auch die prismatische
Spaltbarkeit. Au einzelnen Schnitten tritt letztere jedoch zurück.
Zu erwähnen ist noch eine grobe Absonderung nach der Basis,
von deren Rändern aus die Bastitbildung, kenntlich au einer
äusserst zarten Faserung, welche auf den Rissen senkrecht steht,
ausgeht. Schnitte aus der Prismeuzoue, kenntlich au dem Vor-
handensein nur einer Spaltrichtung und einer derselben parallelen
Auslöschuug, zeigen, je nachdem sie sich mehr dem Makropiuakoid
136
A. Martin, Untersucliungen eines Olivingabbros
uälieru , einen Bissectrixaustritt oder nur einen verwaschenen
Balken. In makropinakoidalen Schnitten lässt sich bei Beob-
achtung in Oel der Austritt der spitzen Bissectrix feststellen, ein
Beweis, dass der vorliegende rhombische Pyroxen Hypersthen und
nicht Bronzit ist.
Von dem Diallag ist der Hypersthen, abgesehen von seinem
abweichenden optischen Verhalten, sowohl durch seine äusserst
spärliche Verwachsung mit Hornblende als auch durch die Form
seiner Interpositiouen zu unterscheideu.
Uieselbeu sind von langtafeliger oder gestreckt lappiger Form
und brauner Farbe, theils durchsichtig, theils opak, und in zwei
auf einander senkrechten Richtungen, parallel c und a, auf dem
Brachypiuakoid augeorduet (Fig. 6).
In einigen Schnitten findet man noch ein drittes System der-
selben Körperchen, welches unter einem Winkel von etwa 30*^ zu
der c-Axe liegt. In Schnitten nach der Basis und dem Makro-
pinakoid erscheinen sie als äusserst feine Linien.
Die luterpositionen des Hyperstheus machen mehr den Ein-
druck von dünnen Häutchen, während diejenigen des Diallags die
Form scharf begrenzter Nädelchen haben.
Der Hypersthen des in Rede stehenden Gesteins zeigt wenig
Neiffunff zu Verwachsungen mit den andern Bisilicaten. Ausser
der schon oben erwähnten, spärlichen Umrandung und Durch-
wachsung mit Hornblende, ist eine Verwachsung mit anderen
Mineralien, wie z. B. die sonst so verbreitete mit Diallag, nicht
beobachtet worden.
Der Olivin, der in dem Dünnschliffe mit einem Stiche iii’s
Grünliche durchsichtig wird, lässt sich leicht au seiner hohen
Licht- und Doppelbrechung, welche die bekannte chagrinirte Oljer-
fläche und die lebhaften Polarisatiousfarben hervorbringeu, und
den deutlichen zur Maschenstructur des Serpentins führenden
uui’egelmässigeu Sprüngen von den übrigen Gemengtheileu unter-
scheiden. Er tritt in rundlichen Körnern auf, die oft von einem
Maguetitrande umzogen sind. Auf den Sprüngen hat bereits die
Serpeutiuisirung, unter starker Erzabscheiduug und Limouitbildung,
begonnen.
ans der Gej^end von Harzburg.
137
Vor Allem siucl es die kleinen iin Labradorit sitzenden
Körnchen, welche fast ganz in grünlichen oder gelblichen, lang-
faserigen Serpentin übergegangen sind.
An Einschlüssen enthält der Olivin, ausser grösseren Magnet-
eisenkörnern nnd den schon erwähnten Feldspathindividuen,
änsserst zarte dendritische Bildungen von Erz von schwarzer
oder rother Farbe und kleine Flüssigkeitseinschlüsse.
Der Ol immer des untersuchten Gesteins ist von brauner
Farbe und starkem Pleochroismus; b = c, dunkelbraun, — a
hellgelb.
Das Interferenzkreuz in convergentem polarisirtem Inchte ist
recht deutlich und öffnet sich nur wenig bei Drehung des Präpa-
rates. Der Axenwinkel ist also ein kleiner.
Da scharfe Umgrenzungslinien bei dem Glimmer nicht vor-
handen sind, ein Apparat zur Herstellung von Schlagfignren in
so winzigen Blättchen aber nicht znr Verfügung stand, so war es
leider nicht möglich, die Lage der optischen Axenebene zu be-
stimmen. Die Farbe, der starke Pleochroisnms und der kleine
Axenwinkel lassen den Glimmer als der Biotitreihe zugehörig er-
kennen.
Interessant ist die Umrandung des Glimmers mit Hornblende
(Fig. 1), eine Erscheinung, die bisher meines Wissens nur einmal
von Vrba^) an einem Glimmer ans dem Gabbro vom Lichtenau-
Fjord in Grönland beschrieben worden ist.
Die Hornblende kommt gewöhnlicb als Umrindung der
übrigen Bestandtheile, seltener in selbständigen Körnern vor. Sie
ist von brauner Farbe und starkem Pleochroismus: c dunkelbraun,
bis a hellgelb; Absorption: c >b >a. Die Auslöschungsschiefe
wurde an prismatischen Schnitten zu ungefähr 20*^ bestimmt. Die
ausgezeichnete Spaltbarkeit in Verbindung mit dem kräftigen
Pleochroismus schliessen eine Verwechslung mit den übrigen in
Frage kommenden Alineralien aus. Der Magnetit kommt sowohl
primär als secundär in abgerundeten Körnern oder kleinen Kry-
ställchen mannigfachster Form vor.
b ßeilräge zar Kenntniss der Gesteine Süd-Grünlands. Sitzungsbericht der
K, K. Akademie der Wissenschafien zu Wien. Febr. 1874 LXIX.
138
A. Mautin, Untersuchungen eines Olivingabbros
Der Apatit tritt theils in kurzen Sänlcheu, deren sechs-
seitige Querschnitte die charakteristischen optischen Eigenschaften
zeigen, theils in wulstigen unregelmässig begrenzten Körnern
(Fig. 5) auf.
Die Structur des Gesteins charakterisirt sich durch die regel-
lose Anordnung der einzelnen Körner und das Fehlen einer
Grundmasse als eine krystalliuisch-körnige (Fig. 4).
Der Versuch, das relative Alter der das Gestein zusammeu-
setzeudeu Bestandtheile zu bestimmen, erfordert in dem vorliegenden
Falle um so grössere Vorsicht, als, ausser beim Apatit, Magnetit
und Labradorit, den Mineralien jede regelmässige krystallo-
graphische Umgrenzung mangelt. Die ältesten Bestandtheile sind
Magnetit und Apatit. Nach ihrer Ausscheidung begann die Olivin-
bildung; Körner desselben werden von allen übrigen Mineralien,
also auch von Plagioklas, umschlossen. Ehe jedoch diese Aiis-
scheidung beendet war, krystallisirten schon die Feldspäthe aus
dem Magma aus, was durch das Vorkommen von einzelnen
Körnern derselben im Olivin bewiesen wird, eine Erscheinung, die
jedoch weit seltener, als die schon erwähnte Umlagerung von
Olivin durch Feldspath, ist. Spärlich im letzteren vorkommeude
Blättchen von Glimmer und Pyroxen deuten darauf hin, dass neben
der Bildung der Plagioklase sich die Ausscheidung der Bisilicate
vollzog, doch muss dieselbe anfangs sehr gering gewesen sein.
Die Hauptperiode ihrer Ausschekhmg fällt erst nach Beendigung
der Plagioklashildung, was daran deutlich zu erkennen ist, dass
vor Allem die Pyroxene gleichsam den Kitt der älteren Gemeng-
theile bilden. Die Ausscheidung der Hornblende, falls dieselbe
überall als primär aufzufassen ist — und es Hegt, meines Er-
achtens, kein Grund vor, dieses nicht zu thun — , scheint neben
den übrigen Ausbildungsprocessen während einer langen Dauer
hergegangen zu sein, da wir sie sowohl als Umrindung des
Olivins, eines der ältesten Bestandtheile, als auch der Pyroxene
finden.
Was die Klassifikation des Gesteins anbelangt, — wesentliche
Gemengtheile: ein basischer Plagioklas, Diallag und Hypersthen
in ungefähr gleicher quautitafiver Befheiligung, und Olivin —
aus der Gegend von HarzVjurg.
139
so steht es, auf Grund der reiu petrographischen Untersuchung
zwischen den Olivingabbros und den Olivinnoriten (beide Bezeich-
nungen iin KoSENBUSCn’schen Sinne).
Zum Schluss gestatte ich mir, Herrn Prof. Dr. Lossen und
vor Allem Herrn Dr. M. Koch zu Berlin, die mich in liebens-
wiirdio-ster Weise bei der Anfertifruno; dieser Arbeit unterstützt
haben, meinen verbindlichen Dank zu sagen.
A. \V. S c h a d e ’s Buchdruckerei (Tj. Schade) in Berlin, Stnllsohreiberstr. 45/46 .
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Tafel II.
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Hymenotheca Dathei
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1
Jahrbujchd.geolog.Landesanstu-Bergakademie 1889.
Taf.H.
ie(2
WStaackdel
Lich.tdruckvA.Frisc}i.BeTlin
Tafel III.
V Fig. 3 a.
Hymenotheca Beyschlagi in
\j Fig. 3 b.
» » »
Jahrbuch dgeologlandesanstuBergakademie 1889.
Taf . nr.
Taf*el IV,
Fig. 1 a. I]yme)wphyUites (^Sphenopteris) germanica n. sp. in natür-
liclier Grösse.
Fig. Ib. J-Jymcmophyllites germanica. Ein Stückchen des Blattes
inehnnals vergrössert.
Fig. 1 c. Hymenopliyllites germanica. Ein Sporanginm stark ver-
grössert.
Jahrbuch igeologlandesanstuBergakademie 1889.
Taf.lV:
W.Staack. ■u..H.Potonie gez.
Lich.tdruckv.A.Frisch.BeTlin
■ r
i-'.
rafel V.
2 a.
O
Fig. 2 b.
: Fig. 2c.
[/ Fig. 2 d.
Fig. 2 e.
\/ Fig. 3 a.
j Fig. 3 b.
Oligocarpia (Sjjhenoptens') Kliceri n. sp. iu natürlicher
Grösse.
Vergrösserte Darstellung des Stückes Fig. 2 a.
Oligocarpio Klweri. Eine Blattfieder. Vergrössert.
Oligocarpia KHveri. Ein Fiederläppcben. Vergrössert.
Oligocarpia KHveri. Ein Sorus. Stark vergrössert.
Renaultia (^Sp>henopteris) microcarpa in natürlicher Grösse.
Renaulfia microcarpa. Eine Blattfieder. Vergrössert.
Jahrbuch d.geolog.LandesaiistU-Bergakademie 1889
Taf.V.
W^Pütz ■u.,H,PotonLe gez.
Lichtdruckv.A.Prisoh, Berlin.
Jrilir’u d Gtol.L;mdcsanst.u Bn-oaliad. 18S9.
MAUER-SEE,
SCHWEdVZAIT-SEE,
Kirsailen-See,
DARGAINEN-SEE,
KISSAIN-SEE,
Labab-See,
DOBEASCHERSEE.
Ittivoi roit
W. ULE .
1889.
Maafs.stab 1:100000.
J)i£ Isobathen süui utJbsUJUub'n rortlO”^
(ü^puTÜcärt) ,
dielsohi/pseji in soldi^/i i'o/i 9. tJ’^gezogeii
[9. 30 ‘(Decünal )].
'Ü^~'.Sui7ipfijje oder moorige J^l.ederung
MxVrER-SEK.
SCH \VE X Z AI T-S E E
Kirsuitcn-Sep,
B.VRGAINEX-SEE.
KISSAIN-SEE,
Labab*See.
DOBEXSCHER SEE
dffonkrn
(C, ,«fscH\vENZAi;r
W. ULE
1889.
'Gr.Stanort
I „Kiasam^Seo
^ Fiecztirkcn
. &Uars^
See J
J>oetz^|ipB.e
Tt\U-
’O JüimionJien
MaafHStab 1:1UOOOO.
I?ie JsobiUhen auui üt-AbsLuuLn ran IO'’
du Isohypsen in soUIien tvn S.i,'''qftoycj,
. _ l^d^-dOIDeamaUJ.
. '.'.Susnpfiye od£rj7UtorigeI\'iederu/iQ
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leo.o uo.D tM.4 ot.B m.4 b.u
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tidi Allst KraaU . BeHin.
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Litiv AivA vjj, l\raat2 . Berlin .
Jahrb. il Geol. Landesanst. u Bergakad. 1889.
Taf.VU
LiiK^sivL Kraatz,'Bei'lin
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Tafel XI.
( Sämiutliche Abbildungen in natürlicher Grösse.)
Fig. la. Amaltheus Marcousamis it’Orb.
In Schwefelkies umgewandeltes Exemplar aus dem Hilsthone
von Barsinghausen.
Fig. Ib. Rückansicht desselben Exemplares. (Die Mundöffnung ist zu-
sammengedrückt.)
Fig. 2a, b. Amaltheus Gevrilianus d’Orb.
Theilweise mit Schale erhaltenes Exemplar aus dem Hils-
thone von Barsinghausen.
Fig. 3 a, b. Amaltheus heteropleurus Neumayr u. Uhlig.
Beschältes, mit Wohukammer erhaltenes Exemplar aus dem
unteren Hilsthone von Neustadt am Rübenberge. Von der
Flanke ist ein Theil der Schale abgespreugt und dadurch
die Lobenzeichnung sichtbar. (Die bei Barsinghausen ge-
fundenen Exemplare von Am. heteropleurus sind minder gut
erhalten und daher zum Abbilden weniger geeignet.
Fig. 4. Amaltheus heteropleurus Neumayr u. Uhlig.
Durchschnitt eines Kieskerns aus dem Hilsthone von Bar-
singhausen.
Fig. 5. Olcostephanus nucleus A. Roemer.
Theilweise verkiestes Exemplar von der Seite aus dem
Hilsthone von Barsinghausen.
Sämmtliche Originale befinden sich in der Sammlung des Verfassers.
Jahrb.d. Geolog. Landesaiist. ii. Bergakad 1881),
Taf.Xl
E -Ohmann
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Tafel XII.
(Sämmtliche Abbildungen in natürlicher Grösse.)
Fig. 1. Ol CO Stephanus nucleus A. Roemer.
Das auf Taf. XI, Fig. 5 bereits von der Seite abgebildete
Exemplar von vorn gesehen mit der Mundöffnung.
Fig. 2. Olcostephanus nucleus A. Roemer.
Ein theihveise verkiestes Fragment, an welchem Spuren
von Knotenbildung rund um den Nabel erkennbar sind.
Aus dem Hilsthone von Barsinghausen. Das Original be-
findet sich in der Sammlung des Herrn Oberbergrath
WÜRTTENBERGER in Hannover. (Die Knoten treten auf
der Zeichnung noch zu stark hervor.)
Fig. 3. Cucullaea Gabrielis Leymerie.
Seitenansicht der linken Schale eines zweiklappigen etwas
verdrückten Gehäuses aus dem Hilsthone von Barsinghausen.
Fig. 4. Cucullaea Gabrielis Ley'merie.
Linke an der Vorderseite etwas verletzte Schale aus dem
Hilsthone von Barsinghausen.
Fig. 5. Cucullaea Gabrielis Leymerie.
Schlossansicht der linken Klappe eines jüngeren Exemplares
aus dem Hilsthone von Barsinghausen.
Fig. 6. Cucullaea Gabrielis Leymerie.
Ansicht von der hinteren Seite eines nur in der oberen
Hälfte erhaltenen Exemplares. Fundort derselbe.
Fig. 7. Cucullaea Gabrielis Leymerie.
Ansicht der Wirbel von der Vorderseite eines jugendlichen, an
der hinteren Seite verletzten Exemplares. Fundort derselbe.
Sämmtliche Originale befinden sich, M’^enn nichts anderes angegeben ist,
in der Sammlung des Verfassers.
Jahrb.il. Ge olocj . Laudesanst.u. Bergakad. 1889.
Taf. XII.
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Tafel XIII
(Sämmtliche Abbildungen in natürlicher Grösse.)
Fig. 1. Cucullaea texta A. Roemer.
Rechte Klappe aus dem mittleren Kimmeridge von Ahlem
bei Hannover mit Ansicht des Schlosses.
Fig. 2. Linke Klappe eines grossen Exemplares dersielben Art von dem-
selben Fundorte.
Fig. 3, 3 a, 3 b. Exemplar derselben Art mit beiden Klappen aus dem
mittleren Kimmeridge von Ahlem. Fig. 3: Seitenansicht
der linken Klappe. Fig. oa; Ansicht von der Hinterseite.
Fig. 3b: Ansicht von der Vorderseite.
Fig. 4, 4a, 4b. Cucullaea texta A. Roemer.
Kleines an der Hinterseite etwas verdrücktes Exemplar mit
vollständig in der Sculptur erhaltener Schale aus dem
obereii Wealden von Barsinghausen. Fig. 4: Seitenansicht
der linken Klappe. Fig. 4 a: Ansicht von der Hinterseite.
Fig. 4b: Ansicht von der Vorderseite.
Fig. 5, 5 a. Exemplar derselben Art mit gut erhaltener Schale aus dem
oberen Wealden vom Kleinen Süntel bei Münder. Fig. 5:
Ansicht der linken Klappe von der Seite. Fig. 5a: Ansicht
von der Hinterseite.
Fig. 6. Cucullaea texta A. Roemer.
Linke Klappe eines kleinen stark aufgeblähten Exemplares
mit etwas abgeriebener Schale aus dem oberen Wealden
von Barsinghausen. (Auf derselben Platte liegt ein Exem-
plar von Corbula alata Sow. und Melania rugosa Dunker.)
Fig. 7. Rechte Klappe derselben Art mit Ansicht des Schlosses aus dem
oberen Wealden von Barsinghausen.
Fig. 8. Rechte Klappe derselben Art, auf liegend auf einer Platte mit
Corbula alata aus dem oberen Wealden von Barsinghausen.
Der hintere Theil der Schale ist theilweise verdeckt , am
Vordertheile ist die Sculptur der Schale gut erhalten.
Fig. 9. Linke Klappe derselben Art und von demselben Fundorte. Die
Schale ist stark abgerieben, wie dieses bei den meisten
Exemplaren der Fall ist.
Fig. 10. Cucullaea texta A. Roemer.
Rechte Klappe eines jugendlichen Exemplares mit der An-
sicht des gut erhaltenen Schlosses; der Wirbel ist verdeckt.
(Auf derselben Platte liegen neben Corbula sublaevis noch
verschiedene junge Exemplare von Cucullaea texta ^ bei
welchen theilweise die trapezförmige Gestalt noch schärfer
hervortritt.)
Sämmtliche Originale dieser Tafel werden in der Sammlung des Verfassers
aufbewahrt.
Jrihrb (1. C-iPoiog. Laiide.sanst.u. Bergakad. 1889.
Taf XIII.
E.Ohmann gez u.iith
Druck V A.Rfenaud .
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Biatijb-
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Unterer BuTitsaTLdstein. XL.Iertiaj'
Das Tertiär und Diluvium st
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Das Tertiär und Dil^l^^um so>vie ehemalige Flussarme
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)wie ehemalige Flussarme
und Lahnsleiii.
Taf.XV:
Litk Anst.v L. Kraatz , Berlin.
Ubersichls Karte
Flussläufe an
. .Ymer-
•S-fiotAmMr!
' SaQTbi’ijk‘'f-ken
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^fertfnbach
Waldj^e^
<,OhftoTnhury
PMxer
Xaio
S* Avold
^^v//ruz(/i
Vanbery
Saarburg
Feilaiefi
lafH.
lilli. Aust . V. L 0 op. Eraatz, B efliu
TatlHL.
Saargab b1iii| obeEMia Sa'ifbfickeR
TaOSa
Jahrl d.lrt(il.Laiid8taiist.u Eer^Aail.lB89
Der grosse l/ombiurf
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Mihtair- dWuesständ^
Dhemaiiqer flwtiaru
hei ^fl -'lO'" über
dd<iiüjiefi Saarthnl .
JiQiioial D'm.
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Sehlei/huäiir-
TerTDer/iutffen .
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, BiscJirnisheim
SdiÖnccken
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Stifts - Wald
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Maasslall 1:30 000.
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Tafel XT^III,
Fig.
1.
Radiolites
Gosae
Roemer
vom Sudmerberg
bei
Goslar.
Fig.
2.
Radiolites
suecicus
Lundgren von Barnakälla
in
Schonen.
Fig.
3 a —
3 c.
Radiolites hercynius Ewald
vom Sudmerberg
bei
Goslar.
Fig.
4a —
4e.
»
»
»
von Stapelhurg.
Fig.
5a —
5 c.
Radiolites pusilhis
Lündgren von Ö. Kamp
in
Hallaud.
Fig.
6a —
6n.
»
»
»
von Stapelburg.
b'ig.
o
7a —
7 c.
»
%
»
var. hrevis n. var.
Stap elburg.
von
Fig.
8 a —
8d.
»
»
»
var. elongatvs n. var.
von Stapelburg.
Fig.
9 a —
9 c.
»
»
von Stapelburg.
Fig.
10.
»
»
»
» »
Fig.
11a—
11b.
»
»
»
» »
Fig.
1 2a —
12c.
Radiolites
suhlaemgatus LundGREN von Stapelburg.
Die Origiuale zu Fig. 1, 3a, 4a, 6a, befinden sich im geologisch-
palaeontologischen Museum der Universität Göttingen, die übrigen
in der Sammlung der geologischen Landesanstalt und Berg-
akademie in Berlin.
Jahrb, d. Geolog, Landesanst u. Bergakad 1889.
'l’afXVlII
KiSi
W. Pütz gez.u.litll
Druck V A Renaud
1
Tafel XIX.
Ansicht des im Lichthof der Königl. geologischen Landes-
anstalt und Bergakademie anfgestellten Banin - Stumpfes mit
Wurzeln, aufgenommen von der Nordseite. Mittelgrund (durch
die A.xe des Stammes gehend) etwa ^'24 der natürl. Grösse.
Jahrl)ueli cl4eolo^.LaTidesanst.u.Bergaka(lcinie 1889
Taf.ZlX
WPütz.pKoi
Lichtdruckv.A.Frisc’hEerlin
Talel XX
Geometrischer Grundriss des Baum- Stumpfes iu ^/go natür-
licher Grösse. Erklärung der Buchstaben auf S. 249 — 251 des
Textes.
Jahrbuch d.geolo^Jjandesanst.uBer^akademie 1889 .
Taf.XX.
N.d.Nat. gez.v; A. Schneider,
Lichtdruckv,A. Frisch, Berlin
Tafel XXI,
Ansicht eines grösseren Stückes der Stamm-Oberfläche bei h
des Grundrisses Tafel XX in 1/2 der natürlichen Grösse.
Jahrbuch (J.^eülo;^.!iUnd<^s;insl u.Berjliiikudenije I88B. T;i!‘ XXi
W -tack '
a^afel XXII
1. Ansicht eines Stückes der Wurzel- Oberfläche bei y des
Grundrisses Tafel XX in natürlicher Grösse.
2. Ansicht eines Stückes der Stamm -Oberfläche hei h des
Grundrisses in natürlicher Grösse.
3. u. 4. Ansichten zweier Stücke der Stamm-Oberfläche dem
Grundriss oberhalb d entnommen. Natürliclie Grösse.
Taf.XXII
gez
WStaack
Lichtdruckv.A.Friscli, Berlin,
l
^ .i;
i
4-
Tafel XXIII.
Fig. 1. Leperditia phaseolus His,, rechte Schale, aus einem Beyrichieu-
kalk von Langenau bei Praust.
Fig. 2a u. 2b. Leperditia phaseolus His. , linke Schale, aus einem
Beyrichienkalk von Langenau; 2a natürliche Grösse, 2b ver-
grössert.
Fig. 3. Leperditia phaseolus var. subpejitagona Kiesow, rechte Schale,
aus einem Geschiebe von Langfuhr.
Fig. 4a 11. 4b. Leperditia gregaria Kiesow, rechte Schale, von Langenau.
Fig. 5. Leperditia gregaria Kiesow, rechte Schale, von Langenau.
Fig. 6. Leperditia gregaria Kiesow, linke Schale, von Langenau.
Fig. 7 a u. 7 b. Leperditia gregaria Kiesow, linke Schale, von Ramkau.
Fig. 8a u. 8b. Leperditia gregaria Kiesow, linke Schale, aus einem
Geschiebe von Prangschin; 8a natürliche Grösse, 8b ver-
grössert. — Sammlung des Provinzial- Museums za Danzig.
Fig. 9 a u. 9 b. Leperditia gregaria var. arcticoidea Kiesow, rechte Schale,
von Langenau; 9a natürliche Grösse, 9b vergrössert.
Fig. l(h Leperditia gregaria var. arcticoidea Kiesow, linke Schale, von
Langenau.
Fig. Hau. 11b. Leperditia gregaria var. ardua Kiesow, rechte Schale,
von Zigankenberg.
Fig. 12 u. 13. Leperditia gregaria var. ardua Kiesow, linke Schalen,
von Zigankenberg.
Fig. 14. Leperditia baltica His. (F. Schmidt), rechte Schale, von
Langenau.
Fig. 15a u. 15b. Leperditia baltica His. (F. Schmidt), linke Schale,
von Langenau.
Fig. 16. Leperditia Eichwaldi F. Schmidt, rechte Schale, von Langfuhr.
Fig. 17. Leperditia sp., rechte Schale, von Prangschin. — Sammlung
des Provinzial-Museums zu Danzig.
Fig. 18a, 18b, 18c. Leperditia conspersa Kiesow, linke Schale, von
Goldkrug. 18b Ansicht von der Ventralseite. 18c zeigt den
vorderen Th eil der Schale vergrössert.
Jahrb. d. Geolog. Landesansl u. Bergakad . 1889
Tafxxni.
£. Ohiriaim lith
Druck vA.Kenaud.
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a^afel XXIV.
Fig. 1 — 4. Beyrichia Gedanensis Kiesow von Tempelburg bei Danzig.
Fig. 1: linke Schale eines weiblichen Exemplars; F'ig. 2 u. 4:
linke Schalen, männlich; Fig. 3: rechte Schale, männlich.
Fig. 5. Beyrichia Geda7iensis var. pustulosa Hall, linke Schale, weiblich,
von Langenau bei Praust.
Fig. 6. Beyrichia Gedane7isis var. pustulosa Hall, rechte Schale, weib-
lich, von Langenau.
Fig. 7 u. 8. Beyrichia Kochii Boll, linke Schalen, männlich, von Zoppot.
Fig. 9. Bexjrichia Kochii Boll, linke Schale, weiblich, von Langenau.
Fig. 10. Beyrichia horussica Kiesow, rechte Schale, männlich, von
Langenau.
Fig. 11. Beyrichia hox'ussica Kie.sow , linke Schale, männlich, von
Koliebken.
Fig. 12. Beyrichia horussica Kiesow. rechte Schale, männlich, von
Koliebken.
Fig. 13 u. 14. Beyrichia box'ussica Kiesow, rechte Schalen, weiblich, von
Langenau.
Fig. 15. Beyrichia (KIoede7ua) Wilckensiaxw var. plicata Joke.s, rechte
Schale, männlich, von Pitzkendorf.
Fig. 16. Beyrichia {Kloedenia) Wilcl(ensia7}a var. plicata Jones, rechte
Schale, männlich, von Brentau.
Jahrb.d Geolog Landesaiist u.Bergakad, 1889.
TafIXIir.
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13 a.
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Uruck V A.Renand
Jahrbuch. d.^eolo^.LaTidesanst.uBer^akaderme 1889
Taf, XW.
WPütz, pbiot.
Lichtdruck v A. Frisch^ Berlin .
Jahrb . 3.. Ge ol. Landesanst ;u. B ergakad . i889 .
Maassstalj
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Jo'slwft^
?Teutiihr\fa.sser
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I Oberen GescAieienieryels.
AforänenlajuJeeAa/t . im Ife
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Gebiet des OberdiLUaiAesaiuie.9 siidlirfi
\rtsp.ixm Hirten.) innerbtnlb der Moränen-
Vamiegend aus Oberem GestdaeitmergeL
bestehende», meiet fXaehes iuiateTtgehiet ■
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Berlinci' lilhogr.institut
JaJu^) . 3 . Ge ol . Landesana L .11. B er^akad . 1889 .
GEOLOGISCHE ÜBERSICHTSKARTE D, GEGEND ZWISCHEN COLBERGu. DANZIG.
Eiilworfen von K. Keilhack.
Taf.XÄT[.
Neidkhrw’RSsei*
Entworfen von K. Keilhack.
Farben-ErMänin^ :
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JlforäneTilan^^sxJiafl , wz Jf^ten. gejlTualt,
vn Osten cirOieidieh .
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I resp. (un. J'PesteThJ inne/'balb den J/bpdnen^
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1 '1000000 Berlmcr liüio^r.lnstitut.
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30
eoKiloin.
Tafel XXVII
Trematodiscus jugatonodosm Zimmermann.
Fig. 1 a. Wohnkamnier bis zur letzten, etwas verdrückten Scheide-
M^and; die Scnlptur z. Th. nach der anderen Seite
ergänzt.
Fio'. Ib. Wohnkaininer von aussen. — Die kreisi’unden Eindrücke
O
wohl von Ostrea sessilis herrührend.
Fig. 2. Durchschnitt durch den vordersten Theil der Wohn-
kaininer, die Umrisse z. Th. nach weiter zurück-
liegenden Theilen ergänzt.
Fig. 3. Ansicht der fünften (? oder sechsten) Scheidewand hinter
der Wolmkammer, mit Sipho und Internlobus.
Das Oriffinal stammt aus dem Grenzdolomit des Unteren
Keupers von Stadtilm in Thüringen und befindet sich in der
Sammlung der Königl. geologischen Landesanstalt zu Berlin.
E Ohniann gez. u lith.
DruckvARenaud
Jalirbiicli (I.
Meter
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50
100
150
200
250 —
300 -L-
geolog. Laiidesanst. u. Bergakademie 1889.
Taf. XXVIll.
Die Sool bohr un gen in Berlin.
NW.
Paulstr.
No. 6.
NW. S.
Fricdricljstr.
No. 102. No. 8.
N. C. SO. SW.
Wedding- Alexander- Oranien- Lützowstr.
platz. platz. platz. No. 74.
Druck vou A. W. S c h ade.
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